The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 12
_Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan, Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann. 10 Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehn Bären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?_
_Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grün Vor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn, Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund. Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund._
_Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestellt Die Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne Held Siegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den Tann Nach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’_ 20
_‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an, ‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann? So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein, Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n._
_Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein: Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein, Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’ Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang._
_Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath: Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat, 30 Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann: Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann._
_Da nahm ein alter Jäger ‖ einen Spürhund Und brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund, Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward, Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art._ 20
_Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf. Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem Lauf Derselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn: Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn._
_Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann: Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan. Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund. Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund._
_Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos. Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross, 30 Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann. Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan._
_Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt. Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheilt Der Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn, Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried ward gesehn._ 20
_Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar. Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich dar Häute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug. Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!_
_Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgeborn Dass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins Horn Einmal gestossen: ‖ also ward bekannt, Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand._
_Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’ Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald. 30 Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich, Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:_
_‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil. Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil. Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär: Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch so sehr.’_ 20
_Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann. Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann; Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei; Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei._
_Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut, Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut, Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand; Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band._
_Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann. Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann; 30 Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen Muth Zu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut._
_Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das Band Vom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur Hand Begannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn. Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte manchen Mann._ 20
_Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth; Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied! Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand; Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!_
_Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann. Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie an Der Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag; Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag._
_Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr, Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär; 30 Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll. So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl._
_Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl; Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl. Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug. Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug._ 20
_Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann. Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran: Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug. Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!_
_Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr, Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher, Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein? Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’_
_Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank. Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank 30 Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein, So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’_
_Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell, Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell: Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’ Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn._ 20
_Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit, Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit, Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl, Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’_
_Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn: ‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hin Mit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht, Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’_
_‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen. Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen 30 Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’ Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!_
_Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen: All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen, Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’ Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell sich band._ 20
_Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da; In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah. Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee; Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh._
_Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab. Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab. Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast: Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast._
_Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross. Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss; 30 Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trank Bis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank._
_Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut; Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth. Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann; Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan._ 20
_Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das Schwert Trug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth. Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fand Und sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand._
_Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank, Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprang Das Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat. Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat._
_Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang; Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang. 30 Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert: So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt._
_Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand, Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand. Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an: Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan._ 20
_Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug, Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genug Des edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast: So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast._
_Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal; Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall. Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod. Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth._
_Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn. Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn, 30 Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug. Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug._
_Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann: Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann. Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth, Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod._ 20
_Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen, Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen? Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran. Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’_
_Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag. Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag. Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt: Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt._
_Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod. Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth, 30 Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann: Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’_
_Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut; Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid. Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn; Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End ist geschehn.’_ 20
_‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland; ‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt, Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib. Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib._
_Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn, Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon, Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen: Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’_
_Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held: ‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt 30 An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen sein Auf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein._
_Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei: Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei! Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann: Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’_ 20
_Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass. Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das, Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr. Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr._
_Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt, Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth: Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn, Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn._
_Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn; Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn: 30 Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann, Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’_
_Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land. Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt, 10 Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth; Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’_
_Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein; Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein. Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib, Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib._
AUS DEM XIV. LIED.
Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst: er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst. do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant, sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant. 20
Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen: ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen, wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit. do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.
‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot. ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot, die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’ dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.
Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc, sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc. 10 dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit, daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.
Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan. er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began. in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp: die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.
Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch. dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch. daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr. er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.
Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant) ‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant, swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant, wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’
Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot: des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot: 10 swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz. des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.
‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant. des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant, daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baz nâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’
Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr: dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr. dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant, dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.
Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint) ‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint. durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen: kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.
Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît; wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît 10 daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant. swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’
Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene ‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene, daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp. nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’
Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât, swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât, dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’ der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.
Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch ‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch. vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn, und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.
Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen, irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen. 10 welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt. her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.
Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot, unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot, der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant. sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’
Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic: er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic. dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant, dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.
Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôz von des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz: ‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man, der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’
Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt (lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt), 10 daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lant der übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.
Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît. diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît. dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt: des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.
‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch: des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch. von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn. nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’
‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene. ‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene. nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt, daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’
Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit, er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit), 10 daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie. sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.
Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehant vil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant: er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt. diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.
In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc, daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc. ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began: doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.
Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast, unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast. er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant: dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!
Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot. dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot 10 von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc. dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.
Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant, bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant. ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen: ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’
Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt ‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt, sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân, wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’
Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras, ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich was der aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant: jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’
Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot, diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot, 10 wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam. etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.
Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât, sît si der verte ‖ niht mohten haben rât. Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den sant vil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.
Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr, dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr: niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant. des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.
‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht. man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht. vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant: wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’
Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare. des wurden snelle ‖ helde missevare, 10 dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôt an dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.
_Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor; Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor. Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand, Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band._
_Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen: Die Nibelungen kamen ‖ in grosse Sorgen Wie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit. Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit._ 20
_‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut. Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut, Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’ Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand._
_Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug, Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug; Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit, Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt._
_Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann, Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an: 30 In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib; Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib._
_Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn: Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn. Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr; Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen nicht mehr._ 20
_Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt: ‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt, Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt, Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’_
_Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut. Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut: Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen, Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:_
_Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land, Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand: 30 Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes Reich Zu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’_
_Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr; Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr. Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand, Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in Etzels Land._ 20
_Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind: ‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind. Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen; Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.’_
_‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit, Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid, Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land: Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’_