Romanzen vom Rosenkranz

Chapter 7

Chapter 73,897 wordsPublic domain

In den Weihewasserkessel, Den die Mönche stehn gelassen, Sammelt unter Tränen jeder Des verbrannten Freundes Asche.

Und dann ziehen die Gesellen, Die geliebte Urne tragend, Trost sich singend, von der Schwelle, Um Apone es zu klagen.

Schweigend steht das Haus. Es sehen Durch die Öffnungen des Daches Stille nieder Mond und Sterne, Traurig spiegelnd in dem Wasser.

An der Erde ruht Biondette; Als sie nannte Jesu Namen, Ließ der fürchterliche Retter Sinken sie aus seinen Armen.

Bei ihr kniet mit seinem Schwerte Stumm Meliore; in die Harfe Hat er sorglich sie gebettet, In den himmelblauen Mantel.

Er verließ im Lärm den Kerker, Er war's, der den Sprung gewaget Von der Decke, sie zu retten Aus des Räubers dunklen Armen.

Da es stille war, erhebet Sich Biondette, und den Mantel Schlingt sie um sich, von der Erde Hebt sie dann die goldne Harfe.

Spricht, sich zu Meliore wendend: "Sei gegrüßt! In Jesu Namen Hast du mich von ihm gerettet Und gehütet in dem Schlafe.

Einen Traum hab ich gesehen: Asche war ich, und zu Asche Soll ich einstens wieder werden, Wenn erfüllet sind die Tage.

Für dich hab ich heut gebetet, Da du fochtest am Altare; Und du hast für mich gebetet Jetzt in dringenden Gefahren.

Du hast liebend mich gerettet Aus des ewgen Todes Banden, Und ich werde dir's vergelten Bald in übervollem Maße.

Laß die Sinne untergehen, Liebe nicht, was irdisch schwanket; Die du irdisch angesehen, Wird dir göttlich liebend danken.

Hier auf dieser öden Stelle Wird es einstens göttlich tagen. Sieh, es haben schon die Sterne Ihren Strahl den Weg gebahnet.

Wenn hier an des Altars Schwelle Eine Jungfrau wird entsagen, Werd ich durch dich auferstehen Aus der irdschen Leibesasche.

Und du wirst die Asche nehmen, Streuen sie in deine Haare, Weil die Schlange wird zertreten Von des Weibes heilgem Samen.

Was in Träumen ich gesehen, Hab ich alles dir gesaget; Denn auch du bist ausersehen Zu unendlich großen Gnaden.

Wir gehn auf demselben Wege; Lasse uns im Geiste wallen, Lasse uns nie Abschied nehmen, Gehe hin in Gottes Namen!"

Da geendet sie die Rede, Konnt er nicht den Blick ertragen; Also mächtig war ihr Wesen, Daß er schweigend ging von dannen.

Und zur Harfe sang Biondete: "Lob sei Gott dem Herren! Amen!" Und das öde Haus erbebte, Widerhallend: Amen, Amen!

Amen! sprachen Mond und Sterne, Träufelnd sprach das Wasser: Amen! Und da sie verließ die Schwelle, Riefen rings die Wachen: Amen!

** Romanze XII: Jacopone und Rosarosa

Von Folianten rings umgeben Sitzt der stolze Jacopone; Hochgeehrt von den Klienten Ist der junge weise Doktor,

Ausgetreten seine Schwelle; Denn mit vollen Händen kommen Taufend, um in ihren Rechten Weise Sprüche sich zu holen.

Täglich, nächtlich kommen, kehren Zu ihm, von ihm schnelle Boten, Fern und nah muß er die Texte Streitigen Parteien ordnen.

Und vor seinem Hause stehen Oft der Fürsten stolze Rosse, Er ist rings im Land gebeten, Und man wünscht ihn allerorten.

Er verstand wohl die Gesetze Gleich dem griechschen Hermodore. Die zwölf Tafeln hergestellet Hätt er, wären sie verloren.

Und wie Flavius gelernet Auswendig die Aktionen, Kannte auch wohl alle Leges, Alle Formeln Jacopone.

Mutius hat er gelesen Und den Brutus wohl erwogen, Den Manilius versteht er, Ist Sulpicio gewogen.

Des Antistius Labeo Gegner Folget er, des Capitonis Schüler, des Sabini Regeln, Sabinianischer Methode.

Er hielt streng bei den Gesetzen und schrieb |dissertationem|, Die ihn bracht zu hohen Ehren: |De bonorum possessione|.

Salvium Julianum kennt er, Gaji Institutionen, Papinian, Ulpiano strebt er Und Herennio zu folgen.

Ehre hätte dem Katheder Zu Beryt, Konstantinopel Und zu Rom er einst gegeben, Wie jene Antecessores.

Hätte damals er gelebet, Die drei Codices zu ordnen In den Justinianschen, neben Tribonian würd er gelobet.

Und die Sechzehn, die mit jenem Die Pandekten ausgeboren, Wären Siebzehn dann gewesen; Also war sein Geist zu loben.

Zum Behufe der Pandekten, Auf die fünfzig Dezisionen Für Justinian zu stellen, Wär er mitbeehret worden.

Dem Theophilo wohl neben Dorotheo zugeordnet Wär er, Triboniano helfend Bei den Institutionen.

Er wär recht der Mann gewesen |Repetitae praelectionis Codicem| ins Licht zu stellen, Und |nearai diataxeis|.

Aber spätrer Zeit zur Ehre War er recht ein Schmuck geboren Auf Bononischem Katheder |Magnae matris studiorum|

Wo Irnerius gelehret Seine Justinianischen Glossen, Bulgar, Gosias gelebet, Hugo und Glossatoren.

Weil er ganz besonders ehrte Jakob vom Ravenner Tore, Hat er sich nach ihm genennet Gar bescheiden Jacopone.

Und Accursius war sein Lehrer, Otofredus diesem folgte; So hat er das Recht erlernet Nach der Summa des Azzonis.

Und kaum dreißig Jahre zählt er; Um die hohe Stirne Locken Wallen braun aus dem Barette, Und sein Bart ist schön geordnet.

Wenn er im Ornate stehet Und kreieret die Doktoren, Fließet ihm die stolze Rede Gleich dem zweiten Cicerone.

Wüßten das, was er vergessen, Manche andre Professoren, Wäre ziehenden Studenten Öfters aus der Not geholfen.

Und so ganz in Ehren schwebend, Lebte er in seinem Stolze; Seinem Ruhm sind nah und ferne Tausend Schüler nachgezogen.

Dunkler Herkunft zu entstreben, Hat ihn so sein Fleiß erhoben, Denn nicht seinen Vater kennt er, Seine Mutter starb verborgen.

Er begann sein Jugendleben Mit zwei Brüdern in dem Kloster; Pietro ward ein Blumengärtner, Noch studieret Meliore.

Da er stieg zu dem Katheder, Nahm zum Weib er Rosarosen, Eine Jungfrau auserlesen, Eines Arztes Pflegetochter.

Als er ging zur Doktorehre Durch der Aula hohe Pforte, War die Züchtge ihm begegnet, Und er sprach zu ihr die Worte:

"Schöne Jungfrau! Ihr begegnet Mir an sehr gefährlchem Orte, Jetzo ich zu streiten gehe |De bonorum possessione|.

Und die Schätze aller Welten Habe ich bei Euch verloren, Nichts besitz ich auf der Erde, Da Ihr mich mir selbst genommen.

Was ich künftig nun erwerbe, Habt Ihr schon von mir gewonnen. Geht und betet, daß die Ehre Mir nicht gehe heut verloren!"

Rosarose sah beschämet An den glatten Marmorboden: "Ich erfleh Euch, Herr, die Ehre", Sprach Sie, "und halt Euch beim Worte:

Daß Ihr mir sodann die Ehre Teilet, die ich Euch erworben, Und nie nehmet mir die Ehre, Die um jene Gott ich opfre!"

Ach, zu spät verstand die Rede Rosarosas Jacopone, Und es hat ihn sehr beschweret, Was er damals ihr versprochen.

Und sie schieden; sie zum Tempel, Er zu dem Juristenhofe; Sie erfleht ihm Gottes Segen, Er den Doktorhut erobert.

Als er austritt hochgeehret Unter der Schalmeien Chore, Wird bei Pauken und Trompeten Ihm drei "Vivat hoch!" erhoben.

Doch er blicket allerwegen Nach der Jungfrau dieses Morgens, Ihm will auch der Wein nicht schmecken Bei dem Doktorschmause oben.

Ach, wenn sie den Trank kredenzte, Säh er in des Bechers Golde Spiegelnd ihre Augen brennen; Ach, wie er dann trinken wollte!

Ach, und wo ihr Mund den Becher Selbst entsauget einen Tropfen, Durstig hätte er die Stelle Ausgebissen aus dem Golde.

Und in dem Tumult des Festes Schleicht er aus dem lauten Chore, Irret auf verschiednen Wegen, Denn er wußt nicht, wo sie wohnet.

Wo vor Stunden sie sich trennten, Geht er, ihren Weg verfolgend, In den Garten, nah gelegen, Von Sankt Clarens stillem Kloster.

Längs den still beblumten Feldern Wiegen sich die vollen Rosen, Von den Tönen tief beweget Einer süß gerührten Orgel.

Und im stillen Garten stehet Tief erschüttert Jacopone; Lang hat ihn nicht angewehet Der unschuldge Odem Gottes.

Lange hat er nicht gesehen In das offne Herz der Rosen, Und so frommer Töne Wehen War entfremdet seinen Ohren.

Er war in der Bücher Menge Ganz verriegelt und verschlossen, Und hier, wo die Blumen scherzten, Ist ihm auf das Herz gebrochen.

Brach ihm auf in Liebesschmerzen, Recht wie eine Blumenknospe Ihn Geschmeide keusch ausleget In dem Kuß der jungen Sonne.

Wie verschloßne Felsenquellen Traurig in dem Dunkel wohnen, Jauchzend dann zutage brechen Zu den Sternen, zu der Sonne,

Und mit bunten Steinen scherzend Und mit Fischen spielend wogen, Wo die Blumen spiegelnd stehen, Von Libellen leicht umflogen.

Wie, dem Kinde gleich, die Welle Gern um Tand die Körner Goldes Hingibt, die im Schoß der Berge Sie mit Angst vom Geiz erworben,

Und den süßen Blütenregen Freudig zu dem Fluß hinwoget, Freudiger dann Fischersegel Trägt, und durch die Mühle toset,

Hohe Masten dann bewegend In den breiten starken Flossen, Und dann kühne, volle Segel Führet, recht in hohem Stolze,

Dann dem ganzen Elemente Sich hingebend, abwärts tosend In die hohen, vollen Meere, Stirbt in Wiedersehens Wonne;

So fand er sich tief beweget Und, dem Bücherstaub entronnen, Neue Liebe in dem Herzen, Zwischen Blumen in der Sonne.

Doch da eine Stimme schwellend Sich ergießt zum Orgelstrome, Schreitet er zu der Kapelle, Die in Büschen steht verborgen.

Und er wurzelt auf der Schwelle; Rosarosa schlägt die Orgel Singend, ohne ihn zu sehen, Zwischen Engelbildern golden.

Auf dem kleinen Orgelwerke Steht das Bild der Mutter Gottes, Frische Rosen reicht ein Engel Unserm Herrn in ihrem Schoße.

Und das Bild des andren Engels Hebt empor in goldnem Korbe, Singend auf und niederschwebend, Einen süßen, bunten Vogel.

Und die leichten Bälge tretend, Sieht er einen goldumlockten, Schönen Knaben freudig schweben. Ach! er glich dem Liebesgotte,

Wäre nicht so fromm sein Wesen; Doch ihm fehlen Pfeil und Bogen, Und ein Kreuz im Arm ihm lehnet Aus zwei jungen Weidensprossen.

Einen Rosenstrauß am Herzen, Schlummert still sein Lamm am Boden; Niedersinket auch zur Stelle Auf die Kniee Jacopone.

Ihr Gesang sich so erhebet: "Heilge Jungfrau! Mutter Gottes, Denke, wie sandst im Tempel Jesum, den du glaubst verloren,

Streitend mit den Schriftgelehrten, Mit den Ärzten, Philosophen, Wie er als ein Kindlein redet Wunderbare, hohe Worte.

Als er fragt: `Ihr Männer, wessen Sohn Messias wird geboren?' Alle kecklich zu ihm sprachen: `Davids Sohn wird er geboren!' --

`Warum dann,' dein Kind versetzte, `Nennt ihn David seinen Obern? Sprach der Herr zu meinem Herren: Du sollst mir zur Rechten thronen,

Daß ich dir zu Füßen werfe Deine Feinde an den Boden!' -- `Hast die Bücher du gelesen?' Fragte Jesum dann ein Doktor.

Und dein Kind sprach: `Ja, gelesen Und auch das, was drin verborgen.' Dann erklärt er dem Propheten Satzungen und dunkle Worte.

Allen war er ein Entsetzen; Ärzte und die Philosophen, Pharisäer, Schriftgelehrte Mußten Kinderweisheit loben.

Hohe Mutter, o gedenke, Wie dein Herz in Freuden wogte, Da du dort in solchen Ehren Wiederfandest den Verlornen.

Zu ihm sprachst du: `Warum setztest Mich und Joseph du in Sorgen, Die dich suchten allerwegen, Glaubten, du seist uns verloren?'

Und dein Kind sprach, zu dir redend: `Warum sucht ihr nach dem Sohne, Dem ihr selbst als Zucht gelehret, In des Vaters Haus zu wohnen?' --

O Maria! denk der Ehren, Die die Meister dir da boten, Preisend deines Leibes Segen, Der so weis ein Kind geboren!

O, verleihe deinen Segen Jenem Jüngling, der heut morgen Mir so huldvoll ist begegnet An des Rechtshofs hoher Pforte!

Für ihn bring ich meine Ehre Deinem Gottessohn zum Opfer, Lasse ihn das Recht vermehren Zur Vermehrung des Lob Gottes!

Laß geehrt nach Haus ihn kehren, Recht zu seiner Mutter Wonne, Denk der Freude, denk der Ehre, Die du sahst an deinem Sohne!"

Als sie so das Lied geendet, Gab der Knabe gute Worte: "Ich will singen, ich will beten; Schlag auch meinem Lied die Orgel!"

Und die Jungfrau ohn Bedenken Seiner frommen Bitte folget, Und er singt, die Bälge tretend, Wie ein Engel klar aus Wolken:

"O, mein Jesulein, gedenke Deiner hohen, weisen Worte, Als Zachäus dich belehren In dem Aleph Beta wollte!

`Sage Aleph!' sprach der Lehrer; `Aleph, hast du fromm gesprochen; Nun sprich Beth!' der Mann begehrte; Da sprachst du zu ihm die Worte:

`Nein, ich sprech Beth nicht eher, Bis mir Aleph deutlich worden; Du sollst erstlich mich belehren, Warum Aleph so geformet.'

Und da sahst du deinen Lehrer In Unwissenheit betroffen; Sprachst: `Ich will dich nun belehren, Wie das Aleph ist geformet.

Aus drei Strichen es bestehet, Weil auch steht die Einheit Gottes, Dieses Aleph alles Lebens, In drei göttlichen Personen!' --

Als dein Lehrer ob der Rede Dich, o Jesu, schlagen wollte, Mußte er zur Stunde sterben, Der gen Gott die Hand erhoben!

O du Anfang, o du Ende Aller Weisheit ausgeboren, Allbarmherziger, o spende Weisheit zu der Frommen Troste!"

"Amen!" sang die Jungfrau bebend, "Amen!" sang da Jacopone, Und da sie ihn sah, sich wendend, Blühen ihrer Wangen Rosen.

Und sie geht aus der Kapelle; Auch der Knabe hin ihr folget, Wo in einem Rosenzelte Freudig tanzt ein frischer Bronnen.

Und zu Rosarosen redet Zärtlich dankend Jacopone: "Gott erhörte gern dein Beten, Durch dich bin geehrt ich worden.

Was ich heut von dir erflehet, Ist mit Ruhm an mir erfolget, Um dich ward mein Haupt bedecket Mit dem Doktorhut der Rechte.

Und nun möchte ich die Ehre Mit dir teilen, Fromme, Holde; Ach, wie auf so selge Wege Hast du, Jungfrau, mich gelocket!

Aus dem dunklen Bücherkerker In den Blumensaal der Sonne, Zu der heimlichen Kapelle, In den selgen Klang der Orgel!

Sieh, es tanzet meine Seele Auf dem frohen Strahl des Bronnens, Und sie faltet ihre Hände, Dir ihr Herz in Liebe opfernd!"

Rosarosa ihm entgegnet: "Freund, ich bin dir wohlgewogen, Doch ich kenne keine Eltern; Kannst du lieben eine solche?

Mich gefunden und gefleget Hat des Arztes Weib Dolores; Sie erbaute die Kapelle, Stiftete die kleine Orgel.

Dort fand sie des Grabes Stelle, Und ich lebe von vier Soldi, Die sie täglich ausgesetzet, Daß ich sing und spiel die Orgel.

Mir zum Vormund ist gesetzet Fromm ein Priester, der Benone, Bis ich in den Ehstand gehe Oder trete in ein Kloster.

Sonst kann ich auch schreiben, lesen, Schnüre wirken und auch Borten, Spinnen und Tapeten weben, Sticken Silbernes und Goldnes.

Und daß ich nicht müßig gehe, Habe ich im Klosterhofe Eine Schule angeleget In des Kreuzgangs hohen Bogen.

Oft auch hier bei dieser Quelle Zu mir meine Kinder kommen, Mannigfaltge Schulgesellen Sich aus allen Winkeln holend.

Hier der Knabe war der erste, Der sich selbst mir angeboten, Und mit seines Lammes Schelle Andre Kinder angelocket.

Wie sich meine Schüler nennen, Weiß ich nur durch ihre Worte, Kenne keines einzgen Eltern, Meine Schul ist frei und offen.

Und die Mütter stehn oft ferne, Lauschend an der Gartenpforte; Täglich mehret sich die Herde, Und ich lehr um Gottes Lohne.

Und die gute Hirtin nennen Mich die Kinder, und ich wollte, Hätt ich nimmer dich gesehen, Keinen andern Namen borgen." --

"Hättst du nimmer mich gesehen!" Jacopone wiederholet; "Hätt ich nimmer dich gesehen! O, wie sind dies goldne Worte!

Wären nimmer sie geredet Mit so liebem, süßem Tone, Möchte ich in diesem Leben Nimmer sehen diese Sonne!

Unser Los ist gleich gestellet, Unser Würfel gleich geworfen; Auch ich kenne keine Eltern, Ward im Kloster auferzogen.

Willst du deine Hand mir schenken, So will ich dir angeloben: Du magst deine Kinder lehren, Du magst spielen hier die Orgel.

Wenn mein Reichtum sich vermehret Durch den Ruhm, den ich erworben, Will ich in das Haus noch nehmen Meinen Bruder Meliore.

Einen Garten auch erwerben Pietro, dem Zuletztgebornen Meiner Mutter, der jetzt lernet Blumen pflegen in dem Kloster."

Und dann hat er ihr gegeben Einer Rose Doppelknospe, Und mit scheuen Fingern trennen, teilen sie die Zwillingsrose.

Tief sich in die Augen sehend Waren sie vor Gott verlobet, Wußten nicht, wie es geschehen, Waren still und voller Wonne.

Aber Rosarosa redet, Da sie hört des Lammes Glocke: "Lebe wohl, auf Wiedersehen! Meine Schüler hör ich kommen!"

Jacopone spricht: "Ich gehe Hin zum alten Mönch Benone, Unsern Bund ihm vorzulegen." Und dann eilt er von dem Bronnen.

Einsam Rosarosa stehet, Blicket in den Strahl des Bronnens; Wie er sinket, wie er schwebet, Fühlt sie in dem Herzen pochen.

In den Händen die getrennte, Sonst gepaarte Zwillingsrose, Und es fließen ihre Tränen Auf die stille Rosenknospe.

Eilet dann zu der Kapelle, Findt an der belaubten Pforte Ihre kleine Schülerherde Feierlich im Kreis geordnet.

Und der Knabe trägt in Händen Einen Kranz von weißen Rosen, Einen Schäferstab, weiß blendend, Sprach zu ihr die süßen Worte:

"Du hast dich in der Kapelle, Hirtin, heut dem Herrn verlobet, Der ein treuer Hirt, die Herde Weidet an dem Himmelsbogen.

Und darum soll ich dich kränzen Mit dem Brautkranz weißer Rosen Und den Schäferstab dir geben, Daß du denkest deiner Worte!"

Rosarosa kniet zur Erde, Und er kränzt die dunklen Locken Mit den weißen Rosen blendend, Gibt den weißen Stab der Holden.

Und die Kinder sie umgeben, Freuen sich der Rosenkrone; Jacopones und des Herren Denket weinend Rosarose. --

Wenig Sonnen untergehen, Und herauf ziehn wenig Monde, Wenig volle Rosen sterben Aufgekeimt sind wenig Knospen,

Da geschmückt am Altar stehen, Vor dem alten Mönch Benone, Rosarosa, weiß bekränzet, Rotbekränzet Jacopone.

Als sie goldne Ringe wechseln, Fällt das Ringlein Jacoopones Springend nieder an die Erde, In dem Kreise weit hinrollend.

Und dem Knaben, der zugegen, War es endlich zugerollet, Der es in dem Lilienkelche, Den er trug, der Braut geboten.

"Nimm den Ring im Lilienkelche", Sprach das Kind, "und denk des Opfers, Da du um des Jünglings Ehre Deinem Herrn dich hast verlobet!"

Und er schied. Sie nahm erbebend Nun den Ring, und Jacopone Wußte nicht, was sie beschwerte, Da sie schwer das Ja gesprochen.

Und der Priester sprach den Segen; Traurig weinte Rosarose, Als sie still von dannen gehen; Freudig weinet Jacopone.

An des Tempels Marmorschwelle Sprach die Jungfrau: "Jacopone, Laß mich gehn zu der Kapelle, Einsam meinen Herrn zu loben.

Daß ich fromm am Abend kehre, Bei dir in dem Haus zu wohnen; Einen Trunk aus unsrer Quelle Bring ich dir und viele Rosen."

Einsam geht nun der Geselle, Seine Kammer schön zu ordnen. Pietro hat zum Schmaus gebeten Er, und auch den Meliore.

Und es steigt im Abendmeere Feurig nieder schon die Sonne, Und es zieht die Sternenherde Vor dem Monde durch die Wolken.

Rosarosa noch nicht kehret; Pietro spannt die Blumenbogen, Und es zündet hundert Kerzen In der Kammer Meliore.

In der Kammer Mitte stehet Blank ein Tischlein, wohlgeordnet, Zierlich ist da aufgedecket Für vier fröhliche Personen.

Pietro Rosarosens Teller Ziert mit einer Myrtenkrone, Und zwei künstliche Sonette Legt dazu ihr Meliore.

Aber von dem Hochzeitsbette Springet traurig Jacopone: "Will mein Weib denn noch nicht kehren, Gehe ich, sie mir zu holen!

Was des Kaisers ist soll geben Man dem Kaiser, Gott was Gottes, Und der Mann, er soll sich nehmen, Was ihm ward vor beider Throne!"

Seinen Mantel umgeleget Hat er dann im Liebeszorne, Und mit raschen Schritten geht er, Doch der Garten ist verschlossen.

Er vernimmt ein leises Reden, Doch das Sprudeln jenes Bronnens Und der Büsche flüsternd Wehen Überrauschet ihm die Worte.

Eifersucht seine Herz durchbrennet, An sich hält er seinen Odem, Aber nur der Büsche Wehen Hört er, und des Herzens Pochen.

Und er findet eine Stelle An der Mauer ausgebrochen, Und behutsam überkletternd Kommt er an des Gartens Boden.

Durch die Gänge schleicht er, geht er; Der wollüstge Duft der Rosen Schüret ihm die Brust noch enger, Und er greift nach seinem Dolche.

Ach, es spiegeln sich die Sterne In dem blanken, bösen Dolche. Ach, wie schrecklich sind die Sterne, Denkt im Herzen Jacopone.

Unbekümmert um mein Elend Spielen sie mit meinem Dolche; Nein, sie sollen ihn nicht sehen! Und er haucht ihn an mit Odem.

Aber seine Tränen nehmen Stets den Odem von dem Dolche. Und die Sterne ruhig sehen In den Stahl den Himmelsbogen.

Und nun hört er wieder reden, Und er hört die leisen Worte: "Du wirst mich nicht wiedersehen Als bei deinem frühen Tode!

Was du unterm Herzen trägest, Ist ein Pfand von dem Verlobten; Wolle nie des Leibes Tempel Einer andern Liebe opfern!"

Rosarosa dann entgegnet Sammelnd liebestrunkne Worte: "Ja, ich bin die Magd des Herren, Dem ich liebend bleib verlobet!

Was ich trage unterm Herzen, Bleibt dir treulich aufgehoben, Durch dich mag es heimlich leben, Durch mich werde es geboren.

Nimmer habe ichs gesehen, Nimmer werde ichs sehen wollen, Unbekannt ie meine Seele, Die durch Gott den Leib bewohnet.

Stünd geschrieben mir am Herzen Gar die Stunde meines Todes, Nimmer würde sie gelesen, Und ich stürbe unverhoffet.

Keusch bleibt meines Leibes Tempel Dem Geliebten nur geopfert, Meine Blicke haben selber Nimmer Teil an mir genommen.

Wenn der Himmel ist bedecket, Ohne Sterne, Mond und Sonne, Hab ich hier in dieser Quelle Einsam kühl das Bad genommen.

Meines Herren Aug erhellte Mir das Herz mit Liebeswonnen, Unter Beten, unter Flehen Bin ich ihm so lieb geworden.

Und sah ich am Tag die Quelle, Die mich nächtlich kühl umschlossen, Schamrot konnte ich wohl wetten In der Röte mit den Rosen.

Leb dann wohl, auf Wiedersehen, Du geliebter Blondgelockter! Werde in des Todes Wehen Rosarosen einst zum Troste!" --

Und nun höret jemand gehen Durch den Garten Jacopone, Und er sucht ihm zu begegnen, Irret durch die Laubenbogen.

Ach, in seinem Herzen wehen Höllenflammen tiefen Zornes, Den Geliebten Rosarosens Will er mit dem Dolch durchstoßen!

Mondhell fand er eine Stelle, Und es rauschet Laub am Boden; Mit gezücktem Dolch verstecket Er sich im Gebüsch der Rosen.

Schon sieht er den Schatten schweben Des verhaßten Blondgelockten, Und er hat in bösem Streben Seinen Dolch schon hoch erhoben,

Als der Knabe vor ihm stehet Und ihm ruhig sagt die Worte: "Jacopone, wiedersehen Wirst du mich bei deinem Tode!"

Und er fühlte sich gefesselt Und stieß nieder mit dem Dolche In die kalte, harte Erde; Hat sich lange nicht erholet.

Als er wieder sich erhebet, War sein Sinn ganz wild verworren, Auch der Himmel war bedecket Mit dem Mantel schwarzer Wolken.

Und an Rosarosen denkt er: War der Knabe nur ein Bote? Sie muß selbst den Herrn mir nennen Oder sterben von dem Dolche!

Und nun tappt er nach der Quelle Durch die dunkeln Laubenbogen, Und er höret Rosarosen Badend plätschern in dem Bronnen.

Und in seinem Herzen reget Sich ein Strahl geheimer Wonne. "O, wie boshaft seid ihr, Sterne, Daß ihr jetzt euch habt verborgen!

Meine Augen, Feuerspeere, Möchten gern die Nacht durchbohren, Daß der helle Tag anbreche Glänzend mit der vollen Sonne;

Daß ich meine Braut könnt sehen In dem Schoß kristallner Wogen, Süß errötend in dem Tempel, Taufend voller Liebesrosen!

In den Arm wollt ich sie nehmen, Und mit lustberauschten Worten Meines Gartens Rosen brechen Beim Geläut der Blumenglocken!"

Also denkt er, und es hebet Sich ein lauer Wind von Osten, Der die Bäume leis beweget Und im Laube laut ertoset.

Und es wirft zur Badequelle Viele Rosen Jacopone, Doch im Bad die Jungfrau denket, Daß der Sturm sie abgebrochen.

"O Geliebter", spricht sie betend, "Nicht mit Rosen, nur mit Dornen Deine arme Dienrin treffe, Weil sie dir das Wort gebrochen!"

Doch nun schleicht zu der Kapelle, Zündet an der Ampel Dochte Jacopone eine Kerze, Trägt sie unterm Hut verborgen.

Da er kehrt zum Rosenzelte, Da er nah des Bades Bronnen, Füllt er plötzlich mit der Kerze Schein die dunkle Blumengrotte.

Rosarose taucht erschrecket Schreiend nieder in den Bronnen, Alle Sinne ihr vergehen, Als wär sie vom Blitz getroffen.

Und es löschte aus die Kerze Vom Gespritze. Jacopone, Ach, er hat sie nackt gesehen, Nimmer wird der Anblick frommen!

Und sie weinet, und sie flehet, Daß er fliehe ovn dem Orte; Aber er war tief verblendet, Sprach zu ihr die harten Worte:

"Für mich bist du nicht zu sehen, Aber für den Blondgelockten; Das, was du trägst unterm Herzen Soll mir ewig sein verborgen!

Ihm willst du nicht Treue brechen, Aber mir ist sie gebrochen; Aber jetzt sollst du ihn nennen, Und dann will ich dich durchbohren!

In des frechen Blutes Quelle Soll erröten dieser Bronnen, Sich und dich der Lüge schelten, Denn hier hast du mich belogen!"

Stammelnd ihm entgegnet: "Herr und Gatte, hör mein Flehen! Ehe du mich willst ermorden, Laß mich an die Kleider legen,