Säugethiere vom Celebes- und Philippinen-Archipel
Part 6
Günther beschrieb diese Art (P. Z. S. 1876, 735 Pl. LXIX) nach zwei in der Färbung sehr stark differirenden Kleidern von Balabac und Palawan (Puerto Princesa), von denen er sagt, dass sie „greatly differ in coloration, but are structurally quite identical“. Letzteres, die identische Structur, kann im vorliegenden Falle nicht für die Artidentität sprechen, da die hier in Frage kommenden Formen, wie auch z. B. leucomus-tonkeanus und rosenbergi-tingahi, structurell meist überhaupt nicht differiren. Die einzige Differenz besteht in der Färbung. Es liegen mir zwei Exemplare, ebenfalls von Puerto Princesa, vor, ein Pärchen, von denen das Männchen mit Günthers Beschreibung des Palawan-Exemplares des Britischen Museum stimmt (mit der Abbildung weniger, da sie ungenügend ist und auch von der Beschreibung abweicht); das Weibchen dagegen hat fast die ganze Unterseite braun. Dieselben Differenzen zeigen zwei männliche Exemplare von Puerto Princesa des Braunschweiger Museums, die Prof. W. Blasius die Güte hatte mir zu senden. (Alle vier sind von Dr. Platen gesammelt.) Die Schädel erweisen die beiden Dresdner Individuen als adult. Ich bemerke nebenbei, da Jentink (Notes Leyden Mus. V, 129, 1883) die Angabe der Zahl der Praemolaren vermisst, dass zwei vorhanden sind. Eine Geschlechtsdifferenz liegt in dem weissen oder braunen Bauche nicht vor; ob es eine Altersdifferenz ist, wage ich um so weniger zu vermuthen, da die zwei Dresdner Schädel sie nicht aufweisen; eine Saisondifferenz könnte eventuell die Ursache sein, da die weissbauchigen Exemplare im Juni (1887 und 1888), die braunbauchigen im Juli und August (1888) erlegt sind, allein ich möchte darüber ohne mehr Material nicht urtheilen. Alle Palawan Exemplare aber haben an den Körperseiten weisse Haare, während das von Balabac im Britischen Museum diese nicht zeigt, und es bleibt daher weiterer Untersuchung vorbehalten zu entscheiden, ob hierin eine insulare Differenz liegt. Übrigens stimmt auch Günthers Abbildung des Balabac Exemplares nicht gut mit seiner Beschreibung. Steere, dessen Angaben nicht immer zuverlässig sind, wie wir auch unten sehen werden, sagt (List Birds and Mammals 1890, 29): „The types were collected in Balabac“. Das ist jedoch nach Günther nicht der Fall, da ihm überhaupt nur 2 Exemplare vorlagen, eins von Balabac und eins von Palawan, und Steere erwähnt auch ausserdem das Exemplar von Palawan (Paragua).
18. SCIURUS MINDANENSIS STEERE
Sciurus cagsi A. B. Meyer P. Z. S. 1890, 599
Tafel XI Figur 1 (c. ⅔ n. Gr.)
Steere beschrieb 1890 (List p. 29) diese Art von Mindanao zugleich mit Sc. samarensis von Samar und Leyte. Von letzterer sagt er: „General color above and below as in S. mindanensis. Differs from that species in being of larger size and in having the thighs and nose and space about the eye, uniform in color with the back, and the upper surface of feet dark gray“. Da nun das Dresdner Museum seitdem von Dr. Schadenberg ein altes und ein junges Exemplar von Sc. samarensis von Samar erhielt, die sich von dem 1890 (P. Z. S. p. 599) von mir beschriebenen Sc. cagsi von Mindanao gerade nur durch obige Merkmale unterscheiden, so ergab sich daraus die Identität von Sc. mindanensis und cagsi. Mir war allerdings, als ich Sc. cagsi als neue Art aufstellte, Steeres Beschreibung von mindanensis bekannt, allein da sie absolut nicht auf meine 4 Exemplare passte, so konnte ich die Identität gar nicht ernsthaft in Überlegung ziehen. Steere sagt z. B., abgesehen von sonstigen Differenzen in den zwei Beschreibungen: „darker along the middle of the back“, was die Dresdner Exemplare durchaus nicht sind, es sei denn, dass die Körperseiten etwas heller erscheinen als der ganze Rücken; er sagt ferner: „thighs and upper surface of fore and hind feet rufous gray“, sie sind jedoch von derselben Farbe wie der Rücken und die Körperseiten, während man nach Steeres Beschreibung glauben muss, dass sie differiren; er sagt endlich: „tail nearly uniform with the back“; man lese dagegen meine Beschreibung des Schwanzes: „tail bushy, variegated with reddish brown, black and white above; beneath brown, edged, laterally on each side by a longitudinal black stripe, bordered externally with white; end of tail white“. Wenn man das „nearly uniform with the back“ nennt, dann ist eine Beschreibung überhaupt unnöthig, eine, wie Steere sie giebt, leitet nur irre. Gerade der Schwanz dieser Art ist charakteristisch, und auch die rostrothe Färbung an der Schwanzbasis, die übrigens bei dem erwachsenen Exemplare von samarensis fehlt, darf nicht übersehen werden. Ich müsste also sicherlich zweifeln, dass meine Identificirung richtig sei, wenn nicht, wie gesagt, die Differentialdiagnose, die Steere zwischen Sc. mindanensis und samarensis stellt, durchaus auf meine Exemplare von Mindanao und Samar passte, wobei aber noch hervorgehoben werden muss, dass es ein Irrthum von Steere ist, Sc. samarensis für grösser als mindanensis zu halten. [56] Um jedoch ganz sicher zu gehen, sandte ich von meinen Exemplaren an das Britische Museum, und Herr de Winton hatte die Güte, das dort befindliche von samarensis mit einem Dresdner zu vergleichen. Er schrieb: „I find your Sciurus from Samar, as you expected, agrees in every particular with the Co-type of S. samarensis.“ Dieses hebt die Sache über jeden Zweifel und beweist die Unzulänglichkeit der Steereschen Beschreibung von mindanensis. Bournes & Worcester (Notes Exp. Phil. Js. 1894, 62) haben die Identität von mindanensis und cagsi schon vermuthet.
Eine andere Frage ist es, ob Sc. mindanensis identisch sei mit Sc. philippensis Wtrh. von Mindanao (P. Z. S. 1839, 117). Der Beschreibung nach kann man dies kaum annehmen, denn er wird (p. 118) als „deep brown“ bezeichnet, allein Anderson sagt (Anat. Zool. Res. 1878, 256), dass der Typus von philippensis „is in such a bad state of preservation that its characters cannot now be well determined“; auch hatte Herr de Winton die Güte ein Dresdner Exemplar von cagsi (mindanensis) mit dem Typus von philippensis zu vergleichen und sagt, dass dieses „is more rufous in general color, not greenish in tinge like your specimen from Mindanao“. Überdies hatte Steere philippensis von Mindanao und Basilan in Händen, konnte diese daher mit mindanensis und samarensis vergleichen. Allerdings muss man misstrauisch gegen die Steereschen Angaben werden, wenn man sieht, dass er Macroxus philippensis von Mindanao getrennt von Sciurus philippensis von Basilan aufzählt, und zwar ersteren als Viverriden! Er hat dies wohl nur von Günther (P. Z. S. 1879, 75) abgeschrieben, wo Macroxus philippensis Wtrh. von Mindanao hinter Paradoxurus philippinensis Temm. von Mindanao aufgeführt wird, und nicht gedacht, dass Macroxus philippensis dasselbe sein könnte wie Sciurus philippensis!
19. SCIURUS SAMARENSIS STEERE
Tafel XI Figur 2 (c. ⅔ n. Gr.)
Schon das Junge von Sc. samarensis zeigt dieselben Unterschiede von mindanensis wie das Alte, und zwar die schwärzliche Oberseite der Füsse und das mit der Körperoberseite gleichfarbige Gesicht, so dass ich nicht an der Berechtigung, diese zwei Formen als verschieden anzusehen, zweifle.
20. PHLŒOMYS CUMINGI WTRH.
Tafel XII und XIII Figur 1 und 2
1839 Waterhouse P. Z. S. 107 1841 Eydoux-Soleyet-Gervais Voy. Bonite Zool. I, 43–50 Pl. 7 fig. 3–8, Pl. 8 1843 Schreber-Wagner Säugethiere Spl. III, 455 1854 Gervais Mammifères 399 m. Abb. 1855 Giebel Säugethiere 579 1855 De la Gironnière Aventures 386 1885 Jordana Bosquejo geogr. Fil. 167 1890 Nehring SB. Ges. naturf. Berlin 102 (pallidus) und 153 (var. pallida) 1890 A. B. Meyer Zool. Garten 195 1890 Steere List ... Mamm. 29 1891 A. B. Meyer Leipz. Illustr. Ztg. Nr. 2479 p. 21 m. Abb. [57] 1894 Nehring SB. Ges. naturf. Berlin 179 (pallidus) 1895 Elera Cat. sist. Fil. I, 21 (albayensis).
Bis auf die neuere Zeit war Phlœomys cumingi ein in Museen seltenes Thier, erst Dr. Schadenberg brachte es mehrfach und gab Anderen die Anregung es zu sammeln. So erhielt Dresden von ihm 17 Exemplare von Luzon (4) und Marinduque (13), allein ehe nicht die auf benachbarten Inseln etwa vorkommenden bekannt sein werden, lässt sich nichts Abschliessendes über diese den Philippinen eigenthümliche und charakteristische Form, die eine eigene Subfamilie bildet, aussagen. Elera führt einen Phl. albayensis von Mindoro und Luzon auf, wodurch die Artberechtigung schon Misstrauen erregt, abgesehen davon aber kann ein nomen nudum nicht in Betracht gezogen werden. Diese heutzutage allgemein verlassene Manier, nur durch einen Namen einer neuen Art Geltung verschaffen zu wollen, scheint Elera seinem in dieser Beziehung berüchtigten Nachbar Pater Heude abgesehen zu haben! — Auf Tafel XII sind die verschiedenen Färbungen der Dresdener Exemplare in circa ¼ natürlicher Grösse dargestellt, Figur 1–3 von Luzon, Figur 4–7 von Marinduque. Alle Kleider abzubilden ist nicht möglich, da kaum zwei gleich sind; dass aber auch andere wie jetzt im Museum vertreten vorkommen, habe ich schon früher (Zool. Garten 1890, 197 und Abh. Mus. Dresden 1894/5 Nr. 6 p. 1) hervorgehoben und ist bekannt; sie durchlaufen alle Schattirungen von fast weissen Albinos durch Grau zu Schwarzbraun, und verhalten sich bezüglich dieser grossen Variabilität wie manche Phalanger und Lemuriden, Arten, die entweder ihr relativ stabiles Gleichgewicht überhaupt noch nicht gefunden, oder die es verloren haben. Das Haarkleid der Exemplare, die in Dresden ad max. über 5 Jahre und 2 Monate, und vorher schon ad. max. 3 Jahre bei Dr. Schadenberg auf Luzon in der Gefangenschaft gelebt haben, wurde weicher und länger, wie das bei vielen tropischen Thieren im Gefangenleben in rauherem Klima vorkommt, z. B. auch bei der so kurz- und glatthaarigen Anoa. Die Veränderungen in der Färbung während der bis über 5jährigen Gefangenschaft in Dresden waren zwar nicht wesentlich, allein Etwas haben sie sich doch verändert, wie ein Vergleich der Abbildungen in der Illustrirten Zeitung mit den jetzt ausgestopften Exemplaren lehrt.
Nehring hat (SB. Ges. naturf. Berlin 1890, 105) die hellen (Voy. Bonite pl. 8) von den dunklen Luzon Exemplaren als Phl. pallidus oder Phl. cumingi var. pallida abgetrennt (was ich nicht für berechtigt hielt: Zool. Garten 1890, 199), und sich bald darauf (SB. Ges. naturf. Berlin 1890, 154) für letztere, später (1894, 180) aber für erstere Bezeichnung ausgesprochen. Er nannte Phl. pallidus die helle Form von Luzon und Marinduque, da er meinte, dass auf letzterer Insel nur diese vorkäme, die als Art anzusehen sei, und zu der er die gleiche Form von Luzon stellte, „sofern sie dort an bestimmten Localitäten für sich auftritt“ (p. 182). Letzteres ist jedoch nicht nachgewiesen und nach den bereits vorliegenden Thatsachen auch unwahrscheinlich. Ebensowenig sind alle Marinduque Exemplare hell. Dr. Schadenberg theilte mir schon früher brieflich mit, dass er sie mit dunkler Zeichnung von dort besitze, und unter den 13, die er dem Museum nach und nach sandte, ist z. B. ein Männchen mit sehr grossem braunschwarzen Sattel (2398 Fig. 4), das, bis auf mehr Braun am Kopf, identisch mit einem Männchen von Nord Luzon (2082 Fig. 3) ist. Die anderen Marinduque Exemplare des Museums, die zum Theile dieselben sind, von denen v. Moellendorff (bei Nehring 1894, 180) spricht, darunter 4 junge, sind zwar im Ganzen heller, zeigen aber, wie auch aus folgender Zusammenstellung hervorgeht, zum Theile den dunklen Sattel mehr oder weniger ausgesprochen (Nr. 6, 7, 13, 15, 16), während er bei 6 Exemplaren gar nicht vorhanden ist. Die Altersbestimmungen sind nach den Schädeln gemacht. Die Exemplare Nr. 1–4 entsprechen den vier von mir früher (Zool. Garten 1890, 196) beschriebenen und (Ill. Ztg. 1891, 21) abgebildeten, und zwar ist Nr. 1 der folgenden Liste = 1 im Zool. Garten p. 196, Nr. 2 = 4, Nr. 3 = 2, Nr. 4 = 3. (Siehe Tabelle p. 31.)
Wie schon erwähnt, sind 4 und 5 fast gleich, und beweisen daher die Identität der Nord Luzon und der Marinduque Form zur Genüge, aber es sind auch 11 und 12 von Marinduque fast identisch mit Gervais’ Abbildung des Exemplares von Nueva Ecija auf Luzon, und da die Übergänge zwischen beiden Formen und den anderen sonst bekannten vorliegen, und diese verschiedenen Kleider, wie ja im engeren Sinne die schon bis jetzt bekannten Marinduque Exemplare beweisen, sicherlich nicht Localrassen entsprechen, so ist eine Trennung derselben von einander nicht durchführbar. Nr. 13 und 15 sind ausgesprochene Albinos mit ganz weissem Schwanze, die Halbalbinos haben nur die Spitze weiss, die Exemplare mit dunklem Sattel wahrscheinlich alle auch die Spitze schwarz (an Nr. 2 sind nur ein paar weisse Haare zu erkennen).
Dass die bis jetzt bekannten Marinduque Exemplare mit einer Ausnahme mehr zu den helleren gehören, kann in Verschiedenem seinen Grund haben. Es kann ein Zufall im Spiele sein, oder die Jäger haben stets aus denselben Familien von denselben Schlupfwinkeln ihre Beute geholt, oder die albinotischen Individuen sind wegen ihres minder guten Gesichtes leichter zu erbeuten gewesen; es könnten aber auch auf Marinduque die hellen Formen im Übergewicht über die dunklen sein. Selbst dies jedoch würde nicht zur Abtrennung eines Phl. pallidus berechtigen, und ebensowenig zu einer var. pallida, denn sonst müsste man viele solche „Varietäten“ von Phlœomys, Crateromys, Didelphys, Phalanger etc. benennen, was gewiss weder praktisch noch wissenschaftlich geboten erscheint. Eine subspecifische, trinominale, Bezeichnung auf der anderen Seite wäre nur dann berechtigt, wenn die betreffende Form sich local abgrenzte, geographisch isolirt wäre, nicht wenn sie mit der Stammform zusammen lebt. Auch wenn die „Aberration“ familienweise aufträte und damit im engeren Sinne local begrenzt wäre, könnte man sie, üblicherweise, nicht mit einem Namen belegen, noch wäre es überhaupt wünschenswerth dies zu thun, abgesehen davon, dass ein solches Zusammenleben in gleichgefärbten Stämmen bis jetzt weder erwiesen noch wahrscheinlich ist. Es leben eben, wie überall sonst, Albinos mit anderen zusammen, und damit ist auch das Zusammenvorkommen aller Übergänge gegeben. Wie der Phlœomys der Zukunft aussehen wird, lässt sich heute nicht bestimmen, vielleicht wird er weiss sein, wie Gymnura candida Gthr. von Borneo (Jentink Notes Leyden Mus. III, 166 1881); wir können jetzt nur constatiren, dass die Art sich momentan in sehr labilem Gleichgewichte bezüglich ihres Haarkleides befindet. Ob der schwarzbraune Phlœomys oder der hellere mit dunklem Sattel und solcher Kopfzeichnung als Stammform anzusehen ist, wird sich wohl bei mehr Material herausstellen. Sattel- und Kopfzeichnung erscheinen wesentlich, da, wie aus obiger Zusammenstellung ersichtlich ist, der dunkle Sattel selbst bei Albinos und einem ganz Jungen vorkommt, die dunkle Schnauzen- und Ohrzeichnung aber niemals bei den Dresdner Exemplaren fehlt, so wenig wie die weisse Zeichnung zwischen Auge und Ohr und an der Stirn, während die schwarzbraunen, soweit mir bekannt, diese letzten nicht besitzen; wenn es sich dabei also nicht um melanotische Individuen handelt, so könnten sie ebensogut die Stammform repräsentiren. Diese Frage wage ich nicht zu entscheiden. Übrigens weist, wie wir gleich sehen werden, Crateromys schadenbergi von Luzon eine ähnliche Neigung zum Variiren auf. Immerhin aber ist im Freileben eine solche Variationsbreite der Färbung bei Säugethieren etwas Exceptionelles und kommt nur in relativ wenigen Gattungen vor.
Da das Skelett von Phlœomys cumingi noch nicht abgebildet worden ist, so stelle ich auf Tafel XIII Figur 1 das des Weibchens 2235 (Nr. 2 obiger Liste, Figur 2 Tafel XII) in ⅔ n. Gr. dar. Figur 2 ist der Penisknochen von 2082 (Nr. 4 obiger Liste, Figur 3 Tafel XII) in n. Gr.