The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 35
[218] thauen.
[219] bereit.
[220] Die eingeklammerten Zeilen fehlen in den ältesten Handschriften.
[221] man.
[222] der Kranke, _sick_.
[223] Versprechen.
[224] Weihe.
[225] bis.
[226] schwerlich.
[227] Reue nach der That.
[228] angenehm.
[229] Blasen, Schnauben.
[230] Thorheit.
[231] um Liebeslohn bitten.
[232] Kirchenlied.
[233] oft.
[234] sich verneigen.
[235] Anführer.
[236] nur.
DAS AUSGEHENDE MITTELALTER.
_DAS SPIEL VON DEN ZEHEN JUNGFRAUEN._
[_Scherer D._ 245, _E._ 238.]
Behandelt die neutestamentliche Parabel von den klugen und thörichten Jungfrauen; soll 1322 vor dem Landgrafen Friedrich von Thüringen aufgeführt sein, wurde aber schon früher verfasst. Herausgegeben von L. Bechstein (Halle 1855); Rieger in der ‘Germania’ 10, 311.
Die erste dorechte sprichet alsus:
Herre vater, hymelischer got, thuwe es durch dinen bitteren dot, den du liede an dem crutze frone[237], vnde habe vnser armer juncfrauwen schone[238]. vns hat leider versumet vnser dorheit: lass vns genyssen diner grossen barmehertzekeit vnde Marien, der lieben muter din, vnde lass vns zu der wirstchafft[239] hien in.
Jhesus sprichet alsus: 10
Wer die zyt der ruwe versumet hat vnde nit enbussete sin missedat, kommet der vor myn thore stan, er wirdet nommer in gelan.
Die ander dorechte sprichet alsus:
Thuwe vff, herre, din thore! die gnadenlosen juncfrauwen sten hie vore. wir bidden dich, lieber herre, daz du din gnade wullest zu vns keren.
Jhesus sprichet alsus: 20
Ich weiss nit wer ir syt, want ir zu keiner zyt mich selben erkant hat nach die andern myn hantgedat[240]. des wirdt uch vil unuerdrossen[241] die hymelthore vor beslossen.
Die dritte dorechte sprichet alsus:
Sint vns got hat verseid[242], so bidden wir die reinen meid, muter aller barmehertzekeit, daz sie sich erbarme uber vnser grosse hertzeleit vnd bidden iren sone vor vns armen, 10 daz er sich uber vns wulle erbarmen.
Die vierde dorechte sprichet alsus:
Maria muter vnde meit! vns ist dicke geseit, du sist aller gnaden vol: nu bedurffen wir gnaden wol. diss bidden wir dich sere durch aller juncfrauwen ere, daz du biddest dinen sone vor vns armen, daz er sich uber vns wulle erbarmen. 20
Maria sprichet alsus:
Hettit ir mir ader[243] myme kinde ye keinen dinst getan, daz muste uch nu zu staden stan. des entadet ir leider nicht: des wirdit vnser beider bedde vnuerfenclich. doch wil ich versuchen an myme lieben kinde, ob ich keine gnade moge finden.
Maria fellet vff ir knye vor vnsern herren vnde sprichet:
Eya liebes kynt myn, gedencke an die armen muter din. 30 gedencke an die manicfaldigen not, die ich leid durch dinen dot. herre sone, do ich din genas, do hatte ich wedder hus nach palas, dan alles armude[244]: daz leit ich alles durch din gude. ich hatte mit dir arbeit, daz ist ware, me wan dru vnde dryssig jare. siech, liebes kint, des lone mir vnde erbarme dich uber diese armen hier.
Jhesus zu Marien sprichet:
Mutter, gedencket an die wort, 10 die sie finden geschrieben dort: wolken unde erden sal zugen, mine worte sullen ommer stille sten. du nach[245] alles hymelisch here mogen einen sunder nit ernern[246].
Die erste dorechte sprichet alsus:
Eya herre, durch dine gude entwich hude dim gemude vnde erzorne dich nit so sere! durch aller juncfrawen ere 20 siech an hude vnser iamerkeit. was wir gein dir getan han, daz ist vns leit: wir wullen din gebot me halden stede. erhore hude diner muter bedde vnde lass vns armen juncfrauwen din wirtschafft beschauwen. Maria, aller sunder drosterin, hilff vns zu der wirtschafft hien in!
Maria sprichet alsus:
Ich will gerne uwer vorsprecherin sin, 30 weret ir von sunden fry, so mocht ir desto bass herin kommen. ich wil aber vor uch bidden myn kint Jhesum.
Maria sprichet alsus:
Liebes kint, la dich myner bede nit verdriessen. lass hude vnser trehen vor din augen fliessen vnde gedencke an daz vngemach, daz von diner martel[247] mir geschach, do ein swert durch myne sele ging. so was ich pine durch dich enphing, der lone mir mit diesen armen vnde lass sie dich erbarmen. du bist ir vater vnde sie din kint: 10 gedencke wie sure sie dir worden sint mit manchem vngemache. mit so welcher hande sache der sunder dich erzornet hat, so ist er doch din hantgedat[248]. drut sone guter, erhore din muter. ob ich dir ye keinen dinst getede, so gewere mich dieser einigen bede vnde lass diese jemerlichen schare 20 ane vrteil zu hymel varn.
Jhesus sprichet alsus:
Nu swyget, frauwe muter myn: die redde mag nit gesin. die wyle sie in der wernde[249] waren, guder wercke sie verbaren[250], gereidt[251] was yne alle bosheit: des versage ich yne mine barmhertzekeit, want sie ir dort nit geruchten[252]. des beuel ich sie den verfluchten: 30 ir spade ruwe daug zu nichte. ich wil nu zu rechte richten. get, ir verfluchten ane sele vnde ane libe, von mir wil ich uch vertriben: get in daz fure, daz uch bereidt ist dem tufel vnde sime genist[253]. sunder, gang von mir: droist vnde gnade versagen ich dir. kere von den augen myn, min antlitz wirdt dir nommer schin. scheide von myme riche, daz du vil jemerliche mit dinen sunden verlorn hast: drag mit dir der sunden last. 10 gang hien vnde schry ach vnde we; din wirdt rad[254] nu iach[255] nommer me.
_OSTERSPIEL._
Befindet sich in einer Wiener Handschrift aus dem Jahre 1472. Herausgegeben von Hoffmann in seinen ‘Fundgruben’ 2, 296.
[_Scherer D._ 247, _E._ 239.]
Hie hebet sich an das spil von der besuchunge des grabes und von der uferstendunge gotes.
_Precursor._
Hüt und tret mir aus dem wege, Dass ich meine sache vorlege: Wer seine sache nicht wol vorlegen kan, Der nimt ofte schaden daran. Wer ist gewest nach meinen sitten? Ich wolte daher haben geritten Ein pfert, ane pfenninge mochte ichs gekaufen: 20 Darumme muss ich zu fusse laufen. Wol umb, ir herren, und wol umbe, Die weite und auch die krumme, Die breite und auch die firre[256], Dass uns niemant irre. Nu horet zu alle geleich, 20 Beide arm unde reich; Horet zu alle gemeine, Beide gross unde kleine; Ir jungen und ir alde, Horet zu also balde, Und ir alten flattertaschen[257], Ir kunnet vil smetzen[258] unde waschen, Und wo man icht wil beginnen, Da wolt ir euch auch zu dringen. Wir wellen haben ein osterspil, Das ist frolich und kost nicht vil, Wie got ist erstanden Von des todes banden, 10 Und hat die heiligen veter erlost Von der bittern hellen rost. Das welle wir tun in seiner ere, Dass sich sein gedechteniss mere In allen guten herzen, Die da wellen erlost werden von smerzen. Und wer unser darumme spott, Es sei Kunze Heinrich oder Ott, Hensel oder Eckehart, Oder Nitsche mit dem grossen bart; 20 Auch wirt uns iemant hindern daran, Es sei frau oder man: Entstet[259] im darunter icht, Das welle wir achten gar vor nicht, Und wünschen im dass er falle Als eine feder von eime stalle. Darumb bleibet alle stille sten Und horet wie sich das wirt ergen. Ich kan euch nicht mer geschallen[260]: Ir sulet uf treten alle.
_Pilatus und die juden gen mit im._
* * * * *
_Ein kaufman spricht._
Ich bins nemlich kommen von Paris; Uf erztei[261] habe ich geleget meinen fleiss Wol vier und vierzig jar: 10 Was ich euch sage, das ist nicht war.
_Aliud._
Nu horet, ir jungen und ir alten, Ir rauchen und ir kalten; Nu horet alle gleich, Beide arm unde reich. Ich bin ein meister her kommen: Ir sollet mein nemen kleinen frommen[262]. Ich habe erztei also vil, Die ich euch itzunt nennen wil; 20 Ich habe auch gutes geretes vil, Nuscheln[263] unde deisselseil[264], Beutel unde teschelein, Darzu die glesen[265] tepfelein. Ich bin ein meister gar hoch geborn, Und habe meinen knecht verlorn: Und wer ierne[266] einer in dem lande Der gebrauen[267] hette eine schande, Und welte meines dienstes pflegen, Zwar reichen solt wolte ich im geben.
_Rubin kommet._
Herre, wie dunket euch umbe mich? Ich bin jung und hofelich. Ich kan den alten weiben Die beutel abesneiden; 10 Auch kan ich stelen und gar wol verslan[268], Und bin doch nie zu der staupe[269] gehan[270]. Aber in Beierlant Da wart ich durch die backen gebrant: Wer ich nicht entgangen, Man hette mich vorwar gehangen.
_Der kaufman spricht._
Nu sage mir, liebes knebelein, Wie ist genant der name dein?
{20} _Rubin antwort._
Rubin bin ich genant, In Beiern wart ich geschant; Ich kan keufen und verkeufen Und die leute wol leichen[271].
_Medicus ad servum._
Rubein, solte ich die warheit jehn, Ich hette dich vor in eime lande gesehn: Da was ein kleines knebelein, Das was genant Rubein; Das zalte[272] die heuser umb den mittag Und nam das gemerke[273] in den sack.
_Rubein antwort._
Ja herre, zwar, 10 Ich bins gewest vorwar.
_Medicus dicit._
Nu sage, lieber Rubein, Was ist das lon dein?
_Rubein respondit._
Herre, mein lon ist gar stark: Ein pfunt pulze[274] und ein gebraten quark[275].
_Medicus dicit._
Rubein, ich wil dir den quark geben, Dass du das jar nicht must uberleben, 20 Und auch einen fladen[276] darzu Den da machet die ku: Das ist ein grosses lon zwar, Das ich dir gebe zuvor.
_Rubinus spricht._
Herre, in euerem dienst wil ich leben Und das stete pflegen.
_Der arzt spricht._
Nu sage, knecht, was das bedeute: Ich sehe aldort gar vil leute: Mich dunket in meinem mut Dass sie suchen salbe gut. Nu setze aus die buchsen schier, Zwei, drei, oder vier, 10 Ob wir icht mochten gekeufen[277] gelt. Nu slag uf unser gezelt, Und tu das alzuhant. Dass die erztei werde den leuten bekant.
_Mercator dicit._
Nu ist das die eine: Die slug ich aus eime steine. So ist das die ander: Die brachte ich von Flandern. So ist das die dritte: 20 Die brachte ich von Egipten. So ist das die vierte: Die macht ich zu dem biere. So ist das die fumfte fein und klar, Als eine ku die kalben sal: Wer da hat ein har oder zwe, Der wirt rauch als ein ganse[278].
_Medicus antwort._
Ich wil dir sagen, Rubein, Und vernim gar wol die rede mein: Sich die buchsen gar eben[279] an, Dass sie niemant mag von hinne getran; Wirt dir ierne eine genommen, Du wirst sein nemen kleinen frommen: Du wirst mir dieselbe teuer gelten, Oder ich werde dich gar sere schelten ...
_Nu gen die person und singen._
Almechtiger got, vater der hochste, Der engel trost der uns erloste 10 Von grossen noten unde troste.
_Die ander persone._
Vater, almechtiger got, Dem die engel sten zu gebot, Wie sol uns armen nu geschehn, Dass wir dich nicht me sullen sehn?
_und spricht._
Wir han verlorn Der uns zu troste wart geborn, Jesum Christum 20 Der reinen juncfrauen sun So er was der werlde hoffenunge ... Owe wie gross ist unser smertze! Wir haben verlorn Jesum Christ, Der aller werlde ein troster ist, Marien son den reinen: Darum müsse wir beweinen Swerlichen seinen tot: Wenn er half uns aus grosser not.
_Die dritte persone._
Wir sullen gan ‖ da Jesus wart geleit[280] Und trauer han ‖ durch unser selikeit Und salben im die grossen wunden sein. Owe wie gross ist unser herzepein! Vil lieben swestern beide, 10 Wie sulle wir uns haben[281] zu unserem leide, Wenne wir Jesu des süssen Leider entberen müssen. Des gehe wir und kaufen salben Damite wir in allenthalben Bestreichen seine wunden Nu zu disen stunden.
_Der kaufman ruft dem knechte._
Rubein, Rubein, Rubein!
{20} _Rubinus komt gelaufen._
Was welt ir, herre meister mein?
_Mercator._
Rubein, wo bist du so lange gewest? Du tust meinem dienste nicht recht: Du soltest hie keufen und verkeufen Und die leute wol teuschen unde leichen ... Rubein, es mag wol schiere tagen. Ich hore jemmerliche klagen Drei frauen unde singen: Uns mag noch gar wol gelingen An dem kaufe den wir da han. Gehe und heiss sie her gan.
_Rubinus._
Herre, welche meinestu? 10 Sol ich sie alle rufen herzu?
_Mercator._
Nein, rufe mir die alleine, Die da an dem wege klagen und weinen.
_Rubinus get zu den swestern._
Got grüsse euch, ir frauen, zu aller zeit: Ich sehe wol dass ir betrübet seit; Was euch auch werre, Ir holet das seufzen ferre[282]; Das ist mir leit, das gleubet mir, 20 Dass ir also betrübet stet alhier.
_Die personen sagen._
Gut kint, got lone dir: Wir haben swer gemüte alhier.
_Rubinus._
Das besser euch got durch seine güte Und euch von allem leiden behüte! Dürft ir nicht hülfe oder trost, Get zu meinem hern: ir wert erlost.
_Die ander persone._
Got ere dich, guter jüngeling; Dass got gebesser deine ding! Unser leit ist verborgen. Wir wellen dir gerne volgen; Nicht lenger welle wir alhie stehn: Wir wellen gerne mit dir gehn. 10
_Mercator canit._
Ir frauen, nu seit mir wilkommen: Ich hoffe, ich neme euer guten frommen. Ist hier icht das ir begert, Des wert ir von mir ganz gewert. Ich habe die besten salben Die da allenthalben In dem lande mag gesein, In Ysmodia und in Neptaleim[283]. Summer[284] mein korp und mein stap, 20 Die brachte ich von Arab; Summer mein schones weip Anthonie, Die brachte ich von Babylonie; So müsse euch die wol gedein: Wenne ich brachte sie von Allexandrein.
_Die dritte persone._
Gut man, ich habe in meinen henden Drei gute gulden besanden[285]: Gip uns darumme deine masse, Dass dich got leben lasse.
_Mercator._
Ir frauen, ir keuft ane schelten[286]: Euer gelt wil ich euch abe gelten[287]. Nemet dise buchse darumme: Wenne sie ist besser wenne ander funfe; 10 Und nemet die buchse dabei: Die ist besser wenn ander drei; Auch nemet die darzu: Sie ist besser wenne ander zwu.
_Tercia persona._
Nu sage uns, guter man: Sulle wir mit diser salbe gan?
_Mercator._
Ja frau, were ich rot golt, Ir soltet sie tragen wohin ihr wollt. 20
_Die erztin zornig spricht._
Ir frauen, lat die büchsen stan; Ir sullet sie nicht von danne tran: Sie kost mich alzu teuer; Ich machte sie nechten[288] bei dem feuer; Und geht gar engelich[289] von meinem kram[290], Oder ich wil euch mit eime knuttel slan.
_Der kramer spricht zu ir._
Wie, ir rechte übel haut! Wie tort ir[291] immer werden laut, Dass ir strafet mein verkeufen? Darum muss ich euch slan und reufen.
_Mercatrix._
Se[292] wie dunket dich um den flessen[293] bart? Du bist ein mudig[294] von der art. Dass dich der geier schende 10 Hie unter meinen henden!
_Mercator._
Sweiget, fraue, und lat euer swantzen[295] Zu Breslau uf dem tume[296] becket man gute mosanzen[297]; Zu Otmachau[298] gar gute weiche kese; Ich getraue gar wol vor euch genesen.
_Mercatrix._
Ich sweige noch nicht so schiere. Wenn du kommest von dem biere, So bistu trunken sam ein swein: 20 Dass es dir nummer müsse gedein!
_Mercator._
Sweiget, frau, oder ich gebe euch einen puf[299].
_Mercatrix._
Dorte get der monde uf.
_Mercator._
Sweiget! ich gebe euch einen slag.
_Mercatrix._
Zolch[300] da er hie lag!
_Mercator._
Ach du altes redefass[301], 10 Ich bin dir nie worden gehass: Ich wil dich nu slan umb den kop, Dass du wirst werden top[302]; Nu sehe dir eines uf den rucke[303] Zu deinem grossen ungelucke.
_Mercatrix._
Ach ach ach leider! Sein das die neuen kleider Die du mir zu den ostern hast gesant? Dass du must werden gebrant! 20 Got gebe dir das korfel[304] in den magen, Dass du das jar nicht musst überleben! Werstu zu Wiene nicht entgangen, Man hette dich an den galgen gehangen. Du hast auch einen roten bart, Und bist ein mudig von der art.
_Mercator._
Fraue, liebe fraue mein, Dass ir immer selig müst sein! Vergib mir dass ich dich habe geslagen Gar hertlich an deinen kragen[305]. Du machst deine klage gar manchfalt: Daran tustu mir gewalt; 10 Und hast ein wunderlich geberde, Und wilt mich bringen unter die erde.
_Mercatrix._
Nein, ich vergebe dir nicht dise slege, Ich sehe dich denne in ein grab legen.
_Mercator spricht zu Rubein._
Wol hin mit den pulvern: Ich kan alhie nicht me bleiben. Hebe uf korb unde stab, Und laufe wir gein Arab, 20 Und mache wir uns aus dem lande: Anders wir mochten werden zu schanden.
_Rubinus dicit._
Herre, ich lege ein alzuhant, Und laufe mit euch in fremde lant.
_Die personen sagen._
Owe uns drei armen frauen! Mag man schauen Jammers not? Nu ist er tot, Den die Juden han ermort Ane sache[306] und ane schulde, Als ir dicke hat gehort. Owe uns armen drei frauen! Was jammers mag man schauen 10 Den wir tragen in unserm herzen! Awe des jemmerlichen smerzen Den wir umb unseren herren tragen, Den uns die Juden haben erslagen!
_Prima persona._
Wenn der meister und der hirte Jemmerlich geslagen wirt, So verirren sich die schefelein Und die lieben junger sein. Von seiner verlust so leiden wir 20 An dem herzen jammers vil.
_Die ander persone._
Nu schaut wie das stet, Wo das vie ane hirten get, Und die schüler ane meister sein: Das ist uns wol worden schein, Sint wir haben verlorn Den der uns zu troste wart geborn. Darumb beweine wir seinen tot: Wenne er half uns aus aller not. 30
_Die dritte persone._
Swestern, wir sullen hie nicht lenger stan: Wir sullen zu dem grabe gan: Wenne ich habe ein alt sprichwort Gar dicke unde ofte gehort, Dass man die treue lobet allermeist Die man nach dem tode leist. Darumme, lieben swestern mein, Was uns liep das leben sein, Das tu wir nach dem tode schein. 10 Zu dem grabe wolle wir eilen, Ob wir finden Jesum Christ Der uns ie der liebeste ist, Und alle seine wunden gross Die er empfangen hatte bloss Bestreichen allenthalben Mit diser teuern salben.
_Persone sil. euntes ad sepulcrum canunt._
Wer hilft uns welzen abe 20 Den stein von dem grabe Der dar uf gelegit ist, Dass wir unserm herren Jesu Christ Salben seine wunden? Die sten noch im unverbunden.
_Die engel antworten._
Wen sucht ir, frauen gut, Mit so traurigem mut, Also frü vor tage Mit so jemmerlicher klage?
_Die ander persone._
Gottes kint, das sage wir dir: Jesum von Nazareth suche wir, Den wir hatten vor einen waren got, Und taten gerne seine gebot.
_Die engel singen._
Er ist nicht hie, den ir sucht: Sunder get, ob irs gerucht[307], Und saget seinen jungern 10 Und Petro besunder Dass er ist erstanden Und gein Galilea gegangen.
_Die dritte persone._
Weist uns, vil stolzen jungelinge, Die stat da er hat gelegen inne.
_Die engel singen._
Get her und schauet die stat Da Jesus inne gelegen hat. Hie ist nicht me denne ein tuchelein, 20 Da Jesus was gewunden ein.
_Die personen alle singen._
Owe, wir armen swestern waren komen mit leide zu unsers hern grabe: Der stein was abe, Die engel sageten uns mere Wie Christus erstanden were.
_Die ander persone._
So wir zu dem grabe quamen, Der engel stimme wir vernamen: Sie sageten uns liebe mere, Dass Jesus erstanden were Von dem tode wol gesunt Und het zubrochen der hellen grunt.
_Der erste engel._
Vil lieben frauen, wir sagen euch vor war Dass Jesus alhie hat gelegen zwar: Sunder[308] er ist nu erstanden Und vorbass gegangen. 10 Darumb wolt ir in han, So suchet in zu Galilean.
_Die dritte persone geseinende[309]._
Got geseine euch, liebe swestern mein! Seht, noch heute komt mir swere pein: Ich mag weder gerasten noch gerun Bis ich meinen herren finde nu; Ich wil auch meine hende winden Bis ich meinen herren vinde.
{20} _Die erste persone._
Jesu, du bist der milde trost Der uns von sunden hat erlost, Von sunden und von sorgen Den abent und den morgen.
_Die ander persone._
Er hat dem teufel angesiget, Der noch[310] vil feste gebunden liget; Er hat vil manche sele erlost: O Jesu, du bist der werlde trost.
_Die dritte persone._
Nu schauet alle dise stat Da Jesus inne gelegen hat. Ich habe das tuch in meiner hant Das im seine mutter umbbant. Ich bin genant Maria von Magdala: Ich werde nimmer fro; 10 Trauren mag mich nicht vorgan, Ich sehe in denne mit den augen an. Der mir meine sunde vergap, Der wart geleget in ein grap: Des muss ich aber klagen mer Und grossen[311] meines herzen swer. Owe der mere! Owe der jemmerlichen klage! Das grap ist lere: Owe meiner tage! 20 Wo ist nu hin mein trost, Der mich von sunden hat erlost? Der mir die sunde vergap, Den sach ich legen in ein grap.
_Tercia persona._
Ich quam gegangen salben Den herren in ein grab allenthalben: Da vant ich das grap wan[312], Und da erkante ich an Dass er was erstanden Von des todes banden[313].
_Silete, canitur._
Der stein ist abe, Des meret sich mein ungemach, Von unsers herren grabe, Also mir der engel sprach. Ich suchte den engel nicht: 10 Ja suchte ich Jesum, der engel licht. Ich sterbe durch das licht: Vil süsser got, nu tröste mich!
_Tercia persona dicit._
Der stein ist werlich geleget von der stat Darinne unser herre gelegen hat; Mit rittern was das grap besatzet wol: Nu weiss ich nicht wo ich in suchen sol.
_MARIEN KLAGE._