Lustreise ins Morgenland, Erster Theil (von 2)

Part 11

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Der +Araber+ bildet weitaus die größte Anzahl der Egypzier. Unter diesem letztern Namen sind auch vorzugsweise die Araber begriffen, welche den meisten Boden anbauen. Die Masse der egyptischen Bevölkerung ist daher kein alter eingeborener Volksstamm, sondern ein im Laufe der jüngern Zeit eingewanderter und fremder, der sich selbst als fremde zu betrachten scheint.

Der Araber, in der Regel nicht schön, ist mittelgroß; die Leibesfarbe schwarzbraun oder auch kaffeebraun; das Haar, wenn es nicht wegrasirt wird, klein gelockt (doch nicht wollig) und schwarz; der Schädel nicht geräumig, das Hinterhaupt etwas zugespitzt; die Stirne ziemlich hoch, nicht breit; die Regenbogenhaut schwarz, die Augenlieder meist dick, wie aufgewulstet; die Augenbraunen nicht stark; die Nase kurz, die Flügel weit aus einander gesprengt; der Rücken gerade oder ein wenig konkav, der Rand der Scheidewand etwas aufwärts geneigt; der Mund groß, die Lippen dick und auswärts geworfen; die Zähne ein wenig auswärts stehend, weiß, an einander geschlossen; das Kinn etwas hervorragend, die Kinnbacken stark; das Ohr wulstig; die Linie von der Nase bis zum Kinne lang; der Gesichtswinkel demjenigen der Aethiopen sich nähernd. Das Fleisch ist sehr derbe, der Fettapparat unbedeutend, und die Formen nehmen einen Grad von Niedlichkeit an, welcher bei den europäischen plumpen Gebilden, die noch für Vollkommenheiten gehen, vermißt wird. Also der eigentliche Typus der Araber, welche mit den Weißen unvermischt sind.

Der schwarzbraune Araber hält das Uebergangsglied zu den Mohren. Die Mischung dieses Arabers mit Weißen artet in unzählige Mittelformen aus, welche zuerst den Beobachter verwirren. Des Arabers tiefgelbe Farbe, seine gebogene Nase, seine breite Stirne, sein starker Gesichtswinkel u. s. f. zeugen offenbar von der Vermischung und Verwischung der Typen.

Die Weiber werden von den Männern an Schönheit übertroffen, und der häßlichere Theil ist mithin das schöne Geschlecht.

Es gibt Mädchen, die schön genannt zu werden verdienen, allein zu der Lieblichkeit einen eigenthümlichen Schmerz ausdrücken; dieser aber vermehrt nur ihr anziehendes Wesen. Der eigenthümliche Zug, den ich sonst nirgends wahrnahm, liegt in den Mundwinkeln.

Hauptsächlich um die Schönheit zu erhöhen, zeichnen beide Geschlechter, nach alter Sitte, verschiedene blaue Figuren auf die Haut des Vorderarmes und des Handrückens, meist Sterne, z. B. in Zirkelform, manchmal auch im Zikzak laufende Striche, etwa drei an der Zahl. Die Weiber haben überdieß blaue, senkrechte Striche auf dem Kinne, manche -- gefärbte Augendeckel. Es gibt Männer, welche auch auf jeder Seite der Brust mit blauen Punkten bezeichnet sind. Alle Zeichnungen auf der Haut erschienen in meinen Augen höchst überflüssig, um nicht zu sagen, sehr häßlich, und niemals konnte ich mich in den sonderbaren Geschmack finden. Das Sprichwort freilich will, daß man über den Geschmack nicht hin- und widerreden dürfe.

Der Kopf der Männer ist, wie beim Morgenländer überhaupt, bis auf die Haut geschoren. Nur ausnahmsweise tragen gewisse Religiose oder Heilige[15] fliegende Haare auf dem ganzen Kopfe. Die Muselmänner lassen übrigens nicht den ganzen Kopf scheren, sondern auf dem Scheitel eine kleine Scheibe groß Haar wachsen, das manchmal geflochten, bis zum Nacken herabfliegt, und unter der rothen Mütze mitunter hinten hervorguckt. Mit diesem Büschel Haare könnte man genau die Tonsur der römisch-katholischen Priester decken[16]. Ich geißele die Kopfschur als eine abscheuliche Mode, mögen ihre Bequemlichkeit auf dem heißen Erdgürtel immerhin manche Franken aus eigener Erfahrung preisen. Wenn wahr ist, daß das Barbieren unter den Abendländern deswegen aufkam, weil die gütige Natur, die hoch über die Fürsten erhabene, einmal einem französischen Könige einen Bart zu schenken vergessen hatte, so dürfte man mit eben so viel Recht glauben, daß die Morgenländer ihre Kopfschur einem kahlköpfigen Großen verdanken. Man weiß auch, wie gerne +Julius Cäsar+ seinen Kopf vertauscht hätte, nämlich seinen kahlen an einen haarichten, und wie sehr der große Geist sich abmühte, die ausfallende Kleinigkeit zu ersetzen. Der Bart des Arabers ist schwarz, undicht, und wird nicht lang. Er zerschiert ihn zu den wunderlichsten Dingen. Es lassen die Wenigsten ihn ganz stehen; Andere rasiren bloß einen Halbmond über dem Adamsapfel; die Meisten tragen nur den Schnurrbart und den Bart neben den Ohren und über dem Kinnbacken, den Kinntheil nicht ausgenommen. Dies thut so üble Wirkung, als wenn man einem Hahne den Kragen abschneiden würde.

Die Bewegungen der Araber sind leicht und angenehm, man dürfte beinahe sagen, graziös. Der Mann geht in gerader Stellung und mit Schnelligkeit; ebenso das Weib, welches dabei die gebogenen Arme, mit einer niedlichen Haltung der Finger, ein wenig emporzuheben pflegt. Die antikförmigen Wasserkrüge trägt es sehr leicht und zierlich. Es nimmt keine Lasten auf den Rücken, selten auf die eine Schulter. So darf das Kind ihm wie ein Reiter auf die Achsel sitzen, indem es ein Bein über die Brust, das andere über den Rücken hängen und mit den Händen ihren Kopf umklammern läßt. Von dem Weibe selbst wird das Kleine nicht gefaßt, und ich mußte mich ordentlich wundern, wie sich kleinere Kinder in dieser Stellung gut zu erhalten wußten, während die Tragende davon eilte. Der Kopf ist der eigentliche Träger, und sogar winzige Dinge müssen auf demselben getragen werden. Kauft ein Mädchen in einer Bude für einen Piaster Kaffee, so wird es ihn auf dem Kopfe nach Hause bringen. Es wurde in Alexandrien auf eine Mauer, die man eben aufführte, einmal über das andere so wenig Mörtel und am Orte der Nachgrabungen so wenig Schutt auf dem Kopfe weggetragen, daß fast jede Europäerin sich weigern würde, die Wenigkeit zu tragen. In Kairo wird übrigens so spärlich gebaut, daß man diese Wahrnehmung nicht immer leicht wiederholen könnte. Der Mann schafft die Lasten am liebsten so fort, daß er den Strick über die Stirne anlegt, welcher die Bürde umfängt. Diese liegt am Rücken auf. Er trägt mithin ebenfalls am liebsten auf dem Kopfe, aber zu gleicher Zeit auf dem Rücken. Etwa das Wasser, in ein Ziegenfell aufgefaßt, trägt er über einer Schulter, wie der europäische Jäger seine Waidtasche. Der Lastträger bietet das Eigenthümliche, daß er, außer dem Singen, auch stöhnt. Es ist dieß mit nichten gleichsam das letzte Zeichen der Kraftanstrengung, welches das Mitleiden erregen sollte, sondern der Araber, im Lärmen ein Meister, sucht sich nur durch das Gestöhne das Geschäfte zu erleichtern. Als Lastträger macht sich der Araber eben nicht bemerklich; darin aber thut derselbe es dem Europäer zuvor, daß er leichtere Bewegungen, wie das Gehen oder Laufen, außerordentlich lange ausdauert, ohne daß er Speisen oder Getränke zu sich nehmen muß. Dem Araber sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, federleichte Lungen und stählerne Muskelfibern gegeben. Wollte man den arabischen Soldaten nach den nicht selten schlechten Kleidern beurtheilen, man würde zur Einseitigkeit verleitet werden. Zu anhaltenden Märschen, bei kärglicher Nahrung taugt kaum ein Soldat besser, als der arabische. Neben dem Schatten erblickt man immer auch Licht.

Was den psychischen Karakter des Arabers anbelangt, so ist er mohammetanisch finster, und haßt im Grunde seines Herzens den Andersgläubigen. Viele besitzen bemerkenswerthe Geistesfähigkeiten, doch keine ausgezeichnete, wofern man nicht zur Annahme berechtigt ist, daß ein großer Schatz schlummert. Ruhe und Faullenzen geht nicht bloß dem Alexandrinischen- und Deltaaraber, sondern auch andern über Alles. Damit er nicht die Mühe zu denken sich geben müsse, leiert er gedankenlos nach, was seit Jahrhunderten wahrscheinlich schon gesungen war. Er lebt blind in den Tag hinein; blindlings nimmt er Weiber und zeugt Kinder. Wenn ihm die Kunst, durch Ersparnisse eine, wo möglich, sichere Zukunft zu begründen, abgeht, so dürfte man freilich auch anfragen: Wird in einem Lande, wo das Eigenthum vor der Regierung nicht sicher steht, zur Sparsamkeit aufgemuntert? Vielleicht beschleicht den Araber dann und wann der Gedanke, daß er am Ende doch nicht mehr, als Hungers sterben könne. In ihm wohnt eine wahre Diebesseele, aber eine feige. Große Diebstähle begeht er nicht leicht, allein keineswegs aus Gewissensbissen, sondern aus Feigheit oder Trägheit. Am liebsten stiehlt er Eßwaaren; denn, ein Kind des Augenblickes, weiß er, daß dieselben ihm ohne ein Weiteres nützen. Um Anderes als Eßwaaren zu entwenden, wäre schon mehr Ueberlegung erforderlich, z. B. wie man sie an den Mann bringen könnte, um dafür Nahrung zu bekommen. Immerhin schaut man jeden Araber für einen Dieb an, und wenn der Fremde nicht bestohlen werden will, so muß er in Beziehung auf denselben stets auf der Hut sein. Ein ernstes, muthiges, karakterfestes Benehmen hält ihn leicht im Zaum. Im Uebrigen ist er von Natur fröhlich und aufgeräumt; diese Fröhlichkeit und Aufgeräumtheit streift aber mehr an Leichtsinn, selbst an feile, für den Zuschauer ekele Ausgelassenheit.

Ich beobachtete den +Beduinen+, diesen unsteten Sohn der Wüste, zu wenig ungestört, als daß ich mir erlaube, von ihm ein Karaktergemälde zu entwerfen. Er schreitet oder reitet stolz einher, selten ohne Feuergewehr, Säbel oder Pistolen.

Das Land, wo ein +Josef+, +Moses+ und +Aaron+ gelebt hatten, zählt immer noch +Kinder Israels+, aber nicht mehr in jenem Hause der Knechtschaft. Der Mangel an Bekanntschaft mit den Juden Kairo’s nöthigt mich, den Faden eher abzureißen, als mir lieb ist.

Und die +Franken+ in Kairo will ich hie und da, mehr oder minder leise berühren. Bloß mag ich es hier nicht thun; denn da sie überall ihre Besonderheiten, ihr Frankenquartier wollen oder haben, so ist billig, daß ich ihnen auch in diesen Blättern ein Frankenquartier anweise. Einzig die +levantischen Christen+, welche ich wegen ihres Anzuges zuerst immer für Türken hielt, so wie die Griechen, darf ich, ohne eine große Lücke fühlbar zu machen, mit Stillschweigen übergehen.

Tracht.

Bei der Tracht der Araber muß diejenige des Mannes von derjenigen des Weibes unterschieden werden.

Der gemeine Araber geht beinahe immer barfuß. Der aufs einfachste gekleidete hat im Sommer und Winter ein grobes, weißes, gegürtetes Hemde an, und eine weiße oder rothe Mütze auf. Andere tragen dieses Hemde und darüber einen grauen, blauen, schwarzen oder weiß und schwarz gestreiften Rock mit weiten Aermeln (Abba). Zu einer zusammengesetztern Kleidung gehören weite Hosen, welche, unmittelbar auf dem Leibe getragen, um den Lenden und unter dem Knie zusammengebunden werden. Diese zusammengesetzte Kleidung ist jedoch nicht echt egyptisch-arabisch. Ueber den Röcken auf dem Rücken trägt der Araber wohl auch ein Thierfell, dessen Pelzseite nach innen gewendet wird. Außer einem Rocke mit weiten Aermeln, hüllt der Araber sich in einen Mantel der nicht umschließt, und der oft über beide, meist aber über die eine oder andere Schulter geworfen wird. Mit diesem Mantel bekommen die Männer ein alttestamentisches Aussehen, und stattlich ging derselbe schon unserm Steuermanne. Die Franken in ihren engen Kleidern erscheinen gegen so gekleidete Araber als närrische Fratzen. Mich belustigte oftmals, wie der Araber den Mantel in so verschiedenen Gestalten umhängen konnte. So wenig ich darin etwas Spaßhaftes oder Spotthaftes fand, so konnte ich mich dennoch der Vergleichung mit dem geschmeidig die Gestalt wechselnden Hute eines Harlekins nicht erwehren. Dieser Mantel oder Ueberrock leistet den Arabern die besten Dienste. Brennt die Sonne, so legen sie sich nieder, und beschatten damit ihr Angesicht; vor dem Regen schützt er nicht minder wohlthätig, und Nachts sinkt das müde Haupt auf dieses unentbehrliche Gewand. Die Kopfbedeckung hält sehr warm. Wer nur die Kosten zu bestreiten vermag, tragt unmittelbar über dem Kopfe eine weiße Mütze, welche sich zum Waschen eignet. Diese wird von einer rothen mit einer blauen Troddel (Fẻs) bedeckt, welche der Turban, eine Auszeichnung des Orientalen, umfängt. Den kleinen Finger schmückt der Araber mit einem Ringe, z. B. von Silber.

Die einfachste Kleidung der +Weiber+ ist ein blaues weites Hemde mit einem Schlitze über der Brust, so daß diese selten vor den Blicken sich verbirgt; dazu noch ein Kopf- und Gesichtstuch. Die zusammengesetztere Kleidung erfordert Hosen, die, um die bloßen Lenden geschürzt, in der Mitte geschlitzt, dabei weit sind und um den Knöcheln enden, wo sie fest gebunden werden. Das Kopftuch ist viereckig und eine Art Schleier. Damit wird der ganze Kopf bis zu den Augenbraunen verhüllt, ohne daß es den übrigen Theil des Gesichtes berührt. Dafür fällt es in zierlichen Falten über Schultern und Rücken, beinahe bis zu den Fersen herunter. Dieser Kopfschleier ist nicht immer blau, am Rande oft buntfarbig gestreift und mit Fransen besetzt. Ein anderes Kleidungsstück, vielleicht das überflüssigste von allen -- -- das Gesichtstuch oder der Gesichtsschleier. Diesen stellt ein einige Zoll oder die Breite des Gesichts haltender schwarzer Lappen vor, welcher nichts als die Augen frei läßt, abwärts aber das ganze Gesicht verhüllt, ja manchmal, schmäler werdend, bis zu den Füßen reicht. Was der offene Brustschlitz des Hemdes unbedeckt läßt, wird bisweilen mehr oder minder kümmerlich von diesem Gesichtstuche verschleiert. Es wird durch zwei Bänder befestigt: durch eines, welches in der Quere um den Kopf herumläuft, und durch ein anderes, welches zwischen den Augen gerade zum Kopfschleier hinaufsteigt. Das letztere Band wird oft auch durch eine Kette oder Spange vertreten. Hier schlägt eigentlich der Putz seinen Hauptsitz auf. Goldstücke, eines unter dem andern, sind in gerader Linie mitten auf das Gesichtstuch genäht. Diese Goldstücke, oft christliche Münze, Dukaten z. B., besetzen meist die ganze Länge der Gesichtskleidung. Die Araberin lockt die Aufmerksamkeit des Mannes auf das Gold über dem Gesichtstuche, als wollte sie damit andeuten, daß unter demselben noch mehr Gold glänze. Die Mehrzahl der Weiber trägt keine Schuhe. Mit Ringen schmücken die Araberinnen Finger und Ohren. Auch sah ich zwei Weiber mit einem großen Ringe am rechten Nasenflügel. Es ist ein seltsam Sprichwort: ~Circulus aureus in naribus ejus mulier pulchra.~

Die Jüdinnen tragen sich ganz levantisch. Ich konnte sie von den Türkinnen nicht erkennen. Die Franken sind am launigsten. Viele richten sich nach der Tracht der Morgenländer; Andere halten steif an dem Europäer, wieder Andern beliebt ein profosmäßiges Durcheinander. Wenige lassen den Bart ganz wachsen, wie hauptsächlich die Trümmer des Saint-Simonismus. Klage man noch nicht über die Flatterhaftigkeit des Franken in seiner Kleidungsart. Die Tracht ist ein Spiegel der Seele. Jeden Weg, welcher in diese führt, muß der Beobachter willkommen heißen. Wenn wir gerecht sein wollen, müssen wir im Allgemeinen +die Flatterhaftigkeit des Frankengeistes+ anklagen, der als ein wahrer Proteus erscheint. -- Die Griechen verläugnen sich ungleich weniger, als die Franken.

Speisen und Getränke.

Das Brot macht eine Hauptspeise auch der Araber aus. In Alexandrien findet man recht schön weißes und schmackhaftes (gesäuertes) Brot (~pane Francese~), welches aber vom Araber bloß als Leckerbissen genossen wird. Sein gewöhnliches Brot ist von schlechter Beschaffenheit. Er nimmt zermahlene Gerste oder anderes Mehl, knetet bloß mit Wasser einen Teig in einem großen, dicken Napfe, und bäckt denselben, in Form eines großen, flachen Kuchens, in der heißen Asche. Dieser Kuchen wird für eine Mahlzeit gebacken und meistens warm genossen. Er ist nicht unschmackhaft, doch etwas schwer verdaulich. Besser, als dieses grobe Hausmannsbrot, aber minder fein und weiß als das ~pane Francese~, ist jenes egyptische Brot, welches arabische Weiber, z. B. in Alexandrien, mittelst einer breiten Unterlage auf dem Kopfe in den Gassen herumtragen, und unter Anpreisungen: „Kauf Brot, es ist schön und gut“, feil bieten.

Die eigentliche Hauptnahrung der dürftigern Klasse sind Datteln, Feldbohnen (Fûl) und Mais, letzterer als Sange, indem er ohne Weiteres, wo es angeht, in dem Ofen gesengt (geröstet) und dann abgespeist wird. Als eine häufige Nahrung dienen auch Zwiebeln und Rüben oder Rettiche. Beide werden frisch genossen. +Alpinus+ nennt vor allen Speisen saure Milch und das gekochte Zuckerrohr.

Wenn man delikater essen will, so greift man nach Gallerte (Sulze), viereckigen oder runden, fetten Kuchen, auch nach kleinen Stücken fetten Fleisches, die, mit Petersilie durchwürzt, über dem Feuer geröstet werden u. dgl. Hühner werden viel gegessen[17]. Die Würste sind von schlechtem Geschmacke, die Zuckerbrote dagegen vortrefflich. Von Pillau (in kochendem Wasser erweichter und dann mit Butter gewürzter Reis) hörte ich, wo nicht selten, doch nicht häufig. Der inländische Reis enthält zugleich viel beigemischtes Salz, entweder des Gewichtes, oder der bessern Erhaltung willen. Man muß ihn daher, vor dem Kochen, fleißig schwemmen, und wäscht man das ausgeschwemmte Salz, so nimmt dieses eine sehr schöne weiße Farbe an, und eignet sich vortrefflich zum Gebrauche. Das käufliche Salz ist von schmutzig gelber Farbe und unrein. Die Milch ist gut; die Abendländer aber behaupten, daß sie zu fett für sie sei. Häufig wird Milch genossen, nachdem sie künstlich gesäuert, und zum Schlottern gebracht worden. Die Butter schmeckt gut; man darf nur das Salz auswaschen, ehe man sie genießt. Wie bei uns der Maibutter, so wird in Egypten der Christmonat- oder Jennerbutter der Vorzug eingeräumt. Der Käse mürbe, schmackhaft, aber übersalzen.

Der Araber ißt im Ganzen wenig und frugal, sagten die Alten, und diese Frugalität hat sich bis auf heute erhalten. Das Rauchen bleibt immer seine Hauptsache. Gebietet er über die volle Pfeife, so gibt er sich zufrieden, wenn er vor dem Einschlafen nur wenige Rettiche zu zerbeißen hat. Die meisten Speisen werden kalt genossen, ohne Löffel und Gabel. Die gelenkigen Finger müssen diese ungelenken Werkzeuge vertreten. Man darf die Einfachheit tadeln; aber man muß dann zugleich die vielfältigen Bedürfnisse und ihre strenge Herrschaft loben. Wenn irgend eine Regel sich aufstellen ließe, so speist der Araber bei Sonnenaufgang, bei Sonnenhöhe und nach Sonnenuntergang.

Unter den +Getränken+ steht das schlammige Nilwasser oben an. Es wird aus dem Nile geschöpft, und in Menge getrunken, ohne vorher gereinigt zu werden. Es war zur Zeit meines Aufenthaltes, nämlich zur Ueberschwemmungszeit, im Glase gelblichweiß. Filtrirt man es, was bei den Großen geschieht, so wird es lauter und farblos. Es gibt in vielen Häusern Krüge (Bardâka), welche, von einer besondern Erde gebildet, die Eigenthümlichkeit besitzen, daß sie das Wasser langsam durchsickern lassen. Dadurch wird es kühl und angenehm. Das Nilwasser wird aus dem Flusse auf dem Rücken der Kameele in die zahlreichen Zisternen Kairo’s geschafft, und aus diesen können es die Einwohner unentgeltlich holen[18].

Man wähne übrigens nicht, daß die Araber sich des berauschenden Getränkes gänzlich enthalten. Ein solches heißt +Bỏsa+ oder +Busa+, eine Art Bier, das aus Getreide gegohren wird. Es ist von Farbe weißgrau und schäumt wie Bier, wenn man es rasch rüttelt. Mit dem Bỏsa berauschen sich Viele. +Salomo Schweigger+ sagt vom „Bỏsa“, daß es ein gedörrtes, mit Wasser angerührtes Griesmehl sei, und von Türken, wie Egypziern getrunken werde. Nach +Prosper Alpinus+ ward „Bỏsa“ aus Lülchmehl (~farina loliacea~), aus Hanfsamen und Wasser zu einem Getränke oder zu einem Teige bereitet, und es soll in einem gleichen oder noch höhern Grade als Hanfkraut (Assis) einen Zustand der Berauschung, der Entzückung und süßer Träumereien herbeiführen. Zum feierlichen Konstantinopler-Umzuge vom Jahre 1582 gehören die +Bosatschi+, so einen graulichen Trank von Brei wie ein Bier machen; den Laden zogen zwei Ochsen, worin ein Knabe den Brei oder Hirsen rieb, der andere das Bỏsa oder den Trank bereitete. Gleichermaßen wird nach +Tavernier+ das „Bỏsa“ mit Hirsen zubereitet und macht, sagt er, einen Rausch wie der Wein. Allein nach +Burckhardt+ ist Durra der Lieferungsstoff zum Busa.

Wein oder Branntewein trinkt der gemeine Araber nicht oder selten, wohl aber der vornehmere Mohammetaner, am liebsten geheim. Ich sah einen solchen in einer +fränkischen+ Wirthschaft, in welcher beinahe nur Franken einkehren, so gewandt den Spiritus trinken, daß ich mich bewogen fand, mich über den Mann zu erkundigen, und ich vernahm, daß er regelmäßig zuspreche. Es verdient Erwähnung, daß mir auf der Fahrt von Alexandrien nach Kairo nichts gestohlen wurde, als eine halbe Flasche Rhum, mein ganzer Rest. Ich sah zwar während derselben keinen Barkenknecht nach dem geistigen Getränke langen, oder sich damit berauschen, welche Enthaltsamkeit den Europäer angenehm überraschte; selbst als man mir einen kranken Barkenknecht vorstellte, und ich ihn Rhum trinken hieß, so geberdete er sich ziemlich unwillig, und schluckte möglichst in Duodez. Indessen konnte die Lüsternheit im Verborgenen nicht gefehlt haben. Ueberall wird der Damm, welcher der Trunkenheit wehren sollte, eingerissen. Sollte man es nicht dem Schöpfer klagen, daß er den Menschen Vernunft gab, weil sie, nur vermöge dieser himmlischen Gabe, so viel Mittel erdenken können, um dieselbe in ihrer Thätigkeit zu verirren oder zu hemmen?

Von einem echt morgenländischen, und wenn auch nicht unter den Fellah, doch unter der wohlhabendern Klasse sehr häufigen Getränke will ich so eben besonders reden.

Kaffeehäuser.

Es gibt sehr viel Kaffeehäuser. Ich besuchte dasjenige, welches nach fränkischer Weise eingerichtet war. Im Vorübergehen konnte ich wohl die egyptischen sehen. Sie liefern aber, ihrer Einfachheit willen, wenig Stoff zum Beschreiben. Sähe man nicht einen Kochofen und die rauchende Kaffeeschale, so würde man das Kaffeehaus verkennen; man müßte vielmehr glauben, daß die Leute nur deßwegen den einsamen Diwan belagern, um Tabak zu rauchen. Allerdings ist in einem Kaffeehause das Tabakrauchen nicht das Geringste, und der Egypzier läßt sich nicht minder gern mit Pfeife und Tabak bedienen, als mit Kaffee. Die Morgenländer genießen den Kaffee ohne Milch und ohne Zucker. Die Franken heißen einen solchen Kaffee türkischen (~alla Turca~).

Der Genuß des Kaffees ist in einem großen Theile der Welt gleichsam zum Bedürfnisse geworden, und tausend +Napoleone+ wären wahrscheinlich nicht im Stande, ihn vom Erdballe zu verbannen. Und doch haben unsere alten Vorväter vor nicht einmal anderthalb Jahrhunderten ohne den Kaffee gelebt.

Es macht ungemein viel Spaß, wenn man über den Kaffee, als ein den Abendländern unbekanntes Getränke, in den Beschreibungen derjenigen lieset, welche Egypten und Konstantinopel gegen Ende des sechszehnten und zu Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts besucht haben.

Ich führe zuerst +Salomo Schweigger+, welcher im Jahr 1581 in Egypten war, redend ein: Ein anderes Trank wird +Chaube+ genannt, welches man in den Tabernen ausschenkt, ist schwarzbraun von Farbe. Das gebrauchen Etliche des Morgens. Da versammeln sich viel Türken (des Egyptenlandes) vor der Taberna, lassen ihrer etliche in einer Kumpanei ihnen eine Schale oder ein irdenes Schüsselein voll nach dem andern hergeben. Das trinken sie nach einander fein höflich aus, so heiß, als sie es mögen erleiden. Gleichwie das deutsche gemeine Volk den Branntewein oder Wermuthsgeist des Morgens trinkt, also soll jenes auch den Magen zu erwärmen dienstlich sein.