The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 26

Chapter 263,283 wordsPublic domain

In Düringer lande ein fürste saz der sich gar selten ie vergaz an dugenden joch an êren. sîn herze in kunde lêren und ouch sîn ellenthafter muot daz er kost unde ander guot gab wol mit rîlîcher hant. er hatte bürge, kreftec lant, und dâ zuo herren gülte vil. er sach gar gerne ritter spil. er was geheizen Herman, wan er ein kreftec her gewan, 10 wie balde daz er wolde, alse er ez haben solde. sîn name floug ûz verre. lantgrâve was der herre in Düringen als iuch ist geseit. die liude wâren sîn gemeit und sîner wirdekeide frô, wande sîn gemüede stuont alsô, daz er in fride mahte, und ungenâde abe lahte. 20 dugent was im ungespart. sîn künne was von hôher art: der künic von Bêheimer lant, der künic Ôdaker was genant (der wart leider irslagen sint), unde er die wâren süster kint. waz sülde langer rede mê? der herre hatte zuo der ê eine dugenthafte frouwen. ir lob was unferhouwen. 30 si was nâch frowelîcher art an hôhen êren ungespart. ir name was Sophye. die edel unde frîe hatte frouwelîche side; ir wonte zucht unde êre mide, alse einer frouwen rechte quam di eime fürsten wol gezam zuo fleze unde ouch zuo bette, di sînen rât begette an allen dingen rehte. ritter unde knehte in wâren dienstes underdân 10 wie dicke si iz solten hân. ir schîbe lief gar ebene. in zæme wol zuo lebene mit einander ummer mê. früntlîche hîlden si ir ê. gnâde was in unferzihen. nâch wunsche hatte in got verlihen einen keiserlîchen suon, geboren an daz fürstenduon: der was geheizen Lodewîg. 20 er wuos ûf alse ein meien zwîg. in sîner kintlîchen jugent zucht unde êre unde alle dugent nâch fürstelîchen êren hîz in der vader lêren, alse er hât bezöuget sint. noch hatten si driu ander kint: Cuonrâden unde Heinrich, unde eine dochter lobelich: di was geheizen Agnes. 30 si beide fröuweten sich des gar gedriuwelîche. der werde fürste rîche was zuo koste swinde. grôz was sîn ingesinde von knehten und von mâgen, die sîn mit dienste plâgen. er hatte wirtschaft allen dac. der fürste ouch hoves dicke plac, daz in di herren suochten; di bî ime ouch geruochten 10 zuo drîbene kurzewîle. verre über manige mîle quam ime ritterschefte gnuoc die alle ir eigen wille druoc, daz si gerne quâmen dar unde âventiure nâmen war. man suochte den wîganden ûz allen tiuschen landen; Ungere unde Riuzen, Sassen unde Priuzen, 20 Denen mit den Winden sich liezen ouch dâ vinden; Bêheime und Polâne, mit grâven di sopâne, dînstherren unde frîen vil, di alle suochten ritter spil. stechen, justieren, fôresten und durnieren, wes man ze ritterschefte gert, des was man alles dâ gewert. 30 dâ was ouch manic hübes man. des sînen dirre und der began, wes man vor herren plegen sol. der fidelte ûz der mâzen wol; der sluoc die drumen, dirre peif; der ander süeze wîse greif an harpen unde an rotten. Franzôse unde Schotten, Diutsche unde anders ieder man sîn ammet wîsen dâ began unde irzöugen sîne kunst. si suochten garlîche alle gunst 10 der fürsten und der frîen. man hôrte dâ schalemîen; dâ schullen die busûnen. man sach dâ pauwelûnen, manic keiserlich gezelt ûf geslagen an daz felt, dar under herren lâgen wanne si raste plâgen. noch was dâ maniger leige diet. die sprâchen, dise sungen liet, 20 daz man in meisterschefte jach. her Wolfram von Essebach, der Tugenthafte Schrîber, her Reimâr, und her Walter von der Vogelweide; dâ bî was ouch gereide zuo sange meister Bitterolt. unde in gefüeger ungedolt Heinrîch von Ofterdingen: die alle wolden singen 30 wider ein in krîges wîs, wer dâ behîlde sanges prîs. Nu was ouch meister Clinsor geladen an die selben for, von Sibenbürge ûz Ungerlant, deme aller dinge was bekant die nigromanzîe; ûz astrônomîe kunde er schœne meisterschaft; aller elementen craft, der sunnen langen ummesweif, des mânen zirkel unde reif, oryzon und zôdyacus 10 unde ouch der polus articus, des firmamentes ummeganc, der planêten widerfanc unde aller sterren orden sûden unde norden, ôsten unde westen: des hatte er keinen bresten; er kente ez allez sament gar. nu was er iezuo kumen dar zuo Ysenache al in di stat. 20 zuo hove er dannoch nit indrat: ein herbürge er suochte; dâ inne ouch he geruochte, alse er hatte sich erwegen, gemaches sunderlîche plegen. von golde was er rîche: er hatte jærlîche wol driu dûsent marke wert. er hatte zere unde eigen pert; mit selbes ingesinde was er zuo koste swinde. sô er nu zuo sâze quam, des dages lieht ein ende nam; zuo dal di sunne was genigen und der âbent zuo gesigen, biz er sich engeste, unde ouch ein teil gereste. sô man daz âbentimmez gaz, her Clinsor an den luft gesaz, 10 an daz weder durch gemach. der sterren louf er dâ gesach; he sach dar unde aber dar. er nam ir âventiure war; ir ampâre he gar balde entsuob, dô sich ir parlament erhuob daz si driben under ein. der sterre enbran, und dirre schein; sô lûchte der gar schône an sîme stadelthrône. 20 mit flîze warten er in began. zuo jungest sprach ein edel man, der ime was gesezzen bî ‘ey meister, saget waz iz sî des ir goume hât genomen. hât ir niuwes icht vernomen? obe iz sî an iuwer stade, iz sî gefüerlich oder schade, sô lât uns, herre, werden kunt den selben wunderlîchen funt 30 und den godelîchen rât des ir goume genomen hât an der sterren brünste. wol iuch der werden künste die godes willen unde muot iuch, meister herre, wizzen duot.’ Her Clinsor smunzete unde sprach ‘got büeze iuch, herre, iuwe ungemach unde allen iuwen werren! ich hân an disen sterren erkoren niuwe mære, 10 die sint unschadebære. doch alles daz ich hân gesehen, des wil ich, herren, iuch verjehen unferholen über lût. iz sol mîn frouwe Gêrdrût, von Ungerlant di künegîn, noch hînt in dirre nacht gelîn: eine hêre dochter si gebirt, di ein êwic liuchte wirt, ein heilwâge unde ein wünne, 20 ein spiegel in ir künne. sô diz dinc alsô ergêt, man doufet si Elyzabêt. si sol gar dugentlîche leben. zuo lande wirt si her gegeben des fürsten sune in dirre stede.’ ‘heil walde is! daz sint guode rede’ sprâchen alle hinne dô di dirre sache wâren vrô.

_Im Thüringer Lande sass ein Fürst, der sich gar selten je vergass an Tugenden und an Ehren. Sein Herz konnte ihn lehren und auch sein Heldensinn, dass er Kost und andres Gut wohl gab mit reichlicher Hand. Er hatte Burgen, grosses Land, und dazu Herrenabgaben viel. Er sah gar gerne Ritterspiel. Er war Hermann genannt, weil er ein grosses Heer fand, 10 sobald als er wollte, wenn er es haben sollte. Sein Name flog weit hinaus. Landgraf war der Herr in Thüringen, wie euch gesagt ist. Die Leute waren seiner fröhlich, und seiner Herrlichkeit froh, denn sein Sinn war so, dass er ihnen Friede schaffte und Unglück weg trieb. 20 Tugend war ihm reichlich, sein Geschlecht war von hoher Art: der König von Böhmenland, der König Odaker genannt war, (der ward leider seitdem erschlagen) und er, sie waren Geschwisterkind. Was sollte längere Rede mehr? Der Herr hatte zur Ehe eine tugendhafte Frau. Ihr Lob war unangetastet. 30 Sie war nach Art edler Frauen an hohen Ehren reich. Ihr Name war Sophie. Die Edle und Freie hatte fraulichen Anstand; ihr wohnte Zucht und Ehre bei, wie es einer Frau von Recht zukam, die einem Fürsten wohl ziemte im Zimmer und im Bette, die seinen Nutz bedachte an allen Dingen recht. Ritter und Knechte waren ihnen dienstlich unterthan 10 wie oft sie es haben sollten. Ihr Glücksrad lief gar glatt. Sie sollten wohl leben für immer zusammen. Liebend hielten sie ihre Ehe, Gnade war ihnen unversagt. Nach Wunsche hatte Gott ihnen verliehen einen stattlichen Sohn, geboren für das Fürstenthum: der war Ludwig genannt. 20 Er wuchs auf wie ein Maienzweig. In seiner kindlichen Jugend befahl der Vater ihm zu lehren Zucht und Ehre und alle Tugend nach fürstlichen Ehren, wie er seither bezeugt hat. Noch hatten sie drei andre Kinder: Konrad und Heinrich, und eine lobesame Tochter, die war Agnes genannt. 30 Sie beide freuten sich darüber gar getreulich. Der edle reiche Fürst war schnell im Ausgeben. Gross war sein Gefolge von Knechten und Verwandten, die sein im Dienste pflegten. Er hatte Gastmahl jeden Tag. Der Fürst hielt auch oft Hof, dass ihn die Herren besuchten, die auch bei ihm geruhten 10 Kurzweil zu treiben. Von fern her über manche Meilen kam zu ihm viel Ritterschaft, die alle ihr eigner Wille brachte, dass sie gern dahin kamen und Abenteuer vernahmen. Man besuchte den Helden aus allen deutschen Landen; Ungarn und Russen, Sachsen und Preussen, 20 Dänen mit Wenden liessen sich auch da finden. Böhmen und Polen, mit Grafen auch die slavischen Edlen, Dienstherren und viel Freie, sie alle suchten Ritterspiel. Stechen, kämpfen, jagen und turnieren, was man zur Ritterschaft begehrt, das alles war da zu finden. 30 Da war auch mancher höfische Mann. Dieser und jener begann mit dem Seinen, was man vor Herren thun soll. Der geigte über Massen gut; der schlug die Trommel, jener pfiff; der Andre griff süsse Weisen auf der Harfe und der Rotte. Franzosen und Schotten, Deutsche und jeder andre Mann begann da sein Amt zu zeigen und seine Kunst zu bezeugen. Sie suchten gar sehr alle Gunst 10 der Fürsten und der Freien. Man hörte da Schalmeien; da klangen die Posaunen. Man sah da Pavillons, manch herrlich Zelt aufgeschlagen im Feld, darunter die Herren lagen, wenn sie der Rast pflegten. Noch war da mancherlei Volk, die sprachen, die sangen Lieder, 20 dass man ihnen Meisterschaft zugestand. Herr Wolfram von Eschenbach, der tugendhafte Schreiber, Herr Reimar, und Herr Walther von der Vogelweide; dabei war auch bereit zu singen Meister Biterolt, und in höflicher Ungeduld Heinrich von Ofterdingen: die Alle wollten singen 30 gegeneinander im Kampfe, wer da des Sanges Preis behielte. Nun war auch Meister Clinsor geladen zu denselben Vorgenannten, von Siebenbürgen aus Ungarland, dem gänzlich bekannt war die Zauberkunst; in der Astronomie verstand er schöne Meisterschaft; aller Elemente Kraft, der Sonne langen Umlauf, des Mondes Zirkel und Kreis, Horizont und Zodiacus, 10 und auch der Polus articus, des Firmaments Umgang, der Planeten Gegenfang (entgegenstrebende, einhaltende Bewegung), und aller Sterne Heer im Süden und Norden, im Osten und Westen: dessen hatte er keinen Mangel, er kannte es Alles ganz und gar. Nun war er jetzund dahin gekommen nach Eisenach in die Stadt. 20 Zu Hof gieng er jedoch nicht: er suchte eine Herberge; darinnen wünschte er auch, wie er sich entschlossen hatte, der Ruhe allein zu pflegen. Er war reich an Gold: er hatte jährlich wohl dreitausend Mark. Er hatte seine eigene Zehrung und Pferd; mit seiner Dienerschaft war er stäts freigebig. Als er nun zur Ruhe kam, des Tages Licht ein Ende nahm; die Sonne war untergegangen und der Abend neigte sich, bis er sich entkleidet und etwas geruht hatte. Als man das Abendessen genommen, setzte sich Herr Clinsor in die freie Luft, 10 um sich zu erholen. Er sah da der Sterne Lauf; er sah hin und wieder hin. Er nahm ihre Abenteuer wahr, ihre Gebehrden merkte er gar bald, als sich ihr Parlament erhob, das sie untereinander trieben. Der Stern entbrannte, und jener schien, so leuchtete der gar schön auf seinem festen Throne. 20 Er begann ihn mit Fleiss zu beobachten. Zuletzt sprach ein Edelmann, der ihm zur Seite sass: ‘Ei Meister, sagt, was es sei, worauf ihr Acht genommen habt. Habt ihr etwas Neues vernommen? Wenn es Euch ansteht, es sei nützlich oder schädlich, so lasst uns, Herr, kund werden dieselbe wunderbare Entdeckung 30 und den göttlichen Rathschluss, dessen ihr Acht genommen habt am Glanze der Sterne. Wohl euch für die werthen Künste, die Gottes Wille und Sinn euch, Meister und Herr, zu wissen thut.’ Herr Clinsor schmunzelte und sprach: ‘Gott bessre euch, Herr, euer Ungemach und alle eure Leiden! Ich habe an diesen Sternen neue Märe erfunden, 10 die sind schadlos. Doch alles, was ich gesehn habe, das will ich euch, ihr Herren, sagen unverhohlen und ganz deutlich. Es wird meine Frau Gertrud, von Ungarland die Königin, noch heut in dieser Nacht niederkommen: sie gebiert eine hehre Tochter, die eine ewige Leuchte wird, ein Heilwasser und eine Wonne, 20 ein Spiegel ihres Geschlechts. Wenn die Sache dann ergeht, so tauft man sie Elisabeth. Sie wird gar tugendlich leben. Sie wird her zu Land gegeben dem Sohn des Fürsten in dieser Stadt.’ ‘Heil walte dessen! das sind gute Reden,’ sprachen alle drinnen da, die dieser Sache froh waren._

Fußnoten:

[22] d. h. Gott, weil der Name Jehova ebräisch mit vier Buchstaben geschrieben ward.

[23] Frau Aventüre.

[24] mehr als ein Saumthier tragen kann.

[25] Quell.

[26] Strom.

[27] Ohmet, zweite Mahd.

[28] geschmückt.

[29] Schatten spendender Hut.

[30] Getreide.

[31] heute, in der wirklichen Gegenwart.

[32] zu malen im Stande wäre.

[33] bewässerte Wiese.

[34] Geschlecht.

[35] weit mehr Verstand hätte.

[36] fürwahr.

[37] to be.

[38] Gewänder.

[39] to look on.

[40] weil.

[41] bis zu Ende, d. i. alle.

[42] sehr zierlich.

[43] Ausstattung.

[44] mit Gold und Edelsteinen geschmückt.

[45] Freigebigkeit.

[46] geblinzelt, verstohlen geblickt.

[47] Rosenzweig.

[48] lacht.

[49] Tadel.

[50] Vollkommenheit.

[51] glänze.

[52] Beflissenheit.

[53] bis auf.

[54] schmerzlich.

[55] Pfeil.

[56] Gerichtsstätte.

[57] Zögern.

[58] schiefe Lage.

[59] mache grade.

[60] Missgeschick.

[61] mir nachstellt.

[62] Freudenlärm bei ritterlichen Festen.

[63] Kunst.

[64] Schicklichkeit, edle Bildung.

[65] üblich, gäng und gäbe.

[66] oft.

[67] dahineilen.

[68] Noth.

[69] um... Willen.

[70] schelte.

[71] rechne an, vergelte.

[72] war ihr zu viel.

[73] mir vorwirft.

[74] Altar.

[75] kümmerlich.

[76] die schlichte, einfache.

[77] ausser vor Zeiten.

[78] Gepränge, Lärmen.

[79] die hoch erwählten.

[80] Hier ist in der Überlieferung eine Lücke. Aus dem Zusammenhange geht hervor, dass an dieser Stelle die Zeuginnen Wahrheit und Stäte auftraten, um gegen die vorher erwähnten ‘herren, ritter, knehte’ auszusagen und diese als Dienstmannen der Milde hinzustellen.

[81] ir, d. i. der Milde.

[82] gibt.

[83] feile Waare.

[84] bezieht sich auf die Dienstmannen der Milde, von denen in der verloren gegangenen Zeugenaussage die Rede war.

[85] Kleinod, hier verächtlich = Flitterwerk.

[86] d. i. unwerthes Metall.

[87] pflegt.

[88] Fleck, Sünde.

[89] zum Lohne.

[90] trägt.

[91] urtheilst.

[92] fahrendem Volk.

[93] zum Zwecke irgend welcher Belohnung.

[94] das Drohen ihrer schimpflichen Behandlung.

[95] sich bemüht um.

[96] wirklich, in der That.

[97] schnell, auf der Stelle.

[98] lasst uns machen.

[99] um die Wette.

[100] d. h. im Falle sie ihr Amt pflichtgemäss ausübte.

[101] würden wir anstellen.

[102] möge sich selber Einhalt thun.

[103] sich auf Laster verstehe.

[104] die fröhliche.

[105] Mangel an Bildung.

[106] lieb hat.

[107] mögen sich entfremden.

[108] Kunz, Koseform des Namens Kuonrad.

[109] Trauer.

[110] Glück.

[111] d. h. wer der Kunst gegenüber wankelmüthig ist.

[112] befehdete.

[113] ausgeruht.

[114] bekümmerte.

[115] sofort.

[116] dort bei.

[117] d. i. Ottokar.

[118] kümmert sich nicht.

[119] Walstatt, Kampfplatz.

[120] behauptete.

[121] jagt.

[122] sogleich.

[123] wandte sich mit ihm hinweg.

[124] eilen.

[125] verdient.

[126] sagen.

[127] Kraft, Muth.

[128] nie gesehen wurde.

[129] fein, stattlich.

[130] Versöhnung, Frieden.

[131] vergiessen.

[132] lebendig.

[133] frommt, bringt Nutzen.

[134] ein Nichts.

[135] wenig.

[136] taugte, half.

[137] Ross.

[138] auf der andern Seite.

[139] hoffte.

[140] am Leben zu bleiben.

[141] meiner Verpflichtung zur Busse entsprechend.

[142] büsst für den Tod.

[143] gebüsst.

[144] geschädigt, verletzt.

[145] hielt davon ab.

[146] rannte los.

[147] warteten.

[148] verwundet.

[149] Hinterlist, Gefährdung.

[150] betäubte, besinnungslos machte.

[151] antrieben, d. i. das Ross.

[152] Leben.

[153] mannhafte.

[154] Fleck.

[155] Trossknechten.

[156] mit dem Tode ringend.

[157] Kaputze, kurzer Mantel, franz. _chaperon_.

[158] franz. _garçon_.

[159] machte so wenig aus.

[160] strebte, rang.

[161] sich nachzieht, dazu gehört.

[162] gänzlich.

[163] Sicherheit.

[164] begehren, verlangen.

[165] unabwendbar.

SÄNGER UND PREDIGER.

_ANONYME VOLKSTHÜMLICHE LIEDER._

[_Scherer D._ 196, 202, _E._ 188, 194.]

Herausgegeben in Minnesangs Frühling, Nr. 1. und in den Carmina Burana.

1.

Dû bist mîn, ich bin dîn: des solt dû gewis sîn. dû bist beslozzen in mînem herzen: verlorn ist daz slüzzelîn: dû muost immer drinne sîn.

2.

Swaz hie gât umbe, daz sint allez megede: die wellent âne man allen disen sumer gân. 10

3.

Tougen minne diu ist guot, si kan geben hôhen muot. der sol man sich vlîzen. swer mit triwen der niht phliget, dem sol man daz verwîzen.

_Geheime Liebe die ist gut, Sie verleiht wohl frohen Muth. Um die soll man sich mühen. Wer in Treuen sie nicht hegt, Dem wird das nie verziehen._

4.

‘Sô wê dir, sumerwunne! daz vogelsanc ist geswunden: als ist der linden ir loup. jârlanc mir truobent ouch mîniu wol stênden ougen. 10 mîn trût, du solt gelouben dich anderre wîbe: wan, helt, die solt du mîden. dô du mich êrst sæhe, dô dûhte ich dich zewâre sô rehte minneclîch getân: des man ich dich, lieber man.’

_DER UNGENANNTE SPIELMANN._

[_Scherer D._ 198, 225, _E._ 191, 217.]

Seine Gedichte sind in den Handschriften unter dem Namen ‘Spervogel’ überliefert und unter diesem in Minnesangs Frühling, Nr. 6 herausgegeben.

Dô der guote Wernhart an dise werlt geborn wart, do begonde er teilen al sîn guot. do gewan er Rüedegêres muot, der saz ze Bechelære und pflac der marke manegen tac: der wart von sîner frümekeit sô mære.

Wie sich der rîche betraget! sô dem nôthaften waget dur daz lant der stegereif. daz ich ze bûwe niht engreif, dô mir begonde entspringen 10 von alrêrste mîn bart! des muoz ich nû mit arbeiten ringen.

Weistu wie der igel sprach? ‘vil guot ist eigen gemach.’ zimber ein hûs, Kerlinc. dar inne schaffe dîniu dinc. die hêrren sint erarget. swer dâ heime niht enhât, wie maneger guoter dinge der darbet!

Mich hungerte harte. 20 Ich steic in einen garten. dâ was obez innen: des mohte ich niht gewinnen. daz kom von unheile. dicke weget ich den ast: mir wart des obezes nie niht ze teile.

Ein wolf sîne sünde flôch, in ein klôster er sich zôch, er wolde geistlîchen leben. dô hiez man in der schâfe pflegen: sît wart er unstæte. dô beiz er schâf unde swîn: er jach daz ez des pfaffen rüde tæte.

Ein man sol haben êre, und sol iedoch der sêle under wîlen wesen guot, 10 daz in dehein sîn übermuot verleite niht ze verre; swenn er urlobes ger, daz ez im an dem wege niht enwerre.

Wurze des waldes und erze des goldes und elliu apgründe diu sint dir, hêrre, künde: diu stênt in dîner hende. allez himeleschez her 20 dazn möht dich niht volloben an ein ende.

_Als der gute Wernhart Zu dieser Welt gebracht ward, Da theilt er allsogleich sein Gut. Es überkam ihn Rüdgers Muth, Der, zu Bechlarn gesessen, Die Mark verwaltet manchen Tag: Drum ward ihm Ruhms ein volles Mass gemessen._

_Behaglich sich der Reiche labt, Dieweil der Dürftige trabt Mit losem Bügel durch das Land! Was griff nicht nach dem Pflug die Hand, Da mir begann zu sprossen 10 In erster Jugend mein Bart! Daraus ist heute Mühsal mir geflossen._

_Weisst du, wie der Igel sprach? ‘Ich lob’ mir eigenes Gemach.’ Kerling, zimmre dir ein Haus Mit Vorrath rüst’ es sorglich aus. Die Grossen wollen sparen. Wer nichts im eignen Hause hat, Wie viel Entbehrung, Noth muss der erfahren!_

_Von Hunger schier gemartert 20 Stieg ich in einen Garten. Da war Obst drin gehangen: Das konnt ich nicht erlangen. Da zeigte sich mein Unheil. Häufig schüttelt’ ich den Ast: Doch ward mir von den Früchten nichts zu Theil._

_Ein Wolf thät in ein Kloster ziehn, Um seiner Sünde zu entfliehn; Er wollt ein geistlich Leben führen Da hiess man ihn die Schafe hüten: Da riss ihm aber die Geduld. Da biss er Schaf sowie Schwein: Und gab des Pfaffen Rüden alle Schuld._