Part 22
Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen über den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende Angaben über die Entfernung, Alle stimmten aber überein, den Weg dahin abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste.
Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwärts zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer über den Strom gestürzte Bäume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse führte. Hier bauten wir Bambusflösse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir fanden ihn mit grünen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien und 6 bis 7' hohen breitblättrigen Riedgräsern fasste ihn ein, in S. und W. erheben sich niedrige Hügel, von der Mitte erscheint er fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an (4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abúyog kann nur wenig über 1 Legua betragen. Mit Hülfe einer aus Lianen zusammengeknüpften Schnur und alliniirter Stäbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas = 977 Met. (die breiteste Stelle dürfte wenig über 1000 Met. betragen); die Länge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf 1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern hätte ich die Verhältnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit, Unzugänglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen.
Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Hütte, deren Insassen zwar als Cimarronen jedoch in Fülle und mit grösserer Bequemlichkeit als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu würzen, und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren.
Die Häufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung einer eigenthümlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf von deren Annäherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur geleitet zu werden. Ein über tausend Fuss langes aus Bananenstreifen zusammengeknüpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das eine Ende ist an einer mit Wasser gefüllten, über dem Schlafplatz des Jägers aufgehängten Kokosschale befestigt. Berührt ein Schwein das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser über den Schläfer ausgeschüttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten lässt, zu seiner Beute führt. Die Hauptbeschäftigung unserer Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass die rohesten Vorrichtungen genügten. Nicht einmal ein Nachen war vorhanden, sondern nur lose zusammengefügte Bambusflösse, auf denen die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend, zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge und in so beträchtlicher Grösse wie in diesem See gesehn habe. Einige schwammen an der Oberfläche mit ihrem Rücken aus dem Wasser ragend langsam herum. Auffallend war die völlige Sorglosigkeit, mit welcher selbst zwei kleine Mädchen angesichts der grossen Ungethüme im Wasser wateten. Zum Glück scheinen letztere sich mit ihren reichlichen Fischrationen zu begnügen. Es sollen vier Arten Fische im See vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine. [225]
Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller Frühe betrunken. Dies führte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben damit einträglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften Farben geschildert hatte. [226] Wir fuhren auf unsern Flössen bis zur Stelle zurück, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa 1500', gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16' hohes wildes Rohr (Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blüthenbüscheln und fuhren zur Barre, von wo wir nach 1 1/2 stündigem Marsche Abuyog erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande nach Buráuen zurück, wo wir Nachts eintrafen, früher als unsere Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten schlafend antrafen.
Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein Verkauf unter gewissen Beschränkungen den Bauern gestattet. Neuerdings war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen, und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so äusserst niedrigen Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehört hatte. Da aber die Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte, so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnächst der Zwangsbau eingeführt werden würde, wie es auf ähnliche Weise an andern Orten geschehen war. -- Die Ostküste von Leyte soll sich heben, während an der Westseite das Meer die Küste zerstört, bei Ormog soll es in 6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein.
ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL
LEBENSWEISE UND SITTEN DER BISAYA-INDIER.
Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte (andre habe ich nicht näher kennen gelernt) gehören Einem Stamme an. [227] Sie sind körperlich und geistig, in Charakter, Tracht, Sitten und Gebräuchen so ähnlich, dass meine ursprünglich an verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen, die ein vollständigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten zu lassen.
Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Dörfern, sondern unabhängig in den Wäldern leben. Ich habe leider keinen persönlichen Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern Samar's über sie erfahren, ist zu unzuverlässig, um wiederholt zu werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen, gern einige verstümmelte katholische Gebete herzusagen, die sie für wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfüllen aber sonst keine christlichen oder bürgerlichen Pflichten. Sie sind sehr friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben sammt Tribut und Frohnden übertreten, sind äusserst selten. Umgekehrt ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wälder zurückziehn, um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast pflanzlichen Leben, das sie führen, nicht leicht in den Fall kommen, ihr Dorf verlassen zu müssen, das mehr noch als in Luzon für sie die Welt bedeutet.
Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo grössere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod (hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lässt man das Reisfeld in der Regenzeit nur von Büffeln durchtreten. Man säet an der Westküste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalógan sind nur sehr wenige bewässerte Reisfelder (Tubigan, von Tubig, Wasser) vorhanden, deren Ertrag für das Bedürfniss nicht ausreicht, das Fehlende wird aus andern Küstenplätzen der Insel ergänzt; Catbalógan führt dagegen Abaca, Kokosöl, Wachs, Balate (essbare Holothurien), getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostküste säet man von November bis Januar und erntet sechs Monate später. Während der übrigen sechs Monate dient das Feld als Weide für das Vieh; an manchen Orten findet auch während dieser Monate, also von Juli bis Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht häufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren.
Käufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewöhnlich wird es durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei Catbalógan war bestes Reisland mit 1 Dollar für eine Ganta Aussaat, und an der Nordküste bei Láuang ein Feld, das jährlich 100 Cabanes trägt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1 Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quiñon, so kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3 1/3 Thaler, im zweiten 3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und Boden und empfängt als Zins die Hälfte der Ernte. [228] Der Reisbau in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen, durch die Abacákultur verdrängt, da die Guvernöre als sie noch Handel treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird gewöhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise per Caban verkauft. Dergleichen Verträge pflegen selbst im Falle der Vorausbezahlung pünktlich erfüllt zu werden. Bleibt ein Bauer im Rückstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem Händler bei der nächsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere.
Bergreis (bei Catbalógan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert kein andres Ackergeräth als das Waldmesser, um den Boden etwas aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Löcher in Entfernungen von 6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskörnern zu machen. Man säet von Mai bis Juni, jätet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm für Halm. Der Schnitter empfängt 1/2 Real Tagelohn und Kost. Der Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das Land kostet nichts, der Arbeitslohn beträgt gegen 5 Realen per Ganta Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel höher. Der Boden wird nur ein einziges Mal für trocknen Reis benutzt; nach der Ernte pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhältniss von 9 zu 8.
Nächst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas), Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Paláuán (ein grosses Arum mit gefingerten Blättern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewöhnlich, wenn der Reisbau vorüber ist, da während desselben wenig Arbeitskräfte verfügbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lässt man in der Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Ausläufer vermehren und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhält man aber, wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Für 1/2 Real erhält man 8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa für 3 bis 6 Sgr. [229]
Abacá, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast gar nicht ausgebeutet.
Tabak wird auch gebaut; er durfte früher im Lande verkauft, muss jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden.
In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein harziges Oel, Baláo oder Malapájo gewonnen; man erhält es von einem Dipterocarpus (Apíton), einem der höchsten Bäume des Waldes, indem man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlägt, es beckenartig aushöhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften Zuflusskanäle wieder zu öffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte Oel wird täglich ausgeschöpft und ohne weitere Vorbereitung in den Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaoöl getauchte Nägel sollen, wie glaubwürdige Leute versicherten, noch nach zehn Jahren völlig rostfrei sein. Hauptsächlich wird Balao als Firniss für Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden; es schützt auch die Hölzer gegen Termiten und andre Insekten. Das Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsböden verwendet man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosöl in solchem Verhältniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken Schleim bildet. Der Anstrich hält sich ein Jahr. [230] Wachs wird von den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jährlich 200 bis 300 Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico beträgt; in Manila ist der Preis gewöhnlich 5 bis 10 Dollar höher; doch schwankt er sehr, da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitäten und in sehr unregelmässigen Zwischenräumen einkommt.
Viehzucht ist trotz des üppigen Graswuchses und der Abwesenheit reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Büffel sind sehr selten und sollen spät, angeblich erst in diesem Jahrhundert, eingeführt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser), so wird der Büffel nur gebraucht, um alljährlich einmal den Boden des Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in der Nähe. Nur gelegentlich werden mehrere Büffel vor einen grossen Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl ist daher äusserst gering. Büffel, welche Reisland gut durchtreten, werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar für einen Büffelstier, 5 bis 6 Dollar für eine Büffelkuh. Rindvieh wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei Dollar für Jungvieh, fünf bis sechs Dollar für eine Kuh mag etwa der Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar, also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus unter günstigen Verhältnissen von einem fetten Thiere für drei bis vier Dollar erlöst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzüglich, vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen, benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu träge, um selbst Schafe zu halten, und essen lieber das ganze Jahr täglich Hühnerfleisch. Auch Shanghai-Schafe, die der Guvernör in Taclóban eingeführt hatte, gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet 1/2 r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel mehr. Man kauft sechs bis acht Hühner oder 30 Eier für einen Real.
Eine Familie von Vater, Mutter und fünf Kindern braucht täglich nicht ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hülse), welcher enthülst ungefähr 12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa 1/2 r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben 10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. für Zuspeise (Fische, Krabben, Kräuter, etc.), die aber gewöhnlich von den Kindern gesammelt werden, endlich für Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3 Blatt für 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak wird in Leyte weniger genossen als in Samar.
An Kleidungsstücken verwendet ein Mann jährlich: 4 grobe Hemden von Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2 1/2 r., 2 Kopftücher zu 1 1/2 r. (Hüte werden an der Süd- und Westküste nicht getragen) und für die Kirchweih gewöhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1 Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. -- Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1 oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tücher zu 1 1/2 bis 2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen, zu 2 r. und mehr nöthig.
Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4 Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterröcke (nabuas), 2 Stück zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur einmal angeschafft werden. In den ärmeren Ortschaften, in Láuang z. B., werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann: 3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stück Guinara zu 2 r. geschnitten werden; einen Salacot (Hut) gewöhnlich eigener Anfertigung, Werth 1/2 r. Eine Frau braucht jährlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas, mit Einschluss einer feineren für das Fest, 8 r. Unterröcke werden nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hälfte der obigen Preise veranschlagt werden.
Hausrath: Ein Kochtopf -- die Kochtöpfe, aus unglasirtem gebrannten Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an Reiskörnern ist ihr Preis; [231] -- mehrere Bambusrohre; Teller, 7 Stück à 2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.; Kokosschalen statt der Gläser; einige kleine Töpfe, zusammen 1/2 r.; 1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grösseres Waldmesser) 1 Dollar; 1 Scheere (für die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung selbst aus Bambus zusammenfügt, veranlasst keine baare Auslagen.
Der Tagelohn unter den Eingeborenen beträgt 1/2 r., keine Beköstigung. Europäer müssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie nicht durch Begünstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen niedrigen Tagelohn erhalten können, der dann ordnungsmässig in die Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r., die besten 3 r. täglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und von 2 bis 6 Uhr Abends.
Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu machen versteht; es müssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es werden Guinara fabrizirt, d. h. Abacázeuge, auch etwas Piña und gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen Häusern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden.
An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute, salzen und trocknen die Fische und tauschen dafür Reis ein. In den Hauptstädten wird gewöhnlich für baares Geld gekauft; im Innern sind Gewebe und getrocknete Fische sehr gebräuchliche Tauschmittel. Geld ist dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalógan und Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Küstenschifffahrt östlich bis Guíuan, nördlich bis Catarman, selten bis Láuang statt. Die Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden, da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Küsten- und Flussschifffahrt besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam, Lasten können nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Träger, der 1 1/2 r. ohne Kost erhält, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6 Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1 1/2 Arrobas trägt ein kräftiger Mann täglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang.
Märkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will, sucht es in den einzelnen Häusern; auf dieselbe Weise bietet der Verkäufer seine Waaren an.
Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und den Dollar monatlich mit 1 r. (12 1/2 % pro Monat) verzinsen. Mehr als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur bis zu dieser Summe haftbar ist. Im östlichen und nördlichen Samar sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den übrigen Bewohnern des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen, sondern nur Waaren zu einem Real per Monat für jeden Dollar des Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so wird ihm häufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn für die blosse Beköstigung dienen muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen in Catbalógan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die Schuld zu tilgen, und an der Ostküste ein hübsches junges Mädchen, das wegen einer väterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wüstlings stand. Man zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bäumen; die vor etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfändet, seitdem vom Gläubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur mit vieler Mühe, gegen Zahlung der ursprünglichen Schuld das Eigenthum zurückzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren 2 1/2 Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jährlicher Frohnden loszukaufen, und dann seinem Gläubiger ein ganzes Jahr lang dient, weil er nicht im Stande ist, das Geld pünktlich zurückzuzahlen. [232]
Die Bewohner von Samar und Leyte sind träger, nicht so reinlich als die von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurückzustehn, als diese hinter den Tagalen. Bei Taclóban, wo lebhafter Verkehr mit Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen; die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmüthig, folgsam und friedfertig. Schimpfreden oder Thätlichkeiten kommen fast nie vor; wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An der Nord- und Westküste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen, aber nicht an der Ostküste und in Leyte. Die äusserliche Frömmigkeit ist überall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten vorzüglich die häuslichen Geschäfte und sind zum Theil sehr geschickt im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten zu. Das Ansehen der Eltern und des ältesten Bruders ist sehr gross; die jüngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen und Kinder werden sehr gut behandelt.
Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt, wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist, wie bei den Bewohnern von Samar. [233]