The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 13

Chapter 133,679 wordsPublic domain

_Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen: ‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen, 30 Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib: Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’_

_Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn, So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn: Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’ Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr._ 20

_Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach: ‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach; Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land. Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt._

_Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn, Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein. Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold; Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold._

_Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut, Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut, 30 Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land: So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’_

_Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr. Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr; Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand, Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand._ 20

_Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erscholl Von des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll: ‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann, Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann._

_Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot; Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth, Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land. Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand._

_Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit, Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht. 30 Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth; Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod._

_Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich: Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich. Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein; Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben sein.’_ 20

_‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen. ‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen: Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold, Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’_

_Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit, Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid, Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie. Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie._

_Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur Hand Zur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand: 30 Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund. Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund._

_Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug, Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug. Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an: Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan._ 20

_Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag, Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach. Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand; Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band._

_Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut: Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das Blut Von einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug: Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug._

_Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fand Bei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand. 30 Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn, Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’_

_Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot: ‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod, Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn: Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’_ 20

_Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar, Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich war Der allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand: Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’_

_Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut, Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut, Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm. Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam._

_Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat, Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath. 30 Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den Strand Manchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land._

_Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr, Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr, Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land: Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand._

_‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht, Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht. Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt: Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’_ 20

_Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher: Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr, Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten Tod Auf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth._

AUS DEM XX. LIEDE.

Der edel margrâve ‖ rief dô in den sal ‘ir küene Nibelunge, ‖ nu wert iuch über al. ir soldet mîn geniezen, ‖ nu engeltet ir mîn. ê dô wâr wir friunde: ‖ der triwe wil ich ledic sîn.’

Dô erschrahten dirre mære ‖ die nôthaften man: wan ir deheiner fröude ‖ nie dâ von gewan, daz mit in wolde strîten ‖ dem si dâ wâren holt. si heten von vînden ‖ vil michel arbeit gedolt.

‘Nune welle got von himele,’ ‖ sprach Gunther der degen, ‘daz ir iuch genâden ‖ sült an uns bewegen, 10 unt der vil grôzen triuwe, ‖ der wir doch heten muot. ich wil iu des getrouwen ‖ daz ir ez nimmer getuot.’

‘Jane mag ichs niht gelâzen,’ ‖ sprach der küene man: ‘ich muoz mit iu strîten, ‖ wan ichz gelobt hân. nu wert iuch, küene helde, ‖ sô lieb iu sî der lîp. mich enwoltes niht erlâzen ‖ des künic Etzelen wîp.’

‘Ir widersagt uns nu ze spâte,’ ‖ sprach der künic hêr. ‘nu müez iu got vergelten, ‖ vil edel Rüedegêr, triuwe unde minne ‖ die ir uns hapt getân. ob ir ez an dem ende ‖ woldet güetlîcher lân,

Wir soltenz immer dienen, ‖ daz ir uns hapt gegeben, ich unt mîne mâge, ‖ ob ir uns liezet leben. der hêrlîchen gâbe, ‖ dô ir uns brâhtet her in Etzeln lant zen Hiunen, ‖ des gedenct, vil edel Rüedegêr.’

‘Wie wol ich iu des gunde,’ ‖ sprach Rüedegêr der degen, ‘daz ich iu mîne gâbe ‖ mit vollen solde wegen 10 alsô willeclîche ‖ als ich des hete wân! sone wurde mir dar umbe ‖ nimmer schelten getân.’

‘Erwindet edel Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt. ‘wan ez wirt deheiner ‖ gesten nie erbôt sô rehte minneclîchen ‖ als ir uns hapt getân, des sult ir wol geniezen, ‖ ob wir bî lebene bestân.’

‘Daz wolde got,’ sprach Rüedegêr, ‖ ‘vil edel Gêrnôt, daz ir ze Rîne wæret ‖ und ich wære tôt mit etlîchen êren, ‖ sîd ich iuch sol bestân! ez wart an ellenden ‖ von friunden noh nie wirs getân.’

‘Nu lône iu got, hêr Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt, ‘der vil rîchen gâbe. ‖ mich riwet iwer tôt, sol an iu verderben ‖ so tugentlîcher muot. hie trag ich iwer wâffen, ‖ daz ir mir gâbet, helt guot.

Daz ist mir nie geswichen ‖ in aller dirre nôt: under sînen ecken ‖ lît manic rîter tôt. 10 ez ist lûter unde stæte, ‖ hêrlîch unde guot. ich wæn sô rîche gâbe ‖ ein reke nimmer mêr getuot.

Und welt ir niht erwinden ‖ irn welt zuo uns gân, slaht ir mir iht der friunde ‖ die ich hinne hân, mit iwer selbes swerte ‖ nim ich iu den lîp: sô riwet ir mich, Rüedegêr, ‖ unde iwer hêrlîchez wîp.’

‘Daz wolde got, hêr Gêrnôt, ‖ und meht ez ergân, daz aller iwer wille ‖ wære hie getân und daz genesen wære ‖ iwer friunde lîp! jâ sol iu wol getrûwen ‖ beidiu mîn tohter und mîn wîp.’

Dô sprach von Burgonden ‖ der schœnen Uoten kint ‘wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? ‖ di mit mir komen sint, si sint iu alle wæge. ‖ ir grîfet übel zuo. die iwer schœne tohter ‖ welt ir verwitwen ze fruo.

Swenne ir und iwer recken ‖ mit strîte mich bestât, wie reht unfriuntlîche ‖ ir daz schînen lât 10 daz ich iu wol getrûwe ‖ für alle ander man, dâ von ich ze wîbe ‖ iwer tohter mir gewan.’

‘Gedenket iwer triuwen, ‖ vil edel künic hêr, gesende iuch got von hinne.’ ‖ sô sprach Rüedegêr. ‘lât die juncvrouwen ‖ niht engelten mîn: durch iwer selbes tugende ‖ sô ruochet ir genædic sîn.’

‘Daz tæt ich billîche,’ ‖ sprach Gîselher daz kint: ‘die hôhen mîne mâge, ‖ di noch hier inne sint, suln die von iu sterben, ‖ sô muoz gescheiden sîn diu vil stæte friuntschaft ‖ zuo dir unde der tohter dîn.’

‘Nu müez uns got genâden,’ ‖ sprach der küene man. dô huoben si die schilde, ‖ alsô si wolden dan strîten zuo den gesten ‖ in Kriemhilte sal. dô rief vil lûte Hagene ‖ von der stiege hin zetal

‘Belîbet eine wîle, ‖ vil edel Rüedegêr.’ alsô sprach dô Hagene. ‖ ‘wir wolden reden mêr, 10 ich und mîne hêrren, ‖ als uns des twinget nôt. waz mack gehelfen Etzeln ‖ unser ellender tôt?’

‘Ich stên in grôzen sorgen,’ ‖ sprach aber Hagene. ‘den schilt den mir vrou Gotlint ‖ gab ze tragene, den habent mir die Hiunen ‖ zerhouwen von der hant. ich fuort in friuntlîche ‖ in daz Etzelen lant.

Daz des got von himele ‖ ruochen wolde daz ich schilt sô guoten ‖ noch tragen solde sô den du hâst vor hende, ‖ vil edel Rüedegêr! so bedorfte ich in dem sturme ‖ deheiner halsperge mêr.’

‘Vil gerne wær ich dir guot ‖ mit mînem schilde, getörst ich dirn gebieten ‖ vor Kriemhilde. doch nim du in hin, Hagene, ‖ unt trag in an der hant. hey soldest du in füeren ‖ in der Burgonden lant!’

Do er im sô willeclîchen ‖ den schilt ze geben bôt, dô wart genuoger ougen ‖ von heizen trehen rôt. 10 ez was diu leste gâbe ‖ die sider immer mêr bôt deheinem degene ‖ von Bechlâren Rüedegêr.

Swie grimme Hagen wære ‖ unt swie zornic gemuot, ja erbarmet im diu gâbe ‖ die der helt guot bî sînen lesten zîten ‖ sô nâhen het getân. vil manic ritter edele ‖ mit im trûren began.

‘Nû lône iu got von himele, ‖ vil edel Rüedegêr. ez wirt iwer gelîche ‖ deheiner nimmer mêr, der ellenden recken ‖ so hêrlîchen gebe. sô sol daz got gebieten ‖ daz iwer tugende immer lebe.’

‘Sô wê mich dirre mære.’ ‖ sô sprach ab Hagene. ‘wir heten ander swære ‖ sô vil ze tragene: sul wir mit friunden strîten, ‖ daz sî got gekleit.’ dô sprach der marcgrâve ‖ ‘daz ist mir inneclîche leit.’

‘Nu lôn ich iu der gâbe, ‖ vil edel Rüedegêr, swie halt gein iu gebâren ‖ dise reken hêr, 10 daz nimmer iuch gerüeret ‖ mit strîte hie mîn hant, ob ir si alle slüeget, ‖ die von Burgonden lant.’

Des neig im mit zühten ‖ der guote Rüedegêr. si weinten allenthalben. ‖ daz disiu herzen sêr niemen scheiden kunde, ‖ daz was ein michel nôt. vater aller tugende ‖ lac an Rüedegêre tôt.

Dô sprach von dem hûse ‖ Volkêr der spileman: ‘sît mîn geselle Hagene ‖ den vride hât getân, den sult ir alsô stæte ‖ haben von mîner hant. daz hapt ir wol verdienet, ‖ dô wir kômen in daz lant.

Vil edel marcgrâve, ‖ ir sult mîn bote sîn. dise rôte bouge ‖ gab mir diu margrâvîn, daz ich si tragen solde ‖ hie zer hôchgezît: die mugt ir selbe schouwen, ‖ daz ir des mîn geziuge sît.’

‘Daz wolde got der rîche,’ ‖ sprach dô Rüedegêr, ‘daz iu diu margrâvinne ‖ noch solte geben mêr! 10 diu mære sag ich gerne ‖ der triutinne mîn, gesihe ich si gesunder: ‖ des sult ir âne zwîfel sîn.’

Als er im daz gelobte, ‖ den schilt huop Rüedegêr: des muotes er ertobte: ‖ do enbeit er dâ niht mêr, dô lief er zuo den gesten, ‖ einem degen gelîch. manegen slac vil swinden ‖ sluoc der margrâve rîch.

Die zwêne stuonden hôher, ‖ Volkêr und Hagene, wan ez im ê gelobten ‖ die zwêne degene: noch vant er als küenen ‖ bî den türnen stân, daz Rüedegêr des strîtes ‖ mit grôzen sorgen began.

Durch mortræchen willen ‖ sô liezen si dar in Gunther und Gêrnôt: ‖ si heten helde sin. dô stuond hôher Gîselher: ‖ zwâr ez was im leit. er versach sich noch des lebenes; ‖ dâ von er Rüedegêren meit.

Dô sprungen zuo den vînden ‖ des margrâven man. man sach si nâch ir hêrren ‖ vil tugentlîchen gân. 10 diu snîdunde wâfen ‖ si truogen an der hant: des brast dâ vil der helme ‖ und manic hêrlîcher rant.

Dô sluogen die vil müeden ‖ vil manegen swinden slac den von Bechelâren, ‖ der eben unt tiefe wac, durch die vesten ringe ‖ vast unz ûf daz verch. si tâten in dem sturme ‖ diu vil hêrlîchen werch.

Daz edel ingesinde ‖ was nu komen gar: Volkêr und Hagene ‖ die sprungen balde dar. sine gâben fride niemen, ‖ wan dem einem man. von ir beider hende ‖ daz bluot nider durch helme ran.

Wie rehte gremlîche ‖ vil swerte drinne erklanc! vil der schiltspange ‖ ûz den slegen spranc: des reis ir schiltsteine ‖ nider in daz bluot, si vâhten alsô grimme, ‖ daz manz nimmer mêr getuot.

Der vogt von Bechelæren ‖ gie wider unde dan, alsô der mit ellen ‖ in sturme werben kan. 10 dem tet des tages Rüedegêr ‖ harte wol gelîch daz er ein rekhe wære ‖ vil küene unde lobelîch.

Vil wol zeigte Rüedegêr ‖ daz er was stark genuoc, küene, und wol gewâfent: ‖ hey waz er helde sluoc! daz sach ein Burgonde: ‖ zorns was im nôt. dâ von begunde nâhen ‖ des edeln Rüedegêres tôt.

Gêrnôt der starke, ‖ den helt den rief er an. er sprach zem margrâven: ‖ ‘ir welt mir mîner man niht genesen lâzen, ‖ vil edel Rüedegêr. daz müet mich âne mâze: ‖ ichn kans niht an gesehen mêr.

Nu mag iu iwer gâbe ‖ wol ze schaden komen, sît ir mîner friunde ‖ hapt sô vil benomen. nu wendet iuch her umbe, ‖ vil edel küene man. iwer gâbe wirt verdienet ‖ sô ich iz aller hœhste kan.’

Ê daz der margrâve ‖ zuo im volkœme dar, des muosen liehte ringe ‖ werden missevar. 10 dô sprungen zuo ein ander ‖ die êren gernde man. ir ietweder schermen ‖ für starke wunden began.

Ir swert sô scharpf wâren, ‖ sine kunde niht gewegen. dô sluoc Gêrnôten ‖ Rüedegêr der degen durch flinsherten helmen ‖ daz nider flôz daz bluot. daz vergalt im sciere ‖ der rîter küen unde guot.

Die Rüedegêres gâbe ‖ an hende er hôh erwac: swie wunt er wær zem tôde, ‖ er sluog im einen slac durch den schilt vil guoten ‖ unz ûf diu helmgespan. dâ von muos ersterben ‖ dô der Gotelinden man.

Jane wart nie wirs gelônet ‖ sô rîcher gâbe mêr. dô vielen beide erslagne, ‖ Gêrnôt und Rüedegêr, gelîch in dem sturme ‖ von ir beider hant. alrest erzurnde Hagne, ‖ dô der den grôzen schaden bevant.

Dô sprach der von Tronge ‖ ‘ez ist uns übel komen. wir haben an in beiden ‖ sô grôzen schaden genomen, 10 den wir nimmer überwinden, ‖ ir liut und ouch ir lant. die Rüedegêres helde ‖ sint unser ellenden phant.’

‘Owê mich mînes bruoder, ‖ der tôt ist hie gefrumt. waz mir der leiden mære ‖ ze allen zîten kumt! ouch muoz mich immer riuwen ‖ der edel Rüedegêr. der schade ist beidenthalben ‖ unt diu grœzlîchen sêr.’

Dô der junge Gîselher ‖ sach sînen bruoder tôt, die dô dar inne wâren, ‖ die muosen lîden nôt. der tôt der suochte sêre ‖ dâ sîn gesinde was. der von Bechelâren ‖ dô langer einer niht genas.

‘Der tôt uns sêre roubet,’ ‖ sprach Gîselher daz kint. ‘nu lâzet iwer weinen, ‖ unt gê wir an den wint, daz uns die ringe erkuolen, ‖ uns strîtmüeden man. jâ wæn uns got hie langer ‖ niht ze lebene gan.’

Den sitzen disen leinen ‖ sach man manegen degen. si wâren aber müezic: ‖ dâ wâren tôt gelegen 10 die Rüedegêres helde. ‖ zergangen was der dôz. sô lange wert diu stille ‖ daz sîn Etzeln verdrôz.

‘Owê dirre dienste,’ ‖ sprach des küneges wîp: ‘dine sint niht sô stæte, ‖ daz unser vînde lîp müge des engelten ‖ von Rüedegêres hant. er wil si wider bringen ‖ in der Burgonde lant.

Waz hilfet, künic Etzel, ‖ daz wir geteilet hân mit im swaz er wolde? ‖ der helt hât missetân. der uns dâ solde rechen, ‖ der wil der suone pflegen.’ des antwurt ir dô Volkêr, ‖ der vil zierlîche degen,

‘Der rede en ist sô niht leider, ‖ vil edels küneges wîp. getörst ich heizen liegen ‖ alsus edeln lîp, sô het ir tievellîchen ‖ an Rüedegêr gelogen. er unt die sîne degene ‖ sint an der suone gar betrogen.

Er tet sô willeclîche ‖ daz im der künec gebôt, daz er unt sîn gesinde ‖ ist hie gelegen tôt. 10 nu seht al umbe, Kriemhilt, ‖ wem ir nu gebieten welt. iu hât unz an den ende ‖ gedienet Rüedegêr der helt.

Welt ir daz niht gelouben, ‖ man sol iuchz sehen lân.’ durch ir herzen sêre ‖ sô wart duo daz getân, man truoc den helt verhouwen ‖ dâ in der künic sach. der Etzelen degenen ‖ sô rehte leide nie geschach.

Dô si den margrâven ‖ tôten sâhen tragen, ez enkunde ein schrîber ‖ gebriefen noch gesagen die manegen ungebærde ‖ von wîbe und ouch von man, diu sich von herzen jâmer ‖ aldâ zeigen began.

_Da rief der edle Markgraf ‖ hinüber in den Saal: ‘Ihr kühnen Nibelungen, ‖ nun wehrt euch allzumal. Ihr solltet mein geniessen, ‖ ihr entgeltet mein; Einst waren wir befreundet: ‖ der Treue will ich ledig sein.’_ 20

_Da erschraken dieser Märe ‖ die Nothbedrängten sehr. Es ward davon der Freude ‖ bei Niemanden mehr, Dass sie bestreiten wollten ‖ dem Jeder Liebe trug: Sie hatten von den Feinden ‖ schon Leid erfahren genug._

_‘Das verhüte Gott vom Himmel!’ ‖ sprach Gunther der Degen, ‘Dass ihr eurer Freundschaft ‖ also thut entgegen Und der grossen Treue, ‖ worauf uns sann der Muth: Ich will euch wohl vertrauen, ‖ dass ihr das nimmermehr thut!’_

_‘Es ist nicht mehr zu wenden,’ ‖ sprach der kühne Mann, Ich muss mit euch streiten, ‖ wie ich den Schwur gethan. 30 Nun wehrt euch, kühne Helden, ‖ so lieb euch sei der Leib: Mir wollt es nicht erlassen ‖ des Kön’g Etzel Weib.’_

_‘Ihr widersagt uns allzuspät,’ ‖ sprach der König hehr. ‘Nun mög euch Gott vergelten, ‖ viel edler Rüdiger, Die Treue und die Liebe, ‖ die ihr an uns geübt, Wenn ihr bis an das Ende ‖ uns so gewogen auch bliebt.’_ 20

_‘Wir wolltens immer danken, ‖ was ihr uns gegeben, Ich und meine Freunde, ‖ liesset ihr uns leben: Ihr gabt uns hehre Gaben, ‖ als ihr uns führtet her Ins Heunenland zu Etzeln; ‖ bedenkt das, edler Rüdiger!’_

_‘Wie gern ich euch das gönnte!’ ‖ sprach Rüdiger der Degen, ‘Wenn ich euch meiner Gabe ‖ die Fülle dürfte wägen Nach meinem Wohlgefallen; ‖ wie gerne thät ich das, So mir es nicht erwürbe ‖ der edeln Königin Hass!’_

_‘Lasst ab, edler Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot, ‘Nie ward ein Wirth gefunden, ‖ der es den Gästen bot 30 So freundlich und so gütlich, ‖ als uns von euch geschehn: Des sollt ihr auch geniessen, ‖ so wir lebendig entgehn.’_

_‘Das wollte Gott,’ sprach Rüdiger, ‖ ‘viel edler Gernot, Dass ihr am Rheine wäret, ‖ und ich wäre todt: So rettet’ ich die Ehre, ‖ da ich euch soll bestehn; Es ist an fremden Dingen ‖ von Freunden nie so arg geschehn.’_ 20

_‘Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot, ‘Eure reiche Gabe. ‖ Mich reuet euer Tod, Soll an euch verderben ‖ so tugendlicher Muth. Hier trag ich eure Waffe, ‖ die ihr mir gabet, Degen gut._

_Die hat mir nie versaget ‖ in aller dieser Noth; Es fiel vor ihrer Schärfe ‖ so mancher Ritter todt; Sie ist stark und lauter, ‖ herrlich und gut; Gewiss, so reiche Gabe ‖ nie wieder ein Recke thut._

_Und ist euch nicht zu rathen, ‖ und wollt ihr uns bestehn, Erschlagt ihr mir die Freunde, ‖ die hier noch bei mir stehn, 30 Mit Euerm Schwerte nehm ich ‖ Leben euch und Leib: So reuet ihr mich, Rüdiger, ‖ und euer herrliches Weib.’_

_‘Das wolle Gott, Herr Gernot, ‖ und möchte das geschehn, Dass hier Alles könnte ‖ nach euerm Willen gehn, Und dass gerettet würde ‖ eurer Freunde Leib: Euch sollten wohl vertrauen ‖ meine Tochter und mein Weib.’_ 20

_Da sprach von Burgonden ‖ der schönen Ute Kind; ‘Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? ‖ Die mit mir kommen sind, Die sind euch All gewogen; ‖ ihr greifet übel zu: Eure schöne Tochter ‖ wollt ihr verwittwen allzufruh._

_Wenn ihr und eure Recken ‖ mich wollt im Streit bestehn, Wie wäre das unfreundlich, ‖ wie wenig liess es sehn, Dass ich euch vertraute ‖ vor jedem andern Mann, Als ich zu einem Weibe ‖ eure Tochter mir gewann.’_

_‘Gedenkt eurer Treue, ‖ viel edler König hehr, Und schickt euch Gott von hinnen,’ ‖ so sprach Rüdiger, 30 ‘So soll es nicht entgelten ‖ die liebe Tochter mein: Bei aller Fürsten Tugend ‖ geruht ihr gnädig zu sein.’_

_‘So sollt ichs billig halten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind, ‘Doch meine hohen Freunde, ‖ die noch im Saale sind, Wenn die vor euch ersterben, ‖ so muss geschieden sein Diese stäte Freundschaft ‖ zu dir und der Tochter dein.’_ 20

_‘Nun möge Gott uns gnaden,’ ‖ sprach der kühne Mann. Da hoben sie die Schilde, ‖ als wollten sie hinan Zu streiten mit den Gästen ‖ in Kriemhildens Saal; Überlaut rief Hagen da ‖ von der Stiege zu Thal:_

_‘Noch harret eine Weile, ‖ viel edler Rüdiger.’ Also sprach da Hagen: ‖ ‘Wir reden erst noch mehr, Ich und meine Herren, ‖ uns zwingt dazu die Noth. Was hilft es Etzeln, finden ‖ wir in der Fremde den Tod?’_

_‘Ich steh in grosser Sorge,’ ‖ sprach wieder Hagen. ‘Den Schild, den Frau Gotlinde ‖ mir gab zu tragen, 30 Den haben mir die Heunen ‖ zerhauen vor der Hand: Ich bracht ihn doch mit Treue ‖ her in König Etzels Land._

_Dass es Gott im Himmel ‖ vergönnen wollte, Dass ich so guten Schildes ‖ geniessen sollte, Als du hast vor den Händen, ‖ viel edler Rüdiger: So bedürft ich in dem Sturme ‖ keiner Halsbergen mehr.’_ 20

_‘Gern wollt ich dir dienen ‖ mit meinem Schilde, Dürft ich dir ihn bieten ‖ vor Kriemhilde. Doch nimm ihn immer, Hagen, ‖ und trag ihn an der Hand: Hei! dürftest du ihn führen ‖ heim in der Burgonden Land!’_

_Als er den Schild zu geben ‖ so willig sich erbot, Da wurden Mancher Augen ‖ von heissen Thränen roth. Es war die letzte Gabe, ‖ es durfte nimmermehr Einem Degen Gabe bieten ‖ von Bechlaren Rüdiger._

_Wie grimmig auch Hagen, ‖ wie zornig war sein Muth, Ihn erbarmte doch die Gabe, ‖ die der Degen gut 30 So nahe seinem Ende ‖ noch an ihn gethan. Mancher edle Ritter ‖ mit ihm zu trauern begann._

_‘Nun lohn euch Gott vom Himmel, ‖ viel edler Rüdiger. Es giebt eures Gleichen ‖ auf Erden nimmermehr, Der heimatlosen Degen ‖ so milde Gabe gebe: So möge Gott gebieten, ‖ dass eure Tugend immer lebe.’_ 20