Part 2
76. Was das Prädicat sein kann. Gott 82
77. Desgleichen. Die Rose 82
~B.~ Der erweiterte einfache Satz.
~a~) Erweiterung des Subjects.
78. Beifügung vor dem Subject. Das kranke Kind 82
79. „ nach „ „ Berlin 84
80. Die Beifügung ein Zeitwort in Peter 84 reiner Form.
81. Beifüg. vor und nach dem Subj. Weihnacht 85
82. Zwei Beifüg. vor dem Subj. Zigeunerkinder 86
83. Eine Doppelbeifüg. nach d. Subj. Das Grab der Mutter 87
84. Zwei Doppelbeif. nach d. Subj. Dämmerung 88
85. Alle Arten einfacher Beifügungen. Der Schneemann 89
86. Alle möglichen Beifüg. vor und Der junge Storch 89 nach dem Subject.
~b~) Erweiterung des Prädicats.
87. Das Präd. ein Hauptw. m. Beif. Wilhelm 91
88. „ „ „ „ mit mehreren Der Affe 91 Beifügungen.
89. Alle mögl. Erw. d. Subj. u. Präd. Hochmuth 92
Ergänzungen.
1) Des Zeitwortes.
~a~) Einfache Ergänzungen.
90. Im ersten Falle. Der Schmetterling 93
91. Im zweiten Falle. Ohne Glauben 93
92. „ dritten „ Der echte Christ 93
93. „ vierten „ Jakob 94
94. Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Der Lügner 95 Fall.
95. Alle vier Fälle. Der Verschwender 95
96. Ergänzung durch Hauptwörter König und Volk 96 mit Verhältnißwörtern.
97. Die Ergänzung ein Zeitwort in Im Sturme 97 reiner Form.
98. Einfache Ergänzung. Alle vier Die Wahrheit 97 Fälle.
99. Wiederholung aller Ergänzungen Die Eisenbahn 97 mit Verhältnißwörtern.
100. Hauptwiederholung. Der Geburtstag 98
~b~) Doppelte Ergänzung.
101. Vierter und zweiter Fall. Der Thierquäler 99
102. Vierter und dritter Fall. Oskar 99
103. Vierter und zweiter Fall. Eine Verirrung 100
104. Vierter und vierter Fall. Bestrafte Eitelkeit 100
105. Dritter und vierter Fall. Großmuth 101
106. Wiederholung der Doppelergänz. Der Geiz 102
107. Fortsetzung. Michel 102
108. Alle Beifügungen und Ergänzungen. Eine Jubelfeier 103 Hauptwiederholung.
2) Des Eigenschaftswortes.
109. Im zweiten Fall. Judas 104
110. Im dritten Fall. Strenge Zucht 105
111. Im vierten Fall. Die alte Linde 106
112. Durch ein Verhältnißwort. Der Knochen 106
113. Wiederholung. Der Löwenbändiger 107
114. Hauptwiederh. Beif. Ergänzung. Der Dieb 108
Der Umstand des Ortes.
115. Wo? Umstands- u. Verhältnißw. Eine Stätte der Armuth 109
116. Wohin? „ „ „ Sturax 110
117. Woher? „ „ „ Treibjagd 111
118. Wiederholung. Wo? Wohin? Die Elbe 111 Woher?
119. Fortsetzung. Die Luft 112
120. Hauptwiederh. Subj. Prädic. Die neue Gutsherrschaft 113 Ergänz. Ortsbest.
Der Umstand der Zeit.
121. Wann? (Umstands- und Verhältnißwörter.) Ein Brief 114
122. Wie lange? Seit wann? (Umstands- Der Gemsjäger 115 u. Verhältnißw.)
123. Wie oft? (Umstands- und Verhältnißw.) Ein alter Krieger 116
124. Wiederholung. Moses 117
125. Hauptwiederholung. Ergänzung. Jäger und Müller 118 Ort. Zeit.
Der Umstand der Weise.
126. Alle Fälle. Mißgeschick 120
127. Desgleichen. Ein Stier 121
128. Hauptw. Beif. Zeit. Ort. Weise. Schulprüfung 122 Erg.
Der Umstand des Grundes.
129. Ursache oder Sachgrund. Unverstand 124
130. Beweggrund. Lohn der Wißbegierde 124
131. Erkenntnißgrund. Der tolle Hund 125
132. Zweck und Stoff. Jahrmarktsgeschenke 125
133. Wiederholung. Heuchler 126
134. Wiederholung. Der Wagehals 126
135. Hauptw. Beifüg. Zeit. Ort. Ein Bombardement 127 Weise. Grund. Ergänz.
136. Hauptw. Beif. Ergänz. Zeit. Zu Weihnacht 129 Ort. Weise. Grund. Stoff.
137. Hauptw. Beif. Erg. Zeit. Ort. Ein trauriges Ende 131 Weise. Grund. Zahl. Stoff.
138. Hauptw. Beif. Ergänz. Zeit. Luxus 131 Ort. Weise. Grund. Zahl. Stoff.
Die Aussageweise.
139. Wirklich. Möglich. Nothwendig. Der Mensch 133
Wortfolge.
140. Gerade, umgekehrte. Die Rose 134
141. Desgleichen. Wiegenbau 134
Vom einfachsten bis zum erweitertsten einfachen Satze.
142. Hauptwiederholung. Verschiedene Sätze 135
Fragen nach den einzelnen Satztheilen.
143. Uebersicht. Fragen nach den Satztheilen 142
144. Praktische Anwendung dies. Frag. Für die Friedenszeit 143
Anhang.
145. Bilde Sätze auf folgende Fragen. Eine Art von Aufgaben 149
~A.~ Die Wortarten.
Hauptwörter.
1. Auf der Dresdner Brücke.
(Menschen.)
+Otto+ war zum ersten Male in der Residenzstadt Dresden gewesen. Als er wieder nach Hause kam, saßen +Vater+ und +Mutter+ und seine +Geschwister+, +Emil+, +Bertha+ und +Louise+, eben beim Abendbrode. Da mußte denn nun der kleine +Reisende+ sogleich erzählen, was er alles gesehen habe.
„Ganz besondere Freude“, erzählte Otto unter Anderem, „hat +mir+ ein Gang über die große, alte Elbbrücke gemacht. Nein, was man da doch binnen weniger Minuten für eine Menge Menschen sieht! Hier rasselt ein schöner, herrschaftlicher Wagen dahin, einen Kutscher und einen Bedienten auf dem Bocke. Darin sitzt ein feiner Herr oder auch eine vornehme Dame, zuweilen auch nur eine Kinderfrau oder eine Amme mit den Kindern eines Grafen oder eines Barons. Dort zieht eine Bauerfrau mit ihrer Tochter oder Magd einen Milchwagen. Hier knallt ein Droschkenkutscher auf seinen müden Gaul; dort bläst ein Postillon in sein Horn. Botenfrauen, Köchinnen, Dienstmänner und Dienstmädchen schleppen schwere Körbe und Paquete auf ihren Schultern dahin. Briefboten und Polizeidiener eilen hinüber und herüber. Greise und Kinder, Männer und Frauen, Fremde und Einheimische, reiche Leute und Bettler ziehen in buntem Gemisch dahin. Besonders viel Soldaten sind mir begegnet. Ich sah Generäle, Hauptleute, Feldwebel, Tamboure, Signalisten und Fahnenträger. Auch Schützen, Jäger, Grenadiere, Gardisten, Ulanen und Dragoner gingen an mir vorüber. Sogar der König mit der ältesten Prinzessin kam gefahren. Ein Vorreiter bahnte ihm den Weg und zwei Lakaien standen hinten auf seinem Wagen. Natürlich zogen alle Leute, vom reichsten Kaufmanne bis zum ärmsten Schusterjungen herab, die Hüte und Mützen, als der Landesvater vorüberfuhr.
Gewiß waren es an fünfhundert Personen, die ich auf diesem einzigen Gange über die Brücke gesehen habe.“
2. Beim Onkel auf dem Lande.
(Thiere.)
Robert war einen Tag auf dem Lande gewesen. Er hatte seinen Onkel besucht, der eine große Oekonomie besaß.
Als Robert am Abende nach Hause kam, sagte er zu seinen Geschwistern: „Heute habe ich aber so viel verschiedene +Thiere+ gesehen, wie noch nie.“
„Nun, so erzähle uns doch“, baten die Geschwister, „was Du für Thiere gesehen hast.“
„Als ich an des Onkels Haus kam“, begann hierauf Robert, „bellten mich ein schwarzer +Pudel+ und ein +Affenpinscher+ an. In dem Hausflur kauerte eine graue Katze und verzehrte eben eine Maus, die fast so groß war, wie eine Ratte. Ich trat in die Stube ein. Hier saß ein Rothkehlchen auf dem Spiegelrahmen und verspeiste eine Fliege. Am Fenster hing ein großer Käfig, in welchem ein Zeisig, ein Stieglitz und ein Canarienvogel auf- und abhüpften. Unter dem Ofen spielte ein Meerschweinchen mit einem jungen Hunde.
Aber nun erst auf dem Hofe! Hier führte ein Hahn seine Hühner spazieren. Dort lockte eine alte Henne ihre Küchlein herbei, weil sie ein Würmchen gefunden hatte. Vor der Scheune stolzirte ein Pfau auf und ab. Ein schwarzer Truthahn zankte sich mit einem alten Gänseriche um ein Stückchen Brodrinde. Ein ganzes Heer Enten und Gänse watschelte zum Thore hinaus, dem nahen Teiche zu, wahrscheinlich, um dort Frösche, Eidechsen und kleine Fische zu fangen. Auf den Dächern zwitscherten Schwalben und Sperlinge um das Nest eines Storches. Nicht weit davon saßen eine Menge Tauben und spähten ängstlich in die Luft hinaus, ob sich etwa ein Falke oder Stößer oder ein andrer Raubvogel sehen lasse. Vor der Elster, die im Hofe umherhüpfte, schienen sie sich nicht zu fürchten.
Sogar im Wassertroge gab es Thiere. Hier schwammen Karpfen, Hechte, Aale und Schleien und auf dem Grunde krochen Krebse.
Im Pferdestalle standen zwei Schimmel, ein Fuchs und ein Rappe. Unter ihnen herum hüpften weiße und schwarze Kaninchen. Der Esel war nicht zu Hause, sondern in der Mühle.
Besondere Freude machte mir der Kuhstall. Hier brummte mich ein großer Ochse ganz mürrisch an. Gegen zwanzig Kühe fraßen eben ihr Heu. Zwischen ihnen lagen einige Kälber. Neben der Thür meckerten zwei Ziegenböcke und aus einem Winkel hervor grunzte ein altes Schwein mit sieben Ferkeln.
Alle diese Thiere sah ich an einem Tage und sie haben mir sehr viel Vergnügen bereitet.“
3. Im Walde.
(Thiere des Waldes.)
Welch ein fröhliches Leben ist doch im Frühlinge unter den +Thieren+ des Waldes! Tausende von +Würmern+ und +Käfern+ kriechen unter dem Moose hervor. Große und kleine +Ameisen+ laufen an den Baumstämmen hinauf. Bunte Schmetterlinge flattern von einem Haideblümchen zum andern. Die Eidechsen, Blindschleichen und Ottern erwachen und schlüpfen auf dem Boden dahin. In dem Gebüsche ertönen die Lieder der Nachtigall, Grasmücke, Meise und des Rothkehlchens. Auf den Gipfeln der Fichten und Tannen schlägt der Finke, pfeifen Amsel und Drossel, girrt die wilde Taube. Mitten hindurch ruft der Kukuk seinen Namen in die Welt hinein.
Hier hüpft ein Häslein schnell vorüber, weil es einen Fuchs wittert. Dort nagt ein Reh an einer jungen Birke. Zuweilen tritt auch wol ein Hirsch aus dem Dickicht hervor.
Ueber dem Waldbächlein spielen die Mücken und schweben die glänzenden Libellen. Blickt man in die klaren Wellen hinein, sieht man Schmerlen und Forellen in lustigem Tanze. An dem feuchten Ufer kriecht hier und da eine Schnecke und an dem Erlengebüsche blitzen goldene Laubkäfer im Sonnenscheine.
Was für ein Leben mag nun erst in den Wäldern der heißen Länder sein, wo die Löwen, Tiger, Panther und Leoparden brüllen, die Elephanten auf den Lichtungen grasen, Paviane, Schimpansen, Brüllaffen, Uistitis und Meerkatzen auf den schlanken Palmen sich wiegen, Papageien und Kakadus kreischen und riesige Schlangen auf Beute lauern.
4. Der Jahrmarkt.
(Sachen.)
Welch ein buntes Leben ist doch auf einem Jahrmarkte! Man hat nicht +Augen+ genug, um all die Dinge, die hier zum Verkaufe ausgestellt sind, zu sehen. Links und rechts auf den +Straßen+ und +Plätzen+ stehen lange +Reihen+ von Buden und Tischen. In der einen dieser kleinen Kaufhallen erblickt man z. B. Blechwaaren. Da gibt es Löffel, Reibeisen, Gießkannen, Lampen, Kohlenkästen und Leuchter. In einer andern sind Glasgegenstände ausgestellt. Da sieht man Gläser, Flaschen, Teller, Tintenfäßchen, Leuchter, Vasen und Perlen.
Hier steht eine Bude mit Drechslerarbeiten, als: Spazierstöcke, Tabakspfeifen, Zwirnweifen, Ellen, Zollstäbe, Dosen, Knöpfe u. dergl. An einem langen Tische verkauft ein Mann Streichhölzchen, Schwamm, Räucherkerzchen, Fleckseife, Putzpulver und Wetzsteine. In einem Hausflur hängen fertige Röcke mit Sammetkragen und blanken Knöpfen, Westen mit Schnüren, Hosen mit Borte, Ueberzieher, Hüte und Mützen.
Dort an der Straßenecke ruft ein Mann: „Kauft Tücher, Bänder, Spitzen, Cravatten und Handschuhe!“ Dicht neben dem Brunnen auf dem Markte befindet sich eine große Bude mit Galanteriewaaren. Da gibt es Geldbörsen, Broschen, Uhrketten, Tuchnadeln, Puppen, Porzellanköpfe, Taschenspiegel, Fingerhüte, Nadelbüchsen, Bleistifte, Schiefertafeln, Gummibälle u. s. w.
Und welche Menge von Gegenständen hat nun erst die Spielwaarenhandlung dort drüben an ihr Fenster gestellt: Zappelmänner, Baukästen, Armbrüste, Reifen, Drachen, Springseile, Trommeln, Flinten, Kanonen, Säbel, sogar eine Festung und ein Theater sind daselbst zu sehen.
Wie gern möchte man sich dies und jenes Spielzeug kaufen, wenn man nur Geld dazu hätte!
5. Der Wißbegierige.
(Stoffnamen.)
Arthur war zwar noch ein kleiner, aber schon sehr lernbegieriger Knabe. So oft er mit seinem Vater spazieren ging, mußte ihm dieser fortwährend Fragen beantworten. Da wollte Arthur wissen, wie die Dinge, die er sah, hießen; woraus und von wem sie gefertigt und wozu sie da wären.
Eines Tages gingen Vater und Sohn auch spazieren. Unterwegs fragte Arthur: „Vater, woraus sind denn die Häuser gebaut?“
„Die Mauern“, erwiderte der Vater, „sind aus +Stein+, +Sand+, +Lehm+, +Kalk+ und +Mörtel+ erbaut; das Dach, die Thüren, die Dielen und Fensterrahmen sind aus +Holz+, die Schlösser aus +Eisen+, die Dachrinnen aus +Blech+ und die Fensterscheiben aus +Glas+ gefertigt.“
Bald darauf kamen sie an dem Fenster eines Geldwechslers vorüber. Hier standen eine Menge Münzen zu Schau ausgestellt. „Woraus wird denn das Geld gemacht?“ fragte Arthur schnell.
„Die Pfennige, Dreier und Fünfpfenniger“, sagte der Vater, „werden aus Kupfer, die Groschen und Thaler aus Silber, die Dukaten aus Gold und die Kassenbillets aus Papier gefertigt.“
Später wollte Arthur wissen, woraus denn eigentlich die verschiedenen Kleidungsstücke gearbeitet würden. „O“, belehrte der Vater, „da gibt es der Stoffe eine große Zahl. Deine Mütze z. B. ist aus Tuch gefertigt, das Tuch aber wird aus Schafwolle gearbeitet. Dein Halstuch ist aus Seide gewebt. Deine Jacke besteht aus Leinwand, diese aber wird aus Flachs gewonnen. Die Knöpfe auf Deiner Jacke sind aus Horn, die an der Weste aus Perlmutter und die an den Hosen aus Zinn hergestellt. Die Schnalle an Deinem Gürtel ist aus Stahl geformt. Deine Stiefel hat der Schuhmacher aus Leder gefertigt; natürlich brauchte er noch Pech, Schwärze, Wachs, Wichse und Hanf zum Schuhdraht dazu. Deine Strümpfe wurden aus Garn gestrickt; das Garn aber besteht aus Baumwolle.“
Zuletzt fragte Arthur auch noch, woraus denn der Mensch bestehe und woraus er geworden sei. „Der menschliche Körper“, erwiderte der Vater, „besteht aus Fleisch und Blut, aus Fett und Schleim, aus Knochen, Knorpel und Mark; geschaffen aber hat ihn der liebe Gott aus Erde, wie Du in der Bibel lesen kannst.“
6. Eine Festung im Kriege.
(Mengenamen.)
Mitten in einem großen +Flußgebiete+ lag eine ziemlich starke Festung. An ihrer nördlichen Seite zog sich ein bedeutendes +Gebirge+ hin, sodaß die +Besatzung+ von hier aus keinen Angriff zu befürchten hatte. Die Festung war in Vertheidigungsstand gesetzt worden. Der Wald ringsum lag gefällt, selbst das kleinste Gestrüpp hatte weichen müssen. Das Gemäuer, auf dem früher Gras wuchs, erblickte man ausgebessert und verstärkt. Das Gebälk der Festungsbrücke hatte man in die Luft gesprengt.
Da sich in der Stadt selbst viel Reichthum vorfand, konnte sich die Einwohnerschaft reichlich mit Vorräthen versehen. Es fehlte nirgends an Brod, Mehl, Salz und Gemüse. Sogar Wild, Geflügel und gesalzenes Fleisch war im Ueberflusse vorhanden. Auch an gutem Wasser konnte nicht leicht Mangel eintreten. Ebenso gut hatte sich das Heer, welches die Besatzung der Festung bildete, versehen. Für die Mannschaft lagen Lebensmittel und für das Vieh Heu, Hafer und Stroh in Menge aufgespeichert.
So glaubte man nun ruhig dem Feinde ins Auge sehen zu können. Ja, die Soldaten konnten den feindlichen Angriff kaum erwarten, denn sie waren von heißem Geblüt.
Endlich rückte die Schaar der Gegner an und die Beschießung begann. Die Nationen von fast ganz Europa richteten ihre Blicke auf diesen Kampf, während dessen die Bevölkerung der Festungsstadt sehr viele Verluste zu erleiden hatte.
Nach mehrwöchentlicher Belagerung entschied sich das Schicksal der Festung. Die feindlichen Geschosse legten ihre Wälle, Mauern und andere Befestigungen in Trümmer. Darauf folgte ein Sturmangriff und die Festung war verloren. Das Blut floß in Strömen. Durch das furchtbare Getöse des Kampfes drang das Gewimmer und das Gestöhne der Verwundeten.
Einen schrecklichen Anblick boten die Verwüstungen in der Stadt. Die schöne, große Bibliothek und die herrliche Bildergallerie waren verbrannt und die Heiligthümer der Kirchen durch die Geschosse zerstört. Mit Thränen in den Augen stand das Volk an den Trümmern seiner Habe, die zu einem großen Theile in Asche lag.
7. Schulexamen.
(Eigennamen.)
„Ei, +Emilie+“, rief +Bernhard+ seiner Schwester zu, als er aus der Schule kam, „heute hieß es aber aufpassen. Unser Lehrer, Herr +Schmelzer+, wollte nämlich einmal sehen, ob wir von dem, was er uns gelehrt und erzählt habe, noch recht viel wüßten. Und so richtete er denn an einen jeden von uns eine Frage.“
Franz Dunker mußte die Geschichte von dem Moses, Hans Weinlich die vom Goliath und Emil Heinz die vom Daniel erzählen. Julius Bär mußte sagen, wann Luther, August der Starke und Napoleon I. geboren wären.
Heinrich Tümmler mußte angeben, wo Sachsen, Baiern, Würtemberg, Preußen und China lägen.
Wilhelm Borisch mußte die Einwohnerzahl von Paris, Wien, London, Berlin und Dresden nennen.
Alexander Miersch sollte sagen, wo man die Schlösser Wesenstein und Scharfenstein und die Dörfer Machern, Kesselsdorf und Hochkirch zu suchen habe. Er wußte es aber nicht.
Julius Neubert bekam die Frage, wie hoch der Brenner, der Simplon, der Schafberg, die Lausche und der Borsberg seien.
Theodor Wenzel hatte anzugeben, wo der Rhein, die Donau, die Weser und die Spree entspringen.
Der kleine Felix Brendel erhielt die leichteste Aufgabe. Er mußte Eigennamen von Hunden, Katzen, Pferden und Kühen angeben. Da sagte er denn, daß die Hunde Karo, Ammi, Schnacksel, Bello, Leo, Waldmann u. dergl. hießen; daß manche Katzen den Namen Peter, Schnurr oder Michel führten; daß man Pferde mit Rosa, Pollux, Hektor u. dergl. bename und einzelne Kühe Musel, Schecke, Brummkatharine, Mummel, „Stallmeister u. s. w. gerufen würden.“
8. Zweierlei Schüler.
(Gedankendinge.)
Emil war ein sehr braver Schüler. Er liebte die +Pünktlichkeit+ und +Reinlichkeit+. Während des +Unterrichts+ zeigte er die größte +Aufmerksamkeit+, um alles Gehörte im +Gedächtnisse+ zu behalten. Wurde er gefragt, so gab er seine Antworten mit Ueberlegung und Anstand. Seine Schularbeiten fertigte er zu jeder Zeit mit Fleiß, Sorgfalt und der möglichsten Sauberkeit. Ueber jeden seiner Fortschritte bezeigte er Freude. Der leiseste Tadel bereitete ihm Schmerz.
Was aber trieb ihn zur Erfüllung seiner Pflichten? Die Liebe zu seinem Lehrer, die Dankbarkeit gegen seine Eltern und der Gedanke, daß Kindheit und Jugend schnell vergehen und daß man daher jede Gelegenheit benutzen müsse, sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen.
Ganz anders dagegen zeigte sich Bernhard. Er ging mit Unwillen und Verdruß in die Schule. Auf dem Schulwege trieb er allerhand Unarten und Dummheiten, ja sogar Rohheiten. Obgleich er sich dadurch oft Verweise, Züchtigungen, Schimpf und Schande zuzog, zeigte er doch keine Besserung.
Auch in der Schule selbst ließ er sich viele Fehler und Vergehungen zu Schulden kommen. Plaudereien, Neckereien und Kaupeleien waren seine Lieblingsbeschäftigung. In seinen Gesichtszügen lagen List, Verschmitztheit und Tücke. Kam eine Bestrafung vor, so leuchteten aus seinen Augen Schadenfreude, Hohn und Spott.
Das Lesen, Schreiben und Rechnen war ihm eine Last. Ueberhaupt betrieb er alles Lernen mit Nachlässigkeit und Flüchtigkeit. So konnte es denn auch nicht fehlen, daß er wegen Faulheit und Liederlichkeit heruntergesetzt und endlich der Letzte in der Klasse wurde. Aber auch das bereitete ihm weder Kummer, noch weckte es Reue in ihm. Er blieb für den Lehrer eine Plage und seinen Eltern ein Kind der Sorge und des Herzeleids.
9. Freund Apfelbaum.
(Ein- und Mehrzahl.)
Im +Garten+ stand ein +Apfelbaum+. Er war der stärkste und höchste unter allen +Bäumen+ in den +Gärten+ ringsumher. Seine +Aeste+ und +Zweige+ breiteten sich weit aus und an jedem +Aste+ hingen große, süße +Aepfel+. Sie waren so groß, daß sich ein Kind an einem einzigen solchen Apfel satt essen konnte. Deshalb waren denn auch die Kinder oft um ihn herum. Zuweilen legten sie sogar Hand an seinen Stamm, um ihn zu rütteln, damit eine Frucht herabfallen solle. Solche starke Stämme aber lassen sich nicht von so schwachen Händen bewegen.
Eines Tages saß Hermine auch unter dem schattigen Dache des alten Freundes und hatte einen großen Korb mit verschiedenem Spielzeuge vor sich. In einem kleinen Kasten lagen bunte Papierstreifen. Aus diesen flocht sie niedliche Körbchen. Da nun jeder Streif eine andere Farbe hatte, gaben diese verschiedenen Farben dem Körbchen ein schönes Aussehen. In andern Kästen befanden sich Perlen, Würfel, Buntstifte u. dergl.
Jetzt nahm Hermine einen Faden und reihte Perle um Perle daran. Als zwei Fäden gefüllt waren, band sie dieselben um ihren Hals. Darauf ergriff sie einen Buntstift und zeichnete einen Würfel mit seinen Kanten, Flächen und Punkten.
Nachdem sie eine Stunde gespielt hatte, zog sie Bücher aus dem Korbe hervor und las. In dem einen Buche standen mehrere Geschichten mit bunten Bildern, das andere enthielt blos eine Geschichte mit einem Bilde. Indem aber Hermine las, fiel ein großer Apfel herab und gerade auf das Buch, sodaß zwei Blätter beschädigt wurden. Das eine Blatt war mittendurch gerissen. Hermine erschrak, lachte aber bald darauf und sagte: „Ei, ei, alter Freund! Wie kannst du mich so erschrecken? Das sind mir schöne Freunde, die Einen mit Aepfeln bewerfen.“
10. Getäuschte Hoffnungen.
(Ohne Mehrzahl.)
Mitten in einem Urwalde +Amerikas+ stand eine dürftige Hütte, aus brauner +Erde+, +Lehm+ und +Kalk+ erbaut. Das +Gebälk+ war grob gezimmert. Da durch die kleinen Fenster wenig Licht eindrang, lag in dem niedern Wohnzimmer ein tiefes Dunkel, das bei trübem Wetter sogar zur Finsterniß wurde. Auf den Dielen erblickte man etwas Heu und Stroh, auf welchem die Bewohner, welche deutsche Einwanderer waren, ihre Nachtruhe hielten. Die Beschaffenheit der Nahrung der armen Leute grenzte an Dürftigkeit. Wasser war ihr einziger Trunk, wenn sie der Durst quälte. Milch und Kaffee bekamen sie nie zu Gesicht. Im Sommer litten sie viel durch die große Wärme, die sich bis zur fürchterlichsten Hitze steigerte. Im Winter trat die Kälte mit großer Strenge und Ausdauer auf, führte viel Schnee und Eis herbei und fügte ihnen viel Leid zu.
Die guten Leute hatten Deutschland, ihre Heimat, verlassen, um in Amerika ihr Glück zu machen. Sie hofften hier Gold und Silber zu finden, fanden aber nicht einmal Zinn und Blei. Das Eigenthum, das sie an baarem Gelde mitgebracht hatten, war bereits zu ihrem Unterhalte verbraucht. So trat zuletzt Hunger und Kummer, Noth und Elend an sie heran.