Part 33
Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer junge, z. Th. sicher tertiäre (eocäne) und reichlich noch jüngere Ablagerungen folgen, gehobene Küstenbänke und Korallenriffe mit den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollständig an und reichen zu beträchtlichen Höhen, nach Dana's Angabe bei Punta S. Diego, S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshöhe. Dass die Hebung noch jetzt fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt, erscheint aber höchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein Theil der vulkanischen Gesteine jünger als der Nummulitenkalk, welcher mit den »Trachyten« grobe Breccien bildet und von ihnen eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen jüngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thätigkeit bis jetzt fortdauert. Die letztere äussert sich in heftigen und häufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau der Insel Java.
Von älteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen im Norden Luzon's und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas höheres Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt [319] Granit im nördlichen Theile von Luzon erwähnt, wurden von Herrn Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer [320].
Wie überall, wo die vulkanische Thätigkeit noch heut in grösserem Maassstabe auftritt, wo also Ausbrüche von Lava aus den Feuerbergen stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene Vulkane, entweder ganz unthätig oder in dem Zwischenzustande der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lässt, dass es an modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten -- diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen -- und Doleriten in der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerüst, wofür namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen über die Zeit und die Grösse der Ausbrüche, ja über die Thatsache, ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden.
Abgesehen von Mindanao [321] und Negros, auf welcher Insel Semper den nach seiner Schätzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nördlich von Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin (zwischen Mindanao und Siquijor) thätige Vulkane bekannt. Auf Camiguin fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167) am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten hätten auf Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin war von dem grössten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetöse und heftigen Stössen ein über dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Länge von etwa 1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thätig.
Auf der Insel Babuyan Claro liegt »ein wie es scheint in beständiger Eruption begriffener Vulkan« [322] und auf der südöstlichsten Insel der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf den östlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines früheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700 Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hälfte eingestürzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch Aufschüttung vergrösserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort 1857 ein starker Ausbruch statt.
Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter dem Cabo Engaño (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan aufgefunden, den Monte Cagua [323]. Semper sah ihn im October 1860 von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen Raum zusammengedrängten Vulkanen, getrennt von einander durch weite Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden, liegen die übrigen drei noch thätigen Vulkane Luzon's: der Taal, der Albay oder Mayon und auf der äussersten Südspitze der Insel der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen.
Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol, welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene Vulkane oder ungeöffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt, an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Südspitze der Insel beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nördlich der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden der mächtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und der Pic von Colasi zu nennen; südlich der Laguna de Bay der Majayjay, der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen südlich gelegene Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling [324], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten die heissen Schwefelquellen von los Baños, der Kesselsee Dagatan, der Schlammvulkan von Nataños, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordöstlich vom Majayjay finden sich zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die Obsidianströme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles, letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von Kotzebue [325] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt mächtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di Bombon vom Meer trennen.
Ob die bei S. Mateo und die östlich zwischen Antipolo und Bosoboso mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehören, ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch über dem Meere erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff der 3150 Fuss hohe »trachytische« Doppelkegel des Monte Arayat auf, an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Tomás steigen, isolirt von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der M. Cujaput. Gehören diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan (NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir [326] (ob am Südcap von Mindanao oder auf der südlich gelegenen Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan auf der Insel Sulu [327] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte Santo Tomás am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero's Messung ist er 6948 Fuss hoch.
Ein Versuch, die Vulkane, die thätigen wie die erloschenen, auf ein oder mehrere Spaltensysteme zurückzuführen, scheitert an der mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der übrigen Inseln. Dass die Nord-Südrichtung vorwiegend erscheint, folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette.
Von den thätigen Vulkanen Luzon's ist der kaum 840 Fuss hohe Taal, der demnach zu den niedrigsten [328] thätigen Vulkanen gehört, ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von Chamisso [329] fand den Vulkan 1818 schwach thätig, E. Hofmann 1825, Wilkes [330] 1842 sahen ihn in voller Thätigkeit. Delamarche [331], der ihn am 25. October 1842 unthätig fand, hat eine genaue Beschreibung des Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den Krater beständig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine Erhöhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt, überall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und ähnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bäche kochenden Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit kochendem milchweissem Wasser erfüllt, es entstiegen ihm schweflige Dämpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender regelmässiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am Südende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt nach L. von Buch [332] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse kleine Feldspäthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen mit triklinen Feldspathen gehört, lässt sich nach den vorliegenden, stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem später viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavaströme scheint der Berg seit langer Zeit nicht gegeben zu haben.
Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur Aschenausbrüche und die sie begleitenden zerstörenden Schlammströme, sondern auch Ströme von Lava. Seine Hauptausbrüche fallen in die Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfüllt mit heissen schwefligsauren Dämpfen.
Wie überall mit thätigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer erwähnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die Rede. Diese graugrünen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen, bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen Stellen 40 bis 60 Fuss mächtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose (Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer, leicht ritzbarer Grundmasse eckige, bräunlich-graue Bimsteinstücke umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrücke und verkieselte Hölzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nähe der thätigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen, cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und die Grösse der eingeschlossenen Gesteinstrümmer. Wo sie und die Tuffe durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus ihnen Thone ausgewaschen, die, im nächsten Verband stehend, bisweilen mächtige Ablagerungen bilden.
Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom südlichen Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehörigen Tuffen sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspäthe wird zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen kieselsäurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt noch sparsamer grüner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr ähnlichem, porphyrischem Habitus. Zu den Doleriten gehören die Laven des Albay, Yriga, Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle Glimmerblättchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstücke in jenen sich finden, so gehören doch grössere Ablagerungen rein aus Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden Halbinsel Binangonan säulig zerklüftete Obsidianströme. Ob überhaupt in dem genannten Gebiet ächte Sanidintrachyte auftreten, erscheint zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lässt sich ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als über die chronologische Folge der einzelnen vulkanischen Berge.
Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine, die in Java so häufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar, wie die Uebergänge beweisen, von Amphibolandesit.
Als höchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der häufigen Fumarolenthätigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff, resp. schwefliger Säure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind; daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun, Alunogen, Bianchetto; je nach der Stärke und der Dauer der Einwirkung die vollständige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklärt sich aus dem Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und die Röthung des Rückstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch Bunsen's schöne Versuche erläuterte Bildung von Schwefelkies, dessen Verwitterung die Zerstörung der Gebirsgsarten unterstützt. Dagegen mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht löslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet, wozu die (freilich oft grobkörnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten scheinen. Zahlreich dagegen sind Absätze von Kieselsinter, Opal und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thätigkeit, aus Kohlensäure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, ähnlich wie in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming u. s. w., Absätze, die ihre Erläuterung in den Arbeiten Bunsen's über Island finden. Auf denselben Ursprung müssen auch die Jaspisvorkommen der vulkanischen Gegenden zurückgeführt werden. Geisirähnliche Erscheinungen wurden nicht beobachtet.
Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, räumlich sind sie untergeordnet gegenüber den krystallinischen Schiefern und den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer, Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von den ersteren beobachtet. Im nördlichen Theil von Luzon sind sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate (N. von S. Mateo) feinkörnigen Hornblendeschiefer, auf dem der Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwähnten Goldwäschen im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls auf krystallinische Schiefer, ähnlich wie die Eisenerze bei Angat (Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostküste der Provinz Camarines norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und den dazu gehörigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan zusammensetzen. An der Südküste derselben Provinz bei Pasacao treten Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte bei Tanauan (Ostküste) sind sie ebenfalls beobachtet.
Nach Sainz de Baranda tritt Serpentin auf in Mindanao bei Camahat, Provinz Caraga und bei Pigtao, Provinz Misamis. Am Westende bei la Caldera (NW. von Zamboanga) sah Dana Geschiebe von Hornblende und Talkschiefer, auf der Insel Lubang (SW. von Manila) Talk- und Chloritschiefer, die nach der Insel Mindoro fortsetzen und dort in Serpentin übergehen. In S. José, Westküste von Panay, sah Dana Geschiebe von Talkschiefer und Quarz. Nach Meyen (l. c. 245) ist Talkschiefer auf Cebu besonders häufig.
Nach ihrer Zertrümmerung und Verwitterung gaben die krystallinischen Schiefer das Material zu sedimentären Absätzen, welche, mehr oder minder sandig und thonig, und petrographisch zwischen Thonlagern und Sandsteinen schwankend, die Mineralien der ursprünglichen Gesteine, zunächst Quarz, Feldspath, Glimmer, Magneteisen erkennen lassen.
Die Angaben über das Vorkommen älterer Eruptivgesteine auf den Philippinen erscheinen wenig genau. In Nordluzon wird Granit und Porphyr angegeben. In Pual (Sual der Karte, 16° 10' N. B. am Golf von Lingayen) wechsellagern nach Callery [333] Euphotid, Serpentin und Petrosilex. Itier [334] fand bei Angat (Provinz Bulacan) Geschiebe von Diorit, Mandelsteinen, Spiliten, Epidot und Porphyren.
Unter den Sedimenten treten neben Kalken Sandsteine und Thonschichten hervor, deren Ursprung, wie erwähnt, z. Th. auf krystallinische Schiefer, z. Th. auf vulkanische Tuffe zurückzuführen ist. Die von Semper beobachtete schnelle Umwandlung der gehobenen, weithin sich erstreckenden Korallenbänke in sehr harten, dichten Korallenkalk lehrt, dass die dichten spröden Kalke wenigstens nicht überall, wie von Richthofen annimmt, diese Umwandlung den »Trachyten« verdanken. In manchen der dichten Kalke lassen sich noch Spuren der Korallen auffinden, obwohl in Folge der Umwandlung die Erhaltung der organischen Reste in den Kalken eine sehr schlechte ist. Bei Binangonan (N. der Laguna de Bay) fand von Richthofen in den dort gebrochenen Kalken neben undeutlichen Austern zahlreiche Nummuliten [335]. Im Kalk von S. Mateo suchte Meyen vergeblich nach Versteinerungen. Zwischen beiden Punkten sah von Richthofen den Kalk zwischen Antipolo und Bosoboso einen allseitig schroff ansteigenden, zerklüfteten, oben verebneten Berg bilden. Wahrscheinlich bestehen aus demselben Kalke die schroffen Gipfel der Sierra de Zambales (NW. der Pampanga, NW. Manila). Callery (l. c.) sah 4 Lieues von Sual ein zwei Lieues breites Band von Grobkalk und Travertin horizontal auf dem Euphotid lagern. Er fand im Grobkalk die decapoden Kruster Portunus leucodon Desmarest und Noptacus Latreillei. Im Thal von Benguet und in der Provinz Batangas (Nordluzon), an der Nord- und Ostküste von Luzon, an der Ostküste von Camiguin (Babuyanes) fand Semper Korallenkalk.
An der Westseite der grossen Cordillere in Nordluzon sammelte Semper in etwa 800 Fuss Meereshöhe mitten im Lande mürbe Sandsteine mit marinen Muscheln (Conus sp.), im Oberlauf des Agno (Nordluzon) in etwa 400 Fuss Meereshöhe Korallen in einem porphyrischen Gestein, dessen Hauptbestandtheile granitische und trachytische Rollsteine waren [336]. An der Südspitze des westlichen Theils von Mindanao bei Zamboanga fand v. Richthofen in den Kalken Massen von Austernschalen. Daneben kommen dort unreine Sandsteine mit Pflanzenabdrücken, blaue Kalkmergel und dunkle weiche Schiefer vor. Auch an manchen anderen Punkten enthalten Thone und Sandsteine Blattabdrücke; die Sandsteine führen bisweilen Braunkohle: bei Mauban ist sie kiesig und kommt auch in der Gegend von Aringay nach D. José de Santos (Citat bei Semper) vor. Auch in Caramuan soll Kohle sich finden. In Samar wurde bei Loquilocun angeschwemmte Braunkohle gefunden; auf Cebu findet sich im Gebiet von Naga im Gebirge Alpaco (Revista minera 1863. 17. 244) Braunkohle; ebenso nach von Richthofen auf Mindanao östlich von Zamboanga im Seno de Sibugey, nach Sainz de Baranda auf der Insel Siargao (Nordostende von Mindanao). Die Sedimente sind also nur z. Th. marinen Ursprungs. Als Vergleich für die Sedimente möchte die durch von Hochstetter (Novara-Reise. Geol. Theil. Bd. II.) aufgestellte Gliederung in Java heranzuziehen sein.
Von den auf den Philippinen vorkommenden Erzen gehören die Eisenerze den krystallinischen Schiefern an: das Magneteisen am Fuss der Sierra de Bacacay (S. von Paracali) und die Eisenerze in der Nähe von Angat-Kupang, Provinz Bulacan. Ueber das reiche Vorkommen von Kupfererzen in Nordluzon ist nichts Genaueres bekannt. Sehr beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen liegen dort bei Mancayan im Distrikt Lepanto zwischen Cagayan und Ylocos. Nach Zerrenner (Berg- und Hüttenm. Zeit. 28. 105 und 113. 1869) kommt dort auf Quarzgängen in Trachytporphyr Kupferkies mit Enargit vor. In Spanischen Schriften wird das Gestein als Trapp bezeichnet. Auf der Insel Lubang (SW. von Manila) enthalten nach Dana die Talk- und Chloritschiefer Kupferkies. Quarzgänge, die in den krystallinischen Schiefern, zumeist in Talkschiefer und Serpentin auftreten, führen neben Schwefelkies, Bleiglanz und Kupferkies gediegen Gold und Chrombleispath. So wenigstens ist das Vorkommen bei Mambulao und Paracali (Provinz Camarines norte, Luzon). Das Vorkommen entspricht also ganz dem uralischen von Beresowsk.
Goldhaltige Sande, reich an Magneteisen, aus krystallinischen Schiefern werden an vielen Orten gewaschen. Nach Sainz de Baranda [337] kommt Gold ausser auf Luzon auch in Mindanao, Sibuyan, Panay, Dinagat vor; Quecksilber angeblich in Leyte; Kupfer (cobre nativo en polvo finisimo y pirita de cobre) auf Mindanao. Er giebt ferner schöne Krystalle von Rutil auf der Insel Bigat an, wohl ein Beweis für das Vorkommen krystallinischer Schiefer.
Nach dieser allgemeinen Uebersicht ist in dem Folgenden die specielle Beschreibung der von Herrn Dr. Jagor gesammelten Gesteine gegeben.
I. Luzon.
Provinz Bulacan.
Das Ufer des Rio Quingoa bei Angat (N. von Bulacan) bilden feste, gelbgraue, conglomeratische Tuffe mit grösseren grauweissen Bimsteinstücken, kleineren dunklen Schlacken- und Lavastückchen, einzelnen triklinen Feldspathen, Augiten und Magneteisen. Sie sind bisweilen fest genug um als Bausteine zu dienen und werden bei Tubagan und Buenavista (zwischen Balinag und Angat) gebrochen. An einzelnen Stellen wird das Gestein etwas dunkler durch Zunahme der Schlacken- und Lavastücke.
Der Bach Banavon zeigt N. von Angat nach Kupang hin viele Gerölle eines Kalkes mit Korallenresten und eines sehr verwitterten, plutonischen, Quarzbänder führenden Gesteins [338] .. In der Nähe kommen Eisenerze vor.
An den Uferbänken des Rio Quingoa bei Calumpit (W. von Angat) lässt sich auf lange Strecken hin ein Thonabsatz mit Cyrena verfolgen.
Provinz Bataan.