Part 21
In der Umgegend von Basey wächst die im Süden Samar's und wohl noch auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders häufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich sie ohne meinen Willen dort eingeführt. Ihr Verbreitungsbezirk ist sehr beschränkt. Meine Bemühungen sie nach dem botanischen Garten von Buitenzorg zu übersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte, während meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga für mich eintreffende grössere Pflanzen wurden von einem meiner Gönner seinem eignen Garten einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen später abhanden. Alle Versuche, die über ganz Ostasien als Medikament verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere, angeblich um sie gegen Verderben zu schützen (vielleicht auch um das Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden.
Nach Flückinger [215] enthält die kürbisartige Beerenfrucht des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse, unregelmässig eiförmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie Brechnüsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt; (später auch in den Brechnüssen). Jene enthalten davon doppelt soviel als diese, nämlich 1 1/2%, da sie aber viermal so theuer sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt.
In den Philippinen ist die gefährliche Drogue unter dem Namen Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwähnt es und führt 13 verschiedene Verwendungen an. -- Dr. Rosenthal, (Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: »In Indien hat man sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet«. Papecta ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey's Indigenous drugs of India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. -- Auch als Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco (Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon sehr viele Todesfälle veranlasste. Man solle sie nicht in den Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod, wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von Tabáco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842, um sich gegen die Cholera zu schützen, damit begonnen, von Zeit zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmälig daran gewöhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich wohl und schrieb seine Gesundheit und Rüstigkeit gern jener Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken mit Erfolg der wässerige Absud in geringer Menge als Zusatz zum Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet.
Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wässerigen Auszug des kouo-kouo (Faba Ign. amar.) sowohl für den innerlichen als äusserlichen Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Früher galt die giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) für ein Zaubermittel; so erzählt Pater Camel [216], die Catbalogan- oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog (die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse getragen, schütze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel könne dem Träger nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Träger beschütze, sondern denjenigen tödte, der ihm das Gift beibringen wolle. Camel führt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt.
Auf der südlichen Hälfte des östlichen Küstensaumes, von Boróngan über Lánang bis Guíuan, sind beträchtliche Kokospflanzungen vorhanden, die in höchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt werden. Von Boróngan und seinen Visitas gehn jährlich 12000 Krüge Kokosöl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nüsse würden wenigstens zu 8000 Krügen ausreichen. Da 1000 Nüsse 3 1/2 Krug geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jährlich 6,000,000 Nüsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nüssen angenommen, 120,000 volltragende Kokospalmen nöthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in dem oben erwähnten Gebiete mehrere Millionen betrage, dürfte wohl übertrieben sein.
Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der holzigen Schale der Nuss in groben Spänen herausgeraspelten Kern der Fäulniss überlässt. Zu Behältern dienen schadhaft gewordene, im Freien auf Pfählen stehende Kähne, aus deren Spalten das Oel in darunter gestellte Krüge abtropft. Schliesslich werden die Späne noch gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein so schlechtes, dunkelbraunes, dickflüssiges, ranziges Produkt, dass in Manila der Krug nur 2 1/4 Dollar gilt, während besser bereitetes 6 Dollar kostet. [217]
Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Boróngan eine Fabrik errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch zwei Büffel gedrehter Göpel setzt durch Zahnräder und Treibriemen eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines Zitronenbohrers und bestehn aus fünf an ihrem Aussenrande gezähnten eisernen Blättern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende Bewegung mittheilt, ragt aber über dieselbe hinaus. Der Arbeiter ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Händen, hält ihre innere mit dem ölhaltigen Kern gefütterte Wölbung gegen die rotirende Raspel, die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett geschützten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drückt. Die feinen Späne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behältern liegen, damit sich die Zellenwände theilweise zersetzen. Man presst sie dann leicht in Handpressen, fängt die aus 1/3 Oel 2/3 Wasser bestehende Flüssigkeit in Kübeln auf, schöpft nach 6 Stunden das oben schwimmende Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt, bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden erfordert. Um das Oel schnell abzukühlen, damit es sich nicht bräune, giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt schnell das Feuer. Die gepressten Späne werden abermals 6 Stunden der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide Operationen noch zweimal wiederholt worden, hängt man das Geraspel in Säcken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst Klemmschrauben so viel als möglich aus, indem man es mehrere Male umschüttelt. Der Rückstand dient als Schweinefutter. Das aus den Säcken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum Abkühlen des zuerst erhaltenen benutzt. [218]
Die Fabrik machte 1500 Tinájas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom Dezember bis Februar können wegen der hohen See keine Nüsse zugeführt werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten nicht gelungen, während dieser Zeit Nüsse aus der nächsten Umgegend in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu können, oder in der guten Jahreszeit Vorräthe für die Wintermonate zu sammeln, obgleich er den verhältnissmässig hohen Preis von drei Dollar für das Tausend zahlte.
Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten, erzielten sie aus 1000 Nüssen 3 1/2 Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3 r. weniger als ihnen für die rohen Nüsse geboten wurde. Diese vom Fabrikanten herrührenden Angaben sind vielleicht übertrieben, im Wesentlichen mögen sie aber doch wohl begründet sein. Wer in den Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnüsse für 1 cuarto = 960 für 1 Dollar; dies ist dort ihr gewöhnlicher Preis. [219] Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur Antwort, dass die Nüsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber, dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern bereit ist, so beutet er diesen Umstand rücksichtslos für Einmal aus, ohne daran zu denken, sich eine regelmässige Einnahmequelle zu sichern.
In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche) gewöhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorübergehende schwatzt mit der Verkäuferin, wägt die Brode in der Hand, nascht davon und geht vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem Kram nach Hause zurück, um es am nächsten Tage ebenso zu machen.
Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere mich aber, dass wenigstens in zwei Fällen der Preis des Zuckers in solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging übrigens den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren einzeln billiger als im Grossen.
In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen; in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der Unzuverlässigkeit der Arbeit wird die Regelmässigkeit in der Lieferung von Rohstoffen nicht nur durch Trägheit und Launenhaftigkeit, sondern auch durch Neid und Misstrauen gestört. Die Indier sehen es in der Regel nicht gern, wenn sich ein Europäer unter ihnen niederlässt, um mit Erfolg die lokalen Reichthümer auszubeuten, die sie selbst nicht ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den Ausländern gegenüber, die ihnen durch Kapital, Geschäftskenntniss und Thätigkeit gewöhnlich sehr überlegen sind. Ausser dem Neide spielt auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als der Castila dem Eingeborenen einflösst. Es kommen noch heut Fälle genug vor, die dieses Gefühl durchaus rechtfertigen. Früher aber, als die verkommensten Subjekte Guvernörstellen kaufen konnten und ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbräuche stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat.
EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL
INSEL LEYTE. -- HEUSCHRECKEN. -- SOLFATARA. -- SCHWEFELGEWINNUNG. -- BITOSEE. -- KROKODILE.
Die Insel Leyte, zwischen 9° 49' und 11° 34' N., und 124° 7' und 125° 9' O. Gr., ist über 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170 quadr. M. Flächeninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwähnt, nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt Taclóban oder Taclóbang liegt am östlichen Eingang dieser Strasse, hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila; daher ist sie zum Stapelplatz für Leyte, Biliran, Süd- und Ost-Samar geworden. [220]
Auch der hiesige Guvernör erwies mir viel liebenswürdige Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, über die Missstände der Verwaltung sprechen.
Am Tage nach meiner Ankunft in Taclóban entstand Nachmittags ein Geräusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke über den Ort. [221] Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzählen und bemerke nur, dass der über 500 Schritt breite, gegen 50' tiefe Schwarm, dessen Ende sich im Walde verlor, für nicht sehr bedeutend galt. Er brachte Munterkeit statt Bestürzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemüht mit Laken, Netzen, Fahnen möglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um sie wie Dampier erzählt »in einer irdenen Pfanne über Feuer zu rösten, bis ihre Beine und Flügel abfallen, und ihre Köpfe und Rücken die Farbe gesottener Krebse annehmen«, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen. [222]
Die Heuschrecken sind eine der grössten Plagen der Philippinen und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion ultramarina IV. 604 enthält ein besonderes Gesetz über die Vertilgung dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevölkerung der betroffenen Ortschaften in grösster Anzahl unter Leitung der Behörden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche Leistungen bei öffentlichen Nothständen, stehn die Heuschrecken zwischen den Seeräubern und Feuersbrünsten in der Mitte. Von allen ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso unzureichend wie anderwärts erweisen, sei nur eines hier erwähnt: Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin (Gracula sp.) einzuführen, »der aus Instinkt Heuschrecken frisst«. Im Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311 Dollar für Martinvögel verausgabt.
Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagámi (in Leyte giebt es Strassen) von Taclóban südlich nach Pálos und Tanáuan, zwei blühenden Orten an der Ostküste. Kaum 1/2 Legua von letzterem ragt unmittelbar am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von krystallinischem Gestein hervor, graugrüner quarziger Chloritschiefer, aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges würdiger Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem Frühstück im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am folgenden Tage nach Buráuen. [223]
Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen stellenweis den dichten Wald, das Land ist spärlich bewohnt, die Menschen scheinen aufgeweckter und sind schöner und reinlicher als in Samar. Südlich von Buráuen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan, an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel für die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf führte, auf Büffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen der Schenkel auf dem breiten Rücken der riesigen philippinischen Büffel ermüdend. Eine Viertelstunde hinter Buráuen überschritten wir den SW. NO. fliessenden 100' breiten Dagúitan, dessen Bett voll grosser vulkanischer Blöcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150' breiten, beide letztere, Arme des Buráuen; sie fliessen WO. und münden bei Dulag. Der zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden.
Wir übernachteten in einer Hütte am nördlichen Abhang des Manacagan, welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind unaufgefordert geräumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So erfordert es die Landessitte, wenn der Raum für beide Theile zu klein ist -- dafür wird keine Entschädigung beansprucht und wohl nur selten gewährt.
Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und überstiegen um 6 Uhr 30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine Flüsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag die Küste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Süden die grosse weisse Schutthalde des Berges Dánan durch die Bäume schimmern. Um 9 Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter südlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird.
Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o sublimirter, der in seinen Zwischenräumen noch viel Kondensationswasser enthält, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem die überwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon Kokosöl,
6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6 Arroben Inhalt und schmilzt unter beständigem Umrühren. Nachdem der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschöpft, wird neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis 3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hölzerne Kasten gegossen, zu Blöcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hälfte des verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den ölgetränkten Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen Bambusgittern wirft. Das Oel tröpfelt in eine darunter befindliche geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1 1/2 und 4 1/2 Dollar per Pico. Ich sah die mit Thon gefüllten Gestelle, aus denen das Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit angesehn, und weiss nicht zu erklären, weshalb das Oel zugesetzt wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt, den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von Kohle aus dem Oele schwarz gefärbt und würde erst durch Destillation gereinigt werden müssen. Von einer solchen erwähnten indessen die Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe.
Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12' breiter heisser Bach (50°R.), der an seinen Rändern Kieselsinter absetzt.
Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200' hohen Wänden; der Pflanzenwuchs hört allmälig auf, das Gestein ist blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefärbt. An zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss früher viel thätiger gewesen sein als gegenwärtig; die durch Zersetzung des Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag gegen 1000' breit und wohl fünfmal so lang sein; am östlichen Ende ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpfützen vorhanden, und rings um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwühlten Boden stösst, Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich, sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bändern über einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus.
Im Süden, dem Joch, das nach Buráuen führt, gerade gegenüber sieht man in einer Höhle im weissen zersetzten Gestein ein 25' breites Becken, aus welchem kieselsäurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich ausfliesst. Die Decke der Höhle ist mit Tropfsteinen behangen, die mit gediegenem Schwefel überzogen sind oder gänzlich daraus bestehn.
Am oberen Abhange des Berges Dánan, nahe am Gipfel setzt sich so viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdämpfen ab, dass er mit Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die kühlende atmosphärische Luft geschützten Spalten schmilzt er zu dicken braunen Krusten zusammen. Die Solfatara des Dánan liegt genau S. von jener unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der Kieselsäure zurückbleibende Thonerde wird durch den Regen in das Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grösster Theil von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan, sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verändert, fand ich etwa 500 Schritte lang, 100 breit. Von der Höhe der Solfatara erblickt man durch eine Kluft genau S. einen etwas grösseren Süsswasser-See von bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jaruánan. Die Nacht wurde in einem verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am folgenden Morgen stiegen wir über das Bergjoch im Süden, dicht neben der Solfatara des Dánan vorbei, in 1/2 Stunde zum See Jaruánan hinab.
Dieser See, so wie der Malaksan flösst den Eingeborenen wegen der bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara abergläubische Furcht ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu können, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine Begleiter ungefährdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen und grossem Jubel, als wollten sie sich für die lange Zurückhaltung entschädigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die Sondirungen ergaben für den mittleren Theil des Beckens, das am Südrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe; die grösste Länge des Sees beträgt gegen 800 Varas (668 Meter), die Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein über den Bergrücken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurückkehrten, kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorüber: drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher Höhe abgestutzte Aeste trugen eine Hütte von Bambus und Palmenblättern, 8' im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden, in dem Betel verkauft wurde.
Am Tage nach meiner Rückkehr in Buráuen fuhr mich ein gefälliger spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dúlag, das gerade westlich am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3 Leguas) beträgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guíuan, die Südspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland, und weiter südlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521) erblickte. In Dúlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Beförderungsmittel und des Proviants und mehr noch die rücksichtsvolle Berathung aller Vorschläge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot) südwärts die Küste entlang zur Mündung des Rio Mayo, der nach der Karte und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir fuhren in einem Nachen aufwärts, wurden aber an der ersten Hütte belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch Mangel einheitlicher Leitung herbeigeführte Abenteuer verzögerten unsere Ankunft in Abúyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss zu überschreiten. Die Entfernung des letztern von Abúyog, auf Coello's Karte zu gross angegeben, beträgt nach einer Messung des Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag. [224]