Meine zweite Weltreise

Part 3

Chapter 33,551 wordsPublic domain

Das +Hospital+ zu +Greenwich+ ist ein ehemaliger Sommerpalast der Königin Elisabeth. Jetzt dient derselbe bekanntlich als Versorgungsanstalt für die Invaliden der königlichen Marine. 2500 Mann finden hier Platz, und jeder hat sein eigenes kleines Schlafkämmerchen mit Stuhl und Bett und einem kleinen Wandschranke. Die Speisesäle sind prachtvoll, hoch und gewölbt. Die Leute saßen an langen Tafeln und aßen vier zu vier Mann die gemeinschaftliche Mittagsportion, bestehend aus Suppe, drei Pfund Fleisch (abwechselnd Rind-, Hammel-, Schweine- oder Salzfleisch) und vier Pfund Kartoffeln, nebst einem großen, schönen Weißbrote. Sie erhalten außerdem auch Hülsenfrüchte, Gemüse oder Mehlpuddings und an Getränken alle Tage Bier und Thee. Ich besuchte das Hospital absichtlich zur Mittagszeit, um bei der Austheilung zugegen zu sein. Ich fand hier, wie in allen öffentlichen Anstalten Englands, die ich zu besichtigen Gelegenheit hatte, daß die Leute nicht nur genügend erhalten, sondern auch daß das, was sie erhalten, vollkommen gut und unverdorben ist -- nicht wie in manchen Ländern, wo den Armen nur an jenem Tage eine gesunde Nahrung vorgesetzt wird, an welchem der zufällige Besuch irgend eines Großen des Reiches oder eines Inspektors erfolgt, ein Zufall, von welchem sonderbarer Weise die Anstalt stets schon eine geraume Zeit vorher unterrichtet ist!

Die Austheilung geht auf folgende Weise vor sich. Die Speisen werden in zwei Kesseln bereitet, das Fleisch ist, bevor es in den Kessel kommt, in Stücke zu je drei Pfund getheilt, die Kartoffeln sind zu vier Pfund in kleine Netze gebunden. Das gekochte Fleisch wird in eine Tonne gelegt, die Suppe läuft mittelst einer Rinne in eine andere Tonne. Ein Mann legt die Portion Fleisch in eine tiefe Schüssel, ein zweiter schöpft mit einem Gefäße, das gerade die für vier Mann bestimmte Quantität enthält, die Suppe heraus und schüttet sie über das Fleisch, während ein dritter das Netz mit den Kartoffeln aus dem Kessel hebt, in welchem sie durch Dunst gekocht worden sind. Die Austheilung geht auf diese Art mit unglaublicher Ordnung und Schnelligkeit vor sich.

Ein kleines Seitengebäude dient als Hospital für Kranke, die von den Gesunden gänzlich getrennt sind und sogar ihr eigenes Gärtchen haben.

Ein schattiger, großer Park steht nicht nur den Matrosen, sondern dem ganzen Publikum zur Benützung offen. In diesem Parke liegt die Sternwarte, durch welche die Engländer den ersten Meridian oder Längengrad ziehen.

Das Hospital besitzt auch eine kleine, niedliche Bildergallerie, berühmte Seegefechte und Bildnisse ausgezeichneter Seehelden enthaltend. In zwei Glaskästen werden einige Kleidungsstücke des großen +Nelson+ bewahrt, darunter der Rock und die Weste, durch welche in der Schlacht bei Trafalgar der tödtliche Schuß in die Brust drang.

Noch bleibt übrig, der, obwohl zufälligen, so doch größten und bedeutendsten Merkwürdigkeit Londons zu erwähnen, der universellen +Industrie-Ausstellung+. Nicht genug kann ich Herrn +Buschek+ (Präsident der Österreichischen Abtheilung) danken, der mich mit einem Billete beglückte, welches mich zu dem Beiwohnen der Eröffnung und zu fünf Besuchen berechtigte.

Die Eröffnung fand, wie bekannt, mit großer Feierlichkeit statt. Die Königin erschien mit Prinz Albert und ihren zwei erstgebornen Kindern in Begleitung der Minister und Großen des Reiches, der auswärtigen Diplomaten und der Abgesandten all jener Staaten, die an der Ausstellung Theil genommen hatten. Nach einer kurzen Rede des Prinzen Albert an die Königin, einem Gebete und einer Hymne, bewegte sich der ganze Zug langsam durch das Gebäude, hin und wieder bei einigen der kunstvollsten Gegenstände verweilend. Dem außen harrenden Volke wurden die Hauptmomente durch Kanonenschüsse verkündet.

Die Feierlichkeit begann um zehn Uhr, um Mittag war sie beendet; jetzt erst hatten jene Eintritt, welche ~Season Tickets~ (Billets für die ganze Zeit der Ausstellung) besaßen.

Kurz vorher, ehe die königliche Familie den Krystallpalast verließ, ging ich hinaus, um den Zug von Außen zu sehen und das Benehmen des Volkes zu beobachten. Der Equipagen waren sehr viele, alle sehr reich und glänzend; nur gefiel mir die Maskerade der Kutscher und Diener nicht: erstere trugen gelockte und gepuderte Perücken, auf welchen winzig kleine dreieckige Hütchen saßen; manche waren noch zum Ueberflusse mit großen Blumensträußen auf der Brust geschmückt. Die Diener, deren gewöhnlich zwei hinter dem Wagen standen, waren gleich Portiers mit großen Stöcken versehen. -- Den königlichen Wagen umgab einiges Militär und Garden. Das Englische Militär ist eines der schönsten, das man sehen kann; es besteht aus lauter kräftigen, hochgewachsenen Leuten. Die Garde zeichnet sich überdieß durch reiche Uniformirung und durch schöne Pferde, alle von derselben Farbe, aus[8].

Das Benehmen des Volkes war vollkommen musterhaft, es fiel nicht die geringste Unordnung vor; nirgends hatte ein ungestümes Hinzudrängen, Stoßen oder Balgen statt, und nie wurde weniger gestohlen als an diesem Tage -- man gab bei der Polizei nur drei Diebstähle an. Und -- so unglaublich dieß auch gewissen Leuten in gewissen Ländern scheinen mag -- nicht ein Mann Militär war aufgestellt. Einfache Polizeimänner mit fußlangen Stäbchen in den Händen reichten hin, das Volk in schönster Ordnung zu erhalten; sie hatten weiter nichts zu thun, als die Leute, die auf Plätze kamen, wohin sie nicht gehörten, auf die Achsel zu klopfen und höflich anzusprechen: „~Move, if you please~“ (bewegen sie sich gefälligst weiter), und Jedermann ging seines Weges.

Meine Leser werden mich entschuldigen, wenn ich ihnen und mir die Beschreibung der Ausstellung erspare. Zahllose Bücher, Broschüren und Zeitschriften haben ihren Ruhm der ganzen Welt verkündet, und kaum dürfte es Jemanden geben, der nicht Vieles darüber gelesen, der nicht Abbildungen des feenartigen Krystallpalastes und der in ihm enthaltenen Meisterwerke aus jedem Gebiete der Industrie, aus jedem Lande der Welt gesehen hat. Ich kann nur sagen, daß der Anblick des Ganzen ein wunderbarer, unvergeßlicher war, und daß ich kaum glaube, daß je wieder Aehnliches zu Stande kommen wird.

[1] Während meines Aufenthaltes begann man im Innern einen und außen drei Plätze abzuschaffen.

[2] Seit einem Jahre auf 6 Pence herabgesetzt.

[3] Einschläfrige Betten hat man in England höchst selten.

[4] In Singapore frug ich eine Dame, die sich gerade zum Kirchenbesuche schmückte, ob sie denn glaube, daß ihr Gebet im Putze mehr Werth habe als im einfachen Kleide. Sie antwortete: „das gerade nicht, allein der Gouverneur befahl, oder gab gleich einem Befehle zu verstehen, daß die Herren im schwarzen Frack und die Damen elegant gekleidet beim Gottesdienste erscheinen möchten.“

[5] Ist jetzt abgestellt.

[6] Ich rechne (nicht nur in England, sondern während der ganzen Reise) nach „englischen Meilen,“ deren 4¼ auf eine Deutsche Meile gehen.

[7] London liegt unter dem 50sten Breitengrade.

[8] Man hat in London nicht oft Gelegenheit Militär zu sehen, eine Sache die um so mehr auffällt, wenn man gerade aus Staaten kommt, in welchen beinahe ein Viertheil der Männer den Soldatenrock trägt.

Zweites Kapitel.

Die Kapstadt. -- Gefährliches Zusammentreffen mit zwei Negerinnen. -- Malaischer Gottesdienst. -- Singapore. -- Fünf Tage im Jungle. -- Sarawak. -- Rajah Brooke. -- Malaien und Chinesen. Ihre Wohnungen und kostbare Vasen. -- Ausflug zu den Dayakern und den Antimonium-Minen.

Am 24. Mai Abends begab ich mich an Bord des Schiffes Allanadale von 300 Tonnen Gehalt, Kapitän +Brodie+.

Zu meinem Erstaunen fand ich Niemanden an Bord als den Kapitän, der mir sagte, daß er der ganzen Mannschaft, bis auf den Matrosenjungen herab, die Erlaubniß gegeben habe, diese Nacht am Lande zuzubringen, und daß er selbst ebenfalls das Schiff verlasse. Ich hätte dasselbe thun können; allein da ich einige Meilen entfernt von London wohnte, so fürchtete ich, mich am folgenden Morgen verspäten zu können. Ich schloß mich in die Kajüte ein, und war für diese Nacht alleinige Herrin des Schiffes.

Am nächsten Morgen nahm uns ein Dampfer in’s Schlepptau und bugsirte uns nach Gravesend (20 Meilen) an die Mündung der Themse, deren Strömung jedoch noch 58 Meilen weiter bis North-Foreland berechnet wird. In Gravesend mußten wir diesen und den folgenden Tag liegen bleiben, weil zwei Matrosen, die der Kapitän angeworben hatte und die hier an Bord kommen sollten, nicht erschienen. Der Kapitän mußte zurück nach London und andere Leute anwerben. Erst am 27. gingen wir unter Segel.

Die Fahrt durch den Kanal war ungünstig; wir hatten wenig Wind und mußten während der drei ersten Tage beinahe beständig vor Anker liegen. Am 30. senkte sich ein so dichter Nebel auf die See hernieder, daß wir kaum eine Umsicht von einigen hundert Fuß hatten. Ringsumher hörten wir mit Sprachrohren und Schiffsglocken Signale geben, um die Nähe oder Ferne der Schiffe anzuzeigen und ein Zusammenstoßen zu vermeiden. Traurig klangen diese Töne durch die Nacht des Nebels und durchaus nicht geeignet, uns für die lange, gefährliche Reise[9] ein frohes Vorgefühl einzuflößen. Erst den 2. April Abends gelangten wir in den Atlantischen Ocean.

Ich hatte in diesen wenigen Tagen leider schon hinlänglich Gelegenheit, die Sparsamkeit unseres Kapitäns kennen zu lernen; eine ähnlich schlechte Verpflegung ist mir noch auf keinem Schiffe vorgekommen. Der Steuermann, der, wie es auf den Segelschiffen gebräuchlich ist, die Aufsicht über die Küche führte, und dem ich durchaus nicht nachsagen kann, daß er mit den Vorräthen verschwenderisch umgegangen wäre, wurde gleich zu Anfange seines Amtes entsetzt, und der Kapitän übernahm in eigener Person die Oberleitung. Sein Speisezettel war schnell gemacht: des Morgens leichten, schwarzen Kaffee und ein Stück Salzfleisch, des Abends Salzfleisch und Thee, des Mittags Erbsensuppe und Salzfleisch oder Stockfisch, manchmal Hühner und einen Mehlklumpen mit einigen Rosinen, den er Pudding nannte, -- statt des Brotes echten Matrosenzwieback. Eier, Schinken oder Käse mochten ihm als überflüssige Luxusartikel erscheinen, die er wahrscheinlich mitzunehmen vergessen hatte. Der gute Mann soll, wie er mir sagte, nächstens auf einem Ostindienfahrer kommandiren, welche Schiffe zum Theile für Reisende eingerichtet sind. Wehe den Armen, die an seiner Tafel speisen! -- Sonst war er indeß ein umsichtiger und sehr ordentlicher Mann.

War die Kost schlecht, so war es die Reisegesellschaft noch mehr. Zum Glücke bestand sie nur aus einer Person, einem jungen Engländer, der seine Erziehung der Himmel weiß wo erhalten haben mag. Sein liebster Aufenthalt war unter den Matrosen; mit diesen sang, pfiff, schrie und rauchte er um die Wette, und sein größtes Vergnügen war, dem Abschlachten des Geflügels beizuwohnen. Wahrlich, ich bewunderte nie so sehr meine kräftige Natur als auf dieser Reise -- die Kost verdarb nicht meine Gesundheit, die Gesellschaft nicht meine Laune. Ich gedachte im voraus des freudigen Augenblickes der Landung, und mit der schönen Zukunft mich tröstend, ertrug ich mit Geduld die traurige Gegenwart.

Auf der Reise selbst fiel nichts Merkwürdiges vor. Die schöne Molluske Phisolide (Portugiesisches Kriegsschiff genannt, siehe meine „Frauenfahrt um die Welt“, erster Theil, Seite 18) sah ich diesmal schon auf dem 35. Breitengrade nördlich vom Aequator, fliegende Fische auf dem 22.

+Am 13. Juni+ kamen wir dem Eiländchen +Ferro+ zu den südlichen Kanarischen Inseln gehörend, ganz nahe. Wir segelten in einer Entfernung von kaum zwei Meilen der Westküste entlang, die aber leider aus unfruchtbaren Felshügeln besteht und nur hie und da mit spärlichem Grün überkleidet ist. Doch immerhin war es Land, dessen Anblick wir schon lange entbehrten, und freudig hing mein Auge an der lieblichen Erscheinung.

+23. Juni.+ So viele und so lange Reisen ich bereits auf dem Ocean gemacht habe, so habe ich doch diese ungeheure Wasserfläche nie in einer ähnlichen Ruhe gesehen wie heute; nicht das geringste Lüftchen kräuselte den weiten Spiegel -- es war dieß ein großartig erhabener Anblick.

+28. Juni.+ Diesen Morgen bildeten sich in einer Entfernung von etwa 20 Meilen zwei kleine Wasserhosen. Da sie unter dem Winde[10] waren, hatten wir ihr Nahekommen nicht zu befürchten und konnten ruhig ihre Bewegungen beobachten. Sie tanzten munter umher und fielen nach einer Viertelstunde zusammen. In dieser Nacht bekamen wir auch ein Valentinsfeuer an der Spitze des großen Mastes zu sehen.

+Am 4. Juli+, zwischen 12 und 1 Uhr Mittags, passirten wir den Aequator. Es fand gar keine Feierlichkeit statt, ja, die Matrosen erhielten nicht einmal ein Extra-Glas Branntwein.

+Am 11. August+, Morgens sechs Uhr, nach einer Fahrt von 75 Tagen, fielen endlich die Anker auf der Rhede der Kapstadt. Obwohl ich seit dem 13. Juni (Insel Ferro) kein Land gesehen hatte, so war doch der Eindruck, den der Anblick dieser Stadt auf mich machte, nicht sehr groß. Ich hatte London noch zu frisch im Gedächtnisse, und in Folge dessen erschien mir die Kapstadt wie ein Dorf. Was ihre Lage betrifft, so erinnerte sie mich viel an jene von Valparaiso. Wie letzteres, ist sie von einer baumlosen, mit spärlichem Grün bedeckten Gebirgskette umgeben, in welcher der Tafel-, Löwen- und Teufelsberg die Hauptpunkte bilden. Vom Bord des Schiffes aus entdeckte ich ein einziges Bäumchen und nur wenig grüne Fluren, und dieß war zur Winterszeit, wo Berg und Thal im schönen Kleide prangen. Wie mag es erst im Sommer sein, wenn die glühenden, senkrecht niederfallenden Sonnenstrahlen alles versengen und verbrennen!

Kapitän +Brodie+ verließ nach dem Frühstücke sogleich das Schiff. Er war nicht so freundlich, mich nur mit an’s Land zu nehmen, er versagte mir jede Hilfe bei dem ersten Eintritte in die Stadt, eine Gefälligkeit, die mir bisher noch kein Kapitän abgeschlagen hatte, nicht einmal der ungebildete Chinesische Bootführer, der mich von Hong-Kong nach Kanton brachte. Dieser führte mich bis in die Englische Faktorei (drei Meilen weit) und suchte mit mir das Haus auf, in welches ich gewiesen war. Hier mußte ich allein an’s Land gehen, mußte allein meinen Weg suchen und mich durchfragen, bis ich zum Hamburger Konsul, Herrn +Thalwitzer+, gelangte. Glücklicherweise fand ich an diesem, so wie an seiner Frau so liebenswürdige, zuvorkommende, gefällige Leute, daß ich alsbald alle Mühen vergaß und mich in ihrem Hause, das ich nicht mehr verlassen durfte, so heimisch fühlte, wie im lieben Vaterlande.

Von der Kapstadt ist nicht viel zu sagen. Die Straßen ziehen sich alle nach dem Strande und sind sehr breit und luftig, aber wenig mehr mit Bäumen besetzt. Zur Zeit der Holländischen Herrschaft soll jede Straße mit einer schönen Allee versehen gewesen sein. Die Häuser, sonst ganz im Europäischen Style gebaut, haben nur statt der Dächer Terrassen. Das Fort ist mit vielen Kanonen versehen, die Kaserne ziemlich groß, die Börse auf dem Paradeplatze ein längliches, unansehnliches Gebäude nur mit einem Erdgeschoß. Die Privathäuser sind alle einstöckig, haben gewöhnlich 4 bis 6 Fenster in der Front und enthalten schöne, hohe Zimmer. Der botanische Garten besitzt bei weitem nicht so vielartige Blumen, Pflanzen und Bäume, als man unter solch einem Himmelsstriche erwarten dürfte.

Die Zahl der Einwohner wird auf 32,000 geschätzt, davon ein Drittheil Weiße, ein Drittheil Farbige und ein Drittheil Schwarze. Die Verzweigung und Durchkreuzung der Europäer mit den Eingebornen ist so vielfach, daß man, so zu sagen, alle Farben sieht. Echte, reine Hottentotten oder Kaffern gehören in der Kapstadt zu den seltenen Erscheinungen. Schwarze aus +Mozambique+, die wir Neger nennen, gibt es dagegen viele von reiner Abkunft. Unter den Farbigen gibt es mitunter hübsche Leute mit schönen Augen und geistreichen Zügen. Alle diese Völker sind Europäisch gekleidet; nur haben die ungetauften Malaien farbige Tücher um den Kopf geschlungen, und einige Schwarze und Farbige tragen runde, hohe, spitz zulaufende Bambushüte.

Außer diesem und den langen Gespannen an den Lastwagen sieht man in der Kapstadt durchaus nichts Außereuropäisches. An die Lastwagen, die bei uns von drei oder vier tüchtigen Pferden oder Ochsen gezogen werden, sind hier acht bis zehn Pferde oder zehn bis zwanzig Ochsen paarweise gespannt. An der Spitze eines solchen Ochsenzuges geht ein Mann oder Knabe, der ihn leitet, und auf den Wagen selbst setzt sich der Fuhrmann, mit einer ungeheuer langen Peitsche bewaffnet. Das Pferdegespann wird stets vom Wagen aus gelenkt. Bei einem Gespanne von sechs, acht Pferden sitzen zwei Kutscher auf dem Wagen, der eine ist mit der Lenkung der Thiere beschäftigt, der andere mit der langen Peitsche.

Auf dem Hauptmarkte, der jeden Tag, Sonntag ausgenommen, außerhalb der Stadt am frühen Morgen abgehalten wird, sieht man Lebensmittel jeder Art, frische und getrocknete Früchte, Gemüse, Geflügel, Kälber, Schafe, Butter, getrocknetes und geräuchertes Fleisch u. s. w., außerdem auch Häute, Schaffelle, Straußfedern und andere Gegenstände. Alles wird im Versteigerungswege losgeschlagen.

Das Leben in der Kapstadt ist ziemlich theuer; so kostet z. B. ein Pfund Kalb-, Rind- oder Hammelfleisch fünf bis sechs Pence, ein Pfund Mehl vier Pence, ein Huhn einen Schilling, ein Pfund Butter zwei Schillinge. Die Miethe eines Hauses von sechs bis acht Zimmern macht 80 bis 90 Liv. Sterl. jährlich.

Der einzige wohlfeile Lebensartikel sind die Fische. Dieß hat man noch dem Gouverneur Lord +Somerset+ zu verdanken. Im Jahre 1825 reichten nämlich die Metzger eine Bittschrift ein, in welcher sie um die Besteuerung der Fische ersuchten, durch deren Wohlfeilheit sie sehr zu Schaden kommen. Der Gouverneur schrieb ganz kurz unter die Bittschrift: „Sobald man mir einen Fischer nachweisen kann, der gleich den Schlächtern in Equipagen fährt und Diener in Livree besoldet, wird die Bitte berücksichtiget werden.“

Ich brachte in der Kapstadt vier Wochen zu, habe aber des Merkwürdigen nur wenig gesehen. Anfänglich durchstreifte ich häufig die Umgebung, um Insekten zu suchen; es wurde mir jedoch diese Unterhaltung bald durch einen höchst unangenehmen Zufall verleidet. Eines Morgens nämlich, gerade als ich eine kleine Schlange gefangen hatte, kamen zwei Negerinnen auf mich zu, hielten mich an, überschütteten mich mit Schimpfworten, spieen vor mir aus und nannten mich eine Zauberin, die man umbringen sollte. Dieser Auftritt würde für mich wahrscheinlich nicht gut geendet haben, hätte ich nicht zum Glücke in der Ferne einen Mann erblickt, den ich zu Hilfe rief und dessen Erscheinen die beiden Weiber in die Flucht jagte.

Ich erzählte Herrn Thalwitzer diese Begebenheit, die er sogleich bei Gericht anzeigte. Die Weiber wurden alsbald ausgefunden, und es ergab sich bei der Untersuchung, daß sie die Absicht gehabt hatten, mich in ein nahes Gebüsch zu ziehen und meiner Kleidung zu berauben. Ein zehnjähriges Kind, das zufällig in demselben Busche war und sich aus Angst vor den Weibern unter dem Laube verkroch, hatte Alles gehört und gesehen, daß eine der Megären mit einem Messer bewaffnet war, welches bei der Flucht zu Boden fiel. Das Kind suchte und fand das Messer und brachte es seinen Eltern, die es dem Gerichte übergaben. Bei dem Verhöre diente es als Unterstützung des Beweises, und die beiden Weiber wurden für vier Wochen auf Reiswasser gesetzt -- eine gewöhnliche Strafe, die darin besteht, daß man dem Verurteilten gar keine andere Nahrung gibt. Mir kam diese Züchtigung zu hart vor, und ich bat um einige Linderung, allein vergebens. Man sagte mir, daß die Personen bereits sehr berüchtigt seien und mehr Zeit in, als außer dem Gefängnisse zubrächten.

Ich stellte in Folge dieser Begebenheit meine Spaziergänge zwar nicht ganz ein, beschränkte sie aber auf nähere Orte. Einen schönen Ausflug danke ich dem Herrn Botaniker +Zeiher+. Wir gingen nach +Greenpointe+, nach der +Cambs-Bay+ und rund um den Löwenberg, und hatten hübsche Ueberblicke auf das Meer, die Gebirge und die freundliche Gegend.

Die ganz nahe Umgebung der Kapstadt ist nicht schön. Die Berge sind zum größeren Theil öde oder mit magerem Gestrüppe bedeckt, und den Ebenen fehlt es an saftigem Grase oder Getreidefeldern. Ihr einziger Schmuck ist eine ungewöhnliche Menge der mannigfaltigsten Wiesenblumen. Zwischen den Steinen, durch Gebüsch und mageres Gras drängen sich diese lieblich zarten Kinder der Natur. Stundenlang verweilte ich unter ihnen, und immer fand ich neue Schönheiten, neue, noch nie gesehene Arten.

Ein beliebter Spaziergang der Städter ist ein Erlenwäldchen, welches sich rund um den Fuß des Löwenberges zieht, und von einem hübschen Fahrwege durchschnitten ist.

Des Gouverneurs Garten, so wie der botanische, steht ebenfalls dem Publikum geöffnet.

Wirklich schön und fruchtbar, einem blühenden Garten ähnlich, ist die Gegend um Rondebosch, Weinberg und Konstanzia. Der erste Ort liegt vier, die anderen neun und dreizehn Meilen von der Kapstadt entfernt. In Rondebosch wohnen viele Kaufleute und Beamte, die in Omnibussen täglich zur Stadt fahren. Konstanzia ist durch seinen edlen Traubensaft in der ganzen Welt bekannt. Ich bedauerte sehr, die Stöcke nicht in ihrem Traubenschmucke gesehen zu haben. Der Wein ist dunkelroth, ölig, süß und an Ort und Stelle schon sehr theuer.

Den Tafelberg, 3000 Fuß hoch, bestieg ich eines Morgens ganz bequem in drei Stunden. Ein großartiger Ueberblick über Land und Meer belohnte mich für die gehabte Mühe. Den Rücken dieses Berges bildet ein ausgedehntes Plateau, eine „Tafel,“ von welcher er mit Recht den Namen trägt. Es halten sich hier viele Affen auf, und ich hörte sie schreien und lärmen, war aber nicht so glücklich einen zu Gesicht zu bekommen; auch andere vierfüßige Thiere sah ich nicht. -- An einem Freitage, dem Sonntage der Malaien, besuchte ich deren Moschee, einen schönen hohen Saal in dem Hause des Oberpriesters. Obwohl Mohamedaner, sind die Malaien nicht so strenge wie ihre Glaubensbrüder im Orient, denn sie erlauben den Fremden, ihrem Gottesdienste beizuwohnen. Ich fand die Weiber, die in dem Zimmer der Priestersfrau ihre Oberkleider abgelegt hatten, in große weiße Tücher gehüllt und mit einem Schleier auf dem Kopfe, der jedoch das Gesicht unbedeckt ließ, ganz im Hintergrunde des Saales auf dem Boden sitzend. Auch die Männer zogen in dem Vorgemache des Tempels die farbigen Beinkleider aus, unter welchen sie weiße anhatten, hüllten sich ebenfalls in lange, weiße Ueberkleider und schlugen ein weißes Kopftuch über das farbige, welches sie gewöhnlich tragen. Sie warfen sich Anfangs wiederholte Male zur Erde nieder; hierauf setzten sie sich in Reihen, in deren vorderster der Oberpriester seinen Platz einnahm und zwei Gebete abhielt. Nach dem ersten küßten die Männer dem Priester die Hand, nach dem zweiten drückten sie ihm dieselbe. Ein Vorsänger begann alsdann im Hintergrund des Tempels aus voller Kehle ein Lied abzuheulen, in welches die Männer im Chore einstimmten. Nun drängte er sich durch die versammelte Menge bis an den Fuß einer kleinen Kanzel und heulte ein zweites Lied allein ab. Der Priester bestieg hierauf die Kanzel und las, gemeinschaftlich mit dem Vorsänger, halb singend und halb sprechend, während zwei voller Stunden Gebete aus dem Koran, womit sich die Zeremonie endigte.