The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 21

Chapter 213,203 wordsPublic domain

_Nun die Gesellen sind bereit mit wohlgemessner Kostbarkeit, wie fahe ich meine Rede an, 10 dass ich den werthen Held Tristan, meinen Hauptmann zur Schwertleite so rüste und bereite, dass es der Märe bekäme und man es gerne vernähme? Ich weiss nicht, wie ichs sage, ob es euch wohl behage, und ob es schön zur Märe steh: In meinen Tagen und auch eh 20 hat man die Worte so wohl gestellt von aller Herrlichkeit der Welt, von reichem Geräthe, grosser Zier, hätt ich der Sinne zwölfe hier, davon ich hab nur einen, und könnte sie vereinen, und trüge ich zur Stunde zwölf Zungen in diesem Munde, und könnte mit einer jeden also sprechen und reden, als ichs mit meiner Einen kann, ich wüsste es nicht zu fangen an, wie ich so Gutes sänge von Pracht und von Gepränge, das nicht wär bass gethan vorher. Ja, ritterlich Gewand und Wehr 10 ist also viel beschrieben, mit Reden so zerrieben, dass ich davon nichts reden kann, da sich ein Herz erfreue dran. Herr Hartmann von der Auen, ah, der kann Mären bauen, und kann sie aussen und innen mit Worten und mit Sinnen durchfärben und durchschmücken! Wie seine Reden zücken 20 recht auf der Aventüre Sinn! Wie fliessen rein und lauter hin seine krystallene Wörtelein! Sie sinds und mögen es immer sein! Sie treten sittig zu dem Mann und schmiegen sich dem Herzen an und heimeln einem reinem Muth. Wer gute Rede kann für gut verstehn und recht erfassen, muss dem von Aue lassen sein Reis und seinen Lorbeerkranz. Auf der Worthaide wer den Tanz will machen mit dem Hasen, hoch springen und weit grasen, mit Worten würfeln, wies Gott bescheert, und, unsrer Stimmen unbegehrt, Wahnhoffnung zu dem Kranze fassen, der möge uns nur den Wahn belassen, wir wollen auch bei der Wahl nicht fehlen. 10 Wir, die die Blumen helfen wählen, mit denen dieses Ehrenreis durchflochten ist in Blumenweis, wir wollen wissen, was er begehr! Wer es begehr, er trete her und stecke seine Blumen dar: so nehmen wir an den Blumen wahr, ob sie so schön am Kränzlein sehn, dass wirs ihm müssen zugestehn und dem von Aue herunterziehn. 20 Nun aber keiner noch erschien, dems besser stünde zu dieser Frist, helf Gott, so lassen wirs, wo es ist. Das Reis darf uns Keiner haschen, seine Rede sei denn wohl gewaschen, und eben jedes Wort und schlicht, dass Keiner den Hals darüber bricht, der schön und aufrecht auf dem Plan mit ebenen Sinnen kommt heran. Die aber in Mären wildern und wilde Mären bildern, mit Riegel und Ketten klirren, kurze Sinne verwirren, 10 und Gold von schlechten Sachen den Kindern können machen, die Büchsen schwingen und rütteln, statt Perlen Staub draus schütteln, die sinds! Vom Strunke kommt ihr Schatte, und nicht vom grünen Lindenblatte; die schirmen uns nicht mit Laub und Ästen. Ihr dürrer Schatte thut den Gästen viel selten in den Augen wohl. Wenn man die Wahrheit sagen soll, 20 daran erwärmet keine Brust, darin liegt keine Herzenslust, ihre Rede hat die Farbe nicht, die edlen Herzen dünket licht. Dieselben wilden Jäger sie müssen Wortausleger mit ihren Mären lassen gehn: wir können sie nicht so verstehn. Mit Augen und mit Ohren; auch ist die Zeit verloren, dass man im schwarzen Buche nach Noten und Glossen suche. Noch sind der Farbenmeister mehr: Bliker von Steinach tritt einher mit Worten, lust- und wundersamen. Die stickten Frauen an dem Rahmen 10 von Gold und auch von Seiden; mann könnte sie überkleiden mit griechischen Borten. Er hat den Preis von Worten: sein Sinn der ist so rein und klar, ich wähne, dass ihn wunderbar Feyen haben gesponnen, und ihn in ihrem Bronnen geläutert und geweihet: er ist fürwahr gefeyet. 20 Seine Zunge mit den Harfensaiten die hat zwo ganze Volkommenheiten: Das sind die Worte und der Sinn; die zwei die harfen zusammen hin und folgen ihrer Märe Gang zu seltenem Preise mit Einem Klang. Der Rede Meister, sehet dort, mit sinnreich ausgedachtem Wort wie er am Umhang Wunder bringt, wie ihm der Messerwurf gelingt mit wolgefügten Reimen! Wie kann er Reime leimen, als wärens einander gewachsen an! Fürwahr, es ist und bleibt mein Wahn, er müsse Buch und Schriftbuchstaben für Federn angebunden haben, 10 denn, wollt ihr seiner nehmen wahr, seine Worte die schweben gleich dem Aar. Wer nun? Es sind doch viel gewesen, an Rede reich, von Sinn erlesen. Wen soll ich auferwecken? Heinrich von Veldecken der sprach aus ganzem Sinne! Wie sang er wol von Minne! Wie schön er meisselte seinen Sinn! Ich wähne, dass er die Weisheit hin 20 vom Born des gefiederten Rosses nahm, von dem die Weisheit alle kam. Ich hab ihn selber nicht geschaut: Es geben aber die Besten laut, die noch zu seinen Jahren und selber Meister waren, ein Zeugniss ihm und einen Preis: Er impfete das erste Reis in unsrer deutschen Zungen; davon sind Äste entsprungen, von denen die Blumen kamen, daraus die Meister nahmen den Sinn zu schönem Funde; und ist dieselbe Kunde so mannigfach verbreitet, 10 von Gau zu Gau geleitet, dass alle, die nun sprechen, die höchsten Kränze brechen von Blumen und von Reisen, an Worten und an Weisen. Der Nachtigallen der sind viel, von denen ich nun nicht reden will: Sie gehören nicht zu dieser Schaar. Damit geb ich nichts andres dar, als was ich immer sagen muss: 20 Sie können alle ihren Gruss und singen wohl zu Preise ihre süsse Sommerweise. Ihr Ton ist lauter und ist gut, sie geben der Welt einen hohen Muth und thun so recht dem Herzen wol. Die Welt die würde stumpf und hohl und käme ausser allem Schwang ohne den lieben Vogelgesang; der mahnet und mahnet einen Mann, der je zu Freuden Muth gewann, an alles Gute und Liebe, und spielt mit manchem Triebe, der edlen Herzen sanfte thut. Das wecket freundlich holden Muth; hievon kommt inniglicher Drang, wenn spricht der süsse Vogelsang der Welt von ihren Freuden allen. Nun saget von den Nachtigallen: 10 Die sind zu ihrem Amt bereit und können alle ihr sehnend Leid so wohl besingen und besagen. Welche soll dem das Banner tragen, seit die von Hagenaue, der ganzen Schaar Leitfraue, die aller Töne höchsten Flug, versiegelt auf der Zungen trug, der Welt also verstummet ist? An die gedenk ich zu jeder Frist. 20 Ich wähne von ihren Tönen, den süssen und den schönen, dass wohl des Orpheus süsser Mund, dem alle Töne waren kund, (davon er ihr bescheerte, und sie das Wunder lehrte so mancher Wandelungen) aus ihrem Mund erklungen. Seit man nun diese nicht mehr hat, so gebt uns aber einen Rath. Ein frommer Mann der leg ihn dar: Wer leitet nun die liebe Schaar? Wer weiset dies Gesinde! Ich wähne, dass ich sie finde, die nun das Banner führen soll: Ihre Meisterin die kann es wohl, die von der Vogelweide. 10 Hei, was die über die Heide, mit hoher Stimme klinget! Was Wunder sie uns bringet! Wie fein sie organiert, ihr Singen moduliert! Ich meine aber in dem Ton, der klinget von jenem Berg und Thron, da wo die Göttin Minne gebietet drauf und drinne. Die ist bei Hofe Kämmererin: 20 die soll sie leiten fürohin; die weiset sie nach Wunsche wohl, die weiss wohl, wo sie suchen soll der Minnen Melodieen. Sie und die mit ihr ziehen, die mögen also singen, dass sie zu Freuden bringen ihr Trauern und ihr sehnendes Klagen: und das gescheh noch in meinen Tagen!_

SIMROCK.

_WOLFRAM VON ESCHENBACH._

[_Scherer D._ 170, _E._ 161.]

Ein bairischer Ritter, lebte viel am Hofe Hermanns von Thüringen zu Eisenach, wurde in der Liebfrauenkirche zu Eschenbach begraben. Er konnte nicht lesen und schreiben, verstand aber, wenn auch nur unvollkommen, französisch. Er dichtete ausser lyrischen Gedichten den ‘Parzival’ 1205-1215; den ‘Titurel’ (Bruchstück; von einem gewissen Albrecht zwischen 1260 und 1270 umgearbeitet und vervollständigt) und ‘Wilhelm von Oranse’ (unvollendet), vor 1216 begonnen, ergänzt und fortgesetzt von Ulrich von Türheim und Ulrich von dem Türlein. Seine Werke herausgegeben von Lachmann (Berlin 1833, vierte Ausg. 1880); ‘Parzival und Titurel’ von Bartsch (3 Bde. Leipzig, 1870-71, 1875-77). Übersetzungen von Simrock (Stuttgart 1842, fünfte Aufl. 1876), San-Marte (Marburg 1836, 1858).

1.

PARZIVAL.

Ez machet trûric mir den lîp, daz alsô mangiu heizet wîp. ir stimme sint gelîche hel: genuoge sint gein valsche snel, etslîche valsches lære: sus teilent sich diu mære. daz die gelîche sint genamt, des hât mîn herze sich geschamt. wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite. 10 Genuoge sprechent, armuot, daz diu sî ze nihte got. swer die durch triwe lîdet, hellefiwer die sêle mîdet. die dolte ein wîp durch triuwe: des wart ir gâbe niuwe ze himel mit endelôser gebe. ich wæne ir nu vil wênic lebe, die junc der erden rîhtuom liezen durch des himeles ruom. ich erkenne ir nehein. man und wîp mir sint al ein: 10 die mitenz al gelîche. frou Herzeloyd diu rîche ir drîer lande wart ein gast: si truoc der freuden mangels last. der valsch sô gar an ir verswant, ouge noch ôre in nie dâ vant. ein nebel was ir diu sunne: si vlôch der werlde wunne. ir was gelîch naht unt der tac: ir herze niht wan jâmers phlac. 20 Sich zôch diu frouwe jâmers balt ûz ir lande in einen walt, zer waste in Soltâne; niht durch bluomen ûf die plâne. ir herzen jâmer was sô ganz, sine kêrte sich an keinen kranz, er wære rôt oder val. si brâhte dar durch flühtesal des werden Gahmuretes kint. liute, die bî ir dâ sint, müezen bûwn und riuten. si kunde wol getriuten ir sun. ê daz sich der versan, 10 ir volc si gar für sich gewan: ez wære man oder wîp, den gebôt si allen an den lîp, daz se immer ritters wurden lût. ‘wan friesche daz mîns herzen trût, welch ritters leben wære, daz wurde mir vil swære. nu habt iuch an der witze kraft, und helt in alle rîterschaft.’ Der site fuor angestlîche vart. 20 der knappe alsus verborgen wart zer waste in Soltâne erzogn, an küneclîcher fuore betrogn; ez enmöht an eime site sîn: bogen unde bölzelîn die sneit er mit sîn selbes hant, und schôz vil vogele die er vant. Swenne abr er den vogel erschôz, des schal von sange ê was sô grôz, sô weinder unde roufte sich, an sîn hâr kêrt er gerich. sîn lîp was clâr unde fier: ûf dem plân am rivier twuog er sich alle morgen. 10 erne kunde niht gesorgen, ez enwære ob im der vogelsanc, die süeze in sîn herze dranc: daz erstracte im sîniu brüstelîn. al weinde er lief zer künegîn. sô sprach si ‘wer hât dir getân? du wære hin ûz ûf den plân.’ ern kunde es ir gesagen niht, als kinden lîhte noch geschiht. Dem mære gienc si lange nâch. 20 eins tages si in kapfen sach ûf die boume nâch der vogele schal. si wart wol innen daz zeswal von der stimme ir kindes brust. des twang in art und sîn gelust. frou Herzeloyde kêrt ir haz an die vogele, sine wesse um waz: si wolt ir schal verkrenken. ir bûliute unde ir enken die hiez si vaste gâhen, vogele würgn und vâhen. 10 die vogele wâren baz geriten: etslîches sterben wart vermiten: der bleip dâ lebendic ein teil, die sît mit sange wurden geil. Der knappe sprach zer künegin ‘waz wîzet man den vogelîn?’ er gert in frides sâ zestunt. sîn muoter kust in an den munt: diu sprach ‘wes wende ich sîn gebot, der doch ist der hœhste got? 20 suln vogele durch mich freude lân?’ der knappe sprach zer muoter sân ‘ôwê muoter, waz ist got?’ ‘sun, ich sage dirz âne spot. er ist noch liehter denne der tac, der antlitzes sich bewac nâch menschen antlitze. sun, merke eine witze, und flêhe in umbe dîne nôt: sîn triwe der werlde ie helfe bôt. 10 sô heizet einr der helle wirt: der ist swarz, untriwe in niht verbirt. von dem kêr dîne gedanke, und och von zwîvels wanke.’ Sîn muoter underschiet im gar daz vinster unt daz lieht gevar. dar nâch sîn snelheit verre spranc. er lernte den gabilôtes swanc, dâ mit er mangen hirz erschôz, des sin muoter und ir volc genôz. 20 ez wære æber oder snê, dem wilde tet sîn schiezen wê. nu hœret fremdiu mære. swennerrschôz daz swære, des wære ein mûl geladen genuoc, als unzerworht hin heim erz truoc. Eins tages gieng er den weideganc an einer halden, diu was lanc: er brach durch blates stimme en zwîc. dâ nâhen bî im gienc ein stîc: dâ hôrter schal von huofslegen. sîn gabylôt begunder wegen: dô sprach er ‘waz hân ich vernomn? 10 wan wolt et nu der tiuvel komn mit grimme zorneclîche! den bestüende ich sicherlîche. mîn muoter freisen von im sagt: ich wæne ir ellen sî verzagt.’ Alsus stuont er in strîtes ger. nu seht, dort kom geschûftet her drî ritter nâch wunsche var, von fuoze ûf gewâpent gar. der knappe wânde sunder spot, 20 daz ieslîcher wære ein got. dô stuont ouch er niht langer hie, in den phat viel er ûf sîniu knie. lûte rief der knappe sân ‘hilf, got: du maht wol helfe hân.’ Der vorder zornes sich bewac, dô der knappe im phade lac: ‘dirre tœrsche Wâleise unsich wendet gâher reise.’ ein prîs den wir Beier tragn, muoz ich von Wâleisen sagn: die sint toerscher, denne beiersch her, unt doch bî manlîcher wer. 10 swer in den zwein landen wirt, gefuoge ein wunder an im birt. Dô kom geleischieret und wol gezimieret ein ritter, dem was harte gâch. er reit in strîteclîchen nâch, die verre wâren von im komn: zwên ritter heten im genomn eine frouwen in sîm lande. den helt ez dûhte schande: 20 in müete der juncfrouwen leit, diu jæmerlîche vor in reit. dise drî wârn sîne man. er reit ein schœne kastelân: sîns schildes was vil wênic ganz. er hiez Karnahkarnanz leh cons Ulterlec. er sprach ‘wer irret uns den wec?’ sus fuor er zuome knappen sân. den dûhter als ein got getân: ern hete sô liehtes niht erkant. ûfem touwe der wâpenroc erwant. mit guldîn schellen kleine vor iewederm beine wârn die Stegreife erklenget 10 unt ze rehter mâze erlenget. sîn zeswer arm von schellen klanc, swar ern bôt oder swanc. der was durch swertslege sô hel: der helt was gein prîse snel. sus fuor der fürste rîche, gezimiert wünneclîche. Aller manne schœne ein bluomen kranz, den vrâgte Karnahkarnanz ‘junchêrre, sâht ir für iuch varn 20 zwên ritter die sich niht bewarn kunnen an ritterlîcher zunft? si ringent mit der nôtnunft und sint an werdekeit verzagt: si füerent roubes eine magt.’ der knappe wânde, swaz er sprach, ez wære got, als im verjach frou Herzeloyd diu künegîn, dô sim underschiet den liehten schîn. dô rief er lûte sunder spot ‘nu hilf mir, hilferîcher got.’ vil dicke viel an sîn gebet fil li roy Gahmuret. der fürste sprach ‘ich pin niht got, ich leiste ab gerne sîn gebot. 10 du maht hie vier ritter sehn, ob du ze rehte kundest spehn.’ Der knappe frâgte fürbaz: ‘du nennest ritter: waz ist daz? hâstu niht gotlîcher kraft, sô sage mir, wer gît ritterschaft?’ ‘daz tuot der künec Artûs. junchêrre, komt ir in des hûs, der bringet iuch an ritters namn, daz irs iuch nimmer durfet schamn. 20 ir mugt wol sîn von ritters art.’

von den helden er geschouwet wart: dô lac diu gotes kunst an im. von der âventiure ich daz nim, diu mich mit wârheit des beschiet. nie mannes varwe baz geriet vor im sît Adâmes zît. des wart sîn lob von wîben wît. Aber sprach der knappe sân dâ von ein lachen wart getân. ‘ay ritter guot, waz mahtu sîn? du hâst sus manec vingerlîn an dînen lîp gebunden, dort oben unt hie unden.’ 10 aldâ begreif des knappen hant swaz er îsers ame fürsten vant: dez harnasch begunder schouwen ‘mîner muoter juncfrouwen ir vingerlîn an snüeren tragnt, diu niht sus an einander ragnt.’ der knappe sprach durch sînen muot zem fürsten ‘war zuo ist diz guot, daz dich sô wol kan schicken? ine mages niht ab gezwicken.’ 20 der fürste im zeigete sâ sîn swert: ‘nu sich, swer an mich strîtes gert, des selben wer ich mich mit slegn: für die sîne muoz ich an mich legn, und für den schuz und für den stich muoz ich alsus wâpen mich.’ aber sprach der knappe snel ‘ob die hirze trüegen sus ir vel, so verwunt ir niht mîn gabylôt. der vellet manger vor mir tôt.’ Die ritter zurnden daz er hielt bî dem knappen der vil tumpheit wielt 10 der fürste sprach ‘got hüete dîn. ôwî wan wær dîn schœne mîn! dir hete got den wunsch gegebn, ob du mit witzen soldest lebn. diu gotes kraft dir virre leit.’ die sîne und och er selbe reit, unde gâhten harte balde zeinem velde in dem walde. dâ vant der gefüege frôn Herzeloyden phlüege. 20 ir volke leider nie geschach; die er balde eren sach: sie begunden sæn, dar nâch egen, ir gart ob starken ohsen wegen. Der fürste in guoten morgen bôt, und frâgte se, op si sæhen nôt eine juncfrouwen lîden. sine kunden niht vermîden, swes er vrâgt daz wart gesagt. ‘zwêne ritter unde ein magt dâ riten hiute morgen. diu frouwe fuor mit sorgen: mit sporn si vaste ruorten, 10 die die juncfrouwen fuorten.’ ez was Meljahkanz. den ergâhte Karnachkarnanz, mit strîte er im die frouwen nam: diu was dâ vor an freuden lam. si hiez Imâne von der Beâfontâne. Die bûliute verzagten, dô die helde für si jagten. si sprâchen ‘wiest uns sus geschehen? 20 hât unser junchêrre ersehen ûf disen rittern helme schart, sone hân wir uns niht wol bewart. wir sulen der küneginne haz von schulden hœren umbe daz, wand er mit uns dâ her lief hiute morgen dô si dannoch slief.’ der knappe enruochte ouch wer dô schôz die hirze kleine unde grôz: er huop sich gein der muoter widr, und sagt ir mær. dô viel si nidr: sîner worte si sô sêre erschrac, daz si unversunnen vor im lac. Dô diu küneginne widr kom zir sinne, swie si dâ vor wære verzagt, 10 dô sprach si ‘sun, wer hât gesagt dir von ritters orden? wâ bist dus innen worden?’ ‘muoter, ich sach vier man noch liehter danne got getân: die sagten mir von ritterschaft. Artûs küneclîchiu kraft sol mich nâch rîters êren an schildes ambet kêren.’ sich huop ein niwer jâmer hie. 20 diu frouwe enwesse rehte, wie daz si ir den list erdæhte unde in von dem willen bræhte. Der knappe tump unde wert iesch von der muoter dicke ein pfert. daz begunde se in ir herzen klagn. si dâhte ‘in wil im niht versagn: ez muoz abr vil bœse sîn.’ do gedâhte mêr diu künegîn ‘der liute vil bî spotte sint. tôren kleider sol mîn kint ob sîme liehten lîbe tragn. wirt er geroufet unt geslagn, sô kumt er mir her wider wol.’ 10 ôwê der jæmerlîchen dol! diu frouwe nam ein sactuoch: si sneit im hemde unde bruoch, daz doch an eime stücke erschein unz enmitten an sîn blankez bein. daz wart für tôren kleit erkant. ein gugel man obene drûfe vant. al frisch rûch kelberîn von einer hût zwei ribbalîn nâch sînen beinen wart gesnitn. dâ wart grôz jâmer niht vermitn. 20