Quer durch Uganda

Part 14

Chapter 143,592 wordsPublic domain

Unsere ursprüngliche Absicht war, in Nimule nur zwei, drei Tage zu verbleiben, die vollständig genügt hätten, um unsere ermüdeten Träger neue Kräfte schöpfen zu lassen. Leider waren aber die Kisten, die wir in Kumi aus Mangel an Trägern über den Kiogasee und Nil vorausgeschickt hatten, noch immer nicht hier, trotzdem sie fahrplanmässig schon längst hätten eintreffen sollen, und so mussten wir den nächsten Dampfer, der in Nimule nur jeden Sonntag ankommt, abwarten. Da sich hierdurch unser Aufenthalt notgedrungen auf eine volle Woche ausdehnte -- der Tag unserer Ankunft in Nimule war nämlich ein Sonntag, -- hatte ich Mr. Bains ersucht, Eingeborene nach Elefanten und Büffeln auszuschicken, um so diese Woche nicht in blossem Müssigsein verstreichen zu lassen. Schon am nächsten Tage machte mir Mr. Bains die Mitteilung, dass in nordöstlicher Richtung, zwischen dem Assuariver und dem Attapiriver viele Büffel- und Elefantenspuren gesehen wurden, so dass ich hoffen konnte, von meinem Jagdausflug nicht ohne Beute zurückzukommen. Nur musste ich ihn noch um einen Tag verschieben, da Dr. Stigler und Schwarzer erkrankt waren. Sie hatten von den Krotonölnüssen über zwanzig Stück gegessen, was Brechreiz und einen furchtbaren Durchfall zur Folge hatte, der die beiden sonst kräftigen Männer auf das Krankenlager warf. Auch Präparator Storch ging es nicht zum Besten. Er hatte schon im Naquagebiet, als die Strapazen sich steigerten, an Anfällen seiner alten Malaria zu leiden gehabt, die ihn vollständig arbeitsunfähig machten, und brach nun in Nimule mit ausserordentlich hohem Fieber ganz zusammen. Ich war der einzige, der bisher von jeder Krankheit verschont geblieben war, und konnte also den täglichen Einladungen des liebenswürdigen Mr. Bains auch Folge leisten, der sich in Aufmerksamkeiten mir gegenüber überbot. Er schenkte mir Speer, Schild und Kopfschutz des Häuptlings von Guru Guru, der vor einigen Tagen in den Lamogibergen von einem englischen Offizier, Mr. Moore, erschossen worden war. Ich versuchte, mich bescheiden zu revanchieren, indem ich ihm meine zerlegbare Tischlampe zum Geschenk machte. Es war mir nämlich aufgefallen, dass in dem sonst so komfortablen Hause Mr. Bains nur kleine Kerzenlampen brannten, und er sagte mir, dass ihm seine einzige Lampe zu seinem grossen Leidwesen vom Boy zerschlagen worden war. Mein Geschenk war ihm also sehr willkommen. Ich hatte diese äusserst praktisch konstruierte und sehr wenig Raum einnehmende Lampe auf der Reise nur selten benützt, da wir uns in Jinja und Mbale fünf gewöhnliche sogenannte Safarilampen, zu drei Rupien das Stück, angeschafft hatten, die fast unzerbrechlich sind, genügend Licht geben und, was auf einer so anstrengenden Reise die Hauptsache ist, fast keiner Pflegung bedurften.

_ELEFANTENJAGD._

_Im Jagdgebiet / Die erste Elefantenherde / Am Attapiriver / Tragische Jagdgeschichten / Unsere Expeditionstrommel / Ein anhänglicher Schwarzer / Unser Heatman als Elefantenwilderer._

Bis zur Ankunft unseres Gepäckes aus Kumi blieben uns noch vier Tage für unseren Jagdausflug, den wir um so lieber unternahmen, als ein längerer Aufenthalt in Nimule wegen der heftig auftretenden Malariafälle sehr ungesund ist. Meine wissenschaftlichen Aufnahmen hatte ich mit der Ankunft in Nimule eingestellt, und so nahmen wir für unsern Ausflug, von dem wir Samstag abends wieder zurück sein wollten, nur das notwendigste mit. Ausser Dr. Stigler und Schwarzer, die sich von ihrem Brechdurchfall wieder ganz erholt hatten, begleiteten mich einige Träger, darunter auch Adabungomoi, und mehrere Tragesel, die mit den Lebensmitteln beladen waren. Unsere Führer waren zwei Eingeborene, die von Mr. Bains vor einigen Tagen in die Jagdgegend geschickt worden waren. Am frühen Morgen verliessen wir Nimule und marschierten zuerst in nördlicher Richtung durch schönes Hügelland, in dem sich vor uns das herrliche Panorama der Nillandschaft mit dem langgezogenen Gebirgsstock der hochaufsteigenden Nyiriberge entrollte. Nach vier Stunden kamen wir an den unteren Lauf des Assuariver, dessen fast hundert Meter breites Flussbett wir durchwaten mussten. Am andern Ufer, wo mächtige Wurstbäume standen, wie wir sie zwischen Mbale und Kumi gesehen hatten, rieten uns unsere Führer, Rast zu halten, da wir den Attapiriver, der nach der Karte höchstens noch drei Stunden entfernt war, vor Sonnenuntergang nicht mehr erreichen würden. Wir beschlossen aber, weiter zu marschieren und gingen in glühender Sonnenhitze ungefähr eine Stunde, als sich plötzlich unter den Eingeborenen grosse Erregung zeigte. Es war ein Geräusch wie das Trompeten von Elefanten vernehmbar.

Es wurde sofort Halt gemacht, und wir Europäer folgten nun mit den Führern, dem Karamojomann und den Boys, die unsere Gewehre trugen, der Richtung, aus der wir das Geräusch hörten. Bald fanden wir Fährten der Elefanten, die auf eine ziemlich grosse Herde deuteten. Die Verfolgung führte uns in dichtes Buschland, da und dort bezeichnete auch ein abgebrochener Ast die Marschrichtung der Elefanten. Von diesen selbst war aber nichts zu sehen, trotzdem der Karamojomann auch von einem hohen Baume aus Ausblick hielt. So ging es ungefähr eine halbe Stunde in dem ziemlich flachen Terrain weiter, da sprang Adabungomoi plötzlich zu mir und deutete mit dem Speer auf eine graue Masse, die einem Felsblock nicht unähnlich war. Wir schauten durch unsere Gläser und erkannten einige Elefanten, die dicht aneinander gedrängt unter hohen Bäumen standen. Nun gingen wir vorsichtig vorwärts und kamen bis auf hundert Schritte heran. Vorn rechts sahen wir fünf mächtige Tiere, etwas weiter rückwärts bedeutend mehr, von denen besonders eines durch seine Grösse und seine langen, schmalen Zähne auffiel. Neben ihm stand ein ausgewachsenes Junges, das ruhig mit seinem Rüssel spielte, aber noch immer war kein Bulle wahrzunehmen. Ich hatte zwar auch die Erlaubnis, Weibchen zu schiessen, und ein Junges möglicherweise lebend zu fangen, dies war aber hier bei der grossen Stärke der Herde ganz ausgeschlossen, da sich die anderen Tiere des Jungen, dem die Mutter weggeschossen wäre, sofort angenommen hätten.

Wir traten etwas seitwärts, um den bisher durch den Busch verwehrten freien Ausblick zu gewinnen, und sahen nun die ganze mächtige Herde vor uns. Das wachhabende Tier hob ununterbrochen den Rüssel auf und ab, machte sich mit den gewaltigen Ohrlappen Wind und brütete stumpf vor sich hin, ohne Ahnung, dass ihm sein grösster Feind mit der todbringenden Kugel so nahe war. Wir standen unter ausgezeichnetem Wind, so dass wir den prächtigen Anblick auf die Herde ungestört geniessen konnten. Die weiter rückwärts stehenden oder liegenden Elefanten spielten, bewarfen sich mit Staub, den sie durch den Rüssel bliesen, dann und wann stiess einer einen durchdringenden Trompetenton aus. Ich suchte indessen nach einem Bullen und wollte womöglich den stärksten schiessen. Die dünnen Stosszähne der meisten liessen aber auf Weibchen schliessen, nur der wachhabende Elefant hätte ein Bulle sein können, und sowohl mein Boy, der schon mehrere Jagdsafari mitgemacht hatte, als auch der Karamojomann waren derselben Ansicht. Ich entschloss mich daher, diesen zu schiessen, wohl wissend, dass, wenn er nicht gut getroffen wäre, die ganze Herde, die meist aus Weibchen mit Jungen bestand, auf uns losstürmen und alles unter sich zertreten konnte. Ich gab noch rasch meinen Begleitern den Auftrag, im Falle eines Angriffes auf die vordersten zu schiessen, dann legte ich meinen Mannlicher 9,5 mm an die Backe und zielte, da die erste Aufregung schon gewichen war, ruhig und sicher zwischen Ohr und Auge. Ein Knall, und wie vom Blitz erschlagen sank das mächtige Tier, mitten durch das Gehirn getroffen, zu Boden. Gleichzeitig erschütterte ein furchtbares Trompeten die Luft, die ganze Herde lief wirr und ratlos durcheinander und wirbelte eine hohe Staubwolke auf. Zuerst schien es, als ob sie die Richtung gegen uns nehmen wollte, da fingen aber unsere Führer und mein Boy mit voller Lungenkraft zu schreien an, worauf die Tiere in entgegengesetzter Richtung, grosse Staubwolken hinter sich lassend, davonliefen.

Wir näherten uns nun vorsichtig dem Elefanten, der sich aber nicht mehr rührte. Da das Herausnehmen der Zähne viele Stunden in Anspruch nahm, schlugen wir, obgleich die nächste Wasserstation nur mehr eine Stunde weit entfernt war, schon hier, in der nächsten Nähe des gefallenen Tieres, unser Lager auf. Unsere Nairobiträger machten sich sofort an das Zerlegen des Elefanten, und nun begann ein Raufen und Streiten um jedes Stück Fleisch, so dass ich gezwungen war, die Verteilung desselben von den mitgenommenen zwei Askari überwachen zu lassen. Die Stimmung im Lager war eine äusserst gehobene, gab es doch eine Menge Fleisch und ausserdem Schussgeld und Bakschisch. Bald war die Nachricht von dem geschossenen Elefanten auch in die nächsten Dörfer gedrungen, und eine grosse Anzahl nackter Eingeborener umschlich unser Lager, um wenigstens noch die Gedärme und einige an den Knochen gebliebene Fleischreste erhaschen zu können. Bei eintretender Dämmerung war von dem mächtigen Tier nichts mehr vorhanden als die nackten Knochen und Rippen! Alles andere war aufgezehrt oder hing über den offenen Feuern zum Trocknen. Nachdem wir die Eingeborenen das Fleisch mit so besonderem Appetit verzehren sahen, gaben wir unserem Koch den Auftrag, einmal seine Kunst zu zeigen und auch uns ein Elefantengericht zu bereiten. Er tat es auch, es war aber für uns unmöglich, diesen Elefantenbraten zu geniessen, der hart wie Leder und obendrein noch ganz geschmacklos zubereitet war.

In der Nacht, die diesem Jagdtage folgte, waren aus unserem Lager die zwei Maultiere, die ich und Photograph Schwarzer ritten, durchgebrannt. Wir vermuteten, dass die Tiere wohl in der Richtung gegen Nimule laufen, aber kaum den Assuariver durchwaten würden. Die noch nachts auf die Suche geschickten Träger kamen des Morgens ergebnislos zurück, aber im Lager am Attapiriver trafen die Eseltreiber, die ich tags vorher nach Nimule um Mehl geschickt hatte, auf einmal mit den beiden Flüchtlingen ein, die sie in Nimule gerade auf der Suche nach unserem dortigen Lager gefunden hatten. Sie waren also doch durch den Assuariver gewatet und hatten in der Nacht den viele Stunden weiten Weg nach Nimule mit ausserordentlichem Spürsinn zurückgelegt.

Am Morgen, als wir gerade im Begriffe waren, aufzubrechen, holte uns ein Renner aus Nimule ein und überbrachte mir ein Telegramm Slatin Paschas, in dem mir nachträglich in liebenswürdiger Weise die Erlaubnis erteilt wurde, im Reservatgebiet des Sudan jagen zu dürfen.

Es sollten nun Tage kommen, die nur dem Vergnügen der Jagd gewidmet waren, für die uns ja bisher, obwohl viel und oft Gelegenheit war, die Zeit gefehlt hatte.

Der Weg bis zum Attapiriver führte längs des Westabhanges des Dhomiberges durch dichtes Buschland mit mehr als meterhohem Gras. Gegen 11 Uhr vormittags erreichten wir den Fluss, der sehr steile Ufer hatte und dessen Wasser gegen 60 cm tief war. Der Attapiriver ist ein Nebenfluss des Assuariver und vereinigt sich mit diesem knapp vor dessen Mündung in den Nil. Die Gegend ist sehr wildreich, und auf dem Weg von unserem Lager bis zum Fluss waren wir auf zahlreiche, oft ganz frische Fährten von Büffeln, Elefanten, Gazellen und auch Hartebeesten gestossen. Vom Wild selbst war aber nichts zu sehen, trotzdem unsere Eingeborenen zu wiederholten Malen Bäume erkletterten, um über das Buschwerk hinaussehen zu können. Am flinksten war dabei immer mein Präparator Fundi, ein Eingeborener, der übrigens während der ganzen Reise einen alten, in allen Farben schillernden, von einem Europäer abgelegten Winterrock mit Kapuze trug und ihn auch bei der grössten Hitze nicht auszog. Er kletterte auf die höchsten Bäume, indem er den dicken Stamm mit den Händen umfasste und die Füsse nur mit den Zehen an die Rinde ansetzte. Spürte er einer Fährte nach, so beroch er jedesmal den Sand, um dadurch zu bestimmen, wie alt sie schon war (Tafel 61).

Der Tag verging, ohne dass wir Büffel oder Elefanten zu Gesicht bekommen hatten. Am nächsten Morgen birschten wir am linken Ufer des Attapiriver, aber mit dem gleichen negativen Erfolge, trotzdem die vielen Fährten und die gebrochenen Aeste und Bäume auf das Vorhandensein grosser Herden schliessen lassen mussten. Spät abends meldeten uns Eingeborene, die wir stromauf- und -abwärts geschickt hatten, um zu sehen, ob nicht Elefantenherden zur Tränke kämen, dass stromaufwärts von unserem Lager sich eine grosse Herde von Elefanten im Wasser herumtreibe. Da es an diesem Tage schon zu spät war, brachen wir erst am nächsten zu dieser Stelle auf, verfolgten auch einige Stunden die Spur, gaben aber schliesslich die Suche auf und vertrösteten uns auf die Jagdgebiete bei Gondokoro, die uns Mr. Bains besonders gepriesen hatte. Um 1 Uhr mittags erreichten wir den Assuariver, in dessen reinem frischen Wasser wir ein erquickendes Bad nahmen, und am Abend waren wir wieder in Nimule.

Der nächste Tag war Sonntag, und der Nildampfer brachte endlich unsere Kisten aus Kumi. Mit demselben Dampfer, der abends wieder abging, schickten wir sieben Askari sowie zwölf erkrankte Träger nach Mbale beziehungsweise in ihre Heimat zurück. Jeder Mann erhielt seinen Lohn für die ganze Reise, sowie das Fahrgeld für den Dampfer, und die aus Nairobi stammenden auch das für die Bahn, bei welchen Auszahlungen Mr. Bains mich in liebenswürdigster Weise unterstützte.

Abends waren Dr. Stigler und ich bei ihm zum Diner geladen, und wir lernten dort Mr. Moore kennen, jenen Offizier, der kurz vorher von den verlustreichen Kämpfen in den Lamogibergen zurückgekehrt war. Die Unterhaltung war sehr angeregt, und natürlich war auch von der Jagd die Rede. So erzählte uns Mr. Bains von einem soeben nach Nimule zurückgekehrten englischen Schiffsingenieur, der seinen Urlaub zur Elefantenjagd in dieser Gegend benutzt und auf dieser seinen Gewehrträger verloren hatte. Er hatte aus ziemlich kurzer Entfernung auf einen alten Bullen geschossen, der trotz der schweren Verletzung auf ihn und seinen Gewehrträger losstürzte und den letzteren zu Tode trat. Er wusste bei dieser Gelegenheit von einem noch tragischeren Ausgang einer Elefantenjagd zu erzählen. Der frühere Arzt von Nimule hatte auf einen Elefanten rasch nacheinander nicht weniger als 14 Schüsse abgegeben. Das schwer verletzte Tier lehnte sich an einen grossen Baum, so dass der Arzt, da es in dieser Stellung regungslos verharrte, annahm, dass es schon verendet sei, und sich ihm vorsichtig näherte. Da richtete es sich aber plötzlich wieder auf, und trotzdem ihm der Arzt sofort seine letzte Kugel in den Schädel knallte, hatte der Elefant noch soviel Kraft, sich auf ihn zu stürzen. Er sank zwar im selben Moment tot zu Boden, begrub aber den Jäger unter sich, der dann zerdrückt als Leiche hervorgezogen wurde.

In Nimule konnte ich durch Vermittlung Mr. Bains von den Eingeborenen viele Speere, Pfeile, Schmuck und andere Dinge erwerben. Auch eine grosse, mit Elefantenhaut überzogene Trommel, für die der Besitzer zwei Kühe als Preis verlangte, war darunter, die unsere bisherige, aus Mbale mitgenommene kleine ausser Tätigkeit setzte, und auf der ein Träger für den Rest unserer Reise die Marschmusik machte. Bei einem indischen Kaufmann erstand ich hübsche, aus Elefantenzähnen geschnitzte Hörner, die aus dem Kongo stammten, dafür verkaufte ich -- natürlich um einen Pappenstiel -- die mir übrig gebliebenen Tauschartikel und einige Kisten mit Konserven.

Das letzte Stück unserer Reise war die 163 km lange Strecke von Nimule bis Gondokoro, wohin eine schöne, breite Strasse östlich vom Nil führt, der hier wegen seines seichten Wasserstandes und starken Gefälles noch nicht schiffbar ist. Die ganze Strecke ist, ebenso wie das westlich vom Nil liegende und sich bis an den Albertsee erstreckende Ladogebiet, für Europäer wegen der grossen Verbreitung der Schlafkrankheit gesperrt, und für Karawanen wird nur ganz ausnahmsweise die Erlaubnis erteilt, diese Gebiete zu betreten. Mr. Bains hat für uns in liebenswürdiger Weise diese Ausnahme gemacht und den Durchmarsch bewilligt. Bis Gondokoro werden gewöhnlich neun Tage als Reisezeit angenommen, doch kann diese Dauer bei Marschleistungen von 22–24 km auch um zwei Tage gekürzt werden. Von Gondokoro bis Khartum verkehren dann schon monatlich zweimal, am 6. und 21., Regierungsdampfer, die stromabwärts neun, stromaufwärts dreizehn Tage brauchen.

Für den Morgen des 26. Februar war der Abmarsch angesetzt. Aber wir hatten wieder einmal erfahren, dass die Eingeborenen, je gründlicher sie sich ausgerastet haben, um so länger brauchen, bis sie sich in Bewegung setzen. Es währte daher geraume Zeit, bis sich die Karawane zurecht machte. Zu unserem grossen Erstaunen meldete sich knapp vor dem Abmarsch auch der im Naquagebiete von einer Giftschlange gebissene Träger. Er hätte schon am Abend vorher mit dem Nildampfer zurückkehren sollen, wollte sich aber absolut nicht von der Karawane trennen. Es war ihm den ganzen Marsch bis hierher nicht am besten gegangen, und zweimal hatte er so starke Anfälle von Fieber und Schüttelfrost gehabt, dass wir fürchteten, ihn zu verlieren. Die ganze Strecke war er auf einem von einem Eingeborenen geführten Esel geritten, auf dem wir ihm einen bequemen Tragsessel errichtet hatten, nun schien ihm aber die achttägige Rast in Nimule so gut bekommen zu sein, dass er erklärte, er wolle unbedingt mit uns weiter marschieren und sogar eine Last tragen. Wir waren von dieser Anhänglichkeit des braven Schwarzen sehr gerührt und erfüllten gern seinen Wunsch.

Das letzte Hindernis, das unseren Abmarsch verspätete, war noch unser Heatman Abeidi, über den wir bei unserer Verabschiedung von Mr. Bains noch ausführlich sprechen mussten. Abeidi hatte nämlich die Absicht, nach seiner Verabschiedung in Gondokoro mit einem Teil unserer Träger, die ihm sehr ergeben waren, durch den nördlichsten Teil Ugandas nach Abessynien zu ziehen, wo seine Frau und sein Bruder lebten, und bei dieser Gelegenheit -- natürlich ohne Jagdschein und Erlaubnis -- fleissig auf Elefanten zu schiessen, um das Elfenbein dann nach Abessynien einzuschmuggeln. Solche Wilderer, wie wir sie ja auch schon auf dem Marsche nach Mbale angetroffen hatten, schonen weder Weibchen, noch Junge, sie knallen alles nieder, was ihnen in den Weg kommt, und haben schon ganze Herden weiblicher Tiere vernichtet. Es handelt sich ihnen nur um das Elfenbein, das sie von den Wilden auch gegen alte, ausgemusterte und eingeschmuggelte Gewehre eintauschen, die dann hauptsächlich wieder im Kampfe gegen die Engländer verwendet werden. Man nennt solche Gewehrschmuggler Gunrunner. Es ist daher begreiflich, dass die Behörden die Reisen solcher Leute -- es sind zumeist Araber -- mit besonderer Wachsamkeit verfolgen und Streifzüge, wie sie unser Abeidi vorhatte, mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Mr. Bains, den wir von den Absichten des Heatmans verständigten, ersuchte denn auch seinen Vertreter in Gondokoro, Mr. Weatherhead, Abeidi nicht aus den Augen zu lassen, ihn zur Rückkehr nach Nimule zu zwingen oder, wenn es notwendig sei, kurzerhand zu verhaften.

_VON NIMULE NACH GONDOKORO._

_Auf der Strasse nach Gondokoro / Grosse Grasbrände / Ein Marsch in der Vollmondnacht / In Loro / Wieder auf Elefantenjagd / Der tollkühne Adubungomoi / Erkrankung Dr. Stiglers / Ein Engländer auf Besuch / Unfreiwillige Träger / Schwarzer und Storch malariakrank / In der Nähe des Nils / Einmarsch in Gondokoro._

All diese Verzögerungen unserer Abreise von Nimule hatten zur Folge, dass wir am ersten Tag statt der geplanten 25 Meilen nicht einmal die Hälfte hiervon zurücklegten und nur bis zum Kamp am Assuariver kamen. Am nächsten Tage marschierten wir, immer auf der breiten Strasse, die zwischen dichtem Buschland und über hügeliges Terrain nach Gondokoro führt, bis +Kiripe+, wo wir unter prächtigen alten Bäumen unsere Zelte aufschlugen. Alsbald erschien in Begleitung eines grossen, nackten, mit Speer, Pfeil und Bogen bewaffneten Schwarzen der Häuptling des dortigen Bari-Stammes und teilte uns mit, dass etwa eine Stunde östlich von unserem Lager eine Herde von sieben Elefanten gesehen worden sei. Wir brachen gleich in dieser Richtung auf und konnten schon nach kurzem Marsche die frischen Fährten und die Verwüstungen entdecken, die die Kolosse an den ihnen im Wege stehenden Bäumen angerichtet hatten. Von einem kleinen Hügel aus sahen wir auch durch unsere Zeissgläser in weiter Ferne zwei einzelne Elefanten. Wir versuchten, durch das meterhohe Gras, in das uns die Tiere einen genügend breiten Steg getreten hatten, anzubirschen, traten aber bald wieder den Rückweg an, da die Elefanten inzwischen, wahrscheinlich um zur Tränke zu wandern, einen grossen Bogen gezogen hatten, und ausserdem auch schon die Dämmerung eingebrochen war. Am nächsten Morgen nahmen wir den Versuch wieder auf, aber ohne Erfolg. Die Elefanten dürften vermutlich durch grosse Grasbrände, die sich im weiten Umkreis zeigten und des Nachts auf Meilen hinaus die Landschaft beleuchteten, vertrieben worden sein. Die Träger haben nämlich die Gewohnheit, die Lagerfeuer, die sie bei jeder Gelegenheit anzünden, beim Verlassen der Stellen ruhig weiterbrennen zu lassen, und es genügt dann der geringste Luftzug, um das trockene Steppengras in Brand zu setzen.

Da untertags fast unerträgliche Hitze herrschte, beschlossen wir, erst abends aufzubrechen und in der Nacht bei Vollmondschein abseits von der Strasse in nordöstlicher Richtung nach Loro zu marschieren, wo sich zufolge einer Meldung, die uns Mr. Weatherhead durch einen Renner übermitteln liess, viele Elefantenherden aufhalten sollten. Um 6 Uhr abends traten wir unter Führung eines Barihäuptlings den Marsch an. Die Träger waren in bester Stimmung, und es ging unter Trommelschlag und Gesang in flottem Tempo vorwärts. Die ganze Landschaft war von den sich immer mehr ausbreitenden Steppenbränden beleuchtet, namentlich ein östlich von uns gelegener Berg stand nahezu ganz in Flammen, und wir sahen alte Bäume auf seinen Abhängen wie riesige Fackeln in sich zusammenbrechen. Es war ein mächtiger, schöner, imposanter Anblick, wie ringsumher Berge und Hügel gleichsam in ein Feuermeer von übernatürlichen Dimensionen gehüllt waren. Zudem stieg bald der grosse Feuerball des Mondes auf, der fast taghelles Licht über die Landschaft und die langgezogene Trägerlinie goss: ein unvergesslich schönes Bild. Uebt der Marsch durch die afrikanische Steppe schon bei Tag auf den Europäer ausserordentlichen Reiz aus, so ist der zaubervolle Eindruck einer solchen hellen Nacht um so überwältigender. Hie und da nähern wir uns einer Eingeborenenniederlassung, in der die Wilden um ein Feuer hocken und scheu davonlaufen, sobald sie uns erblicken, um nach dem ersten Schrecken aber doch wieder zurückzukehren und uns zu begrüssen. Gegen 11 Uhr machten wir in der Nähe eines beinahe ganz ausgetrockneten Flussbettes kurze Rast, dann ging es wieder weiter, das Trommelschlagen und der Gesang verstummten allmählich, schweigend zieht die Karawane vorwärts. Plötzlich erfasst meine Träger panischer Schrecken, in nächster Nähe ist ein Rudel Elefanten aufgetaucht. Die Lasten wegwerfen und das Heil in schleuniger Flucht suchen, war das Werk weniger Augenblicke. Die Elefanten zeigten jedoch keine Angriffslust, sondern zogen friedlich ihren Weg zur Tränke weiter. Es dauerte aber eine geraume Weile, bis die furchtsamen Träger, vorsichtig spähend, zurückkehrten und einer nach dem anderen seine Last wieder auf sich nahm und weiter marschierte.

Um 1 Uhr nachts hatten wir unser Ziel, +Loro+, erreicht, wo wir unter einem mächtigen alten Baum unser Lager aufschlugen und uns, ehe wir uns zur Ruhe begaben, erst noch an einem kleinen Imbiss stärkten.