Part 24
Zur Anlage einer neuen Pflanzung werden gewöhnlich junge Triebe benutzt, die in solcher Fülle aus der Wurzel sprossen, dass jedes Individuum bald zu einem Busch wird. Auf gutem Boden lässt man daher Abstände von wenigstens 10 Fuss zwischen den Pflanzen, auf geringerem 6 Fuss. Die ganze Arbeit beschränkt sich auf gelegentliche Vertilgung des Unkrautes und Unterholzes während der ersten Zeit; später wuchern die Pflanzen so üppig, dass sie keine andere neben sich aufkommen lassen, dann sind auch schattengebende Bäume nicht mehr nöthig, da die jungen Triebe unter den wedelartigen Blättern der alten hinreichenden Schutz gegen die Sonnengluth finden. Nur in seltenen Fällen, bei Uebersiedelung in entfernte Gebiete, werden Pflanzen aus Samen gezogen. Zu dem Zwecke schneidet man die Früchte ab und trocknet sie, doch dürfen sie nicht überreif sein, da die Kerne sonst nicht keimen. Letztere haben die Grösse von Pfefferkörnern (bei den essbaren Arten sind sie fast bis zum Verschwinden verkümmert). Zwei Tage vor dem Aussäen werden die Kerne aus der Frucht genommen, über Nacht in Wasser gelegt, am folgenden Tage im Schatten getrocknet, am dritten Tage ausgesäet, in zolltiefe Löcher, auf frisch umgegrabenen hinreichend beschatteten Waldboden, mit 6 Zoll Abstand zwischen den Pflanzen und Reihen. Nach einem Jahre pflanzt man die dann etwa 2' hohen Sämlinge um und behandelt sie weiter wie Wurzeltriebe. Während viele essbare Bananen schon nach einem Jahre Früchte tragen, einige sogar schon nach 6 Monaten, braucht die Abacá im Durchschnitt 3 Jahre bis zur Bastreife, wenn sie aus Wurzeltrieben; vier Jahre, wenn sie aus ein Jahr alten Sämlingen gezogen wird; unter den günstigsten Verhältnissen 2 Jahre.
Bei der ersten Ernte schneidet man von jedem Busch nur einen Stamm, später nimmt der Nachwuchs so schnell zu, dass alle paar Monate geschnitten werden kann; [251] nach einigen Jahren wird die Pflanzung so dicht, dass es kaum möglich ist, durchzudringen. Am besten ist der Bast zur Zeit, wo die Blüthe ansetzt, doch wird, wenn die Faser hoch im Preise steht, dieser Zeitpunkt nicht immer abgewartet.
Pflanzen, die geblüht haben, werden gar nicht ausgebeutet, angeblich weil ihre Faser zu schwach ist. Eine so zartfühlende Rücksicht für den unbekannten Konsumenten jenseits des Weltmeers trotz dringender Nachfrage und mangelnder Aufsicht wäre befremdend. Auch ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Faser schwächer werden sollte durch den Vorgang der Fruchtbildung, der doch nur zu den Gefässzellen in Beziehung steht, die Umwandlung ihres Inhalts in lösliche Stoffe und ihre allmälige Entleerung zur Folge hat, während die Faserzellen dadurch nicht beeinflusst werden. Diese nehmen im Gegentheil mit dem Alter der Pflanze an Festigkeit zu; haften aber, weil die entleerten Zellen, durch Ablagerung harziger Stoffe an einander kleben, so fest zusammen, dass es nicht möglich sein würde, sie ohne sehr vermehrten Kraftaufwand und unzerrissen zu gewinnen. So mag die irrige Meinung entstanden sein. Durch vorheriges Rösten, wie beim Hanf, liessen sich vielleicht auch die alten Pflanzen verwerthen, jedoch nicht ohne beträchtliche Erhöhung des Arbeitslohns, der schon jetzt den grössten Theil der Darstellungskosten ausmacht. [252]
Um den Bast zu erhalten, wird der Stamm dicht über dem Boden abgeschnitten und von den Blättern und äussern Hüllen befreit; dann löst man die einzelnen Blattstiele in Streifen ab, macht auf der innern, konkaven Seite einen Querschnitt durch die Haut und reisst sie sammt dem daran haftenden fleischigen Theil (dem Parenchym) ab, so dass nur die äussere Haut möglichst rein zurückbleibt. Oder man löst den Bast von dem unzertheilten Stamm. Zu dem Zweck macht der Arbeiter einen schrägen Einschnitt in die Haut am untern Ende des Stammes, fährt mit dem Messer unter den Zipfel, zieht einen möglichst breiten Streifen der ganzen Länge nach ab, und wiederholt dies so lange es lohnt. Dies Verfahren, ausgiebiger, aber zeitraubender als das zuerst beschriebene und daher nur selten angewendet, heisst: jagot, jenes: luni. Die Baststreifen werden dann unter einem drei Zoll hohen, sechs Zoll langen Messer durchgezogen, das mit einem Ende an einem elastischen Stock so befestigt ist, dass die Klinge senkrecht über einem geglätteten Block schwebt, und am andern Ende, dem Griff, mittelst einer an einem Trittbrett angebrachten Schnur fest aufgedrückt werden kann. Der Arbeiter zieht die mehr oder weniger gereinigten Bastreifen zwischen Block und Messer durch, von der Mitte anfangend erst nach der einen, dann nach der andern Seite. Das Messer darf nicht schartig oder gar sägenförmig gezähnt sein, wie Padre Blanco angiebt. [253]
In Lohn arbeitend liefern 3 Mann gewöhnlich 25 Pfd. per Tag. Einer haut den Stamm um, löst die Blätter ab und trägt zu; ein Zweiter, häufig ein Knabe, bereitet die Streifen, der Dritte zieht sie unter dem Messer durch. Es kommt vor, dass einzelne Pflanzen bis 2 Pfund Fasern liefern; der günstigste Durchschnitt beträgt wohl nur selten ein Pfund, auf schlechtem Boden kaum den sechsten Theil. Der Besitzer beutet die Pflanzung entweder selbst aus, oder durch Tagelöhner oder, bei sehr niedrigen Marktpreisen, indem er den Arbeitern die Hälfte des Ertrages überlässt. In diesem Fall soll ein tüchtiger Arbeiter einen Pico in der Woche liefern können. Legt man den bei meiner Anwesenheit ausnahmsweise niedrigen Preis, 16,5 r. für den Pico zu Grunde, so gewinnt der Arbeiter in 6 Tagen den halben Betrag = 8,25 r., täglich 1,375 r. Der Tagelohn war damals 0,5 r. und Beköstigung = 0,25 r., zusammen 0,75 r.
im Tagelohn: auf halben Antheil:
Der Arbeiter verdiente also täglich 0,75 r. 1,375 r. Der Arbeitslohn per Pico betrug 12,6 r. 8,25 r. Der Nutzen des Pflanzers nach Abzug des Arbeiterlohns 3,9 r. 8,25 r.
Die Ränder der Blattstiele, die viel feinere Fasern enthalten als die Mitte, werden in zollbreiten Streifen besonders abgelöst und mit starkem Druck mehrere Male unter dem Messer durchgezogen. Ihr Produkt heisst Lúpis, steht hoch im Preise und wird zu feinen inländischen Geweben benutzt, während die Bandála hauptsächlich zu Tauwerk dient. [254] Das Lupis wird nach der Feinheit der Fasern in vier Klassen sortirt (1o Binani, 2o Totogna, 3o Sogotan, 4o Cadaclan) indem man ein Bündel davon in die linke Hand nimmt, und mit der rechten die drei ersten Sorten in die Zwischenräume der vier Finger einreiht, die vierte zwischen Daum und Zeigefinger behält. Diese letztere ist für sehr feine Gewebe nicht mehr verwendbar, und wird daher häufig mit der Bandála verkauft. Nachdem die feinen Sorten im Reis-Mörser gestampft worden, um die Fasern geschmeidiger zu machen, werden diese einzeln an einander geknüpft und zum Weben verwendet.
Gewöhnlich wird die erste Sorte als Einschlag mit der zweiten als Kette, die dritte als Kette mit der zweiten als Einschlag verarbeitet. Dergleichen Gewebe sind fast so schön, wie Ananas-Stoffe (Nipis de piña), kommen den feinsten Batisten an Feinheit gleich, sind trotz der vielen kleinen vom Verknüpfen der Fasern herrührenden Knötchen, die man bei genauerer Beschauung entdeckt, noch klarer, auch starrer, und haben einen wärmeren gelblichen Ton. [255] In Bezug auf diese letzten drei Eigenschaften, Klarheit, Starrheit und Farbe, verhalten sie sich zum Batist etwa wie Pauspapier zu Seidenpapier.
Die Herstellung solcher Stoffe auf sehr unvollkommenen Webstühlen ist äusserst mühsam, da die nicht gesponnenen, sondern geknoteten Fasern häufig reissen. Die feinsten Zeuge verlangen einen so grossen Aufwand von Geschick, Geduld und Zeit, und steigen dadurch so sehr im Preise, dass sie in Europa der billigen Maschinenarbeit gegenüber keine Käufer finden würden. Selbst ihr schöner warmer Ton wird ihnen von den an stark gebläute Wäsche gewohnten Europäerinnen zum Vorwurf gemacht. Im Lande dagegen werden sie von den reichen Mestizinnen, welche die Arbeit zu würdigen verstehn, sehr hoch bezahlt.
Die Fasern der innern Blattstiele, die weicher, aber nicht so stark sind als die der äussern, heissen Tupus und werden mit der Bandála verkauft, oder zu inländischen Geweben, besonders zu Tapis benutzt. Auch die Bandála dient zu Geweben, und in dem Theil des Archipels, wo die Abacákultur einheimisch, besteht oft der ganze Anzug beider Geschlechter nur aus grober Guinára. Noch gröbere starrere Zeuge werden für den europäischen Markt bereitet, als Krinoline, oder zum Fassonniren für Putzmacherinnen.
Schon vor Ankunft der Spanier trugen die Eingeborenen Stoffe von Abacá. Einen wichtigen Ausfuhrartikel bildet es erst seit einigen Jahrzehnten. Dies ist zum grossen Theil dem Unternehmungsgeist zweier amerikanischen Häuser zu danken und wurde nicht ohne viel Beharrlichkeit und beträchtliche Geldopfer erreicht.
Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der Fasern Mühe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur gegen Noth geschützte Eingeborene diese Mühe, wenn der Marktpreis nicht sehr lockend ist. Auf regelmässige Lieferungen wäre bei niedrigen Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Händlern nicht eine Handhabe böte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht ihnen Vorschüsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen von Bandála aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des Gläubigers tilgen müssen. [256] So lange das Produkt hoch im Preise steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit der Indier, Trägheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfähigkeit der nicht kaufmännisch geschulten Zwischenhändler zuweilen beträchtliche Verluste vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhändler deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch müssen sie liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld besitzen. Dann führen die Indier bittre Klage über die Agenten, die sie durch Vorschüsse unter wucherischen Bedingungen zu harter unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewöhnlich Kreolen und Mestizen) klagen über die schlauen habgierigen Fremden, die sich nicht entblöden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich verlieren beträchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebüsst, soll es den an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen, selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle früher dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches Recht, sind sehr neidisch auf die »fremden Eindringlinge, die sich auf ihre Unkosten bereichern« und legen ihnen jedes Hinderniss in den Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so müssten alle Fremde aus dem Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden. [257]
In derselben Weise werden die Chinesen als tüchtige zuverlässige Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grössere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben. Auch den Kolonialbehörden wird vorgeworfen, dass sie die Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthätigkeiten beschützen. Dass bisher in den Philippinen grössere Unternehmungen in der Regel nicht glückten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich jenen Umständen zugeschrieben. Manche freilich erklären die Misserfolge aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn sie pünktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint allmälig zu der Einsicht gekommen, dass die natürlichen Hülfsquellen der Kolonie nicht erschlossen werden können ohne das Kapital und den Unternehmungsgeist der Ausländer. Sie hinderte daher in neuer Zeit ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden.
Die nächste Zukunft scheint sich für die Abacákultur sehr glänzend zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptsächlich in Amerika verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwährend im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abacá zum Werth von 397,995 Dollar ausgeführt wurden, wonach sich der Werth per Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmälig und hielt sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte während des Krimkrieges, der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Höhe von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste, deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen normalen Verhältnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3 1/2 Dollar herabdrückte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis 1860, sind seitdem allmälig gestiegen (nur während des amerikanischen Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie während des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwächst. 1866 kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9 1/2 Dollar für ordinäre Sorten. »Die Produktion hat in manchen Provinzen die äusserste Grenze erreicht, eine Steigerung derselben ist für das Erste wenigstens nicht möglich, da die ganze männliche Bevölkerung bereits an der Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafür, dass reichlicher Lohn die Faulheit der Eingeborenen zu überwinden vermag«. [258]
Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu bestätigen.
Nach 1861 1864 1866 1868 1870 1871
Grossbritanien 198,954 226,258 96,000 125,540 131,180 143,498 N.-Amerik. Atlant. Häfen 158,610 249,106 280,000 294,728 327,728 285,112 Californien 6600 9426 14,200 15,900 22,500 Europa Continent 901 1134 200 244 640 Australien 16 5194 21,144 11,434 6716 Singapore 2648 1932 3646 1202 2992 China 5531 302 882 2294 ======= ======= ======= ======= ======= ======= Total 273,269 493,352 406,682 460,558 488,560 463,752
Balanza Preuss. Belg. Engl. Marktbericht mercantil. Konsul- Konsul- Konsul- T. H. & Co. Bericht. Bericht. Bericht.
Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe für den Bedarf der Familie werden aber gewöhnlich im Hause selbst angefertigt.
Als Surrogat für Abacá kommt seit einigen Jahren in zunehmender Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den Handel. Es sieht ungefähr so aus wie Abacá, entbehrt aber den schönen Seidenglanz, ist schwächer, kostet 5 bis 10 £ per Ton weniger, wird nur zu Tauwerk verwendet; seine Abfälle sind zur Papierfabrikation gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz über den Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen davon wesentlich abweichenden ausführlichen Aufsatz mit Abbildungen der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in London über seine Herkunft herrscht, dürfte ein kurzer Auszug daraus willkommen sein. Der Bericht erwähnt die grössere Schönheit der Abacáfaser, aber nicht ihre grössere Festigkeit. [259]
Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel) benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan's und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente, kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci (spr. yachki, yax = grün, ki = agave), die zweite im Range, sie wird nur für feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac = weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich die Fasern für die Ausfuhr, jede Pflanze jährlich 25 Blätter = 25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, ähnlich No. 3, aber gröber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Blätter klein, daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein) weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich Fourcroya cubensis, Blätter schmal, 4 bis 5' lang.
Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die Gewinnung der Faser aus den Blättern und ihr Verspinnen zu Tauwerk geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgeübt, Abkömmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand.
Der Sesalbau soll jährlich 95% Nutzen abwerfen. Ein Mecate = 576 quadr. Varas enthält 64 Pflanzen, giebt 64 Pfd. reine Faser, Werth 3 Doll. 84 C., nach Abzug der Kosten (1 Doll. 71) 2 Doll. 13 C. Gewinn. Die Ernten beginnen 4 bis 5 Jahre nach Anlage der Pflanzung und halten 50 bis 60 Jahre an.
Da es in tropischen Ländern kaum eine Hütte ohne Bananen giebt, so sind schon Viele auf den Gedanken gekommen, dass es sehr vortheilhaft sein würde, die Fasern dieser Pflanzen zu verwerthen, die jetzt gänzlich verloren gehn und für den blossen Arbeitslohn zu haben wären, denn die geringe Mühe des Anbaus vergelten die Bananen schon auf's reichlichste durch ihren Fruchtertrag. [260] Für die Philippinen würde diese Voraussetzung unter den bestehenden Verhältnissen wohl nicht zutreffen, da es nicht einmal lohnt den Bast der ächten Abacápflanzen zu gewinnen, sobald diese Früchte getragen haben. Die Faser der essbaren Arten wäre doch wohl nur als Papierstoff zu gebrauchen, ihre Gewinnung würde mehr kosten als die der ächten Bandála (s. S. 248).
Im Sitzungsbericht der Society of Arts, London 11. Mai 1860 wird eine von F. Burke in Montserrat erfundene Maschine zur Erzielung von Bananen- und andern endogenen Pflanzenfasern besprochen. Während frühere Maschinen der Faser parallel wirkten, arbeitet jene queer gegen dieselben, wodurch sie vorzüglich rein erhalten werden; man soll damit von der Banane 7 bis 9 % Faserstoff gewinnen. Die Tropical Fibre Company hatte solche Maschinen nach Demarara, auch nach Java und andern Orten gesandt in der Absicht, die Fasern der essbaren Bananen zu Gespinnst und Papierstoff zu verwerthen. Auch lagen bereits Proben also gewonnener Fasern aus Java vor, deren Werth für den Spinner auf 20 bis 25 £ geschätzt wurde.(?) Es scheinen aber diese vielversprechenden Versuche noch nirgends zu nachdrücklichem Betriebe geführt zu haben, wenigstens wird in den mir zu Händen gekommenen Konsularberichten nichts davon erwähnt. Bei der Bandalagewinnung in den Philippinen hat sich die Erfindung nicht Eingang verschafft; selbst noch in seinem neuesten Bericht (Aug. 1869) klagt der englische Konsul, dass alle bisher von den Ingeniören ersonnenen Maschinen sich als völlig unbrauchbar erwiesen.
Der Nutzung des Bastes essbarer Bananen steht aber in den Philippinen auch noch der Umstand entgegen, dass diese Pflanzen dort, nicht wie an manchen Orten in Amerika, in grossen Gärten, sondern vereinzelt um die Hütten gezogen werden; die Heranschaffung des Rohmaterials, der Lokaltransport und die hohe Schiffsfracht würden den doch immer nur mässig guten Stoff für Europa zu sehr vertheuern, wenigstens wohl auf 10 £ per Tonne, während Spartogras (Lygaeum spartum Loeffl.), das seit einigen Jahren in steigender Menge als Papierstoff eingeführt wird, in London nur 5 £ die Tonne kostet. [261] Einen andern billigen Papierstoff liefern die Kaffeesäcke aus Jute (Corchorus capsularis). Sie dienen namentlich zur Darstellung festen braunen Packpapiers, da es noch nicht gelingen will, die Faser zu bleichen. Nach P. Symmonds verwenden die Vereinigten Staaten in neuester Zeit viel Bambus. Ein sehr gutes Zeug soll die Rinde der Adansonia digitata geben; besondere Beachtung aber verdiene der Neu-Seeland-Flachs, da sich daraus gefertigtes Papier wegen seiner grossen Zähigkeit vorzüglich für Werthpapiere eigne.
Es darf indessen nicht übersehen werden, dass die zur Papierbereitung verwendeten Lumpen von Leinen- und Baumwollenstoffen, die das vorzüglichste Papier geben, ebenfalls für die blosse Mühe des Einsammelns zu haben sind, dass sie die Kosten ihrer Herstellung schon in der Form von Kleiderstoffen gedeckt, und sogar durch die Abnutzung und durch vieles Waschen eine weitere Zubereitung erhalten haben, die sie zur Papierbereitung geeigneter macht.
Je mehr übrigens die Papierfabrikation fortschreitet, um so mehr verdrängen einheimische Holzfasern, namentlich Holz und Stroh, die schon gegenwärtig recht gute Pasten geben, jeden aus der Ferne eingeführten Rohstoff. Dass England so viel Sparto bezieht, hat wohl mit darin seinen Grund, dass es nur sehr wenig Stroh erzeugt, weil es einen grossen Theil seines Getreidebedarfs in Körnern vom Auslande empfängt.
FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL
DAS TABAKMONOPOL.
Für die Regierung ist der Tabak das wichtigste aller Landesprodukte; sie hat den Anbau der Pflanze, ihre Verarbeitung und den Debit zum Gegenstande eines umfassenden, rücksichtslos geübten Monopols gemacht und zieht daraus einen beträchtlichen Theil ihrer Einkünfte. [262] Soviel sich auch gegen die Zweckmässigkeit und Moralität mancher anderer Einnahmequellen des Kolonialbudgets (Kopfsteuer, Spiel- und Opiumpacht, Handel mit Brantwein und Ablasscheinen) einwenden lässt, keine ist so gehässig und verderblich wie das Tabakmonopol.
Oftmals ist im Laufe dieser Reiseberichte die Milde der spanischen Regierung in den Philippinen gerühmt worden; in grellem Widerspruch damit steht das Verfahren der Tabakregie: Sie nimmt den Bauern ohne jegliche Entschädigung die Aecker, die sie zum Anbau notwendiger Nahrungsmittel urbar gemacht hatten, zwingt sie durch harte Körperstrafen auf dem konfiszirten Eigenthum ein Produkt zu bauen, das sehr viel Mühe verlangt und unsichere Ernten giebt; sie klassifizirt die gewonnenen Blätter willkürlich ohne Appell und zahlt dafür im günstigsten Fall einen von ihr selbst festgestellten nominellen Preis -- im günstigsten Fall; ein solcher ist aber seit einer Reihe von Jahren nicht mehr vorgekommen, Spanien bleibt jetzt regelmässig den unglücklichen Bauern jenen kärglichen Lohn Jahre lang schuldig; die Regierung prämiirt die Beamten, die von der verarmten Bevölkerung der Tabakdistrikte höhere Erträge erpressen, und belohnt Denunzianten, die ihr zum Tabakbau geeignete Felder nachweisen, indem sie die Spione an Stelle der Eigenthümer in den Besitz der denunzirten Ländereien setzt.
Zur Begründung dieser Anschuldigungen mögen hier einige §§. der in Kraft bestehenden General-Instruktion [263] und weiter unten einige Auszüge aus dem amtlichen Berichte des General-Intendanten Agius an den Kolonial-Minister folgen: [264]