Pflanzenleben in Feld und Garten

Part 2

Chapter 23,629 wordsPublic domain

In der Erbsenblüte bildet der Fruchtknoten eine einzelne Hülse im Innern der Blumenkronblätter, die mit einem langen Schnabel an der Spitze versehen ist. Wenn du die Hülse öffnest, so wirst du sieben oder acht kleine weiße Kügelchen finden. Das sind die kleinen Erbsen. Wenn man imstande ist, den Fruchtknoten der Schlüsselblume zu öffnen, so wird man dieselbe Art von Kügelchen finden. Sie sind aber außerordentlich klein, weich und durchscheinend. Man kann sie leicht mit dem Finger zerdrücken. Es sind keine wirklichen Samen, sondern nur „Samenanlagen“ oder Samenknospen. Ehe sie zu harten Samen werden können, müssen sich einige von den gelben Pollenkörnchen aus den Staubbeuteln, die über ihnen wachsen, mit ihnen verbinden.

Aus diesem Grunde tragen die Fruchtknoten Spitzen und Schnäbel und Knöpfchen. Die +Spitze+ auf dem Fruchtknoten der Butterblume, der +Schnabel+ am Ende der Erbsenschote und das +Knöpfchen+ oben auf der Röhre, die über den Fruchtknoten der Schlüsselblume hervorragt, sind alle klebrig. Dieses Knöpfchen nimmt also den aus den berstenden Staubkörnern entlassenen Staub auf und sendet ihn durch die Röhre auf die Samenknospen des Fruchtknotens hinab, der sich zu einer Kapsel umwandelt und so die reifen Samen umschließt.

Wenn du nach Hause gehst, so pflücke irgend eine Blume, die du siehst, und versuche, ihren Fruchtknoten zu finden. Du kannst vielleicht in einem Kornfelde eine Klatschrose pflücken. Diese hat einen schönen großen Fruchtknoten, der aussieht wie eine mit einem Deckel versehene Tasse. Unter dem Deckel befinden sich kleine Löcher, wenn der Fruchtknoten reif ist. Der Wind bewegt ihn hin und her und schüttelt so die Samen aus den Löchern heraus. Es sind so viele, daß man sie nicht zählen kann.

Du kannst auch ein Veilchen pflücken, und wenn du dann die farbigen Blätter fortgenommen hast, so wirst du einen sehr sonderbaren Fruchtknoten finden. Denn die Röhre und der klebrige Knoten an der Spitze sehen genau wie der Hals und der Kopf eines Vogels aus. Die Staubbeutel, die dicht um den Fruchtknoten herumstehen, haben eine hübsche orangegelbe Farbe.

Es gibt eine hübsche rote Blume, die Stockrose oder Malve, deren Fruchtknoten aussieht wie ein runder flacher Käse mit einer in der Mitte stehenden kräftigen Säule. Diese Säule hat acht bis zwölf klebrige Stellen, und rund herum stehen sehr viele gelbe Staubgefäße. Kinder nennen die Samenkapseln der Malve, wenn sie reif sind, und die Säule abgefallen ist, „Käse“.

Aber überrascht wirst du sein, wenn du einen Löwenzahn oder ein Gänseblümchen pflückst, denn du wirst keine Fruchtknoten in der Mitte finden. Der Grund ist der, daß der Löwenzahn und das Gänseblümchen nicht aus einer Blüte bestehen, sondern aus einer großen Menge von Blüten, die zu einer Blume vereinigt sind.

Zerlege eine Löwenzahnblüte, und du wirst finden, daß sich jede kleine Blüte leicht von den übrigen trennt. Es gibt deren mehr als hundert in einer Löwenzahnblüte. Nimm eine von diesen kleinen Blüten in die Hand und betrachte sie.

Am unteren Ende sitzt ein ovaler Sack, das ist der Fruchtknoten. Oben auf diesem stehen einige feine Haare; das sind die Kelchblätter. Dann folgt die gelbe Blumenkronröhre, die auf einer Seite zu einer langen Zunge ausgewachsen ist. Im Innern der Blumenkrone sehen wir die Staubgefäße mit sehr langen Staubbeuteln, die zu einer Röhre fest verwachsen sind. Durch diese Röhre wächst der Griffel mit zwei gelben klebrigen Hörnern, der Narbe, empor.

Dies zierliche Ding ist also eine vollständige Blüte, die mit ihren Gefährtinnen den Blumenkopf des Löwenzahns bildet. Bei dem Gänseblümchen ist es ebenso mit einigen kleinen Unterschieden. Versuche diese selbst herauszufinden.

Suche die Fruchtknoten der Erbse, des Goldlacks, des Hirtentäschelkrauts, der Butterblume, der Schlüsselblume, des Mohns, der Malve und des Löwenzahns.

Lektion 6.

Wie die Insekten helfen.

Sobald die Sonne die Erde zu erwärmen beginnt, kann man nach Frühlingsblumen ausschauen. Wenn in der Nähe feuchte Wiesen und Gräben sind, so kann man im April die Sumpfdotterblume in Blüte finden. Dies ist eine Pflanze mit hohlem Stengel und dunkelgrünen, herzförmigen Blättern, die am Rande gekerbt sind. Die Blüten sind hellgelb; die Kinder nennen sie oft Butterblume.

Die Blüte hat 6 verschieden gestaltete Kronblätter und innen stehen zahlreiche Staubgefäße und Fruchtknoten. Wenn man einen der letzteren herausnimmt, so wird man eine kleine Höhlung mit Honig darin finden.

Die Bienen sind sehr hinter diesem Honig her, da es noch so früh im Jahre ist, daß sehr wenige Pflanzen blühen. Sie brauchen außerdem Blütenstaub, um Bienenbrot für die kleinen Bienen zu machen. Auch andere Insekten suchen nach Nahrung. Wenn man an einem sonnigen Tage die Butterblumen beobachtet, so wird man viele Bienen und Fliegen sich auf den Blüten niederlassen sehen.

Sie fliegen von Blüte zu Blüte, saugen aus jeder ein Tröpfchen und nehmen außerdem aus den Staubbeuteln Blütenstaub mit.

Wir sahen in der letzten Lektion, daß Pflanzen keine Samen bilden können, wenn der Blütenstaub nicht auf die Narbe gelangt, und man hat durch Versuche herausgefunden, daß der Samen besser wird, wenn der Blütenstaub von einer anderen Blüte kommt. So nützen die Bienen den Pflanzen, indem sie den Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen, als Bezahlung gewissermaßen für den Honig, den die Pflanzen ihnen spenden.

Man wird sicher irgendwo im März an den Hecken eine hübsche gelbe Blume finden, die wie ein Stern aussieht mit glänzend grünen, herzförmigen Blättern. Es ist das Scharbockskraut oder die Feigwurz. Sie hat drei grüne Kelchblätter und acht bis zwölf gelbe Blumenkronblätter. Bienen und andere Insekten kommen in großen Mengen zu ihr, denn sie hat einen Tropfen Honig an dem dünnen Ende jedes Blumenkronblattes in der Mitte der Blumenkrone.

Wenn man diese Pflanze ausgräbt, so wird man Knöllchen von Feigenform finden, die zwischen den Wurzeln wachsen. Jedes derselben hat eine kleine Knospe an der Spitze, aus der sich eine neue Pflanze entwickelt, wenn man sie in die Erde setzt.

Eine andere Blume, die schon früh auf den Feldern blüht, ist der gemeine gelbe Huflattich, ein für den Landmann sehr unangenehmes Unkraut. Er hat einen langen kriechenden Stengel und breitet sich sehr schnell unter dem Boden aus. Er hat eine Blumenkrone wie der Löwenzahn, aus Hunderten von winzigen Blüten bestehend. Diese wächst auf einem filzigen Stengel, welcher mit roten Schuppen bedeckt ist. Die Blätter wachsen erst, nachdem die Blüte verwelkt ist.

Sieh den Blütenkopf aufmerksam an. Du wirst ungefähr vierzig runde Blüten in der Mitte finden. Sie bergen in sich Staubgefäße und einen großen Tropfen Honig. Um diese herum stehen ungefähr 300 kleine Blüten, jede mit einer langen, gelben Zunge. Im Innern dieser äußeren Blütchen sitzt ein Fruchtknoten mit zwei klebrigen Hörnern. Die Bienen und anderen Insekten kriechen über diese äußeren Blüten, um den Honig aus den Blüten in der Mitte zu saugen, und wenn sie nun zurückkehren, so bringen sie etwas Blütenstaub mit, den sie auf den klebrigen Hörnern der Narben zurücklassen.

Und wenn du nun den Aronsstab oder die Aronswurz finden kannst, so will ich dir eine wirkliche Insektenfalle zeigen. Er hat eine weißliche tütenförmige Blüte mit einem purpurfarbenen Kolben im Innern. Im Frühling hat diese Blume einen sehr starken Geruch. Dieser lockt die Insekten an, und sie kriechen an dem purpurroten Kolben hinab, um nach Honig zu suchen.

Auf ihrem Wege dahin kommen sie an einer Reihe von steifen Haaren vorbei, die von ihrem Gewicht niedergebogen werden und sie vorüber lassen. Dann gelangen sie an einen Ring von roten Staubbeuteln, die noch nicht offen sind. Darauf treffen sie auf einige verkümmerte Fruchtknoten und erreichen endlich die wirklichen Fruchtknoten mit klebrigen Spitzen.

Nun sind sie bis auf den Boden gelangt und suchen nach Honig. Aber ach! Es ist keiner da. Dann versuchen sie zurückzugelangen. Aber die steifen Haare biegen sich nicht nach oben, und die Insekten sind Gefangene. Sie sind für ein oder zwei Tage eingeschlossen, dann verwelken die klebrigen Narben der Fruchtknoten und jede schwitzt einen Tropfen Honig aus. Die Insekten sind also nicht betrogen. Zu gleicher Zeit platzen die Staubbeutel, und der Blütenstaub fällt auf die Insekten. Dann verwelken auch die Staubgefäße und die Haare, und die Insekten können ihrem Gefängnisse entschlüpfen.

Wenn sie an den verwelkten Staubbeuteln vorbeikommen, streifen sie den übriggebliebenen Blütenstaub ab und tragen nun auf ihrem Rücken genug davon zu anderen Blumenfallen.

Man kann dies sehr leicht selbst sehen, wenn man zwei Aronsstäbe beobachtet und zwar eine junge Pflanze mit vollen Staubbeuteln und eine alte, in der diese schon verwelkt sind.

Suche Sumpfdotterblume, Scharbockskraut, Huflattich und Aronsstab.

Lektion 7.

Früchte, die wir als Gemüse essen.

(Viertes Vollbild.)

Wenn die Fruchtknoten der Pflanzen ausgewachsen und reif sind, nennen wir sie Früchte. Vermutlich kommt es euch sonderbar vor, eine Erbsenschote „Frucht“ zu nennen. Aber wenn ihr an alle die anderen Früchte, die ihr kennt, denkt, so werdet ihr finden, daß alle aus Fruchtknoten entstanden sind.

Der Apfel entsteht aus dem Fruchtknoten der Apfelblüte. Die Stachelbeere enthält den Samen des Stachelbeerstrauches. Die Nuß ist die Frucht des Nußbaumes. Die Eichel ist die Frucht der Eiche.

Bei Erbsen und Puffbohnen essen wir die Samen der Frucht. Aber bei anderen Bohnenarten essen wir meistens die unreife Frucht, Samenkapsel sowohl als Samen. Wenn du in einem Gemüsegarten umhergehst, wirst du gewiß einige Gemüse finden, von denen wir die ganze Frucht essen.

In den meisten Gärten gibt es eine Ecke, in der welke Blätter und Abfall aufgehäuft werden, um daraus einen Düngerhaufen zu machen. Erde wird auf den Haufen geworfen, und Gurken und Kürbis werden darauf gezogen. Man wird sofort erkennen, daß Gurken und Kürbis fleischige Samenkapseln sind, denn sie sind voll von Samen.

Habt ihr jemals die Blüten des Kürbis angesehen? Sie sind ebenso groß und schön wie viele Gartenblumen. Ich möchte euch auf etwas Sonderbares in ihnen aufmerksam machen.

Wenn man verschiedene Blüten betrachtet, so wird man sehen, daß sie nicht alle gleich sind. Sie haben einen blaßgrünen Kelch mit fünf langen Spitzen und eine kleinere oder größere gelbe Blumenkrone. Die kleineren haben den Ansatz eines jungen Kürbis unter dem grünen Kelche, während die größeren nichts als den Stengel an Stelle des Kürbisansatzes haben. In einigen Tagen wird der junge Kürbis größer geworden sein, während die Blüten, aus denen kein Kürbis hervorgeht, allmählich verwelken.

Sieh in das Innere der verwelkenden Blüten. Du wirst einige sonderbare Staubbeutel voll von gelbem Blütenstaube finden, aber keinen klebrigen Stempel in der Mitte. Dann betrachte die kleinere Blüte über dem jungen Kürbis. Im Innern derselben stehen einige klebrige, klumpenförmige Gebilde und wahrscheinlich findet sich etwas gelber Staub auf ihnen. Jene verdickten Stellen bilden die Spitze des Fruchtknotens, die Narbe, aber du wirst keine Staubbeutel in dieser Blüte finden.

So siehst du also, daß der Kürbis die Staubbeutel in der einen Blüte und den Stempel in einer anderen hat. Wie kommt nun der gelbe Blütenstaub aus einer Blüte in die andere, um den Samen zum Wachsen zu bringen?

Hier helfen die Insekten. Wir fanden die schädlich, die die Kohlrüben vernichteten, jetzt werden wir nützliche finden.

Im Inneren jeder Kürbisblüte gibt es einige saftige, faltenartige Stellen, an denen die Bienen und andere Insekten gern nagen, um den süßen Saft zu bekommen. Wenn sie sich nun in die Blüte drängen, um an den Falten zu fressen, reiben sie sich an den Beuteln und tragen etwas von dem gelben Blütenstaube auf ihrem Rücken mit fort. Dann fliegen sie in die kleineren Blüten auf der Suche nach dem süßen Safte und kommen an der klebrigen Narbe vorbei. Die gelben Staubkörner kleben daran fest, und so kann der Inhalt des Blütenstaubs zu den Samenknospen gelangen, so daß diese zu Samen heranwachsen.

Die Blüten der Gurke sind ebenso verschieden wie die des Kürbis. Nun wissen wir auch, weshalb der Gärtner seine Mistbeetfenster alle Tage sorgfältig öffnet. Er muß nicht nur frische Luft einlassen, sondern auch den Insekten Gelegenheit geben, auf die Blüten zu fliegen. Denn wenn sie nicht kämen, würde der Blütenstaub nicht von einer Pflanze zur anderen getragen werden. Manche Gärtner pflücken eine Blüte mit Staubbeuteln ab und reiben sie an den klebrigen Narben der kleinen Blüte und verrichten so dieselbe Arbeit wie die Insekten.

Alle Arten von Kürbissen, wie Flaschen-, Riesenkürbisse usw., Melonen und Gurken haben zweierlei Blüten wie die oben beschriebenen.

Es gibt noch eine Frucht, die wir als Gemüse essen, aber ich bin nicht sicher, ob ihr sie in eurem Garten habt. Es ist die schöne Tomate, die wie ein tiefroter Apfel aussieht. Wenn ihr sie nicht habt, solltet ihr versuchen, sie anzubauen.

Säe die Samen im Februar in einen Kasten, decke Glas darüber und halte sie in der Küche, wo es warm ist. Wenn dann die kleinen Pflanzen einige Blätter getrieben haben, setze jede einzelne in einen kleinen Topf mit etwas sandiger Erde. Begieße die Pflanze tüchtig, und im Mai setze die Töpfe hinaus ins Freie in eine warme Ecke.

Sobald die Pflanzen sich abgehärtet haben, grabe an einem der Sonne ausgesetztem Platze ein tiefes Loch, fülle es mit Erde und Dünger und pflanze sie da hinein. Sie werden emporwachsen und schöne Tomaten hervorbringen. Man muß nur sorgfältig Raupen und Schnecken fernhalten; denn sie lieben den süßen Tomatensaft ebensosehr wie wir.

Wenn die Früchte groß genug sind, und das Wetter nicht warm genug ist, um sie im Freien zur Reife zu bringen, so kann man sie pflücken und auf die Küchenbretter legen. Sie werden sich dann rot färben und können gegessen werden.

Suche die zwei verschiedenen Arten der Blüten, die auf dem Kürbis und der Gurke wachsen. Suche die Frucht der Gurke und der Tomate.

Lektion 8.

Der Kohlkopf.

Wenn die Frühlingsblumen anfangen, aus der Erde hervorzulugen, wird der Gärtner im Garten tüchtig bei der Arbeit sein. Im März, wenn nicht schon früher, müssen saubere Beete mit Kohl, Rosenkohl, Blumenkohl usw. besät und die kleinen Pflanzen nach und nach ausgepflanzt werden. Frühe Rüben müssen gezogen, und Radieschen und Senfsamen und Brunnenkresse zum Salat ausgepflanzt werden.

Alle diese Pflanzen gehören zu der Familie der Kreuzblütler, deren Blüten die Form eines Kreuzes haben. Es ist, wie ihr seht, für den Gärtner und Landwirt eine sehr nützliche Familie. Sie schenkt uns außer dem lieblichen Goldlack auch die vielfarbige Levkoie und das hübsche Steinkraut in den Gärten, sowie die Brunnenkresse in den Bächen.

Aber sobald unsere Kohlpflanzen zu wachsen anfangen, finden wir, daß die Insekten, die so nützlich sind, die Pflanzen zu befruchten, in einem Gemüsegarten vielen Schaden anrichten können. Früh im Mai, wenn die Pflanzen noch klein sind, kann man den Kohlweißling durch den Garten flattern sehen.

Wo ist er wohl hergekommen? Den ganzen Winter lang ist sein Körper von einer harten gummiartigen Masse bedeckt gewesen, die ihn überzog, als die Raupe sich verpuppte und sich mit seidenen Fäden an einem alten Kohlstrunk aufhing oder sich vielleicht in einer Ritze des Zauns versteckte.

Jetzt, wo die Sonne warm scheint, ist er ausgekrochen, und das Weibchen legt seine Eier. Der Schmetterling nährt sich nicht selbst von Kohlblättern, er saugt nur Honig aus den Blüten. Aber er nährte sich von Blättern, als er eine Raupe war, und deshalb legt das Weibchen ihre Eier unter ein Kohlblatt, wo die Raupen Nahrung finden, wenn sie ausgekrochen sind.

Ein anderer Schmetterling, der Fuchs genannt wird, legt seine Eier auf Brennesseln, weil seine Raupen sich von deren Blättern nähren. Sie weben ein kleines Nest unter denselben, wohin sie des Nachts zurückkehren, und wo man sie finden kann.

Wenn man nun seine Kohlpflanzen vor den Raupen schützen will, muß man die Eier des Kohlweißlings unter den Kohlblättern ablesen. Sie sind sehr klein, aber in vierzehn Tagen werden aus ihnen kleine grüne Raupen auskriechen, die schwarze Flecke und eine gelbe Linie auf dem Rücken haben.

Sie fressen und fressen ungefähr vier Wochen lang, und gegen Juli oder August kriechen sie dann nach irgend einem Baum oder Zaun, verpuppen sich und hängen sich an seidigen Fäden bis zum nächsten Frühling auf. Dann kriecht der Schmetterling aus, um seine Eier auf die jungen Kohlpflanzen zu legen.

Wenn ihr während des Winters überall den Garten im gefallenen Laube und an den Zäunen durchforschen werdet, werdet ihr die Puppen finden und sie vernichten und so helfen, eure Gemüsepflanzen vor den Raupen zu schützen.

Wenn ihr aber kleine weiße Bällchen von der Größe von Hanfsamen in der Nähe einer toten Raupe findet, so hütet euch sie zu vernichten. Es sind die Kokons einer kleinen Wespe, die ihre Eier in den Körper der Raupe des Kohlweißlings legt; wenn die Larve dann auskriecht, nährt sie sich von dem Inneren der Raupe.

Ist es nicht eine sonderbare Geschichte? Der Schmetterling saugt den Honig aus den Blüten und überträgt dabei den Blütenstaub. Dann legt er seine Eier unter ein Kohlblatt und stirbt. Die Raupe nährt sich vom Kohl, und dann kommt vielleicht eine kleine Wespe und legt ihre Eier in sie hinein. Deren Larve nährt sich von der Raupe, und wenn nun die Zeit kommt, wo sich diese in einen Schmetterling verwandeln soll, stirbt sie.

Viele andere Geschöpfe nähren sich noch von der Kohlpflanze. Larven und Schnecken lieben grüne Nahrung und der Kohlgallenrüsselkäfer, der sich, wie wir gesehen haben, von der Kohlrübe nährt, frißt die Wurzel des Kohls ebenso gern. Der beste Weg, alle Feinde fern zu halten, ist, den Boden von Unkraut zu befreien und alle Insekten, die man findet, abzulesen.

Suche möglichst viele Kreuzblütler: Goldlack, Brunnenkresse, Brennessel, Levkoie, Ackersenf, Kohlrübe und eine in den Samen geschossene Kohlpflanze. Versuche die Puppe des Kohlweißlings zu finden.

Lektion 9.

Wie die Pflanzen sich schützen.

Im Mai sind an den Hecken eine Menge von Blumen zu finden. Ich habe keinen Platz, sie euch alle zu beschreiben. Ihr solltet auf eurem Schulwege von jeder Sorte eine pflücken und euren Lehrer darnach fragen. Auf Abhängen und im Walde versteckt, findet man die wilden Hyazinthen, die rote Kuckuckslichtnelke und die lieblichen Sternmieren mit Blüten wie reine weiße Sterne und mit schmalen spitzen Blättern, die im Volksmunde auch Hühnerdarm oder Vogelmiere heißen.

Die Wiesen sind nun ganz gelb vom Hahnenfuß, die Gräben blau vom Vergißmeinnicht, und den kleinen, blauen Ehrenpreis kann man überall finden. Er hat einen dünnen, schwachen Stengel, und seine zwei Staubgefäße stehen wie Hörner aus den vier blauen Blumenkronblättern hervor. Binnen kurzem wird die hohe Wiesenspierstaude mit ihren zierlichen weißen Blütentrauben am Ufer der Flüsse und an feuchten Stellen blühen, und der hübsche, kleine Horn- oder Schotenklee wird Hecken und Felder schmücken.

Ihr werdet diese kleine Blume wahrscheinlich sehr gut kennen! Sie erhebt sich nur wenig über die Erde und sieht aus wie eine sehr kleine gelbe Erbsenblüte. Ungefähr vier oder fünf kleine Blüten wachsen auf jedem Stengel und die Knospen haben hellrote Streifen. Wenn die Schoten reif sind, stehen sie nach außen wie die Zehen eines Vogelfußes.

Diese Blumen und viele andere kann man auf den Feldern und in den Hecken finden, und ihr wißt nun, wie man ihre Fruchtknoten und Staubbeutel finden kann, und ihr werdet gewiß auf die Bienen und anderen Insekten achten, die kommen, um Honig und Blütenstaub zu holen.

Wenn ihr eure Augen offen haltet, so werdet ihr bald sehen, daß auch andere Geschöpfe zu den Pflanzen und Blumen kommen, die ihnen nicht so nützlich sind wie die Bienen. Da ist die Kuh, welche sehr viel von ihren Blättern beim Grasen frißt. Da ist der Esel, der mit Vorliebe Disteln sucht. Da ist das Kaninchen, das am Abend aus seinem Bau herauskommt, um an den zarten, jungen Schößlingen zu knabbern, und da sind die kleinen Feldmäuse, die die Erde wegkratzen und von dem dicken Stamm und den Wurzeln unter der Erde fressen.

Nun will ich euch von einigen Pflanzen erzählen, die sich selbst schützen, und vielleicht könnt ihr noch einige andere dieser Art ausfindig machen. Da haben wir zuerst die Anemone und die Wiesenbutterblume. Beide haben bittere Blätter, welche auf der Zunge brennen, wenn man in sie hineinbeißt. Wenn man über ein Feld geht, auf dem viele Butterblumen stehen, so wird man finden, daß die Kühe und Schafe sie möglichst unberührt stehen lassen. Wenn sie die Blätter fressen, so werden sie doch die Blüten vermeiden, die am bittersten sind. So hindern diese Pflanzen die Kühe, sie zu vernichten. Auch die Blätter des wilden Storchschnabels haben einen unangenehmen Geruch und Geschmack.

Dann haben die Farnkräuter sehr viel bitteren Gerbstoff in sich. Ihr werdet finden, daß, wenn Kühe oder Schafe an einer Stelle weiden, wo diese Pflanzen wachsen, sie dieselben nicht berührt haben. So schützen sich die Farnkräuter.

Auch der Sauerklee schmeckt sehr scharf, und der Ehrenpreis verursacht ein trockenes Gefühl im Munde, wenn man die Blätter ißt. Der Aronsstab hat so giftige Beeren, Blätter und unterirdische Knollen, daß kein Tier von den über der Erde liegenden Teilen fressen und keine vorsichtige Feldmaus unter der Erde daran nagen wird.

Dann gibt es Pflanzen, die Dornen an ihrem Stamme haben. Kühe und Pferde fressen nicht gern Stechginster, denn er verletzt ihr empfindliches Maul. Dies sind nur einige wenige Beispiele. Ich kann euch nicht mehr anführen, weil ich euch noch etwas weit Merkwürdigeres erzählen will.

Die Pflanzen haben Bienen und andere fliegende Insekten nötig, damit sie ihren Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen. Aber andere Insekten, so z. B. Ameisen, lieben auch Honig und können nur kriechen, nicht fliegen; sie reiben allen Blütenstaub, der auf sie fällt, ab, ehe sie eine andere Pflanze erreichen. So rauben sie den Blüten ihren Honig und geben ihnen nichts dafür.

Wie schützen sich nun wohl die Blumen gegen diese Honigräuber? In der mannigfachsten Weise. Die Weberkarde oder Kardendistel hat einen großen Blumenkopf voll von Honig. Aber die Ameisen können ihn nicht stehlen, weil ihre Blätter am Stengel einander gegenüberstehen, so daß sie ein kleines Bassin bilden. Tau und Regen füllen dasselbe und verhindern die Ameisen hindurchzukriechen.

Die Pflanzengattung, zu der die Kuckuckslichtnelke gehört, hat an den Blütenstengeln feine Haare, und der Stamm in der Nähe der Blüte ist sehr klebrig. Wenn die Ameisen hinaufkriechen, um den Honig zu stehlen, kleben sie fest und können nicht weiter.

Eine sehr gewöhnliche Pflanze in den Hecken ist die Sonnenwolfsmilch, die eigentümliche, kleine grüne Blüten hat. Diese Blume hat einen giftigen, milchigen Saft in ihrem Stengel. Wenn die Ameisen nun versuchen hinaufzuklettern, stechen sie mit ihren Klauen Löcher in denselben, der Saft quillt hervor, und sie kleben fest und sterben.