Mittelniederdeutsches Handwörterbuch
Part 49
=schot=-angel, _e. Art Angel (die verboten ist); *-bane,* f. Schiessbahn; *-bar,* steuerpflichtig; *-boge,* Bogen (die Waffe); *-bôk,* Register der steuerpflichtigen Bürger; *-bore,* Bahre zum Transport von Erde? *-busse,* Schiessgewehr, Geschütz; *-dele,* Brett zur Dielung, Täfelung; *-dor,* Fallgatter, -thor; *-forke,* Heu-, Strohgabel; *-gaddere = schotdor; -glevige,* f. Wurfspeer; *-hêre,* Ratsherr, welcher die Bürgersteuer einnimmt; *-holt = schotdelen; -kamere,* 1. Zimmer, wo die Bürgersteuer erhoben wird. 2. Verschlag von Brettern? *-line, tormentum, funis navis quo naute utuntur,* »aufgeschossenes« Tau? *-mêster,* ein Ehrenamt im Stahlhof zu London; *-porte = schotdor; -reise?* Kriegszug, wozu die verbündeten Parteien Beitrag leisten? *-renne,* 1. Wasserleitung aus Bohlen? mit Verschluss? 2. Kehlrinne am Zusammenstoss zweier Dächer, am Schornstein; *-rîs,* Schössling, junger Trieb; *-spole,* Weberspule, -schiffchen; *-swîn,* Schwein, als Steuer gegeben; *-vinger,* Zeigefinger (mit w. man schiesst); *-ware unde lude,* Krämerware u. Krämer? vgl._ schotte.
=schote,= _st. m. Schuss; *ên s. weges,* als Massbestimmung; Pfeil, Ladung des Schiessgewehrs._
=schote, schate,= _f. das Schiessen, Aufwachsen,_ crescendi ratio.
=schôte,= _Tau, an die untere Ecke des Segels befestigt, um das Segel zu spannen._
=schôte= _(dän. *skjøde),* f. Eigentumsübertragung (urspr. unter Übergabe einer Erdscholle in den Rockschoss des Käufers)._
=schôte-brêf,= _Urkunde über Verkauf von Immobilien, Überlassung von Rechten etc._
=schôtel-bêr,= _das Bier, das beim *schôten* geschenkt ward; die Schaffer hiessen_ schôtelhêren.
=schôtel-bôk,= _Buch, in welchem die Eigenthumsübertragungen verzeichnet stehen._
=schotel-eit,= _eidl. Gelöbnis, die Bürgersteuer richtig erlegen zu wollen._
=schotel-tins,= _Beitrag zur Bürgersteuer aus den zu frommen Stiftungen fundierten Zinsen und Renten._
=schotel-tît,= _die Zeit, wo man Abgabe bezahlt._
=schotele,= _Schüssel; s._ schottele.
=schoten (schaten),= _sw. v. Schoss geben, (directe) Steuer zahlen._
=schôten,= _sw. v. sein Eigentumsrecht aufgeben zu Gunsten eines andern, mit Übergabe gewisser Symbole,_ scotare.
=schotes-vri,= _1. ohne v. e. Geschoss getroffen zu werden. 2. frei v. Abgabe, Steuer._
=schôtinge,= scotatio = schôte, *f.*
=schotte,= _e. Schotte, herumzieh. Krämer._
=schotts-mâl,= _n. die in Appellationsfällen vom appellierenden Teile zu erlegende Zahlung, überhaupt Appellation (schlesw.-holst.), dän. *skudsmaal,* schwed._ skottmål.
=schottel(e),= _f. Schüssel; der Gaumen?_
=schottel=-balge, _f. Balje, worin Schüsseln gewaschen werden; *-bret, discus; -brôt,* Brot beim Mahle; auch als eigenes Gericht? in Scheiben als Teller für das Fleisch? *-dreiger,* Schüsseldrechsler; *-dwele,* Schüsseltuch; *-korf,* Korb, in den Schüsseln gesetzt werden, *cartallum; -pot,* Kochtopf? *-water,* Spülwasser; *-wescher,* Küchendiener, der die Schüsseln wäscht._
=schotteler,= _Schüsselmacher,_ scutellifex.
=schotten,= tributa dare, exactionare; _s._ schoten.
=schotten,= _täfeln, dielen, bebohlen._
=schotter= _(flandr.) = *schutte,* Schütze._
=schottilie,= _Holztafel, Schindel;_ =schottilien,= _sw. v. täfeln;_ =schottilien-werk,= _Getäfel._
=schottilier,= _der Tafelwerk, Schnitzereien macht, feinerer Tischler._
=schôt-vel,= _Schoss-, Schurzfell._
=schou-, schu-spel,= _Schauspiel._
=schouwe,= _Schau, Anblick._
=schouwen,= _sw. v. 1. sehen, schauen, beschauen; obrigkeitlich besichtigen, bes. Deiche, Wege etc. 2. zeigen, sehen lassen._
=schouwer,= _Beschauer, Besichtiger._
=schouwer (schauer),= _m. grosser Becher v. Edelmetall mit Deckelaufsatz, bes. für Confect._
=schouwinge,= _1. Besichtigung der Deiche, Wege etc. 2. Besuch der Wöchnerin._
=schove,= _f. Haufen, Schar._
=schove,= _f. (Fisch-) Schuppe._
=schovelink,= _eine Art feineres Weissbrod._
=schoven,= _sw. v. beschuppen, betrügen._
=schow, schu,= _n. sichtbares Notzeichen._
=schow-bank,= _Schaubank, Servante zur Ausstellung des Prunkgeräts._
=schowel-scho,= _Schauschuhe, Meisterstück der Schuster?_
=scho-werchte, -werte, -wart,= _m. Schuhmacher, Schuster._
=scho-werk,= _1. Schustergewerk, -innung. 2. Schusterarbeit, -gewerbe._
=scho-wisch,= _Schuhwisch, -putzer._
=schra,= _f. (an. *skrá,* eig. Leder, Pergamentstreifen) Rolle, Statut._
=schrachen= _(u._ =schraken?),= _sw. v. laut lachen. Subst._ schracher.
=(schracken):= scrackede, _sprang, tanzte; oder v._ schrecken?
=schrade (schra, schrage),= _dürr, mager, kümmerlich; dürftig, schlecht._
=schrâde, schrâdelink, schrâden, schrâder,= _dialekt. Formen f. *schrôde* etc., w. m. s._
=schrage,= _sw. m. (schräges) Gestell (aus zwei paar gekreuzten Beinen, z. B. Sägebock, Tonnenuntersatz etc.), bes. zur Herrichtung von Tischen und Bänken, auch der Warentisch selbst._
=schrage,= _späte Form für *schra,* Statut; im 16. Jh. durch Einfluss des vorigen Wortes masc. und für jede polizeiliche Verfügung, die auf einem Brett im Rathause aufgehängt ward, bes. für Taxen, Preis- und Tarifbestimmungen._
=schragelink= = schradelink.
=schram,= _m. Ritze, Kerbe._
=schram-hans,= _ein herumstreichender Leuteplacker._
=schramme,= _f. Hautritzung, Streifwunde, Schmarre._
=schrammen,= _sw. v. auf der Oberfläche ritzen._
=schrange,= _f. m. = *scharne,* bes. als abgegrenzter Verkaufsraum des Marktes, daher meist m. d. Präp. *in* u. im Pl._
=schrang(e)-, schran(k)-klocke,= _Glocke, mit w. der Anfang des täglichen Marktes eingeläutet wird._
=schrank,= _n. was absperrt, Gitter, Zaun, Verschluss; Verschlag in der Wand, freistehender Schrank._
=schranke,= _sw. f._ = schrank.
=schranken, schrankelen,= _sw. v. 1. *cancellare.* 2. beim Gehen die Füsse kreuzweise setzen; hinken; vom Sprechen: stottern._
=schrank-tûn,= _ein absperrender Zaun, Pallisade._
=schrank-werk,= _Schranken, Einzäunung, Gitterwerk._
=schrape,= _f. Werkzeug zum Kratzen u. Schaben, Rosskamm; bildl. Ausputzer, Vorwurf, Wischer._
=schrape-bottere,= _von der Tonne abgeschrapte, ranzige Butter?_
=schrapelse,= _n. das was man als das letzte (aus einem Gefässe) zusammen schrapt, Rückstand, Nachbleibsel, Abfall._
=schrape-mes,= _Schabmesser._
=schrapen,= _sw. v. (mit Geräusch) schaben, kratzen._
=schrât,= _schräg._
=schrât,= _sbst._ = schrôt.
=schratele,= _abgeschnittenes Stück, Schnitzel von Zeug oder Papier; Saum, Streifen am Gewande._
=schratelen,= _sw. v. zerstückeln, zerfetzen, schlitzen._
=schrât-rode,= _Schrägrute (zur hölzernen Turmspitze)._
=schrât-spleten,= _schräg gespalten._
=schrât-stake,= _Zaunpfahl (die schräge gegen einander gesetzt werden)._
=schrât-swîn,= _einjähriges Schwein, das beim Schlachten gleich zerstückt wird? mageres Schwein?_
=schrât-vlêsk,= _vom Schlachter zerstücktes Fleisch, viell. v. bestimmter Grösse._
=schrecke,= _sw. m.? Schrecken (spätes W.)._
=schrecken= _(Prät. auch *scrahte;* vgl. *schracken),* 1. = *schricken.* 2. erschrecken._
=schrede,= _st. m. Schritt, Tritt._
=schredere,= _der Schreer, ein Eisen, welches auf den Ambos gesetzt wird, um Nägel u. dgl. abzuhauen._
=schrei,= _m. u. n. Schrei, Geschrei; der einem Tiere eigentümliche Laut; = *ruchte,* Hülfeschrei; Schlacht-, Parteiruf, Losung._
=schreielik,= flebilis.
=schreien,= _sw. v. schreien, bes. laut weinen, jammern._
=schrei-man,= _Zeuge des »Geschreies«, des Notrufes._
=schreklik,= _schrecklich, furchtbar (spätes W.)._
=schrempen,= _sw. v. schrumpfen, zusammenziehen; (Fleisch) rösten, sengen._
=schrendelen,= _sw. v. zirpen,_ crocitare?
=schrenkel,= _ein Geschmeide: Spange?_
=schrenkelen= = schrankelen, vacillare.
=schrenken,= _sw. v. 1. quer und überkreuz setzen, verschränken. 2. beschränken, hindern._
=schrep, schrepel,= _dünn, mager, dürre._
=schrepe= = schrape, _Striegel;_ schrepen, _striegeln._
=schrepsel,= _n._ = schrapelse.
=schrêt-stake= (= schrâtstake?), _Wegepfahl, Grenzpfahl._.
=schreve,= _st. m. 1. (eine mit Kreide gezogene) Linie, Strich; dann überh. vorgeschriebene Linie, die angibt, wie weit man gehen darf; *boven* oder *over den schreve,* über das vorgeschriebene Mass hinaus. 2. ein brabant. und flämisch. Weinmass, hält *4 stope* oder *gelten* oder_ 8 potte.
=scribe,= _sw. m. Schreiber (Schriftgelehrter)._
=schricht,= _f._ = schrichte.
=schrichte,= _n. Geschrei, bes. der Notruf._
=schrichte-note,= _(Schreigenosse) Zeuge des Notrufs._
=schrickel-jâr,= _Schaltjahr,_ annus bissextus.
=schrickel-note,= _f._ octava.
=schricken,= _sw. v. Hände oder Füsse rasch bewegen: klatschen, in die Hände schlagen, *plaudere;* springen; tanzen, auch refl.?_
=schricken-, schrecken-berger,= _eine grössere Münze, vom Schreckenberge in Meissen (später St. Annaberg) genannt, wo sie geprägt wurde._
=schricker,= _m. Springer, Tänzer._
=schridde,= _sw. m. Landstreicher, Bettler?_
=schriden,= _schreiten, treten._
=schrie, schrige,= _n. Geschrei._
=schrien, schrigen,= _st. u. sw. v. schreien, laut rufen; heftig u. laut weinen; laut schallen, hell tönen._
=schri-, schriginge,= _das Schreien._
=schrîf=-bret, epicausterium, graphium, scriptorium; -hant, _die schreibende Hand; *-kamere,* Schreibstube, Kontor, Kanzlei; *-kuntôr,* Schreibtisch; *-mes(t), -mestken,* Federmesser; *-mêster,* Schreiblehrer; *-schole,* Elementarschule; *-scholer,* Elementarschüler; *-stôl, epicausterium, cathedra scriptorum; -tafele,* Schreibtafel; *-touwe,* n. Schreibzeug, -gerät, *-ve(d)dere,* Schreibfeder._
=schriflik,= _schriftlich; aus *schriftlik?* oder_ schrîflik?
=schrîfninge= _(aus schwed._ skrifning) = schrivinge.
=schrift,= _f. das Schreiben; Geschriebenes; *schrift maken,* schriftliche Verträge machen; *uppe schr. hebben,* aufgezeichnet, aufgeschrieben haben; die heil. Schrift._
=schriftaftich,= _schriftgelehrt,_ homo literatus?
=schriftich,= _schriftlich; der Schrift gemäss, dem Wortlaute nach._
=schriftlik,= _schriftlich._
=schriftûr(e),= _f. Schrift, bes. die heil. Schrift._
=schrige, schrigen= _etc., s. *schrie* etc._
=schrik,= _Brunnen-, Pumpenpfosten?_
=schrik= (î?), _Wiesenknarrer, Wachtelkönig?_
=schrimpen,= _st. v. die Nase rümpfen; sw. v._ = schrempen.
=schrîn,= _n. Schrein, Kiste, Lade; Sarg, Reliquienschrein; oft bildl., z. B. *Maria, ein schrîn der sâlden.* Demin._ schrineken.
=schrînde-meker,= _Schreiner, Tischler._
=schrinden,= _einen Schrund, Riss bekommen?_ = schrinen?
=schrinen,= _schmerzlich jucken und brennen._
=schrit-scho, (schrît-?)= _Schuh zu weiten Schritten, *petasus;* Schlittschuh (auf dem Eise)._
=schrive-= _in Zssetz., s._ schrîf-.
=schriveine (-veie),= _frz. *écrivain,* Schreiber, Secretär; bes. Schiffsschreiber._
=schrivel=-bret, -mes, _s. *schrîf-; -pennink,* Schreibgebühr._
=schrivelik,= _schreibbar; beschreiblich._
=schriven,= _st. v. schreiben; bildlich darstellen; Inf. subst. das Schriftstück._
=schriver(e),= _Schreiber._
=schriver=-bret, -mest, -schole, -stôl, _s. *schrîf-; -lach,* jährliche Festmahlzeit der Stadtschreiber._
=schriverie,= _1. das Schreiben. 2. die Schreibstube, Kanzlei._
=schrivinge, -unge,= _das Schreiben._
=schrobben,= _sw. v._ = schrubben.
=schrôde, schrâde,= _sw. m. abgeschnittenes Stück, Lappen._
=schrôde=-bank, sartorium, _Schneidertisch; *-gelt,* Weinschröterlohn._
=schrôdelen,= _sw. v. zerkleinen, zernagen (v. Mäusen)._
=schrôdelink, schrâdelink,= schedula, _Schnitzel; e. Art minder guter Wolle._
=schrôden, schrâden,= _st. u. sw. v. schroten, in kleinere Stücke zerschneiden, zerkleinen, z. B. Getreide zu (grobem) Mehl; zernagen; mit der Schere zerschneiden, bes. Zeug, daher: schneidern; überh. schneiden, beschneiden; von Münzen (welche in bestimmter Zahl aus einem bestimmten Gewicht geschnitten wurden): ausprägen, ausmünzen. *schrôden kopper,* Schrotkupfer._
=schrôden, schrâden,= _sw. v. wälzen, rollen, von Wein- u. Bierfässern; auf- u. abladen (auf zwei Leiterbäumen wälzend oder schiebend fortbewegen)._
=schrôder, schrâder= _(fem._ =-sche, -inne),= _Schneider; Wein-, Bierschröter; Hirschkäfer._
=schrôder-, schrâder=-knecht, _Schneidergeselle; *-mêster,* Schneider-Aeltermann; *-stede,* Schneiderwerkstatt._
=schrôdinge,= _das Schroten; vom Gelde: die Ausmünzung, Ausprägung._
=schrofulen,= _pl. Scropheln._
=schroien,= _sw. v. sengen._
=schromen,= _sw. v. vor, sich fürchten vor._
=schrôt, schrât,= _n. 1. Schnitt, abgeschnittenes Stück; die Stücke Leinen, aus welchen das Bettlaken zusammengesetzt ist; Stück, Seite Speck. 2. Absatz (an einem Gebäude)? 3. ein Schmiedewerkzeug._
=schrôt-ambacht, -ammet,= _1. Schneiderhandwerk. 2. das Gewerk der Bier- und Weinschröter; *-gast,* Schneiderkunde; *-lôn,* Schneiderlohn; *-mêster,* Münzmeister; *-schêre, sargillum, forfex; -tafele,* Schneidertisch; *-wacht,* f. *-wage,* f. Setz-, Nivellierwage, fig. Norm; *-werk = schrôtambacht;* geschnittene Ware, Ausschnitt._
=schrubben,= _sw. v. kratzen; reiben, scheuern; rein scheuern._
=schruchte= = schrichte.
=schrûf-werk,= _Schraubenwerk, Gewinde, Schraubensatz._
=schrul,= _m. 1. Anfall von Unsinn, toller oder übler Laune. 2. dauernde Misstimmung, heimlicher Groll._
=schrumpe,= _f. Runzel, Falte; Knick, Bruch im Zeuge._
=schrupelois,= _scrupulös, ängstlich._
=schruten,= _sw. v. schnarchen, schnaufen; Unmut, Widerwillen äussern._
=schruve,= _f. Schraube, z. B. in der Presse, Wagenwinde; *ein pâr schruven* der Zimmerleute: Schraubensatz zum Heben und Schieben; (silbernes) Fussgestell, auf w. ein Weinglas geschroben wird; ein Geschmeide an Kleidungsstücken zum Zusammenheften,_ torquis.
=schruven,= _sw. v. schrauben, winden; durch eine oder zwei Schrauben heben oder von der Stelle rücken._
=schu,= _1. adj. u. subst., s. *schûw, schuwe.* 2. = *scho,* Schuh._
=schubbe,= _f. Schuppe._
=schubben,= _sw. v. die Schuppen entfernen,_ exsquamare.
=schuchteren,= _sw. v. scheuchen, verjagen, auseinander treiben, zerstreuen,_ diffugare.
=schuchteren,= _adj. auseinander getrieben, zerstreut; schüchtern, bange._
=schuchteringe,= _das Auseinandertreiben, Zerstreuen._
=schucke,= _Schaukel. Vgl._ schocken.
=schucken,= _sw. v. schluchzen,_ singultire.
=schudde-galge,= _f. Schnell-, Wippgalgen._
=schudde-kappe,= _Name eines (schlechten) Bieres._
=schuddelink,= _Schüttelwolle, frz._ laine jettice.
=schudden,= _sw. v. 1. trans. schütten, schütteln. 2. intr. schüttern, beben._
=schudder,= concussor.
=schudde-ût,= libitina, est feretrum.
=schuddinge,= quassatio.
=schude,= _Prät. zu_ schên.
=schûf,= _e. Schieber; Schubfach._
=schûf-bore,= _f. Schiebbahre._
=schûf(e)le,= _später meist *schuffele,* f. Schaufel; *de s. bekomen,* bei der Werbung einen Korb bekommen._
=schuffel=-bret, _Schaufelbret (Mühlengerät); *-holt,* Holz zu Schaufeln._
=schuffelen,= _sw. v. schaufeln._
=schuffelen-dreger,= _(im Bergwerke) ein Unterbeamter, dem vom Bergmeister das Gericht befohlen ist._
=schuffesten:= schûf-feste(n?) = _Schuftange, plattes Tau, spitz an einem, mit einem Auge am andern Ende, w. als Raaband dient? oder *schuve-stên* (d. h.?)?_
=schûf-isern,= _Eisen zum Auswirken der Pferdehufe._
=schûf-kar(e)= = schuvekare.
=schûf-lade,= _f. Lade mit Schiebdeckel; Kasten in einem grösseren Behältnis, z. B. Tisch; Dem._ schûfladeken.
=schuft,= _m.? Widerrist des Pferdes._
=schufût, schuffût, schufvôt= = schuvût.
=schugge= = schuwe, _scheu._
=schuk-dore,= _lose Thür, »Schott«? Verlesen? Variante:_ slingdore.
=schuke= = schoke.
=schûl,= _n._ =schule,= _f. Versteck, Ort, wo man sich versteckt und Schutz sucht._
=schûl-blok,= _Gefangenblock als Strafe eines Flüchtlings, eines die Schule versäumenden Schülers._
=schulde,= _st. f. = *schult,* bes. Anschuldigung, Klage; *schot unde s.,* alle Abgaben, w. ein Bürger an seine Stadt, *schat u. s.,* w. e. Untertan zu leisten hat._
=schuldegen,= _sw. v. beschuldigen, anklagen, verklagen._
=schuldeginge,= _Beschuldigung, Anklage._
=schuldemêre= = schuldenêre.
=schulden,= _sw. v. 1. trans. beschuldigen, anklagen. 2. intr. schuldig sein; m. Gen., e. Strafe verdient haben._
=schuldenêre,= _der schuldig ist, *debitor;* aber auch der, welchem geschuldet wird, Gläubiger; auch Bürge, Gutsager_ = lover.
=schulde-note,= _Schuldgenosse, Teilnehmer an einer Schuld oder einem Verbrechen._
=schulder,= _Schuldner; Verbrecher._
=schulder(e),= _f. Schulter; Vorderschinken._
=schulder=-blat, _Schulterblatt; *-ketel = schinkenketel; -knoke,* Schulterknochen; *-kussen,* Schulter-, Kopfküssen;_ -mate ketel = schulderketel.
=schuldes= wesen ênem wat, _jem. etwas schuldig sein._
=schuldich,= _1. berechtigt (zu erhalten, bekommen). 2. schuldig, verpflichtet zu zahlen. 3. schuldig einer Tat,_ noxius, reus.
=schuldinge,= _1. Beschuldigung, Anklage. 2. Schuld (Geldstrafe), falls jemand etwas nicht leistet,_ poena.
=schulen,= _sw. v. verborgen sein; sich versteckt halten, lauern; verstohlen blicken, horchen; refl. sich verbergen; *s. gân,* heimlich weggehen u. Schlupfwinkel suchen, bes. v. Kindern, w. die Schule schwänzen._
=schûl(e)nisse,= _Versteck, Schlupfwinkel._
=schuler,= _der sich verborgen hält, Flüchtling, Laurer._
=schule-wagen:= den s. tên, _sich verstecken, verbergen._
=schûl(e)-winkel,= _Schlupfwinkel._
=schulinge= = schulenisse.
=schulle,= _f. Scholle, e. Plattfisch, *passer piscis; schullen-vanger,* Schollenfischer._
=schulle,= _Rasenstück, Erdscholle._
=schullen= = scholen, _sollen._
=schullinge= = schuldinge, _Geldstrafe,_ poena.
=schul-ôrdich= (û?), _v. Pferd: scheu, tückisch?_
=schul-oret= (û?), _lauernd, heimtückisch?_
=schulpe,= _Muschel. Dem._ schulpeken.
=schulpen,= _sw. v. eine Flüssigkeit stark hin und her bewegen, schütteln, dass sie überzufliessen droht; intr. von der bewegten Flüssigkeit selbst._
=schulpen,= _sw. v. in Holz oder Stein graben._
=schulp-sage,= _eine Säge, mit der man_ schulpet?
=schult,= _f. 1. was man einem andern zu geben schuldig ist, Verpflichtung, bes. Geldschuld *(mine s.,* was ich schulde; was man mir schuldet, ich zu fordern habe). 2. Vergehen, Delict. 3. Verschulden, Veranlassung, Ursache. 4. Beschuldigung._
=schult-bôk,= _Schuldbuch._
=schult-brêf,= _Schuldverschreibung._
=schulthaftich,= _mit der Schuld behaftet, schuldig._
=schult-hêre,= _Gläubiger,_ creditor.
=schult-hête, schultête, schulte,= _sw. m. (der Verpflichtungen befiehlt) Schultheiss, Schulze._
=schulthêten-, schultêt=-ambacht, -dôm, _Schultheissen-Amt; *-dink,* Sch.-Gericht._
=schult-mate,= _Mass, das bei Zahlung von Zins-Getreide etc. üblich ist?_
=schult-mudde,= _Schuld-, Zinsscheffel._
=schult-swîn,= _Schuld-, Zinsschwein._
=schult-tale,= _Verhältnis *(rata pars)* einer Schuld._
=schulver,= _m. Seerabe, Taucher._
=schulveren,= _sw. v. intr. abblättern, schuppenweise abfallen._
=schume,= _sw. m. u._ =schûm,= _st. m. Schaum; Metallschlacke._
=schumen,= _sw. v. 1. schäumen. 2. den Schaum abnehmen, *despumare.* 3. das Land (die See) raubend, bettelnd etc. durchziehen, landstreichen._
=schumer,= _m. Landstreicher, Nichtsnutz._
=schumfêren,= _sw. v. besiegen._
=schumferture,= _f. Besiegung, Niederlage._
=schûm-kelle,= _f. Kelle, Gelte zum Abschäumen._
=schummer,= _Dämmerung._
=schummeringe,= _Dämmerung._
=schummer-licht,= _Dämmerung, Zwischenlicht,_ diluculum.
=schun, scun,= _Verkürzung von *schulen, scholen,* sollen._
=schundel-kint,= _Leichtgläubiger._
=schunden,= _sw. v. reizen, anreizen (zum Bösen)._
=schundigen,= _sw. v._ = schunden.
=schune,= _f. Scheune._
=schunen,= _sw. v. in eine Scheune bringen._
=schunisse?= _l. *schun(de)nisse,* Anreizung, Aufforderung?_
=schunt,= _Anreizung, Verlockung zum Bösen._
=schupe= = schope.
=schuppe,= _f. Grabscheit, Schaufel, Schöpfschaufel,_ pala.
=schuppe-stôl,= _Stuhl (Bank, Brett), von dem man *geschuppet,* d. i. heruntergestossen wird (ins Wasser, in den Kot), Schnellgalgen, Wippe: entehrende Strafe für eine gewisse Klasse von Verbrechern, bes. Betrüger._
=schuppen,= _sw. v. stossen, fortstossen; vertreiben, verjagen._
=schuppinge,= _das Fort-, Wegstossen,_ precipicium.
=schûr,= _(Regen-, Hagel- etc.) Schauer._
=schûr,= _n. Schutz, Schirm; *in, to schure,* geschützt; Scheuer, Schuppen für Geräte, Wagen, Holz, Torf etc.; Schutzdach, z. B. an Häusern über Thüren, Kellerhalsen und Fenstern; Baldachin an Altarschreinen; Abteilung, Fach._
=schûr,= _listig, schlau._
=schure,= _f. Scheuer, Scheune._
=schuren,= _sw. v. schützen, bewahren._
=schuren,= _sw. v. reiben, scheuern; reinigen; refl. sich nicht mit einander vertragen können._
=schurer,= _Putzer, Schwertfeger._
=schûrheit, schuricheit,= _Listigkeit, Schlauheit._
=schûr-henne,= _Scheuerhenne *(gallina horrestrea),* zahme Henne? (Ggs. Feldhuhn?)_
=schuringe= = schûr, _n._
=schûr-iseren,= _Schüreisen._
=schurlitz= = schorlisse.
=schurren,= _sw. v. schurren, den schurrenden Ton hervorbringen._
=schûr-stok,= _Stock zum Umrühren._
=schut,= _Schirm, Schutz; Gegenrede, Einwand, Einrede (jur.)._
=schute,= _f. Spaten, Grabscheit._
=schute,= _f. Name von Schiffen verschiedener Grösse, Bauart (doch stets vorn und hinten spitz?) u. Bestimmung, See-, Fluss- u. Hafenschiff, mit oder ohne Bord, segelt, wird gerudert oder geschoben, Begleitschiff der Orlogskoggen, Frachtschiff, Fischerboot, bes. Leichterschiff._
=schute=-lage, _Fracht-, Leichtergeld für eine Schute;_ -man, remigator schutae, = prâmkerl.
=schuten=-meker, _der Schuten baut; *-schuver,* Kahn-, Bootführer._
=schut-geverde,= _n. das Schiessen, Kanonade; *ein s. holden mit,* dem Feinde ein Schiessgefecht liefern._
=schut-hagen,= _Schüttzaun_ = schutte-koven.
=schutsch,= _einfältig, grob, abgeschmackt, ndl._ schots.
=schut-schot= = schuttestal.
=schutte,= _sw. m. Schütze,_ sagittarius.
=schutte,= _n. Geschütz, Schiessgewehr jeder Art._
=schutte,= _f. n. 1. Schott, Vorrichtung zum Stauen oder Abhalten des Wassers; Aufziehschleuse, Fallthüre, Schossthüre (bei den Mühlen); Schirmwand (milit.). 2. Schutz, Schirm, Verteidigung._
=schutte,= _f.? das »geschüttete« Vieh._
=schutte-bret,= _ein Brett, um etwas abzuschotten, bes. um das Wasser aufzuhalten, Aufziehbrett._
=schutte-geverde= = schutgeverde.
=schutte-kost,= _e. Ausgabe beim Bergbau._
=schutte-koven= = schuttestal.
=schuttel-gelt,= _Pfandgeld, Geld für das »Schütten«._
=schutte-man,= _e. Arbeiter unteren Grades beim Bergbau._
=schutte-mêster,= _Aufseher über d. Wasserstauungen; überh. Polizeidiener._
=schutten,= _sw. v. schützen, schirmen; hindern, wehren; bes. fremdes Vieh, das Schaden thut, einsperren, als Pfand zurückbehalten; überh. hindern, zurückhalten, mit Beschlag belegen; Wasser aufstauen._
=schutten-gevechte, -geverde,= _n._ = schut-geverde.
=schutten-hinxt, -pert,= _Pferd für Schützen, leichtes Pferd._
=schutten-lach,= _n. jährliches Festgelage der bürgerlichen Schützen._
=schutten-wal,= _Wall für die Schützen, Schützengraben._
=schutter,= _der Vieh etc. *schuttet* (Polizeidiener); ndl. auch Schütze._
=schutte-recht,= _das Recht Vieh zu »schütten«._
=schutte-stal,= _Stall, in dem Vieh »geschüttet« wird._
=schuttinge,= _1. Sperrung, Abdämmung; Staudamm. 2. Einschliessung, Pfändung, Arrestierung; concr. das geschüttete Vieh. 3. Schutz, Schirm. Als jur. Terminus: 1. Zurückweisung eines Zeugen. 2. Einrede, Ausflucht, Vorwand._
=schuttink,= _m. Schütting, Versamlungshaus der Kaufleute und Gilden; privilegiertes Bierhaus; Gilde, Kompanie._
=schutzerie,= _einfältige Rede, Abgeschmacktheit, *nugae;* vgl._ schutsch.
=schuve-kar(e),= _f. Schiebkarre._
=schuveler,= _eng anliegender Rock._
=schuven,= _st. v. schieben, stossen._
=schuver,= _m. Schieber; das Werkzeug, mit dem man Brod etc. in den Ofen schiebt._
=schuve-stake,= _Schieb-, Schaltstange._
=schuvût, -vôt,= _m. Uhu,_ strix bubo.
=schuw(e),= _scheu, in Furcht, furchtsam; von Tieren: wild, ungezähmt._
=schuw(e),= _f. m. Scheu, Furcht; Gegenstand des Abscheus, Scheuche, Schreckbild._
=schuwelse,= _n. Scheusal, Schreckbild, Scheuche._
=schu(w)en,= _sw. v. 1. intr. scheuen, scheu werden; *s. vor = sik s. vor.* 2. trans. scheuen, fürchten, vermeiden; refl. *sik s. vor,* sich scheuen, zurückscheuen vor._
=schuwent,= _n. Scheu._
=schuwinge,= _Scheu; Gegenstand des Abscheus._