The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 24

Chapter 242,897 wordsPublic domain

_Die jenen rechten Herren verlassen und diesem falschen sich zugesellen, denen wird der Tod statt des Lebens von ihm zum Lohne gegeben. Sein Lohn ist nichts als Herzeleid, wie ich zum Theil dir schon gesagt. Die dieser Welt Anhänger sind und ihre dienstfertigen Kinder, die vergleiche ich mit einem Mann, der durch ein Thier in Noth gerieth; das war ein gewaltiges Einhorn. Sein Brüllen erscholl so laut, dass es den Mann in Noth brachte. er fürchtete sich und floh den Tod. 10 Doch verfolgte es ihn rücksichtslos. Als er in sorgenvoller Flucht vor dem Einhorn davonlief, da fiel er in einen tiefen Abgrund über eine Wand hinab. Im Fallen ergriff seine Hand ein Bäumlein; da blieb er dran hängen: das rettete unseren Mann. Er hielt sich gar fest an des Bäumleins Äste. 20 Die Füsse hatte er auf ein furchtbar enges Plätzchen gesetzt; das war ein kleines Stück Rasenerde, ohne kräftige Wurzeln mit Gras bewachsen: darauf hielt er sich im Fallen. Dieser Platz war so schmal, dass er nicht darauf stehn konnte, wenn er das Bäumlein etwa hätte fahren lassen müssen. Stand er auch da in grosser Noth, so meinte er doch, es wäre der Tod in Frieden von ihm genommen. Da kamen sofort zwei Mäuse; die eine war schwarz, die andere weiss: die machten sich mit eifrigem Bemühen an die Wurzel der Staude. 10 Die benagten sie so emsig, bis die Wurzel beinahe nachgab, welche die Staude fest hielt. Das war eine ängstliche Geschichte. Er vermochte es nicht abzuwenden, sie waren daran, die Wurzel zu bewältigen. Da sah er einen Drachen liegen tief unter sich in dem Thal; der hoffte auf des Mannes Fall. Es war eine ängstliche Umschliessung. 20 Er war gar leidig anzusehen: seine Augen und sein Athem waren feurig; er sperrte den Rachen weit auf: da drang das Feuer sofort heraus mit gewaltiger Flamme, sobald er sich regte, wie aus einem heissen Ofen aus seinem weiten Rachen. Er harrte der Stunde mit wüthendem Verlangen, in der er verschlänge diesen Mann. Für den Fall dass er fiele, hatte er bereits das Maul aufgesperrt, wie ich gesagt, als wollte er ihn verschlingen. Da begann dem Mann 10 die Freude zu vergehn in dieser Noth, dazu brachte ihn die Furcht. Als der Mann dies Ungemach unter sich in dem Drachen erblickte, und wie das wüthende Einhorn über ihm tobte, indem es laut nach ihm schrie, und dass die Wurzel der Staude von den Mäusen nahezu entzwei gerieben war, da dachte er, ob ihn 20 wohl die kleine Stelle tragen könnte, wo er die Füsse hingesetzt hatte, um sich vor dem Falle zu retten. Als er auf diese kleine List in seinen grossen Nöthen kam, da sah er sofort das Ende ab. Dort konnte er sich nicht befreien: aus der Wand sah er ragen vier grosser Würmer (Drachen) Häupter. Da ward er freudeleer, denn nun war er des Todes gewiss. Von Schlangen, sie heissen Aspis und besitzen grosse Unerschrockenheit im Kampfe mit lebenden Wesen, von denen wurde er vier gewahr zu seinen Füssen an der Wand, die untergruben den Rasen 10 und stiessen ihn heftig, der unter seinen Füssen lag und ihn nur unsicher trug; schon begann er allen Ernstes diesem Mann seine Hilfe zu versagen. Als diese vierfältige Noth dem Mann so grosse Furcht erweckte, da sah er aus einem Aste sanft und nicht schnell ein wenig Honigseim herausfliessen. 20 All seine Noth vergass er da: er beugte sich sofort dahin und liess ihn sich in den Mund träufeln. Wohin er sah, da war Noth; er sah sich dem Tod nahe: Wie fürchterlich auch war, was er sah, er liess nicht von den Honigtropfen! Ist deinen Sinnen dies flüchtige Beispiel, zu schwer zu erfassen, so will ich dir’s deuten, die richtige Erklärung nicht verschweigen. Die Grube, darein der Mann fiel, darunter sollst du die Welt verstehn, die mit mancherlei Pein uns ihre Stricke gelegt hat. Das Einhorn, das ist der Tod, der mit ängstlicher Sorge 10 das ganze Menschengeschlecht jagt, bis dass sein Name an ihm zu Tage tritt. Das Bäumlein, das ist das Leben, das uns allen gegeben ist, einem jeden nach seiner Macht. Der lichte Tag, die trübe Nacht bezeichnen diese zwei Mäuse, die jene Wurzeln so zernagten, dass die Staude ihren Halt verlor, an der der Mann mit Furcht hieng. 20 Also zernagen um die Wette unser Leben Tag- und Nachtzeit. Ihr Nagen nimmt kein Ende, eh man sie abnagen sieht unseres Lebens Wurzelkraft, daran unser Leben hängt. Merke auch in deinem Verstand, dass der feurige Drache, der den Rachen nach dem Manne aufsperrte, den Höllengrund bezeichnet und des Teufels Anblick, der furchtbaren Kummer bedeutet. Die vier Schlangenhäupter sind vier Kräfte, durch die alle Kinder, welche Menschen entstammen, Leib und Leben empfangen haben, der vier Elemente Kraft, aus denen Gottes Meisterschaft 10 das Leben aller Menschheit zusammengefügt hat. Das ist die ungewisse Stelle, auf die der Mann um sich zu retten seine Füsse gesetzt hatte. Der Welt unstäte Süssigkeit erkenne in dem Honig, der jenem in dem Mund troff, und um des kleinen Tröpfleins willen vergass er all seiner Ängste. 20 Damit sei Dir ein Bild gegeben, dass du daran dieser Welt Leben genau erkennest, wie es darum steht.’_

_KONRAD VON WÜRZBURG._

[_Scherer D._ 190, _E._ 180.]

Ein gelehrter Dichter, bürgerlichen Standes, in Würzburg geboren, lebte am Oberrhein, in Strassburg und Basel, wo er 1287 starb. Seine Werke sind: ‘Der Welt Lohn’ (ed. Roth, Frankfurt 1843); ‘Otto mit dem Bart’ (ed. Hahn, Quedlinburg 1838); ‘Schwanritter’ (ed. Roth, Frankfurt 1861); ‘Engelhard’ (ed. Haupt, Leipzig 1844); ‘Herzmäre’ (ed. Roth, Frankfurt 1846); ‘Alexius’ (ed. Haupt in seiner Zeitschrift III, 534); ‘Pantaleon’ (ed. Haupt in seiner Zeitschrift VI, 193); ‘Silvester’ (ed. W. Grimm, Göttingen 1841); ‘Goldene Schmiede’ (ed. W. Grimm, Berlin 1840); ‘Partonopier und Meliur’ (ed. Bartsch, Wien 1871, zugleich ‘Turnei von Nantheiz’ und ‘Lieder und Sprüche’); ‘Trojanerkrieg’ (ed. Keller, Stuttgart 1858); ‘Klage der Kunst’ (ed. Joseph, Strassburg 1885).

1.

DER WELT LOHN.

Ir werlde minnære vernemet disiu mære, wie einem ritter gelanc, der nâch der werlde lône ranc beidiu spâte unde fruo. er dâhte in manege wîs dar zuo wâ mite er daz begienge daz er den lôn enphienge werltlicher êren; er kunde wol gemêren 10 sîn lop an allen orten: mit werken und mit worten sîn leben was sô vollenbrâht, daz sîn zem besten wart gedâht in allen tiuschen landen, er hete sich vor schanden alliu sîniu jâr behuot: er was hübisch unde fruot, schœne und aller tugende vol. swâ mite ein man zer werlde sol bejagen hôher wirde prîs, daz kunde wol der herre wîs bedenken und betrahten. man sach den vil geslahten ûz erweltiu kleider tragen. 10 birsen, beizen unde jagen, kunde er wol und treip sîn vil; schâchzabel unde seiten spil daz was sîn kurzewîle. wær über hundert mîle gezeiget im ein ritterschaft, dar wær der herre tugenthaft mit guotem willen hin geriten und hete gerne dâ gestriten nâch lobe ûf hôher minne solt. 20 er was den frouwen alsô holt, die wol bescheiden wâren, daz er in sînen jâren mit lange wernder stæte in sô gedienet hæte, daz alliu sældenhaften wîp sînen wünneclichen lîp lobeten unde prîsten. als uns diu buoch bewîsten und ich von im geschriben vant, 30 sô was der herre genant her Wirent dâ von Grâvenberc. er hete werltlîchiu werc gewürket alliu sîniu jâr. sîn herze stille und offenbâr nâch der minne tobte. sus saz der hôch gelobte in einer kemenâten mit fröuden wol berâten und hete ein buoch in sîner hant, 10 dar ane er âventiure vant von der minne geschriben. dar obe hete er dô vertriben den tac unz ûf die vesperzît; sîn fröude was vil harte wît von süezer rede, die er las. dô er alsus gesezzen was, dô kam gegangen dort her ein wîp nach sînes herzen ger ze wunsche wol geprüevet gar 20 und alsô minneclîch gevar, daz man nie schœner wîp gesach. ir schœne volleclichen brach für alle frouwen die nû sint. sô rehte minneclichez kint von wîbes brüsten nie geslouf. ih spriche daz ûf mînen touf, daz si noch verre schœner was dan Vênus oder Pallas und alle die gotinne, die wîlen phlâgen minne: Ir antlütze unde ir varwe diu wâren beidiu garwe durchliuhtec alse ein spiegelîn. ir schœne gap sô liehten schîn und alsô wünneclichen glast 10 daz der selbe palast von ir lîbe erliuhtet wart. der wunsch der hete niht gespart an ir die sînen meisterschaft; er hete sîne besten kraft mit ganzem vlîze an si geleit. swaz man von schœnen wîben seit, der übergulde was ir lîp. ez wart nie minneclicher wîp beschouwet ûf der erde; 20 ouch was nâch vollem werde ir lîp bekleidet schône. diu kleider und diu krône, die diu selbe frouwe kluoc ûfe und ane ir lîbe truoc, die wâren alsô rîche, daz si halt sicherlîche nieman vergelten kunde, ob man si veile funde. Von Grâvenberc der herre Wirnt der erschrac von ir wol zwirnt, dô si kam geslichen: sîn varwe was erblichen vil harte von ir künfte dâ. in nam des michel wunder sâ, 10 waz vrouwen alsô kæme. ûf spranc der vil genæme erschrocken unde missevar unde enphienc die schœnen gar vil schône als er wol kunde. er sprach ûz süezem munde ‘sît, frouwe, gote willekomen! swaz ich von frouwen hân vernomen, der übergulde sît ir gar.’ diu frouwe sprach mit zühten dar 20 ‘vil lieber friunt, got lône dir! erschric sô sêre niht von mir. ich bin diu selbe frouwe doch der dû mit willen dienest noch und al dâ her gedienet hâst. swie dû vor mir erschrocken stâst, sô bin ich doch daz selbe wîp, durch die dû sêle unde lîp vil dicke hâst gewâget. dîn herze niht betrâget, ez trage durch mich hôhen muot. dû bist hübesch unde fruot gewesen alliu dîniu jâr; dîn werder lîp süez unde klâr hât nâch mir gerungen, gesprochen und gesungen von mir swaz er guotes kan; 10 dû wære eht ie mîn dienestman den âbent und den morgen; dû kundest wol besorgen hôhez lop und werden prîs; dû blüejest als ein meienrîs in manecvalter tugende; dû hâst von kindes jugende getragen ie der êren kranz; dîn sin ist lûter unde ganz an triuwen ie gein mir gewesen. 20 vil werder ritter ûz erlesen, dar umbe bin ich komen her, daz dû nâch dînes herzen ger mînen lîp von hôher kür schouwest wider unde für, wie schœne ich sî, wie vollekomen. den rîchen lôn, den grôzen fromen, den dû von mir enphâhen maht um dînen dienest vil geslaht, den solt dû schouwen unde spehen. ich wil dich gerne lâzen sehen, waz lônes dir geziehen sol, dû hâst gedienet mir sô wol.’ Den edelen herren tugentrîch dûhte harte wunderlîch dirre frouwen teidinc. wan si der selbe jungelinc 10 dâ vor mit ougen nie gesach, und doch diu selbe frouwe sprach, er wære ir dienestman gesîn. er sprach ‘genâde, frouwe mîn. hân ich iu gedienet iht, entriuwen, des enweiz ich niht: mich dunket âne lougen daz ich mit mînen ougen iuch vil selten hân gesehen. sît aber ir geruochet jehen 20 mîn ze knehte, sælec wîp, sô sol mîn herze und ouch mîn lîp iu ze dienste sîn bereit mit willeclicher arebeit unz ûf mînes endes zil. ir habet sô hôher sælden vil und alsô manecvalte tugent, daz iuwer fröudeberndiu jugent mir vil wol gelônen mac. jâ wol mich daz ich disen tac gelebet hân, des fröuwe ich mich, sît daz ir, frouwe minneclich, mînen dienst enphâhen welt. frouwe an tugenden ûz gezelt, geruochet künden mir ein teil durch daz wünnebernde heil daz an iu, schœniu frouwe, lît, von wannen ir geheizen sît oder wie ir sît genant. 10 iuwer name und iuwer lant daz werde mir hie kunt getân, durch daz ich wizze sunder wân, ob ich in allen mînen tagen ie von iu gehôrte sagen.’ Des antwurte im diu schœne dô, si sprach gezogenlîche alsô ‘vil lieber friunt, daz sol geschehen: ich wil dir gerne alhie verjehen mînes hôchgelobten namen. 20 dun darft dich nimmer des geschamen daz dû mir undertænec bist. mir dienet swaz ûf erden ist hordes unde guotes. ich bin sô frîes muotes daz keiser unde küneges kint alle under mîner krône sint; grâven, vrîen, herzogen, die habent mir ir knie gebogen und leistent alle mîn gebot. ich fürhte niemen âne got, der ist gewaltec über mich. diu Werlt bin geheizen ich, der dû nû lange hâst gegert. lônes solt dû sîn gewert von mir als ich dir zeige nû. hie kumt ez dir, daz schouwe dû!’

Sus kêrtes im den rücke dar, 10 der was in allen enden gar bestecket unde behangen mit ungefüegen slangen, mit kroten und mit nâtern; ir lîp was voller blâtern und ungefüeger eizen. fliegen unde âmeizen ein wunder drinne sâzen; ir fleisch die maden âzen unze an daz gebeine. 20 si was sô gar unreine daz von ir blœdem lîbe dranc ein sô angestlicher stanc, den niemen kunde erlîden. ir rîchez kleit von sîden wart übele dâ gehandelt und vil gar verwandelt in ein bœsez tüechelîn, sîn liehter wünneclicher schîn ersticket unde missevar 30 rehte alsam ein asche gar. Hie mite schiet si dannen. daz si vor mir verbannen, und ab der kristenheite sî! der ritter edel unde frî dô er diz wunder ane sach, zehant sîn herze im des verjach, er wære gar verwâzen, swer sich wolte lâzen an ir dienste vinden. 10 von wîbe und ouch von kinden schiet er sich al dâ zehant; er nam daz kriuze an sîn gewant und huop sich über daz wilde mer und half dem edelen gotes her strîten an die heidenschaft. dâ wart der ritter tugenthaft an stæter buoze funden. er schuof daz zallen stunden, dô im der lîp erstorben was, daz im diu sêle dort genas. 20 Nû merket alle die nû sint dirre wilden werlte kint diz endehafte mære. daz ist alsô gewære daz man ez gerne hœren sol. der werlte lôn ist jâmers vol, daz müget ir alle hân vernomen. ich bin sîn an ein ende komen, swer an ir dienste funden wirt daz in diu fröude gar verbirt, die got mit ganzer stætekeit den ûz erwelten hât bereit. Von Wirzeburc ich Kuonrât gibe iu allen disen rât, daz ir die werlt lâzet varn, wellet ir die sêle bewarn._

_Ihr Liebhaber der Welt vernehmt folgende Erzählung, wie es einem Ritter ergangen, der spät und früh nach der Welt Lohn gerungen hat. Er dachte auf manche Weise darauf, womit er es dahin brächte, dass er den Lohn weltlicher Ehren empfienge; er verstand seinen Ruhm 10 aller Orten zu mehren; in Werken und Worten verlief sein Leben so, dass man ihn zu den Edelsten zählte in allen deutschen Landen; von Schande hatte er sich Zeitlebens behütet; er war höfisch gebildet und klug, schön und im Besitz aller trefflichen Eigenschaften. Womit man in dieser Welt hoher Würde Preis erjagen mag, das wusste der weise Herr zu bedenken und zu beachten. Man sah den vornehmen Mann gewählte Kleidung tragen. 10 Mit Spürhunden, mit Falken und jeder Art Jagen verstand er wohl und trieb es viel, mit Schach- und Saitenspiel kürzte er sich die Zeit. Wär ihm über hundert Meilen weit ein Turnier angesagt worden, so wär der taugliche Herr bereitwillig hin geritten, und hätte dort gerne löblich um hoher Minne Sold gekämpft. 20 Den Damen war er so hold, den verständigen, dass er Jahr aus Jahr ein ihnen mit anhaltender Treue also gedient hatte, dass alle glückseligen Frauen den wonnigen Mann lobten und priesen. Wie uns das Buch berichtet, und ich von ihm geschrieben fand, 30 hiess dieser Herr Herr Wirent von Grafenberg. Er hatte weltliches Streben bethätigt sein Leben lang. Sein Herz war im Geheimen und öffentlich auf Liebe versessen. Nun sass einmal der Hochgerühmte in einer Kemenate in freudiger Stimmung und hielt ein Buch in der Hand, 10 in dem er eine Liebesgeschichte gefunden hatte. Damit hatte er sich die Zeit bis zur Vesperstunde vertrieben; seine Brust war freudig geschwellt von der süssen Erzählung, die er las. Wie er so dasass, da kam ein Weib daher gegangen, ganz nach seines Herzens Wunsch idealisch schön gestaltet 20 und von so liebenswürdigem Ansehn, dass man ein schöneres Weib nicht erblicken konnte. Ihre Schönheit überstrahlte alle Frauen, die heute leben. Ein so überaus liebliches Kind verliess noch nie eines Weibes Schooss. Meine Taufe setze ich zum Pfande: sie war weit schöner als Venus und Pallas und alle die Göttinnen, die einst sich der Liebe annahmen. Ihr Antlitz und ihre Hautfarbe leuchteten ganz und gar wie ein Spieglein. Ihre Schönheit gab so lichten Schein und so wonnigen Glanz, 10 dass der Palast von ihrem Leibe erleuchtet ward. Der Schönheit Inbegriff hatte an sie sein Meisterstück vollbracht; er hatte seine beste Kraft mit ganzem Fleiss an ihr verschwendet. Von wie viel schönen Frauen man auch redet, sie alle überglänzte ihr Leib. Nie ward ein liebenswertheres Weib auf Erden geschaut; 20 auch war ihre Gestalt nach ihrem vollen Werthe prächtig bekleidet. Die Kleider und die Krone, welche die schöne zierliche Frau auf dem Haupt und an ihrem Leibe trug, die waren so reich, dass sie sicherlich kein Mensch hätte bezahlen können, wenn man sie feil gefunden hätte. Von Grafenberg Herr Wirent erschrack vor ihr wohl doppelt, als sie leise herantrat: da war sein Angesicht in Folge ihres Kommens erblichen. Und es wunderte ihn gar sehr, 10 was für eine Frau also nahte. Der Liebenswürdige sprang erschrocken und verstört aussehend empor und empfieng die Liebliche, so schön er konnte. er sprach mit süssem Munde: ‘Seid, Herrin, gottwillkommen!_