Mazedonien

Part 37

Chapter 373,268 wordsPublic domain

Bei der Fahrt den Paß aufwärts kam ich durch die Dörfer _Pletwar_, _Belawodiza_ nach _Trojazi_. Von der eigenartigen Landschaft konnte man zunächst nicht viel beachten, denn unendliche Züge von Lastkraftwagen waren gerade in diesen Tagen in Bewegung. Überall wurde gearbeitet und gebaut; die Straße erforderte unablässig Reparaturen, überall wurden Abkürzungen angelegt, neue Brücken, Quartiere, Verpflegungsstationen, Unterkünfte gebaut. Eine Menge Steinbrüche lieferten das Material für Straßen- und Bahnbau, Stationen wurden eingerichtet für Feldbahn und Seilbahn, Gefangenenlager beherbergten die Arbeitskräfte für die enorme Arbeit, welche auch hier die Etappe zu bewältigen hatte.

So ging es stundenlang weiter durch heiße Sonne und Staub. Trotzdem wurde die Aufmerksamkeit immer wieder erregt durch die Landschaftsbilder, die Felsen und Schluchten, die hohen Berge, an denen ich vorbeikam. Der Paß führte nun abwärts an dem _Rajetzbach_ entlang, welcher sein Wasser der _Cerna_ zuführt. Er hatte mächtige Schluchten gegraben in der großen und kleinen _Klisura_, floß am schimmernden _Marmorberg_ vorbei um schließlich durch die mächtige _Adlerschlucht_ (die _große Klisura_) in die _Cerna_ zu münden. Etwas oberhalb der Mündung lag der Bahnhof und das Barackenlager von _Drenovo_.

Wir, ich hatte zwei in Urlaub in die Heimat fahrende junge Dragoneroffiziere in mein Auto aufgenommen, atmeten auf, als wir in dem behaglichen kleinen Offiziersheim im Lager von _Drenovo_ eine Stunde Rast machen konnten. Es war eine Erlösung, sich die Kleider reinigen, die zentimeterhohe Staubschicht von den Gesichtern abwaschen und einen kühlen Trunk genießen zu dürfen.

_Drenovo_ hat einen bösen Namen in der Hygiene des Kriegsschauplatzes gewonnen; auf der Heimreise, wie bei der Rückkehr an die Front hat hier mancher Soldat sich eine schwere _Malaria_ geholt. Lange Zeit war dies bei beiden Reisen die Übernachtungsstelle der Urlauber. In der sumpfigen Gegend des Barackenlagers wimmelte es von Malariamücken und die kurzen Stunden der Nachtruhe in den schlecht verwahrten Baracken haben vielen die schlimme Infektion durch deren Stich gebracht, die sie in den Jahren an der Front im gesunden Hochgebirgsklima Mazedoniens nicht bekommen hatten.

Damals auf der Durchreise hatte ich nicht Zeit und Kraft, den hoch am Berghang gelegenen _Ort Drenovo_ zu besuchen. Das holte ich im April 1918 nach, als ich mit meinem Freund _Popoff_ eine genußreiche Fahrt durch diese Gegend machte. Da wanderte ich durch das malerische Örtchen zu der alten Kirche, die an dessen obersten Rand ganz außerhalb des Verkehrs lag. Deshalb wurde sie von Deutschen selten besucht, wenn sie das auch durchaus verdient hätte.

Die Kirche sah allerdings von außen aus wie eine Scheune. Trat man dagegen in den hohen Innenraum ein, so wurde man überrascht durch eine Anzahl gewaltiger Säulen, welche das Dach stützten und fast zu mächtig für den engen Raum waren. Es waren offenbar antike Säulen oder doch solche aus byzantinischer Zeit, die hier verwandt waren und dem erfahrenen Archäologen wichtige Aufschlüsse über die Geschichte des Landes versprachen. In dieser Kirche fanden sich auch Fragmente eines Tierfrieses mit merkwürdigen Formen, welche auf orientalische Beziehungen hinweisen.

Nach erfrischender Rast wurde die Fahrt nach dem Endpunkt der Feldbahn, dem großen Etappenlager _Grazko_ fortgesetzt, wo ich auf die Hauptbahnlinie und den Wardar zurückkam, kurz vor der Einmündung der _Cerna_ in den letzteren. Grazko war kein erfreulicher Aufenthalt, diese riesige Stadt von Zelten und Baracken, in kahler dürrer Gegend; ungeheure Mengen von Geräten, Munition, Waffen lagerten hier sowohl für die Cerna-, Monastir- und Seenfront, wie für jene am Doiransee und unteren Wardar.

Immerhin gab es hier zwei Anziehungspunkte, die Ruinen der antiken Stadt _Stobi_ und das deutsche Gut _Palikura_. _Stobi_ war eine römische Stadt, günstig an der Mündung der _Cerna_ in den Wardar gelegen, aus der Hauptstadt der Päonier entwickelt. Sie war von jeher ein befestigter Brückenkopf. Noch erkannte man dicht am Fluß Reste einer Stadtbefestigung. Während der Besetzung wurden von Deutschen verschiedentlich Ausgrabungen dort gemacht. Zum Teil wurden sie dilettantisch betrieben, schließlich aber von Fachmännern geleitet und haben manches Interessante geliefert. Ich habe die Ruinen in verschiedenen Phasen der Ausgrabung besucht. Soweit ich Einblick gewann, ist das wesentliche Resultat der Forschungen die Feststellung der Grenzen und Befestigungen der alten Stadt, in der auf die altmazedonische Periode eine römische und eine byzantinische Periode folgten. Die römischen Reste sind spärlich, während aus byzantinischer Zeit viel mehr zum Vorschein kam. Der Verlauf der Befestigungen an der Cerna ließ sich ziemlich klar stellen, Grundrisse von Häusern, zwei Kirchen, Kloaken wurden aufgedeckt. Auch wurden römische und byzantinische Grabsteine gefunden. Von einer der byzantinischen Kirchen ließ sich ein gut Stück der Baugeschichte durch verschiedene Perioden hindurch verfolgen. In den Basiliken sind in byzantinischer Zeit römische Bauteile verwandt worden. Die byzantinischen Bauten sollen meist im 5. Jahrhundert entstanden sein. Gräber in der einen Kirche, ein Kuppelgrab, ein Friedhof wurden aufgedeckt, dazu ein Mosaikfußboden, dessen Arbeit auf römischen Ursprung hinweist. In der anderen stammen Säulen und Stufen von einem größeren römischen Tempel. Sie wurden offenbar nach dessen Zerstörung in die Kirche eingebaut.

Besonders stattlich muß die dreischiffige Basilika bei _Palikura_ gewesen sein, die wohl auf eine größere Ausdehnung der Stadt Stobi hinweist. Hier sind eine große Anzahl von Säulen, Friesen, Marmorplatten und Inschriften gefunden worden. In dieser Kirche ist aber alle Arbeit von weit geringerem Typus und weist auf Entstehung in späterer Zeit hin. Auch sonst wurden in Mazedonien von unseren und den bulgarischen Truppen viele interessante Reste aus prähistorischen Zeiten, aus Altertum und Mittelalter gefunden. Im Jahre 1918 wurde an ihrer planmäßigen Erfassung gearbeitet und es sind wohl Veröffentlichungen darüber zu erwarten.

_Palikura_ selbst ist während des Krieges als Versuchslandgut vom preußischen Landwirtschaftsministerium bewirtschaftet worden. Es war schon 33 Jahre vor dem Kriege in Händen eines deutschen Besitzers gewesen. Sowohl dieser als die preußische Verwaltung hatten, soweit ich erfuhr, manche Mißerfolge. Doch hatte ich bei einem Besuch in dem Gut den Eindruck großer Fortschritte, die wohl leider seither nicht mehr fortschreiten konnten.

Von dem ersten Ausflug nach Prilep brachte ich mehr als naturwissenschaftliche Ergebnisse, starke Eindrücke von der Kultur und Geschichte des Landes und noch stärkere von der Arbeit und Leistung unseres Heeres in diesem fernen fremden Gebiet mit. Ich habe ihnen absichtlich Raum gegeben; denn jetzt nach dem Zusammenbruch unserer Unternehmungen ist es wichtig, in Deutschland unter dem Einfluß des Mißerfolges, nicht die Größe und Tüchtigkeit unseres Volksheeres zu vergessen. Das, was Mannschaften und Offiziere mit Treue, Ausdauer, körperlicher und geistiger Energie in diesem Lande leisteten, das kann nicht ganz verloren gehen und wird wieder ein Zeugnis von dem guten Kern des Volkes werden, wenn die Deutschen eine neue Zukunft gewinnen.

Zu zoologischen Forschungen war die erste Fahrt nach Prilep nur eine Erkundung gewesen, die zu späteren Reisen den Anstoß gab, wovon weitere Kapitel Auskunft geben sollen.

DREISSIGSTES KAPITEL

AMEISENLÖWEN

Bei den klimatischen, botanischen und zoologischen Beziehungen Mazedoniens zu den asiatischen Steppen war ein großer Reichtum an jenen +Neuropteren+ zu erwarten, die man gewöhnlich unter dem Namen der _Ameisenlöwen_ zusammenfaßt und welche _Rösel von Rosenhof_ sehr passend als _Landlibellen_ bezeichnet. Da ich infolge einer eingehenden biologischen und tierpsychologischen Untersuchung des einen der deutschen Ameisenlöwen mich für diese Tiergruppe sehr interessierte, achtete ich von vornherein auf ihr Vorkommen in Mazedonien.

Schon in den ersten Tagen in _Kaluckova_, im Mai 1917, entdeckte ich auf den Hügeln der Umgebung in Mengen jene charakteristischen _Sandtrichter_, deren Bau und Verwendung zum Ameisenfang ich bei der deutschen Art so genau studiert hatte. Überall gab es diese Trichter, hier aber nicht so sehr an Abhänge und Stellen mit Regenschutz gebunden; vielmehr lagen sie überall frei im Gelände. In _Rabrovo_, dessen Zelt- und Barackenlager im schattenlosen Tal angelegt war, fanden sich zahllose Trichter in dem feinen Staub der Straßen und Plätze. Hier in dem Lande mit seinem trockenen Sommer brauchen die Ameisenlöwen sich nicht vor dem Regen zurückzuziehen, wie die Larve von +Myrmeleon formicarius+ L. in Deutschland. Obwohl die Trichter genau so aussahen wie jene, die ich in Deutschland studiert hatte, merkte ich bald, daß die in Südmazedonien häufigste Larve zu einer anderen Ameisenlöwenart gehören müsse.

Bei _Kaluckova_ war am häufigsten die Larve von +Macronemurus appendiculatus+ Latr., einem zarten Tier mit durchsichtigen Flügeln, deren Oberfläche fein irisierte, wenn das Licht von der Seite auf sie fiel. Gegen die Flügelspitze hin war ein gelbliches Randmal sichtbar. Der Kopf trug zwei an der Spitze verdickte Fühler, vorstehende kugelige Augen, der Körper war dunkelbraun mit gelben Längsstreifen an den Seiten des Hinterleibes und gelben Flecken in der Brustregion. Das Männchen trug am Hinterende zwei behaarte Fortsätze und war kleiner als das Weibchen (Abb. 234 +A+ u. +B+).

Davon, daß das Tier so aussah, hatte ich aber damals, als ich mir die Larven aus ihren Sandtrichtern holte, noch keine Ahnung; daß ähnlich aussehende Tiere aus ihnen werden müßten, wußte ich wohl. Aber zu welcher Art sie gehörten, war mir noch unbekannt. Erst gegen den Juni traten die +Imagines+ auf und deren Zusammengehörigkeit mit den Larven ergaben mir Züchtungen aus Larven, die ich lebend hielt und durch fleißiges Füttern mit Ameisen zur Verpuppung brachte.

Um so interessanter war die Untersuchung der Larven; ich hatte in Deutschland die im Westen häufige Larve von +Myrmeleon formicarius+ genau auf Bau, Lebensweise und Reaktionen durchforscht und eine Monographie über sie geschrieben[1]. So merkte ich sogleich, daß die hier vorliegenden Larven ganz anders reagierten und somit sicher zu einer anderen Art gehörten. Während die Larven der deutschen Art nur rückwärts kriechen können, sah ich die hier vor mir sitzenden gerade so flott sich vorwärts bewegen. Allerdings, wenn sie sich zum Trichterbau in den Sand einwühlten, ging auch hier das Hinterende voran, wobei merkwürdige, wie Schaufeln aussehende Gebilde an diesem eine wichtige Rolle spielten (Abb. 233).

Beim Bau des Trichters liefen sie zuerst oberflächlich in einer Spirale auf dem Sand herum, dabei eine Furche ziehend. Versetzte man ihnen einen leichten Tastreiz am Hinterende, so setzten sie sich vorwärts in Bewegung; beim Laufen benutzten sie das erste und zweite Fußpaar, wobei zuerst das erste, dann das zweite, abwechselnd links und rechts vorgesetzt wurden. Die Bewegungen waren sehr lebhaft, die Reaktionen dieselben wie bei dem von mir studierten deutschen Ameisenlöwen.

Er stellte sich tot wie jener; nahm eine ähnliche Bereitschaftsstellung an, führte denselben Schnappreflex aus, drehte sich, auf den Rücken geworfen, schnell durch einseitiges Anstemmen des Kopfes um. Er zeigte Reizbarkeit durch Licht, stellte sich im Trichter nach dem Lichteinfall ein.

Schon im Mai und Anfang Juni traten +Imagines+ dieser Art bei _Kaluckova_, im _Wardar-_ und _Nikolatal_ zahlreich auf. Die von mir gefütterten Larven kamen nur zum Teil zur Verpuppung in kugeligen Kokons, welche von Sandkörnern umhüllt waren.

Eine zweite Form des Ameisenlöwen, der bei Kaluckova Trichter baute, war +Myrmeleon formicalynx+ F. Auch von dieser Form hielt ich die Larven in Gefangenschaft, züchtete sie und erzielte aus ihnen +Imagines+. Auch sie liefen sowohl vorwärts als rückwärts, bauten große tiefe Trichter und entsprachen in den Reaktionen im wesentlichen den anderen von mir untersuchten Larven. Die +Imagines+ waren größer als die von +Macronemurus appendiculatus+ Latr., hatten breitere Flügel mit sehr deutlichem, weißem Randmal an beiden Flügelpaaren, hinter welchen eine deutliche Verdunkelung des Flügels sichtbar war (Abb. 235). Der Körper war im allgemeinen schwarz, mit gelben Flecken am Prothorax. Gelbe Streifen fanden sich auch am Kopf. Femur und Tibia der Beine waren auch gelb, mit schwarzbraunen Gelenken.

Noch eine dritte Form von Ameisenlöwen baute im Wardartal Trichter. Sie war allerdings bei Üsküb häufiger als im Süden. Ich fand sie aber auch bei Mravinca und Veles.

Es war dies eine sehr stattliche, lange Larve, die besonders schlank gebaut war (Abb. 236). Sie erreichte eine Länge von fast 2 cm. Die Fühler sind 14 gliederig. Kopf und Rücken sind auffallend gezeichnet. Auch sie baute tiefe Trichter, konnte vorwärts und rückwärts laufen; sehr eigenartig ist der schroffe Übergang vom Vorwärtslaufen zum Rückwärtsgehen und umgekehrt. Die Tiere wechseln oft rasch hintereinander damit ab.

Auffallend ist die größere Reizbarkeit dieser Larven, verglichen mit den anderen von mir studierten Arten. Das Totstellen dauert hier immer nur sehr kurz, die Reizreaktionen, vor allem der Schnappreflex, sind sehr intensiv. Der Phototropismus ist sehr ausgesprochen; das Tier läuft auch vorwärts auf die Lichtquelle los. Merkwürdig ist das starke Aufbäumen des Vorderendes. Die Larve kann selbst an senkrechten Wänden mit dem Vorderende voran hinaufklettern.

Die Larve dieses Ameisenlöwen unterscheidet sich überhaupt in ihrem Verhalten sehr von den anderen von mir studierten Formen.

Im April und Mai gab es viele kleine und mittelgroße Larven, im Juni herrschten die großen Larven vor, die Trichter waren dann auch auffallend groß. Im Juli scheint die Zeit der Verpuppung zu sein, welche nicht lange dauert. Ein Exemplar, welches sich in Gefangenschaft anfangs August verpuppt hatte, schlüpfte am 23. August aus. Bei meinen in Gefangenschaft gehaltenen Individuen, die alle schöne kugelrunde, sandkörnerumkleidete Kokons bauten, war wohl die Larvenzeit stets etwas über die Norm ausgedehnt.

In Mazedonien flogen die +Imagines+ dieser Form vor allem im Juli. Es war +Myrmecaelurus trigrammus+ Pall. (Abb. 237). An Flügeln und Körpern der Individuen dieser Art herrschte die gelbe Farbe vor. Die Fläche der Flügel mit ihren braunen Adern zeigte einen zarten gelbgrünen Glanz. Der Hinterleib war im wesentlichen gelb, mit dunkelbraunen Längsstreifen, ähnlich sahen Kopf und Brustabschnitte aus.

Dieses Tier trat Ende Juni und im Juli in großen Mengen auf. Männchen und Weibchen waren zu gleicher Zeit da.

Um diese Zeit gab es nur mehr wenig Trichter und vom September an wurden es ihrer wieder mehr; diese waren dann aber noch sehr klein und beherbergten entsprechend kleine Larven. Offenbar war im Juli und anfangs August Begattung und Eiablage erfolgt, so daß im Herbst die neue Generation erschien. Die jungen Larven überwintern hier und es scheint mir unzweifelhaft, daß sie in diesem heißen Lande sich schon in einem Jahre zum geschlechtsreifen Tier entwickeln.

Schon vom Mai an waren die +Imagines+ von zahlreichen anderen Arten von Ameisenlöwen oder sagen wir lieber von _Landlibellen_ in Mazedonien aufgetreten. Bis in den Hochsommer nahm Arten- und Individuenfülle immer mehr zu, so daß in dieser Zeit im Landschaftsbild mit den Heuschrecken die Landlibellen eine größere Rolle spielten als die Schmetterlinge. Manche von ihnen glichen aber auch im Flug, in der Farbigkeit, in der Eigenart der Formen Schmetterlingen.

Mehrere Formen traten in dieser Zeit im Wardartal auf, welche durch die zarte Durchsichtigkeit der Flügel den bisher beschriebenen drei Arten sehr ähnlich waren. Es war vor allem +Formicalynx tetragrammus+ Pall., ein stattliches Tier mit dunklem Körper und dunkler Aderung der Flügel, welche auch mehrere dunkle Flecken trugen (Abb. 238). Von dieser Art sowie von +Creagris plumbeus+ Oliv., einer zartflügeligen Landlibelle, ohne Flecken auf den Flügeln, mit schwarzem, ungestreiftem Körper habe ich die Larven nicht mit Sicherheit gefunden.

Umgekehrt fand ich von +Megistopus flavicornis+ Rossi nur die Larven, wenn ich sie nach der Bearbeitung von _Redtenbacher_ richtig bestimmt habe.

Von Ende Mai an traten zwei eigenartige Formen im südlichen Wardartal, am Doiransee, bei Demirkapu und Veles auf, die weiter nördlich jedenfalls viel seltener waren. Zuerst kam von ihnen +Nemoptera sinuata+ Oliv., ein graziöses, seltsam anmutendes Insekt. Anfang Juni kam dieses schöne Tier in Hunderten von Exemplaren auf den grasigen Hängen des Nikolatals vor, 14 Tage später wimmelte es von ihm einige hundert Meter höher auf der _Plaguša Planina_. Das Tier ist durch eine große Verschiedenheit der Vorder- und Hinterflügel ausgezeichnet; die Vorderflügel sind breitoval, die Hinterflügel sind lange, schmale Bänder, die nach hinten sich spatelförmig verbreitern. Beide Flügel haben eine blaßgelbe Grundfarbe mit dunkelbraunen Flecken; letztere sind zum Teil so eigenartig verteilt, als hätte ein Maler sie willkürlich auf die Flügel gepinselt (Abb. 240, S. 480).

Nur die Vorderflügel leisten Flugarbeit, indem sie rasch schlagen; die bandförmigen Hinterflügel flattern unbewegt hinter dem Tier her und wirken offenbar als Stabilisatoren. In der Regel fliegen die +Nemopteren+ ganz langsam, taumelnd von Blüte zu Blüte, während ihre Hinterflügel wie Wimpel hinter ihnen im Wind sich wiegen. Eine Wiese voll von diesen Tieren, die im hellen Sonnenschein sich behaglich über den Blüten schaukeln, von Zeit zu Zeit auf einer duftigen Dolde wie in einem Flughafen landen, bietet einen höchst reizvollen Anblick dar. Wollte man sie fangen, oder verfolgte sie ein Vogel, so erfolgte die Flucht in ziemlich raschem Flug.

Sie traten, Männchen und Weibchen gleichzeitig, in großen Mengen auf und verschwanden ebenso allmählich Ende Juni. In den höheren Regionen, in denen sie etwas später aufgetreten waren, dauerten sie auch etwas länger aus.

Fast noch phantastischer sah die andere Art aus, deren große braungefleckte Flügel eine Spannweite von 10-12 cm, gelegentlich sogar noch mehr erreichten. Es sind dies die sogenannten „_Riesenhafte_‟, die Art, die im gleichen Gebiete wie +Nemoptera+ flog und womöglich in noch größeren Mengen auftrat, war +Palpares libelluloides+ Dalm (Abb. 241 u. 242). Auch bei dieser größten unter den europäischen Landlibellen war der Flug meist etwas schwerfällig und taumelnd. Bei starkem Wind konnten sie sich nicht in der Luft halten, wurden zu Boden geschleudert und zogen sich zwischen Gras und Büsche zurück. Wie die +Nemopteren+, sah man sie viel bei Tage fliegen, wie denn die meisten der mazedonischen Ameisenlöwen _Tagtiere_ sind.

Bei windstillem Wetter im heißen Sonnenschein gaukelten sie in lebhafterem Flug über offene Flächen, über Wiesen und die bebuschten Hügel. Zu den grünen und grauen Flächen des Untergrundes, zu den blühenden Pflanzen an Tümpeln, Bächen und in den Schluchten bildeten sie mit den braunen Tönen ihrer Flügel einen malerischen Gegensatz. Ihre Flügel haben einen länglichen Umriß, sind im Grundton leicht bräunlich gefärbt, dunkler sind die Adern und den starken Randadern entlang zieht sich ein gelblicher Streifen. Eigenartig unregelmäßig verteilt sind die dunkelbraunen gegitterten großen Flecken über die Fläche des Flügels, während regelmäßige kleine Farbtupfen sich den Rändern entlang ordnen. Der ganze Körper, Kopf, Brust und Hinterleib ist der Länge nach schwarzbraun und gelb gestreift, wobei ein dunkler Streifen die Mittellinie des Rückens darstellt.

Auch bei dieser Art traten Männchen und Weibchen gleichzeitig auf; die Männchen sind leicht an den griffelförmigen Fortsätzen des Hinterendes zu erkennen. Auffallend ist gerade bei dieser Art die Versammlung von vielen Männchen um ein Weibchen gewesen; ich beobachtete oft 5-7, ja 8 Männchen, welche sich um ein Weibchen drängten.

Wie die Schmetterlinge, denen sie vielfach so ähnlich sehen, sind auch die Imagines der Ameisenlöwen gegen Temperaturschwankungen sehr empfindlich. Morgens in der Frühe und abends bei sinkender Temperatur waren sie auffallend schwerfällig, so daß man sie ohne weiteres an den Flügeln fassen konnte, ohne daß sie davonflogen. +Nemoptera+ und +Palpares+ waren in der Mittagssonne beweglicher, aber auch dann gehörten sie zu den am leichtesten zu fangenden Insekten.

+Nemoptera+ und +Palpares+ gehören sicher zu den Ameisenlöwen, welche keine Trichter bauen. So waren ihre Larven nicht so leicht zu finden und zu beobachten, als diejenigen der oben erwähnten Formen, die man ohne weiteres in ihren Trichtern aufsuchen konnte. Über die Lebensweise der +Palpares+-Larven gelang es mir nicht, irgendwie Beobachtungen zu machen. Sie müssen sehr verborgen leben, möglicherweise sind sie nächtliche Tiere. Wie viel habe ich nach ihnen gesucht; wie viel Steine haben wir umgewälzt, wie viel in der Erde gegraben, bis es gelang, eine einzige Larve zu fangen. Diese grub im Winter (Januar 1918) der Entomologe _Rangnow_ aus der Erde am _Grünberg_ bei _Kaluckova_ heraus. Groß und stattlich ist diese Larve, über 3 cm lang, fast so breit wie die anderen Ameisenlöwenlarven lang sind. Wie zahlreich müssen bei der Menge, in der die Imagines auftraten, auch ihre Larven im gleichen Gebiet sein. Ich halte es für ganz ausgeschlossen, daß sie Trichter bauen, die hätten uns bei der genauen Durchforschung, die ich mit meinen Mitarbeitern vornahm, nicht entgehen können. Immerhin weist der Bau der Larve auf ein Wühlen in lockerem Substrat hin.

Ebenso merkwürdig ist es, daß ich die Larven von +Nemoptera+ an den Fundorten, an denen die Imagines in großen Mengen auftraten, nicht gefunden habe, obwohl ich intensiv nach ihnen suchte. Eine Larvenform, die sicher nicht zu den Trichterbauern gehört und in mancher Beziehung, so durch die Größe, zu +Nemoptera+ gehören könnte, konnte ich aber bisher nicht mit Sicherheit bestimmen.

Gegen Ende Juli verschwanden +Nemopteren+ und +Riesenhafte+ allmählich vollkommen; selten sah ich ein totes Tier oder Reste von einem solchen im Freien.

Statt ihrer traten andere Formen auf, unter denen die auffallend gefärbten +Ascalaphiden+ eine große Rolle spielten (Abb. 243). So fand ich bei Selenikovo eine unserem +Ascalaphus macaronius+ Scop. durch gelb und braun gefleckte Flügel ähnliche Form.