Kurzgefaßte Deutsche Stilistik

Part 10

Chapter 103,405 wordsPublic domain

Die meisten der genannten Verben werden gegenwärtig jedoch nur in dichterischer Sprache noch mit dem Genitiv verbunden, in prosaischer Sprache werden sie zum größten Teile transitiv gebraucht und regieren den Akkusativ, oder sie bleiben auch da intransitiv und nehmen ein präpositionales Objekt zu sich. So sagt man gewöhnlich: auf etwas achten, eine Sache begehren, brauchen, an etwas gedenken, eine Sache entbehren, erwähnen, fehlen, genießen, gewahren, auf etwas harren, eine Sache hüten, über etwas lachen, es mangelt mir an etwas, über etwas spotten, eine Sache schonen, sparen, vergessen, wahren, wahrnehmen, über etwas walten, auf etwas warten, einen Kranken +warten+ (d. i. pflegen). +Pflegen+ wird nur in den Wendungen: +des Rates, des Umgangs, der Ruhe pflegen+ mit dem Genitiv verbunden, sonst mit dem Akkusativ, z. B. einen Kranken pflegen (vgl. I, 169). -- Auch +bedürfen+ kann mit dem Akkusativ verbunden werden.

~b~) Viele +transitive Verben+ haben neben dem +Akkusativ der Person+ einen +Genitiv der Sache+ bei sich (vgl. S. 73), z. B.: ich +klage dich eines Verbrechens an+, ich +beraube dich einer Sache+, ich +belehre dich eines Besseren+ (sonst gewöhnlich: einen +über etwas+ belehren), er +beschuldigt+ ihn +eines Verbrechens+, er +entbindet+ mich +meines Versprechens+ (oder: von meinem Versprechen), er +entblößte ihn aller seiner Habe+, er +enthob+ mich +aller Sorgen+, man +entkleidete+ ihn +seiner Würde+, man +entließ+ ihn +seines Amtes+ (oder: aus seinem Amte), man +entledigte+ ihn +seines Gepäcks+, man +entsetzte+ ihn +des Amtes+, man +entwöhnte+ ihn +aller Furcht+, das +gemahnt+ mich +vergangener Zeiten+ (oder: an vergangene Zeiten), man +sprach+ ihn +des Mordes los+ (gewöhnlich von dem Morde), er +mahnt+ mich +meines Versprechens+ (oder: an mein Versprechen), man +überführte+ ihn +des Verbrechens+, er +überhob+ mich +aller Sorge+, er +überwies+ mich +eines Fehlers+, er +versicherte+ mich +seiner Dankbarkeit+, er +würdigte+ mich +keines Wortes+, er +zeiht+ mich +einer Sünde+.

~c~) Einige +unpersönlich gebrauchte+ Verben regieren neben dem +Akkusativ der Person einen Genitiv der Sache+, z. B.: Mich +erbarmt dieses Unglücklichen+, mich +reut dieses+ schlimmen +Handels+, ihn +jammerte des Volkes+, es +verdrießt mich der Mühe nicht+, es +lohnt+ sich +der Mühe+. Gewöhnlich konstruiert man jedoch die Ausdrücke persönlich (mit Ausnahme von +sich lohnen+, das am besten immer mit dem Genitiv verbunden wird) und setzt also statt des Genitivs den +Nominativ+, z. B.: +Dieser+ traurige +Zustand+ erbarmt mich, +das Volk+ jammert mich, +der Weg+ verdrießt mich, +dieser+ unüberlegte +Schritt+ reut mich. Neben: „Mich gelüstet +einer Sache+“ sagt man gewöhnlich: „Mich gelüstet +nach+ einer Sache.“

~d~) Viele +reflexive+ Verben regieren den Genitiv, z. B.: sich +einer Sache+ anmaßen (gewöhnlich: sich +eine Sache+ anmaßen), +sich jemandes annehmen+, +sich einer Sache bedienen+, +sich einer Sache befleißigen+, +begeben+, +bemächtigen+, +bemeistern+, +bescheiden+, sich einer Sache +entäußern+, +enthalten+, +entschlagen+, +entsinnen+, +erbarmen+ (gewöhnlich: sich +über etwas+ erbarmen), sich einer +Sache erdreisten+, +erfrechen+, +erfreuen+ (oder: sich +an etwas+ erfreuen), +erinnern+, +erkühnen+, +erledigen+, +erwehren+, +freuen+, +getrösten+, +rühmen+, +schämen+, +unterfangen+, +vergewissern+, +vermessen+, +versehen+, +versichern+, +weigern+, +verwundern+ (gewöhnlich: sich +über etwas+ wundern). Einige Reflexiva werden nur noch in formelhaften Wendungen mit dem Genitiv verbunden, z. B.: sich +eines Besseren+ besinnen, sich +Rats+ erholen, sich +seiner Haut+ wehren u. a.

~e~) Statt des Genitivs gebraucht man gewöhnlich +Präpositionen+ bei folgenden Verben:

+An+ mit dem +Dativ+ bei: mangeln, sich erfreuen, z. B.: Du ließest es +an+ +gutem Rat+ nicht mangeln. Ich erfreue mich +an dem Grün+ der Wiesen.

+An+ mit dem +Akkusativ+ bei: denken, gedenken, sich erinnern, gemahnen, mahnen, z. B.: Denke +an die vergangene Zeit+! Erinnere dich +an dein Versprechen+. Das gemahnt mich +an die alte Freundschaft+.

+Auf+ mit dem +Akkusativ+ bei: achten, harren, warten, sich besinnen. Ich achte +auf diese Erscheinung+, harre, warte +auf dich+ usw.

+Nach+ bei: verlangen, es gelüstet mich. Auch +begehren+, das meist mit dem Akkusativ verbunden wird (vgl. S. 78), regiert in der Bedeutung: „sehnend verlangen“ ein präpositionales Objekt, das durch +nach+ angeknüpft wird.

+Über+ mit dem +Akkusativ+ bei: walten, lachen, spotten, belehren, sich erbarmen, sich freuen, sich wundern.

+Von+ bei: entbinden, entblößen, entledigen, entsetzen, entwöhnen, sich enthalten. +Überzeugen+, das früher auch mit dem Genitiv verbunden wurde, wird jetzt nur noch mit einem präpositionalen Objekte verbunden: einen +von etwas+ überzeugen.

Bei anderen Verben bedient man sich in der prosaischen Rede statt des +Genitivs+ einer Umschreibung durch den +Infinitiv mit zu+, z. B.: Er erdreistet, erfrecht, erkühnt sich +zu kommen+. Er vermißt sich, das Werk +zu vollbringen+; er unterfängt, unterwindet sich, mit ihm +zu reden+; er weigert sich +zu gehen+ usw. Die Verben +sich entblöden+[30] und +sich unterstehen+, die früher auch mit dem Genitiv verbunden wurden, lassen gegenwärtig nur noch die angegebene Konstruktion zu, z. B.: Du solltest +dich entblöden+ (d. i. dich scheuen, schämen), aus diesem Ton +zu reden+. +Wieland.+ Ich werd’ mich unterstehen, euch +das zu wehren+. +Schiller.+ In der Frage: „+Was+ unterstehst du dich?“ ist der Akkusativ an die Stelle des älteren Genitivs getreten: „+Wes+ unterstehst +du dich+?“ Ebenso in: +Das+ (früher: des) unterstehst du dich!

~f~) Über den +prädikativen Genitiv+, der mit dem +Objektsgenitiv+ nicht verwechselt werden darf, vgl. I, 183 Anm. 1.

4. Verben mit schwankender Rektion.

+angehen+ (in der Bedeutung: +betreffen+) ist mit dem +Akkusativ+, nicht mit dem Dativ zu verbinden. Das geht +dich+ (nicht: +dir+) nichts an. Unrichtig sagt also +Fichte+: Das geht +dem Weibe+ nichts an.

+ankommen+ (in der Bedeutung: +befallen+) regiert den +Akkusativ+, z. B.: Es wird +dich+ Angst ankommen. +Luther.+ Da kam +mich+ Furcht und Zittern an. +Luther.+ Doch kommt +mich+ bald die Lust zu schreiben wieder an. +Opitz.+ Doch hat sich neben dem Akkusativ allmählich auch der +Dativ+ eingebürgert; dieser findet sich bei +Goethe+, +Schiller+, +Herder+, +Bürger+ u. a. Man kann daher auch sagen: +Mir+ kommt ein Grauen an.

+ankommen+ (in der Bedeutung: +werden+, verbunden mit Adverbien) regiert den +Dativ+, z. B.: es kommt +mir+ sauer an (d. i.: es +wird+ mir sauer), es kommt mir +leicht+, +schwer+, +hart+ an.

+anwandeln+ regiert den +Akkusativ+: Was wandelte +den Ritter+ an? +Schiller.+ -- Es schien +ihn+ gleich nur anzuwandeln, mit dieser Dirne geradehin zu handeln. +Goethe.+ Mich wandelt Furcht, Angst, eine Schwäche usw. an. -- Neben dem Akkusativ findet sich wie bei +ankommen+ auch der Dativ, z. B.: Wenn +ihr+ nur nicht ein unzeitiger Appetit anwandelt. +Weiße.+ -- Es wandelte +ihr+ plötzlich eine kleine Schwachheit an. +Lessing.+ -- Namentlich in den Formen, die mit +sein+ gebildet werden, wird der +Dativ+ gebraucht: Ich weiß nicht, was +ihm+ angewandelt ist. Doch kann man auch hier sagen: Ich weiß nicht, was +ihn+ angewandelt ist.[31]

+anfechten+ ist nur mit dem Akkusativ zu verbinden. Was ficht +dich an+?

+sich anmaßen+ wird mit dem +Dativ der Person+ und +Akkusativ der Sache+ verbunden, z. B.: Ich maße +mir ein Vorrecht+ an. -- Doch findet sich in dichterischer Sprache auch der +Akkusativ der Person+ und der +Genitiv der Sache+, z. B.: Nicht unwürdig hab’ ich +mich des Bundes angemaßt+ mit deiner Tochter. +Schiller.+ Der Konstruktion mit dem +Dativ+ ist der Vorzug zu geben.

+anliegen+ ist nur mit dem +Dativ+ zu verbinden, z. B.: Lag sie +mir+ an mit unabläss’gem Flehn. +Schiller.+ Der Akkusativ, der sich bei Lessing, Klopstock, Jean Paul, Putlitz u. a. findet, ist +unrichtig+ und nicht zu gestatten.

+begegnen+ regiert nur den +Dativ+ und wird mit +sein+ konjugiert, z. B.: Ich +bin dir+ begegnet. Andere Konstruktionen, die bei +Lessing+, +Schiller+ u. a. sich finden, sind nicht gut zu heißen.

+belieben+ wird gewöhnlich unpersönlich konstruiert, z. B.: +es beliebte dir+, nicht zu kommen. Doch ist auch die persönliche Konstruktion nicht ungebräuchlich: +Du beliebtest+ nicht zu kommen. Beide Konstruktionen sind statthaft.

+bedeuten+ (in dem Sinne von: belehren, unterweisen) wird mit dem +Akkusativ+ verbunden, z. B.: Therese bedeutete +den Verwalter+ in allem; sie konnte ihm von jeder Kleinigkeit Rechenschaft geben. +Goethe.+ -- In dem Sinne: „zu verstehen geben“ regiert +bedeuten+ den +Dativ+, z. B.: er ließ +mir+ bedeuten, daß ich schweigen sollte.

+beneiden+ regiert den Akkusativ: einen beneiden, einen um etwas beneiden. +Um dies Vergnügen+ muß +mich+ ein Prinz beneiden. +Gellert.+ -- Früher wurde +beneiden+ zuweilen auch mit dem Dativ der Person und dem Akkusativ der Sache verbunden, z. B.: Die ganze Welt wird +dir dein Glück+ beneiden. Ich beneide +ihm diese Lobsprüche+ nicht. +Lessing.+ Diese Konstruktion ist veraltet.

+betten+ (d. i. ein Bett machen, eine Schlafstätte bereiten) regierte ursprünglich den +Dativ+. Stehe auf und bette +dir+ selber. Apostelgesch. 9, 34. -- Seit Goethe hat sich dagegen der +Akkusativ+ eingebürgert, so daß +betten+ so viel heißt wie: +zu Bett legen+, z. B.: Du bettest +dich+ auf Stroh, man hat +ihn+ schlecht gebettet usw. Beide Kasus sind statthaft.

+bezahlen+ wird entweder bloß mit dem +Akkusativ der Person+ verbunden, z. B.: ich bezahle +dich+ noch heute, oder mit dem +Dativ der Person+ und dem +Akkusativ der Sache+, z. B.: ich bezahle +meine Schuld+, ich +bezahle dir meine Schuld+.

+dünken+ (deuchte, gedeucht, vgl. I, 167) regiert den Akkusativ: +Mich+ dünkt. Der Dativ ist zu verwerfen.

+ekeln.+ Man sagt entweder unpersönlich: +Mir+ (besser als: +mich+) ekelt vor einer Sache; oder reflexiv: +Ich ekle mich+ vor einer Sache; zuweilen kommt auch die Konstruktion vor: Die Sache +ekelt+ mich (gewöhnlich: Die Sache +ekelt+ mich +an+).

+gelten+ (in der Bedeutung: betreffen, auf etwas gerichtet sein, etwas zum Ziele haben) wird mit dem Dativ verbunden, z. B.: Der Anschlag galt +deinem Leben+, die Kugel galt +dir+ usw. Wird dagegen +gelten+ unpersönlich gebraucht in der Bedeutung: es kommt an auf --, oder: es steht auf dem Spiele, so tritt die +Sache+, auf die es ankommt oder die auf dem Spiele steht, in den Akkusativ, z. B.: es gilt dein Leben, dein Vermögen, einen festen Entschluß, einen harten Kampf, eine rasche Entscheidung usw.

+getrauen.+ Man sagt besser: „Ich getraue oder traue +mich+, etwas zu tun“, als: ich getraue +mir+, etwas zu tun.

+helfen+ wird mit dem +Dativ+ verbunden. Dein Glaube hat +dir+ geholfen. +Luther.+ -- Früher wurde es mit dem +Dativ+ nur in der Bedeutung: „beistehen, Hilfe leisten“ verbunden, dagegen in der Bedeutung: „fördern, weiter bringen“ mit dem +Akkusativ+. Was hilft +dich’s+, daß du in Ägypten zeuchst? +Luther.+ All mein Wirken und Schonen hilft +mich+ nichts. +Goethe.+ Doch ist auch in dieser zweiten Bedeutung jetzt nur der +Dativ+ üblich, z. B.: Das hilft +dir+ alles nichts.

+kleiden+ regiert nur den +Akkusativ+, auch in der Bedeutung: passen, stehen. Also: Dieser Hut kleidet +dich+ (nicht: dir) gut.

+kosten+ (in der Bedeutung: zu stehen kommen) kann sowohl mit dem +Dativ+, als auch mit dem +Akkusativ+ verbunden werden: Dieses Werk hat +mir+ oder +mich+ viel Anstrengung gekostet, das Fest kostet +ihm+ oder +ihn+ viel Geld. Es kostet +mich+ viel Zeit. +Lessing.+ Es kostet +dir+ ein einzig Wort. +Schiller.+ Diese Tat kostet +ihm+ oder +ihn+ das Leben. -- Ebenso wird: +zu stehen kommen+ mit dem +Dativ+ oder +Akkusativ+ verbunden, z. B.: Diese Erkenntnis kommt +ihm+ oder +ihn+ teuer zu stehen.

+liebkosen+ regiert ursprünglich den +Dativ+: Der Vater liebkost +dem Knaben+, ebenso in passivischer Form: +Dem+ Knaben wird von dem Vater geliebkost. Der Gebrauch hat aber das Verbum in ein +transitives+ verwandelt und gibt dem +Akkusativ+ den Vorzug: Der Vater liebkost +den Knaben+ und: +Der Knabe+ wird von dem Vater geliebkost. Da sich der Akkusativ einmal eingebürgert hat, sind beide Kasus zu gestatten.

+lohnen+ regiert den +Dativ der Person+ und den +Akkusativ der Sache+, z. B.: Er +hat mir meine Dienste+ übel gelohnt. -- Es wird jedoch auch bloß mit dem +Dativ der Person+ oder +der Sache+ (die dann personifiziert erscheint) verbunden, z. B.: +Ihm+ lohnt der Ton, der aus der Kehle dringt. +Chamisso.+ Gott lohnt +dem Fleiße+. -- Ferner kann +lohnen+ auch bloß den +Akkusativ der Sache+ oder +der Person+ regieren, z. B.: Der Erfolg lohnt +die Mühe+, +den Fleiß+ nicht. Wer hohen Muts sich rühmen kann, +den+ lohnt nicht Gold, +den+ lohnt Gesang. +Bürger.+ -- Das unpersönliche: +es lohnt+ oder +es lohnt sich+ dagegen wird mit dem +Genitiv+ verbunden, z. B.: es lohnt +der Mühe+, es lohnt (oder +verlohnt+) sich nicht der Mühe.

+nachahmen+ regiert den +Dativ der Person+ und den +Akkusativ der Sache+: ich ahme +dir etwas+ nach. -- Es kann nun auch der bloße Dativ der Person stehen: er ahmt +dem Horaz+ nach, oder der bloße Akkusativ der Sache: er ahmt +die Oden+ des Horaz nach. -- Doch kann auch die Person in den Akkusativ treten, und hier gilt folgende Regel: Bedeutet +nachahmen+ so viel wie: „einem Vorbilde nachstreben“, so wird es mit dem +Dativ+ verbunden, z. B.: das Kind +ahmt dem Vater+ nach, er ahmt +den+ größten +Dichtern+ nach usw.; heißt es aber so viel wie: „nachbilden, kopieren“, so regiert es den +Akkusativ+, z. B.: der Schauspieler ahmt auf der Bühne täuschend +einen Kranken+, +einen Dichter+, +einen Franzosen+ usw. nach. „Er ahme +ihnen+ (den Menschen), aber nicht wie jener amerikanische Vogel, der die +Stimme+ anderer Vögel nachahmt, unverständig und knechtisch nach.“ +Herder.+

+nachsuchen ist intransitiv.+ Man sagt: ich suche +um etwas+ nach. Doch findet sich +nachsuchen+ auch transitiv gebraucht: ich suche +etwas+ nach. Dem +intransitiven+ Gebrauche ist aber der Vorzug zu geben.

+rufen+ kann mit dem +Dativ+ oder +Akkusativ+ der Person verbunden werden. Mit dem +Dativ+ heißt es: +einem zurufen+, d. h. einem durch laute Stimme ein Zeichen geben, daß er aufmerke, z. B.: Der Herr rief +dem Samuel+, +dem Moses+. Wer ruft +dem Heer+ der Sterne? +Gellert.+ -- Mit dem +Akkusativ+ dagegen heißt es: +einen herbeirufen+, d. h. einem durch laute Stimme zu verstehen geben, daß er sich uns nähere, z. B.: Der Vater hat +dich+ gerufen, d. h. du sollst zu ihm kommen. Der König rief +den Sänger+ zu sich. Die Glocke ruft +dich+ zur Kirche. Die Trompete ruft +die Krieger+ zur Schlacht.

+überwiegen+ regiert den +Akkusativ+. Der Tadel überwog +das Lob+. Der +Dativ+, der auch bei einigen Schriftstellern vorkommt, ist nicht zu empfehlen.

+sich unterstehen+ regiert den +Akkusativ+ der Person. Man darf also nur sagen: Was unterstehst +du dich+? nicht: Was unterstehst du +dir+?

+sich unterziehen+ regiert vorwiegend den +Dativ+, z. B.: er unterzieht sich +dem Auftrage+, besser als: +des Auftrages+.

+versichern+ regiert entweder den +Akkusativ der Person+ und den +Genitiv der Sache+: ich versichere +dich meines Schutzes+; oder den +Dativ der Person+ und den +Akkusativ der Sache+: ich versichere +dir meinen Schutz+. Man darf also sagen: „Das versichere ich +Ihnen+“ oder: „+Dessen+ versichere ich +Sie+“, falsch aber ist es zu sagen: +Das versichere ich Sie!+ -- Wird die Sache durch einen Nebensatz ausgedrückt, so kann die Person sowohl in den +Dativ+ als auch in den +Akkusativ+ treten. Ich kann also sagen: „+Ich versichere Ihnen+, daß ich die Wahrheit sage“ und: „+Ich versichere Sie+, daß ich die Wahrheit sage.“ Im ersten Falle vertritt der Nebensatz ein +Akkusativ-+, im zweiten Falle ein +Genitivobjekt+. -- In der Form: „+Ich bin versichert+“ nimmt das Wort den +Genitiv+ zu sich: Ich bin +deines Schutzes+ versichert, sei +meines Beistandes+ versichert. Der Genitiv kann hier jedoch auch durch die Präposition +von+ umschrieben werden: Du kannst +von der Wahrheit+ meiner Aussage versichert sein.

+sich zeigen.+ Der prädikative Zusatz mit +als+, der zu diesem Verbum zu treten pflegt, kann sowohl im +Nominativ+, als auch im +Akkusativ+ stehen; doch ergibt sich dabei ein Unterschied der Bedeutung: +sich zeigen+ mit dem +Nominativ+ heißt: „in die Erscheinung treten“, und zwar wird dadurch das +Unabsichtliche+ hervorgehoben; +sich zeigen+ mit dem +Akkusativ+ dagegen heißt: „in die Erscheinung treten lassen“, und zwar wird dabei das +Absichtliche+ betont. Demnach unterscheide man: er zeigte sich +als Held+ (der er war), und er zeigte sich +als Helden+ (für den man ihn bis dahin nicht gehalten hatte, oder: als den er sich erweisen wollte). In derselben Weise wechseln in der Konstruktion die Verben: +sich erweisen+, +sich ankündigen+, +sich darstellen+, +sich empfehlen+, +sich beweisen+ u. a. Er erweist sich +als mein Freund+, er erweist sich +als meinen Freund+ usw.

~B.~ Rektion der Verbalsubstantive.

Die Verbalsubstantive, die von einem +transitiven+ Verbum gebildet werden, regieren den +Genitiv+. Der Akkusativ, mit dem die transitiven Verben verbunden werden, verwandelt sich also in den +Genitiv+, z. B.: +eine Stadt+ erbauen: die Erbauung +der Stadt+; +eine Burg+ erobern: die Eroberung +der Burg+; +ein Denkmal+ errichten: die Errichtung +eines Denkmals+. Man nennt diesen Genitiv den +~Genitivus objectivus~+, zum Unterschiede von dem +~Genitivus subjectivus~+; der letztere bezeichnet die Person oder Sache, der etwas gehört, an der sich etwas befindet, oder von der etwas ausgeht, z. B.: das Haus +meines Freundes+, die Früchte +des Baumes+, die Heldentaten +Siegfrieds+.

Zu den +Verbalsubstantiven+, die von +intransitiven+ Verben gebildet werden, tritt das +Genitiv- oder Dativobjekt+ des Verbums in der Regel +nicht im Genitiv oder Dativ+ hinzu, sondern es wird durch eine +Präposition+ angeknüpft, z. B.: er erinnerte sich vergangener Stunden: die Erinnerung +an vergangene Stunden+; er gehorchte +dem Gesetze+: der Gehorsam +gegen das Gesetz+; er stimmte +meinem Vorschlage zu+: +die Zustimmung zu meinem Vorschlage+; er zürnte +dem Freunde+: der +Zorn gegen den Freund+ usw. -- Diejenigen Verbalsubstantive natürlich, die von Verben stammen, die auch transitiv gebraucht werden (wie hauptsächlich die Verben, die außer dem +Genitiv+ auch den +Akkusativ+ regieren, vgl. S. 78), können das Objekt auch im +Genitiv+ zu sich nehmen, z. B.: das Bedürfnis +der Ruhe+, die Erwähnung +dieses Vorfalls+, der Genuß +geistiger Getränke+, die Wahrnehmung +dieser Zustände+, die Entbehrung +des Notwendigsten+ usw. Nach Maßgabe dieser Bildungen hat man auch das Wort +Erinnerung+ mit dem +Genitiv+ verbunden, z. B.: die Erinnerung vergangener Zeiten, die Erinnerung jener Stunden usw.[32] -- Im übrigen aber ist die Regel festzuhalten, daß ein +objektiver Genitiv+ nur zu solchen Verbalsubstantiven treten kann, die von +transitiven+ Verben gebildet sind.

+Anmerkung.+ Wenn zu Verbalsubstantiven, die von intransitiven Verben stammen, ein +Genitiv+ tritt, so ist dies ein +subjektiver+, nicht aber ein +objektiver Genitiv+, z. B.: der Zorn +des Freundes+, d. i. der Zorn, den der Freund empfindet (nicht: der Zorn +gegen+ den Freund), der Gehorsam +des Soldaten+ (d. i. der Gehorsam, den der Soldat zeigt) usw.

~C.~ Rektion der Adjektive.

1. Adjektive, die den Dativ regieren.

Mit dem Dativ werden verbunden die Adjektive: einem +ähnlich+ sein, einem +abtrünnig+ werden, einem angeboren sein, angehörig, angelegen, angemessen, angenehm, anstößig, bedenklich, begreiflich, behaglich, behilflich, bekannt, bequem, beschieden, beschwerlich, bewußt, böse, dankbar, dienstbar, dienlich, deutlich, eigen, eigentümlich, ergeben, entbehrlich, erfreulich, erinnerlich, erklärlich, ersprießlich, feil, feind, fremd, furchtbar, fürchterlich, gefährlich, gehorsam, geläufig, gemäß, gemeinsam, genehm, gesund, getreu, geneigt, gewogen, gewachsen, gleich, gleichgültig, gnädig, gram, günstig, heilsam, hold, abhold, hinderlich, kund, lästig, leicht, leid, lieb, möglich, nachteilig, nahe, nötig (not), nützlich (nütze), peinlich, recht, schädlich, schmerzlich, schrecklich, schuldig, teuer, treu, tröstlich, überlegen, verantwortlich, verbunden, verderblich, verhaßt, verwandt, wichtig, widrig, widerwärtig, willkommen, zugänglich, zugehörig u. a. Namentlich auch viele Adjektive, die mit der Vorsilbe +un+- gebildet werden, gehören hierher, z. B.: unangenehm, unähnlich, unbegreiflich, unbehaglich, unvergeßlich usw.

Oft wird das +Dativobjekt+ durch eine Präposition umschrieben, z. B.: er ist böse +auf mich+ (statt: er ist +mir+ böse); es ist gefährlich, schrecklich, schmerzlich, verderblich, notwendig usw. +für mich+.

+Anmerkung.+ Wenn ich die Wörtchen +zu+, +allzu+, +genug+ zu einem Adjektivum setze, so kann ich mit jedem Adjektivum den Dativ verbinden, z. B.: Das ist +mir zu hoch+, +zu schwer+, +allzugewöhnlich+; das ist +ihm+ nicht gut +genug+ usw.

2. Adjektive, die den Genitiv regieren.

Mit dem +Genitiv+ werden verbunden die Adjektive: ansichtig, bar (aller Freuden bar), bedürftig, benötigt, bewußt, eingedenk, fähig, froh, gedenk, geständig, gewahr, gewärtig, gewiß, gewohnt, habhaft, kundig, ledig, leer, los, mächtig, müde, quitt, satt, schuldig, sicher, teilhaftig, überdrüssig, verdächtig, verlustig, voll, wert, würdig, und die mit +un-+ gebildeten Verneinungen dieser Adjektive, soweit sie sich bilden lassen, z. B.: unbewußt, uneingedenk, unkundig u. a. -- Manche werden nur noch in bestimmten formelhaften Wendungen mit dem Genitiv verbunden, z. B.: +Handels einig+, Handels +eins+, eitler Ehre +geizig+. -- Statt des +Genitivs+ gebraucht man auch Präpositionen, z. B.: +froh über etwas+ (statt: einer Sache froh), voll, leer, ledig, +los von etwas+ usw.

Wenn man sagt: ich bin es müde, satt, gewiß, wert, geständig, bedürftig usw., so ist dieses es nicht der Akkusativ, wie ältere Grammatiker angenommen haben, sondern der +Genitiv+. Ursprünglich heißt nämlich der Genitiv Sing. des Pronomens der dritten Person (für das männliche und sächliche Geschlecht) ~ës~ (got. ~is~). An die Stelle des alten ursprünglichen Genitivs trat später der Genitiv des reflexiven Pronomens ~sîn~ (d. i. sein, seiner). Der alte Genitiv +es+ wurde dadurch verdrängt, erhielt sich aber noch in einzelnen Wendungen. Zu diesen gehören die oben angeführten, sowie die Ausdrücke: er hat +es+ sich unterstanden; du wirst mir +es+ dank wissen; er will +es+ nicht Wort haben; ehe er +es+ sich versah; wir haben ~es~ nicht Ursache; wir sind +es+ nicht gewohnt usw.

+Anmerkung.+ In Wendungen wie: +keinen Pfennig+ wert, +einen Taler+ wert, +einen Groschen+ schuldig u. ähnl. ist der +Akkusativ+ nicht ein von den Adjektiven +wert+, +schuldig+ usw. regiertes Objekt, sondern ein +adverbialer Akkusativ des Wertes+, vgl. I, 189.

~D.~ Rektion der Präpositionen.

Über den Kasus, den die einzelnen Präpositionen regieren, vgl. I, S. 120-132. Hier sei nur auf einige Schwankungen im Gebrauche der Präpositionen hingewiesen:

+Unweit+, +unfern+. Diese Präpositionen werden am besten immer mit dem +Genitiv+ verbunden. Der Dativ, der sich auch findet (z. B. bei Schiller, Grimm u. a.), ist nicht zu empfehlen.