Part 25
Ruhe haben wir wenig, besonders geistige Ruhe fehlt uns, und gerade diese wäre die Hauptsache, denn ohne geistige Ruhe wird nichts. Dem schenkt man aber bei uns gar keine Aufmerksamkeit, denn man strebt nur nach zeitlichem materiellem Wohlergehen. Wenn wir keine geistige Ruhe haben, so haben wir auch keine Festigkeit, weder in unseren Überzeugungen, noch in unseren Ansichten, unseren Nerven, und zu guter Letzt auch nicht in unserem Geschmack. Arbeit und die Erkenntnis, daß du nur durch Arbeit „erlöst wirst“ – fehlt bei uns sogar ganz. Das Pflichtgefühl geht uns völlig ab, ja, und woher sollten wir es auch haben, da wir anderthalb Jahrhunderte lang eine falsche Kultur bei uns hatten, oder, besser gesagt, gar keine?! „Warum soll ich mich bemühen, wenn ich durch ebendiese meine Kultur dahin gekommen bin, alles um mich herum zu verneinen? Und wenn es Dummköpfe gibt, die das Gebäude durch irgendwelche europäische Formen zu retten glauben, so verneine ich die Dummköpfe und behaupte: ‚je schlechter desto besser!‘ Das ist meine ganze Philosophie!“ – Ich versichere Sie, daß bei uns viele so denken, die einen laut, die anderen leise für sich. Die Leute mit solchen Aphorismen sind indessen selbst durchaus von Fleisch und Bein. „Je schlechter desto besser,“ sagen sie, aber wünschen tun sie dabei sicher das „schlechter“ nur für die anderen, das „besser“ jedoch wohlweislich für sich selbst; so wird man wohl ihre Philosophie verstehen müssen. Denn er hat ja einen Wolfshunger, dieser Russe. Groß ist er wie ein Bär, aber Nerven hat er wie eine Frau; verweichlicht und verwöhnt, grausam und leidenschaftlich ist er, ertragen kann er nichts, „ja, und wozu sich abmühen und aushalten?“ Ist es zu Ende mit den Diners im Restaurant, ist es zu Ende mit den Kokotten, wozu lohnt’s sich dann noch zu leben, denkt er und – krach, schießt er sich eine Kugel vor den Kopf! Und gut ist es noch, wenn er sich eine Kugel vor den Kopf schießt, sonst geht er hin und bestiehlt einen anderen auf irgendeinem mehr oder weniger gesetzlichen Wege. Aber _arbeiten_? – nein, das wird er nicht! Und so entsteht eine allgemeine Armut bei ständig wachsendem Appetit.
Unter anderem möchte ich noch bemerken, daß der Gogolsche Typ des „Hauptmann Kopeikin“ sich in zahllosen Varianten, bis zum aufgeblasensten Weltmann hinauf, bei uns erschreckend vermehrt hat. Alle fletschen sie nach dem Bargelde die Zähne, alle bilden sie sich, wenn auch nicht zu Räubern auf der offenen Landstraße wie der wirkliche „Kopeikin“, so doch zu Taschendieben aus, einige unter dem Deckmantel des Staats, andere ohne ihn. Einige von ihnen behaupten sogar stolz: „Ich handle darum so, weil ich alles verneine und jegliche Verneinung fördere.“ Oh, es gibt sogar liberale Kopeikins! Die haben nur zu gut verstanden, daß der Liberalismus in Mode ist, und daß man mit ihm gut fährt. Wer hat sie nicht gesehen, diese Allerweltsliberalen und billigen Atheisten, wie sie jetzt dem Volke gegenüber mit ihrer Fünfkopekenweisheit großtun. Es ist der niedrigste Typ von all unseren liberalen Erscheinungen, aber nichtsdestoweniger hat auch er jenen ungeheueren Appetit. Er ist der erste, der an eine mechanische Heilung der Wurzeln von außen glaubt. Diese Leute gruppieren sich und haben einen Einfluß, der sich oft bis auf die ehrlichsten Leute erstreckt, die eigentlich nicht schuld daran sind, daß sie solch ein Kontingent haben: „Jegliche Veränderung ist gut, wenn sie nur ohne Mühe vor sich geht.“ Der liberale Kopeikin fügt dann noch in Gedanken hinzu: „Bei jeder Umwälzung fällt für mich immer etwas ab!“ Und gerade von dieser Seite ist er am gefährlichsten, wenn er auch nur ein – Kopeikin ist. Aber mit ihm wollen wir uns jetzt nicht weiter beschäftigen. Das bisher Gesagte ist ja sowieso nur eine Ergänzung zu unserem Thema. Doch nun zu den Finanzen, zu den Finanzen!
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Es ist nun einmal meine Angewohnheit, immer gleich mit dem Ergebnis zu beginnen, den Kern meiner ganzen Idee vorauszuschicken. Niemals habe ich es verstanden, ihn allmählich herauszuschälen und ihn erst dann bloßzulegen, wenn es mir gelungen ist, alles vorher klarzumachen und nach Möglichkeit zu beweisen. Meine Geduld reicht dazu nicht aus, mein Charakter verhindert es einfach; damit schade ich mir freilich sehr, denn manch eine Idee setzt, geradeaus gesagt, ohne jegliche Vorbereitung, ohne vorhergegangenen Beweis, nur in Erstaunen und Verwunderung, wenn sie nicht Gelächter hervorruft. So komme ich denn auch hier gleich wieder mit einer Behauptung, über die man – ich fühle es schon im voraus – lachen wird, wenn man nicht auf sie vorbereitet ist. Meine Behauptung ist folgende: „Wenn die Finanzen in einem Staate gewisse Erschütterungen erlitten haben, so denke man nicht so sehr an gegenwärtige Bedürfnisse, wie schreiend diese auch sein mögen, sondern zuerst an die Gesundung der Wurzeln, und – die Finanzen werden sich von selbst bessern.“
An sich ist das ja nichts Neues: welcher Finanzminister hätte sich nicht schon darum bemüht, besonders unser jetziger, der gerade an so eine Wurzel faßte, als er die Salzsteuer aufhob. Man erwartet sogar noch andere Reformen, große, wirklich die Hauptwurzel erfassende. Freilich wurden auch früher schon, bereits vor zehn Jahren, „zur Gesundung der Wurzeln“ viele Mittel angewandt: Revisionen wurden eingeleitet, Kommissionen berufen zur Untersuchung und Verbesserung der Lage unseres russischen Bauern, seines Gewerbes, seiner Gerichte, Verwaltung, seiner Krankheiten, Sitten und Gewohnheiten. Die Kommissionen teilten sich in Unterkommissionen zur Sammlung statistischer Unterlagen, und die Sache ging wie geölt, das heißt auf dem allerbesten administrativen Wege, den es nur geben kann. Aber ich habe ja gar nicht davon sprechen wollen; denn nicht nur die Unterkommissionen, sondern sogar so wesentliche Reformen wie die Aufhebung der Salzsteuer oder das große noch zu erwartende Steuersystem, sind meiner Meinung nach nur Palliativmittel, etwas Äußeres, und noch keineswegs die Wurzel Heilendes. Das aber ist es, worauf ich hinweisen möchte. Eine Heilung der Wurzel würde es dagegen sein, wenn wir z. B. wenigstens zur Hälfte das Nur-Gegenwärtige vergessen könnten: alle Tagesfragen, die schreienden Bedürfnisse unseres Budgets, die Zinsen der ausländischen Anleihen, die Defizite, den Rubel, den Staatsbankerott sogar, – der übrigens nie bei uns eintreten wird, wie sehr ihn auch unsere schadenfrohen ausländischen Feinde prophezeien mögen; mit einem Wort, wenn wir alles Nur-Gegenwärtige vergessen und so lange für die Wurzel arbeiten würden, bis wir in Wirklichkeit eine reiche und gesunde Frucht ernten können. Dann kann man ja wieder mit der Gegenwart leben oder, besser gesagt, mit dem neuen Kommenden; denn in diesem Zwischenraum, das muß man sich sagen, wird alles Frühere (d. h. das jetzt Gegenwärtige) sich so radikal verändert und einen so neuen Charakter angenommen haben, daß wir es nicht wiedererkennen werden. Ich begreife natürlich, daß alles, was ich jetzt behaupte, allen sehr sonderbar erscheinen muß: nicht an den Rubel zu denken, an das Bezahlen der Schulden, an den Bankerott, an das Heer, kurz, an all das, was man anscheinend zuerst bedenken und zufriedenstellen muß. Ich versichere Sie, auch ich verstehe das und ich gestehe Ihnen, daß ich mit Absicht meine Behauptung so scharf hingestellt und meine Wünsche bis zum unerreichbaren Ideal gesteigert habe. Ich dachte dabei, fange ich beim Absurden an, so werde ich später allen verständlicher, und so sagte ich denn: wenn wir nur zur Hälfte das Gegenwärtige vergessen könnten und unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenkten, in eine Tiefe, in die bis jetzt in Wahrheit noch niemand geschaut hat – denn Tiefe suchte man bisher doch nur an der Oberfläche. Ich will aber gleich auch diese meine Formel noch abschwächen und statt ihrer vorschlagen: wenn nicht einmal die Hälfte – auf die Hälfte will ich verzichten – wenn nur ein zwanzigster Teil vom Gegenwärtigen zu vergessen möglich wäre, und wenn man jedes folgende Jahr zu diesem zwanzigsten Teil noch einen zwanzigsten Teil hinzufügen könnte und so weiter und so weiter bis zu drei Vierteln des Ganzen! ... Nicht der Teil ist hierbei wichtig, sondern wichtig wäre das Prinzip, das man damit aufstellt, und dem man folgt.
Aber wie soll man denn das Gegenwärtige lassen?! Man kann doch die Wirklichkeit nicht einfach ausstreichen! Ich sage „nicht ausstreichen“, weiß ich doch selbst, daß man die Wirklichkeit nicht unwirklich machen kann ... Aber wissen Sie – manchmal kann man auch das! Wenn wir von unserer krankhaft erregten Aufmerksamkeit jährlich nur einen zwanzigsten Teil auf etwas anderes ablenkten! Dabei ist gar nicht zu befürchten, daß sie der Gegenwart verloren ginge, nein, ich wiederhole es: wenn sie sich nur auch etwas anderem zuwendete, sich einem neuen Prinzip unterwerfen würde, einem, das die Gedanken und den Geist umbildet – zu etwas Besserem, zu etwas viel Besserem! Man wird sagen, daß ich in Rätseln spreche, aber dem ist nicht so. Doch gut, ich werde zunächst ein kleines Beispiel anführen, um zu zeigen, auf welche Weise man den Übergang vom Nur-Gegenwärtigen zur Heilung der Wurzeln sofort beginnen könnte.
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Wie wäre es zum Beispiel, wenn Petersburg plötzlich – sagen wir, durch irgendein Wunder – von seinem Hochmut dem übrigen Rußland gegenüber abließe? Welch ein großer erster Schritt wäre das schon zur Gesundung der Wurzeln! Denn wie steht es jetzt mit Petersburg? Es ist doch schon so weit gekommen, daß Petersburg sich für ganz Rußland hält, und dieser Irrtum steigert sich noch von Generation zu Generation. Es will in gewissem Sinne dem Beispiel von Paris folgen, ungeachtet dessen, daß es Paris gar nicht ähnlich ist. Für Paris hat es die historische Entwicklung mit sich gebracht, daß es ganz Frankreich, sein politisches wie soziales Leben, in sich aufsog. Nehmen Sie Frankreich Paris, was würde ihm dann noch verbleiben? Nur seine geographische Lage. Nun, und auch bei uns glauben einige schon, daß ganz Rußland in Petersburg enthalten sei. Doch Petersburg ist längst nicht Rußland, für die größere Hälfte des russischen Volkes hat Petersburg nur dadurch eine Bedeutung, daß sein Zar dort lebt. Unsere Petersburger Intelligenz aber, das wissen wir alle, versteht von Generation zu Generation Rußland immer weniger, und das wohl darum, weil Petersburg, eingeschlossen in seinem finnischen Sumpf, mehr und mehr eine falsche Vorstellung von Rußland bekommt. So hat sich bei einigen von diesen Herren der Horizont bereits arg verengert, ja, er ist fast schon so eng geworden wie der Horizont von Karlsruhe.[34] Aber blicken Sie nur über Petersburg hinaus: und vor Ihnen liegt ein ganzes weites Meer russischen Landes, ein uferloser Ozean. Doch siehe, der Sohn der Petersburger Väter verneint auf die gleichmütigste Weise dieses russische Volksmeer und verhält sich zu ihm wie zu etwas Passivem und Unbewußtem, geistig Nichtigem und jedenfalls im höchsten Grade Rückständigem. „Vielköpfig ist es, aber dumm, taugt nur dazu, uns zu erhalten, wofür wir ihm Verstand beibringen und es an eine staatliche Ordnung gewöhnen müssen.“ Tanzend und das Parkett polierend, werden in Petersburg die zukünftigen Sohne des Vaterlandes gebildet, und die Petersburger Beamten studieren ihr Vaterland in den Kanzleien. Versteht sich: irgend etwas erlernen sie schließlich in ihnen, nur ist das nicht Rußland, sondern etwas ganz anderes, etwas sehr Besonderes. Und dieses ganz Andere und Besondere wird dann Rußland aufgebunden. Doch währenddessen bewegt sich das Volksmeer nach seinem eigenen Gesetze und sondert sich mehr und mehr von Petersburg ab. Und sagen Sie nicht, daß es, wenn auch ein mächtiges, so doch unbewußtes Leben führe, was nicht nur die Petersburger allein glauben, sondern auch noch andere Russen, die Rußland besser kennen. Wenn man nur wüßte, wieviel Erkenntnis sich schon im Volke angesammelt hat! Und das Erkennen wächst noch von Tag zu Tag. Wie würden sich die Petersburger wundern, wenn sie wüßten, wie vieles dem Volke schon zugänglich und verständlich ist! Wenn sich das auch noch nicht im großen Ganzen äußert, so tut es sich doch schon an allen Ecken und in allen Hütten kund, wofern man es nur zu fühlen und zu sehen versteht. Wie sollte es sich auch schon im Ganzen äußern können, das Ganze ist ja ein Meer! ein Ozean! Aber wenn es sich einmal äußern wird, in welch maßloses Erstaunen wird es da den intelligenten Petersburger versetzen! Freilich wird das europäische Menschlein das Volk noch lange verneinen und wird sich dem Volke noch immer nicht ergeben wollen. Ja, viele werden so hinsterben, ohne von ihm überhaupt etwas zu ahnen. Wäre es da nicht besser, wiederhole ich, um großen heraufkommenden Mißverständnissen vorzubeugen, er ließe, wenn auch nur in seinen besten Vertretern, ein wenig ab, von seinem Hochmut Rußland gegenüber? Nur ein wenig mehr Eingehen, Verständnis, nur ein wenig mehr Demut im Herzen vor dieser großen russischen Erde, vor diesem Volksmeer – das ist es, was uns nottut. Das wäre der erste Schritt, den wir zur „Heilung der Wurzeln“ machen müßten.
„Aber erlauben Sie, mein Herr,“ unterbricht man mich, „was Sie bis jetzt gesagt haben, sind doch nur alte, verbrauchte, unrealisierbare Phantastereien der Slawophilen. Und was wollen Sie damit sagen: zur ‚Heilung der Wurzeln‘? Welcher Wurzeln? Und was verstehen Sie darunter?“
„Sie haben recht, meine Herren, ich muß zunächst doch noch einiges über die Wurzeln sagen.“
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Die Hauptwurzel, die einer Heilung zu allererst bedarf, ist ohne Zweifel dieses große russische Volksmeer selbst, von dem soeben die Rede war. Ich spreche jetzt von unserem einfachen Mann und Bauern, von der bezahlten Kraft unserer schwieligen, abgearbeiteten Hände: von unserem russischen Volksozean. Oh, wie sollte ich nicht wissen, was die Regierung für ihn getan hat und noch ununterbrochen tut, von der Aufhebung der Leibeigenschaft an? Sie sorgt für seine Bedürfnisse, seine Aufklärung, für seine Gesundung, vergibt ihm sogar manches Mal seine Rückständigkeit, mit einem Wort, sie tut viel für ihn, wer wollte das leugnen! Aber nicht davon soll hier die Rede sein, sondern von der seelischen Heilung dieser Hauptwurzel, die der Anfang zu allem sein müßte. Unser Volk ist seelisch krank; noch ist das Innerste seiner Seele gesund, aber die Krankheit ist trotzdem schwer. Welcher Art ist nun diese Krankheit? Es ist unmöglich, sie in einem Worte auszudrücken. Man könnte sie so formulieren: Es ist ein „unstillbarer Durst nach Wahrheit“. Das Volk sucht und sucht die Wahrheit, kann aber den Weg zu ihr nicht finden. Ich wollte meine Ansicht über diese Krankheit auf das Finanzielle begrenzen, aber ich muß doch noch einmal auf anderes zurückkommen.
Nach der Aufhebung der Leibeigenschaft tauchte im Volke das Bedürfnis nach etwas Neuem, noch nicht Dagewesenem auf: es war ein Durst nach Wahrheit, der ganzen vollen Wahrheit, und nach einer Auferstehung zu einem neuen Leben. Das Volk verlangte nach neuen Anschauungen, neue Gefühle stiegen in ihm auf, und es begann, mit ganzer Seele an die neue Ordnung zu glauben. Aber etwas anderes trat ein, etwas, was es nicht erwartet hatte. Die neue Ordnung, an die das Volk so gern geglaubt hätte, die – verstand es nicht. Es begriff sie nicht, wurde irre an ihr und verlor zuletzt seinen Glauben an sie. Sie erschien ihm als etwas Fremdes, Äußerliches und nicht als sein Eigenes. Doch dieses Thema immer wieder vorzubringen, das schon so oft besprochen worden ist, lohnt sich nicht: andere wissen mehr davon als ich – lesen Sie unsere Zeitungen. Es kam damals eine wilde Verzweiflung über unser Volk: wie ein trunkenes Meer wogte es über Rußland hin, und wenn man auch versuchte, den Durst nach Wahrheit in Strömen von Branntwein zu stillen, so wurde er doch nicht befriedigt. Niemals war das Volk allen fremden Einflüssen mehr preisgegeben als jetzt. Nehmen Sie als nur ein Beispiel etwa die „Stunde“,[35] und sehen Sie, welch einen Erfolg sie im Volke hat: was aber beweist das? Doch nur das Suchen nach Wahrheit und die innere Unruhe unseres Volkes. Gerade die Unruhe ist es: das Volk ist seelisch aufgewühlt, und ich bin überzeugt, wenn die nihilistische Propaganda bis jetzt ihren Weg ins Volk noch nicht gefunden hat, so geschah das nur dank der Unfähigkeit und Dummheit ihrer Führer, die das Volk nicht zu nehmen verstehen. Aber sonst, bei der geringsten demagogischen Fähigkeit wäre auch sie so ins Volk gedrungen, wie das Luthertum durch die „Stunde“. Wie soll man das Volk vor Ähnlichem bewahren, denn es ist gesagt: „Es werden Zeiten kommen, wo man euch sagen wird: weder hier ist Christus, noch dort, glaubet nicht!“ So steht es auch jetzt bei uns, und nicht nur mit unserem Volk, sondern auch mit unserer Intelligenz.