Lehre vom Schluss

Part 17

Chapter 173,738 wordsPublic domain

[167] A sei Körper, B Substanz, C Element, D Geist; wieder: E Erde, F Element, G schwer und trocken, H leicht. C ist mit F identisch. Also kommt Körper notwendig jeder Erde zu. Denn Element kommt jeder Erde zu und Körper jedem Element, demnach, wenn man die Prämissen umstellt, in Barbara: jede Erde ist ein Körper. Von den früheren Erklärern hat niemand für die sämtlichen Buchstaben dieses Absatzes Begriffe eingesetzt. Denn es zeigt sich, daß man für die folgenden Absätze mit den Begriffen wechseln muß. In unserem Absatze galt es, den Mittelbegriff für einen allgemein bejahenden Schlußsatz zu finden, im folgenden für einen partikulär bejahenden. Darum müssen C und G identisch sein: das, worauf A und das worauf E folgt. -- Zu den folgenden 4 Abs. sind Abs. 2–4 dieses Kapitels zu vergleichen.

[168] Eine zusätzliche Regel, um einen partikulär bejahenden Schlußsatz zu gewinnen! Er heiße: manches Lebende ist ein Mensch. B, animalisches Wesen, sei mit C identisch, folge auf Mensch und ihm selbst folge lebend. So gilt denn: jedes an. W. lebt; jeder Mensch ein an. Wesen; also jeder Mensch lebt, also auch: manches Lebende ein Mensch.

[169] Eine Anweisung bezüglich der 1. Regel, vgl. A. 163. Man muß aus dem, was auf das Subjekt folgt, als Mittelbegriff das Allgemeinste wählen, wenn nur darauf das Prädikat folgt. Um z. B. den Schlußsatz zu gewinnen: jeder Mensch ist eine Substanz, muß man nicht animalisches oder lebendes, sondern körperliches Wesen verwenden und sagen: jedes körperliche Wesen ist eine Substanz; jeder Mensch ist ein körperliches Wesen; also jeder Mensch eine Substanz. Denn wenn das Prädikat auf das Allgemeine folgt, muß es auch auf das Besondere folgen, das unter ihm begriffen ist. Wenn es aber auf das Besondere folgt, braucht es nicht auf das Allgemeine zu folgen; wenn z. B. auf sinnlich lebendes Wesen Gefühl folgt, braucht es nicht auf körperliches oder auf lebendes Wesen zu folgen. Die toten Körper und die Pflanzen haben ja kein Gefühl.

[170] Vgl. Kap. 5 und Anm. 22; vergl. auch Kap. 27 Ende.

[171] Die Regeln zur Auffindung des Mittelbegriffs, die hier abgelehnt werden, sind: 1) wenn das, was auf das Subjekt und das, was auf das Prädikat folgt, sich ausschließt, kann ein allgemein verneinender, 2) wenn das, was auf das Prädikat folgt und dem Subjekt vorangeht, sich ausschließt, kann ein partikulär verneinender Satz gefolgert werden. Sie werden abgelehnt 1) weil der Mittelbegriff einer sein soll, 2) weil sie auf die früheren Regeln zurückgehen und ohne sie nicht gelten.

[172] Die hypothetischen Schlüsse sind, wie wir schon wissen, gegenüber den apagogischen die Gattung. Sie legen einen Satz zugrunde, auf den das Gewollte folgt, und beweisen ihn. Dieser Satz ist entweder anerkannt als das Gewollte oder er sagt die Qualität eines bestimmten Subjekts aus, von der man annimmt, daß auch Verwandtes sie hat. Für solche Schlüsse sind die gewöhnlichen, schon aufgestellten vier oder fünf Regeln maßgebend. Man muß aber auch diese Schlüsse nach Quantität und Qualität unterscheiden.

[173] Nach den aufgestellten Regeln gewinnt man einen partikulär bejahenden Schlußsatz, wenn der Mittelbegriff das Prädikat und das Subjekt nach sich zieht. Läßt man ihn aber zugleich mit dem Subjekt umkehrbar sein, so gewinnt man vermittelst seiner auch einen allgemein bejahenden Satz. Beispiel: alles Vernünftige (rationale) ein Sinnenwesen; alles Vernünftige ein Mensch; also mancher Mensch ein Sinnenwesen. Weil aber vernünftig mit Mensch konvertibel ist, so kann der Untersatz allgemein umgekehrt werden in: jeder Mensch ist vernünftig, und dann folgt: jeder Mensch ist ein Sinnenwesen. Ebenso gewinnt man einen partikulär verneinenden Satz, wenn der Mittelbegriff dem Prädikat widerstreitet, aber das Subjekt nach sich zieht, aber einen allgemein verneinenden Satz, wenn er mit dem Subjekt konvertibel ist. Beispiel: kein Vernünftiges ein Pferd; alles Vernünftige ein Mensch. Die Buchstaben sind aus Kap. 28 genommen, vgl. Anm. 167.

[174] Solches, was nicht ist, aber sein kann, ist ein Kontingentes im strengen Sinne: quod potest esse et non esse; mit den sonstigen Weisen der Aussage, „den anderen Kategorien“, wie es im Text heißt, sind die Sätze über Tatsächliches, aber Zufälliges, und über Notwendiges gemeint; das „in derselben Ordnung“ geht auf die Reihenfolge in Kap. 28, vgl. Anm. 167.

[175] Dieses Kapitel bildet eine Art Ruhepunkt und schließt das Bisherige ab, da das folgende, 31. Kapitel nur eine nachträgliche Ergänzung bringt. Die Regeln für die Errichtung der Schlüsse und die Auffindung des Mittelbegriffs sind erledigt, und so folgt denn eine Erwägung über die Bedeutung und Tragweite dieser Regeln: sie finden ihre Anwendung im ganzen Umfang des menschlichen Wissens und Forschens; denn hier gilt es überall, durch den Schluß aus vorhandenen Daten neue Erkenntnisse zu gewinnen und demgemäß den Schluß selbst so zu fassen, daß er dieser Bestimmung entspricht: die aufgewandte Mühe, um die Gesetze der Syllogistik zu finden, ist also nicht vergeblich gewesen! -- Was in diesem Kapitel von den Prinzipien steht, ist bemerkenswert, weil es klar zeigt, was auch unter den Prinzipien 2. Anal. 2, 19 zu verstehen ist: es sind die eigentümlichen Prinzipien der Einzelwissenschaften, wobei Prinzip im weiteren Sinne zu nehmen ist, gemäß dem es nicht bloß die ersten Grundsätze, sondern auch selbst den Begriff der betreffenden Disziplin umfaßt. Mich hat lange und oft der Zweifel beschäftigt, ob unter den dort genannten Prinzipien, ἀρχαί, nicht etwa die höchsten Denkgesetze zu verstehen seien und somit nach dem Ursprunge der allgemeinen Begriffe gefragt werde, mit denen die Denkgesetze zugleich gegeben sind. Aber das vorliegende 30. Kapitel zeigt zusammen mit dem Schluß der 2. Analytik und mit dem Anfang der Metaphysik als dritter Parallelstelle, daß an die besonderen Prinzipien der Einzelwissenschaften zu denken ist. -- Auf sie könnte man versucht sein auch die Bemerkung am Schluß dieses 30. Kapitels zu beziehen, daß das Nähere über die Auswahl der Prämissen in der Topik zu finden ist, wenn auch hier sicher mit Prämissen nicht bloß die allerersten Sätze einer Wissenschaft gemeint sind. Maier glaubt in seiner Syllogistik II a 305, A. 1, diese Bemerkung treffe in Wahrheit nur auf die Prämissen der dialektischen Schlüsse zu. Aber Aristoteles erklärt ausdrücklich die Topik für zuständig, die Prinzipien aller Einzelwissenschaften zu bestimmen. Man sehe Topik I, 1 f., besonders den letzten Absatz von Kap. 2 und in unserer Übersetzung die Anm. 6 zum 1. B. Es sind z. B. Metaphysik I, 2 wahrscheinliche Sätze, mittelst deren die Definition der Metaphysik gewonnen wird. Am nächsten kommt man aber zweifellos dem Sinn des A., wenn man ihm sagen läßt, das bisher Vorgetragene sei das Erste, was zu beobachten sei, um die notwendigen Begriffe für ein Beweisobjekt oder überhaupt einen Schluß zu finden; das noch weiter Erforderliche, besonders wie man es angehen muß, um reichlichen Stoff für die Begriffe zu sammeln, lehre die Topik. Man vergleiche hierzu die Aporien, mehr oder minder wahrscheinliche Gründe, die im dritten Buche der Metaphysik aufgestellt und erörtert werden, um dann in den späteren Büchern die streng wissenschaftliche Untersuchung der Probleme folgen zu lassen; vgl. auch in unserer Topik d. Ar. Einleitung VI.

[176] Diese Verwahrung gegen das Beweisverfahren durch Einteilung kehrt sich vielleicht gegen Plato, und dann nur, weil er nicht streng auf die schulgerechte Form sah. Mit der Einteilung allein läßt sich nichts beweisen, so lange nicht gezeigt ist, in welche Klasse der Einteilung ein Ding gehört. Der Begriff eines Dinges läßt sich überhaupt nicht beweisen, wie in der Folge gezeigt werden wird. Der Mittelbegriff darf auch nicht allgemeiner sein als der Oberbegriff. Bei dem Einteilungsverfahren ist er das aber. Wenn ich z. B. zeigen will, daß Mensch die und die Art von Sinnenwesen ist, und als Mittelbegriff alle verschiedenen Arten von Sinnenwesen verwende, so hat der Mittelbegriff einen weiteren Umfang als der Oberbegriff. -- Von der Einteilung handelt auch 2. Anal. 2, 5.

[177] Von diesem Kapitel bis zum Schluß geht der dritte und letzte Teil des 1. Buches: von der Reduktion der formlosen Begründungen auf einen normalen Syllogismus. Die ersten zwei Kapitel handeln von der Fassung der Prämissen, die folgenden von der Fassung oder Exposition der Termini gemäß der in Abs. 3, Kap. 32 bezeichneten und begründeten Methode.

[178] Der Schluß lautete vollständig: eine Substanz kann nicht zugrunde gehen, wenn das, womit sie zugrunde geht, nicht auch eine Substanz ist; nun geht aber der Mensch mit dem Leibe zugrunde; also ist der Leib Substanz.

[179] Der Schluß oder die Schlüsse würden vollständig lauten: ist Mensch, so ist sinnliches Wesen; nun ist Mensch; also sinnliches Wesen. Wenn weiterhin sinnliches Wesen ist, ist Substanz; nun ist sinnliches Wesen; also ist Substanz.

[180] Ein Problem, d. h. ein zu beweisender Satz, der allgemein bejahend ist, geht nur durch die erste Figur. Deshalb braucht man hier nach den anderen Figuren nicht zu fragen. Kann der Schlußsatz aber durch mehrere Figuren gewonnen werden, so ergibt die zutreffende sich aus der Stellung des Mittelbegriffs.

[181] Zu den Fällen des vorigen Kapitels, in denen kein schulgerechter Schluß vorliegt, tritt ein weiterer: wenn die Begriffe zwar die rechte Stellung haben und zwei Prämissen bilden, aber ohne daß eine von ihnen allgemein ist. Die Folge kann sein, daß weder ein Schluß noch eine wahre Konklusion herauskommt. Hieraus folgt die Reduktionsregel, daß die Begründungen, um rechtmäßig zu sein, in einen Schluß mit einer allgemeinen Prämisse müssen aufgelöst werden können. Es werden zwei Beispiele eines scheinbaren Schlusses angeführt: 1. der denkbare Aristomenes ist immer; Aristomenes ist ein denkbarer Aristomenes; also ist Aristomenes immer. Hier müßte, wenn der Schlußsatz wahr und rechtmäßig abgeleitet sein sollte, der Obersatz gelten: jeder denkbare Aristomenes ist immer. Aber das ist unmöglich. Der denkbare Aristomenes ist zwar als solcher selbstverständlich immer. Aber daß jeder denkbare Aristomenes immer sein soll, ist eine Ungereimtheit. Hier gibt es kein jedes; denn Aristomenes ist einer. 2. Mikkalos ist ein gebildeter Mikkalos; der gebildete Mikkalos stirbt morgen; also stirbt Mikkalos morgen. Hier mag der Schlußsatz wahr sein, aber der Schluß ist falsch. Er erheischt die Prämisse: jeder gebildete Mikkalos stirbt morgen, was nicht wahr und ein Unsinn ist. -- Es scheint nicht nötig, Zeile 47 b 26 mit Waitz und Maier γὰρ st. ἄρα zu lesen.

[182] Wenn derselbe Mensch, freilich zu verschiedenen Zeiten, krank und gesund sein kann, so kann auch das Kranke per accidens gesund sein, wie es im vorletzten Absatz hieß. Man kommt aber durch den Syllogismus in der 3. Figur auf die Läugnung dieser Möglichkeit, wenn man Subjekt und Zustand durcheinanderlaufen läßt. Die Stelle bereitet dem Verständnis Schwierigkeit, weil sie zu sagen scheint, Gesundheit und Krankheit usw. könnten sich gegenseitig zukommen. Es ist aber an das nachträglich Genannte zu denken, das Konträre überhaupt. Denn Ar. sagt, wie Gesundheit und Krankheit usw., so müßte auch das Konträre überhaupt nicht voneinander ausgesagt werden können.

[183] Für gleichschenkelig wird das Prädikat = 2 R durch das Wort (ὄνομα) Dreieck vermittelt, für das Dreieck selbst aber nicht wieder durch ein einzelnes Wort, da ein solches nicht existiert, sondern durch eine Rede, d. i. durch den Beweis, daß der Außenwinkel des Dreiecks der Summe der beiden gegenüberliegenden Dreieckswinkel gleich ist.

[184] Es erscheint unbegründet, wenn +Maier+ II a 315 A. 1 hierzu schreibt: „In b 12 lese ich mit Waitz und Alexander, welch letzterer sich eingehend über diese Lesart äußert (362, 4 ff.): τοῦ δ’ ἀγαθοῦ ἑστὶν ἡ σοφία ἐπιστήμη. Es liegt hier, wie öfters, eine Nachlässigkeit des Aristoteles vor. In 27 oder vielmehr in 24–27 ist ihm ein wirkliches Versehen passiert. Es liegt auf der Hand, daß die beiden Begriffe des Obersatzes sich wie Subjekt und Prädikat verhalten“. -- Auf diesen zweiten Punkt werde ich gleich zurückkommen.

[185] Der Oberbegriff Gattung wird in der Konklusion von dem Unterbegriff das Gute in recto ausgesagt, während die Prämissen beide in obliquo aussagen: das, wovon es eine Wissenschaft gibt, ist Gattung; von dem Guten gibt es eine Wissenschaft; also ist das Gute Gattung. Es fragt sich also nicht, ob man auch mit Wahrheit sagen kann, daß Wissenschaft Gattung ist, was ja keinen Zweifel leidet, sondern es fragt sich um die Weise, wie in unserem Falle ausgesagt wird; vgl. d. vor. Anm.

[186] Man wolle es mir zugute halten, wenn ich hier, in lauter trockenen logischen Zusammenhängen, eine Bemerkung über den „Theismus des Aristoteles“ einschiebe. Das vorliegende, offenbar ganz unbefangen gewählte Beispiel scheint mir blitzartig die Theologie des Philosophen zu beleuchten. Gott ist ihm kein rein kontemplatives Wesen ohne jede Tätigkeit nach außen. Wie könnte es für ein solches einen καιρός geben, eine Gelegenheit? Wohl aber ist er das Wesen, das sich selbst genügt und durch seine Tätigkeit keinen Zuwachs seiner Güte und Seligkeit erhält. „Dixi Domino: Deus meus es tu, quoniam bonorum meorum non eges“, Ps. 15, 2.

[187] Was mit Reduplikation gemeint ist, erklären die Beispiele. Sagt man: von der Gerechtigkeit gibt es eine Wissenschaft, so hat man keine Reduplikation; sagt man aber: es gibt von ihr eine Wissenschaft, daß sie ein Gut ist, so hat man eine. Die Reduplikation liegt eigentlich in dem Ausdruck „gut als Gutes“. Es gibt eine Wissenschaft von der Gerechtigkeit als einem Gute, aber die Gerechtigkeit ist nicht gut als ein Gut.

[188] +Maier+ übersieht 317 f. den Zusammenhang von Kap. 39 und 40 und berichtet darum auch über Kap. 40 vor Kap. 39.

[189] Das hat bezug auf Kap. 37: das Zukommen hat auch insofern einen verschiedenen Sinn, als es eine verschiedene Zuteilung der Begriffe gibt. Es ist ein Unterschied, ob das B, schön, nur einigem C, weiß, zukommt, oder allem. Man sagt zwar auch im ersten Falle: B kommt dem C zu; aber es braucht nicht jedem C zuzukommen.

[190] Wenn A, etwa klug, dem B zukommt, aber nicht allem, wovon B ausgesagt wird, so braucht A keinem C zuzukommen, mag nun B einigem oder auch allem C zukommen: alle Weißen mögen schön sein, es braucht deshalb kein Weißer klug zu sein, weil die Schönen, die klug sind, nicht weiß zu sein brauchen. Wir erhalten nämlich die Prämissen: Ein B = A; ein oder alles C = B; hieraus folgt aber nach Kap. 4 kein Schluß, weil der Obersatz in der 1. Figur nicht partikulär sein darf. Wenn aber A allem zukommt, wovon B gilt, oder einfacher allem B, so gilt es auch von allem, was seinem ganzen Umfang nach B ist: alle Weißen sind klug, wenn alle Schönen klug und alle Weißen schön sind. Wir haben dann einen Schluß in 1 a: alles B = A; alles C = B; also alles C = A. Ein dritter Fall würde sich, wenn der Text stimmte, so stellen: C = B; alles C = A. Das wären Prämissen, wie sie in der 3. Figur vorkommen. Wenn es nun heißt: nichts hindert, daß dem C das B zukommt, so kann man das deuten: nichts hindert, daß B allem C zukommt. Wenn es aber weiter heißt, daß möglicherweise A nicht jedem oder gar keinem C zukommt, so ist das gegenüber der Prämisse: alles C = A sinnlos, und wenn man etwa statt des C das B denken wollte, so wäre das nach den Schlußregeln der 3. Figur, vgl. Kap. 6, unrichtig. Es hat nun +Waitz+ I, 469 f. folgende Auskunft getroffen: das Komma Z. 26 nach λέγηται fällt aus, und es ergibt sich: „wenn jedoch A von dem gelten soll, wovon nach dessen ganzem Umfang B gilt“, usw. Die Worte: wovon usw., sollen nämlich denselben Sinn haben wie die Worte Z. 23: „von dem wahrheitsgemäß B ausgesagt wird“, und der Gedanke hier nur der größeren Klarheit wegen wiederholt und zum vorigen hinzugefügt werden. Denn wahrheitsgemäß ausgesagt werden, soll bedeuten: im eigentlichen Sinne ausgesagt werden; wie die Gattung von der Art, nicht per accidens, wie etwa schön von weiß, S. 469. Ähnlich +Maier+ II a 319. Ich muß die Sache dahin stehen lassen.

[191] Davon, daß wir die Begriffe in der ekthetischen Linie graphisch, durch Buchstaben, darstellen, nach +Maier+ a. a. O. 320.

[192] Ein allgemein bejahender Schlußsatz wird nur in der ersten, ein allgemeiner überhaupt nie in der dritten Figur gewonnen usw. Man muß also, sei es bei der Haupt-, sei es bei der Zwischenkonklusion, hierauf achten, um sie durch die rechte Figur zu leiten. -- Hier begegnet uns eine weitere Verschiedenheit in der Zuteilung der Begriffe, vgl. Kap. 37: ein Begriff wird dem anderen durch Vermittelung mehrerer Syllogismen zugeteilt.

[193] Die im Text angegebene Begründung für den Satz, daß nicht alles Konträre unter +ein+ Vermögen fällt, ist falsch, also kein Beweis. Daher verdient die von +Waitz+ rezipierte Variante den Vorzug.

[194] Vgl. Anm. 150.

[195] Geschieht 1. Anal. 2. B. und in der Topik, sofern sie lehrt, wie man aus wahrscheinlichen Prämissen, deren Wahrheit also vorausgesetzt wird, schließt.

[196] Dies je ein Beispiel für Reduktion des verneinenden Schlusses in der 1. auf die 2. Figur.

[197] Von den Schlüssen der 2. Figur werden die beiden allgemeinen auf die 1. zurückgeführt: Cesare durch Umkehrung des Obersatzes, Camestres durch Umkehrung des Untersatzes, Umstellung der Prämissen und Umkehrung des Schlußsatzes, vgl. Kap. 5, Abs. 3–5. Von den beiden partikulären Schlüssen wird Festino auf Ferio durch Umkehrung des Obersatzes zurückgeführt, vgl. Kap. 5, Abs. 9. Barocco kann auf die 1. Figur nicht durch Umkehrung zurückgeführt werden. Denn der partikulär verneinende Untersatz läßt sich überhaupt nicht umkehren, und der Obersatz nur in einen partikulären Satz; zwei partikuläre Sätze ergeben aber keinen Schluß.

[198] Eine Schwierigkeit könnte Disamis bereiten, sofern man den Obersatz umkehren muß. Aber weil man die Prämissen umstellen muß, wird dieser zum Untersatz, vgl. Anm. 40.

[199] +Maier+ macht in dankenswerter Weise darauf aufmerksam, daß auf diesen Beweis für den bejahenden Charakter der Sätze mit unbestimmtem Prädikat in Kap. 3 Ende, Zeile 25 b 24, im voraus hingewiesen worden ist, Syllogistik II a 27 und Anm. 1, sowie S. 324 Anm. 1.

[200] Etwas kann nicht zugleich A (weiß) und C (nichtweiß) sein, und etwas kann zugleich B (nichtweiß) und D (kein nichtweißes) sein, weil B und D reine Negationen sind. Besser ist vielleicht folgendes Beispiel: B = kein weißes Holz, D = kein nichtweißes Holz. So kann B und D zugleich Prädikat von Mensch sein.

[201] Wenn es schwarze und weiße Menschen oder Tiere gibt, so gilt: nicht alle sind oder nicht jeder oder jedes ist weiß, aber nicht: alle sind oder jeder oder jedes ist nichtweiß, woraus wieder erhellt, daß diese Aussagen verschieden sind.

[202] Die drei angeführten Modi sind Celarent in der 1. und Cesare und Camestres in der 2. Figur.

[203] Bisher ist in diesem Kapitel gezeigt worden, wie sich die bejahenden Sätze mit unbestimmtem und die verneinenden mit bestimmtem Prädikat, oder einfacher die unbestimmten Bejahungen und die bestimmten Verneinungen, logisch folgen. Jetzt werden hieraus vier Regeln für die Folgerungen abgeleitet, die sich bei der Bejahung oder der Verneinung des logischen Antecedens oder Consequens ergeben. Erste Regel: wenn sich etwas wie Antecedens und Consequens verhält, so folgt auf das Contradictorium des Consequens das Contradictorium des Antecedens. Z. B. weil auf C (Mensch) A (animalisches Wesen) folgt, so folgt auf B (nichtanimalisch) D (Nichtmensch). Zweite Regel: wenn sich etwas wie Antecedens und Consequens verhält, ohne sich umkehren zu lassen, so folgt auf das Contradictorium des Consequens das Contradictorium des Antecedens ohne Möglichkeit der Umkehrung: was Mensch ist, ist Sinnenwesen, aber was Sinnenwesen ist, ist nicht Mensch; also ist zwar was kein Sinnenwesen ist, kein Mensch, aber von dem, was kein Mensch oder was Nichtmensch ist, braucht nicht zu gelten, daß es kein Sinnenwesen oder daß es Nichtsinnenwesen ist. Dritte Regel: das Consequens kann zugleich mit dem Kontradiktorium des nicht umkehrbaren Antecedens bestehen: Sinnenwesen folgt auf Mensch, nicht umgekehrt, deshalb kann dasselbe zugleich Sinnenwesen und Nichtmensch sein. Vierte Regel: das Antecedens kann nicht mit dem Kontradiktorium des Consequens verbunden werden: dasselbe kann nicht Mensch und nichtanimalisch sein. Diese vier Regeln werden in den folgenden vier Absätzen bewiesen, die 2. an 4. Stelle.

[204] Das ist die Lösung eines sophistischen Einwurfs gegen die eben bewiesene 2. Regel, nach der auf das Contradiktorium B des Antecedens (nichtsinnlich) das Contradictorium D des Consequens (Nichtmensch), aber nicht umgekehrt auf Nichtmensch nichtsinnlich folgt. Der Einwurf will, daß auch auf Nichtmensch nichtsinnlich folgt. Denn das gemeinsame Contradictorium von sinnlich und nichtsinnlich ist: weder sinnlich noch nichtsinnlich, und auf dieses folgt: weder Mensch noch Nichtmensch. Nun folgt aber nach der 1. Regel auf das Contradictorium des Consequens das des Antecedens, also auf das Contradictorium von weder Mensch noch Nichtmensch das von weder sinnlich noch nichtsinnlich. Contradictorium von weder Mensch noch Nichtmensch ist aber auch: nicht Mensch. Also folgt auf nicht Mensch das Contradictorium von weder sinnlich noch nichtsinnlich. Aber davon ist das Contradictorium auch: nichtsinnlich. Also folgt auf Nichtmensch nichtsinnlich. Die Lösung ist: das Contradictorium von sinnlich kann nicht sein: weder sinnlich noch nichtsinnlich. Denn Kontradiktorisches ist nicht zugleich falsch. Nun ist es aber zugleich falsch, daß die Pflanze z. B. Sinne hat und daß sie weder Sinne hat, noch nicht.

Zum zweiten Buche.

[205] Der Inhalt des 1. Buches wird nach seinen drei Teilen unterschieden. Die beiden „ferner“, ἔτι, grenzen die Teile deutlich voneinander ab. Als Inhalt des 2. Teiles wird zu verstehen gegeben die Auffindung des Mittelbegriffs bei bejahenden und verneinenden Sätzen, die zur Erörterung stehen. Das „nach jedweder Methode“ geht auf die Unterscheidungen in Kap. 28 f.

206 Das 1. Buch der 1. Analytik hat die Schlüsse gleichsam in ihrer Entstehung verfolgt, das 2. untersucht die schon errichteten Schlüsse nach ihrer Tragweite und ihren Mängeln und führt gewisse Begründungen auf den Schluß zurück. Die Tragweite der Schlüsse besteht zunächst darin, daß +ein+ Schluß mehrere Schlußsätze ergeben kann. Aristoteles geht in diesem Absatz ohne weiteres daran, dieses zu erklären.

[207] Das gilt nicht nur für die bejahenden, sondern auch für die verneinenden Konklusionen. Der Satz: kein Mensch ist ohne Gebrechen, sagt etwas anderes aus als der Satz: viele Menschen sind nicht ohne Gebrechen.

[208] Die zwei ersten Modi der 1. Figur ergeben virtuell, daß man den Oberbegriff auch in bezug auf alles, bejahend oder verneinend, erschließen kann, was unter den Mittelbegriff und den Unterbegriff fällt. Hat man z. B. von allem Lebenden durch den Mittelbegriff Körper als Prädikat Substanz erschlossen -- der Schluß lautet: jeder Körper ist Substanz; jedes Lebende ist ein Körper; also ist jedes Lebende Substanz. Das Beispiel ist mangelhaft; weil alles (auf Erden) Lebende nicht ein Körper ist, sondern einen Körper hat --, so folgt, daß auch jeder Stein, weil er unter Körper, und jeder Mensch, weil er unter lebend fällt, Substanz ist. Wenn man ebenso sagt: kein Lebendes ein Stein, alles Animalische lebend, also kein Animalisches ein Stein, so ist damit virtuell auch gesagt, daß keine Pflanze und kein Mensch ein Stein ist, da Pflanze unter lebend fällt und Mensch unter animalisch.

[209] Wenn es heißt: man kann in der 2. Figur nur auf das schließen, was unter die Konklusion fällt, so ist mit Konklusion selbstverständlich das Subjekt derselben gemeint. -- Daß das Prädikat allem, was unter den Mittelbegriff fällt, nicht zukommen kann, ist zwar wahr, folgt aber nur, wenn man den Obersatz des ursprünglichen Schlusses umkehrt.