The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 22

Chapter 223,473 wordsPublic domain

Diu küngin was alsô bedâht, si bat belîben in die naht. ‘dune solt niht hinnen kêren ich wil dich list ê lêren: an ungebanten strâzen soltu tunkel fürte lâzen: die sîhte und lûter sîn, dâ solte al balde rîten în. du solt dich site nieten, der werlde grüezen bieten, Op dich ein grâ wîse man zuht wil lêrn als er wol kan, dem soltu gerne volgen, 10 und wis im niht erbolgen. sun, lâ dir bevolhen sîn, swâ du guotes wîbes vingerlîn mügest erwerben unt ir gruoz, daz nim: ez tuot dir kumbers buoz. du solt zir kusse gâhen und ir lîp vast umbevâhen: daz gît gelücke und hôhen muot, op si kiusche ist unde guot. Du solt och wizzen, sun mîn, 20 der stolze küene Lähelîn dînen fürsten ab ervaht zwei lant, diu solten dienen dîner hant, Wâleis und Norgâls. ein dîn fürste Turkentâls den tôt von sîner hende enphienc: dîn volc er sluoc unde vienc.’ ‘diz rich ich, muoter, ruocht es got: in verwundet noch mîn gabylôt.’ Des morgens dô der tag erschein, der knappe balde wart enein, im was gein Artûse gâch. 10 Herzeloyde in kuste und lief im nâch. der werlde riwe aldâ geschach. dô si ir sun niht langer sach (der reit enwec: wemst deste baz?) dô viel diu frouwe valsches laz ûf die erde, aldâ si jâmer sneit sô daz se ein sterben niht vermeit. Ir vil getriulîcher tôt der frouwen wert die hellenôt. ôwol si daz se ie muoter wart! 20 sus fuor die lônes bernden vart ein wurzel der güete und ein stam der diemüete. ôwê daz wir nu niht enhân ir sippe unz an den eilften spân! des wirt gevelschet manec lîp. doch solten nu getriwiu wîp heiles wünschen disem knabn, der sich hie von ir hât erhabn._

_Es betrübt mir Seel’ und Leib, dass so manche heisset Weib. Die Stimme lautet allen hell, doch viele sind zum Falsche schnell, andre frei von falschem Wandel: so theilt sich dieser Handel. Dass die mit gleichem Namen prangen, das hat mein Herz mit Scham befangen. Weibheit, dein ordentlicher Brauch, Treue hielt und hält der auch. 10 Viele sprechen, Armut sei zu keinem Dinge gut; wer sie um Treue will erleiden, der mag doch Höllenfeuer meiden. Armut trug ein Weib um Treu: da ward ihr immer wieder neu im Himmelreich gegeben. Nun werden wen’ge leben, die jung der Erde Reichthum liessen um des Himmels Ruhm. Ich kenne keinen, der das will, Mann und Weib sind mir gleich viel, 10 sie gleichen alle sich darin. Frau Herzeleid, die, Königin floh ihren dreien Landen fern: sie trug der Freuden Mangel gern. Aller Fehl so ganz an ihr verschwand, dass ihn nicht Ohr noch Auge fand. Ein Nebel war ihr die Sonne; sie mied die weltliche Wonne. Auch war die Nacht ihr wie der Tag, ihr Herz nur stäten Jammers pflag. 20 Sie zog sich vor des Grams Gewalt aus ihrem Land in einen Wald, in der Wildniss von Soltane; nicht um Blumen auf dem Plane: ihr Herz erfüllte Leid so ganz, sie kehrte sich an keinen Kranz, ob er roth war oder fahl. Sie flüchtete dahin zumal des werthen Gahmuretes Kind. Leute, die da bei ihr sind, müssen reuten und pflügen. Ihre Pflege konnte wohl genügen dem Sohn. Eh der Verstand gewann, 10 rief sie ihr Volk zu sich heran, wo sie Mann und Weib zumal bei Leib und Leben anbefahl, dass von Rittern schwieg’ ihr Mund: ‘Denn würd’ es meinem Herzlieb kund, was ritterliches Leben wär, so hätt ich Kummer und Beschwer. Nun legt die Zunge klug in Haft und hehlt ihm alle Ritterschaft.’ Allen Leuten schuf das Sorgen. 20 Der Knabe ward verborgen in der Wüste von Soltan erzogen, um königlichen Brauch betrogen, ausser in dem einen Spiel: der Bogen und der Bolzen viel schnitt er sich mit eigner Hand und schoss die Vögel, die er fand. Wenn er jedoch das Vöglein schoss, dem erst Gesang so hold entfloss, so weint’ er laut und strafte gar mit Raufen sein unschuldig Haar. Sein Leib war klar und helle: auf dem Plan an der Quelle wusch er sich alle Morgen. 10 Nie meint’ er sich geborgen, bis ob ihm war der Vöglein Sang; die Süsse ihm das Herz durchdrang: das dehnt’ ihm seine Brüstlein aus. Mit Weinen lief er in das Haus. Die Kön’gin sprach: ‘Wer that dir’s an? Du warst ja draussen auf dem Plan.’ Da wusst er ihr kein Wort zu sagen, so geht es Kindern noch in unsern Tagen. Solches macht’ ihr viel zu schaffen. 20 Einst sah sie ihn nach Bäumen gaffen, davon der Vögel Lied erscholl. Sie ward wohl inne, wie ihm schwoll von dem Gesang die junge Brust; in seiner Art lag solch Gelust. Frau Herzleid trug den Vögeln Hass seitdem, sie wusste nicht um was: sie wollt’ ihr Singen gern beschränken. Ihre Bauern und Enken schickte sie mit Netz und Stangen, Vöglein zu würgen und zu fangen. 10 Die Vöglein waren gut beritten, sie haben den Tod nicht all’ erlitten: etliche blieben noch am Leben, die hört man neuen Sang erheben. Der Knabe sprach zur Mutter sein: ‘Was giebt man Schuld den Vögelein?’ Er erbat ihnen Frieden gleich zur Stund. Seine Mutter küsst’ ihn auf den Mund. Sie sprach: ‘Was brech’ ich Sein Gebot, der doch ist der höchste Gott? 20 Sollen Vöglein trauern meinethalb?’ Der Knappe sprach zur Mutter bald: ‘Höre, Mutter, was ist Gott?’ ‘Das sag’ ich, Sohn, dir ohne Spott: er ist noch lichter denn der Tag, der einst Angesichtes pflag nach der Menschen Angesicht. Sohn, vergiss der Lehre nicht, und fleh ihn an in deiner Noth, dessen Treu’ uns immer Hülfe bot. 10 Ein Andrer heisst der Hölle Wirth, der schwarz Untreu nicht meiden wird; von dem kehr die Gedanken und auch von Zweifels Wanken.’ Seine Mutter unterschied ihm gar, was finster ist, was licht und klar. Waldein dann eilt’ er hin zu springen. Das Gabilot auch lernt’ er schwingen, womit er manchen Hirsch erschoss, davon der Mutter Haus genoss. 20 Ob man Grund sah oder Schnee, dem Wilde thät sein Schiessen weh. Hört aber fremde Märe: wenn er erschoss das schwere, einem Maulthier wär’ die Last genug, die er unzerlegt nach Hause trug. Er kam auf seinem Waidegang eines Tages einer Hald’ entlang, und brach zum Blatten einen Zweig. In seiner Nähe gieng ein Steig: da vernahm er Schall von Hufschlägen: er begann sein Gabilot zu wägen. ‘Was hab’ ich da vernommen? 10 Dass nun der Teufel kommen wollte grimm und zorniglich! Ich bestünd’ ihn sicherlich. Meine Mutter Schrecken von ihm sagt: mich dünkt, sie ist auch zu verzagt.’ So stand er da in Streits Begehr. Seht, da traben dortenher drei Ritter in der Rüstung Glanz, von Haupt zu Fuss gewappnet ganz. Der Knappe wähnte sonder Spott, 20 jeglicher wär’ ein Herregott. Wohl stand er auch nicht länger hie, er warf sich in den Pfad aufs Knie; mit lauter Stimme rief er gleich: ‘Hilf Gott, du bist wohl hilfereich!’ Der Vordre zürnte drum und sprach, als ihm der Knapp’ im Wege lag: ‘Dieser täppische Waleise wehrt uns schnelle Weiterreise.’ Ein Lob, das wir Baiern tragen, muss ich von Waleisen sagen: Sie sind täppischer als Bairisch Heer und leisten doch gleich tapfre Wehr. 10 Wen dieser Länder eins gebar, wird der gefüg, ists wunderbar. Da kam einher galoppiert, an Helm und Harnisch wohl geziert ein Ritter, welchem Zeit gebrach: streitgierig ritt er denen nach, die ihm schon weit vorausgekommen. Zwei Ritter hatten ihm genommen eine Frau aus seinem Lande: das däuchte diesen Schande. 20 Der Jungfrau Leid betrübt’ ihn schwer, die erbärmlich ritt vor ihnen her. Die dreie sind ihm unterthan. Er ritt ein schönes Kastilian; an seinem Schild war wenig ganz. Er hiess Karnachkarnanz, Le Comte Ulterleg. Er sprach: ‘Wer sperrt uns hier den Weg?’ So fuhr er diesen Knappen an; dem schien er wie ein Gott gethan: er sah noch niemals lichtre Schau. Sein Wappenrock benahm den Thau. Mit goldrothen Schellen klein waren an jedwedem Bein ihm die Stegereif’ erklängt 10 und zu rechtem Mass gelängt. Sein rechter Arm von Schellen klang, wenn er ihn rührt’ oder schwang; er war von Schwertschlägen hell. Der Degen war zur Kühnheit schnell. Also diesen Wald durchstrich der Fürst gerüstet wonniglich. Aller Mannesschöne Blumenkranz, den fragte da Karnachkarnanz: ‘Knapp, saht ihr hier vorüberfahren 20 zwei Ritter, die nicht können wahren das Gesetz der Rittergilde? Gewaltthat tragen sie im Schilde und sind an Würdigkeit verzagt: sie entführten eine Magd.’ Was er auch sprach, doch hielt ihn noch der Knapp für Gott: so malt Ihn doch die Königin, Frau Herzeleid, die vom lichten Schein ihm gab Bescheid. Da rief er laut sonder Spott: ‘Nun hilf mir, hilfereicher Gott! Niederwarf sich zum Gebet Le Fils du Roi Gahmuret.’ Da sprach der Fürst: ‘Ich bin nicht Gott; doch leist’ ich gerne sein Gebot. 10 Vier Ritter möchtest du hier sehn, wenn du besser könntest spähn.’ Der Knappe fragte fürbass: ‘Du nennest Ritter: was ist das? Hast du keine Gotteskraft, so sage, wer giebt Ritterschaft?’ ‘Die theilt der König Artus aus. Junker, kommt ihr in sein Haus, so mögt ihr Ritters Namen nehmen, dass ihrs euch nimmer habt zu schämen. 20 Ihr seid wohl ritterlicher Art._

_Von den Helden er beschauet ward: da sahn sie Gottes Kunst und Fleiss. Von der Aventür ich weiss, die mich mit Wahrheit des beschied, dass Mannesantlitz nie gerieth so schön wie seins von Adams Zeit: drum lobten Fraun ihn weit und breit. Da hub der Knappe wieder an, dass sein zu lachen Der begann: ‘Ei Ritter gut, was soll dies sein? du hast so manches Ringelein an den Leib gebunden dir, dort oben und auch unten hier.’ 10 Der Knapp befühlte mit der Hand, was er eisern an dem Fürsten fand. Den Panzer wollt er gern beschauen: ‘Meiner Mutter Jungfrauen wohl an Schnüren Ringlein tragen, die nicht so in einander ragen.’ Noch sprach der Knappe wohlgemuth zum Fürsten: ‘Wozu ist dies gut, was sich an dir so wohl will schicken? Ich kann es nicht herunter zwicken.’ 20 Da wies der Fürst ihm sein Schwert: ‘Nun sieh, wer Streit mit mir begehrt, des erwehr ich mich mit Schlägen. Gegen seine muss ichs an mich legen, und dieser Schild behütet mich vor dem Schuss und vor dem Stich.’ Wieder sprach der Knappe laut: ‘Hätten die Hirsche solche Haut, sie versehrte nicht mein Gabilot; so fällt doch mancher vor mir todt.’ Die Ritter zürnten, dass er sprach mit den Knappen, welchem Sinn gebrach. 10 Da sprach der Fürst: ‘Gott hüte dein! O wäre deine Schönheit mein! Dir hätte Gott genug gegeben, besässest du Verstand daneben. Die Gottesgabe liegt dir fern.’ Da ritt er weiter mit den Herrn. Sie gelangten alle bald zu einem Feld im tiefen Wald. Da fand er an der Pflugschar Frau Herzeleidens Bauernschar. 20 Dem Volke nie so leid geschah. Die man künftig ernten sah, sie mussten säen erst und egen, starken Ochsen dräun mit Schlägen. Der Fürst ihnen guten Morgen bot und frug sie: ‘Sahet ihr nicht Noth eine Jungfrau erleiden?’ Da konnten sies nicht meiden, sie sagten ihm, was er gefragt: ‘Zwei Ritter und eine Magd sahn wir reiten heute Morgen. Das Fräulein schien in Sorgen. Kräftig mit den Sporen rührte 10 die Pferde, der die Jungfrau führte.’ Es war Meliakanz, dem nachritt Karnachkarnanz und ihm im Kampf die Jungfrau nahm; sie war an aller Freude lahm. Sie hiess Imäne von der Bellefontäne. Die Bauern waren sehr verzagt, da diese Helden sie befragt. Sie sprachen: ‘Wie ist uns geschehn!’ 20 Hat unser Junker ersehn an diesen Rittern schartges Eisen, so dürfen wir das Glück nicht preisen. Uns trifft mit Recht nun immerhin darum der Zorn der Königin, weil er mit uns zu Walde lief heute früh, da sie noch schlief.’ Gleich galts dem Knappen, wer nun schoss im Wald die Hirsche klein und gross; heim zu der Mutter lief er wieder und sagt es ihr. Da fiel sie nieder, seiner Worte sie so sehr erschrak, dass sie bewusstlos vor ihm lag. Als darauf die Königin wieder fand bewussten Sinn, wie sie zuvor auch war verzagt, 10 doch sprach sie: ‘Sohn, wer hat gesagt dir von ritterlichem Orden? Wie bist du’s inne worden?’ ‘Mutter, ich sah vier Männer licht, lichter ist Gott selber nicht: die sagten mir von Ritterschaft. Artusens königliche Kraft soll mich mit ritterlichen Ehren des Schildes Amt und Pflichten lehren.’ Das war ihr neuen Leids Beginn. 20 Die Königin sann her und hin, wie sie eine List erdächte und ihn von solchem Willen brächte. Der einfältge Knappe werth bat die Mutter um ein Pferd. Das begann sie heimlich zu beklagen. Sie gedacht: ‘Ich will ihm nichts versagen; aber grundschlecht muss es sein.’ ‘Es giebt noch Leute,’ fiel ihr ein, ‘die gar lose Spötter sind. Thorenkleider soll mein Kind an seinem lichten Leibe tragen. Wird er gerauft dann und geschlagen, so kehrt er wohl in kurzer Frist.’ 10 O weh der jammervollen List! Da nahm sie grobes Sacktuch und schuf daraus ihm Hemd und Bruch (Hose), aus Einem Stück jedoch geschnitten bis zu des blanken Beines Mitten; eine Kappe dran für Haupt und Ohren: so trugen damals sich die Thoren. Zwei Ribbalein statt Strümpfen auch, als Kalbshäuten frisch und rauch, mass man seinen Beinen an, da weinten alle, die es sahn._ 20

_Die Königin mit Wohlbedacht bat ihn zu bleiben noch die Nacht; ‘du darfst dich nicht von hinnen heben, ich muss dir erst noch Lehren geben: du sollst auf ungebahnten Strassen dich nicht auf dunkle Furt verlassen; ist sie aber seicht und klar, so hat der Durchritt nicht Gefahr. Du sollst auch guter Sitte pflegen, jeden grüssen auf den Wegen. Will dich ein grauweiser Mann Zucht lehren, wie ein solcher kann, so folg ihm gerne mit der That, 10 und zürn ihm nicht, das ist mein Rath. Eins lass dir, Sohn, befohlen sein: wo du guter Frauen Ringelein erwerben mögest und ihr Grüssen, da nimms: es kann dir Leid versüssen. Magst du auch ihren Kuss erlangen und herzend ihren Leib umfangen, das giebt dir Glück und hohen Muth, wenn sie keusch ist und gut. Du sollst auch wissen, Sohn mein, 20 dass der stolze kühne Lähelein zwei Länder dir hat abgefochten, die dir sonst nun zinsen mochten: Waleis und Norgals. Deiner Fürsten Einer, Turkentals, den Tod von seiner Hand empfieng: all dein Volk er schlug und fieng.’ ‘Das räch ich, Mutter, will es Gott: ihn verwundet noch mein Gabilot.’ Da Morgens schien des Tages Licht, der stolze Knappe säumte nicht: Herr Artus ihm im Sinne lag. 10 Sie küsst’ ihn oft und lief ihm nach. Das grösste Herzleid ihr geschah. Da sie den Sohn nicht länger sah, (der ritt hinweg: wen mag das freun?) da fiel die Fraue Falsches rein zur Erde, wo sie Jammer schnitt, bis sie den Tod davon erlitt. Ihr getreulicher Tod bewahrt sie vor der Hölle Noth. O wohl ihr, dass sie Mutter ward! 20 So fuhr die lohnergiebge Fahrt, diese Wurzel aller Güte, aus der das Reis der Demuth blühte. Weh uns, dass uns nicht verblieb ihre Sippe bis zum eilften Glied! Drum muss man so viel Falschheit schaun. Doch sollten die getreuen Fraun Heil erwünschen diesem Knaben, den sie hier sehen von ihr traben._

2.

TITUREL.

Al die minne phlâgen ‖ und minne an sich leiten, nu hœret magtlîch sorge ‖ unde manheit mit den arbeiten: dâ von ich wil âventiure künden den rehten, die ........ ‖ durch herzeliebe ie senende nôt erfünden.

Der süeze Schîonatulander genante, 10 als sîn gesellekeit ‖ in sorgen manecvalt in kûme gemante: dô sprach er ‘Sigûne helferîche, nu hilf mir, süeziu maget, ‖ ûz den sorgen: sô tuostu helflîche.

Ducisse ûz Katelangen, ‖ lâ mich geniezen: ich hœre sagen, du sîst erboren ‖ von der art, die nie kunde verdriezen, sine wæren helfec mit ir lône, swer durch si kumberlîche nôt ‖ enphienc: dîner sælden an mir schône.’

‘Bêâs âmîs, nu sprich, ‖ schœner vriunt, waz du meinest. lâ hœrn, ob du mit zühten ‖ dich des willen gein mir sô vereinest, daz dîn klagendiu bet iht müge vervâhen. dune wizzest es vil rehte ‖ die wârheit, sone soltu dich niht vergâhen.’

‘Swâ genâde wonet, dâ ‖ sol man si suochen. frouwe, ich ger genâden: ‖ des solt du durh dîne genâde geruochen. werdiu gesellekeit stêt wol den kinden. swâ reht genâde nie niht ‖ gewan ze tuonne, wer mac si dâ vinden?’ 10

Si sprach ‘du solt dîn trûren ‖ durch trœsten dâ künden, dâ man dir baz gehelfen mac ‖ danne ich: anders du kanst dich versünden, ob du gerst daz ich dir kumber wende: wan ich bin reht ein weise ‖ mîner mâge, lands und liute ellende.’

‘Ich weiz wol, du bist landes ‖ und liute grôziu frouwe. des enger ich alles niht, ‖ wan daz dîn herze dur dîn ouge schouwe alsô daz ez den kumber mîn bedenke. nu hilf mir schiere, ê daz dîn ‖ minn mîn herze und die fröude verkrenke.’

‘Swer sô minne hât, daz sîn ‖ minne ist gevære deheime als lieben friunde ‖ als du mir bist, daz wort ungebære wirt von mir nimer benennet minne. got weiz wol daz ich nie ‖ bekande minnen flust noch ir gewinne. 10

Minne, ist daz ein er? ‖ maht du minn mir diuten? ist daz ein sie? kumet mir ‖ minn, wie sol ich minne getriuten? muoz ich si behalten bî den tocken? od fliuget minne ungerne ûf hant ‖ durh die wilde? ich kan minn wol locken.’

‘Frouwe, ich hân vernomen ‖ von wîben und von mannen, minne kan den alten, ‖ den jungen sô schuzlîchen spannen, daz si mit gedanken sêre schiuzet: sie triffet âne wenken ‖ daz loufet, kriuchet, fliuget oder fliuzet.

Jâ erkande ich, süeziu maget, ‖ ê wol minn von mæren. minne ist an gedanken: ‖ daz mag ich nu mit mir selbe bewæren: des betwinget si diu stæte liebe. minne stilt mir fröude ‖ ûz dem herzen, ez entöhte eim diebe.’ 10

‘Schîonatulander, ‖ mich twingent gedanke, sô du mir ûz den ougen kumest, ‖ daz ich muoz sîn an fröuden diu kranke, unze ich tougenlîche an dich geblicke. des trûre ich in der wochen ‖ niht zeim mâl, ez ergêt alze dicke.’

‘Sone darft du, süeziu maget, mich ‖ niht frâgen von minne: dir wirt wol âne frâge ‖ bekant minnen flust und ir gewinne. nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe: tuo der minne ir reht, ê ‖ diu minne uns beide in [den] herzen verderbe.’

Si sprach ‘kan diu minne ‖ in diu herzen sô slîchen, daz ir man noch wîp ‖ noch diu magt mit ir snelheit entwîchen, weiz abe iemen waz diu minne richet an liuten die ir schaden nie ‖ gewurben, daz si den fröude zebrichet?’

‘Jâ ist si gewaltec ‖ der tumben und der grîsen. niemen als künstec lebet, ‖ daz er künne ir wunder volprîsen. 10 nu sulen wir bêdiu nâch ir helfe kriegen mit unverscharter friuntschaft ‖ minn kan mit ir wanke niemen triegen.’

‘Owê, kund diu minne ‖ ander helfe erzeigen, danne daz ich gæbe ‖ in dîn gebot mîn frîen lîp für eigen! mich hât dîn jugent noch niht reht erarnet. du muost mich under schiltliem ‖ dache ê dienen: des wis vor gewarnet.’

‘Frouwe, als ich mit krefte ‖ diu wâpen mac leiten, hie enzwischen unde ouch dan mîn lîp ‖ wirt gesehen in [den] süezen sûren arbeiten, sô daz mîn dienst nâch dîner helfe ringe. ich wart in dîne helfe erboren: ‖ nu hilf sô daz mir an dir gelinge.’

Diz was der anevanc ‖ ir geselleschefte mit worten, an den zîten ‖ dô Pompeius für Baldac mit krefte het ouch sîne hervart gesprochen, und Ipomidôn der werde: ‖ ûz ir her wart vil niwer sper zebrochen. 10

* * * * *

_Die je geminnet haben ‖ und Minneleid getragen, Von magdlichem Kummer ‖ höret nun und Jünglingsschmerzen sagen. Davon will ich euch Abenteuer künden, Allen, die der Sehnsucht Pein ‖ je herzliche Liebe liess ergründen._

_Der süsse Schionatu-- ‖ lander entbrannte, 20 Als seiner Gespielin ‖ Huld sein leidend Herz übermannte. Da sprach er: ‘Sigune, hülfereiche, Hilf, süsse Magd, dass deine Hand ‖ mir aus diesen Sorgen Hülfe reiche._

_Düschess von Katelangen, ‖ lass mich des geniessen, Man sagt, du seist der Art entstammt, ‖ die es niemals mochte verdriessen Mit Minnelohn ihm Hülfe zu gewähren, Der Minnenoth durch sie empfieng: ‖ die Sitte solltest du an mir bewähren!’_

_‘Doux Ami, nun sprich, ‖ süsser Freund, was du meinest. Lass hören, ob du solche ‖ Gesinnung gegen mich mir bescheinest, Dass ich Gehör der Klage müss ertheilen: Bist du des Schadens nicht gewiss, ‖ so solltest du dich nicht übereilen.’_

_‘Gnade soll man suchen, ‖ da wo sie wohnet: Herrin, ich suche Gnade: ‖ nun sieh, wie deine Güte mir lohnet. 20 Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern; Aber wo sich Gnade ‖ nie gezeigt, da kann sie Schmerz nicht lindern.’_

_Sie sprach: ‘Du sollst um Linderung ‖ deinen Schmerz da künden, Wo man dir besser helfen mag ‖ als ich, du möchtest sonst dich versünden, Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile. Denn ich bin eine Waise, ‖ Land und Leuten fern, ach, manche Meile!’_

_‘Ich weiss wohl, dass dir Leut ‖ und Land gehorchen, ihrer Frauen; Das begehr ich Alles nicht: ‖ nur lass dein Herz durch deine Augen schauen, So dass es meines Kummers Noth bedenke: Hilf bald, eh deiner Minne Flut ‖ mir das Herz und die Freuden ertränke.’_