Part 14
Hier vereinigt sich die ganze Kirche unter Führung des Sängerchors zu einem feierlichen Dankgesang der Seelen, und dies sind die Worte des Lobgesangs: »Laß unseren Mund sich erfüllen mit Deinem Lobe, o Herr, daß wir Deinen Ruhm singen, Der Du uns würdigest, an Deinem heiligen, göttlichen, unvergänglichen, lebenspendenden Sakramente teilzunehmen; behüte uns in Deinem Heiligtume, auf daß wir den ganzen Tag Belehrung schöpfen aus Deiner Weisheit!« Hierauf singt der Sängerchor dreimal ein begeistertes: »Halleluja!«, das allen das ewige Wandeln und die Allgegenwart Gottes in Erinnerung ruft. Der Diakon besteigt die Kanzel, um die Anwesenden zum letztenmal zu Dankgebeten aufzufordern. Er hebt die Stola mit drei Fingern seiner Hand empor und spricht: »Vergib! lasset uns, nachdem wir empfangen haben das göttliche, heilige, reine, unvergängliche, himmlische, lebenspendende und furchtbare Sakrament Christi, würdig danken dem Herrn.« Und alle Anwesenden singen leise und mit dankbarem Herzen: »Herr, erbarme Dich!« »Hilf, rette, erbarme Dich und erhalte uns durch Deine Gnade, o Gott!« ruft der Diakon zum letztenmal. Und alle singen den Gesang: »Herr, erbarme Dich! Wir beten, daß dieser ganze Tag heilig, friedlich und sündlos zu Ende gehe und weihen uns, einander und unser ganzes Leben Christus, unserem Gotte!« Und mit der sanften Fügsamkeit eines Kindes und dem himmlischen Vertrauen auf Gott rufen alle aus: »Dir, o Herr!« Der Priester hat währenddessen das Corporale zusammengelegt und verkündigt nun mit dem Evangelium in der Hand ... und stimmt einen Lobgesang auf die Dreieinigkeit an, der bisher gleich einem alles erhellenden Leuchtturm den ganzen Gang des Gottesdienstes erleuchtete und jetzt mit noch hellerem Lichte in den verklärten Seelen aufstrahlt; diesmal aber lautet der Lobgesang auf die Dreieinigkeit folgendermaßen: »Da Du bist unsere Heiligung, so singen wir Dir Ruhm und Preis: dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzo, hinfort und in alle Ewigkeit.«
Dann tritt der Priester vor den Seitenaltar, auf dem der Kelch und die Patene stehen. Alle die Stücke, die bisher auf der Patene lagen und die während des Offertoriums zum Gedächtnis der Heiligen, zu Ehren der Entschlafenen und für das geistige Wohlergehen der Lebenden herausgeschnitten wurden, werden jetzt in den heiligen Kelch getaucht, und durch diesen Akt des Eintauchens nimmt die ganze Kirche am Leibe und Blute Christi teil -- sowohl die, die noch auf Erden umherirrt und kämpft, als auch die, die bereits triumphieret im Himmel: die Mutter Gottes, die Propheten, die Apostel, die Kirchenväter, die Priester, die Einsiedler, die Märtyrer, alle Sünder, für die ein Stück aus dem Brote herausgeschnitten wurde, sowohl die, die auf Erden leben, als auch die, die schon dahingegangen sind, nehmen in diesem Augenblick am Leibe und Blute Christi teil. Und der Priester, der in diesem Augenblick als der Vertreter der ganzen Kirche vor Gottes Angesichte steht, trinkt aus dem Kelche diese Kommunion aller und betet, nachdem er die Kommunion in sich aufgenommen hat, für alle, auf daß ihre Sünden weggewaschen werden, denn um der Erlösung aller willen ward dieses Opfer von Christus dargebracht, sowohl für die, die vor Seinem Kommen gelebt haben, als auch für die, die nach seinem Erscheinen leben. Und so sündhaft sein Gebet auch sein mag, der Priester richtet es für alle zu Gott empor, selbst für die heiligsten unter den Menschen, denn Johannes Chrysostomus hat gesagt: »Die ganze Welt muß gereiniget werden.«
Die Kirche ordnet ein allgemeines Gebet für alle an, und die hohe Bedeutung eines solchen Gebets und seine strenge Notwendigkeit sind nicht von den Philosophen und nicht von Gelehrten und Weltweisen des Zeitalters, sondern von den erhabensten Menschen erkannt worden, die durch ihre hohe geistige Vollkommenheit und durch ihr himmlisches engelhaftes Leben bis zur Erkenntnis der tiefsten geistigen Geheimnisse durchdrangen und klar einsahen, daß es keine Trennung unter denen, so in Gott leben, gibt, daß ihr Verkehr infolge der momentanen Verweslichkeit unseres Leibes nicht aufhört, daß die Liebe, die hier erblühte und uns verband auf der Erde, im Himmel als in ihrer Heimat noch viel mächtiger wird, und daß ein Bruder, der uns verlassen hat, uns durch die Macht der Liebe noch weit näher gerückt wird. Und alles, was aus Christus hervorgeht, ist ewig, wie die Quelle selbst ewig ist, aus der es entspringt. Sie haben ja auch durch ihre höheren Sinnesorgane erfahren, daß sogar die triumphierende Kirche im Himmel beten muß, und daß sie in der Tat für ihre auf Erden herumirrenden Brüder betet; sie haben auch erkannt, daß Gott uns im Gebet die höchste Seligkeit beschieden hat, denn Gott tut nichts und erweist niemand eine Wohltat, ohne Sein Geschöpf an Seinem Werke mitwirken zu lassen, auf daß es die hohe Wonne des Wohltuns mitgenieße; der Engel, der der Überbringer Seines Befehls ist, versinkt förmlich in Seligkeit, bloß weil er Seine Befehle überbringen darf. Der Heilige betet im Himmel für seine Mitbrüder, die hier auf Erden weilen, und versinkt in lauter Seligkeit, weil er beten darf. Und alles nimmt mit Gott an allen Seinen höchsten Wonnen und an Seiner Seligkeit teil: Millionen der vollkommensten Geschöpfe gehen aus Gottes Hand hervor, um an der höchsten und erhabensten Seligkeit teilzunehmen, und dies nimmt kein Ende, wie Gottes Seligkeit kein Ende nimmt.
Nachdem der Priester die Kommunion aller mit Gott aus dem Kelche getrunken hat, verteilt er die Weihbrote, denen die Stücke entnommen und aus denen sie herausgeschnitten wurden, an das Volk und übt damit den alten hohen Brauch des Liebesmahls aus, der bei den ersten Christen herrschte. Obwohl heute zu diesem Zweck kein Tisch mehr gedeckt wird, weil die ungebildeten und noch rohen Christen durch törichte Kundgebungen einer ungestümen Freude und durch Worte des Streits statt durch Worte der Liebe die Heiligkeit dieses rührenden himmlischen Mahles im Hause Gottes entweiht hatten, eines Mahles, bei dem alle Teilnehmer Heilige waren, bei dem alle Teile in eins zusammenflossen und währenddessen sie miteinander sprachen und sich unterhielten wie reine, unschuldige Kindlein, als wenn sie bei Gott im Himmel weilten; obwohl die Kirchen selbst einsahen, daß es unbedingt notwendig sei, diesen Brauch aufzuheben und selbst die Erinnerung an dieses Festmahl in vielen Kirchen zu tilgen, konnte die morgenländische Kirche sich nichtsdestoweniger nicht entschließen, diese Sitte gänzlich abzuschaffen, und so feiert sie auch heute noch in der Verteilung des heiligen Brotes an das gesamte in der Kirche versammelte Volk das alte Liebesmahl. Daher nimmt ein jeder, der das Weihbrot empfängt, dieses statt des Brotes entgegen, das von jenem Mahle herstammt, bei dem der Herr der Welt selbst Sich mit Seinen Jüngern unterredet hat, daher muß er es voller Ehrfurcht genießen und sich vorstellen, er sei von allen Menschen wie von lieben Brüdern umgeben, daher genießt er es denn auch, wie das in der Urkirche Sitte war, vor jeder anderen Speise, nimmt es mit sich nach Hause, oder er bringt es den Kranken, den Armen und solchen, die an jenem Tage aus irgendeinem Grunde nicht in der Kirche sein konnten.
Nachdem der Priester die heiligen Brote verteilt hat, schließt er die Liturgie mit einem Gebet und segnet sodann das ganze Volk mit den Worten: »Christus, unser wahrhaftiger Gott, erbarme Sich unser auf die Fürbitte Seiner reinen Mutter, auf Fürbitte unseres Erzbischofs Johannes Chrysostomus (wenn an diesem ebenso wie am vergangenen Tage die Liturgie des Chrysostomus stattfindet), auf Fürbitte des Heiligen (hier nennt er den Heiligen, dem dieser Tag geweiht ist) sowie aller Heiligen; und errette uns, denn Er ist gütig und menschenfreundlich.« Die Gemeinde bekreuzigt sich, fällt auf die Knie und geht auseinander, während der Chor einen lauten Gesang anstimmt und Gebete für das Leben des Kaisers emporrichtet.
Nunmehr legt der Priester im Inneren des Altarraumes seine Gewänder ab, indem er spricht: »Nun entläßt Du Deinen Knecht!« und er begleitet diese Handlung mit Lobgesängen und Hymnen zu Ehren des Vaters und Bischofs der Kirche, dem zu Ehren die Liturgie zelebriert wurde, sowie zu Ehren der heiligen reinen Jungfrau, in der sich die Menschenwerdung Dessen vollzog, Dem die ganze Liturgie geweiht ist. Der Diakon verzehrt unterdessen alles, was noch im Kelche enthalten ist, gießt noch etwas Wein und Wasser hinein, spült die inneren Wände des Kelches ab, trinkt sodann den Inhalt des Kelches aus und trocknet ihn sorgfältig mit dem Schwamm ab, damit nichts mehr darin bleibe, dann räumt er die heiligen Gefäße zusammen, bedeckt sie mit Decken, bindet sie zusammen und spricht ebenso wie der Priester: »Nun entläßt Du Deinen Knecht!« worauf er dieselben Gesänge und Gebete wiederholt. Und beide verlassen die Kirche mit frischen, strahlenden Gesichtern, mit einem von jauchzender Freudigkeit erfüllten Geist und Worten des Dankes für den Herrn auf den Lippen.
Schluß
Die Wirkung, die die heilige Liturgie auf den Geist ausübt, ist gewaltig: sie vollzieht sich sichtbar und vor den Augen der ganzen Welt und bleibt doch verborgen. Und wenn der Kirchenbesucher nur jeder Handlung andächtig und aufmerksam und den Ermahnungen des Diakons gehorsam gefolgt ist, -- so wird seine Seele von einer gehobenen Stimmung ergriffen, Christi Gebote werden für ihn erfüllbar, das Joch Christi wird sanft, und Seine Last wird leicht. Wenn er dann den Tempel verlassen hat, woselbst er an dem göttlichen Liebesmahl teilgenommen hat, sieht er alle Menschen als seine Brüder an. Was er auch tut, ob er wieder an seine gewohnten Geschäfte geht, sich seinem Dienst oder seiner Familie widmet, wo und in welchem -- -- -- es auch sei, stets schwebt ihm ganz unwillkürlich das hohe Ziel eines liebevollen Verhaltens gegen seine Mitmenschen vor der Seele, wie es uns der Gottmensch vom Himmel mitgebracht hat; ohne daß er es selbst merkt, wird er freundlicher und gütiger gegen seine Untergebenen. Wenn er selbst einen Vorgesetzten über sich hat, so ordnet er sich ihm liebevoller unter, als wäre es der Heiland selbst, dem er gehorcht. Wenn er einen Menschen sieht, der um Hilfe bittet, ist sein Herz mehr denn sonst zur Hilfe geneigt, er findet mehr [Freude] daran und schenkt dem Armen aus liebendem Herzen ein Almosen. Ist er dagegen selbst arm, so nimmt er jede kleine Gabe voller Dankbarkeit entgegen; sein Herz ist von Rührung ergriffen und will vor Dank vergehen, und niemals betet er so dankerfüllt für seinen Wohltäter. Und alle, die der göttlichen Liturgie aufmerksam gefolgt sind, verlassen die Kirche sanftmütiger, sind gütiger im Umgang mit dem Menschen und freundlicher und milder in allem, was sie tun.
Daher muß ein jeder, der innerlich fortschreiten und besser werden will, die göttliche Liturgie, so oft als nur möglich, besuchen und ihr aufmerksam folgen: sie stimmt den Menschen ganz unmerklich und richtet seine Seele empor. Und wenn sich unsere Gesellschaft noch nicht vollständig aufgelöst hat, wenn die Menschen noch nicht von einem tiefen unversöhnlichen Haß widereinander erfüllt sind, so liegt der letzte tiefste Grund in der göttlichen Liturgie, die den Menschen an das heilige himmlische Gebot der Liebe zu seinen Brüdern mahnt. Wer sich daher in der Liebe stärken will, der sollte dem heiligen Liebesmahl so oft als möglich, voller Furcht, voller Glauben und Liebe beiwohnen. Und wenn er das Gefühl hat, daß er dessen noch nicht würdig ist, mit seinem Munde den Gott in sich aufzunehmen, Der selbst ganz Liebe ist, so soll er wenigstens der Liturgie als Zuschauer beiwohnen, er mag zusehen, wie die anderen das heilige Abendmahl nehmen, um unmerklich und unwillkürlich mit jeder Woche besser und vollkommener zu werden.
Gewaltig und unermeßlich könnte die Wirkung der heiligen Liturgie sein, wenn der Mensch ihr beiwohnte, um das, was er gehört hat, in sein Leben aufzunehmen.
Indem alle in gleicher Weise aus der Liturgie Belehrung schöpfen und indem sie auf alle Glieder der Gesellschaft vom Zaren herab bis zum letzten Bettler gleichermaßen wirkt, spricht sie zu allen in gleicher Weise, wenngleich nicht in derselben Sprache, und unterweist alle in der Liebe, die da ist das Band der Gesellschaft, die innerste Triebfeder alles dessen, das sich harmonisch bewegt, und die Nahrung und das Leben von allem.
Wenn aber die heilige Liturgie schon, während sie zelebriert wird, so stark auf die Anwesenden wirkt, so ist ihre Wirkung auf den Zelebranten oder den Priester noch weit tiefer. Wenn er sie andächtig und mit Ehrfurcht, Glauben und Liebe zelebriert, so reinigt sich sein ganzes Wesen, gleich einem Gefäß, das später zu nichts mehr ...; und mag er nun den ganzen Tag erregt in der Erfüllung seiner zahlreichen seelsorgerischen Pflichten, inmitten seiner Familie, seiner Hausgenossen oder seiner Pfarrkinder zubringen, der Heiland selbst wird sich in ihm verkörpern. Christus wird in allen seinen Handlungen lebendig sein, und der Heiland wird durch seinen Mund zu uns sprechen. Ob er die Streitenden zu versöhnen oder den Starken oder den Zornigen zu bewegen sucht, Gnade gegenüber dem Schwachen zu üben; ob er den Trauernden tröstet und den Bedrückten zur Geduld ermahnt oder ... seine Worte werden von der heilenden Kraft des Balsams erfüllt sein und überall und allerorten zu Worten des Friedens und der Liebe werden.
Jugendschriften
1834
Großer, feierlicher Augenblick! Gott, wie rauschen, wie drängen sich in ihm die Wogen der mannigfaltigsten Gefühle zusammen! Nein, das ist kein Traum. Das ist die verhängnisvolle unvermeidliche Grenzscheide zwischen Erinnerung und Hoffnung ... Es gibt schon kein Erinnern mehr, schon schwindet es dahin, schon wird es von der Hoffnung zurückgedrängt. Zu meinen Füßen braust meine Vergangenheit; über mir, durch Nebelschleier hindurch, schimmert geheimnisvoll die Zukunft. Ich flehe dich an, Leben meiner Seele (mein Schutzgeist, mein Engel), mein Genius! Verbirg dich nicht vor mir! Wache in diesem Augenblick über mir und weiche dieses ganze Jahr, das für mich so vielversprechend beginnt, nicht von meiner Seite. Wie wirst du aussehen, du, meine Zukunft? Liegst du glanzvoll, groß vor mir, gärt es in dir von gewaltigen Taten, oder ... O mögest du ruhmvoll, tatenreich und ganz der Arbeit und der Ruhe gewidmet sein! Warum stehst du so geheimnisvoll vor mir, du [Jahr] 1834? Sei auch du mein Schutzengel. Sollten sich Trägheit und Gefühllosigkeit auch nur einen Augenblick erdreisten, sich mir zu nahen, -- oh, dann wecke mich aus dem Schlummer, gib es nicht zu, daß sie Macht über mich gewinnen! Laß deine so vielsagenden Zahlen wie eine nimmer ruhende Uhr, wie mein Gewissen vor mir stehen: laß jede deiner Ziffern lauter denn eine Sturmglocke an mein Ohr tönen, laß sie gleich einem galvanischen Stab meinen ganzen Körper in Zuckungen versetzen und erschüttern.
Geheimnisvolles, unbegreifliches Jahr 1834! Wo werde ich dich durch große Werke kennzeichnen? Inmitten dieses Haufens aufeinandergetürmter Häuser, dieser lärmenden Straßen, dieser siedenden Geschäftigkeit -- dieser Menge, dieses Durcheinanders aller möglichen Moden, Paraden, Beamten, dieser seltsamen nordischen Nächte, dieses Glanzes und dieser gemeinen Farblosigkeit? In meinem herrlichen, alten, gelobten, mit fruchtreichen Gärten geschmückten Kiew, das mein prachtvoller, wundersamer, südlicher Himmel überwölbt und das wonneatmende Nächte einhüllen, wo die Berge mit ihren schönen -- man möchte sagen harmonischen -- Hängen, und wo mein klarer, wild dahinstürmender Dnjepr, der es umspült, im Schmuck grünen Buschwerks prangt? -- Wird es dort sein? ... Oh! Ich weiß nicht, wie ich dich nennen soll, mein Genius! Du, der du schon seit meiner Wiege im Vorüberfliegen mein Ohr mit deinen harmonischen Liedern trafst, der du solch herrliche, mir bis heute noch unbegreifliche Gedanken in mir erwecktest und solch unendliche wonnevolle Träume in mir nährtest! Oh, blicke mich an! Herrlicher, blicke herab auf mich mit deinen himmlischen Augen! Ich knie vor dir. Ich liege zu deinen Füßen! Oh, verlasse mich nicht! Verweile bei mir auf der Erde, wenn auch nur zwei Stunden an jedem Tage, als mein herrlicher Bruder! Ich will es vollbringen. Ja, ich werde es vollbringen. In mir kocht es und siedet's vor Lebenskraft. Meine Werke werden von Begeisterung erfüllt sein. Die erhabene Gottheit, die über dieser Erde thront, wird über ihnen schweben. Ich werde es vollbringen ... Oh, küsse und segne mich!
Über eine Geschichte der kleinrussischen Kosaken
Es gibt bisher noch keine vollständige und befriedigende Darstellung der Geschichte Kleinrußlands und des kleinrussischen Volkes. Die zahlreichen kompilatorischen Darstellungen, die meist ohne strenge kritische Gesichtspunkte plan- und ziellos aus verschiedenen Chroniken zusammengetragen, dazu noch meist ganz unvollständig sind und durch die bisher diesem Volke sein Platz in der Weltgeschichte noch nicht angewiesen ward, diese Darstellungen nenne ich (trotzdem sie als Material ganz wertvoll sein können) noch keine Geschichte. Ich habe mich entschlossen, diese Arbeit auf mich zu nehmen und möglichst ausführlich darzustellen, wie dieser Teil Rußlands sich loslöste (und selbständig wurde), was für eine politische Verfassung er unter der fremden Herrschaft erhielt, wie sich hier eine kriegerische Bevölkerung heranbildete, die sich durch eine große Originalität des Charakters und durch ihre Taten auszeichnete; wie sich dieses Volk drei Jahrhunderte lang mit der Waffe in der Hand seine Rechte erobern mußte und hartnäckig seine Religion verteidigte, und wie es sich schließlich für immer an Rußland anschloß; wie es seinen kriegerischen Charakter verlor und sich in ein Volk von Ackerbauern verwandelte; wie sich das ganze Land allmählich statt der alten neue Rechte eroberte und endlich mit Rußland völlig zu einem Ganzen verschmolz. Ungefähr fünf Jahre lang habe ich mit großem Eifer Materialien gesammelt, die sich auf die Geschichte dieses Landes beziehen. Die Hälfte meiner Geschichte ist bereits so gut wie fertig, aber ich zögere noch, die ersten Bände herauszugeben, da ich vermute, daß es noch viele Quellen gibt, die mir vielleicht noch nicht bekannt sind, und die sich ohne Zweifel in den Händen von Privatpersonen befinden. Daher wende ich mich an alle die, die irgendwelche Materialien: Chroniken, Memoiren, Lieder, Erzählungen von Bandurenspielern, Aktenstücke (besonders auch solche, die sich auf die ersten Epochen der kleinrussischen Geschichte beziehen), besitzen (es ist unmöglich, daß meine gebildeten und aufgeklärten Landsleute mir diese Bitte abschlagen könnten). Ich bitte sie inniglich, mir diese Materialien zuzuschicken: wenn nicht die Originale, so doch wenigstens Kopien.
Zwei Kapitel aus der kleinrussischen Erzählung Der schreckliche Eber
I. Der Lehrer
Die Ankunft einer neuen Person in dem gesegneten Lande Goltwjan machte mehr Aufsehen als das Gerücht, das vor zwei Jahren durch das Land ging, die Zahl der Rekruten solle vermehrt werden, oder als die plötzliche Erhöhung der Preise auf das Salz, das von den Steppenbewohnern der Ukraine aus der Krim eingeführt wurde. In den Schenken, auf den Straßen, in der Mühle, in der Branntweinbrennerei sprach man von nichts anderem als von dem neu hierher versetzten Lehrer. Die schlauen Politiker in ihren großen Kitteln und Kapuzen suchten, während sie mit höchst phlegmatischen Mienen dichte Rauchwolken unter ihrer Nase emporsteigen ließen, den Einfluß der Persönlichkeit festzustellen, der das Schicksal scheinbar schon bei der Geburt einen so hohen Platz über den Köpfen aller Bewohner der Welt angewiesen hatte, einer Person, die in den herrschaftlichen Gemächern wohnte und an einem Tisch mit der Besitzerin eines Gutes von fünfzig Seelen speiste. Man sprach davon, daß das Lehramt nicht seine ganze Befugnis ausmache, und daß sich sein Einfluß ohne allen Zweifel auch auf die wirtschaftliche Ordnung erstrecken werde; jedenfalls werde die Bemessung der Vorspanndienste, die Verteilung von Mehl, Speck usw. von keinem anderen abhängen als von ihm. Einzelne ließen mit bedeutsamer Miene durchblicken, daß nunmehr womöglich selbst der Verwalter zu einer bloßen Null herabsinken werde. Nur der _Miroschnik_, d. h. der Müller Ssolopi Tschubko, wagte die Behauptung aufzustellen, daß die Dorfältesten nichts von ihm zu befürchten hätten, er sei bereit, eine Wette einzugehen, und setze eine neue Mütze aus grauem reschetilowschem Lammfell zum Pfande --, daß der Lehrer keine Ahnung davon habe, wie man ein Fünfgespann zum Stehen und das stockende Mühlrad wieder in Schwung bringen müsse. Aber seine wichtige Haltung, sein glänzender Triumph über den Kirchensänger und die donnerähnliche Baßstimme, die alle Pfarrkinder in Rührung versetzt hatte, waren noch im Gedächtnis aller lebendig, und so blieb denn die vorteilhafte Meinung, die man von dem neuen Lehrer hatte, bestehen. Und wenn auch zu Ehren des Gastes kein einziges Turnier zwischen den angesehensten Bewohnern des Dorfes stattfand, so ließen sich dafür ihre liebenswürdigen Gattinnen nicht lumpen: begabt mit jener kräftigen Zunge, die so laute und durchdringende Töne hervorzubringen vermag und die sich bei den Weibern nach dem unerforschlichen Ratschluß der Vorsehung beinahe viermal so schnell bewegt wie bei den Männern, ließen sie ihr bei der Widerlegung der Angriffe und bei der Verteidigung der Vorzüge des Lehrers gewandt und behende freien Lauf.
Lautes Geschrei und Geplapper, unterbrochen von plötzlichen Aufschreien und Gezänk, erfüllte die friedlichen Winkelgassen des Dorfes Mandrykow. Und da seine ehrenhaften Bewohnerinnen die löbliche Gewohnheit hatten, ihrer Zunge auch noch mit den Händen nachzuhelfen, konnte man in den Straßen fortwährend ein Paar kräftig ineinander verkrallter Gevatterinnen antreffen, die so eng aneinanderhingen, wie ein Schmeichler an einem Günstling des Glücks hängt oder wie ein Geizhals seine Tasche festhält, wenn die Straßen öde werden und eine einsame Laterne ihr erlöschendes Licht auf die gelben Mauern der schlafenden Stadt wirft. Am meisten hatten jedoch die Männer zu leiden, die es versuchten, sie zu trennen: Schnitzel und Scherben hagelten ihnen auf den Kopf herab, und häufig verprügelte eine erregte Gevatterin in der Hitze ihres Zornes statt eines fremden ihren eigenen Gatten.
Inzwischen hatte sich unser Pädagoge völlig im Hause Anna Iwanownas eingelebt. Er gehörte zu der Zahl jener Seminaristen, die einen _Schreck vor der abgründigen Weisheit_ bekommen hatten, mit der das ***sche Seminar die nicht allzu wohlhabenden Herren von Kleinrußland gegen etwa hundert Rubel jährlich für ihren Beruf als Hauslehrer ausstattet. -- Übrigens war Iwan Ossipowitsch sogar bis zur Theologie vorgedrungen, und er wäre wohl gar weiß Gott wie weit, ja wahrscheinlich sogar noch weiter gekommen, wenn seine lockeren Kameraden nicht gewesen wären, die sich beständig über seinen Schnurrbart und seinen stacheligen Backenbart lustig machten. Als von Jahr zu Jahr ein Teil die Schule verließ und immer jüngere und jüngere an ihre Stelle traten, ließen sie ihm überhaupt keine Ruhe mehr: bald warfen sie ihm klebrige Disteln in seinen Bart und Schnurrbart, bald hängten sie ihm hinten am Rock Schellen an, bald puderten sie ihm das Haar mit Sand oder schütteten ihm Nieswurz in die Tabaksdose, bis Iwan Ossipowitsch es überdrüssig wurde, der stumme Zeuge dieses ewigen Wechsels leichtsinniger Generationen und ihr Kinderspielzeug zu sein, bis er sich genötigt sah, dem Seminar Lebewohl zu sagen und sich in die »_Vakanz_« schicken zu lassen, d. h. nach dem Sprachgebrauch der kleinrussischen Seminare: Hauslehrer zu werden.