Sämmtliche Werke 1: Die Abenteuer Tschitschikows oder Die toten Seelen I

Part 36

Chapter 362,760 wordsPublic domain

»Nach dem Feldzuge vom Jahre 1812, werter Herr,« hub der Postmeister an, obwohl nicht ein einzelner Herr, sondern ganze sechs im Zimmer anwesend waren, »nach dem Feldzuge von 1812 wurde zusammen mit andern Verwundeten auch ein Hauptmann namens Kopeikin ins Lazarett eingeliefert. War es bei Krasnoje oder in der Schlacht von Leipzig gewesen, genug, lieber Herr, er hatte im Kriege ein Bein und einen Arm verloren. Sie wissen doch, damals gabs noch keine von den bekannten Veranstaltungen und Einrichtungen für die Verwundeten: dieser Invalidenfonds -- das können Sie sich wohl denken -- der wurde sozusagen erst viel später gegründet. Unser Hauptmann Kopeikin sieht also, daß er arbeiten muß, aber verstehen Sie wohl, er hatte ja doch nur einen Arm, nämlich den linken. Er schrieb also nach Hause an seinen Vater, aber der Vater gab ihm zur Antwort: >Ich kann dich nicht auch noch ernähren.< Denken Sie sich! >Ich verdiene mir nur selbst mit knapper Not meinen Unterhalt.< Nun sehen Sie wohl, werter Herr, da beschloß denn mein Kopeikin nach Petersburg zu reisen und an die Gnade des Monarchen zu apellieren, ob dieser ihm nicht eine kleine Unterstützung bewilligen wolle: er habe doch gewissermaßen, sozusagen sein Leben geopfert und sein Blut vergossen ... Er fuhr also in einem Gepäckwagen oder in einem staatlichen Transportwagen nach der Hauptstadt, Verehrtester, und gelangte so mit Mühe und Not nach Petersburg. Und nun stellen Sie sich vor: da befindet sich nun dieser selbe, d. h. dieser Hauptmann Kopeikin plötzlich in der Hauptstadt, die sozusagen in der ganzen Welt nicht ihresgleichen hat! Mit einem Male ist es um ihn herum licht und hell, gewissermaßen ein weites Feld des Lebens, so eine Art märchenhafte Scheherazade, verstehen Sie mich wohl. Also denken Sie nur, plötzlich liegt vor ihm so ein Newski-Prospekt oder solch eine Erbsenstraße oder, hol's der Teufel, irgend so eine Liteinaja, _da_ ragt irgend so ein Turm in die Luft und dort _hängen_ ein paar Brücken, wissen Sie, so ohne jegliche Stützen und Pfeiler, mit einem Wort die reinste Semiramis. Verehrtester, tatsächlich! Erst trieb er sich eine Weile in den Straßen herum, um sich eine Wohnung zu mieten; aber das war ihm alles zu brenzlich: all diese Gardinen, Rouleaux und all das Teufelszeug, verstehen Sie, diese Teppiche, das reinste Persien, Verehrtester ... Mit einem Wort, beziehungsweise, man tritt das Kapital nur so mit Füßen. Man geht über die Straße, und die Nase merkt schon von ferne, daß es nach Tausenden riecht; und, Sie wissen doch, die ganze Staatsbank meines Hauptmannes Kopeikin besteht aus fünf blauen Scheinen das war alles, verstehen Sie wohl. So mietete er sich denn schließlich ein Zimmer in einem Gasthaus zur Stadt Reval für einen Rubel pro Tag. Sie wissen: ein Mittagessen aus zwei Gängen, eine Kohlsuppe und ein Stück Suppenfleisch dazu. Er sieht also: große Sprünge kann er da nicht machen. Er beschloß daher, am folgenden Tage zum Minister zu gehen, Verehrtester. Der Kaiser war nämlich damals nicht in der Hauptstadt, denn die Armee war noch nicht aus dem Kriege zurückgekehrt, das können Sie sich wohl denken. So stand er denn eines Morgens etwas früher auf, kratzte sich mit der linken Hand seinen Bart, denn sehen Sie wohl, wäre er zum Barbier gegangen, so hätte das im gewissen Sinne neue Ausgaben verursacht, zog sich seine Uniform an und begab sich auf seinem Holzfuß umherhumpelnd zum Minister. Und nun stellen Sie sich vor, er fragt erst einen Schutzmann, wo der Minister wohnt. >Dort,< antwortet dieser und zeigt auf ein Haus am Schloßquai. Eine feine Bauernhütte kann ich Ihnen sagen! Große Fensterscheiben, meterlange Spiegel, Marmor und überall Metall, denken Sie sich bloß, Verehrtester! So'ne Türklinke, wissen Sie, da muß man zuerst in einen Laden laufen, sich für einen Groschen Seife kaufen und sich sozusagen stundenlang die Hände reiben, ehe man es wagt sie anzufassen! Mit einem Wort, nichts als Ebenholz und Lack, daß einem fast die Sinne schwinden, Verehrtester! Am Eingang, verstehen Sie, da steht so ein Portier: der reinste Generalissimus: so'ne Grafenphisiognomie, mit einem Säbel in der Hand und einem Battistkragen, Teufel auch! Wie ein wohlgepflegter Mops. Mein Kopeikin schleppt sich also auf seinem Holzfuß ins Vorzimmer, setzt sich in einen Winkel, um nur nicht mit dem Arm gegen irgend so ein Amerika oder Indien, gegen so eine vergoldete Porzellanvase zu stoßen, verstehen Sie. Sehen Sie wohl, natürlich mußte er eine halbe Ewigkeit dort warten, weil er zu einer Zeit gekommen war, wo der Minister sozusagen noch kaum aus dem Bette gestiegen war und sein Kammerdiener ihm eben irgend so ein silbernes Becken reichte, verstehen Sie wohl, wo man sich drin wäscht. Mein Kopeikin wartet also vier Stunden lang, da kommt endlich der Adjutant oder ein anderer diensthabender Beamter und sagt: Der Minister wird gleich erscheinen. Im Vorzimmer aber drängen sich schon die Menschen wie die Bohnen in einer Schüssel. Lauter hohe Beamte der vierten Klasse, Oberste und hie und da sogar einer mit Markronen auf den Achselklappen, verstehen Sie wohl, mit einem Wort sozusagen die ganze Generalität. Schließlich betritt denn auch der Minister das Zimmer, Verehrtester! Sie können sich vorstellen: er geht erst zum einen und dann zum andern: Warum sind Sie gekommen? Und Sie? Was wünschen Sie? Zuletzt kommt auch mein Kopeikin an die Reihe, nimmt seinen ganzen Mut zusammen und sagt: >so und so, ich habe mein Blut vergossen und ein Bein und einen Arm verloren, sozusagen: ich kann nicht mehr arbeiten, und habe daher die Kühnheit, an die Gnade des Monarchen zu apellieren.< Der Minister sieht: der Mann hat einen Stelzfuß und der rechte Ärmel baumelt leer herunter. >Gut,< sagte er, >fragen Sie nach ein paar Tagen wieder an.< Na also Verehrtester, es vergehen keine vier oder fünf Tage, da erscheint mein Kopeikin schon wieder bei dem Minister. Dieser erkennt ihn sogleich wieder, verstehen Sie wohl. >Ah!< sagt er, >leider kann ich Ihnen diesmal keinen andern Rat geben, als sich bis zur Rückkunft des Kaisers zu gedulden. Dann wird sicherlich etwas für die Verwundeten und die Invaliden geschehen, aber ohne die Einwilligung des Monarchen, sozusagen, vermag ich nichts für Sie zu tun.< Hierauf macht er eine kurze Verbeugung und die Audienz ist zu Ende. Sie können sich denken, daß mein Kopeikin sich in einer recht prekären Lage befand, als er den Minister verließ; hatte er doch gewissermaßen weder eine Zusage noch eine Absage erhalten. Das Leben in der Hauptstadt aber wurde natürlich immer schwieriger für ihn, das können Sie sich wohl vorstellen. Er denkt sich also: >ich will doch noch einmal zum Minister gehen und ihm sagen: Machen Sie was Sie wollen, Exzellenz, ich habe bald nichts mehr zu essen; wenn Sie mir nicht helfen, dann muß ich gewissermaßen vor Hunger sterben.< Aber wie er zum Minister hinkommt, da heißt es: >Es geht nicht, der Minister empfängt heute niemand, kommen Sie morgen wieder.< Am folgenden Tage -- dieselbe Geschichte, der Portier sieht ihn kaum noch an. Mein Kopeikin hat nur noch ein Fünfzig-Kopekenstück in der Tasche. Früher da leistete er sich noch einen Teller Kohlsuppe, und ein Stück Suppenfleisch dazu, jetzt aber kauft er sich höchstens irgend so einen Häring oder so eine Salzgurke und für zwei Groschen Brot -- mit einem Wort, der arme Kerl hungert tatsächlich, und doch hat er einen Appetit wie ein Wolf. Oft kommt er an irgend so einem Restaurant vorüber und nun stellen Sie sich vor: der Koch das ist ein Teufelskerl, so ein Ausländer, wissen Sie, der trägt immer nur die feinste holländische Wäsche, steht vor seinem Herd und bereitet euch irgend so ein Finserb oder Kottelets mit Trüffeln, mit einem Wort, irgend so eine Delikatesse, daß unser Hauptmann sich am liebsten selbst aufgefressen hätte vor Appetit. Oder er kommt an den Miljutinschen Läden vorbei: lacht ihm da sozusagen irgend so ein geräucherter Lachs, oder ein Körbchen mit Kirschen -- zu fünf Rubel das Stück, oder so 'ne Riesin von Wassermelone, so'n ganzer Omnibus, wissen Sie, aus dem Fenster entgegen, und sucht nach einem Narren, der einem überflüssigen Hunderter in der Tasche hat, verstehen Sie, mit einem Wort, nichts wie Verführungen auf Schritt und Tritt, es läuft einem sozusagen das Wasser im Munde zusammen, für ihn aber heißt's: warte gefälligst bis morgen. Und nun stellen Sie sich seine Lage vor: einerseits, sehen Sie wohl, dieser Lachs und die Wassermelone, und andererseits irgend so ein bitteres Gericht unter dem Namen: >_Komm morgen wieder._< Endlich hielt es der arme Kerl nicht mehr aus und beschloß, sich um jeden Preis noch einmal eine Audienz zu verschaffen. Er stellte sich also am Eingang auf und wartete, ob nicht noch irgend ein Bittsteller erscheinen werde; schließlich schlüpft er denn auch mit irgend so einen General, wissen Sie, ins Haus, und humpelt auf seinem Stelzfuß bis ins Vorzimmer. Der Minister erscheint wie gewöhnlich zur Audienz: >Was haben Sie? und was wünschen Sie?< >Ah,< ruft er, wie er Kopeikin erblickt, >ich habe Ihnen doch schon erklärt, daß Sie warten sollen, bis über Ihr Gesuch entschieden wird.< -- >Ich bitte Sie, Exzellenz, ich habe nichts mehr zu essen, sozusagen ...< -- >Was soll ich denn machen? Ich kann nichts für Sie tun, Sie müssen sich schon selbst helfen und sich selbst die Mittel zu verschaffen suchen.< -- >Aber Eure Exzellenz, das können Sie doch selbst gewissermaßen beurteilen, was kann ich mir denn für Mittel verschaffen, wo mir eine Hand und ein Fuß fehlt.< Er wollte noch hinzufügen: >mit der Nase aber kann ich erst recht nichts anfangen; da kann man sich höchstens einmal schneuzen, aber selbst dazu muß man sich ein Taschentuch kaufen.< Allein der Minister, sehen wohl, lieber Herr, -- sei es nun, daß Kopeikin ihn langweilte, oder daß er tatsächlich mit wichtigen Staatsangelegenheiten beschäftigt war -- der Minister also, können Sie sich vorstellen, wird ganz aufgeregt und zornig. >Gehen Sie!< ruft er, >solche wie Sie, sind noch viele da, gehen Sie und warten Sie ruhig, bis die Reihe an Sie kommt!< Jedoch mein Kopeikin antwortete -- der Hunger treibt ihn zum äußersten, wissen Sie --: >Tuen Sie was Sie wollen, Exzellenz; ich rühre mich nicht vom Flecke, bevor Sie die entsprechende Ordre erteilt haben.< Da aber, lieber Herr, können Sie sich vorstellen, da geriet der Minister ganz außer sich. Und in der Tat, bis dahin war es wohl in den Annalen der Weltgeschichte noch nie vorgekommen, daß sich sozusagen irgend ein Kopeikin erkühnte, so mit einem Minister zu sprechen. Sie können sich vorstellen, was ein erzürnter Minister ist, das ist doch gewissermaßen ein Staatsmann sozusagen. >Sie frecher Mensch!< schrie er: >Wo ist der Feldjäger? Der Feldjäger soll kommen und ihn nach seiner Heimat abschieben!< Der Feldjäger aber, verstehen Sie wohl, der steht schon da und wartet schon hinter der Tür: so'n baumlanger Kerl, wissen Sie, mit einer Hand wie von der Natur selbst für den Kurierdienst geschaffen. Mit einem Wort: ein richtiger Zahnzieher. So wird denn unser braver Knecht Gottes in den Wagen befördert, und ab geht's in Begleitung des Feldjägers. >Na,< denkt Kopeikin, >da spar' ich wenigstens das Reisegeld. Auch dafür bin ich den Herren dankbar.< So fährt er denn, Verehrtester, mit dem Feldjäger, und während er so an der Seite des Feldjägers sitzt, spricht er gewissermaßen, sozusagen, zu sich selber: >Schön,< sagt er, >der Minister erklärt mir, ich soll mir selbst helfen und die Mittel suchen! Gut, meinetwegen< sagt er, >ich will mir die Mittel schon verschaffen!< Wie er nun an seinen Bestimmungsort befördert, und wohin er eigentlich gebracht wurde, darüber ist nichts bekannt geworden. Und daher sind denn auch die Nachrichten über den Hauptmann Kopeikin im Strome der Vergessenheit untergegangen, in so einer Lethe, wissen Sie, wie die Poeten es nennen. Doch hier, sehen Sie wohl, meine Herren, hier schürzt sich, kann man wohl sagen, der Knoten unseres Romans. Wo also Kopeikin verschwunden ist, das weiß niemand; aber stellen Sie sich vor, es vergingen auch nicht zwei Monate, als in den Wäldern von Rjasan eine Räuberbande auftauchte, und der Hauptmann dieser Räuberbande, sehen Sie wohl, war kein anderer als der Hauptmann Kopeikin. Er sammelte sich allerhand fahnenflüchtige Soldaten und bildete aus ihnen gewissermaßen eine ganze Räuberbande. Dies war, können Sie sich, natürlich vorstellen, sogleich nach dem Kriege: da war noch alles an ein ungebundenes Leben gewöhnt, wissen Sie -- das Leben galt damals kaum mehr als einen Groschen: eine Freiheit und Zügellosigkeit sag ich Ihnen, man pfiff auf alles -- mit einem Wort, Verehrtester, er hatte eine ganze Armee zu seiner Verfügung. Kein Reisender konnte mehr ruhig passieren, und dies alles richtete sich, sozusagen, nur gegen den Reichsschatz. Wenn einer vorüber kam, der in seinen eigenen Geschäften reiste -- na, dann fragte man nur: >was wollen Sie?< und ließ ihn laufen! Handelte es sich dagegen um einen staatlichen Transport; Viehfutter, Proviant oder Geld, -- mit einem Wort alles, was sozusagen den Namen des Staates trägt -- da gab's kein Pardon. Nun, Sie können sich vorstellen, er brandschatzte den Beutel des Fiskus gründlich. Oder er hört etwa, daß der Termin für die Bezahlung der Staatssteuern vor der Tür steht -- sofort ist er an Ort und Stelle. Er läßt sogleich den Dorfschulzen zu sich rufen und schreit: >her mit dem Zins und den Staatssteuern.< Na, Sie können sich denken, der Bauer sieht: >so ein hinkender Teufel, sein Rockkragen ist rot und glänzt vor lauter Gold wie die Federn eines Phönix, Teufel auch, das schmeckt nach Ohrfeigen.< >Da nimm, Väterchen, aber laß uns nur in Ruhe.< Er denkt natürlich: >das ist irgend so ein Kreisrichter oder womöglich noch was Schlimmeres sozusagen.< Das Geld aber, Verehrtester, das nimmt er natürlich in Empfang, ganz wie es sich gehört, und stellt den Bauern eine Quittung aus, um sie gewissermaßen vor den Behörden zu entschuldigen, und ihnen zu bescheinigen, daß sie das Geld wirklich abgeliefert und ihre Steuern vollzählich bezahlt haben, empfangen aber habe es _der_ und _der_ d. h. der Hauptmann Kopeikin; ja er setzte sogar noch sein Siegel darunter, mit einem Wort, Verehrtester, er raubt und stiehlt, daß es nur so eine Art hat. Mehrere Male wurden Soldatendetachements ausgesandt, um ihn zu fangen, aber mein Kopeikin kümmert sich den Teufel darum. Das waren eben lauter Schinderhannesse, verstehen Sie, die da zusammen gekommen waren ... Schließlich aber bekam er doch wohl Angst, als er sah, daß dies kein Spaß war, und daß er sich da sozusagen eine schöne Suppe eingebrockt hatte; die Verfolgungen nahmen jeden Augenblick zu, er selbst aber hatte sich unterdessen ein recht hübsches Kapitälchen zurückgelegt lieber Herr, na, und da rückte er denn sozusagen eines Tages ins Ausland aus, ins Ausland, Verehrtester, verstehen Sie wohl, d. h. in die Vereinigten Staaten. Von dort aus schreibt er einen Brief an den Kaiser, können Sie sich denken, einen äußerst redegewandten und so großartig stilisierten Brief, wie Sie sich nur vorstellen können. All diese Platos und Demosthenesse im Altertum -- das sind sozusagen die reinsten Waschlappen oder Küster gegen ihn: >du darfst nicht glauben, Kaiser,< schreibt er, >daß ich dieses und jenes< ... Mit einem Wort, er ließ euch Perioden vom Stapel -- geradezu glänzend! >Nur die Notwendigkeit war die Ursache meines Handelns,< sagt er; >ich habe sozusagen mein Blut vergossen und gewissermaßen mein Leben nicht geschont und nun habe ich, denken Sie sich bloß, nichts mehr zum Leben. Ich bitte dich, meine Kameraden straflos ausgehen zu lassen,< sagt er, >sie sind unschuldig, denn ich habe sie sozusagen verführt, übe Gnade und verfüge, daß in Zukunft, wenn die Verwundeten aus dem Kriege zurückkehren, können Sie sich denken, gewissermaßen für sie gesorgt werde ..< Mit einem Wort, der Brief war außerordentlich gewandt stilisiert. Na, Sie können sich denken, der Kaiser war natürlich gerührt. Es tat seinem kaiserlichen Herzen leid um den Mann, obwohl er tatsächlich ein Verbrecher war, und gewissermaßen sozusagen die Todesstrafe verdient hatte, na, und da er sah, wie ein Unschuldiger sozusagen zum Verbrecher werden kann und zugeben mußte, daß hier eine Unterlassungsünde vorlag -- übrigens konnte man in jener unruhigen Zeit auch nicht für alles sorgen -- Gott allein, kann man wohl sagen, ist ganz ohne Verfehlungen -- mit einem Wort, lieber Herr, der Kaiser geruhte diesmal, sozusagen ein einzig dastehendes Beispiel seiner hochherzigen Gesinnung zu geben: er befahl, die Schuldigen nicht weiter zu verfolgen und gab zugleich strenge Ordre, ein Komitee zu gründen, das sich ausschließlich mit der Fürsorge um die Verwundeten zu beschäftigen habe sozusagen und dies ... Verehrtester -- war gewissermaßen der Anlaß für die Gründung des Invalidenfonds, durch den jetzt sozusagen in jeder Hinsicht für die Verwundeten gesorgt ist, und ein ähnliches Institut gibt es tatsächlich weder in England noch in allen übrigen aufgeklärten Staaten, können Sie sich denken. Das also ist der Hauptmann Kopeikin, Verehrtester. Nun aber glaube ich folgendes: wahrscheinlich wird er all sein Geld in den Vereinigten Staaten vertan haben, und ist nun zu uns zurückgekehrt, um noch einmal zu versuchen, ob es ihm nicht vielleicht sozusagen, gewissermaßen mit einem neuen Unternehmen gelingen mag.«

B. Die Geschichte vom Hauptmann Kopeikin. (In der vom Zensor gestrichenen Fassung.)