The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 11
Der zît iz nâhôte vil harde genôte, daz Constantîn zô tiske gie. Dieterich des nicht nelie, 10 her quême mit sînin mannen vor den kuninc gegangen. dô man daz wazzer nam, die juncvrouwe lossam ginc vor deme tiske umbe heize weinunde, ab sie iemanne sô lêve hête getân, der die botin lossam ûffe den lîf torste nemen. ir nechein torste sie des geweren: herzogin die rîchen 20 virzigin ir gelîche, biz sie zô den recken quam mit deme die rât was getân. dô sprach die magit êrlich ‘nu gedenke, helit Dieterich, aller dînir gôte unde hilf mir ûz der nôte. nim die botin ûffe daz leven, die heizit dir die kuninc geven. irzagit sîn mînis vater man: sie ne turrin sie nicht bestân. doch sal die edelecheit dîn mit samt mir geteilit sîn, 10 daz ich der genieze. swê gerne du daz liezes, dich ne lâze dîn tuginthafter môt. du salt mich geweren, helit gôt.’ ‘Gerne’ sprach Dieterich, ‘sint irs gerôchit ane mich. iz ne gât mî nicht wene an den lîf. doch werdich dîn burge, schône wîf.’ Die botin gab dô Constantîn 20 Dieterîche ûffe den lîf sîn. der hêrre sie dô ober nam: dô volgetin ime des kuningis man zô deme kerkâre, dâr sie mit nôtin wâren. die ellenden haftin lâgin in unkreftin unde leveden bermelîche. Berchter der rîche stunt unde weinôte, dô her den schal gehôrte. den kerkêre man ûf brach, dar în schein dô der tach. schîre quam in daz liecht, des newârin sie gewone niecht. 10 Erwîn was der êrste man der ûz deme kerkêre quam. alsen der vater an gesach, wie grôz sîn herzerûwe was! her kârte sich hin umbe unde wranc sîne hende, her ne torste nicht weinen, unde ne stunt ime nie sô leide, sint in sîn môter getrôc. Erwîn der helit gôt 20 was von deme lîf getân alsô von rechte ein arm man. Sie nâmin die zwelf grâven ûz deme kerkâre und iegelich sînen man. die rîtâr alsô lossam sie wârin swarz unde sale, von grôzen nôtin missevare. Lûpolt der meister ne mochte nicht geleisten 30 wan ein bôse schurzelîn, daz want her umbe den lîf sîn. dô was der weinige man harte barlîche getân, zoschundin unde zeswellôt. Dieterich der helit gôt stunt trûrich von leide unde ne wolde doch nicht weinen umbe die botin lossam. Berchter der alde man ginc al umbe die haften schouwunde. done rûwen in nichein dinc 10 harter dan sîne schônen kint. Dieterich der hêre heiz die botin hêren vôren zô den herbergen sîn, wan Lûpolt unde Erwîn die liez man eine gân, daz er ne plach nehein man. dô sprach Erwîn der mêre ‘Lûpolt, trût hêre, sie du einin grâwin man 20 mit deme schônin barte stân, der mich schouwôte wunderen nôte. her kârte sich umbe und wranc sîne hande. her ne torste nicht weinen, unde ne stunt ime doch nie sô leide. waz ob got der gôte durch sîne ôtmôte ein grôz zeichin wil begân, 30 daz wir kumin hinnân? daz is wâr, brôdir mîn, her mach wole unse vatir sîn.’ dô lachetin sie beide von vroweden unde leide. Die ellenden geste wârin hantfeste biz an den anderen dac. die juncvrouwe ern vater bat, daz her sie lieze dare gân, sie wolden selve dienan. orlof er der kuninc gaf. wê schîre sie over hof getraf 10 zô deme hêrren Dieterîche! dô hiez man al gelîche die vremedin rîtâr ûz gân. dâr nebeleib nichein man wan der verchmâge die uber mere wârin gevaren. den botin alsô lossam den legete man gôt gewant an unde vazzede sie vlîziclîche, daz quam von Dieterîche. 20 der tisc wart gerichtôt. Berchter der helt gôt was trochtsâze die wîle sîne kint âzen. Alse die hêrren gesâzen, ir leides ein teil virgâzen. dô nam die recke Dieterich eine harfin, die was êrlich, unde scleich hinder den umbehanc. wie schîre ein leich dar ûz klanc! 30 swilich ir begunde trinkin, deme begundiz nidir sinkin Daz er iz ûffe den tisc gôt. swilich ir abir sneit daz brôt, deme intfiel daz mezses durch nôt. sie wurdin von trôste witzelôs. wie manich sîn trûren virlôs! sie sâzin alle und hôrtin war daz spil hinnen kârte. lûde der eine leich klanch: 10 Luppolt ober den tisch spranch unde der grâve Erwîn. sie heizin en willekume sîn, den rîchen harfâre unde kustin in zewâre. wie rechte die vrouwe dô sach daz her der kuninc Rôther was!
_Um die Zeit War es gerade so weit, Dass Constantin zu Tische gieng. Dietrich kam auch Mit seinen Mannen 10 Vor den König gegangen. Als man das Wasser reichte, Gieng die liebliche Jungfrau Um den Tisch herum Unter heissen Thränen fragend, Ob sie sich einem so freundlich erwiesen hätte, Dass er für die wackeren Boten Mit seinem Leben einzustehn wagte. Ihr wagte keiner das zuzugestehn: Die mächtigen Herzoge 20 Wiesen ihre Bitte alle zurück, Bis sie an den Recken kam, Mit dem die Verabredung getroffen war. Da sprach die herrliche Maid: ‘Nun gedenke, Held Dietrich, An alle deine Güte Und hilf mir aus der Noth. Steh ein für die Boten mit deinem Leben, Die befiehlt der König dir auszuliefern. Verzagt sind meines Vaters Mannen; Sie wagen es nicht, sie auf sich zu nehmen. Doch will ich von deiner edeln That, Einen Theil auf mich nehmen, 10 Damit deren Ruhm auch auf mich falle. Wie gerne du das auch unterliessest, Es sei denn, dass dich dein tugendhafter Sinn verliess, Du musst es mir gewähren, wackerer Held.’ ‘Gerne,’ sprach Dietrich, ‘Weil ihr mich darum bittet. Mehr als das Leben kann es nicht kosten. Ich werde also dein Bürge, schöne Frau.’ Da gab Constantin die Boten 20 Dietrich gegen Einsatz seines Lebens. Der Held aber übernahm sie. Da folgten ihm des Königs Mannen Zu dem Kerker, Wo sie in Noth waren. Die armen Gefangenen Lagen da entkräftet Und lebten erbarmungswürdig. Berchter der mächtige Stand und weinte, Als er den Lärm hörte. Den Kerker brach man auf, Da schien der Tag hinein. Plötzlich drang das Licht zu ihnen, Dessen waren sie ungewohnt. 10 Erwin, war der erste Mann, Der aus dem Kerker trat. Als ihn der Vater erblickte, Wie gross war da sein Herzeleid! Er wandte sich um Und rang seine Hände, Und wagte nicht zu weinen, Und doch war ihm nie so weh, Seit ihn seine Mutter geboren. Erwin, der treffliche Held, 20 War von Kräften gekommen Wie es für einen Armen natürlich wäre. Sie nahmen die zwölf Grafen Aus dem Kerker, Und ein jeder seinen Getreuen. Die sonst so glänzenden Ritter Sie waren schwarz und schmutzig, Von grossen Nöthen blass. Lupolt der Meister Hatte nichts aufzuweisen 30 Als ein armselig Schürzlein, Das wand er sich um den Leib. Da war der elende Mann Gar sehr entblösst, Zerschunden und vor Hunger aufgedunsen. Dietrich, der wackere Held, War traurig von Wehe Und wollte doch nicht weinen Um die lieben Boten. Berchter, der alte Mann, Gieng um und um, Die Gefangenen beschauend. Um keinen empfand er bittereres Leid 10 Als um seine schönen Kinder. Dietrich der Herr Hiess die ansehnlichen Boten Zu seiner Herberge führen, Ausser Lupolt und Erwin; Die liess man allein gehn, Ihrer nahm sich niemand an. Da sprach Erwin der ruhmreiche ‘Lupolt, trauter Herr, Sieh dort einen grauen Mann 20 Mit einem schönen Barte stehn, Der mich angeblickt Mit ängstlichem Eifer. Er wandte sich um Und rang die Hände. Er wagte nicht zu weinen, Und war ihm doch nie so weh zu Muthe. Vielleicht will der gütige Gott In seiner Gnade Ein grosses Wunder thun, 30 dass wir von hinnen kommen. Wahrlich, lieber Bruder, Es könnte unser Vater sein.’ Da lachten sie beide Vor Freude und vor Leide. Die unglücklichen Fremdlinge Waren gegen Bürgschaft freigelassen Bis zum andern Tag. Die Jungfrau bat ihren Vater, Dass er sie dahin gehn liess, Sie wollte ihnen selber aufwarten. Der König erlaubte es ihr. Wie rasch sie über den Hof eilte 10 Zu dem Herren Dietrich! Da liess man alle Die fremden Ritter hinausgehn. Da blieb niemand zurück Ausser den Blutsverwandten Die übers Meer gefahren waren. Den stattlichen Boten Legte man gutes Gewand an Und kleidete sie sorgfältig, Das gieng von Dietrich aus. 20 Der Tisch wurde gerichtet. Berchter, der edle Held, War Truchsess, Dieweil seine Kinder assen. Als die Herren sich gesetzt hatten, Vergassen sie ihres Leides ein wenig. Da nahm der Recke Dietrich Eine Harfe, die war herrlich, Und schlich hinter den Vorhang. Wie rasch ein Leich daraus hervorklang! 30 Wer im Begriff war zu trinken, Dem begann der Trank (nieder) zu sinken, Dass er ihn auf den Tisch vergoss. Wer das Brot schnitt, Dem entfiel das Messer vor innerer Bewegung. Diese Tröstung brachte sie fast von Sinnen. Wie mancher liess da ab von seiner Trauer! Sie sassen alle und hörten Worauf das Spiel hinaus gienge. Laut erklang der eine Leich: 10 Luppolt sprang über den Tisch Und mit ihm Graf Erwin. Sie hiessen ihn willkommen Den mächtigen Harfner Und küssten ihn fürwahr. Wie deutlich die Frau da erkannte, Dass er der König Rother war!_
DAS VOLKSEPOS.
_DAS NIBELUNGENLIED._
[_Scherer D._ 110, _E._ 101.]
Die Handschriften, welche das Nibelungenlied überliefern, zerfallen in drei Hauptklassen, vertreten durch die Hohenems-Münchener Hs. (A), die allein steht, die St. Galler Hs. (B) und die Hohenems-Lassbergische Hs. (C). Lachmann erklärte die kürzeste Fassung A für einen Repräsentanten des ursprünglichsten Textes, B für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse A, C für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse B. Er legte A seinen Ausgaben zu Grunde; ‘Der Nibelunge Noth und die Klage’ (Berlin, 1826, 1841, 1851). Dagegen erklärte Holtzmann und Zarncke die Klasse C für die ursprünglichste und legten die Hs. C ihren Ausgaben zu Grunde; Holtzmann (Stuttgart, 1857), Zarncke (Leipzig 1856, fünfte Aufl. 1875). Pfeiffer erklärte den Ritter von Kürenberg für den Verfasser des Nibelungenliedes. Bartsch stimmte ihm bei, indem er eine verlorene Urgestalt des Gedichts zu erweisen suchte, und legte seinen Ausgaben B zu Grunde (3 Bde. Leipzig, 1870-1880).
VIII. LIED.
Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt, lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt. mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swîn beren unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?
Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen walt gêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt, dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit. dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.
Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestân die warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man, Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den walt wîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’
‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene, ‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene? dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mîn wer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.
Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar: sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var. 10 der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’ der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.
Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât, wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hât daz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan. wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.
Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt: er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stunt dâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont, diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.
Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt. als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stunt des gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ. daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.
Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man: ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân. 10 dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt. dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.
Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz. von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz, daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan. vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.
Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben. dô wânden sie füegen ‖ daz man solde geben in den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen, dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.
Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar. die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in dar vil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc. hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!
Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborn daz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn 10 zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekant daz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.
Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’ sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan. si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich, einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:
‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern. ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern: der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn. ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’
Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan. dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man. er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen. daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.
Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot, er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot, 10 ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant, ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.
Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man. er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân, er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot, zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.
Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bant von fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehant vil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach. daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.
Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet: hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet! vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant: hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!
Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man. der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân 10 allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac. und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.
Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie) dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie. dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz. von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.
Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan: im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man. er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc. hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.
Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man. die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân. ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc. hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!
Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât, sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât, 10 war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn. man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.’
Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc. man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranc haben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn, dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’
Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt, ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt (daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’ der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.
Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit, dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseit daz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man, swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’
Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit ‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit 10 ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân, man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’
‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen. dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legen für iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’ dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!
Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen, allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen, den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’ den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.
Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan: in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân. sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê: doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.
Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man. daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan, 10 den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast: bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.
Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz. den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz: swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entranc ê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.
Der brunne was küele ‖ lûter unde guot. Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot: als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan. alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.
Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert, daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert, und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant. er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.
Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc, er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc 10 daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât. solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.
Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc: im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc. der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert: sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.
Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant, done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant: er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an: done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.
Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc, daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuoc des edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast. sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.
Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal. von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal. 10 het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt. sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.
Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestên sînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên, wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truoc sît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.
Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man: daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân. dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt) die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.
Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen, waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen? ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân. ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.’
Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac. ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac. 10 die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit: daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.
Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt. dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt, daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân. der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’
Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit. ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit: wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân. wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’
‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit. ‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit, ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp. mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.
Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suon dem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon 10 daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen. möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’
Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man ‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begân in der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sîn ûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.
Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî: durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî. wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man. ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’
Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz. dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz, wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit. ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.
Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt, si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt), 10 und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergân daz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.
Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen. ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen, da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man, in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’
Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant. mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant, diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot. ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’
Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn. von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn. ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint. jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.