Part 23
Anstalten der Wohlthätigkeit sind auf keiner der beiden Inseln vorhanden. Jede Familie erhält ihre Armen und Krüppel und behandelt sie gut. In Catbalógan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000 Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfänger (in Albay fehlte es nicht an Bettlern). In Láuang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer pünktlich bezahlt werden. Räubereien kommen auf Samar fast nie vor, Diebstahl höchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos, sie leisten nicht viel weniger als in Camarínes.
Unter den öffentlichen Vergnügungen stehn die Hahnenkämpfe obenan, werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen übersetztes Schauspiel, gewöhnlich religiösen Inhalts aufgeführt, die Kosten werden durch freiwillige Beiträge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der Bevölkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge Mädchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nächte hintereinander, so lange Speisen und Getränke ausreichen. Der Freier muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die Braut heimführen kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die Zuspeise selbst zu beschaffen. [234] Zu Ende der Dienstzeit baut er mit Hülfe seiner Verwandten und Freunde das Haus für die neu zu gründende Familie.
Ehebruch ist häufig, Eifersucht selten und führt nie zu Gewaltthätigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewöhnlich zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt für den Einen und Trostworten für den Anderen Alles wieder in's Geleise bringt. Ehefrauen sind leichter zugänglich als Mädchen, aber auch diesen wird die Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum geschmälert. Mädchen unter väterlicher Gewalt werden in der Regel streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlängern. Der äussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthümliche Ansicht, dass die Zahl der Frauen die der Männer übersteige (vergl. S. 45). Mütter von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebären 12 bis 13 Kinder; es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder 8 Kindern sind äusserst selten.
Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen, das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trägt, haben Viele auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu untersuchen, das einem sehr kühnen Verbrecher abgenommen worden war. Es bestand aus einem Unzenfläschchen, vollgestopft mit feinen, anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen Stämmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig; sobald ihm aber das Fläschchen entrissen war, gab er allen Widerstand auf und liess sich binden. Fast in jedem grössern Dorf giebt es eine oder mehrere Asuán-Familien, die allgemein gefürchtet und gemieden, wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander verheirathen können. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? -- Der Glaube ist sehr allgemein und festgewurzelt. Darüber zur Rede gestellt antworteten alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die Asuánen jetzt noch Menschen frässen, aber ohne Zweifel hätten ihre Vorfahren es gethan. [235]
Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei ihren Tänzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne Geist, meist obszön. Denkmäler früherer Zivilisation haben sich nicht erhalten. »Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit.« (Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwähnt zwar, dass der König von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel zerstören liess, es mögen indessen wohl nur Bauten sehr vergänglicher Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Götter in eigens erbauten mit Blumen und Lampen geschmückten Laubhütten verehrten. Sie nannten diese Hütten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen) »und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder einem Tempel ähnlich sieht«. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri, (S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen Anito genannte Götter an [236]; es gab auch einen See-Anito und einen für das Haus, um die Kinder zu behüten. Unter diese Anitos wurden ihre Grossväter und Urgrossväter versetzt, die sie in allen Nöthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedächtniss bewahrten sie kleine hässliche Bildsäulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie Liche oder Laravan nannten. Auch zählten sie zu ihren Göttern Alle, die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getödtet, oder von Krokodilen gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: »Sie sind von Holz, konkav oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geöffnet, auch die Beine, die Füsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier gewaltigen Zähnen, Eberstosszähnen ähnlich, und sind ganz bemalt. [237]
Zum Schluss eine kurze Nachricht über die Religion der alten Bisayer nach Fr. Gaspar (Conq. 169): Den Teufel oder Genius, dem sie opferten, nannten sie Divata was einen Gegensatz der Gottheit, einen gegen dieselbe Empörten zu bezeichnen scheint ... die Hölle nannten sie Solad, den Himmel (in ihrer gebildetsten Sprache) Ologan ... die Seelen der Verstorbenen gehn auf einen Berg in der Provinz Oton, welcher Medias heisst, wo sie sehr gut bewirthet und bedient werden. Erschaffung der Welt: Ein Geier schwebt zwischen Wasser und Himmel, findet keine Stätte, um sich zu setzen, das Wasser steigt gen Himmel. Der Himmel wird zornig, erschafft Inseln. Der Geier spaltet einen Bambus, daraus entstehn Mann und Frau, sie zeugen viele Kinder und treiben sie als ihre Zahl zu gross geworden, mit Schlägen aus. Einige verbergen sich in der Kammer, dies werden die Datos, einige in der Küche, das werden die Sklaven, die übrigen gehn die Treppe hinab und werden das Volk.
DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL
DIE NEUEN ZOLLHÄFEN. -- STEINKOHLE IN CEBU. -- YLOILO. -- AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES.
1830 wurden versuchsweise sieben neue Häfen geöffnet, wegen grosser Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung eines Zollamtes in Zamboánga, SW. Spitze von Mindanáo. 1855 wurden Suál im Golf von Lingayen, einer der sichersten Häfen auf der Westküste Luzon's und Yloílo auf Panay, 1863 Cebú auf der gleichnamigen Insel für den direkten Verkehr mit dem Auslande geöffnet.
Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zamboánga errichtet, das die Seeräuberzüge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte, sie aber doch sehr einschränkte. [238] Bis 1848 sollen von den Moros jährlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein. [239] Der Gründung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als kommerzielle Rücksichten zu Grunde: man wollte den Seeräuberstaaten der Solosee einen leicht zugänglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte öffnen. Der Handel ist bis jetzt höchst unbedeutend; die Ausfuhr besteht hauptsächlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der wegen seiner nachlässigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers (Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch Chinesen betrieben, welche allein die dafür erforderliche Geduld, Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen.
Suál ist besonders für Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in obigen Ländern die Ernten gut ausgefallen, trieb Suál nur Küstenhandel.
Cebú, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der Regierung und des Bischofs für die Bisayas, in 48 Stunden von Manila im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so günstige Lage für den östlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo für den westlichen und wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojól erhält es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abacá, von Misámis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist von Samar 26, von Leyte 7 1/2 von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt.
Die Insel Cebú hat 75 quadr. M. Flächeninhalt, ein hohes Gebirge durchzieht sie von N. bis Süd und scheidet die Ost- von der Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschätzt, 4533 auf die quadr. M. Die Bewohner sind friedfertig und gefügig, Diebstähle kommen sehr selten, Räubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau, Fischerei und Weberei für den eignen Gebrauch. Cebú produzirt Zucker, Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingeführt.
Die Insel besitzt beträchtliche Kohlenlager, deren nachdrückliche Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist. [240] Während in Luzon und Panay das Land grösstentheils Eigenthum der Bauern, gehört es in Cebú meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer wissen die Bauern durch wucherische Vorschüsse in Abhängigkeit zu erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des Archipels. [241] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050 Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abacá nach England, 112,000 Dollar Abacá nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak nach Spanien. Die Einfuhr fremder Güter findet über Manila statt, grösstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhäusern in Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar, davon 150,000 Dollar für englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989 Dollar geschätzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgeführt. Früher kauften die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach Wegfall der hohen Maklergebühren, höhere Preise erhalten. Diesem der Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmälige Zunahme des Ackerbaues hauptsächlich zuzuschreiben.
Yloilo ist der wichtigste der neu eröffneten Häfen, Zentralpunkt der Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney schätzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jährlich. Der Hafen ist ausgezeichnet, völlig geschützt durch eine queer davor gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe) unmittelbar am Strande. Wegen der Barre müssen tiefgehende Schiffe ihre Ladung ausserhalb derselben vervollständigen. Vor Eröffnung der neuen Häfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre für die Ausfuhr bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre ausländischen Bedürfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht N. Loney's geht hervor, wie günstig die Eröffnung von Yloilo schon nach so wenigen Jahren auf die davon zunächst betroffenen Provinzen der Inseln Panay und Negros gewirkt hat.
Die höheren Preise, die für direkt ausgeführten Zucker gezahlt werden konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschäfts, im Vergleich zu dem früher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antíque und Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als möglich vergrössert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mühle; bei den vorhandenen hölzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch die Walzen gegangen, 30% Saft zurück. Jetzt verdrängen eiserne, durch Dampf oder Büffel getriebene Pressen die hölzernen. Ihre Anschaffung wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert, da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhäuser auf Kredit kaufen können. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen Pfannen werden bessere aus Europa eingeführt. Mehrere grosse, mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerüstete, durch Dampf betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflüge, Karren und Ackergeräthe werden immer häufiger. Diese Veränderungen zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des über 200 Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich Ausländer niederlassen können. Ohne Letztere und die durch sie herbeigeführten Krediterleichterungen wäre der schnelle Aufschwung Yloilo's nicht möglich gewesen, denn die Handelshäuser der Hauptstadt können ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders, als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die früher mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermögen, seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Güter direkt in die Provinz senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhändlern gegenüber zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden, da es auf jener Insel an Händen fehlt.
Ausländer können jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und vollgültige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes möglich war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch »Denuncia« erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den betreffenden einheimischen Behörden das Stück Land, das er bebauen will, und erhält, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen Schein darüber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne andre Kosten als Stempel und Gebühren den Besitztitel ausfertigt.
Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nöthige Kapital zum erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre urbar gemachten Felder an europäische Kapitalisten und bilden so einen Vortrab für bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begünstigen.
Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken in Negros an Flüssen, die hinreichend tief für flache Lastboote sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren verdoppelt. [242] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben.
Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo und selten über 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75 bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist das Geschäft lohnend. [243]
Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen Mestizen, 20 Europäer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug 2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind »Acsa« (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthümer überlässt ein Stück Land sammt Zugvieh und Ackergeräth zur Bearbeitung an einen Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mühle zu liefern hat und einen Theil (gewöhnlich ein Drittel) für sich erhält. In Negros wird violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird nicht gedüngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich; Stoffe von Piña und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedürfnissen wird der Fleiss steigen.
Wie schon mehrfach erwähnt, scheinen Californien, Japan, China, Australien die naturgemässen Hauptabnehmer für die Kolonial-Produkte der Philippinen. Gegenwärtig freilich ist England der beste Kunde, aber mehr als die Hälfte seiner Rechnung ist für Zucker, in Folge eigenthümlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu können; die übrigen drei Viertel müssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen, trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen Raffinör, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, während reinerer 10 bis 12 Sh. kostet. [244]
So prämiirt das englische Zollgesetz die schlechte Zuckerfabrikation. Dasselbe that bis 1862 die Kolonial-Regierung, indem sie den Fabriken nicht gestattete ihre Molassen zu Rum zu destilliren (s. S. 58). Man hatte daher wenig Lust, dem Zucker mit Unkosten einen nicht zu verwerthenden Körper zu entziehn. Unter normalen Verhältnissen deckt die Rumfabrikation nicht nur die Kosten der Reinigung, sie liefert auch einen erheblichen Gewinn.
VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL
ABACA ODER MANILA-HANF.
Eines der interessantesten Erzeugnisse jener Inseln ist der sogenannte Manila-Hanf, von den Franzosen, die aber fast keinen Gebrauch davon machen, wegen des seidenartigen Glanzes Pflanzenseide genannt. Bei den Eingeborenen heisst die Faser Bandála, im Handel gewöhnlich Abacá, wie die Pflanze von der sie gewonnen wird. Letztere ist eine in den Philippinen ursprünglich wild wachsende Banane, auch árbol de cáñamo (Hanfbaum) genannt, Musa textilis Lin. Sie unterscheidet sich im allgemeinen Anblick nicht merklich von der essbaren Banane, M. paradisiaca, einer der allerwichtigsten Kulturpflanzen warmer Erdstriche, die als beliebte Zierpflanze unserer Treibhäuser Jedermann bekannt ist. Ob die an andern Orten des indischen Archipels wild wachsenden Musen (M. troglodytarum, M. sylvestris und andere), häufig auch M. textilis genannt, derselben Art angehören, ist noch nicht festgestellt.
Die Musen sind nur krautartige Pflanzen, der scheinbare Stamm besteht aus Blattstielen von mondsichelförmigem Querschnitt, die einander umschliessend den dünnen zentralen Blüthenschaft umgeben. Diese Blattstiele stecken voll Bastfasern und werden deshalb vielfach statt Bindfadens benutzt, bilden aber keinen Handelsartikel. Als solcher dienen bis jetzt ausschliesslich die in dem südöstlichen Theil der Philippinen gewonnenen Abacáfasern.
Besonders geeignet für den Anbau dieser Pflanze sind die Provinzen Süd-Camarines und Albay, die Inseln Samar und Leyte und die umliegenden Eilande, auch Cebu; ein Theil des »Cebu-Hanfs« kommt aber von Mindanao. Auf Negros gedeiht die Bastbanane nur im Süden, nicht im Norden, und Yloilo, das die meisten Abacá-Gewebe (Guináras) erzeugt, muss den Rohstoff von den östlicheren Distrikten einführen, da er auf der Insel Panay nicht gedeiht (In Capiz wächst wohl etwas Abacá, es ist aber von geringem Werth). Alle Versuche den Abacábau auch in den westlichen und nördlicheren Provinzen heimisch zu machen -- es soll an ernstlichen Bemühungen nicht gefehlt haben -- sind bisher misslungen; die Pflanzen wurden kaum zwei Fuss hoch, ihr Ertrag deckte die Unkosten nicht. Als Ursache des Fehlschlagens gilt die dort mehrere Monate dauernde trockne Jahreszeit; in den östlichen Provinzen fallen das ganze Jahr reichliche Niederschläge.
Der grosse Nutzen, den der Manilahanf seit einigen Jahren den Produzenten abwirft, ermuthigt aber zu immer neuen Versuchen, und so wird sich wohl bald zeigen, ob der Abacábau wirklich an sein bisheriges enges Gebiet gebunden ist, während die essbaren Arten sich innerhalb der Wendekreise über die ganze Erde verbreitet haben. Auf den vulkanischen Bergen des westlichen Java wächst eine wilde Musa in grosser Ueppigkeit, die Regierung hat sie aber nicht zum Gegenstand nachhaltiger Kulturversuche gemacht, und der Privatunternehmungsgeist ist dort bis jetzt durch das »Kultursystem« gefesselt. In verschiedenen Schriften wird angegeben, dass im Norden von Celébes Abacá gewonnen werde. Bickmore sagt aber ausdrücklich, dass die von den Residenten mit grosser Anstrengung gemachten Versuche wieder aufgegeben wurden, weil der Kaffeebau sich lohnender erwies. [245] Guadalupe soll auf vorhergehende Bestellung Abacá (Fasern von M. textilis?) liefern können. [246] Pondichery und Guadalupe sollen Abacágewebe und Französisch-Guiana Stoffe von Fasern essbarer Bananen ausgestellt haben. [247] [248] Alles dies sind aber nur Versuche.
Nach Royle [249] übertrifft die Abacáfaser den russischen Hanf an Festigkeit, Leichtigkeit, Tragkraft und Billigkeit, und steht ihm nur darin nach, dass die daraus gefertigten Taue bei Regenwetter steif werden, was aber an der Art des Verspinnens liegen und durch zweckmässige Behandlung zu vermeiden sein soll. [250] In der That werden diese Uebelstände jetzt z. Th. durch bessere Bereitung des Rohstoffs in Manila vermittelst geeigneter Maschinen beseitigt. Den Vortheil grösserer Billigkeit hat das Abacá gegenwärtig nicht mehr, da die Nachfrage viel schneller zunimmt, als sie befriedigt werden kann. Während es 1859 in London 22 bis 25 £ per Tonne galt, kostete es 1868 45 bis 50 £, russischer Hanf 31 £, es war also in 9 Jahren auf das Doppelte gestiegen.
In Albay werden etwa zwölf Abarten von Bastbananen gebaut, deren Wahl sich nach der Beschaffenheit des Bodens richtet. Die Kultur ist äusserst einfach und von den Jahreszeiten unabhängig. Am besten gerathen die Pflanzungen auf den Abhängen vulkanischer Berge, woran Albay und Camarines so reich sind, auf Waldlichtungen, in denen jedoch schattengebende Bäume in Entfernungen von etwa 60 Fuss stehn bleiben. Auf offenen Flächen gelingen sie weniger, in Sumpfland gar nicht.