The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 28
_Heisst mich froh willkommen sein, 10 Der euch Neues bringet, das bin ich. Eitle Worte sinds allein, Die ihr noch vernahmt; jetzt fraget mich. Wenn ihr Lohn gewähret Und den Sold nicht scheut, Will ich Manches sagen, was die Herzen freut: Seht, wie ihr mich würdig ehret. Ich verkünde deutschen Fraun Solche Dinge, dass sie alle Welt Noch begierger wird zu schaun: 20 Dafür nehm ich weder Gut noch Geld. Was wollt ich von den Süssen? Sie sind mir zu hehr: Drum bescheid ich mich und bitte sie nichts mehr, Als dass sie mich freundlich grüssen. Lande hab ich viel gesehn, Nach den Besten blickt ich allerwärts. Übel möge mir geschehn, Wenn sich je bereden liess mein Herz, Dass ihm wohl gefalle Fremder Lande Brauch: Wenn ich lügen wollte, lohnte mir es auch? Deutsche Zucht geht über alle. Von der Elbe bis zum Rhein 10 Und zurück bis her an Ungerland, Da mögen wohl die Besten sein, Die ich irgend auf der Erden fand, Weiss ich recht zu schauen Schönheit, Huld und Zier, Hilf mir Gott, so schwör ich, dass sie besser hier Sind als andrer Länder Frauen. Züchtig ist der deutsche Mann, Deutsche Fraun sind engelschön und rein; Thöricht, wer sie schelten kann, 20 Anders wahrlich mag es nimmer sein; Zucht und reine Minne, Wer die sucht und liebt, Komm in unser Land, wo es noch beide giebt, Lebt’ ich lange nur darinne!_
8.
DER OPFERSTOCK.
Ahî wie kristenlîche nû der bâbest lachet, swenne er sînen Walhen seit ‘ich hânz alsô gemachet’! (daz er dâ seit, des solt er niemer hân gedâht.) er giht ‘ich hân zwên Almân under eine krône brâht, daz siz rîche sulen stœren unde wasten. ie dar under füllen wir die kasten: ich hâns an mînen stoc gement, ir guot ist allez mîn: ir tiuschez silber vert in mînen welschen schrîn. ir pfaffen, ezzent hüenr und trinkent wîn, unde lânt die tiutschen ....... vasten.’ 10
_Ei! wie so christlich mag der Pabst in Rom nun lachen, Wenn er zu seinen Wälschen spricht? ‘Seht, solches kann ich machen!’ (Was er da spricht, das hätt er besser nie gedacht!) ‘Zwei Alemannen hab ich unter Einen Hut gebracht. Nun müssen sie das Reich zerstören und belasten: Unterdessen füllen wir die Kasten: Zinspflichtig sind sie meinem Stock und all ihr Gut ist mein; Ihr deutsches Silber fährt in meinen wälschen Schrein: Ihr Pfaffen esset Hühner, trinket Wein: Und lasst die Deutschen ............ fasten.’_ 20
9.
ALLVATER.
Swer âne vorhte, hêrre got, wil sprechen dîniu zehen gebot, und brichet diu, daz ist niht rehtiu minne. dich heizet vater maneger vil: swer mîn ze bruoder niht enwil, der spricht diu starken wort ûz krankem sinne. wir wahsen ûz gelîchem dinge: spîse frumet uns, diu wirt ringe, sô si dur den munt gevert. wer kan den hêrren von dem knehte scheiden, swa er ir gebeine blôzez fünde, het er ir joch lebender künde, sô gewürme dez fleisch verzert? 10 im dienent kristen juden unde heiden, der elliu lebenden wunder nert.
_Wer deine zehn Gebote spricht So furchtlos und sie dennoch bricht, Mein Herr und Gott, dem fehlt noch wahre Minne: So mancher wohl dich Vater nennt: Wer mich als Bruder nicht erkennt, Der spricht das starke Wort mit schwachem Sinne. Wir wachsen All’ aus gleichem Samen, Die Speise schwindet, die wir nahmen, Wenn sie Nahrung uns gewährt. Wer kann den Knecht vom Herrn noch unterscheiden, (Kannt er auch beide wohl im Leben,) 20 Wird ihm ihr bloss Gebein gegeben, Nachdem Gewürm das Fleisch verzehrt? Dem dienen Christen, Juden sowie Heiden, Der alle lebenden Wunder nährt._
10.
ELEGIE.
Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr! ist mir mîn leben getroumet, oder ist ez wâr? daz ich ie wânde daz iht wære, was daz iht? dar nâch hân ich geslâfen und enweiz es niht. nû bin ich erwachet, und ist mir unbekant daz mir hie vor was kündic als mîn ander hant. liut unde lant, dâ ich von kinde bin erzogen, die sint mir frömde worden reht als ez sî gelogen. die mîne gespilen wâren, die sint træge unt alt. vereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt: wan daz daz wazzer fliuzet als ez wîlent flôz, für wâr ich wânde, mîn unglücke wurde grôz. mich grüezet maneger trâge, der mich bekande ê wol. diu welt ist allenthalben ungenâden vol. 10 als ich gedenke an manegen wünneclîchen tac, die mir sint enpfallen gar als in daz mer ein slac, iemer mêre ouwê. Owê wie jæmerlîche junge liute tuont! den unvil riuweclîche ir gemüete stuont, die kunnen nû wan sorgen: owê wie tuont si sô? swar ich zer werlte kêre, dâ ist nieman frô: tanzen unde singen zergât mit sorgen gar: nie kristenman gesach sô jæmerlîchiu jâr nû merkent wie den frouwen ir gebende stât: die stolzen ritter tragent dörpellîche wât. uns sint unsenfte brieve her von Rôme komen, uns ist erloubet trûren und fröide gar benomen. daz müet mich inneclîchen (wir lebten ie vil wol), daz ich nû für mîn lachen weinen kiesen sol. die wilden vogel die betrüebet unser klage: waz wunders ist, ob ich dâ von vil gar verzage? waz spriche ich tumber man durch mînen bœsen zorn? swer dirre wünne volget, der hât jene dort verlorn 10 iemer mêr ouwê. Ouwê wie uns mit süezen dingen ist vergeben! ich sihe die [bittern] gallen mitten in dem honege sweben: diu Welt ist ûzen schœne, wîz grüen unde rôt, und innân swarzer varwe, vinster sam der tôt. swen si nû habe verleitet, der schouwe sînen trôst: er wirt mit swacher buoze grôzer sünde erlôst. dar an gedenkent, ritter: ez ist iuwer dinc. ir tragent die liehten helme und manegen herten rinc, dar zuo die vesten schilte und diu gewîhten swert. wolte got, wær ich der sigenünfte wert! sô wolte ich nôtic man verdienen rîchen solt. joch meine ich nicht die huoben: noch der hêrren golt ich wolte sælden krône êweclîchen tragen: die möhte ein soldenære mit sîme sper bejagen. möht ich die lieben reise gevaren über sê, sô wolte ich denne singen ‘wol’ und niemer mêr ‘ouwê’. 10
_O weh, wohin verschwunden ist so manches Jahr? Träumte mir mein Leben, oder ist es wahr? Was stäts mich wirklich däuchte, war’s ein trüglich Spiel? Ich habe lang geschlafen, dass es mir entfiel, Nun bin ich erwachet und ist mir unbekannt, Was mir so kund einst war wie diese jener Hand. Leut’ und Land, die meine Kinderjahre sahn, Sind mir so fremde jetzt, als wär’ es Lug und Wahn. Die mir Gespielen waren, sind nun träg’ und alt, Umbrochen ist das Feld, verhauen ist der Wald; Nur das Wasser fliesset, wie es weiland floss: Ja gewiss, ich bin des Unglücks Spielgenoss. Mich grüsset mancher lau, der mich einst wohlgekannt, Die Welt fiel allenthalben aus der Gnade Stand. 10 Weh’, gedenk’ ich jetzt an manchen Wonnetag, Der mir nun zerronnen ist, wie in das Meer ein Schlag: Immer mehr O weh’! Weh’, wie beschwert die jungen Leute trüber Sinn! Die einst in Glück und Freud ihr Leben brachten hin, Sie wissen nur von Sorgen. Weh’, wie thun sie so? Wohin ich blick’ und schaue, find’ ich niemand froh. Das Tanzen, Singen, das vergeht vor Sorgen gar; Nie sah man unter Christen solche Jammersjahr. Seht nur der Frauen Schmuck, der einst so zierlich stand; Die stolzen Ritter tragen bäurisches Gewand. Uns sind ungnädige Briefe jüngst von Rom gekommen: Uns ist erlaubt zu trauern, Freude gar benommen; Nun schmerzt mich sehr (wir lebten ehmals wonnevoll), Dass ich mein Lachen jetzt für Weinen tauschen soll. Die Vögel in den Lüften dauert unsre Noth: Was Wunder, wenn es mich betrübt bis in den Tod? Was sprech’ ich dummer Mann im Schmerz manch unnütz Wort? Wer dieser Wonne folgen will, der misset jene dort 10 Immer mehr O weh’! O weh’, wie hat man uns mit Süssigkeit vergeben! Ich seh’ die Galle mitten in dem Honig schweben; Die Welt ist aussen lieblich, weiss und grün und roth, Doch innen schwarzer Farbe, finster wie der Tod; Wen sie verleitet hat, der suche Trost und Heil; Für kleine Busse wird ihm Gnade noch zutheil. Daran gedenket, Ritter, es ist euer Ding: Ihr tragt die lichten Helme und manchen harten Ring, Dazu den festen Schild und das geweihte Schwert. Wollte Gott, ich wär’ für ihn zu streiten werth, So wollt’ ich armer Mann verdienen reichen Sold; Nicht mein’ ich Hufen Landes, noch der Fürsten Gold: Ich trüge Krone selber in der Engel Heer: Die mag ein Söldner wohl erwerben mit dem Speer. Dürft’ ich die liebe Reise fahren über See, So wollt’ ich ewig singen Heil und nimmermehr O weh!_ 10
SIMROCK.
_ULRICH VON LICHTENSTEIN._
[_Scherer D._ 211, _E._ 202.]
Ein steierischer Ritter, geboren um 1200, gestorben 1276. Sein ‘Frauendienst,’ in den seine Lieder eingeschaltet sind, ist 1255 verfasst und enthält seine Liebesmemoiren. Sein ‘Frauenbuch,’ 1257 verfasst, ist satirischen Charakters. Herausgegeben von Lachmann (Berlin 1841).
In dem walde süeze dœne singent cleiniu vogelîn! an der heide bluomen schœne blüejent gegen des maien schîn. alsô blüet mîn hôher muot mit gedanken gegen ir güete, diu mir rîchet mîn gemüete sam der troum den armen tuot. Ez ist ein vil hôch gedinge den ich gegen ir tugenden trage, daz mir noch an ir gelinge: daz ich sælde an ir bejage. des gedingen bin ich vrô. got geb daz ichz wol verende, daz si mir den wân iht wende, der mich freut sô rehte hô. Si vil süeze, valsches âne 10 vrî vor allem wandel gar, lâze mich in liebem wâne di wîl ez niht baz envar; daz diu vreude lange wer, daz ich weinent iht erwache, daz ich gegen dem trôste lache, des ich von ir hulden ger. Wünschen unde wol gedenken dêst diu meiste vreude mîn: des sol mir ir trôst niht wenken, 20 si enlâze mich ir sîn mit den beiden nâhen bî, sô daz si mit willen günne mir von ir sô werder wünne daz si sælic immer sî. Sælic maie, dû aleine trœstest al di welde gar: dû und al diu werlt gemeine vreut mich minr dann umb ein hâr. 30 wie möht ir mir vreude geben âne die vil lieben guoten? von der sol ich trôstes muoten; wan ir trôstes muoz ich leben.
_In dem Walde süsse Töne Singen kleine Vögelein; An der Haide blühen schöne Blumen in des Maien Schein Also blüht mein hoher Muth, Wenn er denkt an ihre Güte, Die mir reich macht mein Gemüthe, Wie der Traum den Armen thut. Hoffnung hat auf hohe Dinge Die Erwartung mir gestellet, Dass mir noch an ihr gelinge, Süsses Loos mir einst noch fällt. Der Erwartung freu’ ich mich: Gebe Gott, dass ichs beende, Dass sie mir den Wahn nicht wende, Der mich freut so inniglich. Die viel süsse Wohlgethane, 10 Frei von allem Wandel gar, Lasse mich im lieben Wahne, Bis es endlich werde wahr, Dass die Freude lange währe, Dass ich weinend nicht erwache, Noch dem Trost entgegen lache Und der Huld, die ich begehre. Wünschen nur und süss Gedenken Ist die meiste Freude mein. Will sie mir den Trost nur schenken, 20 Dass ich stäts ihr dürfe sein Mit den beiden nahe bei, Will sie das mit Willen leiden, Mir so holdes Glück bescheiden, Wünsch’ ich, dass sie selig sei. Süsser Maie, du alleine Tröstest Alle wunderbar; Mich erfreust du im Vereine Mit der ganzen Welt kein Haar: Möchtest du mir Freude geben 30 Ausser ihr, der Lieben, Süssen? Trösten kann mich nur ihr Grüssen: Ihres Trostes will ich leben._
SIMROCK.
_REINMAR VON ZWETER._
[_Scherer D._ 212, _E._ 204.]
Ein Spruchdichter adligen Standes, Schüler Walthers von der Vogelweide, wurde ums Jahr 1200 am Rhein geboren, verlebte seine Jugend in Österreich, siedelte um 1234 nach Böhmen über und führte von 1241 an ein unstätes Wanderleben an mitteldeutschen Höfen. Er starb um 1260 zu Essfeld in Franken. Herausgegeben von Röthe (Leipzig, 1885).
1.
Swer bannen wil unt bannen sol, der hüete daz sîn ban ‖ iht sî vleischlîches zornes vol: swâ vleischlich zorn in banne steckt, ‖ dazn ist niht rehter Gotes ban. Swes ban mit Gote ist unt in Gote, der wirbet wol nâch Gote ‖ als ein gesanter Gotes bote: swer des bannes niht ‖ envürhtet, der ist niht ein wîser man. Swer under stôle vluochet, schiltet, bennet unt under helme roubet unde brennet, 10 der wil mit beiden swerten strîten. mac daz geschehen in Gotes namen, sô darf sich Sente Pêter schamen, daz er des niht ‖ enphlac bî sînen zîten.
_Wer bannen will und bannen soll, Der hüte sich: sein Bann ‖ sei nicht von Fleisches Zorne voll: Wo fleischlich Zorn im Banne ‖ sich birgt, das ist kein rechter Gottesbann. Wer mit Gott nur und in Gott bannt, Der thut nach Gottes Wort, ‖ er ist ein Bote gottgesandt: Wer solchen Bann nicht fürchtet, ‖ der dünket wahrlich mich kein weiser Mann. Wer in der Stola bannen will und ächten Und unterm Helme rauben, brennen, fechten, Der will mit beiden Schwertern streiten. Ist solches Thun gottseliglich, Dann schäme du, St. Peter, dich, Dass du nicht so ‖ gethan zu deinen Zeiten._
2.
Von Rîne sô bin ich geborn, in Ôsterrîche erwahsen, ‖ Bêheim hân ich mir erkorn 10 mêre durch den hêrren, ‖ dan durch daz lant: doch beide sint si guot. Der hêrre ist guot, sîn lant ist sam: wan deich mich einer dinge ‖ sêre bî in beiden scham, daz mich nieman wirdet, ‖ éz ensî ob erz al eine tuot. Wære ich bî Gote im vrône himelrîche unt heten mich die sîne unwerdiclîche, daz dûhte mich ein missewende: ich hân den künec al eine noch unt weder ritter noch daz roch: mich stiuret niht ‖ sîn alte noch sîn vende.
_Am Rheine da bin ich geboren, In Östreich auferwachsen, ‖ Böhmen, hab ich mir erkoren Mehr um des Fürsten willen, ‖ als um das Land: doch sind sie beide gut. 20 Der Fürst ist gut mitsammt dem Lande: Wenn mich nur nicht beschämte ‖ bei beiden eine bittre Schande! Es will mich Niemand ehren, ‖ es sei denn dass der Fürst allein es thut. Wär’ ich bei Gott am hehren Himmelsthrone Und diente dort den Seinen auch zum Hohne, Das schüfe Kummer mir und Trauer. Den König hab ich einzig nur Und keine andre Schachfigur: Mir hilft kein Thurm, ‖ kein Läufer, Springer, Bauer._
_NEIDHART VON REUENTHAL._
[_Scherer D._ 213, _E._ 204.]
Ein baierischer Ritter. Er nahm am Kreuzzuge Leopolds VII. von Österreich (1217-1219) Theil und lebte dann zu Wien, am Hofe Herzog Friedrichs des Streitbaren († 1246). Herausgegeben von Haupt (Leipzig 1858).
‘Nu ist der küele winder gar zergangen; diu naht ist kurz, der tac beginnet langen; sich hebet ein wunneclîchiu zît diu al der werlde vreude gît; 10 baz gesungen nie die vogele ê noch sît. Komen ist uns ein liehtiu ougenweide: man siht der rôsen wunder ûf der heide; die bluomen dringent durch daz gras. wie schône ein wise getouwet was, dâ mir mîn geselle zeinem kranze las! Der walt hât sîner grîse gar vergezzen; der meie ist ûf ein grüenez zwî gesezzen; er hât gewunnen loubes vil. bint dir balde, trûtgespil: dû weist wol daz ich mit einem ritter wil.’ Daz gehôrte der mägde muoter tougen. sî sprach “behalte hinne vür dîn lougen. dîn wankelmuot ist offenbâr. 10 wint ein hüetel um dîn hâr: dû muost ân die dînen wât, wilt an die schar.” ‘Muoter mîn, wer gap iu daz ze lêhen daz ich iuch mîner wæte solde vlêhen? dern gespunnet ir nie vadem. lâzet ruowen solhen kradem. wâ nû slüzzel? sliuz ûf balde mir daz gadem.’ Diu wât diu was in einem schrîne versperret. daz wart bî einem staffel ûf gezerret. diu alte ir leider nie gesach. dô daz kint ir kisten brach, dô gesweic ir zunge, daz sî niht ensprach. Dar ûz nam sî daz röckel alsô balde. daz was gelegen in maneger kleinen valde. ir gürtel was ein rieme smal. in des hant von Riuwental warf diu stolze maget ir gickelvêhen bal. 10
_‘Nun ist der kühle Winter gar zergangen, Die Nacht ist kurz, der Tag beginnt zu langen: Uns kommt die wonnigliche Zeit, Die Freude aller Welt verleiht, Die Vögel sangen nie so lustig weit und breit. Gekommen ist uns lichte Augenweide, 20 Der Rosen wunderviel sind auf der Haide, Die Blumen dringen durch das Gras; Von Thaue war die Wiese nass, Wo mir mein Gesell zu einem Kranze las. Der Wald hat seiner greisen Tracht vergessen, 20 Der Mai ist auf dem grünen Zweig gesessen, Gewonnen hat er Laubes viel: Nun schmück dich bald, mein traut Gespiel; Du weisst, dass ich dahin mit einem Ritter will.’ Die Mutter hörte das und wollt es rügen: ‘Nun lass hinfort dein Leugnen und dein Lügen. Dein Wankelmuth ist offenbar. Wind ein Kränzlein um dein Haar, Denn ohne Kleider musst du, willst du zu der Schar.’ ‘Mutter mein, wer gab euch das zu Lehen, 30 Dass ich euch sollt um meine Kleider flehen, Davon ihr keinen Faden spannt? Stellt solchen Lärmen ein zuhand. Wo ist der Schlüssel? schliesst mir auf die Leinewand.’ Das Linnen war in einen Schrein versperret, Der ward mit einem Stuhlbein aufgezerret; Die Alte sahs nicht mehr hernach. Als das Kind die Kiste brach, Verstummt war ihre Zunge, dass sie nichts mehr sprach. Sie nahm hervor das Röcklein trotz der Alten; Das war gelegt in viele kleine Falten; Ihr Gürtel war ein Riemen schmal. Hin zu dem von Reuenthal Warf die stolze Magd den bunten Federball._ 20
SIMROCK.
_DER TANNHÄUSER._
[_Scherer D._ 214, _E._ 206.]
Minnesänger. Aus dem salzburgischen Geschlechte von Tanhusen, führte etwa von 1240-1270 ein abenteuerliches Wanderleben und hielt sich am baierischen, am österreichischen und an andern Höfen auf. Herausgegeben in v. d. Hagens ‘Minnesinger’ Nr. 90.
Mîn frouwe diu wil lônen mir der ich sô vil gedienet hân. des sult ir alle danken ir: si hât sô wol ze mir getân. si wil daz ich ir wende den Rîn daz er für Kobelenze iht gê: sô wil si tuon den willen mîn. mag ich ir bringen von dem sê des grienes, dâ diu sunne, gêt ze reste, sô wil si mich wern. ein Sterne dâ bî nâhe stêt, des wil si von mir niht enbern. ich hân den muot swaz si mir tuot, 10 daz sol mich allez dunken guot. si hât sich wol an mir behuot, diu reine: sunder got aleine, sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine. Ich muoz dem mânen sînen schîn benemen, sol ich si behaben: sô lônet mir diu frowe mîn, mag ich die werlt al umbegraben. Meht ich gefliegen als ein star, sô tæt diu liebe des ich ger, 20 und hôhe sweiben als ein ar und ich ze mâle tûsent sper zertæte als mîn her Gamuret vor Kamvoleis mit rîcher tjost, sô tæt diu frouwe mîne bet: sus muoz ich haben hôhe kost. ich hân den muot, swaz si mir tuot, daz sol mich allez dunken guot si hât sich wol an mir behuot, diu reine: sunder got aleine, sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine. 10 Si giht, müg ich der Elbe ir fluz benemen, sô tuo si mir wol, dar zuo der Tuonowe iren duz: ir herze ist ganzer tugende vol. den salamander muoz ich ir gebringen ûz dem fiure her, sô wil diu liebe lônen mir und tuot ze mir des ich dâ ger. mag ich den regen und den snê erwenden, des hœr ich si jehen, 20 dar zuo den sumer und den klê, sô mac mir liep von ir geschehen. ich hân den muot, swaz si mir tuot, daz sol mich allez dunken guot. si hât sich wol an mir behuot, diu reine: sunder got aleine, sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine.
_Die Herrin will die Dienste mir Vergelten, die sie hat empfahn: Das sollt ihr Alle danken ihr; Sie hat so wohl an mir gethan. Wenn ich ihr wenden kann den Rhein, Dass er nicht mehr vor Coblenz geh, So will sie thun den Willen mein: Weiss ich den Sand ihr von der See Zu bringen, drein die Sonne sinkt Zur Ruh, so will sie mir gewähren; Den Stern auch, der darüber blinkt: Den will sie nicht von mir entbehren. Mir ist zu Muth, Was sie mir thut, 10 Das soll mich Alles dünken gut. Sie nahm an mir die Ehr in Hut, die reine; Ausser Gott alleine, So weiss die Holde Niemand, die ich meine. Ich muss dem Monde seinen Schein Benehmen, wenn ich sie soll haben: So lohnet mir die Fraue mein, Mag ich die Erde rings umgraben; Sieht sie mich fliegen wie ein Staar, So thut sie, was ich nur begehre, 20 In Lüften schweben wie ein Aar, Dazu auf einmal tausend Speere Verthun, wie einst Herr Gamuret Mit reicher Tjost vor Kanvoleis, So thut sie, was ich lang gefleht, Sie wird mir hold um solchen Preis. Mir ist zu Muth, Was sie mir thut, Das soll mich alles dünken gut. Sie nahm an mir die Ehr in Hut, die reine; Ausser Gott alleine So weiss die Holde Niemand, die ich meine. 10 Nehm ich der Elbe nur den Fluss, So thut sie Alles, was sie soll, Der Donau nur den jähen Schuss; Ihr Herz ist ganzer Tugend voll. Den Salamander muss ich ihr Nur aus dem Feuer bringen her, So will die Liebe lohnen mir Und leisten jegliches Begehr. Mag ich den Regen und den Schnee Verhindern, das verhiess sie mir, 20 Dazu den Sommer und den Klee, So mag mir wohlgeschehn von ihr. Mir ist zu Muth, Was sie mir thut, Das soll mich Alles dünken gut. Sie nahm die Ehr an mir in Hut, die reine, Ausser Gott alleine So weiss die Holde Niemand, die ich meine._
_GOTTFRIED VON NEIFEN._
[_Scherer D._ 215, _E._ 207.]
Ein schwäbischer Ritter, dessen Name in würtembergischen Urkunden zwischen 1234-1255 erscheint. Herausgegeben in v. d. Hagens Minnesinger IV, 80; und von Haupt (Leipzig 1851).
Nu stêt diu liebe heide bar der wunnenclîchen bluomen und der liehten rôsen rôt. der walt hât sich enkleidet gar: des lîdent aber diu kleinen vogellîn vil grôze nôt. waz klage ich tumber vogele sanc? wan klage ich niht die swæren zît daz ich der minneclîchen hân gedienet allez âne danc? 10