Kulturgeschichte der Nutztiere

Part 78

Chapter 783,463 wordsPublic domain

Von jeher hat der Mensch, wie wir schon in der Einleitung dieses Buches bemerkten, jung eingefangene und sich dann leichter an seine Gesellschaft gewöhnende Tiere zu keinem andern Zweck als zu seiner und der Seinen Unterhaltung in seinen Niederlassungen gehalten. Alteingefangene Männchen von solchen Tierarten, die als eifersüchtige Nebenbuhler gern miteinander kämpfen, ließ er zu seiner Belustigung gegeneinander los und freute sich, wenn sie sich recht zerzausten. Nach Überwindung des kommunistischen Urzustandes und der Erwerbung von Besitz ging er mit seinen Genossen Wetten ein, setzte für den Gewinnenden Preise aus und erhob das Spiel zum Sport. Die Wetten bildeten später einen Hauptzweck solcher Tierkämpfe, seien die Ausübenden Grillen, Wachteln, Hähne, Gänse oder Widder. Mit der Verrohung der Massen bei durch zahlreiche Kriege an Blutvergießen gewöhnten Stämmen hatten solche Kämpfe nur Reiz, wenn sie blutig endeten und wenn möglich, auf Leben und Tod gingen. So hefteten die Malaien ihren Kampfhähnen haarscharf geschliffene Stahlklingen an ihre Sporne, mit denen sich die Duellanten sehr oft gegenseitig erstachen.

Im alten Rom wurden diese blutigen Tierkämpfe zu Massenabschlachtungen gesteigert, in denen selbst Menschen auftraten, um miteinander zu kämpfen und sich nach dem Willen des Pöbels abzustechen. Es sind dies die bekannten ~Gladiatorenkämpfe~, die aus Fechterspielen bei Gelegenheit des Begräbnisses hervorragender Männer hervorgingen, wie sie zuerst die Etrusker und dann auch die Römer in jenen Zeiten ausübten, als auf dem Forum bei der Bestattung eines Feldherrn die Kriegsgefangenen, die er erbeutet, zu Ehren des Totengeistes des Verstorbenen auf Tod und Leben miteinander kämpfen mußten. Vielfach ließ man auch an solchen Leichenspielen schwere Verbrecher gegenseitig an sich das Todesurteil vollziehen. Das taten diese nicht ungern; denn Seneca sagt in einer seiner Episteln, daß ein solcher lieber öffentlich kämpfend in der Arena sterbe, als daß er sich in einem geschlossenen Raum hinrichten lasse. Und zu diesem Schauspiel wurde das Volk eingeladen, wie noch im 18. und 19. Jahrhundert das Henken und Köpfen vor großem Publikum geschah. Wer von diesen Verurteilten brav focht und durch seine Tapferkeit Bewunderung erregte, dem wurde vom Volke durch Akklamation das Leben geschenkt. Auch viele Kriegsgefangene und mißliebige Sklaven wurden als Gladiatoren verhandelt. Gewöhnlich standen sie bei jedem Gefecht etwa hundert gegen hundert, die einen mit großen, die andern mit kleinen Schilden, die einen mit Netz und Harpune, die anderen mit Schwert oder Dolch, alle aber mit kostbaren Helmen, vielfach aus purem Silber mit Edelsteinen eingelegt, mit Pfauenfedern als Helmbusch versehen. Zum Kampf erscholl grelle Musik, um das Stöhnen und Todesröcheln der Sterbenden zu übertönen. Die Leichen wurden fortgeschafft, frischer Sand in die Blutlachen gestreut und das Volk ging befriedigt nach Hause. Die gewandten Fechter aber, denen es gelang, solche Schlachten zu überleben, wurden die Helden des Tages und Lieblinge des Publikums, wie es heute den Stierkämpfern in Spanien ergeht, und der Festgeber beschenkte sie in der Arena selbst mit Schüsseln voll blinkenden Goldes. In der Kaiserzeit waren solche Gladiatorenkämpfe bei allen festlichen Anlässen zu sehen, und bei den viermonatlichen Siegesfesten des Trajan im Jahre 107 sollen im ganzen 10000 Mann gefochten und zum größten Teil ihren Tod gefunden haben.

Für diese Massenkämpfe und die alsbald zu besprechenden Tierhetzen wurden mit ungeheuerem Aufwand luxuriöse Arenen gebaut, die möglichst die ganze freie Stadtbevölkerung aufnehmen sollten. Denn auch die Frauen erschienen zu solchen Schauspielen und brachten selbst die Kinder mit. Während sie im Zirkus mitten unter den Männern saßen, waren sie im Amphitheater von ihnen getrennt. Rom gelangte zuerst im Jahre 29 v. Chr. durch den reichen Statilius Taurus zu einem Amphitheater. Dieser Bau wurde aber durch das meist als Colosseum bezeichnete berühmte flavische Amphitheater übertroffen, das vom Kaiser Vespasian erbaut und im Jahre 80 von dessen Sohn Titus eingeweiht wurde. Es war 185 _m_ lang, 156 _m_ breit und 50 _m_ hoch, besaß 80 Portale und faßte 85000 Zuschauer. Die Arena selbst war 86 _m_ lang und konnte nebst dem Zuschauerraum mit einem etwa 180 _m_ langen Zelttuche gegen die Sonne überspannt werden. Unter ihr waren weite Hohlräume, aus denen wie durch Zauber ganze Kämpfergruppen und Scharen von wilden Tieren emporgehoben werden konnten. Auch vermochte man sie unter Wasser zu setzen, um ganze Seeschlachten darin vorzuführen. Wurde des Kaisers Anwesenheit erwartet, so erschien das ganze Publikum weiß gekleidet und bekränzt. Solche Festtage waren in Rom durchaus keine Seltenheit. Hören wir doch gelegentlich, daß es dort jährlich 175 regelmäßige Spieltage gab, die außerordentlichen bei Triumphen usw. gar nicht gerechnet. Davon entfielen 10 Tage auf die Gladiatorenkämpfe, 64 auf Wagenrennen, 101 dagegen auf das Theater, in welchem vorzugsweise operettenhafte Possen, deren Coupletmelodien man auf allen Gassen pfiff, mit allerlei Anzüglichkeiten auf stadtbekannte Personen, und zweideutige Pantomimen aufgeführt wurden. Am meisten zogen beim rohen Pöbel die Fechterspiele und Tierhetzen, bei denen Blut in Strömen floß und die Arena voller Leichen lag. Das gab eine Aufregung, wenn man seltene wilde Tiere miteinander kämpfen und sterben sah! Da füllten sich schon vor Sonnenaufgang die Zuschauerränge, um ja einen guten Platz bei solchen interessanten Tierhetzen zu erhalten. Das fesselndste dieser Schauspiele waren die eigentlichen Jagden, _venationes_ genannt, bei denen ungeheuere Mengen von wilden Tieren von besonders dazu angestellten Leuten verfolgt und erlegt wurden. So wurden in der Kaiserzeit alle größeren Tiere der damals den Römern zugänglichen Welt nicht nur in einzelnen Exemplaren, sondern gelegentlich in ganzen Scharen dem nach Unterhaltung verlangenden Volke in der Arena vorgeführt und von gut geschulten, gut bewaffneten und von starken Hunden unterstützten Jägern, die ihr Handwerk trefflich verstanden, zum Gaudium des Pöbels kunstgerecht gejagt und schließlich abgeschlachtet. Nur seltene Tierarten wurden verschont, um späterhin abermals bei solchen Jagden auftreten zu können. Hauptsächlich waren es dem Menschen gefährliche Raubtiere, die bei diesen Jagdspielen auftraten und zur Belustigung des festfeiernden Volkes getötet wurden, so vor allem Bären, Panther, Tiger, Löwen und Hyänen, seltsamerweise aber nicht der Wolf. Der mochte für jenes Vergnügen zu gemein und wegen seiner Feigheit reizlos zum Abschlachten sein. Selten kamen harmlose große Bestien wie Flußpferde und Giraffen aus dem fernen Afrika in die Arena, um dem Volke, das damals noch keine zoologischen Gärten kannte, vorgeführt zu werden. Nach Plinius zeigte Marcus Scaurus in Rom bei den Spielen, die er als Ädil gab, das erste Flußpferd nebst fünf Krokodilen, und hatte dazu einen besonderen Teich graben lassen. Nach Dio Cassius wurde bei den feierlichen Spielen, die Kaiser Augustus gab, wiederum ein Flußpferd gezeigt und erlegt. Zur Zeit Heliogabals und der Gordiane waren in Rom im Amphitheater Flußpferde zu sehen, die damals wegen der vielen Verfolgungen schon nicht mehr in Ägypten vorkamen, sondern aus dem Lande der Blemmyer im Sudan geholt werden mußten, also zweifellos sehr teuer zu stehen kamen. Nach Plinius sah man in Rom die erste Giraffe bei den Spielen, die der Diktator Cäsar gab, und seitdem öfter. Nach Flavius Vopiscus gab es zur Zeit des Aurelian mehrere Giraffen in Rom, und zwar nach Julius Capitolinus zur Zeit der Gordiane nicht weniger als zehn. Was mögen diese Tiere, die weither vom oberen Nilgebiet bezogen wurden, bei den mangelhaften Verkehrsverhältnissen jener Zeit für eine umständliche Reise hinter sich gehabt haben, bis sie dem verwöhnten Pöbel in Rom gezeigt werden konnten!

Nach dem Geschichtschreiber Dio Cassius ließ der römische Kaiser Caligula in Rom 400 Bären auf dem Kampfplatz erscheinen und mit großen Hunden und schwerbewaffneten Gladiatoren kämpfen. Und Julius Capitolinus berichtet, daß Gordian I., als er unter Caracalla und Alexander Severus Konsul war, an einem Tage in Rom 100 libysche Bestien, an einem andern 1000 Bären im Amphitheater auftreten und töten ließ. Als er zum sechsten Male Spiele gab, wurden im ganzen 200 Damhirsche, 30 wilde Pferde, 100 wilde Schafe, 10 Elche, 100 kyprische Stiere, 300 Strauße, 30 wilde Esel, 150 Wildschweine, 200 Steinböcke und ebensoviel Antilopen dem Volke preisgegeben. Und unter seinem Enkel Gordian III. (238-244) wurden einmal in Rom 32 Elefanten, 10 Elche, 10 Tiger, 60 zahme Löwen, 30 zahme Leoparden, 10 Hyänen, 1 Flußpferd, 1 Nashorn, 10 große Löwen, 10 Giraffen, 20 wilde Esel, 40 wilde Pferde und noch zahllose derartige Tiere auf die Arena geführt und bei den Jagdspielen getötet.

In seiner Biographie des Kaisers Probus (276-282) schreibt Flavius Vopiscus: „Probus gab im Zirkus ein ungeheures Jagen und überließ dem Volke die Tiere. Dabei verfuhr er so: Erst ließ er von Soldaten entwurzelte Bäume im Zirkus pflanzen und wartete ab, bis sie mit grünem Laube prangten. Als nun der Wald fertig war, wurden alle Zugänge geöffnet: Es kamen 1000 Strauße in die Arena hinein, dann 1000 Hirsche, 1000 Wildschweine, 1000 Antilopen, Steinböcke, wilde Schafe und andere graßfressende Haartiere, soviel man hatte auftreiben und füttern können. Jetzt wurde auch das Volk hereingelassen und jeder packte und behielt, was ihm beliebte. Am folgenden Tage ließ er im Amphitheater auf einmal 100 mit Mähnen prangende Löwen los, deren Gebrüll wie Donner rollte. Sie wurden sämtlich mit sarmatischen Speeren erlegt. Nach ihnen traten 100 libysche Leoparden auf, dann 100 syrische, ferner 100 Löwinnen und 300 Bären. Übrigens war das ganze Schauspiel mehr großartig als hübsch.“

Nach Plinius hat zuerst Quintus Scaevola als Ädil mehrere Löwen in Rom kämpfen lassen. Dann ließ Lucius Sulla, der spätere Diktator, als Prätor zuerst 100 alte bemähnte Löwen kämpfen, später Pompejus in der Rennbahn 600 Löwen, worunter 315 mit Mähnen, und Cäsar als Diktator 400 Löwen. Gezähmte Löwen hat nach demselben Autor zuerst Marcus Antonius, der Triumvir, vor den Wagen gespannt, und zwar nach der Schlacht bei Pharsalos, wo er von Augustus besiegt worden war. Nach Dio Cassius gab Pompejus bei der Einweihung des von ihm erbauten Theaters außer Wettrennen, Schauspielen, Konzerten und gymnastischen Spielen auch Tierhetzen im Amphitheater, wobei in der Zeit von fünf Tagen 500 Löwen erlegt wurden und 18 Elefanten mit bewaffneten Männern kämpften. Und Julius Capitolinus berichtet, daß bei Jagdspielen, die Kaiser Antoninus Pius (der Adoptivsohn Kaiser Hadrians, regierte von 138-161) gab, Elefanten, gefleckte Hyänen, Krokodile, Flußpferde, Tiger und andere Tiere aus allen Weltgegenden auftraten. Damals wurden auf einmal 100 Löwen auf den Kampfplatz gelassen.

Wie an den morgenländischen Fürstenhöfen gab es gelegentlich auch im Kaiserpalast in Rom gezähmte große Raubtiere als Begleiter der Cäsaren, wie am Schlusse des XII. Abschnittes über die Katzen berichtet wurde. Die sich als Götter fühlenden halbverrückten Kaiser, wie Caracalla (212-217) und Heliogabalus (218-223) ließen sich wie die ihnen vorschwebenden Vorbilder aus dem Olymp gelegentlich von bestimmten wilden Tieren auf ihrem Zweigespann ziehen, so ersterer von Löwen mit der Behauptung, er sei die Göttin Cybele, die man sich von Löwen gezogen vorstellte, und letzterer nach Lampridius von Tigern als angeblicher Bacchus; der Tiger war ja mit seinem buntgefleckten Fell das Leibtier jenes angeblich aus Indien nach den Mittelmeerländern gekommenen Gottes der Fruchtbarkeit und des Lebensgenusses. Älian sagt, daß unter den Geschenken, welche die Inder ihrem Könige darbringen, auch zahme Tiger seien. Aus Indien gelangten solche auch nach Westasien und in den Machtbereich des römischen Reichs. Nach Plinius hat Pompejus den ersten zahmen Tiger, den er aus Kleinasien im Jahre 63 v. Chr. mitbrachte, zu Rom in einem Käfig gezeigt. Nach ihm zeigte Claudius, der Stiefsohn des Augustus, der nach Caligulas Ermordung im Jahre 41 von den Prätorianern zum Kaiser ausgerufen wurde, deren vier zu gleicher Zeit. Afrikanische Panther durften nach einem alten Senatsbeschluß nicht nach Italien gebracht werden. Doch setzte nach Plinius der Volkstribun Cnäus Aufidius beim Volke ein Gesetz durch, wonach sie wenigstens zur Verwendung bei Jagdspielen im Amphitheater nach Rom gebracht werden durften. Scaurus habe als Ädil zuerst 150 nach Rom kommen lassen, dann Pompejus 410 und der vergötterte Augustus 420. Alle wurden bei Jagdspielen im Zirkus Maximus zur Unterhaltung des römischen Plebs getötet.

Derselbe Autor sagt, daß Pompejus zum erstenmal den nordischen Luchs bei den zirzensischen Spielen in Rom vorführte. Sein Beispiel ist späterhin kaum je nachgeahmt worden, da dieses Tier zu klein ist, um Aufsehen zu erregen, was doch der Hauptzweck dieser Tierkämpfe war. Dagegen war, wie oben geschildert, der grimmige Bär ein dankbares Objekt, das besonders in der Arena der nördlich der Alpen gelegenen Theater, die dieses Tier aus den ausgedehnten Wäldern der Umgebung sich leicht verschaffen konnten, häufig aufzutreten hatte und von Hunden gehetzt wurde und mit Menschen kämpfte. Auch dieses Tier hat sich wenigstens ein Kaiser zu seinem Liebling erwählt. Es war dies der aus Pannonien gebürtige Valentinian I. (364-375), ein sonst tüchtiger Regent und Krieger. Von ihm erzählt der Geschichtschreiber Ammianus Marcellinus: „Kaiser Valentinianus hielt sich zwei Bären, die er mit Menschenfleisch fütterte. Den einen derselben nannte er Goldkrümchen, den andern Unschuld. Diese Bestien wurden aufs allerbeste verpflegt; ihre Käfige standen neben dem Wohnzimmer des Kaisers (er residierte in Mailand) und treue Wärter mußten für ihre Wohlfahrt sorgen. Endlich ließ er die Unschuld, nachdem sie vor seinen Augen eine große Anzahl Menschen gefressen hatte, zur Belohnung dieses guten Dienstes im Walde frei.“

Zur Kurzweil der mächtigen Herren der Welt wurden in den Palästen Roms neben gezähmten Raubtieren auch zahme Affen und Papageien gehalten. Nach dem Griechen Älian war der Affe beliebt, „weil er herrlich nachahmt und allerlei Verrichtungen leicht lernt, so z. B. tanzen und die Flöte spielen. Ja, ich habe einen gesehen, der die Zügel hielt, die Peitsche schwang und kutschierte. An schlimmen Streichen läßt’s der Affe auch nicht fehlen, namentlich wenn er den Menschen nachahmen will. Beobachtet er z. B. von fern eine Amme, wie sie ein Kind badet, so paßt er auf, wo sie es dann hinlegt, schlüpft, wenn die Stube leer ist, zum Fenster hinein, holt das Kindchen aus dem Bett, legt es in die Wanne, holt siedendes Wasser vom Feuer, begießt damit das unglückliche Geschöpf und tötet es so auf eine jämmerliche Weise.

In Indien gehen die Paviane in Tierfelle gekleidet, sind gerecht, tun niemandem was zuleide, sprechen nicht, heulen aber und verstehen die Sprache der Inder. Sie fressen das Fleisch wilder Tiere, halten sich auch Ziegen und Schafe und trinken deren Milch. Zur Zeit der Ptolemäer lehrten die Ägypter den Pavian buchstabieren, auf der Flöte oder auf einem Saiteninstrument spielen. Das Tier ließ sich auch seine Mühe bezahlen und steckte, wie ein geübter Bettler, den Lohn in ein angehängtes Ränzchen. Bekommt so ein Pavian Mandeln, Eicheln, Nüsse und dergleichen, so knackt er sie auf, wirft die Schale weg und frißt den Kern. Er trinkt auch Wein und labt sich ganz gehörig an gesottenem und gebratenem Fleisch, wenn er’s bekommt. Zieht man ihm ein Kleid an, so schont er es. Hat man ein ganz junges Paviänchen, so kann es gesäugt werden wie ein Kindchen. -- Klitarchos (ein Begleiter Alexanders des Großen) erzählt, es gebe in den indischen Gebirgen so große Affen, daß Alexander samt seinem Heere nicht wenig erschrak, als er plötzlich eine Menge solcher Affen sah und sie für eine feindliche Armee hielt. Um sie zu fangen, ziehen die Jäger vor ihren Augen Schuhe an, lassen dann aber die Schuhe stehen, die aus Blei gefertigt und also schwer sind, zugleich auch Schlingen enthalten. Man erzählt auch noch allerlei andere Dinge von Affen, die für gescheite Leute recht interessant sind.“ Auch Plinius weiß allerlei Merkwürdiges von den Affen zu erzählen. Er sagt von ihnen unter anderem: „Die Affen kommen der menschlichen Gestalt am nächsten. Ihre Klugheit setzt in Erstaunen. Nach Mutianus sollen sie sogar Schach spielen und die Figuren unterscheiden lernen. Die geschwänzten Affen sollen bei abnehmendem Monde traurig sein, den Neumond aber mit Jubel begrüßen. Mond- und Sonnenfinsternisse fürchten sie gleich andern Tieren. Haben sie in der Gefangenschaft Junge bekommen, so tragen sie diese herum, zeigen sie allen und freuen sich, wenn sie liebkost werden. Meist ersticken sie die Jungen durch allzu zärtliche Umarmungen.“ Daher die noch bei uns gebräuchliche Redensart von der Affenliebe. Einst soll ein Affe auch künftiges Geschehen vorausverkündet haben, wie uns der beredte Cicero in seinem Buche über Prophezeiungen erzählt: „Als die Spartaner vor der Schlacht bei Leuktra (in Böotien südwestlich von Theben, wo 371 v. Chr. die Thebaner unter Epameinondas über die Spartaner unter Kleombrotos siegten) Gesandte nach Dodona schickten, dort den Jupiter zu fragen, ob Sieg zu hoffen sei, da prophezeite ihnen ein Affe schweres Unglück. Die Sache verhielt sich so: Als die Gesandten die Urne zurechtgestellt hatten, worin sich die Lose befanden, kam der Lieblingsaffe des Königs der Molosser und warf die Lose und alles, was zum Losen gehörte, nach allen Seiten hin auseinander. Darauf sprach die Priesterin des Jupiter die Worte: ‚Denkt nicht an Sieg, ihr Lakedaimonier, denkt nur an eure Rettung!‘“

Nach den vorhin aus den Angaben der alten Autoren mitgeteilten Tatsachen läßt sich ersehen, welch ungeheurer Verbrauch von wilden, aber auch gezähmten Tieren aus allen damals den Römern erreichbaren Weltgegenden besonders in der Hauptstadt, aber auch in den Provinzialstädten, die hinter jener nicht zurückbleiben wollten, jährlich stattfand, alles nur zur Unterhaltung und zum Vergnügen des Volkes, das in Rom ohne ernsthafte Beschäftigung, von den Machthabern gefüttert und verwöhnt, nach Brot und Zirkusspielen (_panem et circenses!_) schrie. Dort in der Hauptstadt war stets so viel los, daß der Dichter Juvenal sagen konnte: „Deshalb trauert, wer aus Rom auswandert!“

Trotz aller unbeschreiblichen Grausamkeiten, die dabei geübt wurden, ist aber doch anzuerkennen, daß die Römer mit ihren Tierhetzen zugleich auch ein unvergleichliches Kulturwerk leisteten. Wenn allein Kaiser Augustus während seiner allerdings 45jährigen Regierungszeit nicht weniger als 3500 afrikanische Tiere an den Spielen in Rom umbringen ließ, wenn bei einer einzigen Hetze des Pompejus 500 Löwen umkamen und der Betrieb so bis ins 5. Jahrhundert andauerte, so summiert sich das schließlich zu Millionen. Darunter waren weit mehr schädliche als nützliche Tiere, und zwar große Raubtiere. So geschah es, daß alle Provinzen des ausgedehnten Reiches von den großen Raubtieren, die süd- und westdeutschen Wälder von den Bären planvoll gesäubert und dadurch erst der friedlichen Kultur erschlossen wurden. Dafür sind die auf deutschem Boden ausgegrabenen Mosaikfußböden -- so beispielsweise auch das von uns wiedergegebene schöne Mosaik in Bad Kreuznach, etwa aus dem Jahre 300 n. Chr. -- denkwürdige Monumente, wenn sie uns wie dort den Bären in der Arena von Schwerbewaffneten angegriffen zeigen.

In Pompeji hat man mehrere Anschläge (_programmata_) vorgefunden, durch welche dergleichen Tierhetzen angekündigt wurden. Sie waren mit roten Buchstaben auf die geweißten Mauern der Stadttore geschrieben. Um nun immer wieder neue Anzeigen darauf schreiben zu können, wurden letztere öfters neu geweißt. Ein solches in Pompeji aufgefundenes Programm besagt: „Die Gladiatorentruppe des Ädilen Aulus Svettius Cerius wird zu Pompeji am 31. Mai (79 n. Chr.) kämpfen; es wird eine Tierhatz geben und das Amphitheater wird mit Tüchern beschattet sein (_familia gladiatoria pugnabit -- venatio et vela erunt_).“ Ein anderes zeigt folgendes an: „Die Gladiatorentruppe des Numerius Popidius Rufus wird am 29. Oktober (79) zu Pompeji kämpfen; es wird eine Tierhatz geben.“ Tücher zum Schattenspenden werden da keine erwähnt, da die Sonne im Spätherbst nicht mehr zu heiß schien, und nur für sie, nicht für etwaigen Regen, waren jene über die Arena und die Zuschauerplätze ausgespannten Tücher bestimmt. Allerdings kam diese hier angekündigte Schaustellung nicht mehr zustande, da bekanntlich jene etwa 30000 Menschen beherbergende blühende Landstadt Kampaniens im August durch einen fürchterlichen Aschenregen des Vesuvs verschüttet wurde. Bei den 1748 begonnenen, oft unterbrochenen, erst seit 1860 mit Energie wieder aufgenommenen Ausgrabungen, wobei bisher erst ein Drittel der Stadt aufgedeckt wurde, fand man am Amphitheater die sich nach der _arena_, dem Kampfplatze hin öffnenden Zwinger für die wilden Tiere nebst den für die Fechter bestimmten Räumen gut erhalten. An der Brustwehr waren noch inzwischen von der Witterung zerstörte Bilder, welche den Kampf zwischen Löwe und Pferd, Bär und Stier, Tiger und Eber vorstellten. Man fand in jenem Amphitheater eine ziemliche Menge Einlaßbilletts in Gestalt kleiner Knochenplatten, die die Nummer des betreffenden Platzes rot aufgemalt trugen.

Mit dem Verfall des Römertums hörten diese Jagdspiele auf; doch vergnügten sich die großen Herren noch im Mittelalter gelegentlich damit, in eigenen Tiergärten großgezogene Bären mit großen Doggen kämpfen zu lassen. Besonders war solches am sächsischen Hofe unter dem Kurfürsten August dem Starken (1670-1733), dem späteren König von Polen der Fall. Flemming erzählt, daß im Jahre 1630 im Schloßhofe in Dresden binnen acht Tagen drei Bärenhetzen stattfanden. In den beiden ersten mußten sieben Bären mit Hunden, im dritten aber mit großen Keilern kämpfen, von denen fünf auf dem Platze blieben. Die Bären wurden außerdem durch Schwärmer gereizt und vermittelst eines ausgestopften roten Männchens genarrt. Gewöhnlich stachen die großen Herren selbst die von den Hunden festgehaltenen Bären ab; August der Starke pflegte ihnen aber den Kopf abzuhauen. Mit der Verfeinerung der Sitten kamen aber diese rohen Schauspiele glücklicherweise allmählich ab.

Wie Gladiatoren- und Tierkämpfe, ebenso der unfeine Mimus und Pantomimus Ausflüsse des ungebildeten Römertums waren, so bildeten die Griechen die nationalen Ringkämpfe und Wettrennen, wie auch das feinere Theater aus. Hier soll nur von den Pferderennen die Rede sein. Schon bei Homer finden wir in der Ilias bei Gelegenheit der Leichenfeier von Achilleus’ Freund Patroklos ein Wagenrennen für Zweispänner veranstaltet, wobei Achilleus Starter und Richter und Phoinix Kontrolleur am Wendeposten war. Fünf namhafte Griechen fuhren bei diesem ausgesprochenen Herrenfahren, bei dem schon eifrig gewettet wurde. Als erster Preis figurierte ein Weib „kundig untadeliger Arbeiten“ und ein gehenkelter, 22 Maß fassender Dreifuß, als zweiter Preis eine 6jährige, mit einem Maultier trächtige Stute, als dritter ein neuer viermaßiger Silberkessel, als vierter zwei Talente Gold und als fünfter eine neue Doppelschale.