The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 25
_So weit ich Frauen kenne, die überstrahlt ihr ganz und gar.’ Die Dame erwiderte in Züchten: 20 ‘Mein lieber Freund, Gott lohne dirs! Erschrick nicht so sehr vor mir. Bin ich doch dieselbe Dame, der du noch jetzt willig dienst und seit lange gedient hast. Wie erschrocken du auch vor mir dastehst, so bin ich doch dasselbe Weib, der zu Liebe du Seele und Leib schon so oft auf’s Spiel gesetzt. Dein Herz ist nicht müde geworden, um meinetwillen fröhlich zu sein. Du bist höfisch und klug dein ganzes Leben gewesen; dein edler, süss- und klarer Leib hat sich nach mir gesehnt, du hast von mir erzählt und gesungen, so gut du es verstanden; 10 du warst ja stäts mein Vasall des Abends und des Morgens; und wusstest wohl zu besorgen hohes Lob und werthen Preis; du blühest wie ein Maienreis in mannigfacher Tugend; du hast von frühster Kindheit an der Ehren Kranz getragen; dein Sinn war lauter und ganz in Treuen mir zugethan. 20 Mein werther, auserlesener Ritter, darum bin ich her gekommen, dass du nach deines Herzens Lust meinen Leib, den hochgeschätzten, beschauest von vorn und von hinten, wie vollkommen schön ich bin. Den reichen Lohn, den grossen Nutzen, den du von mir empfangen kannst um deinen vielgestaltigen Dienst den sollst du schauen und erspähen. Ich will dich gerne sehen lassen, welcher Lohn dir zufallen soll; du hast mir so wohl gedient.’ Den edlen tugendreichen Herren däuchte sehr wunderbar dieser Dame Vorschlag, weil sie der junge Mann 10 noch nie mit seinen Augen gesehen, und diese Frau doch sagte, er wäre ihr Vasall gewesen. Er sprach: ‘Verzeiht, hohe Frau, hab’ ich euch irgendwie gedient, traun, davon weiss ich nichts; mich dünkt wahrlich, dass diese meine Augen euch noch niemals gesehen haben. Da ihr mich aber annehmen wollt 20 als euren Knecht, seliges Weib, so soll mein Herze und mein Leib zu euren Diensten bereit sein mit freudigem Streben bis zu meines Todes Ziel. Ihr habt so viel hohes Glück und so mannigfache Tugend, dass eure freudvolle Jugend mir sehr wohl lohnen kann. Ja, Heil mir, dass ich diesen Tag erlebt habe, des freu’ ich mich, da ihr, liebliche Herrin, meinen Dienst annehmen wollt. An Tugend auserlesene Herrin, geruht mir ein wenig zu künden, um des wonnetragenden Heiles willen, das in euch, schöne Frau, liegt, woher ihr seid, und wie ihr heisset. 10 Euer Name und euer Land, das werde mir hier kund gethan, damit ich sicher weiss, ob ich Zeit meines Lebens je von euch habe sagen hören.’ Darauf antwortete ihm die Schöne und sprach mit edlem Anstand also: ‘Viel lieber Freund, das soll geschehen: ich will dir gerne meinen hochberühmten Namen offenbaren. 20 Du brauchst dich dessen nie zu schämen, dass du mir unterthänig bist. Mir dient alles, was auf Erden ist an Schatz und Gut. Ich bin von so hoher Art, dass Kaiser und Königskinder alle unter meiner Krone stehn; Grafen, Freie, Herzöge, die haben vor mir ihr Knie gebogen, und erfüllen alle mein Gebot. Ich fürchte niemand ausser Gott, der hat Gewalt über mich. Die Welt bin geheissen ich, nach der du lange hast begehrt. Lohn soll dir sein gewährt von mir, wie ich dir jetzt zeige. So komme ich dir, nun schau mich an!’_
_Damit kehrte sie ihm den Rücken zu, 10 der war aller Enden besteckt und behangen mit scheusslichen Schlangen, mit Kröten und Nattern; ihr Leib war voller Blattern und widerlicher Beulen. Fliegen und Ameisen sassen wunderviel darin; ihr Fleisch frassen Maden bis auf’s Gebein. 20 Sie war so unsauber, dass von ihrem elenden Leibe ein so fürchterlicher Geruch ausgieng, dass ihn niemand ertragen konnte. Ihr reiches Seidenkleid war da in schlimmem Zustand und ganz verwandelt in einen gemeinen Stoff, sein lichter, heiterer Glanz erstickt und farblos 30 gerade so wie Asche. Damit schied sie von dannen. Sei sie aus meinen Augen gebannt und aus der Nähe der Christenheit! Als der edle vornehme Ritter dies Wunder gesehen, da sagt’ er sich in seinem Herzen, der wäre völlig verdammt, der sich in ihrem Dienste wollte finden lassen. 10 Von Weib und Kindern trennte er sich da sogleich; er nahm das Kreuz an sein Gewand und fuhr über das wilde Meer und half dem edeln Gottesheer streiten wider die Heidenschaft. Da ward der wackere Ritter in stäter Busse befunden. Er arbeitete jeder Zeit darauf hin, dass wenn er hier gestorben, seine Seele dort Rettung fand. 20 Merkt auch alle, die ihr hier der wilden Welt Kinder seid, diese bedeutungsvolle Mär. Sie ist so wahrhaftig, dass man sie gerne anhören soll. Der Lohn der Welt ist jammervoll, das habt ihr alle wohl vernommen. Ich bin zu der Ansicht gekommen: wer in ihrem Dienste sich betreffen lässt, ihm schwindet alle Freude, die Gott in Ewigkeit den Auserwählten bereitet hat. Von Würzburg ich, Konrad, geb euch allen diesen Rath, dass ihr die Welt lasst fahren, wollt ihr die Seele bewahren._
2.
KLAGE DER KUNST.
Frou Wildekeit[23] für einen walt mich fuorte eins an ir zoume. dâ sach ich bluomen manicvalt 10 mêr danne zeinem soume[24]; ouch vant ich einen brunnen[25] kalt dâ under grüenem boume, der eine mülen mit gewalt wol tribe an sînem stroume[26].
Der brunne lûter als ein glas stuont wol mit grüenem üemet[27], daz velt dar umbe schône was gezieret und gesüemet[28]. von einem plâne ich nie gelas 20 der wære baz gerüemet: der meie het dâ wol sîn gras gerœset und geblüemet.
Dar obe stuont ein schatehuot[29] gewünschet wol nâch prîse. man sach dâ lachen wîze bluot ûf dem grüenen rîse (des man ze winter niht entuot bî dem vil kalten îse); dâ sâzen vogel ûfe guot 10 und sungen süeze wîse.
Nû hœret wie mir dô geschach bî disem brunnen küele, des vil wünneclicher bach wol kerne[30] hiute[31] müele[32]. ob ime stuont ein schœnez dach, dar under ein gestüele gesetzet, daz man verre sach dâ liuhten vor dem brüele[33].
Dar ûf ein werdiu frouwe saz 20 an leben unde an künne[34]. man seit daz si sich verre baz dan alliu wîp versünne[35]; an ir lac zwâre[36], geloubet daz, vil gar der werlde wünne, si was ein reinez tugentvaz daz ir Got liebes günne!
Got selbe hæte si gesant dâ her ûz himeltrône, dar inne fröude wirt erkant der tugende sîn[37] ze lône. ir namen ich geschriben vant reht oben umbe ir krône: Gerehtekeit was si genant, daz las ich dâ vil schône.
Frou Wârheit mich niht liegen lât, daz wizzet sicherlîche: 10 ir krône und ouch ir liehtiu wât[38] die wâren alsô rîche, die wîle und disiu werlt gestât, in allem künicrîche daz nieman alsô guotez hât, daz disen zwein gelîche.
Ouch sâzen bî ir frouwen vil die rîche krône truogen; an den lac hôher wünne spil, des ich begonde luogen[39]. 20 ir namen ich iu nennen wil, wan[40] ich si dâ mit fuogen vant geschriben ûf ein zil[41] mit worten harte kluogen[42].
Dâ saz Erbarmeherzekeit frî vor missetæte, diu Triuwe was dâ wol bekleit und ouch diu glanze Stæte. ouch vant ich dâ Bescheidenheit in wünneclicher wæte: die viere wâren wol bereit, vil guot was ir geræte[43].
Dâ saz frou Güete gallen frî der krône was gewieret[44], Milte[45] und Êre ich vant dâ bî nâch wunsche wol gezieret. an die vil werden frouwen drî wart von mir vil gezwieret[46]; 10 si bluoten als ein rôsenzwî[47] daz ûf der heide smieret[48].
Dâ saz frou Schame, diu reine fruht, frî vor itewîze[49], von der man seit daz ir genuht[50] für alle tugende glîze[51]. dâ saz frou Mâze und ouch frou Zuht, diu lûter und diu wîze, si hæte Kiusche an sich getruht mit herzeclichem flîze[52]. 20
Dâ saz ân alle missetât ouch bî der küniginne Wârheit und ir vil hôher rât und ouch gerehtiu Minne. swaz edeler tugent namen hât, daz was dâ mit gewinne: unz an[53] die Kunst, der was ir wât zerbrochen ûze unt inne.
An fröuden dürre alsam ein strô was si von sender[54] quâle: Armuot si troffen hæte dô mit ir vil scharpfem strâle[55]. hin für die küniginne unfrô gienc si zuo dem mâle[56] und huop ir rede hin zir alsô mit zühten sunder twâle[57].
‘Vil ûz erweltiu künigîn, ich suoche an dir gerihte. 10 durch die vil hôhen êre dîn mîn krumbez dinc[58] verslihte[59]; lâ dir mîn leit geklaget sîn und michel ungeschihte[60], wie valschiu Milte vâret mîn[61]: daz bringet mich ze nihte.
Ich bin verdorben als ein mist, sam bitter als ein galle, vil ungenædec si mir ist ze hove und in dem schalle[62]. 20 si wil daz manic süezer list[63] in armekeit nû valle und machet rîche in kurzer frist die künstelôsen alle.
Swer kunst in sînem herzen hât, den kan si wol versmâhen; swer abe dâ âne fuoge[64] stât, dem wil si balde nâhen. si kan durch valsche missetât die gengen[65] gâbe enpfâhen: diu mich vil armen dicke[66] lât in grôzem kumber gâhen[67].
Sus wîset mich in arebeit[68] diu valsche Milte sêre, si machet mîne sorge breit swar ich der lande kêre. sît dû nû bist Gerehtekeit genennet, frouwe hêre, 10 sô rihte dû diz herzeleit durch[69] aller frouwen êre.’
Gerehtekeit diu sprach: ‘daz sî. antwürte, valschiu Milte. sît dir ist swære alsam ein blî diu Kunst, die ich niht schilte[70], swaz ir von dir wont leides bî, vil schiere ich dir daz gilte[71].’ Ûf stuont frou Milte fröuden frî, der rede si bevilte[72]. 20
‘Ich bin unschuldec’ sprach si ‘gar, des si mich, frouwe, zîhet[73]. ’des swer ich ûf dem alter[74] dar dâ Got ûf wart gewîhet. vor Kunst ich guotes niht enspar: swie kûme[75] ez doch gedîhet, mîn hant diu nimt ir guoten war, si gibt ir unde lîhet.’
‘Zewâre daz getet si nie,’ sprach aber Kunst diu slehte[76], ‘wan wîlent[77] dô ir nâhen gie mîn fröudenrîch gebrehte[78]. nû lât si mich versmâhen ie herren, ritter, knehte: und obe ich daz beziuge hie, geniuze ich des ze rehte?’
‘Jâ’ sprâchen dô von hôher kür[79] die tugende algemeine. 10 ‘Frou Wârheit, nû sô gêt her für, und ouch frou Stæte reine, und helfet mir daz man hie spür ir schulde niht ze kleine, diu mir sô gar der Sælden tür beslozzen hât aleine!’
Sus wart beziuget[80] ...
*
Swer ir[81] tuot genge gâbe schîn[82], dem fröuwet si sîn herze. mit krâme[83] füllet man[84] ir schrîn, 20 des wirt vil kleine ir smerze; si sitzet als ein keiserîn behenket mit ir merze[85]: des wirt diu Kunst verdorben sîn, wan si niht hât von erze[86].’
‘Jâ’ sprach dô diu Gerehtekeit ‘und spulget[87] si des meiles[88] daz man ir heim durch miete[89] treit[90] swaz man dâ vindet veiles: sô frâge ich dich, Bescheidenheit, waz dû dar umbe teiles[91]. 10 wirt mir daz reht von dir geseit, an sorgen dû mich heiles.’
‘Ich teile’ sprach diu frouwe dô, ‘swer künstelôser diete[92] guot umb êre gebe alsô durch keiner slahte miete[93], daz im dar umbe ir smæhe drô[94] diu werde Minne erbiete, sô daz er nimmer werde frô swenn er sich frouwen niete[95].’ 20
Sus wart geteilet bî der zît von der Bescheidenheite. ouch wart ir ot[96] gevolget sît vil schiere und vil gereite[97]: ‘der Milte schaden machen[98] wît, ir ungemach vil breite!’ sus riefens alle wider strît[99] zuo der Gerehtekeite.
‘Sît si nû niht ze rehte wil ir hôhez ambet üeben, 10 sô müeze kumbers harte vil ir dienestman betrüeben. vil maneger hande wunnespil wir in dar umbe[100] erhüeben[101]: sus muoz leide ân endes zil in volgen in ir grüeben.
Frou Schame ir selber des gesteme[102] daz si in gar vermîde, sô daz er schanden sich niht scheme 20 und lasters sî geschîde[103]. frou Êre im hôhen prîs beneme, diu lûter und diu blîde[104], und allez lop daz im gezeme von fluoche er immer lîde.’
‘Hie mite sî der rede genuoc’ sprach dô diu rihtærinne. ‘gespilen hövesch unde kluoc, swer rehte kunst niht minne und doch hie milten namen truoc, den lât mit ungewinne hie leben durch den ungefuoc[105] den er hât an dem sinne.
Ir habet stæte waz hie sî vor mir geteilet hiute: 10 er sî iu swære alsam ein blî, swer rehte kunst niht triute[106], minne und aller fröuden frî; in fremden[107] hie die liute! bî Kuonzen[108], der uns stêt hie bî, die rede ich in enbiute.’
Sus kêrte ich hin ûf mînen pfat und seite disiu mære diu mich dô ûf der selben stat der edelen Künste swære[109] 20 den rîchen herren künden bat. diu sint alsô gewære daz in diu Sælde[110] sprichet mat swem Kunst ist wandelbære[111].
_DIE REIMCHRONIK OTTOKARS VON STEIERMARK._
[_Scherer D._ 187, _E._ 178.]
Verfasst zwischen 1290-1318, erzählt die Geschichte Österreichs von 1250-1309. Herausgegeben in Pez ‘Scriptores rerum Austriacarum’ III.
KÖNIG OTTOKARS VON BÖHMEN TOD.
Do chünig Otakcher erspeht daz in von newen dingen veht[112] ein schar deu noch was geruet[113], vil sere in daz muet[114]. daz was sin pet und sin gepot daz man hern Milot hiez pald riten zue. nu hœrt waz her Milot tue. er gedaht dar an ze hant[115] daz im sin prueder was verprant 10 in dem turn datz[116] dem Eichorn. da von was er[117] gar verlorn. swaz man nach im moht gesenden, er pegunde danne wenden und cherte bi der Marich ze tal. er enruecht[118], wer daz wal[119] da behabt[120] oder verlos, gemechlich vluht er erchos, wan im jait[121] niemen nach. do der chünig von Peheim sach 20 daz er niht trostes an im het, do wær er an der stet[122] gern chomen ouz dem strouz. selb vierder drang er ouz und ander nieman mer tet mit im dannecher.[123] hin durch begund er gahen;[124] vil schier in ersahen umb die er daz het versolt,[125] daz si im niht warn holt; die legten sich mit nid ouf in, vor in triben si in hin 10 ouz dem strit ouf den plan. da wolt mit in gevohten han chünig Ottakcher der zier: do wurden der vier die zwen ze tod erslagen. do muest er sich lazen jagen. war dannoch der ein cham, zu der zit ich des niht vernam, ich hort aber her nach jehen[126], er wær ouch toter da gesehen. 20 Owe des schaden, owe! ich fürht daz ez niht wol erge, sit er alein ist beliben. vaste si in umb triben. doch wizzet sicherlichen daz von Pern an hern Dietrichen solich ellen[127] nie wart schin[128] gegen Sifrid dem hürnin in dem rosengarten, als man von Peheim den zarten[129] da sach begen und tuen. do er dhein suen[130] moht umb seu erwerben, er sprach ‘waz sol eu min sterben, daz ir min pluet welt verrern[131]? pringt ir mich ewrm hern lemptigen[132] gevangen, daz ist eu wol ergangen. swaz halt er an mir tuet, peiden an ern und mit guet frumt[133] ez eu ser hin für immer mer.’ Ouf die red si ahten niht. vil gar was ez enwicht[134] swaz er gepiten moht, lüzel[135] im daz toht[136]. Die red wil ich machen churz: den chünig si mit einem sturz von dem orse[137] prahten. als lang si mit im vahten unz daz er werlos peleib. der ein do ouf in treib; sins sterbens den gelust, dar umb er im in die prust ein gespitztez swert stach daz man ez anderhalben[138] sach. dannoch wand[139] er genesen[140]. er sprach ‘hei lat noch gewesen, ir ziern helde, daz ich leb. ewer ieglicher mir vergeb, ob ich iht han wider eu getan, 10 und lat mich nach den schulden[141] chomen zu ewern hulden,’ sprach der chünig von Peheim. ‘ir geltet[142] mir den oheim, von Mernberg hern Sifrit,’ sprach der ein, ‘der ich mit nihten wird ergetzt,[143] wan daz ir hie geletzt[144] wert von miner hant.’ niemen in des erwant[145]. 20 er hurte[146] so hin und stach daz mezzer in in bi dem hals ze tal. da von tet er einen val für tot ouf die erden. ligen liezen si den werden. niht lenger si do piten[147], wider in daz her si riten, die in da heten versert[148] und sin pluet verrert. Niemen mich darumb frag, wan ich sin doch niht ensag wer die selben wærn, von der hazz und geværn[149] also verderbt wart der chünig von hoher art. stætlich siht man han einen ambtman in ir höven die fürsten swenn die leut erdürsten, die in des ziehen ze rat: des ambtes nam der ein hat, der den chünich da betoubt[150]; deu het er beroubt ein teil siner ern, do man sin ze hern jach in Osterrich. deu sach ist so heimlich, daz si mir niht füegt ze sprechen, die er an im begunde rechen. Wer der ander was, der daz grüen gras mit sinem pluet netzt und der sich da ergetzt mit sinem pluet rot sines freundes tot, den er im verderbt het, den mügt ir hie ze stet bi der sipp wol erchennen: er füegt mir niht ze nennen. Chünig Ruedolfen chomen mær daz der Peheim chünig gevangen wær. genad sagt er des got, iedoch was daz sin gepot, daz man in fuert zu dem vanen. dar an begund in manen her Ott von Liehtenstein; ein sach niht ze chlein pesargt dar an der selb wis man, wan ez ist e ergangen, so hohe fürsten sint gevangen, 10 daz si mit gab machen plint die in der gewalt si sint, daz si in wider helfent hin. dar umb hiez er in her zue dem vanen fuern. nu sach man dort her ruern[151] einen andern poten, der sagt den chünich toten. do si von im warn geriten, die sin verch[152] heten versniten, 20 do wart der ellenhaft[153], der an mänlicher chraft nie het gewunnen meil[154] den pueben[155] ze teil. die machten in ploz und par, wan si zugen im ab gar harnasch und chleider also daz er der peider mit nihten was pedakcht: todwund[156] lag er nakcht. 30 an der selben zit chom geriten ouz dem strit von Emerberig her Perhtolt, als er da von niht wizzen solt. sin houbt legt er in sin schoz; er chlagt daz er was ploz. der von Perichtoltsdorf über in do warf einen schapproun[157], den nam er sinem garzoun[158]; er pegund in mit wazzer laben. ob im sach man do haben michel volkch daz dar zue zoch, der manigen hueb ez gar unhoch[159], daz mit im het der strit ein end. dem trukchsæzen in der hant der chünich Otakcher starb, der ie nach hohem pris warb. hie lag erslagen ouf dem plan der aller tewrist man, die ie getruech chron, wan daz er nach der Welt lon mit aller siner maht al ze sere vaht[160]: swaz nach der werlt gezeuht[161], nihtes er des scheuht, er dient der werlt da mit: daz ist ein ungueter sit an den chünigen gerlich[162], die zepter chron und rich dar umb man siht nemen, daz seu des sol gezemen, daz si behalten deu gepot, deu da ziehent zue got, wan ist daz war, daz man seit, 10 daz nieman mit gewarheit[163] mag gedienen zwein hern, die niht gelicher ding gern[164], so ist ouch unwendig[165] daz: swer niht wil gotes haz und sinen zorn liden, der muez die welt vermiden, wan deu werch der si gert, deu sint vor got unwert. des vermeit niht der wakcher 20 von Peheim chünig Otakcher.
_DAS LEBEN DER HEILIGEN ELISABETH._
[_Scherer D._ 193, _E._ 185.]
Das Leben der heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, ist nach 1297 von einem unbekannten Dichter geschrieben, von dem auch die ‘Erlösung’ herrührt. Zu Grunde liegt die lateinische vita Dietrichs von Apolda. Herausgegeben von Rieger (Stuttgart 1868).