Part 4
Man sieht also, daß, wenn die Verneinung zu dem Unterbegriff oder zu beiden Vordersätzen gesetzt wird, entweder kein Schluß entsteht, oder wenn auch, doch kein vollkommener. Denn die Notwendigkeit ergibt sich dann erst aus der Umkehrung.
Nimmt man aber den einen Satz allgemein und den anderen partikulär, so entsteht, wenn der allgemeine Satz den Oberbegriff enthält, ein vollkommener Schluß. Denn wenn möglicherweise A jedem B und B einem C zukommt, so kommt möglicherweise A einem C zu. Dies ist klar aus der Definition von möglich sein[72]. Wiederum, wenn möglicherweise A keinem B und B einem C zukommt, so kommt notwendig möglicherweise A einem C nicht zu. Der Beweis ist derselbe[73].
Nimmt man aber den partikulären Satz verneinend und den allgemeinen bejahend und läßt ihnen dieselbe Stellung, kommt z. B. möglicherweise A jedem B zu und B einem C nicht zu, so ergeben zwar die angenommenen Sätze keinen deutlichen Schluß, kehrt man aber den partikulären Satz um und läßt B möglicherweise einem C zukommen, so ergibt sich der nämliche Schlußsatz wie vorhin, nach der Weise, deren wir uns bei den im Anfang angeführten Sätzen bedient haben[74].
[Sidenote: 33 b]
Nimmt man aber den Obersatz partikulär und den Untersatz allgemein, und sind beide Vordersätze bejahend oder verneinend gesetzt oder nicht gleichartig, oder auch beide unbestimmt oder partikulär, so kommt auf keine Weise ein Schluß zustande. Denn nichts hindert, daß B über A hinausreicht und nicht von gleich Vielen ausgesagt wird. Als das aber, um was B über A hinausreicht, werde C genommen. Denn diesem C kommt A im Sinne der Kontingenz weder so zu, daß es jedem, noch so, daß es keinem, weder so, daß es einem wohl, noch so, daß es einem nicht zukommt, wenn doch die kontingenten Vordersätze konvertibel sind und B möglicherweise mehr Dingen zukommt als A. Dieses leuchtet aber auch aus den Begriffen ein. Wenn die Vordersätze sich so verhalten, kommt das Erste keinem Letzten (der Oberbegriff keinem Unterbegriff) kontingenter und jedem Letzten notwendigerweise zu. Gemeinsame Begriffe für alle Fälle, für Notwendigzukommen: Sinnenwesen, weiß, Mensch; für nicht zukommen Können: Sinnenwesen, weiß, Kleid[75].
Man sieht also, daß, wenn die Begriffe sich auf diese Weise verhalten, keinerlei Schluß zustande kommt. Denn jeder Schluß geht entweder auf ein einfaches Zukommen oder auf ein notwendiges oder auf ein kontingentes Zukommen. Daß aber hier kein Schluß auf das einfache und auf das notwendige Zukommen möglich ist, muß einleuchten, da der bejahende Schluß durch den verneinenden und der verneinende durch den bejahenden aufgehoben wird. Es bliebe also nur ein Schluß auf das kontingente Zukommen oder Sein übrig. Das aber ist unmöglich. Denn es ist gezeigt worden, daß bei solchem Verhältnis der Begriffe der Oberbegriff gleichzeitig allem, was zum Unterbegriff gehört, notwendig zukommt und möglicherweise keinem davon. Und so kann kein Schluß auf das möglicher- oder kontingenterweise Zukommende stattfinden. Denn das Notwendige galt uns nicht als kontingent.
Man sieht aber, daß, wenn in kontingenten Sätzen die Begriffe allgemein sind, immer ein Schluß in der ersten Figur entsteht, mögen die Sätze bejahend oder verneinend sein, nur ist es bei bejahenden Sätzen ein vollkommener und bei verneinenden Sätzen ein unvollkommener Schluß. Das Kontingentsein muß man aber nicht als notwendig verstehen, sondern gemäß der angegebenen Definition, was man zuweilen übersieht.
Fünfzehntes Kapitel.
Läßt man aber den einen Vordersatz einfach und den anderen im Sinne der Kontingenz ausgesagt sein, so müssen, falls der Obersatz kontingent ist, alle Schlüsse vollkommen und im Sinne der angegebenen Definition kontingent sein (also auf solches gehen, was sein und nicht sein kann). Ist dagegen der Untersatz kontingent, so müssen alle Schlüsse unvollkommen sein und die verneinenden auf Kontingentes gehen, das nicht im Sinne der Definition so heißt, sondern so, daß es notwendig keinem oder nicht jedem zukommt. Denn wenn etwas notwendig keinem oder nicht jedem zukommt, so sagt man auch dafür, es sei möglich (kontingent), daß es keinem und daß es nicht jedem zukommt.
Denn es soll möglich sein, daß A jedem B zukommt, und von B soll angenommen werden, daß es jedem C zukommt. Da nun B unter C steht und dem B das A zukommen kann, so kann es das offenbar auch allem C. Es ergibt sich also ein vollkommener Schluß. Ebenso ist es, wenn der Vordersatz AB verneinend, der Vordersatz BC aber bejahend ist und der eine ein kontingentes, der andere ein einfaches Zukommen ausspricht: auch da ergibt sich der vollkommene Schluß, daß A möglicherweise keinem C zukommt[76].
[Sidenote: 34 a]
Daß also, wenn das einfache Zukommen zu dem Unterbegriff gesetzt wird, vollkommene Schlüsse möglich sind, leuchtet ein; daß sich aber im entgegengesetzten Falle Schlüsse ergeben, muß durch das Unmögliche gezeigt werden, wodurch zugleich klar wird, daß sie unvollkommen sind, da der Beweis nicht aus den angenommenen Vordersätzen erfolgt. Wir stellen zuerst folgenden Satz auf: wenn falls A ist, notwendig B ist, ist auch, falls A möglich ist, notwendig B möglich. Denn nehmen wir an, bei einem solchen Verhältnis der Begriffe sei A möglich und B unmöglich. Wenn nun das Mögliche, wann es möglich ist, werden kann, und das Unmögliche, wann es unmöglich ist, nicht werden kann, und in derselben Zeit, wenn A möglich, auch B unmöglich ist, so kann A ohne B werden und, wenn werden, auch sein, da das Gewordene, wann es geworden ist, ist[77].
Man muß aber das Unmögliche und Mögliche nicht nur auf das Werden beziehen, sondern auch auf die wahre Aussage, auf das Sein und auf alle anderen Weisen, nach denen man von dem Möglichen spricht. Denn die Sache wird sich überall auf die gleiche Weise verhalten.
Wenn es ferner heißt, daß wenn A ist, B ist, so darf man das nicht so verstehen, als ob B wäre, wenn A eines ist. Denn nichts ist notwendig, was eines ist, sondern es müssen mindestens zwei sein, wie eben wenn die Vordersätze sich im Schluß auf die angegebene Weise verhalten. Denn wenn C von D und D von Z gilt, so gilt auch notwendig C von Z. Wenn aber beides möglich ist, so ist auch der Schluß möglich. Wenn man also A setzt, als stelle es die beiden Vordersätze dar, und ebenso B für den Schlußsatz einsetzt, so folgt, daß nicht nur, wenn A notwendig ist, auch B notwendig ist, sondern auch, daß wenn A möglich ist, B möglich ist.
Aus diesem Nachweis geht hervor, daß wenn Falsches und nicht Unmögliches angenommen worden ist, auch das wegen der Annahme Folgende falsch und nicht unmöglich sein wird. Wenn z. B. A falsch und nicht unmöglich ist und falls A ist, B ist, so wird auch B falsch, aber nicht unmöglich sein. Denn da nachgewiesen worden ist, daß wenn B ist, falls A ist, B auch möglich sein wird, falls A möglich ist, und dann vorausgesetzt ist, daß A möglich ist, so wird auch B möglich sein. Denn wenn es unmöglich ist, so wird ein und dasselbe zugleich möglich und unmöglich sein[78].
[Sidenote: 34 b]
Nachdem dieses somit festgestellt worden ist, soll A jedem B zukommen und B jedem C zukommen können. Dann kann notwendig A jedem C zukommen. Denn nehmen wir an, es könne das nicht, dagegen komme B jedem C zu, und dieses möge zwar falsch sein, aber nicht unmöglich. Wenn nun A dem C nicht zukommen kann und B jedem C zukommt, so kann A nicht jedem B zukommen. Denn es ergibt sich ein Schluß durch die dritte Figur. Aber es ist vorausgesetzt worden, daß es jedem zukommen kann. Mithin ist es notwendig, daß A jedem C zukommen kann. Denn obwohl Falsches und nicht Unmögliches angenommen worden ist, ist doch die Folge unmöglich[79].
Man kann den Beweis aus der Unmöglichkeit auch durch die erste Figur führen, indem man das B dem C zukommen läßt. Denn wenn B jedem C zukommt und A jedem B zukommen kann, kann A auch jedem C zukommen. Aber es wurde vorausgesetzt, daß es nicht jedem zukommen kann[80].
Das jedem Zukommende ist aber so zu verstehen, daß man es nicht nach der Zeit begrenzt, als gälte es nur jetzt oder in der und der Zeit, sondern man muß es schlechthin verstehen. Denn durch so beschaffene Vordersätze bilden wir auch die Schlüsse, da, wenn man den Vordersatz nur von dem jetzigen Augenblick versteht, kein Schluß zustande kommt. Denn vielleicht hindert nichts, daß Mensch auch einmal jedem Bewegten zukommt, wenn nämlich sonst nichts bewegt würde. Der Begriff „bewegt“ kann aber jedem Pferde zukommen, dagegen Mensch keinem Pferde. Ferner: der Oberbegriff sei Sinnenwesen, der Mittelbegriff bewegt, der Unterbegriff Mensch. Die Vordersätze werden sich nun ebenso verhalten, der Schlußsatz aber ist notwendig, nicht kontingent. Denn der Mensch ist notwendig ein sinnliches Wesen. Man sieht also, daß das Allgemeine schlechthin zu verstehen ist, nicht mit Beschränkung auf eine bestimmte Zeit[81].
Wiederum, der Vordersatz AB sei allgemein verneinend, und A soll keinem B zukommen und B jedem C zukommen können. Bei diesen Voraussetzungen nun ist es notwendig möglich, daß A keinem C zukommt. Denn nehmen wir an, daß es nicht möglich ist und daß B dem C zukommt wie vorhin. Dann kommt A notwendig einem B zu, da sich ein Schluß nach der dritten Figur ergibt. Das aber ist unmöglich. Und so muß es denn möglich sein, daß A keinem C zukommt. Denn da nur ein Falsches vorausgesetzt ist, ist doch die Folge unmöglich[82].
Dieser Schluß ergibt nun kein Kontingentes im Sinne der Definition, sondern im Sinne desjenigen Kontingenten, das keinem notwendig zukommt. Denn das ist das kontradiktorische Gegenteil zu der gemachten Annahme, nach der A einem C notwendig zukommt. Nun geht aber eben der Schluß vermittelst des Unmöglichen auf das kontradiktorische Gegenteil der Annahme[83].
[Sidenote: 35 a]
Man sieht aber auch aus den Begriffen, daß der Schlußsatz nicht in strengem Sinne kontingent ist. A sei Rabe, B denkend, C Mensch. Nun kommt keinem B das A zu, da kein Denkendes ein Rabe ist. B aber kann jedem C zukommen, da das Denken jedem Menschen zukommen kann. Aber A kommt notwendig keinem C zu. Mithin ist der Schlußsatz nicht in strengem Sinne kontingent. Er ist aber auch nicht immer notwendig. Denn A sei Bewegtes, B Wissenschaft, C Mensch. A wird keinem B zukommen, B aber möglicherweise jedem C, und der Schlußsatz wird nicht notwendig sein. Denn es ist nicht notwendig, daß kein Mensch sich bewegt, sondern es ist nicht notwendig, daß einer sich bewegt. Man sieht also: der Schlußsatz besagt, daß etwas keinem notwendig zukommt. Übrigens müßten die Begriffe besser gewählt sein[84].
Tritt aber die Verneinung zum Untersatz und spricht derselbe die Kontingenz aus, so ergibt sich zwar aus den angenommenen Vordersätzen an sich kein Schluß, dagegen wohl, wie in den früheren Fällen, wenn man den kontingenten Satz umkehrt. Denn A soll jedem B zukommen und B möglicherweise keinem C. Wenn die Begriffe sich so verhalten, wird keine Notwendigkeit statt haben. Kehrt man aber BC um und läßt B jedem C zukommen, so ergibt sich ein Schluß wie vorhin. Die Begriffe haben dann die gleiche Lage[85]. Dasselbe Verfahren findet seine Stelle, wenn beide Sätze verneinend sind und AB einfach nicht gilt, während BC besagt, daß B möglicherweise keinem C zukommt. Denn durch die angenommenen Begriffe an sich ergibt sich keinerlei Notwendigkeit, wenn man aber den kontingenten Satz umkehrt, wird ein Schluß zustande kommen. Denn es soll A keinem B zukommen, dagegen B möglicherweise keinem C. Während nun hieraus keine Notwendigkeit erwächst, kommt wieder derselbe Schluß heraus, wenn B jedem C soll zukommen können, was ja wahr ist, und der Vordersatz AB derselbe bleibt[86].
Nimmt man aber an, daß B jedem C nicht zukommt, nicht daß es ihm möglicherweise nicht zukommt, so wird durchaus kein Schluß gewonnen, weder wenn der Satz AB verneinend, noch wenn er bejahend ist. Gemeinsame Begriffe für notwendig zukommen: weiß, Sinnenwesen, Schnee; für nicht zukommen können: weiß, Sinnenwesen, Pech[87].
Man sieht also, daß, wenn die Begriffe allgemein sind und man den einen Vordersatz ein einfaches, den anderen ein kontingentes Sein aussagen läßt, dann, wenn man den Untersatz kontingent sein läßt, immer ein Schluß entsteht, nur das eine Mal schon auf Grund der Vordersätze an sich, das andere Mal auf Grund der Umkehrung des Vordersatzes. Wann der eine und wann der andere Schluß herauskommt und aus welchem Grunde, haben wir angegeben.
Nimmt man aber den einen Satz διάστημα allgemein, den anderen partikulär, und läßt dann den Obersatz, verneinend oder bejahend gefaßt, allgemein und kontingent, den partikulären Untersatz aber bejahend und einfach gültig sein, so erhält man einen vollkommenen Schluß, wie wenn beide Begriffe allgemein sind. Der Beweis hierfür ist derselbe wie früher[88].
[Sidenote: 35 b]
Ist aber der Obersatz allgemein und einfach gültig, nicht kontingent, und der Untersatz partikulär und kontingent, so ergibt sich, mag man beide Sätze verneinend oder bejahend, oder den einen verneinend und den anderen bejahend sein lassen, immer ein unvollkommener Schluß, nur daß dieser Schluß bald durch den Beweis aus der Unmöglichkeit, bald durch Umkehrung des kontingenten Satzes vollendet wird, wie in den früheren Fällen. Man bekommt auch dann einen Schluß durch Umkehrung, wenn der allgemeine Obersatz das reine Sein oder Nichtsein und der partikulär verneinende Untersatz das kontingente Sein aussagt, wie wenn z. B. A jedem B zukommt oder nicht zukommt, und B einem C möglicherweise nicht zukommt. Denn der Schluß geht hier vonstatten, wenn man BC rücksichtlich der Kontingenz umkehrt[89].
Wenn aber der partikuläre Vordersatz das einfache Nichtsein aussagt, ist kein Schluß möglich. Begriffe für Sein oder Zukommen: weiß, Sinnenwesen, Schnee; für Nichtzukommen: weiß, Sinnenwesen, Pech. Man muß den Beweis hierfür aus dem Unbestimmten führen[90].
Wenn man aber den Untersatz allgemein und den Obersatz partikulär nimmt, mag der eine oder mag der andere verneinend oder bejahend, kontingent oder einfach aussagend sein, so ergibt sich keinerlei Schluß.
Auch dann ergibt sich kein Schluß, wenn die Vordersätze partikulär oder unbestimmt gefaßt sind, mögen sie beide die Kontingenz oder beide das einfache Sein aussagen, oder der eine Satz dieses, der andere jenes. Der Beweis ist derselbe wie in den früheren Fällen. Gemeinsame Begriffe für notwendiges Zukommen: sinnliches Wesen, weiß, Mensch; für unmöglich zukommen: sinnliches Wesen, weiß, Kleid[91].
Man sieht also, daß, wenn der Obersatz allgemein lautet, immer, wenn aber der Untersatz allgemein lautet, nie ein Schluß entsteht.
Sechzehntes Kapitel.
Wenn aber der eine Vordersatz ein notwendiges und der andere ein mögliches Sein ausspricht, so wird ein Schluß zustande kommen, wenn sich die Begriffe auf dieselbe Weise verhalten wie zuvor[92].
Ein vollkommener Schluß ergibt sich nämlich, wenn man den Untersatz notwendig sein läßt[93].
Der Schlußsatz aber wird, wenn die Begriffe bejahend sind, auf das Können gehen, nicht auf das Sein, mögen nun die Begriffe allgemein oder nicht allgemein gefaßt sein; ist aber der eine Begriff bejahend und der andere verneinend, so geht der Schlußsatz, falls der bejahende Begriff notwendig ist, auf das Können, nicht auf das Nichtsein; ist aber der verneinende Begriff notwendig, so geht er sowohl auf das mögliche Nichtsein, als auch auf das einfache Nichtsein, mögen die Begriffe allgemein sein oder nicht[94].
Das Möglich ist im Schlußsatz ebenso wie in den früheren Fällen zu verstehen. Aber ein Schluß auf notwendiges Nichtsein ist nicht möglich. Denn es ist etwas anderes, wenn man sagt: nicht notwendig sein, und wenn man sagt: notwendig nicht sein[95].
[Sidenote: 36 a]
Daß nun der Schlußsatz nicht notwendig ist, wenn die Begriffe bejahend sind, ist klar. Denn A soll jedem B notwendig und B jedem C möglicherweise zukommen. Hier ergibt sich der unvollkommene Schluß, daß A jedem C zukommen kann. Daß der Schluß unvollkommen ist, sieht man aus dem Beweis. Denn derselbe muß auf die nämliche Weise geführt werden wie in dem früheren Falle[96].
Wiederum, A soll jedem B möglicherweise und B jedem C notwendigerweise zukommen. Hier wird sich der Schluß ergeben, daß A jedem C möglicherweise zukommt, nicht daß es ihm tatsächlich zukommt, und der Schluß ist vollkommen, nicht unvollkommen, weil er ohne weiteres durch die anfänglich angenommenen Sätze vollendet wird[97].
Sind aber die Vordersätze nicht von gleicher Form (Qualität), so soll zuerst der verneinende notwendig sein, und A soll notwendig keinem B zukommen können, B aber soll jedem C zukommen können. Dann ist es notwendig, daß A keinem C zukommt. Denn gesetzt, es komme jedem oder einem zu. Es wurde aber vorausgesetzt, daß es keinem B zukommen kann. Da sich nun das Verneinende umkehren läßt, so kann auch unmöglich B einem A zukommen. Es soll aber A entweder jedem oder einem C zukommen. Demnach kann B keinem oder nicht jedem C zukommen. Anfänglich aber war angenommen, es könne jedem zukommen[98]. Es ergibt sich aber offenbar auch ein Schluß auf die Möglichkeit des Nichtzukommens, da sich auch ein solcher auf das tatsächliche Nichtzukommen ergibt.
Wiederum, es soll der bejahende Vordersatz notwendig sein und A möglicherweise keinem B zukommen, B dagegen notwendig jedem C. Der Schluß wird dann vollkommen sein, aber nicht auf das einfache Nichtzukommen gehen, sondern auf das mögliche. Denn so ist der Obersatz genommen worden, und es gibt hier keine Zurückführung auf das Unmögliche. Denn wenn man annimmt, daß A einem C zukommt, und gleichzeitig vorausgesetzt ist, daß es möglicherweise keinem B zukommt, so ergibt sich daraus nichts Unmögliches[99].
Setzt man aber die Verneinung zu dem Untersatz, so ist, falls er die Möglichkeit ausspricht, ein Schluß durch Umkehrung möglich, wie früher[100].
Falls er aber die Unmöglichkeit ausspricht, so ist kein Schluß möglich. Auch nicht, falls beide Vordersätze verneinend gesetzt werden und der Untersatz die Unmöglichkeit aussagt. Die Begriffe sind dieselben (wie schon oben): für Zukommen: weiß, Sinnenwesen, Schnee; für Nichtzukommen: weiß, Sinnenwesen, Pech[101].
Ebenso muß es sich mit den partikulären Schlüssen verhalten. Ist der verneinende Vordersatz notwendig, so wird auch der Schlußsatz auf das Nichtzukommen gehen. Wenn nämlich A keinem B zukommen kann, B aber einem C, so kommt A notwendig einem C nicht zu. Denn wenn es jedem zukommt, aber keinem B zukommen kann, so kann auch B keinem A zukommen. Und so kann, wenn A jedem C zukommt, B keinem C zukommen. Und doch war es Voraussetzung, daß es einem C zukommt[102].
[Sidenote: 36 b]
Ist aber der partikulär bejahende Vordersatz in dem verneinenden Schluß notwendig, also BC, oder ist es der allgemeine Vordersatz in dem bejahenden Schluß, also AB, so ergibt sich kein Schluß auf das Zukommen. Der Beweis ist derselbe wie in den früheren Fällen[103].
Findet sich dagegen das Allgemeine als möglich gedacht, bejahend oder verneinend, im Untersatz, und das Partikuläre als Notwendiges im Obersatz, so ergibt sich kein Schluß. Begriffe für notwendiges Zukommen: Sinnenwesen, weiß, Mensch; für Nichtzukommenkönnen: Sinnenwesen, weiß, Kleid[104].
Ist aber das Allgemeine notwendig und das Partikuläre möglich, so sind, wenn das Allgemeine verneinend ist, Begriffe für Zukommen: sinnliches Wesen, weiß, Rabe; für Nichtzukommen: sinnliches Wesen, weiß, Pech; und wenn es bejahend ist, für Zukommen: sinnliches Wesen, weiß, Schwan; für Nichtzukommenkönnen: sinnliches Wesen, weiß, Schnee[105].
Auch dann, wenn die Vordersätze unbestimmt oder beide partikulär angenommen werden, entsteht kein Schluß. Gemeinsame Begriffe für Zukommen: sinnliches Wesen, weiß, Mensch; für Nichtzukommen: sinnliches Wesen, weiß, unbeseelt. Denn sinnliches Wesen kommt einem Weißen und weiß einem Unbeseelten sowohl notwendig zu, wie es ihm unmöglich zukommen kann, und mit dem möglichen Zukommen ist es ebenso, so daß die Begriffe für alle Fälle brauchbar sind[106].
Das Gesagte zeigt also, daß, wenn sich die Begriffe in bezug auf einfaches Sein und notwendiges Sein gleich verhalten, auch gleichmäßig ein Schluß entsteht und nicht entsteht, nur daß, wenn der verneinende Vordersatz das bloße Sein betrifft, der Schluß das mögliche Sein aussagt, während derselbe Schluß, wenn der verneinende Vordersatz das notwendige Sein betrifft, sowohl das mögliche als auch das einfache Nichtsein aussagt. Ebenso ergibt sich, daß alle (diese) Schlüsse unvollkommen sind und daß sie durch die vorhin angegebenen Figuren vollendet werden[107].
Siebzehntes Kapitel.
In der zweiten Figur aber kommt, wenn beide Vordersätze die Kontingenz aussagen, kein Schluß zustande, mögen nun die Vordersätze bejahend oder verneinend, allgemein oder partikulär sein.
Spricht aber der eine Satz das bloße Sein und der andere das kontingente Sein aus, so kommt, wenn der bejahende Satz das bloße Sein enthält, nie, wenn aber der allgemein verneinende Satz es enthält, immer ein Schluß zustande.
Ebenso wenn der eine Satz die Notwendigkeit und der andere die Kontingenz aussagt.
Man muß aber auch hier das Kontingente in den Schlußsätzen verstehen wie vorhin[108].
[Sidenote: 37 a]
Zuerst wäre also zu zeigen, daß die Verneinung im kontingenten Satz nicht umgekehrt wird, daß es z. B., wenn A möglicherweise keinem B zukommt, nicht notwendig ist, daß auch B möglicherweise keinem A zukommt[109]. Denn dieses soll einmal angenommen werden und B möglicherweise keinem A zukommen. Da nun kontingente Bejahungen mit den Verneinungen vertauscht werden, die konträr wie die kontradiktorisch entgegengesetzten, und B möglicherweise keinem A zukommt, so kommt B offenbar möglicherweise auch jedem A zu. Das ist aber falsch. Denn wenn eines möglicherweise jedem anderen zukommt, so folgt nicht, daß auch umgekehrt dieses jenem so muß zukommen können. Mithin läßt sich die Verneinung nicht umkehren[110].
Ferner hindert nichts, daß A möglicherweise keinem B zukommt, aber B notwendig einem A nicht zukommt, wie z. B. weiß möglicherweise jedem Menschen nicht zukommt -- eben weil es auch möglicherweise jedem zukommt --, aber von Menschen mit Unwahrheit ausgesagt wird, daß es möglicherweise keinem Weißen zukommt. Denn es kommt vielem notwendig nicht zu. Das Notwendige war uns aber nicht jenes Kontingente, das sein und nicht sein kann[111].
Aber auch aus der Unmöglichkeit läßt sich nicht zeigen, daß es hier eine Umkehrung gibt, wenn man nämlich das Zugeständnis verlangte, weil es falsch sei, daß B möglicherweise keinem A zukommt, so sei es wahr, daß es nicht möglicherweise keinem zukommt. Denn so stünden sich die Bejahung und die Verneinung gegenüber. Wenn aber das, so sei es wahr, daß B notwendig einem A zukommt, und so denn auch A einem B. Das aber sei unmöglich[112].