Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2)

Part 4

Chapter 43,314 wordsPublic domain

Die Episode von dem Tode des Leiermädchens schließt sich unmittelbar an den Fund des köstlichen, doch in unrechter Hand gefährlichen Schatzes. Dieser Gefahr war ihr Gefährte, der schon einmal mit einem Spiritus familiaris in Noth gekommen, und zwar ebenfalls durch die Schuld eines Weibes, glücklich entgangen. Seine böse Ahnung sollte an der Besitzerin, die sofort damit verschwand, in Erfüllung gehen. Lange genug hatte die leichtfertige Dirne allerhand Gaunerstreiche, Neckereien und Spuk damit ausgeführt, als sie auf den Gedanken kam, ein großartigeres Zauberdrama, eine Feerie im romantischen Stil, worin sie selbst die Hauptrolle übernahm, in Scene zu setzen, ohne zu ahnen, daß das prosaische Fatum des modernen Weltalters, die Justiz, dem Lustspiele einen tragischen Schluß anhängen werde. Die Wahl des Stoffes ist sehr glücklich; sie entnahm denselben einer der reizendsten Geschichten aus den Volksbüchern des sechzehnten Jahrhunderts: wie eine überirdische Jungfrau einen sterblichen Menschen durch ihre Liebe beglückt. Grimmelshausen hat zwei in der Dichtung getrennte Ueberlieferungen miteinander verbunden, wie sie denn wirklich auf Einer ursprünglichen Auffassung beruhen werden. Ein mittelhochdeutsches Gedicht, um das Jahr 1300 verfaßt, nach einer nun verlornen Straßburger Handschrift zuerst 1480, dann öfter gedruckt, 1580 von Johann Fischart bearbeitet, zuletzt neu herausgegeben von Oskar Jänicke (»Altdeutsche Studien«, Berlin 1871), erzählt die Sage in folgender Gestalt: Ritter Petermann von Temringen, vom Schloß Stauffenberg in der Ortenau, wollte am Pfingsttag früh zur Messe nach Nußbach reiten, da fand er unterwegs eine wunderschöne Frau auf einem Felsen sitzend. Schon lange, sagte sie, habe sie ihn erwartet, schon lange sei sie ihm in Liebe zugethan, seit er ein Pferd überschritten; überall habe sie ihn geschirmt im Kampf, beim Turnier wie im Stürmen und Streiten. Sie werden einig, sich zu verbinden, und der Ritter geht die einzige ihm gestellte Bedingung freudig ein: »nimm welche du willst, doch nie ein ehelich Weib!« So leben sie zusammen; auf seinen Wunsch ist sie bei ihm, daheim und draußen, wo auch seine Ritterschaft ihn hinführt. Als er einst mit Ehre und Gut heimkehrte, lagen ihm die Verwandten an, sich endlich ein Weib zu suchen. Er bleibt standhaft und erneuert der Geliebten sein Gelübde, aber in banger Ahnung warnt sie ihn vor dem Treubruch, er werde sonst in drei Tagen sterben müssen. Als es sich darauf begab, daß zu Frankfurt ein Römischer König gewählt wurde, stellte auch er sich am Hoflager ein. Da dringt auch der König in ihn und bietet ihm die einzige Nichte, die Erbin von Kärnten, zur Braut; auch jetzt kann er sich nicht entschließen, und erst als die allein seligmachende Kirche in der Person eines Bischofs sich einmischt und ihm die Hölle heiß macht, gibt er nach. In der Nacht kündigt ihm die schmerzlich Betrogene die nahe Erfüllung seines Geschicks an, wenn er nicht jetzt noch von seinem Vorhaben abstehe; als näheres Vorzeichen werde er ihren nackten Fuß erblicken. Aber der Mann hält alles für Betrug des Teufels. Die Braut hält ihren Einzug auf der Burg, die Hochzeit wird gefeiert, da stößt plötzlich der schönste Frauenfuß durch die Decke des Saales. Nun bestellt der Ritter sein Haus und stirbt. Die junge Braut gelobt, in einem Kloster dem Vermählten treu zu bleiben.

Es tritt hier, was wir nur andeuten können, die Beziehung der Sage zum germanischen Götterglauben noch deutlich kennbar hervor. Stauffenberg's Geliebte ist als Walküre aufzufassen, als »Wünschelweib« oder »Wunschmädchen«. Der »Wunsch«, wodurch eigentlich und ursprünglich ihr Zusammenhang mit Odin angedeutet wird, steht ihr zu Gebot, während die spätere Anschauung den Namen von der Gabe ableitet, zu erscheinen, so oft der Geliebte sie herbeiwünscht. Sie kann ihm Glück und Reichthum zuwenden. Auch darin gleicht sie den Walküren, daß sie unsichtbar den Auserwählten hütet und ihn schützend in den Kampf begleitet. Doch alles das sammt ihrer Liebe ist Bedingungen unterworfen, die sie selbst nicht aufheben kann. Auch das ist ein alter Zug, daß der Umgang mit göttlichen Frauen das Leben der Helden kürzt; meist werden sie in der Blüte des Lebens hinweggerafft; so selbst in dem Mythus von Aphrodite und Anchises im griechischen Götterglauben.

Die »Melusina«, 1456 aus dem Französischen von Thüring von Ringolfingen übertragen, seit dem ersten Druck (Straßburg um 1474) bis in unsere Tage ein weitverbreitetes Volksbuch, berührt sich in den Grundzügen damit; Melusina ist jedoch entschieden eine Nixe, eine »Meerfein«, und das Ende ist anders gewandt. Sie verleiht einem Grafen von Poitiers alles Glück, Liebe und Treue, Sieg, Ehre, Reichthum, aber unter der Bedingung, daß er nie nach ihrem Ursprung noch jemals nach ihrem Thun und Lassen an einem bestimmten Wochentage fragen wolle, sonst werde jegliches Unheil über ihn kommen und er sie auf ewig verlieren. Er bricht wie der Temringer seinen Schwur und beschließt reuig sein Leben in einem arragonischen Kloster. Die Verbindung mit der ersten Sage wird bei Grimmelshausen dadurch vermittelt, daß das Leiermädchen sich Minolanda, Melusinnes Schwestertochter, nennt. König Helias hatte noch zwei zauberkundige Töchter, die vielleicht die Sage kannte, denn der Name erinnert an Minne, Meerminne. Eine solche ist auch in der localen Ueberlieferung, wie sie in Baden und am Schwarzwald zu Hause ist, die Geliebte des Stauffenbergers. Peter Diemringer, von der Jagd heimkehrend, findet sie an einem Born unfern Nußbachs. Sie nennt sich selbst ein »Mümmelchen« -- der Mummelsee liegt in der Nachbarschaft --; des Ritters Namen hat sie den Jägern abgehört. Das übrige stimmt ungefähr: statt des Römischen Kaisers ist es ein fränkischer Herzog, der den Diemringer für seine Thaten auf einem Heerzuge mit der Hand seiner Tochter belohnen will. Als dieser von der Hochzeit heimkehrend durch einen seichten Fluß reitet, wird er plötzlich von stürmisch heranbrausenden Wellen fortgerissen.

Auch in dem Zauberspiel der Simplicianischen Leirerin stirbt der ungetreu gewordene Wanderbursch, aber auch die Schauspielerin büßt ihren Frevel. Das Zaubergeräth überdauert die Katastrophe, um als Leitmotiv von dem Verfasser der Simplicianischen Schriften noch ferner verwandt zu werden.

* * * * *

Die vorliegende Ausgabe des »Trutz Simplex« beruht auf dem einzigen bisjetzt bekannten Druck. Derselbe geht dem mit der Jahrzahl 1670 bezeichneten »Springinsfeld« voraus und ist also unmittelbar nach oder noch während der Abfassung der »Continuation« oder des sechsten Buchs des »Simplicissimus« geschrieben, aber nicht eher im Druck erschienen. Es würde also die Annahme nicht irren, dies sei zu Anfang 1669 geschehen. Das von mir benutzte Exemplar der Göttinger Bibliothek ist dem »Springinsfeld« vorgebunden. Den Text, den ich gewählt, denselben, für den auch Keller sich entschieden hat, halte ich nach reiflicher Erwägung für den besten, ohne jedoch die Frage beantworten zu wollen, ob der zweite bekannte Druck aus demselben Jahre eine rechtmäßige Wiederholung oder ein Nachdruck sei. Druckfehler sind stillschweigend verbessert; eine Aenderung ist nur da in den Anmerkungen angegeben, wo dieselbe der Rechtfertigung bedurfte, während einzelne Eigenthümlichkeiten der Rechtschreibung, soweit es die für unsere übrigen Publicationen und speciell für den »Simplicissimus« angenommenen Grundsätze erlaubten, beibehalten worden sind.

* * * * *

Den »Anhang« möge der Leser als eine, wenn an sich nicht sehr bedeutende, doch immerhin interessante Beigabe betrachten. Der erneuerte Abdruck der »Gaukel-Tasche« findet seine Berechtigung schon darin, daß das Titelblatt des »Springinsfeld« dieselbe erwarten läßt. Was den Inhalt und den Gebrauch derselben betrifft, so gibt darüber die ausführliche Beschreibung der Scene (»Springinsfeld« Kap. ~VII~), wo Simplicissimus auf seine alten Tage noch einmal als Gaukler auftritt, genügende Auskunft. Die Jahrzahl 1670 bestätigt auch das, was der Schreiber (»Springinsfeld« Kap. ~VIII~) von seiner Absicht sagt, das Büchlein zu veröffentlichen. Dasselbe war bisjetzt nur durch die Gesammtausgabe bekannt, wo es unmittelbar auf den »Ersten Bärnhäuter« folgt. Die alte Originalausgabe, die der unsrigen zu Grunde gelegt worden ist, befindet sich ebenfalls auf der Universitätsbibliothek zu Göttingen; die große Seltenheit erklärt sich leicht aus der Verwendung als Spielzeug. Ein zweites Exemplar besitzt Herr Wilhelm Seibt in Frankfurt, dessen gefälliger Mittheilung ich diese Nachricht verdanke. Ein für den Kenner der Simplicianischen Literatur sehr erfreulicher Aufsatz in der »Frankfurter Zeitung« (1876, Nr. 230 Morgenblatt) enthält auch einen Bericht über Seibt's Entdeckung, daß die Holzschnitte, welche die Verse illustrieren, von Jobst Amman sind, und daß Grimmelshausen's Verleger, wahrscheinlich I. I. Felsecker, die Originalstöcke zu des genannten Künstlers schönem, sehr selten gewordenen Kartenbuch: »Künstliche und wolgerissene Figuren in ein neues Kartenspiel« u.s.w. (Nürnberg 1588. 4.) für den Druck verwandt hat.

Das bekannte Märchen vom »Ersten Bärnhäuter« ist der »Gaukel-Tasche« auch in der alten Ausgabe vorgedruckt. Die Art und Weise, wie Grimmelshausen dasselbe erzählt, ist in der Darstellung so vortrefflich, daß wir uns nicht entschließen mochten, dasselbe beiseite zu lassen. Wegen der verwandten Auffassungen dürfen wir auf der Brüder Grimm »Kinder- und Hausmärchen« (Nr. 100 und 101) verweisen, die sich in jedermanns Händen befinden. Den Anmerkungen (Bd. ~III~, S. 181 fg.) haben wir wenig hinzuzufügen. Das zweite Grimm'sche Märchen, ebenfalls »Der Bärenhäuter« genannt, stimmt mit dem Grimmelshausen'schen am meisten überein; dort ist der Vater der drei Töchter ein Mann, dem der Landsknecht Geld gegeben, hier ein reicher Kunstkenner, der die durch den Teufel für seinen Schützling gemalten Bilder sammt dessen Reichthümern besitzen möchte, ein Zug, der in dem ersten der Märchen: »Des Teufels rußiger Bruder«, darin sein Gegenstück findet, daß ein König von der in der Hölle gelernten Kunst des Soldaten so entzückt wird, daß er ihm eine seiner Töchter verspricht. Die österreichische Fassung kenne ich nur aus Happel's »Größten Denkwürdigkeiten der Welt« (~II~, 712). Die Geschichte spielt in einer Stadt, wo noch die »Abbildung derselben auf einer Tafel« aufbewahrt wird. Statt der verlornen Schlacht bei Nikopolis unter Sigismund 1396 wird die Niederlage des christlichen Heeres bei Varna 1414 unter Ladislav genannt. Die Wahrscheinlichkeit, daß Grimmelshausen aus dem Volksmunde geschöpft, würde diese Abweichung genügend erklären.

* * * * *

Zum Schluß sei es gestattet, hier eine Anmerkung zum ersten Kapitel des »Simplicissimus« zu vervollständigen. Grimmelshausen spricht über die Sucht geringer Leute, sobald sie es zu einigem Wohlstand gebracht, als vornehme Herren aufzutreten und von altem Adel sein zu wollen, wenn auch ihre Vorältern niedrige oder selbst unehrliche Gewerbe getrieben haben: »obgleich ihr ganzes Geschlecht von allen 32 Anichen her also besudelt und befleckt gewesen, als des Zuckerbastels Zunft zu Prag immer sein mögen.« Aus Seibt's erwähnten Mittheilungen, die mir erst nach dem Drucke des ersten Theils der zweiten Auflage zukamen, sehe ich, daß in Nicl. Ulenhart's Erzählung »Isaak Winterfelder und Jobst von der Schneid« (Augsburg 1617. 8. Vgl. Goedeke Grundriß, S. 432), einer Uebersetzung von Cervantes' Novelle »~Rinconete y Cortadillo~«, deren Schauplatz nach Prag verlegt wird, das Oberhaupt aller Gauner und Dirnen dieser Stadt »Zuckerbastel« genannt wird. Grimmelshausen wird also die Ulenhart'sche Bearbeitung gekannt haben. Meine Erklärung des Namens scheint daneben bestehen zu können.

FUSSNOTEN:

[1] Vgl. den Titel S. 3 dieses Bandes. Auf der Rückseite stehen im Original -- zur Erklärung des vorgehefteten Kupferstichs Courage als Zigeunerin auf einem Maulesel unter ihrer Bande, allerlei Toilettengegenstände auf der Erde verstreuend -- folgende Verse:

Erklärung des Kupfers oder Die den geneigten Leser anredende Courage.

Ob ich der Thorheit Kram hier gleich herunter streue, So wirf' ichs drum nicht weg, um daß es mich gereue, Daß ich ihn hiebevor geliebet und gebraucht, Sondern dieweil er jetzt zu meinem Stand nichts taugt. Haarpuder brauch' ich nicht, noch Schmink, noch Haar zu kräusen; Mein ganzer Anstrich ist nur Salbe zu den Läusen, Tracht sonsten nur nach Gold und mach mir das zu nutz, Und was ich möge thun dem Simplici zum Trutz.

[2] S. 52 dieses Bandes Zeile 2 muß es statt »seiner leiblichen Frauen Tochter« heißen: seine leibliche Frau Tochter.

[3] Titelkupfer: Der Stelzfuß mit der Geige.

Auf der Rückseite des Titels:

Vor Zeiten nennt man mich den tollen Springinsfeld, Da ich noch jung und frisch mich tummelt in der Welt, Zu werden reich und groß durch Krieg und Kriegeswaffen, Oder, wenn das nit glückt, soldatisch einzuschlafen. Mein Fatum, was thät das, die Zeit und auch das Glück? Sie stimmten in =ein= Horn, zeigten mir ihre Tück. Ich wurd des Glückes Ball, must wie das Glück umwälzen, Mich lassen richten zu, daß ich nun brauch ein Stelzen, Stelz jetzt vors Bauren Thür im Land von Haus zu Haus, Bitt den ums liebe Brot, den ich so oft jagt aus, Und zeig der ganzen Welt durch mein armselig Leben, Daß theils Soldaten jung alte Bettler abgeben.

I.

Trutz Simplex.

Trutz Simplex

Oder

Ausführliche und wunderseltzame

Lebensbeschreibung

Der Erzbetrügerin und Landstörzerin

Courage,

Wie sie anfangs eine Rittmeisterin, hernach eine Hauptmännin, ferner eine Leutenantin, bald eine Marketenterin, Musquetiererin und letzlich eine Zigeunerin abgegeben, Meisterlich ~agiret~ und ausbündig vorgestellet:

Eben so lustig, annehmlich u[=n] nutzlich zu betrachten als ~Simplicissimus~ selbst.

Alles miteinander

Von der Courage eigner Person, dem weit und breit bekannten ~Simplicissimo~ zum Verdruß und Widerwillen, dem ~Autori~ in die Feder ~dictirt~, der sich vor dißmal nennet ~Philarchus Grossus~ von Trommenheim, auf Griffsberg &c.

Gedruckt in Utopia, bei Felix Stratiot.

Kurzer, doch ausführlicher Inhalt und Auszug der merkwürdigsten Sachen eines jeden Capitels dieser lust- und lehrreichen Lebensbeschreibung der Erzlandstörzerin und Zigeunerin Courage.

=Das erste Capitel.= Gründlicher und nothwendiger Vorbericht, weme zu Liebe und Gefallen und aus was dringenden Ursachen die alte Erzbetrügerin, Landstörzerin und Zigeunerin Courage ihren wundernswürdigen und recht seltzamen Lebenslauf erzählet und der ganzen Welt vor die Augen stellet.

=Das zweite Capitel.= Jungfrau Lebuschka (hernachmal genante Courage) kommt in den Krieg und nennet sich Janco, muß in demselben eine Zeitlang einen Kammerdiener abgeben; dabei vermeldet wird, wie sie sich verhalten und was sich Verwunderliches ferner mit ihr zugetragen.

=Das dritte Capitel.= Janco vertauschet sein edles Jungferkränzlein bei einem resoluten Rittmeister um den Namen Courage.

=Das vierte Capitel.= Courage wird darum eine Ehefrau und Rittmeisterin, weil sie gleich darauf wieder zu einer Witwe werden muste, nachdem sie vorhero den Ehestand eine Weile lediger Weise getrieben hatte.

=Das fünfte Capitel.= Was die Rittmeisterin Courage in ihrem Witwenstand vor ein ehrbares und züchtiges, wie auch verruchtes gottloses Leben geführet, wie sie einem Grafen zu Willen wird, einen Ambassador um seine Pistolen bringet und sich andern mehr, um reiche Beute zu erschnappen, willig unterwirft.

=Das sechste Capitel.= Courage kommt durch wunderliche Schickung in die zweite Ehe und freiete einen Hauptmann, mit dem sie trefflich glückselig und vergnügt lebte.

=Das siebente Capitel.= Courage schreitet zur dritten Ehe und wird aus einer Hauptmännin eine Leutenantin, triffts aber nicht so wol als vorhero, schlägt sich mit ihrem Leutenant um die Hosen mit Prügeln und gewinnet solche durch ihre tapfere Resolution und Courage; darauf sich ihr Mann unsichtbar macht und sie sitzen läßt.

=Das achte Capitel.= Courage hält sich in einer Occasion trefflich frisch, haut einem Soldaten den Kopf ab, bekommt einen Major gefangen und erfährt, daß ihr Leutenant als ein meineidiger Ueberlaufer gefangen und gehenket worden.

=Das neunte Capitel.= Courage quittirt den Krieg, nachdem ihr kein Stern mehr leuchten wil und sie fast von jederman vor einen Spott gehalten wird.

=Das zehnte Capitel.= Courage erfähret nach langem Verlangen, Wünschen und Begehren, wer ihre Eltern gewesen, und freiet darauf wiederum einen Hauptmann.

=Das elfte Capitel.= Die neue Hauptmännin Courage ziehet wieder in den Krieg und bekam einen Rittmeister, Quartiermeister und gemeinen Reuter durch ihre heldenmäßige Tapferkeit in einem blutigen Gefecht gefangen; verleurt darauf ihren Mann und wird eine unglückselige Witwe.

=Das zwölfte Capitel.= Der Courage wird ihre treffliche Courage auch wieder trefflich von dem ehedessen von ihr gefangnen Major eingetränkt, wird jedermans Hur, darauf nackend ausgezogen und muß eine gar schändliche Arbeit verrichten, wird aber endlich von einem Rittmeister, den sie auch vorhero gefangen bekommen, erbeten, daß ihr nicht etwas Aergers widerfuhr, und darauf auf ein Schloß geführt.

=Das dreizehnte Capitel.= Courage wird als ein gräfliches Fräulein auf einem Schloß gehalten, von dem Rittmeister gar oft besucht und trefflich bedienet, aber endlich auf Erfahrung der Eltern des liebhabenden Rittmeisters durch zween Diener gar listig aus dem Schloß nach Hamburg gebracht und daselbst elendiglich verlassen.

=Das vierzehnte Capitel.= Courage wirft ihre Liebe auf einen jungen Reuter, der einen Corporal, so ihme Hörner aufsetzen wolte, also zeichnete, daß er des Aufstehens vergaß. Darauf wird ihr Liebster harquebusirt, die Courage aber mit Steckenknechten vom Regiment geschicket, die zweien Reutern, so Gewalt an sie legen wolten, ziemlich übel mitfuhre, da ihr ein Musquetierer zu Hülfe kame.

=Das funfzehnte Capitel.= Courage hält sich bei einem Marketenter auf; ein Musquetierer verliebt sich trefflich in sie, dem sie etliche gewisse Conditiones vorschreibet, wie sie den Ehestand lediger Weise mit ihme treiben möchte; wird auch darauf eine Marketenterin.

=Das sechzehnte Capitel.= Courage nennet ihren Courtisan, den Musquetierer, mit dem Namen Springinsfeld, dem ein Fänderich, auf der Courage Anstalt, gar listig ein paar großer Hörner aufsetzet, darzu der Courage vermeinte Mutter treulich hilft; kurz, sie ziehet ihn trefflich bei der Nasen herum und schicket sich stattlich in den Handel.

=Das siebzehnte Capitel.= Der Courage widerfährt ein lächerlicher Posse, den ihr eine Kürschnerin auf Anstiften einer italiänischen Putanin erwiesen, als sie eben bei einem vornehmen Herrn beim Nachtimbiß war; sie bezahlet aber sowol die Putanin als die Kürschnerin wieder redlich und ausbündig, macht auch einem Apotheker ein wunderliches Stückchen.

=Das achtzehnte Capitel.= Die gewissenlose Courage erkauft von einem Musquetierer einen ~Spiritum Familiarem~, empfindet darbei großes Glück, und gehet ihr alles nach Wunsch und Willen von statten.

=Das neunzehnte Capitel.= Courage richtet ihren Springinsfeld zu allerlei Schelmenstücklein trefflich ab, der sich bei einer vornehmen Dame vor einen Schatzgräber ausgibt, in den Keller gelassen wird, darauf etliche kostbare Kleinodien listig erpracticirt und bei Nacht von Courage aus dem Keller gezogen wird.

=Das zwanzigste Capitel.= Courage nebenst ihrem Springinsfeld bestiehlt zween Mailänder auf unerhörte Weise, indeme sie dem einen, der sehen wolte, was in ihrer Hütten vor ein Gepolter war, und den Kopf zum Guckloch aussteckte, mit scharfem Essig in die Augen sprützte, dem andern aber den Weg mit scharfen Dornen verlegte.

=Das einundzwanzigste Capitel.= Courage wird von ihrem Springinsfeld im Schlaf mit Ohrfeigen angepacket und übel zugerichtet, der aber, nachdem er erwachet, sie demüthig um Gnade und Verzeihung bittet, welches doch nichts helfen wil.

=Das zweiundzwanzigste Capitel.= Courage wird von ihrem Springinsfeld im Schlaf aus dem Bett nur im Hemd gegen des Obristen Wachtfeuer zugetragen, darüber sie erwacht und jämmerlich zu schreien beginnet, daß alle Officierer zulaufen und des Possens lachen; sie schaffet ihn darauf von sich und gibt ihm das beste Pferd, nebenst 100 Ducaten und dem ~Spiritu Familiari~.

=Das dreiundzwanzigste Capitel.= Courage heurathet wiederum einen Hauptmann, wird aber dessen, ehe er kaum bei ihr erwarmet, wieder beraubet, lässet sich darauf auf ihres ersten Hauptmanns Güter in Schwabenland nieder und treibt ihr Hurenhandwerk wie zuvor, doch gar vorsichtig, mit den eingequartierten Soldaten.

=Das vierundzwanzigste Capitel.= Courage bekommt eine unflätige Krankheit, reiset darauf in den Saurbronnen und macht mit Simplicio Kundschaft; als er sie betreugt, betreugt sie ihn redlich wieder und läßt ihm ihrer Magd neugebornes Kind vor seine Thür legen nebenst schriftlichem Bericht, als ob es Courage mit ihm erzeugt hätte.

=Das fünfundzwanzigste Capitel.= Courage treibet mit einem alten Susannen-Mann in ihrem Garten ungebührliche Händel, als eben zween Musquetierer auf einem Baum Birnen mauseten und der eine aus Unvorsichtigkeit die geraubten Birnen alle fallen ließ; darüber die Courage mit ihrem alten Liebhaber vertrieben, endlich offenbaret und der Stadt verwiesen wird.

=Das sechsundzwanzigste Capitel.= Courage wird eine Musquetiererin, schachert darbei mit Tabak und Brantewein. Ihr Mann wird verschicket, welcher unterwegs einen todten Soldaten antrifft, den er ausziehet und, weil die Hosen nicht herunter wolten, ihm die Schenkel abhaut, alles zusammen packet und bei einem Bauren einkehret, die Schenkel zu Nachts hinterlässet und reißaus nimmt; darauf sich ein recht lächerlicher Poß zuträgt.

=Das siebenundzwanzigste Capitel.= Nachdem der Courage Mann in einem Treffen geblieben und Courage selbst auf ihrem Maulesel entrunnen, trifft sie eine Zigeunerschar an, unter welchen der Leutenant sie zum Weib nimmt; sie sagt einem verliebten Fräulein wahr, entwendet ihr darüber alle Kleinodien, behält sie aber nicht lang, sondern muß solche wol abgeprügelt wieder zustellen.

=Das achtundzwanzigste Capitel.= Courage kommt mit ihrer Compagnie in ein Dorf, darinnen Kirchweih gehalten wird, reizet einen jungen Zigeuner an, eine Henne todt zu schießen; ihr Mann stellet sich, solchen aufhenken zu lassen; wie nun jederman im Dorf hinauslief, diesem Schauspiel zuzusehen, stahlen die Zigeunerinnen alles Gebratens und Gebackens und machen sich samt ihrer ganzen Zunft eiligst und listig darvon.

Das erste Capitel.

Gründlicher und nothwendiger Vorbericht, weme zu Liebe und Gefallen und aus was dringenden Ursachen die alte Erzbetrügerin, Landstörzerin und Zigeunerin Courage ihren wundernswürdigen und recht seltzamen Lebenslauf erzählet und der ganzen Welt vor die Augen stellet.