Sämmtliche Werke 2: Die Abenteuer Tschitschikows oder Die toten Seelen II

Part 26

Chapter 262,563 wordsPublic domain

Er blieb stehen und erzitterte plötzlich am ganzen Leibe. Sein Blick begegnete einem Augenpaar, das starr auf ihn gerichtet war. Es war jenes ungewöhnliche Porträt, das er einst in der Schtschukin-Passage gekauft hatte. Die ganze Zeit hindurch hatte es hinten gestanden, von anderen Bildern verdeckt, und so war es ihm völlig aus dem Gedächtnis entschwunden. Jetzt aber, wo alle modernen Porträts und Gemälde, die sein Atelier anfüllten, entfernt waren, blickte es plötzlich zusammen mit den früheren Werken seiner Jugend hervor. Als er sich nun an die sonderbare Geschichte dieses Porträts erinnerte, als er daran dachte, daß dieses merkwürdige Bildnis gewissermaßen die Ursache seiner Wandlung geworden war, daß die große Geldsumme, die ihm auf so wunderbare Weise zuteil geworden, alle die falschen und eitlen Regungen, die sein Talent zugrunde richten sollten, in ihm erwecket hatte, da wurde seine Seele von einem fast sinnlosen Grimm erfaßt, und er ließ das verhaßte Bildnis sofort hinaustragen. Aber die seelische Erregung wollte ihn trotzdem nicht verlassen. All seine Gefühle, ja sein ganzes Wesen waren bis aufs Tiefste aufgerührt, jetzt lernte auch er jene entsetzliche Qual kennen, die nur ganz selten und wie ausnahmsweise in der Natur vorkommt, wenn ein schwaches Talent sich mehr abzuringen versucht, als es zu leisten vermag, und doch den rechten Ausdruck nicht finden kann; jene Qual, die zwar einen Jüngling zu großen Taten spornt, aber den, der schon zu alt ist, um zu träumen, vergebens und fruchtlos mit einem heißen Schaffensdurste peinigt -- jene entsetzliche Qual, die einen Menschen zu grauenhaften Untaten anstiften kann! Ein entsetzlicher, rasender Neid bemächtigte sich seiner. Er wurde gelb vor Ärger, wenn er einem Werke gegenüberstand, das den Stempel des Talentes trug. Er knirschte mit den Zähnen und durchbohrte es mit seinem Blick gleich einem Basilisk. In seiner Seele regten sich höllische Vorsätze, wie sie so leicht kein Mensch ersinnt, und mit einer schier rasenden Energie war er bemüht, sie zur Ausführung zu bringen. Er fing an, alles Beste anzukaufen, was in seiner Kunst produziert wurde. Nachdem er um teures Geld ein Bild erstanden hatte, trug er es behutsam in sein Zimmer, stürzte sich mit der Wut eines Tigers darauf, riß es entzwei, schnitt es in Stücke und zerstampfte es mit frohlockendem Lachen. Das bedeutende Vermögen, das er angehäuft hatte, ermöglichte es ihm, dieses teuflische Bedürfnis zu befriedigen: er riß all seine mit Gold gefüllten Säcke auf und öffnete all seine Truhen. Nie hat es ein so verständnisloses Scheusal gegeben, das so viele herrliche Kunstwerke vernichtet hätte, wie dieser rasende Racheteufel. Auf allen Auktionen, wo er sich zeigte, verzweifelte jeder im voraus daran, sich ein Kunstwerk erwerben zu können, es schien, als hätte der erzürnte Himmel diese entsetzliche Geißel absichtlich in die Welt gesandt, um sie aller Harmonie zu berauben. Diese grauenhafte Leidenschaft ließ ihn in einem schrecklichen Lichte erscheinen. Von ewiger Bosheit sprach sein Angesicht. Ein wütender Welt- und Menschenhaß und eine furchtbare Lebensfeindschaft spiegelten sich in seinen Zügen wieder. Er schien jener leibhaftige furchtbare Dämon zu sein, den uns Puschkin so wunderbar geschildert hat. Nichts als giftgeschwollene Reden und heftige Worte des Tadels entquollen seinem Munde. Er glich einer Harpye, wenn er auf der Straße dahergestürmt kam; alle, selbst seine guten Bekannten, bemühten sich, ihm auszuweichen, wenn sie seiner von ferne ansichtig wurden, und suchten eine solche Begegnung zu vermeiden, ja sie erklärten, ein solches Zusammentreffen genüge schon, um ihnen den ganzen Tag zu vergiften.

Zum Glück für die Welt und die Kunst konnte ein solch aufgeregtes und gewalttätiges Leben nicht lange dauern. Die Dimensionen, zu denen seine Leidenschaft anwuchs, waren zu kolossal und übertrieben, als daß ein schwacher Mensch sie auf die Dauer aushalten konnte. Die Wut- und Wahnsinnsanfälle wiederholten sich immer häufiger und gingen schließlich in eine entsetzliche Krankheit über, -- ein furchtbares, von einem heftigen, schnell um sich greifenden Schwindsuchtsanfall begleitetes Fieber ergriff ihn und binnen drei Tagen war nur noch ein Schatten von ihm zurückgeblieben. Dazu kamen noch alle Merkmale eines unheilbaren Irrsinns. Er wütete so um sich, daß ihn oft mehrere Menschen nicht bändigen konnten. Immer wieder tauchten die längst vergessenen lebendigen Augen eines seltsamen Porträts vor ihm auf; und dann verfiel er in ein fürchterliches Toben. Alle Menschen, die sein Bett umstanden, schienen ihm diesen grauenhaften Porträts zu gleichen, und diese Porträts verdoppelten, verdreifachten, vervierfachten sich vor seinen Augen; es kam ihm vor, als wenn alle Wände mit Bildern bedeckt wären, die ihre lebendigen Augen starr und unbeweglich auf ihn gerichtet hielten; schreckliche Porträts blickten von der Decke, vom Boden nach ihm hin, das Zimmer weitete sich aus und dehnte sich bis ins Unendliche, um immer noch mehr von diesen starren und unbeweglichen Augen fassen zu können. Der Arzt, der sich verpflichtet hatte, ihn zu behandeln, und der schon manches über seine seltsame Geschichte gehört hatte, bemühte sich aus aller Kraft, die geheimnisvolle Beziehung zwischen den Wahnvorstellungen, die der Irrsinn erzeugte, und den realen Vorgängen zu ermitteln, er hatte jedoch keinen Erfolg damit. Der Kranke begriff und fühlte nichts als seine Qual, stieß nur entsetzliche Schreie aus und führte ganz unzusammenhängende Reden. Endlich gab er in einem letzten stummen Ausbruch des Schmerzes sein Leben auf. Seine Leiche war schrecklich anzusehen. Von seinen ungeheuren Reichtümern war nichts mehr zu entdecken; als man jedoch die zerstreuten Fetzen und Stücke der großen Kunstwerke fand, deren Wert viele Millionen betrug, da erst verstand man, welch entsetzlichen Gebrauch er von ihnen gemacht hatte.

Zweiter Teil

Eine Menge von Equipagen, Droschken und Kaleschen stand vor dem Portal eines Hauses, in dem der Nachlaß eines jener reichen Kunstliebhaber versteigert wurde, die einstmals in den Anblick von Zephyren und Kupidos versenkt, ihr ganzes Leben sanft verträumten, ohne eigenes Zutun sich den Ruf von Mäzenen erwarben und treuherzig ihre Millionen verschwendeten, die sie von ihren soliden Vätern geerbt oder sogar früher einmal durch ihre eigene Arbeit erworben hatten. Solche Mäzene gibt es bekanntlich heute nicht mehr, unser neunzehntes Jahrhundert hat schon längst die langweilige Physiognomie eines Bankiers angenommen, der seine Millionen nur in der Gestalt von nüchternen auf dem Papier verzeichneten Zahlenreihen genießt. Eine bunte Menge von Besuchern und Käufern, die von allen Seiten wie die Raubvögel herbeigestürzt waren, erfüllte den großen Saal. Da sah man ganze Scharen von russischen Händlern aus der Passage und sogar von dem Trödelmarkt in blauen deutschen Röcken; ihr Aussehen und ihr Gesichtsausdruck war hier sicherer, freier und fiel nicht durch jene unangenehmere Unterwürfigkeit und Dienstbereitschaft auf, die dem russischen Händler so eigentümlich ist, wenn er die Kunden in seinem Laden bedient. Hier ließen sie sich ruhig gehen, trotzdem sich in demselben Saale viele Aristokraten befanden, vor denen sie an einem andern Orte durch tiefe Bücklinge und Kratzfüße den an den eigenen Stiefeln herbeigetragenen Staub weggefegt hätten. Hier benahmen sie sich ganz ungezwungen, betasteten ohne viel Umstände zu machen, die Bilder und Bücher, um die Güte der Waren festzustellen, und schraubten dreist die Preise, die die gräflichen Kunstkenner für ein Werk boten, in die Höhe. Hier traf man so manchen Repräsentanten jener Menschenklasse, die man auf allen Auktionen findet, und die täglich zu einer Versteigerung gehen, so wie man wohl in ein Wirtshaus geht; hier begegnete man all den vornehmen und aristokratischen Kunstfreunden, die es für ihre Pflicht hielten, keine Gelegenheit zu versäumen, bei der sie ihre Sammlungen vergrößern könnten, und die zwischen 12 und 1 Uhr nichts Besseres zu tun hatten, und endlich fehlte es auch nicht an jenen ehrenwerten Herren, deren Anzüge und Börsen einen recht dürftigen Eindruck machen und die hier täglich ohne jedes eigennützige Ziel erscheinen, einzig und allein zu dem Zwecke, um zu beobachten, wie ein Kauf zustande kommt, -- wer mehr, und wer weniger geben, wer den andern überbieten, und wem endlich der Gegenstand zugesprochen werden wird. Viele Bilder standen ganz regellos durcheinander, dazwischen sah man Möbel und Bücher mit den Initialen des früheren Besitzers, der vielleicht niemals das löbliche Bedürfnis gespürt hatte, in sie hineinzublicken. Da gab es chinesische Vasen, marmorne Tischplatten, neue und alte Möbel mit verschnörkelten Linien, Greifen, Sphinxen und Löwentatzen, Lampen und Kronleuchter _mit_ und _ohne_ Vergoldung: alles war aufeinandergestapelt, und es herrschte hier nicht einmal so viel Ordnung, wie man sie selbst in einem Kunstladen vorzufinden pflegt. Das Ganze stellte sozusagen ein großes Chaos von Kunstwerken dar. Überhaupt ist ja das Gefühl, das wir angesichts einer Versteigerung empfinden, sehr seltsam. Alles mutet einen an wie ein Begräbnis. Der Saal, in dem sie stattfindet, ist stets düster, die mit Möbeln und Bildern verstellten Fenster lassen das Licht nur spärlich hineindringen, das auf den Gesichtern liegende Schweigen und die Grabesstimme des Ausrufers, der mit dem Hammer aufschlägt und zu Ehren der armen, hier auf so sonderbare Weise zusammengeratenen Künste eine Messe liest: alle diese Momente verstecken, wie es scheint, noch das eigentümlich Frostige des Eindrucks. Die Auktion war offenbar im vollen Gange. Ein großer Haufe anständig gekleideter, dicht zusammenstehender Menschen ließ deutliche Spuren seines Interesses und seiner Erregung erkennen. Die Worte »... Rubel! ... Rubel!« die von allen Seiten ertönten, ließen dem Ausrufer keine Zeit, den immer noch wachsenden Preis, der bereits das Vierfache des zu Anfang genannten betrug, zu wiederholen; die herumstehende Menge bemühte sich um ein Porträt, das jeden, der auch nur ein wenig von der Malerei verstand, aufs lebhafteste fesseln mußte. Es trug den sichtbaren Stempel eines Genies. Anscheinend war es schon des öfteren restauriert und erneuert worden, es stellte die dunklen Züge eines mit einem weiten Gewande bekleideten Asiaten dar, dessen Gesicht einen ganz ungewöhnlich eigenartigen Ausdruck hatte. Was jedoch die Umstehenden am meisten in Staunen setzte, das war das intensive Leben, das aus seinen Augen strahlte; je länger man sie betrachtete, um so tiefer schienen sie einem bis ins innerste Innere zu blicken. Diese Eigentümlichkeit, die auffallende Kunstfertigkeit des Malers nahmen die Aufmerksamkeit fast aller in Anspruch. Viele der Bewerber waren bereits zurückgetreten, weil der Preis ganz enorm in die Höhe geschraubt wurde. Lediglich zwei als Kunstliebhaber bekannte Aristokraten waren noch übriggeblieben und wollten durchaus nicht auf die Erwerbung des Gemäldes verzichten. Sie erhitzten sich und hätten wahrscheinlich den Preis bis zum Absurden emporgetrieben, wenn nicht plötzlich einer der Anwesenden sich mit der folgenden Bemerkung an sie gewandt hätte: »Darf ich Sie bitten, Ihren Streit einen Augenblick ruhen zu lassen? Ich habe vielleicht mehr Anrecht auf dieses Porträt als jeder andere!«

Diese Worte lenkten sofort die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf den Sprecher; es war ein schlanker Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, mit langen schwarzen Locken. Sein sympathisches Gesicht, das eine gewisse freundliche Sorglosigkeit wiederspiegelte, ließ eine Seele erkennen, die sich von allen aufreibenden Erregungen, die der gesellschaftliche Verkehr mit sich bringt, fernhielt. Seine Kleidung entbehrte aller modischen Übertriebenheiten, jeder seiner Züge deutete auf seinen Künstlerberuf hin. Und in der Tat, es war ein Maler namens B., den viele der Anwesenden persönlich kannten.

»Wie seltsam Ihnen auch meine Worte erscheinen mögen,« fuhr er fort, als er die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gerichtet sah, »Sie würden doch vielleicht selbst einsehen, daß ich berechtigt war, sie zu äußern, wenn Sie sich dazu entschließen könnten, eine kleine Geschichte mit anzuhören. Alles bestärkt mich in der Überzeugung, daß gerade dies das Porträt ist, das ich suche.«

Eine nur allzu natürliche Neugierde sprach aus allen Gesichtern, und selbst der Ausrufer hielt mit offenem Munde und mit erhobenem Hammer, neugierig und gespannt in seinem Geschäfte inne. Zu Beginn der Erzählung wandten sich die Blicke vieler unwillkürlich dem Porträt zu, um sich nach und nach immer mehr auf den Erzähler zu heften, dessen Bericht immer interessanter und spannender wurde.

»Jedem von Ihnen ist doch wohl jener Stadtteil bekannt, den man Kolomna nennt,« begann er. »Hier ist alles anders als in den andern Teilen Petersburgs. Dies Quartal erinnert weder an die Hauptstadt, noch an die Provinz. Wenn man in dies Kolomnaviertel gerät, ist einem fast zumute, als ob einen nach und nach alle jugendlichen Gefühle und Leidenschaften verlassen. Hier hinein fällt kein Zukunftsblick, hier ist alles ruhig und starr und unbeweglich. Hierher flüchtet sich alles, was sich als Niederschlag des Hauptstadtbetriebes absetzt. Hier schlagen inaktive Beamte, Witwen und Personen in bescheidenen Verhältnissen ihr Ruheplätzchen auf, die auf eine Entscheidung des Senats harren und sich daher selbst zu einem fast lebenslänglichen Aufenthalt in diesem Quartier verurteilt haben; hier wohnen verabschiedete Köchinnen, die sich den ganzen Tag hindurch auf den Märkten herumtreiben, stundenlang in dem Kramladen stehen, mit dem Verkäufer schwatzen und sich jeden Tag für fünf Kopeken Kaffee und für vier Kopeken Zucker kaufen, und endlich findet sich hier noch jene Sorte von Leuten, die man am besten mit dem einen Worte »die Aschgrauen« bezeichnen könnte, Menschen, deren Anzug und deren Gesicht, Haare und Augen eine trübe, aschgraue Farbe haben, wie ein Tag, an dem es nicht stürmt und wo die Sonne nicht scheint, sondern wo weder das eine noch das andre stattfindet: ein grauer Nebel hüllt alles ein und nimmt allen Gegenständen ihre scharfen Konturen. Zu ihnen kann man alle abgedankten Logenschließer, Titularräte und Marsjünger mit einem ausgestochenen Auge und dicken aufgedunsenen Lippen rechnen. Lauter Menschen ohne Temperament und ohne jede Leidenschaft, sie gehen stumpfsinnig einher ohne dem, was um sie her passiert, die geringste Aufmerksamkeit zu schenken und schweigen tagelang, ohne an etwas zu denken. In ihren Zimmern sieht es öde und leer aus; oft besteht ihr Mobiliar einzig und allein aus einer Karaffe mit echter russischer Wodka, an der sie den ganzen Tag unaufhörlich nippen, ohne daß sie ihnen ernstlich zu Kopfe steigt, was einem gewöhnlich nur nach einem kräftigen Schluck zustößt, wie ihn sich wohl Sonntags ein junger deutscher Handwerksbursche -- dieser Student der Meschtschanskistraße[14] und alleinige Beherrscher des Bürgersteigs zu gestatten pflegt, -- allerdings erst -- wenn Mitternacht vorüber ist.

In Kolomna geht es äußerst still zu; nur selten zeigt sich ein Wagen, in dem Schauspieler sitzen, und der dann durch sein donnerndes Gerassel allein die allgemeine Ruhe stört. Hier gibt es nur Fußgänger, so mancher Droschkenkutscher kommt hier oft langsam und ohne Fahrgast dahergefahren oder schleppt etwas Heu für seine struppige Mähre herbei. Eine Wohnung kann man hier schon für fünf Rubel monatlich haben, den Morgenkaffee miteingeschlossen. Witwen, die eine kleine Pension beziehen, gehören hier schon zu den vornehmsten Leuten; das sind Damen von gutem Benehmen, die ihre Zimmer oft fegen und sich mit ihren Nachbarinnen über die teuren Preise des Fleisches und des Kohles unterhalten. Sie haben gewöhnlich eine junge Tochter, ein wortkarges, mitunter recht niedliches Geschöpf, dazu ein garstiges Hündchen und eine Wanduhr mit einem traurig tickenden Pendel. Weiter gibt es hier Schauspieler, denen es ihre Gage nicht gestattet, von Kolomna wegzugehen, ein freies Völkchen, das wie alle Künstler nur dem Genusse lebt. Sie sitzen in ihren Schlafröcken da, und reparieren wohl eine Pistole, kleben aus Pappe allerlei Gegenstände, die man im Hause braucht, spielen mit einem Freunde oder Gast eine Partie Dame oder Karten und verbringen so den ganzen Tag, wobei man jedoch nicht etwa denken darf, daß sie am Abend etwas anderes tun, höchstens daß sie zuweilen noch einen Grog zu sich nehmen. Auf diese Magnaten und Aristokraten von Kolomna folgt schließlich nur noch das gemeinste und verkommenste Pack; es genauer zu bezeichnen, wäre ebenso schwierig, wie die Aufzählung jener zahlreichen Insekten, die in altem Essig keimen. Da gibt es alte Weiber, die beten, alte Weiber, die trinken, und solche, die zugleich beten und trinken, ferner solche, die sich auf völlig unbekannte Weise durchschlagen, und wie emsige Ameisen ganze Haufen alter Lumpen und Wäschestücke von der Kalinkin-Brücke nach dem Trödelmarkte schleppen, um sie dort für fünfzehn Kopeken zu verkaufen; mit einem Worte der elendeste Bodensatz der Menschheit, dessen Lage selbst der menschenfreundlichste Sozialpolitiker kaum zu verbessern vermöchte.

[Fußnote 14: Kleinbürgerstraße.]