The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 23

Chapter 233,017 wordsPublic domain

_‘Wer solche Minne hat, dass er ‖ durch Minne gefährde So lieben Freund, wie du mir bist, ‖ mir der liebste Freund auf der Erde, 20 Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne. Gott weiss wohl, ich wusste ‖ nie von der Minne Verlust noch Gewinne._

_Minne ist das ein Er? ‖ Kannst du Minne beschreiben? Ist es ein Sie? Und kommt mir ‖ Minne, wo soll ich mit ihr bleiben? Soll ich sie verwahren bei den Docken? Fliegt sie uns auf die Hand ‖ oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl locken.’_

_‘Herrin, ich hörte sagen ‖ von Frauen und von Mannen, Minne kann auf Alt und Jung ‖ den Bogen so meisterlich spannen, Dass sie mit Gedanken tödlich schiesset: Sie trifft ohne Fehlen, ‖ was da läuft, kriecht, fliegt oder fliesset._ 20

_Ich kannte, süsse Magd, bisher ‖ Minne nur aus Mären: In Gedanken wohnt die Minne, ‖ das kann ich mit mir selber nun bewähren. Dazu treibt sie wandellose Liebe. Minne stiehlt mir Freude ‖ aus dem Herzen gleich einem Diebe.’_

_‘Schionatulander, ‖ mich zwingen Gedanken, Wenn du mir aus den Augen kommst, ‖ dass ich an den Freuden muss erkranken, Bis ich dich heimlich wieder angesehn. Drum traur ich in der Wochen ‖ nicht Einmal, zu oft ist mirs geschehen.’_

_‘So darfst du, süsse Magd, mich ‖ nicht fragen nach Minne: Du erfährst wohl ohne Fragen ‖ von der Minne Verlust und Gewinne. Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen; Thu der Minn ihr Recht, dass ‖ uns die Minne nicht verderbt in den Herzen.’_

_Sie sprach: ‘Kann die Minne ‖ die Herzen so beschleichen, Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd ‖ mit Behendigkeit mög entweichen: 20 Weiss denn Jemand, was die Minne rächen Will an Leuten, die ihr nie ‖ geschadet, ihre Freuden so zu brechen?’_

_‘Ja, sie ist gewaltig ‖ der Jungen wie der Greisen: Kein Meister lebt auf Erden, ‖ der ihre Wunder alle möge preisen. Lass uns um ihre Hülfe beide werben Mit wandelloser Freundschaft; ‖ so kann mit Wank uns Minne nicht verderben.’_

_‘O weh, könnte Minne ‖ doch andre Hülf erzeigen, Als dass ich meinen freien Leib ‖ in dein Gebot dir gäbe zu eigen! Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen: Du musst mich unter Schildesdach ‖ erst verdienen, das sollst du wissen!’_

_‘Herrin, wenn ich erstarke ‖ die Waffen zu führen, In süsser, saurer Arbeit ‖ will ich heut und immer mich rühren, Dass mein Dienst nach deiner Hülfe ringe; Deine Hülfe thut mir Noth: ‖ hilf denn, dass mir an dir gelinge.’_

_So hatt ihre Minne ‖ den Anfang genommen Mit Worten in den Zeiten, ‖ da Pompejus vor Baldag zu kommen Sich gerüstet mit gewaltigem Heere, Und Ipomedon der werthe; ‖ da zerbrachen sie viel neue Speere._ 20

3.

WILLEHALM.

Durh Gyburge al diu nôt geschach. diu stuont ûf, mit zuht si sprach, ê daz sich schiet der fürsten rât. ‘swer zuht mit triwen hinne hât, der ruoche hœren mîniu wort. got weiz wol daz ich jâmers hort sô vil inz herze hân geleit, daz in der lîp unsamfte treit.’ Die gein ir ûf begunden stên, die bat si sitzn und ninder gên. dô si gesâzen über al, si sprach ‘der tôtlîche val der hiest geschehen ze bêder sît dar umbe ich der getouften nît 10 trag und ouch der heiden, daz bezzer got in beiden an mir, und sî ich schuldic dran. die rœmschen fürsten ich hie man, daz ir kristenlîch êre mêrt, ob iuch got sô verre gert, daz ir mit strîte ûf Alischanz rechet den jungen Vivîanz an mînen mâgn und an ir her: die vindet ir mit grôzer wer. 20 und ob der heiden schumpfentiur ergê, sô tuot daz sælekeit wol stê: hœrt eins tumben wîbes rât, schônt der gotes hantgetât. Ein heiden was der êrste man den got machen began. Nu geloubt daz Eljas unde Enoch für heiden sint behalten noch. Nôê ouch ein heiden was, der in der arken genas. Iop für wâr ein heiden hiez, den got dar umbe niht verstiez. nu nemt ouch drîer künege war, 10 der heizet einer Kaspar, Melchîor und Balthasân: die müeze wir für heiden hân, diene sint zer flüste niht benant: got selb enpfienc mit sîner hant die êrsten gâbe an muoter brust von in. die heiden hin zer flust sint alle niht benennet. wir hân für wâr bekennet, swaz müeter her sît Even zît 20 kint gebâren, âne strît gar heidenschaft was ir geburt: etslîchz der touf het umbegurt. getouft wîp den heiden treit, swie dez kint der touf hab umbeleit. der juden touf hât sundersite: den begênt si mit eime snite. wir wârn doch alle heidnisch ê. dem sældehaften tuot vil wê, ob von dem vater sîniu kint hin zer flust benennet sint: er mac sih erbarmen über sie, 10 der rehte erbarmekeit truoc ie. Nu geloubt ouch daz diu mennescheit den engelen ir stat ab erstreit, daz si gesetzet wâren, die unser künne vâren, ze himele in den zehenden kôr. die erzeigeten got alsölhen bôr, daz sîn werdiu kraft vil stætec von in wart anrætec. dieselben nôtgestallen 20 von gedanken muosen vallen: got enlie si niht zen werken komn, der gedanc weiz wol unvernomn. dar umbe des menschen wart erdâht. sich heten mensch und engel brâht beidiu in den gotes haz: wie kumt daz nu daz mennisch haz dan der engl gedinget? mîn munt daz mære bringet. daz mennisch wart durch rât verlorn: der engel hât sich selb erkorn zer êwigen flüste mit sîner âküste, 10 und al die im gestuonden die selben riwe fuonden. die varent noch hiute dem mensche bî, als ob der kôr ir erbe sî, der den ist ze erbe lâzen die sich des kunnen mâzen daz gotes zorn erwirbet, des sælde niht verdirbet. Swaz iu die heiden hânt getân, ir sult si doch geniezen lân 20 daz got selbe ûf die verkôs von den er den lîp verlôs. ob iu got sigenunft dort gît, lâts iu erbarmen ime strît. sîn werdeclîchez leben bôt für die schuldehaften an den tôt unser vater Tetragramatôn. sus gab er sînen kinden lôn ir vergezzenlîchen sinne. sîn erbarmede rîchiu minne elliu wunder gar besliuzet, 10 des triwe niht verdriuzet, sine trage die helfeclîche hant diu bêde wazzer unde lant vil künsteclîch alrêrst entwarf, und des al diu crêatiure bedarf die der himel unbesweifet hât. diu selbe [hant] die plânêten lât ir poynder vollen gâhen bêdiu verre und nâhen. swie si nimmer ûf gehaldent, 20 si warment unde kaldent: etswenne’z îs si schaffent: dar nâch si boume saffent, sô diu erde ir gevidere rêrt unde si der meie lêrt ir mûze alsus volrecken, nâch den rîfen bluomen stecken. Ich diene der künsteclîchen hant für den heiden got Tervigant: ir kraft hât mich von Mahumeten unders toufes zil gebeten. des trag ich mîner mâge haz; und der getouften umbe daz: durch menneschlîcher minne gît si wænent daz ich fuogte disen strît. dêswâr ich liez ouch minne dort, 10 und grôzer rîcheit manegen hort, und schœniu kint, bî einem man, an dem ich niht geprüeven kan daz er kein untât ie begienc, sîd ich krôn von im enpfienc. Tybalt von Arâbî ist vor aller untæte vrî: ich trag al ein die schulde, durh des hœhsten gotes hulde, ein teil ouch durh den markîs 20 der bejaget hât sô manegen prîs. ey Willalm, rehter punjûr, daz dir mîn minne ie wart sô sûr! waz werder diet ûz erkorn in dîme dienste hânt verlorn ir lîp genendeclîche! der arme und der rîche, nu geloubt daz iwerr mâge flust mir sendet jâmer in die brust: für wâr mîn vreude ist mit in tôt.’ si weinde vil: des twanc si nôt. 10

_Kyburg, der Quell all dieser Leiden, stand auf, und nimmt das Wort bescheiden, bevor der Fürstenrath sich trennt: ‘Wer Zucht und Treue hier bekennt, geruh zu hören, was ich sage. Gott weiss, dass solchen Schatz der Klage ich habe in mein Herz gelegt, dass ihn mit Müh der Leib nur trägt.’ Die vor ihr begannen aufzustehn, bat sie zu sitzen und nicht zu gehn. Als dann sie sassen überall, hub an die Königin: ‘Den tödlichen Fall, der beiderseits geschehen ist, weshalb der Heide wie der Christ 10 mir zürnt, den wende Gottes Huld zum Bessern Beiden, so wie mir, bin ich allein auch daran schuld. Die römischen Fürsten mahn’ ich hier, dass ihre Christenehr’ es mehrt, wenn Gott euch dazu nun begehrt, dass ihr im Kampf auf Alischanz rächet den jungen Vivianz an meinen Verwandten und ihrem Heer. Die findet ihr mit grosser Wehr. 20 Doch werft ihr die Heiden nieder im Streit, so sorgt, zu wahren die Seligkeit. Hört an einfält’ges Weibes Rath: Achtet, was Gott geschaffen hat! Ein Heide war der erste Mann, den zu erschaffen Gott begann. Für Heiden sind Elias und Henoch gehalten auch, so glaubt ihr doch. Gleichfalls ein Heide Noah war, des Arch’ ihn trug aus der Gefahr. Fürwahr ein Heid’ auch Hiob hiess, den Gott doch deshalb nicht verstiess. Auch nehmt die drei Kön’ge wahr, 10 Melchior, Kaspar und Balthasar; wir müssen sie zwar Heiden nennen, doch aber auch zugleich bekennen, dass nimmer sie verdammet sind. Gott selbst empfieng, das Jesuskind, an Mutterbrust aus ihrer Hand die erste Gabe. Nicht alle Heiden sehn drum wir hin zur Hölle scheiden. Es ist als wahr von uns erkannt: Alle Kinder, die seit Evas Zeit 20 die Mütter gebaren, sind ohne Streit im Heidenthum bei ihrer Geburt; nur einige schirmt der Taufe Gurt. Das Christenweib den Heiden trägt, bis ihm die Taufe ist angelegt. Der Juden Tauf’ ist eigner Sitte, die sie vollziehen mit einem Schnitte. Wie waren all’ drum heidnisch eh: doch thut’s dem heiltheilhaft’gen weh, wenn von dem Vater seine Kind zu den Verdammten gezählet sind; und es erbarme sich über sie, 10 der sein Erbarmen versagt noch nie. Auch glaubet ihr, die Menschheit hat den Engeln abgestritten die Statt, wohin gesetzt sie ehbevor, in des Himmels zehnten Chor, die unser Geschlecht bedrohn mit Wuth. Gott zeigten sie solchen Übermuth, und suchten mit beharrlichem Werben seine Herrlichkeit zu verderben. Dieselben Jammerbrüder alle 20 kamen durch Gedanken zu Falle. Gott, der die Gedanken unausgesprochen doch weiss, hat ihr Sündenwerk gebrochen. Drauf ward der Mensch von ihm erdacht. Mensch und Engel haben gebracht sich beide um die Gotteshuld. Wie kommt’s nun, dass des Menschen Schuld soll leichter als die der Engel wiegen; Das sei euch nicht von mir verschwiegen. Durch Verführung gieng der Mensch verloren; die Engel haben sich selbst erkoren durch ihren Verrath und Treuebruch der ewigen Verdammniss Fluch, 10 wie gleiches Elend alle fanden, die zu ihnen gleichfalls standen. Sie umstricken den Menschen wie zuvor noch heute, als sei ihr Erbe der Chor, der doch als Erbe nur denen gelassen, die vermeiden, was Gott muss hassen, dass seinen Zorn sie nicht erwerben. Ihr Heil entgehet dem Verderben. Was auch die Heiden euch gethan, so sollt ihr denken doch daran, 20 dass denen auch Gott selbst verzieh, die seinen Leib getödtet hie. Wenn Gott euch dort den Sieg verleiht, so übt Erbarmen in dem Streit. Sein würdereiches Leben bot für die Schuldigen dem Tod unser Vater Tetragrammaton[22]. So gab er seinen Kindern Lohn, wie wohl sie seiner schwer vergassen. Seiner reichen erbarmenden Lieb’ entfliessen alle Wunder sonder Massen. 10 Nie kann es seine Treu verdriessen, zu helfen mit hülfreicher Hand, die beides, Wasser so wie Land zuerst mit weiser Kunst entwarf, des alle Kreatur bedarf, die der Himmel umkreiset. Dieselbe Hand den Planeten weiset die Bahnen an in Fernen und Nähen, den vorgeschriebnen Lauf zu gehen. Wie unaufhaltsam ihren Kreis 20 sie vollenden, giebt ihre Kraft Wärm’ und Kälte; sie schaffen das Eis, sie giessen in den Baum den Saft, wenn die Erd’ erneuert ihr Gefieder und sie der Mai belehret, wieder, um ihre Mause zu vollenden, Blumen nach dem Reif zu spenden. Ich diene der Einen, der kunstreichen Hand, anstatt dem Gotte Tervigant. Ihre Kraft hiess durch der Taufe Segen mich ab den Glauben Mahoms legen; deshalb trag’ ich den Hass der Meinen. Doch den Getauften will es scheinen, als ob durch menschlicher Minne Begier ich diesen Streit entflammet hier. Wahr ist’s, ich liess auch Minne dort, 10 und grosses Reichthums manchen Hort, und schöne Kinder bei einem Mann, dem niemals ich nachweisen kann, dass irgend Unthat er begieng, seit ich von ihm die Kron’ empfieng. Tybald von Arabien sei von allem Frevel gesprochen frei. Ich trag allein die Schuld durch des höchsten Gottes Huld und theils durch den Marquis gezwungen, 20 der sich so manchen Preis errungen. Weh, Wilhelm, rechter Pongneor, weh mir, dass so meine Liebe verderblich dir! Wie werthe Männer auserkoren haben ihr edles Leben verloren in deinem Dienst! Ihr Reich’ und Arme, o glaubt es, dass mit tiefstem Harme eurer lieben Verwandten Verlust mir jammervoll beschwert die Brust. Meine Freud’ ist wahrlich mit ihnen todt.’ Sie weinte sehr im Zwang der Noth._ 10

_RUDOLF VON EMS._

[_Scherer D._ 189, _E._ 180.]

Ein Schweizer, Dienstmann zu Montfort. Ein gelehrter Dichter, der viel geschrieben hat und zwischen 1251 und 1254 starb. Erhalten sind von seinen Werken: ‘der gute Gerhard’ (ed. Haupt, Leipzig 1840); ‘Barlaam und Josaphat’ (ed. Pfeiffer, Leipzig 1843); und ‘Wilhelm von Orlens’, ‘Alexander’, ‘Weltchronik’ (unvollendet und Konrad IV. gewidmet), sieh Vilmar ‘Die zwei Recensionen und die Handschriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems’ (Marburg 1839).

BARLAAM UND JOSAPHAT.

Die jenen rehten herren lânt und disem valschen bî gestânt, den wirt der tôt vür daz leben von im ze lône gegeben. sîn lôn ist niht wan herzeleit, als ich ein teil dir hân geseit. Die dirre welte volger sint unde ir dienstlîchiu kint, die gelîche ich einem man, der nôt von einem tiere gewan; daz was ein einhürne grôz. sîn lüejen alsô lûte dôz, daz ez den man brâhte in nôt. er vorhtim unde vlôch den tôt. 10 ez jaget in âne milte zuht. dô er was in sorgen vluht und vor dem einhürnen lief, in ein abgründe tief viel er über eine want. in dem valle ergreif sîn hant ein boumelîn; dâ hieng er an: daz vriste disen selben man. er habete sich vil vaste ze des boumelînes aste. 20 die vüeze hâte er gesat an eine wunderenge stat; daz was ein kleiner erdewase, gewurzet âne kraft mit grase: dar ûf enthielt er sînen val. diu selbe stat was alsô smal, daz er dar an niht mohte gestân, swenn er daz boumel müeste lân. Swier dâ stuont in grôzer nôt, er wânde, im wære der tôt mit vride gar benomen dâ. dô kômen zwô miuse sâ: einiu was swarz, diu ander wîz: die kêrten allen ir vlîz an der stûden wurzel gar. 10 sie nuogen alsô vaste dar, biz diu wurz vil nâch sich lie, von der kraft diu stûde gie. diz was ein ängestlîch geschiht. er mohte des erwenden niht, sie wolten der wurze angesigen. dô sach er einen trachen ligen tief under im in dem tal; der dinget ûf des mannes val. ez was ein ängestlîcher stric. 20 er truoc vil leiden aneblic: diu ougen und der âtem sîn wâren beidiu viurîn; er tet vil wîte ûf den munt: dô dranc daz viur sâ zestunt mit grôzer flamme, als er sich vleiz, als ûz einem ovene heiz ûz sinem wîten munde. vil sêre in der stunde mit grimme blangen began, daz er verslunde disen man. ûf sînen val was er bereit ginende, als ich hân geseit, als er in wolde slinden. dem man begunde swinden 10 herzevreude (daz tet nôt), als im diu vorhte gebôt. Dô der man diz ungemach under im an dem trachen sach und den wüetenden einhürnen ob im sô sêre zürnen, dô er nâch im lûte schrei, und daz der stûden wurz enzwei von den miusen nâch geschaben was: er dâhte, ob in enthaben 20 möhte disiu kleiniu stat, dâ er hâte hin gesat die vüeze durch des valles vrist. als er disen kleinen list in sînen grôzen nœten vant, er sach des endes sâ zehant. aldâ moht er sich niht entsagen: ûz der wende sach er ragen vier grôzer würme houbet. vreude er wart betoubet, wan er des tôdes was gewis. ein slange, heizet aspis, der vil grôze vrävele hât, swenne er lebendes iht bestât. der wurden im dâ vier erkant bî sînen vüezen in der want, die den wasen undergruoben 10 und vlîzeclîche schuoben, der under sînen vüezen lac und sîn mit unstæte phlac, wan er sô sêre began mit helfe entwîchen disem man. dô disiu viervalte nôt dem man sô grôze vorhte bôt, er sach ûz einem aste samfte, niht ze vaste, ein kleine honicseimes gân. 20 al sîn nôt begunder lân: er habete sich dar sâ zestunt und liez im triefen in den munt. swar er sach, dâ was nôt; er sach nâhen im den tôt: swie vorhteclich was diu gesiht, er lie der honictropfen niht. Ist dînen sinnen iht ze snel ze merkenne diz bîspel sô wil ich dirz ze tiute sagen, die rehten bîschaft niht verdagen. diu gruobe, dar in viel der man, dâ soltû die welt merken an, diu mit sô maneger arbeit uns ir stricke hât geleit. der einhürne, dêst der tôt, der mit ängestlîcher nôt 10 allez menschenkünne jaget, biz daz sîn name an im betaget. daz boumelîn, daz ist daz leben, daz uns allen ist gegeben, ieglîchem nâch sîner maht. der liehte tac, diu trüebe naht bezeichent dise miuse zwô, die jene wurzen nuogen sô daz der stûden kraft zergienc, dar an der man mit vorhten hienc. 20 alsus genagent widerstrît unser leben disiu zît. ir nagen daz hât endes niht, ê man si abe genagen siht unser lebenes wurzelkraft, dâ unser leben ist angehaft. merke ouch in den sinnen dîn, daz der trache viurîn, der gên dem man ûf tet den munt, bezeichent der helle grunt und des tiuvels angesiht, diu vorhtlîcher swære giht. Der vier slangen houbet sint vier tugende, von den al diu kint, diu von menschen sint bekomen, lîp unde leben hânt genomen, der vier êlementen kraft, von den diu gotes meisterschaft 10 den lîp al der menscheit hât ze samene geleit. daz ist diu ungewisse stat, ûf die der man hâte gesat durch vristen sîne vüeze. der welte unstætiu süeze sî dir bî dem honige kunt, daz jenem trouf in den munt, und durch daz kleine tröpfelîn vergaz er al der nœte sîn. 20 hie sî dir bilde bî gegeben, daz dû dirre welte leben rehte erkennest, wie si stât.’