The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 29

Chapter 292,933 wordsPublic domain

Si lône mir, si lône niht, sô ist si doch mîs herzen trôst und ouch diu vrowe mîn. ich diene ouch ir, swaz mir geschiht. si muoz diu êrste und ouch mîn leste unz an mîn ende sîn. ir ougen blic der vie mich sô daz ich von ir niht scheiden mac, swie selten mich diu herzeliebe hât gemachet frô.

Sist tougen in mîs herzen grunt die ich von êrst ze herzelieber frouwen mir erkôs. dâ von sô wirt ez ungesunt. was schât der lieben daz si schœne ist unde dâ bî lôs? von liebe kan ich niht gesagen: mir wart sô liebes nie niht mêr; des wolde ich ûf genâde gerne ein glüendez îsen tragen. 10

_Nun steht die liebe Haide bar Der wonniglichen Blumen und der lichten Rosen roth. Entkleidet hat der Wald sich gar: Drum leiden wieder kleine Vögelein so grosse Noth. Was klag ich Thor der Vöglein Sang? Was klag ich nicht die schwere Zeit, 20 Da ich der Minniglichen dienen musste sonder Dank?_

_Sie lohne mir, sie lohne nicht, Sie ist doch meines Herzens Trost und ist die Fraue mein. Ich dien ihr, was sie immer spricht, Sie muss die Erste, Letzte mir bis an mein Ende sein. Sie fieng mich mit der Augen Pracht, Dass ich nicht scheiden mag von ihr, Wie selten mich die Herzgeliebte noch hat froh gemacht._

_Sie wohnt in meines Herzens Grund, Die ich schon früh zu lieber Herrin mir erwählte frei: Davon wird es krank und wund; Was mag ihr schaden, dass sie schön ist und auch los dabei? Von Freude weiss ich nicht zu sagen; Doch freut nichts Andres mich so sehr, Darauf um Gnade wollt ich gern ein glühend Eisen tragen._ 20

SIMROCK.

_DER MARNER._

[_Scherer D._ 217, _E._ 209.]

Ein bürgerlicher Fahrender, Schüler Walthers von der Vogelweide. Er wirkte vierzig oder fünfzig Jahre bis gegen 1270, verfasste deutsche und lateinische Gedichte und wurde nach einem Spruche Rumelants als blinder, gebrechlicher Greis ermordet. Herausgegeben von Strauch (Strassburg 1876).

Sing ich dien liuten mîniu liet, sô wil der êrste daz wie Dieterîch von Berne schiet, der ander, wâ künc Ruother saz, der dritte wil der Riuzen sturm, sô wil der vierde Ekhartes nôt, der fünfte wen Kriemhilt verriet, dem sehsten tæte baz war komen sî der Wilzen diet. der sibende wolde eteswaz Heimen ald hern Witchen sturm, Sigfrides ald hern Eggen tôt. sô wil der ahtode niht wan hübschen minnesanc. dem niunden ist diu wîle bî den allen lanc. 10 der zehend enweiz wie, nû sust nû sô, nû dan nû dar, nû hin nû her, nû dort nû hie. dâ bî hæte manger gerne der Nibelunge hort. der wigt mîn wort ringer danne ein ort: des muot ist in schatze verschort. sus gât mîn sanc in manges ôre, als der mit blîge in marmel bort. sus singe ich unde sage iu, des iu niht bî mir der künec enbôt.

* * * * *

_Singe ich den Leuten meine Lieder, so will der Erste das, wie Dietrich von Bern schied, der Andere, wo König Ruother sass; der Dritte will der Russen Sturm: so will der Vierte Eckharts Noth, der Fünfte, wen Kriemhilt verrieth; 20 dem Sechsten wäre lieber, wohin der Wilzen Volk gekommen sei; der Siebente wollte etwa Heimes oder Herrn Wittichs Kampf, Siegfrieds oder Herrn Egges Tod. So will der Achte dabei nur höfischen Minnesang; dem Neunten ist bei alledem die Weile lang; der Zehnte weiss nicht wie: nun so, nun so, nun fort, nun da, nun hin, nun her, nun dort, nun hier; dabei hätte Mancher gern der Nibelungen Schatz; der schätzt mein Wort 30 geringer als ein Loth, des Sinn ist in Geld vergraben. So geht mein Sang in Manches Ohren, wie wer mit Blei in Marmor bohrt; so singe ich und sage ich, wovon euch der König nichts durch mich bestellte._

_HEINRICH FRAUENLOB._

[_Scherer D._ 217, _E._ 210.]

Meister Heinrich von Meissen, Frauenlob genannt, ein fahrender Sänger; geboren zu Meissen 1250, gestorben 1318 zu Mainz. Gedichte herausgegeben von Ettmüller (Quedlinburg 1843). Frauenlob soll zu Mainz die erste Meistersängerschule gegründet haben.

1.

Ich saz ûf einer grüene[191] unt dâhte an maneger hande dinc, wie ich die werlt behielte, und ouch gên[192] Gote iht wurde linc[193]; dô kunde ich nie erdenken daz, daz mir iht töhte[194] ûf solher hande ger[195]. Mîn blœdekeit wart küene 10 gedanke der ich vil verschriet[196]; al nâch der werlte tücke[197] mîn kintheit[198] mir die wizze[199] riet, daz nieman ûf der êren saz[200] kum âne schaz: daz wart mîns herzen swer[201]. Ich strâfte vrouwen Êren, ich sprach ‘ir sît ein kranke meit, lât ir iuch schaz verkêren.’ si sûfte, unt sprach ‘du tumber, schaz hât mich leider überwegen[202]. man mac mîn wol mit schazze pflegen: schaz âne tugent dêst[203] gegen mir ein kumber.’ 20

2.

Swer Gotes brôt wil niezen[204] unt sîn bluot darzuo, sîn bîhte er tuo ûz volles herzen gierde[205], sînes geistes wierde[206] habe kiuschen muot unt reinez leben; in sô hôher zierde kein bruch[207] in jage von Kristes ê[208]; mit kreften des gelouben Er sol die Gotes vorhte in wârer minne haben, umb sie begraben der werlde lop, ir prîsen; er sol sich bewîsen 10 den vîenden sîn ein voller vriunt, wil er sich wol spîsen, der ûzer lust sol sînen muot niht innekeit berouben. Er sol ouch lûterlich vergeben schult, missetât unt widerstreben, sô mac er weben ein heilec leben; sîn herze ist Gotes tempel eben; Krist kan in solhen himeln sweben: die sô niht nemen daz lebende brôt, wê in, wê in, den touben![209]

3.

Wie tœtet man die sorgen? 20 wie wirt verwunnen[210] allez leit? wie wirt gekrenket[211] swære, wie senftet man grôz arebeit? wie leschet man des zornes vluot? wie wirt verschart[212] daz triwe muoz jâmer klagen? Wie tar[213] trôst vorhte bringen? wie wirt verjagt haz unde nît? wie salbet man den smerzen, der senfteberndiu[214] herzen gît, nâch liebe sende[215] heilen tuot? swer vlêhet mich, dem wil ichz allez sagen. Seht, als diu sunne erliuhtet den luft und alle vinsterheit, baz dürren[216] muot erviuhtet[217] ein reinez angesihte. daz touwet[218], regenet süezen lust in mannes herze, in mannes brust: jâ, wîbes name, der wunsch ist dir gerihte[219].

_THOMASIN VON ZIRCLARIA._

[_Scherer D._ 222, _E._ 214.]

Ein Italiener, aus Friaul gebürtig, Domherr zu Aquileja. Sein Sittengedicht ‘Der wälsche Gast’ verfasst 1216; herausgegeben von H. Rückert (Quedlinburg 1852).

Ich wil daz einr den andern êre, wellnt si volgen zühte lêre. ir deheiner sol zeiner tür den andern allen dringen vür. 10 Bêde frouwen unde herren sulen vrömede liute êren: ist sîn ein vrömeder man niht wert, si habent sich selben geêrt; ist sîn aver wert der, sô habent si sîn bêde êr. man enweiz niht wer der vrömede ist: dâ von êre man in zaller vrist. swenn ze hove kumt ein vrömeder gast, diu kint suln im dienen vast sam er wær ir aller herre: daz ist der zühte wille und lêre. si sulen haben kiuschiu wort: wan daz ist der zühte hort. Ein vrouwe sol sich sehen lân, kumt zir ein vrömeder man: swelihiu sich niht sehen lât, diu sol ûz ir kemenât sîn allenthalben unerkant; 10 büeze alsô, sî ungenant. ein vrouwe sol niht vrevelîch schimphen: daz stât vröuwelîch. ich wil ouch des verjehen: ein vrouwe sol niht vast an sehen einn vrümeden man: daz stât wol. ein edel juncherre sol bêde rîter unde vrouwen gezogenlîche gerne schouwen. Ein juncvrouwe sol senfticlîch 20 und niht lût sprechen sicherlîch. ein juncherre sol sîn so gereit daz er vernem swaz man im seit, sô daz ez undurft sî daz man im sage aver wî. zuht wert den vrouwen alln gemein sitzen mit bein über bein. ein juncherr sol ûf ein banc, si sî kurz ode lanc, deheine wîse stên niht, ob er einn rîtr dâ sitzen siht. ein vrouwe sol ze deheiner zît treten weder vast noch wît. wizzet daz ez ouch übel stêt, rît ein rîtr dâ ein vrouwe gêt. 10 ein vrouwe sol sich, daz geloubet, kêren gegen des pherftes houbet swenn si rîtet: man sol wizzen, si sol niht gar dwerhes sitzen. ein rîter sol niht vrevelîch zuo vrouwen rîten; sicherlîch, ein vrouwe erschraht hât dicke getân den sprunc der bezzer wær verlân. swer sînem rosse des verhenget, daz ez eine vrowen besprenget, 20 ich wæne wol daz sîn wîp ouch âne meisterschaft belîp. zuht wert den rîtern alln gemein daz si niht dicke schowen ir bein swenn si rîtnt: ich wæne wol daz man ûf sehen sol. ein vrowe sol recken niht ir hant, swenn si rît, vür ir gewant; si sol ir ougen unde ir houbet stille haben, daz geloubet. ein juncherr unde ein rîter sol hie an sich ouch behüeten wol, daz er sîn hende habe still, swenner iht sprechen wil. er sol swingen niht sîn hende wider eins vrumen mannes zende. swer der zuht wol geloubet, 10 der sol setzn ûf niemens houbet sîn hant, der tiuwerr sî dan er, noch ûf sîn ahsel: daz ist êr. Wil sich ein vrowe mit zuht bewarn, si sol niht âne hülle varn; si sol ir hül ze samen hân, ist si der garnatsch ân: lât si am lîbe iht sehen par, daz ist wider zuht gar. ein rîter sol niht vor vrouwen gên 20 parschinc, als ichz kan verstên. ein vrouwe sol niht hinder sich dicke sehen, dunket mich: si sol gên vür sich geriht und sol vil umbe sehen niht, gedenke an ir zuht über al, ob si gehœre deheinen schal. ein juncvrouwe sol selten iht sprechen, ob mans vrâget niht. ein vrowe sol ouch niht sprechen vil, ob si mir gelouben wil; und benamen swenn si izzet, sô sol si sprâchen niht, daz wizzet. Man sol sich zem tische vast bewarn, 10 der nâch rehte wil gebârn, da gehœret grôziu zuht zuo. ein iegelîch biderb wirt der tuo war ob si habent alle gnuoc. der gast der sî sô gevuoc daz er tuo diu glîche gar, sam er dâ nihtes neme war. swelich man sich rehte versinnet, swenner ezzen beginnet, so enrüer niht wan sîn ezzen an 20 mit der hant: deist wol getân. man sol daz brôt ezzen niht ê man bring d’ êrsten riht. ein man sol sich behüeten wol daz er niht legen sol bêdenthalben in den munt. er sol sich hüeten zuo der stunt daz er trinke und spreche niht di wîl er hab im munde iht. swer mit dem becher zem gesellen sich kêrt sam er im geben welle, ê ern von dem munde tuo, den hât der wîn gebundn derzuo swer trinkend ûz dem becher siht, daz stât hüfschlîche niht. ein man sol niht sîn ze snelle, daz er neme von sîme gesellen, daz im dâ gevellet wol, wan man sînhalb ezzen sol. 10 man sol ezzen zaller vrist mit der hant diu engegen ist. sitzet dîn gesell ze der rehten hant, mit der andern iz zehant. man sol ouch daz gerne wenden daz man nien ezz mit bêden henden. man sol ouch niht sîn ze snelle, daz man tuo mit sîme gesellen in die schüzzel sîne hant, wan er nimt si ûz ze hant. 20 der wirt sol ouch der spîse enpern der sîn geste niht engern, diu in ist ungemeine. der wolf izzet gerne eine: der olbent izzet eine niht, ob er des wilds iht bî im siht. dem volget der wirt mit êren baz dann dem wolve, wizzet daz. der wirt nâch dem ezzen sol daz wazzer geben: daz stât wol. dâ sol sich dehein kneht 10 denne dwahen: daz ist reht. wil sich dwahen ein juncherre, der sol gân einhalp verre von den rîtrn und dwahe sich tougen: daz ist hüfsch und guot zen ougen.

_Ich will, dass Einer den Andern ehre, wenn sie der Zucht Lehre folgen wollen. Keiner von ihnen soll an einer Thür den andren allen sich vordrängen. 10 Sowohl Frauen als Männer sollen fremde Leute ehren: ist ein fremder Mann dessen nicht werth, so haben sie sich selbst geehrt; ist er aber dessen werth, so haben sie beide Ehre davon. Man weiss nicht, wer der Fremde ist, deshalb ehre man ihn zu aller Zeit. Wenn ein fremder Gast zu Hof kommt, so sollen die (adelichen) Jünglinge ihm eifrig dienen, als ob er ihrer aller Herr wäre: das ist die Lehre und der Wille der Zucht; sie sollen bescheidne Worte sprechen: denn dies ist der Schatz der Zucht. Eine Frau soll sich sehen lassen, wenn ein fremder Mann zu ihr kommt: die welche sich nicht sehn lässt, die wird ausser ihrem Gemach allenthalben unbekannt sein; 10 sie büsse es also, und sei ungenannt. Eine (adeliche) Frau soll nicht keck scherzen: das steht ihr weiblich. Ich will auch das sagen: eine Frau soll nicht viel ansehn einen fremden Mann: das steht ihr wohl. Ein edler Junker soll sowohl Ritter als Frauen züchtig gern anschauen. Eine Jungfrau soll sanft 20 und nicht laut sprechen sicherlich. Ein Junker soll so flink sein, dass er verstehe, was man ihm sagt, so dass es nicht Noth sei, dass man ihm wieder sage, wie. Zucht wehrt den Frauen allen gemeinsam mit dem Bein über dem Bein zu sitzen. Ein Junker soll auf eine Bank, sei sie kurz oder lang, in keiner Weise treten, wenn er einen Ritter da sitzen sieht. Eine Frau soll zu keiner Zeit weder schnell noch weit ausschreiten. Wisset, dass es auch übel steht, reitet ein Ritter, wo eine Frau geht. 10 Eine Frau soll sich, das glaubet, kehren gegen des Pferdes Haupt, wenn sie reitet: man soll wissen, sie soll nicht gar quer sitzen. Ein Ritter soll nicht keck auf Frauen losreiten sicherlich: eine Frau erschreckt hat oft gethan einen Sprung der besser unterlassen worden wäre. Wer seinem Rosse das erlaubt, dass es eine Frau bespritzt, 20 ich wähne wohl, dass dessen Frau auch keinen guten Meister habe. Zucht wehrt den Rittern allen gemeinsam, dass sie nicht viel ihr Bein besehen, wenn sie reiten: ich wähne wohl, dass man in die Höhe sehn soll. Eine Frau soll nicht ihre Hand, wenn sie reitet, aus ihrem Gewand hervorstrecken; sie soll ihre Augen und ihr Haupt still halten, das glaubt. Ein Junker und ein Ritter soll auch das wohl in Acht haben, dass er die Hand still halte, wenn er etwas sprechen will: er soll seine Hände nicht schwingen gegen die Zähne eines braven Mannes. Wer der Zucht wohl huldigt, 10 der soll auf Niemandes Haupt seine Hand legen, der vornehmer ist als er, noch auf seine Achsel: das ist Ehre. Will sich eine Frau mit Zucht bewahren, so soll sie nicht ohne Mantel gehn; sie soll ihren Mantel zusammenhalten, wenn sie kein langes Oberkleid hat: lässt sie am Körper etwas bloss sehn, das ist gar wider die Zucht. Ein Ritter soll nicht vor Frauen gehn 20 mit nackten Schenkeln, wie ich es verstehn kann. Eine Frau soll nicht viel hinter sich sehn, däucht mir: sie gehe vor sich hin gerade und sehe sich nicht viel um, gedenke an ihre Zucht überall, wenn sie irgend einen Lärm hört. Eine Jungfrau soll selten etwas sprechen, wenn man sie nicht fragt. Eine Frau soll auch nicht viel sprechen, wenn sie mir glauben will; und besonders, wenn sie isst, so soll sie nicht sprechen, das wisst. Man soll sich bei Tische sehr in Acht nehmen, 10 wenn man sich geziemend betragen will (da gehöret grosse Zucht zu). Ein jeder brave Wirth der habe Acht, ob sie alle genug haben; der Gast der sei so höflich, dass er dem gleich thue, als ob er da nichts bemerke. Wenn ein Mann sich recht darauf versteht: wenn er zu essen beginnt, so rühre er nur sein Essen an 20 mit der Hand: das ist wohl gethan. Man soll nicht das Brod essen, ehe man die ersten Gerichte bringt. Ein Mann soll sich wohl hüten, dass er nicht nehmen soll auf beiden Seiten in den Mund. Er soll sich zur Stund hüten, dass er nicht trinke und spreche, während er etwas im Munde hat. Wer mit dem Becher zu dem Nachbarn sich kehrt, als ob er ihm geben wollte, ehe er ihn von dem Mund thut, den hat der Wein daran gebunden. Wer trinkend aus dem Becher sieht, das ist höfischer Sitte nicht gemäss. Ein Mann soll nicht zu schnell sein, dass er von seinem Genossen nimmt, was ihm da wohl gefällt; denn man soll nur seinen Theil essen. 10 Man soll essen zu aller Zeit mit der Hand, die entgegen ist. Sitzt der Freund zur rechten Hand, so iss sofort mit der andern Hand. Man soll auch das gern vermeiden, dass man nie mit beiden Händen esse. Man soll auch nicht zu schnell sein, dass man mit dem Tischgenossen in die Schüssel seine Hand thue, wenn er sie eben herausnimmt. 20 Der Wirth soll auch der Speise entbehren, deren seine Gäste nicht begehren, und die ihnen nicht genehm ist. Der Wolf isst gern allein, das Kameel isst nicht allein wenn es irgend ein Thier bei sich sieht. Diesem folgt der Wirth mit Ehren besser als dem Wolfe, wisset das. Der Wirth soll nach dem Essen das Wasser geben, das steht ihm wohl. Da soll sich kein Knecht 10 dann (die Hände) waschen, das ist recht; will sich ein Junker (die Hände) waschen, der gehe weit seitwärts von den Rittern und wasche sich heimlich: das ist höfisch und gesund für die Augen._

_FREIDANK._

[_Scherer D._ 223, _E._ 215.]

Ein Fahrender, wahrscheinlich aus Schwaben. W. Grimm hat in ihm mit Unrecht den Walther von der Vogelweide vermuthet. Er diente im Kreuzheer Friedrichs II und schrieb einen Theil seines Gedichts in Syrien. Er nannte dasselbe ‘Bescheidenheit’ d. i. ‘Lebensweisheit.’ Herausgegeben von W. Grimm (Göttingen 1834, 1860); Bezzenberger (Halle 1872).