Part 26
Von dem für den Tabak zuträglichsten Boden und seiner Bestellung; vom Umpflanzen der Sämlinge. Man wähle Boden von mittlerem Korn, ziemlich schwer; besonders empfiehlt sich der kalkhaltige, wenn er reichlich mit verwesten Pflanzenresten gemischt und nicht weniger als zwei Fuss tief ist, denn je tiefer die Wurzel eindringt, um so höher erhebt sich die Pflanze. Daher sind in Cagayan diejenigen Ländereien für den Tabakbau am besten, die alle Jahre durch die Ueberschwemmungen des dortigen grossen Stromes unter Wasser gesetzt werden, und alljährlich neue Schichten fruchtbaren Schlammes erhalten. Auf solchem Boden angelegte Pflanzungen unterscheiden sich daher sehr merklich von höher belegenen, nicht also begünstigten. In jenen schiessen die Pflanzen, sobald sie Wurzel geschlagen, schnell empor, in diesen wachsen sie langsam und erreichen nur mittlere Höhe; dort entwickeln sie in Menge grosse starke saftreiche Blätter, die eine reiche Ernte versprechen, hier bleiben die Blätter kleiner und wachsen spärlich. Aber die Niederungen sind Ueberschwemmungen ausgesetzt, besonders im Januar und Februar, selbst noch im März, wenn der Tabak schon umgepflanzt und ziemlich hoch geworden ist. In solchem Falle ist alles rettungslos verloren, namentlich wenn die Ueberschwemmungen zu einer Zeit eintreten, wann es zu spät ist neue Pflanzungen anzulegen. Desshalb müssen auch hochgelegene Felder bebaut werden, die bei gehöriger Pflege vielleicht denselben Ertrag geben würden. Solche Felder sollten im Oktober drei bis viermal gepflügt und 2 bis 3 mal geeggt werden. Die Felder in den Niederungen können wegen der Ueberschwemmungen nicht vor Ende Dezember oder Mitte Januar gepflügt werden, ihre Bearbeitung ist dann leicht und einfach. Man wählt nun die stärksten Pflanzen in den Saatbeeten aus, und versetzt sie mit Ballen in Entfernungen von einer Elle in den zubereiteten Boden.
Von der auf die Pflanzen zu verwendenden Sorgfalt. Im Osten jeder Pflanze ist ein kleiner Schirm aus zwei Erdschollen aufzurichten, damit sie gegen die Morgensonne geschützt, den Thau länger geniesse. Sorgfältige Vertilgung des Unkrauts, Entfernung der wilden Triebe. Besonders gefährlich ist auch ein Wurm der zuweilen in Menge erscheint. Kurz vor der Reife sind Regen sehr schädlich, denn um diese Zeit ist die Pflanze nicht mehr im Stande, die für den Tabak so wesentliche gummiartige Substanz auszuscheiden, die in Wasser löslich, ihr durch den Regen entzogen wird. Der dem Unwetter preisgegebene Tabak bleibt immer ohne Saft, ohne Güte und ist voll weisser Flecke, ein sicheres Zeichen seiner schlechten Beschaffenheit. Der Schaden ist um so grösser, je näher der Tabak seiner Reife. Die auf den Boden hängenden Blätter faulen, und werden entfernt. Ist der Untergrund nicht tief genug, so vergilbt eine gut gepflegte Pflanzung und vertrocknet fast. In nassen Jahren kommt dies nicht leicht vor, da die Wurzeln dann auch in geringer Tiefe hinreichende Feuchtigkeit finden.
Abschneiden und Behandeln der Blätter im Trockenschuppen. Die obersten Blätter reifen zuerst, sie sind dann dunkelgelb und spröde. In dem Maasse als sie zeitigen, werden sie geschnitten, in Bündel gesammelt, in bedeckten Karren nach den Schuppen gebracht. An nassen, selbst an trüben Tagen, wenn die Sonne den nächtlichen Thau nicht völlig verdampft, darf nicht geschnitten werden. In den Schuppen zieht man die Blätter auf Schnüre oder gespaltenes spanisches Rohr mit genügenden Zwischenräumen zum Lüften und Trocknen. Die trocknen Blätter werden in Haufen gelegt, die nicht zu gross sein dürfen, und öfter umgepackt. Es muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass sie sich nicht zu sehr erhitzen und zu stark gähren. Diese für die Güte des Tabaks äusserst wichtige Behandlung verlangt grosse Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit und muss so lange fortgesetzt werden, bis die Blätter nur noch einen aromatischen Tabakgeruch wahrnehmen lassen.
Das nöthige Geschick für diese Hantirung ist aber nur durch lange Uebung, nicht durch Vorschriften zu erwerben.
SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL
DIE CHINESEN.
Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevölkerung zu sprechen, den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden, da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein dürfte. Von jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen, weder Feindseligkeit der Bevölkerung, noch Bedrückungen und Verbote seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlächtereien vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei seetüchtigsten Provinzen China's musste schon früh den Verkehr zwischen beiden Ländern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen können. In einigen älteren Schriftstellern findet sich sogar die Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft unterworfen waren [277] und Pater Gaubil (Lettres édifiantes) erwähnt, dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan's Ankunft selbst im äussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den Grabhöhlen gefundenen Porzellanschüsseln und Thongefässe zeigen, dass der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln des Archipels erstreckte. Für die junge spanische Kolonie bildete er die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu fürchten, dass die Junken ihre Frachten den Holländern bringen würden, wenn man ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie nicht ohne die Sangleyes bestehn, [278] die alljährlich in grosser Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krämer, Handwerker, Gärtner, Fischer über Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten, die sie früher betrieben hatten (Morga).
Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemüht, die Zahl der Chinesen auf das äusserste Maass zu beschränken; denn damals wie heut wurden letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich wurden; den Geistlichen waren sie ein Gräuel als verstockte Heiden »deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum zu machen«; die Regierung aber fürchtete sie wegen ihres festen Zusammenhaltens und als Angehörige des grossen Reiches, dessen bedenkliche Nähe dem kleinen Häuflein Spanier Verderben drohte. [279] Zum Glück für letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze frei werdenden bösen Mächte brachten die Kolonie in äusserste Gefahr.
Bei dem Angriff des grossen Seeräubers Limahong 1574 entging sie nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich von Gold sei? Man hielt sie für Spione und schloss aus ihrer sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schürten das Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen; Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile fürchteten sich vor einander und rüsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an, unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000, nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernör von Manila hervor. Das merkwürdige Dokument zeigt in so überraschender Weise, wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des Kapitels in wörtlicher Uebersetzung mittheile.
Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern Lebensbedürfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder so zugenommen, dass ein Gesetz [280] sie auf 6000 beschränkt, »denn diese reichen aus für die Bebauung des Bodens«; zugleich wird als Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitäns gerügt, der für die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8 Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevölkerung auf 30,000 (nach Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000 niedergemacht. »Die sonst so gleichgültigen Eingeborenen zeigten den grössten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern.« [281]
Schnell füllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lücke wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den chinesischen Seeräuber Kog-seng, der über 80 bis 100,000 Mann gebot und Formosa bereits den Holländern entrissen hatte. Er forderte die Philippinen zur Unterwerfung auf; sein plötzlicher Tod rettete die Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird in ihrem Ghetto niedergemetzelt [282], andre vertrieben, einige stürzen sich vor Schreck in's Wasser, oder erhängen sich; eine grosse Zahl flüchtet in kleinen Booten nach Formosa [283]. 1709 hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Höhe erreicht, dass sie der Empörung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: »denn unter dem Vorwande des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und rücksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so betrügen sie die Philippinen jährlich um ungeheure Summen.« Sonnerat klagt aber, dass Künste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt hätten; zum Glück, fügt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des Verbotes, durch Bestechung der Guvernöre und Beamten zurück.
Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmännisches Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der von Europa eingeführten Waaren ist ausschliesslich in ihren Händen, den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte nach Manila zu führen.
1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen Verbannungsdekrete ausgeführt. Da aber das Privatinteresse der Beamten mit dem der kreolischen Krämer nicht zusammenfällt, so »strömen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei« und machen bei der Invasion der Engländer (1762) gemeinschaftliche Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Señor Anda [284], »dass alle Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehängt werden sollen, welcher Befehl sehr allgemein ausgeführt wird«. [285] Die letzte grössere Chinesen-Schlächterei fand 1819 statt, als die Fremden im Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu haben; auch der grösste Theil der Europäer fiel damals in Manila der Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont.
Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des Eingeborenen stören; daher waren die beschränkenden Gesetze besonders gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau möchte man Chinesen wohl zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewöhnlich.
Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete dürfen in ihrem Parian einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar, Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen aber 2, bezüglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden.
1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen lässt. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern ausländischen Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der General-Kapitän Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzuführen, indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der Abgaben verspricht. [286] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewöhnlich bald dem Handel zu.
In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen geschlachtet oder vertrieben; man begnügt sich damit, ihre Thätigkeit durch drückende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen Händlern in Pangasinán ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12 bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jährlich für Beschickung der Wochenmärkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bücher fortan spanisch zu führen (engl. Kons. Ber. 1869).
Die Chinesen bleiben wie überall, so auch in den Philippinen, ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie übertreten, ist nur äusserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen Rücksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen sammt ihrer Frau, in Manila zurück. Sehr viele aber gründen Familien, sind gute Hausväter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten, fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevölkerung.
Durch den härtesten Lebenskampf in ihrer übervölkerten Heimat erstarkt, scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfähigkeit ungeschwächt zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss, Genügsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rücksichtslosigkeit in bürgerlichen Geschäften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie allmälig den Handel an sich. In allen Ländern Hinterindiens verdrängen sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und mehr auch ihre europäischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe.
Die Auswanderung aus dem mit Menschen überfüllten Riesenreich hat kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie sich als ein gewaltiger Strom zunächst über die tropischen Länder des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen, die Neid oder ohnmächtige Vorsicht ihr entgegenstellen.
Auf dem hinterindischen Festlande, in der Südsee, im indischen Archipel, in den Südstaaten Amerika's scheinen die Chinesen bestimmt, mit der Zeit jedes andere Element zu verdrängen, oder fruchtbare Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrücken.
In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen Arbeitern betrieben, da europäische unerfüllbare Ansprüche stellen.
Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika knüpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfähigkeit dieser beiden grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale ihre Kräfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch ihre thatkräftigsten Individuen vertreten. [287] Der Kampf wird mit Anstrengung aller Kräfte geführt, denn kein anderes Land belohnt die Arbeit mit so hohen Prämien. Die Bedingungen sind aber nicht gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg, die Behörde schützt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tückischen Morde gesteigerte Misshandlungen des Pöbels, der sie als bescheidene Arbeiter tödtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptsächlich von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingeniöre die Arbeiter aller anderen Nationalitäten durch Fleiss, Nüchternheit und gutes Betragen übertrafen; was ihnen etwa an Körperkraft abging, ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869 in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgeführt wurden, und zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission genügenden Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie ausführbar. [288]
Im Gebiete der höchsten geistigen Thätigkeit ist das Uebergewicht der Europäer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der bürgerlichen Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben, scheint der Preis den Chinesen zu gebühren. Auch bis zu uns dürfte sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit entbrannten Kampfe früher oder später fühlbar machen und maasslos wachsenden Ansprüchen Schranken setzen.
Dem amerikanischen Staatsmanne drängt die sich mehrende chinesische Einwanderung schon gegenwärtig Fragen von höchster sozialer und politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gänzlich fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhältnisse üben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den andern Bürgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche Rückwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die Zustände in China üben?
Diese Probleme, die hier nur vorübergehend angedeutet werden können, hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and Asia London 1870 behandelt.
Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuñia, Guvernör der Philippinen.
»An den grossen General-Kapitän von Luzon. Da ich in Erfahrung gebracht, dass die Chinesen, die in das Königreich Luzon gingen, um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tödtungen geforscht und den König gebeten, Gerechtigkeit zu üben gegen diejenigen, die so grosses Uebel veranlasst, damit künftig Abhülfe geschafft werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen Jahren, bevor ich als königlicher Kommissar hierher gekommen, ist ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit Erlaubniss des Königs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen, um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den König) diesen Betrüger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge Gerechtigkeit die in China geübt wird.
Es war zur Zeit des Ex-Vizekönigs und Eunuchen, als Tioneg und sein Begleiter Namens Yanglion die erwähnte Unwahrheit sprachen, und ich bat später den König, dass er sich alle Papiere in der Angelegenheit Tioneg's übersenden und besagten Tioneg sammt den Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwähnten Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den König und sagte, dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier den Verdacht geschöpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht hätten; und der König that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten Yanglion, indem er befahl ihn zu tödten; und dem Tioneg befahl er den Kopf abzuschlagen und in einen Käfig zu stecken, und die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem König, damit er befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer andern; nämlich, dass zwei englische Schiffe an diese Küsten von Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefährliche Sache für China, und dass der König entscheide, was in diesen beiden so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir an den König, dass er Befehl geben möge, die beiden Chinesen zu bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwähnten Dinge dem König geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe, die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so solle man ihnen unverzüglich befehlen, von dort nach Luzon zu gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie möchten Schelmen und Lügnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzüglich die beiden Chinesen umbringen, welche den Engländern den Hafen gezeigt hätten, und in allem übrigen, was wir ihm geschrieben, wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft empfangen, der Vizekönig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt diese unsere Botschaften an den Guvernör von Luzon, damit seiner Herrlichkeit kund werde die Grösse des Königs von China und des Königreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernör von Luzon wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird, welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte; und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen, welches zur Regierung von China gehört, sind sie damit nicht zu Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden, und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die von Luzon von Hörensagen wohl wissen.