The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 20

Chapter 203,414 wordsPublic domain

Ich hân mir eine unmüezekeit der werlt ze liebe vür geleit und edelen herzen zeiner hage, den herzen, den ich herze trage, der werlde, in die mîn herze siht. 10 ich meine ir aller werlde niht als die, von der ich hœre sagen, diu deheine swære müge getragen und niwan in fröuden welle sweben: die lâze ouch got mit fröuden leben! Der werlde und diseme lebene enkumt mîn rede niht ebene: ir leben und mînez zweient sich. ein ander werlt die meine ich, diu sament in einem herzen treit ir süeze sûr, ir liebez leit, ir herzeliep, ir senede nôt, ir liebez leben, ir leiden tôt, ir lieben tôt, ir leidez leben: dem lebene sî mîn leben ergeben, 10 der werlde wil ich gewerldet wesen, mit ir verderben oder genesen. ich bin mit ir biz her beliben und hân mit ir die tage vertriben, die mir ûf nâhe gêndem leben lêr unde geleite solten geben: der hân ich mîne unmüezekeit ze kurzewîle vür geleit, daz sî mit mînem mære ir nâhe gênde swære 20 ze halber senfte bringe, ir nôt dâ mit geringe. wan swer des iht vor ougen hât, dâ mite der muot zunmuoze gât, daz entsorget sorgehaften muot, daz ist ze herzesorgen guot. ir aller volge diu ist dar an: swâ sô der müezige man mit senedem schaden sî überladen, dâ mêre muoze seneden schaden. bî senedem leide müezekeit, dâ wahset iemer senede leit. durch daz ist guot, swer herzeklage und senede nôt ze herzen trage, daz er mit allem ruoche dem lîbe unmuoze suoche: dâ mite sô müezeget der muot und ist dem muote ein michel guot; 10 und gerâte ich niemer doch dar an, daz iemer liebe gernde man deheine solhe unmuoze im neme, diu reiner liebe missezeme: ein senelîchez mære daz trîbe ein senedære mit herzen und mit munde und senfte sô die stunde. Nu ist aber einer jehe vil, der ich vil nâch gevolgen wil: 20 der senede muot, sô der ie mê mit seneden mæren umbe gê, sô sîner swære ie mêre sî. der selben jehe der stüende ich bî, wan ein dinc daz mir widerstât: swer inneclîche liebe hât, doch ez im wê von herzen tuo, daz herze stêt doch ie dar zuo. der inneclîche minnenmuot, sô der in sîner senegluot ie mêre und mêre brinnet, sô er ie sêrer minnet. diz leit ist liebes alse vol, daz übel daz tuot sô herzewol daz es kein edele herze enbirt, sît ez hie von geherzet wirt. 10 ich weiz ez wârez alse den tôt und erkenne ez bî der selben nôt: der edele senedære der minnet senediu mære. von diu swer seneder mære ger, derne var niht verrer danne her: ich wil in wol bemæren von edelen senedæren die reine sene wol tâten schîn: ein senedære, ein senedærîn, 20 ein man ein wîp, ein wîp ein man, Tristan Îsot, Îsot Tristan. Ich weiz wol, ir ist vil gewesen, die von Tristande hânt gelesen; und ist ir doch niht vil gewesen, die von im rehte haben gelesen Tuon aber ich diu gelîche nuo und schephe mîniu wort dar zuo daz mir ir iegelîches sage von disem mære missehage, sô wirbe ich anders danne ich sol. ich entuon es niht: si sprâchen wol und niwan ûz edelem muote mir unde der werlt ze guote. benamen sie tâten ez in guot: 10 und swaz der man in guot getuot, daz ist ouch guot und wol getân, aber als ich gesprochen hân, daz sî niht rehte haben gelesen, daz ist, als ich iu sage, gewesen: sine sprâchen in der rihte niht, als Thômas von Britanje giht, der âventiure meister was und an britûnschen buochen las aller der lanthêrren leben 20 und ez uns ze künde hât gegeben. Als der von Tristande seit, die rihte und die wârheit begunde ich sêre suochen in beider hande buochen walschen und latînen, und begunde mich des pînen, daz ich in sîner rihte rihte dise tihte. sus treip ich manege suoche, unz ich an einem buoche alle sîne jehe gelas, wie dirre âventiure was. waz aber mîn lesen dô wære 10 von disem senemære, daz lege ich mîner willekür allen edelen herzen vür, daz sî dâ mite unmüezic wesen: ez ist in sêre guot gelesen. guot? jâ, inneclîche guot: ez liebet liebe und edelt muot, ez stætet triuwe und tugendet leben, ez kan wol lebene tugende geben; wan swâ man hœret oder list 20 daz von sô reinen triuwen ist, dâ liebent dem getriuwen man triuwe und ander tugende van: liebe, triuwe, stæter muot, êre und ander manic guot daz geliebet niemer anderswâ sô sêre noch sô wol sô dâ, dâ man von herzeliebe saget und herzeleit ûz liebe klaget. lieb ist ein alsô sælec dinc, 30 ein alsô sæleclîch gerinc, daz niemen âne ir lêre noch tugende hât noch ere. sô manec wert leben, sô liebe frumet, sô vil sô tugende von ir kumet, owê daz allez, daz der lebet, nâch herzeliebe niene strebet, daz ich sô lützel vinde der, die lûterlîche herzeger durch friunt ze herzen wellen tragen 10 niwan durch daz vil arme klagen, daz hie bî zetelîcher zît verborgen in dem herzen lît. War umbe enlite ein edeler muot niht gerne ein übel durch tûsent guot, durch manege fröude ein ungemach? swem nie von liebe leit geschach, dem geschach ouch liep von liebe nie. liep unde leit diu wâren ie an minnen ungescheiden. 20 man muoz mit disen beiden êr unde lop erwerben oder âne sî verderben. von den diz senemære seit, und hæten die durch liebe leit, durch herzewunne senedez klagen in einem herzen niht getragen, sone wære ir name und ir geschiht sô manegem edelen herzen niht ze sælden noch ze liebe komen. uns ist noch hiute liep vernomen, süeze und iemer niuwe ir inneclîchiu triuwe, ir liep ir leit, ir wunne ir nôt, al eine und sîn si lange tôt, 10 ir süezer name der lebet iedoch, und sol ir tôt der werlde noch ze guote lange und iemer leben, den triuwe gernden triuwe geben, den êre gernden êre: ir tôt muoz iemer mêre uns lebenden leben und niuwe wesen; wan swâ man noch gehœret lesen ir triuwe, ir triuwen reinekeit, ir herzeliep, ir herzeleit: 20 Deist aller edelen herzen brôt. hie mite sô lebet ir beider tôt. wir lesen ir leben, wir lesen ir tôt, und ist uns daz süez alse brôt. Ir leben, ir tôt sint unser brôt. sus lebet ir leben, sus lebet ir tôt. sus lebent si noch und sint doch tôt, und ist ir tôt der lebenden brôt. Und swer nu ger daz man im sage ir leben ir tôt, ir fröude ir klage, der biete herze und ôren her: er vindet alle sîne ger.

_Ich hab ein neues Thun mir jetzt der Welt zu Liebe vorgesetzt und edeln Herzen zum Genuss, den Herzen, die ich lieben muss, der Welt, die meinem Sinn gefällt: 10 nicht mein’ ich aller Andern Welt, die Welt, von der ich höre sagen, dass sie kein Mühsal möge tragen und nur in Freuden wolle schweben; die lass auch Gott in Freuden leben! Der Welt und solchem Leben scheint mein Gedicht uneben. Solch Leben ist nicht meine Welt, eine andre Welt mir wohlgefällt: die zusammen hegt in einer Brust das süsse Leid, die bittre Lust, das Herzensglück, die bange Noth, das sel’ge Leben, leiden Tod, den leiden Tod, das sel’ge Leben. Dem Leben hab ich meins ergeben, 10 der Welt will ich ein Weltkind sein, mit ihr verderben und gedeihn. Bei ihr bin ich bisher geblieben, mit ihr hab ich die Zeit vertrieben, die mir in vielbedrängtem Leben Geleit und Lehre sollte geben. Der hab ich Thun und Thätigkeit zu ihrem Zeitvertreib geweiht, dass sie durch meine Märe, welch Leid sie auch beschwere, 20 zu halber Lindrung bringe, ihre Noth damit bezwinge; denn hat man des zuweilen Acht, was uns die Weile kürzer macht, das entbürdet bürdeschweren Muth, das ist für Herzenssorgen gut. Es zweifelt Niemand daran: wenn der müssige Mann mit Liebesschaden ist beladen, so mehrt die Musse Liebesschaden; bei Liebesleiden Müssigkeit, so wächst nur noch der Liebe Leid. Drum rath ich, trägt wer Schmerzen und Liebesleid im Herzen, so widm’ er sich mit Kräften zerstreuenden Geschäften, damit das Herz in Musse ruht: das ist dem Herzen herzlich gut. 10 Doch ist es nimmer wohlgethan, wenn ein liebesiecher Mann sich solchen Zeitvertreib erkührt, der reiner Liebe nicht gebührt: mit edeln Liebeskunden versüss’ er seine Stunden, die mag ein Minner minnen mit Herzen und mit Sinnen. Noch hört man eine Rede viel, die ich nicht ganz verwerfen will: 20 je mehr ein Herz, das Liebe plage, sich mit Liebesmären trage, je mehr gefährd’ es seine Ruh. Der Rede stimmt’ ich gerne zu, wär eins nicht, das mir Zweifel regt: wer innigliche Liebe hegt, dass er im Herzen Schmerzen spürt, der bleibt von Schmerz nicht unberührt. Der innigliche Liebesmuth, je mehr in seines Triebes Glut der brennt und liebend lodert, je mehr er Liebe fodert. Dies Leiden ist so voll der Lust, dies Übel thut so wohl der Brust, dass es kein edles Herz entbehrt, weil dies erst Muth und Herz gewährt. 10 Mir ist gewisser nicht der Tod, nicht sicherer die letzte Noth, fühlt Einer Liebeswunden, so liebt er Liebeskunden. Wer solcher Mären trägt Begier, der hat nicht weiter als zu mir. Ich weiss ihm wohl ein Märchen, ein edles Liebespärchen, das reiner Lieb’ ergab den Sinn: ein Minner, eine Minnerin, 20 ein Mann ein Weib, ein Weib ein Mann, Tristan Isold, Isold Tristan. Ich weiss wohl, Mancher ist gewesen, der schon von Tristan hat gelesen; und doch, nicht Mancher ist gewesen, der recht noch hat von ihm gelesen. Tret ich nun aber hin sofort und sprech ein scharfes Richterwort, als wolle mir ihr Aller Sagen von dieser Märe nicht behagen, so thu ich anders, als ich soll; ich thu es nicht: sie sprachen wohl und nur aus edelm Muthe, wir und der Welt zu Gute. Bei meiner Treu, sie meintens gut, 10 und was der Mann in Güte thut, das ist auch gut und wohlgethan. Und stellt’ ich doch das Wort voran, als hätten sie nicht recht gelesen, damit ists so bewandt gewesen: sie sprachen in der Weise nicht, wie Thomas von Britannien spricht, der sich auf Mären wohl verstand und in britannschen Büchern fand all dieser Landesherren Leben, 20 davon er Kund uns hat gegeben. Was der von Tristans Lebensfahrt uns Zuverlässges hat bewahrt, das war ich lang beflissen aus Büchern zu wissen, lateinischen und wälschen, damit ich ohne Fälschen nach seinem Berichte berichte die Geschichte. So sucht’ ich denn und suchte lang, bis mir des Buches Fund gelang, darin all seine Meldung stand, wie es um Tristan war bewandt. Was ich nun so gefunden 10 von diesen Liebeskunden, leg ich nach freier Wahl und Kür allen edeln Herzen für, dass sie durch Zeitvertreib genesen: es ist sehr gut für sie zu lesen. Gut? Ja ohne Zweifel gut: es süsst die Liebe, höht den Muth, befestigt Treu, verschönt das Leben, es kann dem Leben Werth wohl geben; denn wo man höret oder liest, 20 dass reiner Treu ein Paar geniesst, das weckt in treuen Mannes Brust zu Treu und aller Tugend Lust. Liebe, Treue, stäter Muth, Ehr’ und noch manches hohe Gut gehn dem Herzen nie so nah, gefallen nie ihm so wie da, wo man von Herzensliebe sagt und Herzeleid um Liebe klagt. Lieb’ ist so reich an Seligkeit, 30 so selig macht ihr Glück, ihr Leid, dass ohne ihre Lehre Niemand Tugend hat noch Ehre. So viel die Liebe Gutes frommt, so manche Tugend von ihr kommt, weh, dass doch Alles, was da lebt, nicht nach Herzensliebe strebt; dass ich so Wenige noch fand, die im Herzen lautern Brand um Herzensfreunde wollen tragen 10 und einzig um das Bischen Klagen, das dabei zu mancher Stund verborgen liegt im Herzensgrund! Wie litte nicht ein edler Sinn ein Übel für so viel Gewinn, ein Ungemach um so viel Lust? Wer nie von Liebesleid gewusst, wusst’ auch von Liebesfreude nie. Freud und Leid, stäts waren die bei Minne nicht zu scheiden. 20 Man muss mit diesen beiden Ehr und Lob erwerben, oder ohne sie verderben. Die, welchen ich dies Buch geweiht, hätten die um Liebe Leid, um Herzenswonne sehnlich Klagen vereint im Herzen nicht getragen, so würd ihr Nam und dies Gedicht so manchem edeln Herzen nicht zu Trost und Freude frommen. Noch heut wird gern vernommen, noch dünkt uns ewig süss und neu ihre minnigliche Treu, ihr Glück und Leid, ihre Wonn und Noth; und sind sie nun auch lange todt, 10 so lebt ihr süsser Name doch, und soll ihr Tod den Leuten noch zu Gute lang und ewig leben, den Treubegiergen Treue geben, den Ehrbegiergen Ehre. Ihr frühes Sterben währe und leb uns Lebenden immer neu; denn wo man liest von ihrer Treu und ihrer reinen Stätigkeit, ihrem Herzensglück, ihrem Herzeleid: 20 Das ist der edeln Herzen Brot, hiermit so lebt der Beiden Tod. Man liest ihr Leben, ihren Tod, und ist uns das so süss wie Brot. Ihr Tod, ihr Leben ist uns Brot, so lebt ihr Leben, lebt ihr Tod. Sie leben noch, sind sie auch todt, und ist ihr Tod uns Lebensbrot. Und wer nun will, dass man ihm sage ihr Leben, Sterben, Glück und Klage, der biete Herz und Ohren her, so wird erfüllt all sein Begehr._

2.

TRISTANS SCHWERTLEITE.

Sit die gesellen sint bereit mit bescheidenlîcher rîcheit, wie gevâhe ich nû mîn sprechen an, 10 daz ich den werden houbetman Tristanden sô bereite ze sîner swertleite, daz man ez gerne verneme und an dem mære wol gezeme? ine weiz, waz ich dâ von gesage, daz iu gelîche und iu behage und schône an disem mære stê. wan bî mînen tagen und ê 20 hât man sô rehte wol geseit von ritterlîcher werdekeit, von rîchem geræte, ob ich der sinne hæte zwelve, der ich einen hân, mit den ich umbe solte gân, und wære daz gefüege, daz ich zwelf zungen trüege in mîn eines munde, der iegelîchiu kunde sprechen, alse ich sprechen kan, ine weste, wie gevâhen an, daz ich von rîcheite sô guotes iht geseite, mane hæte baz dâ von geseit. ja ritterlîchiu zierheit 10 diu ist sô manege wîs beschriben und ist mit rede alsô zetriben daz ich niht kan gereden dar abe, dâ von kein herze fröude habe. Hartman der Ouwære, ahî, wie der diu mære beid’ ûzen unde innen mit worten und mit sinnen durchvärwet und durchzieret! wie er mit rede figieret 20 der âventiure meine! wie lûter und wie reine sîn kristallîniu wortelîn beidiu sint und iemer müezen sîn! si koment den man mit siten an, si tuont sich nâhe zuo dem man und liebent rehtem muote. swer guote rede ze guote und ouch ze rehte kan verstân, der muoz dem Ouwære lân sîn schapel unde sîn lôrzwî. swer nû des hasen geselle sî und ûf der wortheide hôchsprünge und wîtweide mit bickelworten welle sîn und ûf daz lôrschapelekîn wân âne volge welle hân, der lâze uns bî dem wâne stân, wir wellen an der kür ouch wesen: 10 wir, die die bluomen helfen lesen, mit den daz selbe loberîs underflohten ist in bluomen wîs, wir wellen wizzen, wes er ger: wan swer es ger, der springe her und stecke sîne bluomen dar. sô nemen wir an den bluomen war, op sî sô wol dar an gezemen, daz wirz dem Ouwære nemen und geben ime daz lôrzwî. 20 sit aber noch niemen komen sî, der ez billîcher süle hân, sô helfe iu got, sô lâze wirz stân. wirn suln ez niemen lâzen tragen, sîniu wort ensîn vil wol getwagen, sîn rede ensî ebene unde sleht, op iemen schône unde ûfreht mit ebenen sinnen dar getrabe, daz er dar über iht besnabe. vindære wilder mære, der mære wildenære, die mit den ketenen liegent und stumpfe sinne triegent, 10 die golt von swachen sachen den kinden kunnen machen und ûz der bühsen giezen stoubîne mergriezen: die bernt uns mit dem stocke schate, niht mit dem grüenen meienblate, mit zwîgen noch mit esten. ir schate der tuot den gesten vil selten in den ougen wol. op man der wârheit jehen sol, 20 dane gât niht guotes muotes van, dane lît niht herzelustes an. ir rede ist niht alsô gevar, daz edele herze iht lache dar. die selben wildenære si müezen tiutære mit ir mæren lâzen gân: wir enmugen ir dâ nâch niht verstân, als man si hœret unde siht; sone hân wir ouch der muoze niht, daz wir die glôse suochen in den swarzen buochen. Noch ist der värwære mêr: von Steinahe Blikêr diu sîniu wort sint lussam. si worhten frouwen an der ram 10 von golde und ouch von sîden, man möhtes undersnîden mit kriecheschen borten. er hât den wunsch von worten: sînen sin den reinen, ich wæne daz in feinen ze wundere haben gespunnen und haben in in ir brunnen geliutert unde gereinet: er ist benamen gefeinet. 20 sîn zunge, diu die harphen treit, diu hât zwô volle Sælekeit: daz sint diu wort, daz ist der sin: diu zwei diu harphent under in ir mære in fremedem prîse. der selbe wortwîse, nemet war, wie der hier under an dem umbehange wunder mit spæher rede entwirfet; wie er diu mezzer wirfet mit behendeclîchen rîmen. wie kan er rîme lîmen, als ob si dâ gewahsen sîn! ez ist noch der geloube mîn, daz er buoch unde buochstabe vür vedern an gebunden habe; 10 wan welt ir sîn nemen war, sîn wort diu sweiment alse der ar. Wen mac ich nû mêr ûz gelesen? ir ist und ist genuoc gewesen vil sinnec und vil rederîch. von Veldeken Heinrîch der sprach ûz vollen sinnen: wie wol sanc er von minnen! wie schône er sînen sin besneit! ich wæne, er sîne wîsheit 20 ûz Pegases urspringe nam, von dem diu wîsheit elliu kam. ine hân sîn selbe niht gesehen; nu hœre ich aber die besten jehen, die dô bî sînen jâren und sît her meister wâren, die selben gebent im einen prîs, er impete daz êrste rîs in tiutescher zungen: dâ von sît este ersprungen, von den die bluomen kâmen, dâ sî die spæhe ûz nâmen der meisterlîchen fünde; und ist diu selbe künde sô wîten gebreitet, 10 sô manege wîs geleitet, daz alle, die nu sprechent, daz die den wunsch dâ brechent von bluomen und von rîsen an worten unde an wîsen. Der nahtegalen der ist vil, von den ich nû niht sprechen wil: sine hœrent niht ze dirre schar. dur daz sprich’ ich niht anders dar, wan daz ich iemer sprechen sol: 20 si kunnen alle ir ambet wol und singent wol ze prîse ir süeze sumerwîse; ir stimme ist lûter unde guot, si gebent der werlde hôhen muot und tuont reht in dem herzen wol. diu werlt diu wære unruoches vol und lebete rehte als âne ir danc, wan der vil liebe vogelsanc: der ermant vil dicke den man, der ie ze liebe muot gewan, beidiu liebes und guotes und maneger hande muotes, der edelen herzen sanfte tuot. ez wecket friuntlîchen muot. hie von kumt inneclîch gedanc, sô der vil liebe vogelsanc der werlde ir liep beginnet zalen. nu sprechet umb die nahtegalen; 10 die sint ir dinges wol bereit und kunnen alle ir senede leit sô wol besingen unde besagen. welhiu sol ir baniere tragen, sît diu von Hagenouwe, ir aller leitevrouwe, der werlde alsus geswigen ist, diu aller dœne houbetlist versigelt in ir zungen truoc? von der denk ich vil unde genuoc, 20 (ich meine ab von ir dœnen den süezen, den schœnen), wâ sî der sô vil næme, wannen ir daz wunder kæme sô maneger wandelunge. ich wæne, Orphêes zunge, diu alle dœne kunde, diu dœnete ûz ir munde. Sît daz man der nu niht enhât, sô gebet uns, etelîchen rât! ein sælic man der spreche dar: wer leitet nû die lieben schar? wer wîset diz gesinde? ich wæne, ich sî wol vinde, diu die baniere füeren sol: ir meisterinne kan ez wol, diu von der Vogelweide. 10 her, wie diu über heide mit hôher stimme schellet! waz wunders sî gestellet! wie spæhe s’organieret! wi si ir sanc wandelieret! (ich meine ab in dem dône dâ her von Zithêrône, dâ diu gotinne Minne gebiutet ûf und inne). diu ist dâ z’hove kamerærîn: 20 diu sol ir leitærinne sîn! diu wîset sî ze wunsche wol, diu weiz wol, wâ si suochen sol der minnen mêlôdîe. si unde ir cumpânîe die müezen sô gesingen, daz sî ze fröuden bringen ir trûren unde ir senedez klagen: und daz geschehe bî mînen tagen!