Kulturgeschichte der Nutztiere

Part 53

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Es ist erstaunlich, wie groß auch bei Barro die Erkenntnis in der Beurteilung der Lebensweise der Bienen ist, wenn auch er, wie Aristoteles, noch gar vielen Irrtümern huldigte, worunter auch dem, daß die Bienen aus dem Aase von Rindern, wie die Wespen aus solchem von Pferden und die Mistkäfer aus solchem von Eseln hervorgehen. Am ausführlichsten behandelt der römische Dichter Vergil die vermeintliche Entstehung der Bienen aus dem Aase von Rindvieh im 4. Buche seiner Georgica, das mit seinen 566 Versen ganz den Bienen gewidmet ist. Er sagt, daß wenn durch irgend ein Unglück der Bienenstand ausgestorben sei und man keine bevölkerten Stöcke kaufen könne, so wende man die höchst merkwürdige Kunst an, die der arkadische Hirt Aristäus erfunden habe und die noch jetzt in Ägypten mit großem Gewinn angewendet werde. Einem zweijährigen Stiere verstopfe man trotz allem Sträuben Mund und Nase und prügle ihn so lange, bis, ohne daß die Haut verletzt wird, inwendig alles zu Brei geschlagen sei. So lasse man den Kadaver ruhig liegen, nachdem man ihm Thymian und Zimt untergelegt habe. Bald komme das Innere desselben in Gärung, man sehe darin ein wunderbares Gewimmel fußloser Tiere (Maden), bis zuletzt geflügelte Bienen hervorkämen und die Menge wachse und ganze Wolken davon herumschwirren. Tatsächlich sind das aber aus Eiern entstandene Schweißfliegen und keine Bienen.

Im ganzen Altertum war die Anschauung von solcher Urzeugung gang und gäbe. Es sei hier nur an das uns allen geläufige Rätsel erinnert, das, wie im 14. Kapitel des Buches der Richter erzählt wird, vom Helden Simson bei seiner Hochzeit mit der Philisterin zu Thimnath den 30 um ihn weilenden Gesellen aufgegeben wurde, wobei er ihnen 30 Hemden und 30 Festkleider versprach, falls sie es lösen sollten. Könnten sie es aber nicht erraten, so sollten sie ihm 30 Hemden und 30 Festkleider geben. Das Rätsel lautete: „Speise ging aus von dem Fresser und Süßigkeit von dem Starken.“ Er meinte damit den Bienenschwarm im Kadaver des jungen Löwen, den er einige Tage zuvor am Wege durch die Weinberge zu Thimnath mit seinen starken Armen zerrissen hatte, „wie man ein Böcklein zerreißet“. Dieser Bienenschwarm sollte aus dem Aase des Löwen hervorgegangen sein und hatte bereits Honig gesammelt, den Simson in die Hand nahm und von dem er unterwegs aß; „und er ging zu seinem Vater und zu seiner Mutter und gab ihnen, daß sie auch aßen. Er sagte ihnen aber nicht, daß er den Honig von des Löwen Aas genommen hatte.“

Mehrfach berichten Livius in seiner Geschichte Roms und Cicero in seinem Buche _de divinatione_ von Wundern, die durch das merkwürdige Verfliegen von Bienenschwärmen angezeigt worden seien. Es galt als unglückbringend, wenn sich ein solcher vor einer geplanten Unternehmung irgendwo einfand. So berichtet Livius: „Als die Römer am Flusse Ticinus (dem heutigen Ticino) dem Hannibal gegenüberstanden, war ihnen nicht ganz wohl zumute und ihre Furcht nahm zu, als ein Wolf ins Lager drang und unversehrt wieder hinauslief, und als sich ein Bienenschwarm auf einem Baume niederließ, der das Zelt des Befehlshabers beschattete. Man suchte dem üblen Erfolg dieser Unglückszeichen dadurch vorzubeugen, daß man den Göttern Sühnopfer darbrachte. -- Im Verlaufe desselben Krieges ereigneten sich zur Zeit, da Quintus Fulvius und Appius Claudius Konsuln waren, neue Wunderzeichen: In Campanien wurden zwei Tempel und einige Gräber vom Blitze getroffen, zu Cumä benagten die Mäuse im Tempel des Jupiter das Gold, zu Catinum ließ sich ein ungeheurer Bienenschwarm auf dem Markte nieder, zu Caere flog ein Adler auf den Tempel des Jupiter. Wegen dieser drohenden Zeichen wurde ein allgemeiner Bettag angesagt und einige Tage lang mit ungünstigem Erfolge geopfert. Endlich verhießen die Opfer Glück, und der Erfolg zeigte, daß das Unglück die Konsuln traf, der Staat aber ohne Schaden davonkam.“ Nach dem griechischen Geschichtschreiber Dio Cassius (155-229 n. Chr.) soll dem Pompejus seine Niederlage bei Pharsalus im voraus verkündet worden sein, indem Blitze in sein Lager schlugen, Bienen sich auf seine Fahnen setzten und viele Opfertiere vor dem Altar die Flucht ergriffen. Die Niederlage, die Varus im Jahre 14 n. Chr. in Germanien erlitt, sei den Römern durch Zeichen prophezeit worden, indem der Blitz in den Tempel des Mars auf dem Marsfeld schlug, viele Heuschrecken in die Stadt Rom flogen und dort von den Schwalben weggeschnappt wurden und Bienen an römischen Altären Wachszellen bauten. Auch des Kaisers Claudius Tod sei durch einen Kometen, einen blutigen Regen, die freiwillige Öffnung des Tempels des Jupiter Victor und auch dadurch voraus verkündet worden, daß sich ein Bienenschwarm im Lager festsetzte. Und Plinius (23-79 n. Chr.) meint: „Bienenschwärme geben einzelnen Menschen und ganzen Staaten wichtige Vorbedeutungen, wenn sie sich an Häuser oder Tempel hängen, worauf schon oft schrecklicher Jammer erfolgt ist. Als Plato noch ein Kind war, setzten sich Bienen auf seinen Mund und deuteten dadurch auf das Liebliche seiner zukünftigen Beredsamkeit. Im Lager des Feldherrn Drusus ließ sich ein Schwarm während der glücklichen Schlacht von Arbalo (in Germanien) nieder, woraus man sehen kann, daß die Wissenschaft der Zeichendeuter, welche eine solche Begebenheit immer für ein Unglück erklärt, nicht untrüglich ist.“

Auch Plinius behandelt die Bienen sehr ausführlich in seiner Naturgeschichte. Er sagt von ihnen: Wir müssen ihnen die höchste Bewunderung zollen und ihnen den Vorzug vor allen Insekten geben, sind sie doch die einzigen bloß um des Menschen willen geschaffenen. Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn man hört, daß manche Menschen ganz verliebt in ihre Bienen gewesen seien. So habe Aristomachos von Soli sich 58 Jahre lang mit nichts anderem als mit ihnen beschäftigt, und Philiskos aus Thasos habe mit seinen Bienen einsam in einer Einöde gelebt. Beide haben über sie geschrieben. Dann fährt er fort: „Den Winter über verbergen sich die Bienen, denn woher sollten sie auch die Kräfte nehmen, um der Kälte, dem Schnee und den Nordstürmen zu widerstehen? Aber ehe noch die Bohnen blühen, kommen sie heraus, um zu arbeiten, und wenn das Wetter günstig ist, geht kein Tag verloren. Zuerst bauen sie die Waben, dann erzeugen sie die Brut, sammeln Honig und Wachs von den Blüten, wie auch Vorwachs aus den klebrigen Abscheidungen der Bäume. Mit letzterem streichen sie erst inwendig den Stock aus, und weil sie wohl wissen, daß ihr Honig ein Leckerbissen ist, so mischen sie zur Abhaltung kleiner Schmarotzer dem Vorwachse noch bittere Säfte bei. Mit derselben Masse verengern sie auch den Eingang, wenn er allzu weit sein sollte. -- Bei ihren Geschäften beobachten die Bienen eine bestimmte Ordnung: Am Tage steht eine Schildwache am Eingang; nachts ruhen sie, bis der Morgen anbricht und bis eine durch zwei- oder dreimaliges Sumsen gleich einem Trompeter das Zeichen zum Aufbruche gibt. Jetzt fliegen alle hinaus, wenn ein heiterer Tag bevorsteht. Ist aber Wind und Regen in Aussicht, so bleiben sie zu Hause, denn sie wissen im voraus, wie das Wetter sich gestalten wird. Sind sie zur Arbeit ausgezogen, so tragen die einen Blütenstaub mit den Füßen ein, andere Wasser im Munde und an den Haaren, womit ihr ganzer Leib bedeckt ist. Die Jungen fliegen aus und tragen ein, die Alten dagegen besorgen die häuslichen Arbeiten. Diejenigen, welche Blütenstaub sammeln, bedienen sich der Vorderfüße, welche behaart sind, und des Rüssels, um die Vorderfüße zu beladen, und so kehren sie denn endlich, von der schweren Last gebeugt, nach Hause zurück. Hier kommen ihnen sogleich drei bis vier entgegen und nehmen ihnen die Last ab, denn auch im Stocke sind die Arbeiten verteilt. Die einen bauen, die andern glätten, andere tragen den Baustoff herbei, andere bereiten aus dem, was eingetragen wird, die Speisen; denn sie halten gemeinschaftliche Mahlzeiten ab, damit die allgemeine Ordnung der Geschäfte nicht gestört wird. Den Bau beginnen sie oben an der Decke des Stockes und bauen nun die Waben abwärts so, daß dabei zwei Wege offen bleiben, auf deren einem sie herbei-, auf dem andern aber weggehen können. Die Waben hängen oben und auch ein wenig an der Seite fest; bis auf den Boden aber gehen sie nicht herab. Bald haben sie eine längliche, bald eine mehr runde Gestalt, wie es gerade die Form des Stockes mit sich bringt. Wollen die Waben fallen, so setzen sie Stützen darunter, wölben sie aber vom Boden aus so, daß ein Zugang für neue Ausbesserung übrig bleibt. Etwa die drei ersten Zellenreihen bleiben leer, damit nicht so leicht Diebe angelockt werden; die hintersten werden am meisten mit Honig gefüllt, und deswegen schneidet man den Stock auch von hinten aus.

Die Honig eintragenden Arbeitsbienen (_gerula apis_) sehen sehr auf günstigen Wind; beginnt ein Sturm, so nehmen sie ein Steinchen als Balast zu sich (wie schon Aristoteles geglaubt hatte), welches sie, wie einige behaupten wollen, auf den Schultern tragen. Geht ihnen der Wind entgegen, so fliegen sie an der Erde hin und weichen den Dornbüschen aus. Man ist erstaunt, wenn man ihre Arbeit beobachtet. Die Faulen werden getadelt, gestraft, ja sogar getötet. Sie sind äußerst reinlich. Jeder Unrat, der sich irgendwo im Stocke vorfindet, wird sogleich hinausgeschafft. Sobald der Abend kommt, nimmt allmählich der Lärm im Stocke ab, bis endlich eine Biene herumfliegt und durch dasselbe Sumsen, womit die Schar morgens geweckt wird, das Zeichen zur Ruhe gibt, worauf alle augenblicklich schweigen.“

Auch Plinius glaubt, daß der Honig aus der Luft herabfalle. Er sagt darüber: „Der Honig kommt aus der Luft, und zwar gegen Tagesanbruch, weshalb man auch mit dem Erscheinen der Morgenröte die Blätter der Bäume von Honig betaut findet und Menschen, die sich zufällig im Freien aufhalten, ihre Kleider und Haare mit Honig gesalbt fühlen. Mag nun der Himmel den Honigtau ausschwitzen, oder mögen ihn die Sterne ausspucken, oder mag er eine Reinigung der Luft sein, so wäre nur zu wünschen, daß er so rein, flüssig und echt sein möchte, wie er anfänglich herabträufelt. So aber fällt er aus der unermeßlichen Höhe herab, wird im Fallen durch schmutzige Beimischungen verunreinigt, vom Hauche der Erde vergiftet, außerdem von den Blättern abgeleckt, in den Magen der Bienen geschluckt, obendrein durch Blumensaft vermischt, im Bienenstocke geknetet, und dennoch behält er noch ein gutes Teil seiner himmlischen Eigenschaften bei.

„Der Honig ist immer da am besten, wo er in den Behältern der besten Blumen aufbewahrt wird. Am berühmtesten sind in dieser Hinsicht der Berg Hymettus in Attika, der (Berg) Hybla auf Sizilien und die Insel Kalydna (bei Kleinasien). Anfangs ist der Honig flüssig wie Wasser, gärt die ersten Tage wie Most und reinigt sich; am 20. beginnt er dick zu werden. Bald überzieht er sich mit einer Haut, welche sich aus dem durch Gärung entstehenden Schaume bildet. Der beste und am wenigsten nach Laub schmeckende wird von den Blättern der Linden, Eichen und der Rohrarten entnommen. Die Güte des Honigs hängt zwar von der Beschaffenheit der Gegend ab; übrigens zeigt sich aber doch noch ein Unterschied; denn z. B. im Lande der Peligner (in Italien) und in Sizilien zeichnet sich das Wachs aus, in Kreta, Zypern und Afrika der Honig, im Norden die Größe, so daß man in Germanien schon eine acht Fuß lange Wabe gesehen hat, deren Höhlungen schwarz waren. Allerwärts gibt es dreierlei Honig:

„1. Den ~Frühlingshonig~, von Blüten gesammelt, deshalb auch Blütenhonig genannt, den man nicht wegnehmen darf, weil sonst die Brut nicht kräftig wird. Manche Bienenwärter nehmen aber gerade von diesem den meisten, weil bald darauf, beim Aufgang der großen Gestirne, großer Überfluß erfolgt. Übrigens sind im Sommer, wenn Thymian und Weinstock zu blühen beginnen, die Zellen am besten gefüllt. Man muß aber beim Schneiden der Stöcke eine gehörige Einteilung treffen; denn wenn man zuviel Honig wegnimmt, so überlassen sich die Bienen der Verzweiflung, sterben oder zerstreuen sich. Dagegen werden sie aber auch durch allzu großen Vorrat faul und fressen dann reinen Honig statt Bienenbrot. Vorsichtige Bienenwärter lassen ihnen daher von dieser Ernte den zwölften Teil. Der Tag, an welchem diese Ernte gehalten wird, ist gleichsam durch ein Naturgesetz bestimmt, und zwar ist es der 30. nach dem Auszuge des Schwarms, also meist im Monat Mai.

„2. Den ~Sommerhonig~, welchen man auch reifen Honig nennt, indem er zur günstigsten Jahreszeit gesammelt wird, etwa 30 Tage nach der Sonnenwende, während der Sirius glänzt. Dieser Honig würde die herrlichste Gabe der Natur sein, wenn nicht der Betrug des Menschen alles verschlechterte und verdürbe; denn was sich beim Aufgang der Gestirne, vorzüglich deren vom obersten Range, oder beim Regenbogen, wenn kein Platzregen folgt, sondern der Tau vom Sonnenstrahl erwärmt wird, bildet, ist kein Honig, sondern ein himmlischer Balsam für die Augen, für Geschwüre und für die Eingeweide. Sammelt man ihn beim Aufgang des Sirius, wenn zufällig der Aufgang der Venus, des Jupiter oder Merkur auf denselben Tag fällt, so ist seine Kraft, Menschen zu heilen und selbst vom Tode zu erretten, nicht geringer als die des göttlichen Nektars. Beim Vollmond ist die Honigernte reichlicher, bei reinem Himmel aber fetter. Vorzüglich gut ist der rötliche, zumal für Krankheiten des Ohres. Der vom Thymian gesammelte ist goldfarbig, von köstlichem Geschmack und sehr geschätzt. Was sich in den Behältern der Blumen bildet, ist fett, was vom Rosmarin kommt, ist dick. Honig, welcher gerinnt, wird nicht gelobt. Honig von Thymian gerinnt nicht; berührt man ihn, so zieht er sehr feine Fäden, und dies ist der beste Beweis seiner Schwere. Trennt er sich leicht, so daß die Tropfen fallen ohne Fäden zu ziehen, so gilt das für einen Beweis von geringem Werte. Man verlangt ferner, daß der Honig wohlriechend, süßlichsauer, klebrig und durchsichtig sei. Bei der Sommerernte soll man nach Cassius Dionysius den Bienen den zehnten Teil lassen, wenn der Stock voll ist; ist er es aber nicht, so soll man nach Verhältnis schneiden. Ist er leer, so soll man ihn gar nicht anrühren. Diese Ernte hält man anfangs Juli ab.

„3. Den ~wilden Honig~, den man auch Heidehonig nennt und wenig schätzt. Die Bienen sammeln ihn nach dem ersten Herbstregen, während im Walde nur die Heide (Baumheide, _Erica carnea_) blüht, weswegen er auch gleichsam sandig ist. Diesen Honig schneidet man im November, und die Erfahrung lehrt, daß man davon den Bienen zwei Drittel und jedenfalls den Teil der Waben lassen muß, der das Bienenbrot enthält. Vom kürzesten Tage an bis zum Aufgang des großen Bären schlafen die Bienen sechzig Tage lang, ohne Nahrung zu sich zu nehmen; von da an bis zur Frühlingsnachtgleiche wachen sie zwar, da die Luft schon lauer ist, bleiben aber gleichwohl im Stocke und zehren von den vorhandenen Vorräten. In Italien schlafen sie bis zum Aufgang des Siebengestirns.

„Manche Bienenwärter wiegen beim Schneiden die Stöcke und bestimmen dann, wieviel Honig darin bleiben soll. Auch gegen die Bienen muß man billig sein; denn die Stöcke sollen aussterben, sobald man ungerecht gegen sie handelt. Vorzüglich empfiehlt man denen, welche schneiden, sich vorher zu baden und zu reinigen. Vor Dieben haben die Bienen einen eigenen Aberwillen. Während man den Honig herausnimmt (nach dem zu Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. lebenden Nonnos schützte sich der Bienenwärter dabei mit einem aus feinen Leinenfäden geflochtenen schleierartigen Gewand, das ihn vom Kopf bis zu den Zehen verhüllte), müssen die Bienen durch Rauch vertrieben sein, damit sie nicht wütend werden oder auch selbst sich über den Honig hermachen. Gibt man ihnen öfters Rauch, so werden sie arbeitsamer, durch allzuhäufigen aber leiden sie und der Honig wird dann bei der leisesten Berührung des Taues sauer.“

Über die Gewinnung des Wachses gibt Plinius ausführliche Auskunft und sagt, das beste komme von Karthago. Am schönsten weiß werde es, wenn man es nur einmal kocht. Man brauche es zu unzähligen Dingen und färbe es auf verschiedene Weise; oft benütze man es auch, um Wände und Waffen gegen Nässe zu schützen. Die besten Bienenstöcke mache man aus Baumrinde, und zwar aus Kork der Korkeiche; die aus Ruten geflochtenen seien nicht so gut. Viele ließen sie aus Marienglas herstellen, um die Bienen bei der Arbeit beobachten zu können. Man stelle sie am besten so auf, daß das Flugloch nach der Gegend gerichtet sei, wo die Sonne während der Tag- und Nachtgleiche aufgehe. Im Winter müsse man sie mit Stroh bedecken und oft räuchern, am besten mit Rindermist. Diesen Rauch lieben die Bienen wegen der Verwandtschaft (bezieht sich auf die vermeintliche Entstehung der Bienen aus totem Rindvieh) und er tötet zugleich das Ungeziefer, von dem sie geplagt werden wie Spinnen, Würmer (Larven des Bienenwolfs und der Wachsmotte) und Schmetterlinge (Wachsmotte und Totenkopf), muntert dagegen die Bienen auf. Am schlimmsten sind die Schmetterlinge; man kann sie aber im Frühjahr, zur Zeit, da die Malve reift, nachts bei Neumond bei heiterem Himmel töten, indem man Feuer vor den Bienenstöcken anzündet, in welches sie sich dann hineinstürzen.“

Auch nach Plinius „leben die Bienen, wenn ihnen kein Unglück zustößt, sehr lange, nämlich sieben Jahre. Nie sollen aber Bienenstöcke über 10 Jahre gedauert haben.“ Tatsächlich aber lebt nur die Königin, das fruchtbare Weibchen, 3-5 Jahre, ist aber höchstens 3 Jahre recht fruchtbar. Sie vermag nach den angestellten Versuchen jährlich 50 bis 60000 Eier zu legen, in den letzten Jahren bedeutend weniger. Die unfruchtbaren Weibchen, die Arbeiterinnen, leben im Sommer nur 6-8 Wochen und sterben, von der rastlosen Arbeit verbraucht oder von Bienenfeinden getötet. In der Haupttrachtzeit währt das Leben dieser unermüdlichen Arbeiterinnen nur 6 Wochen. Das konstatierte man durch Einführung der italienischen Bienen in Deutschland. Gibt man nämlich einem deutschen Volke eine befruchtete italienische Königin, so ist nach 6 Wochen bis auf vereinzelte Exemplare jenes völlig verschwunden und durch ein Volk italienischer Bienen ersetzt. Nur die im August und September ausgeschlüpften Arbeitsbienen leben, wenn der Stock normal ist und ihnen nichts zustößt, bis in den April hinein, bis eine neue Brut sie in der Arbeit abzulösen vermag. Ein starkes Volk zählt im Sommer 30-80000 Arbeitsbienen. Die Drohnen genannten Männchen aber, die dicker und länger als die Arbeitsbienen sind und im Gegensatz zu sämtlichen Weibchen stachellos sind und nicht arbeiten, auch von jenen leicht am dröhnenden Tone ihres Fluges erkannt werden können, haben keine andere Aufgabe, als die jungen Königinnen, die beim Schwärmen mit einem Teil des Bienenvolkes ausziehen, um eine neue Kolonie zu gründen, zu befruchten. Sie entstehen im Frühjahr aus unbefruchteten Eiern, während die Weibchen aus befruchteten hervorgehen, im Falle sie Königinnen werden sollen, durch bessere Ernährung ihre Geschlechtsorgane voll ausbilden, im Falle sie aber nur Arbeiterinnen abgeben sollen, trotz der längeren Entwicklungsdauer von 3 Tagen gegenüber den Königinnen, in bezug auf ihre Geschlechtsorgane verkümmern. Gegen Ende April erscheinen die ersten Drohnen, deren es in einem starkgewordenen Volke über 1000 geben kann. Von diesen sind nur einige wenige auserwählt, die jungen Königinnen beim Hochzeitsfluge in der Luft zu begatten, wobei sie sofort sterben. Die befruchtete Königin aber füllt dabei ihre Samentasche für die Zeit ihres Lebens mit Samen, von dem sie willkürlich ein Samenfädchen zu dem den Eileiter passierenden Ei gelangen läßt oder nicht. In ersterem Falle entstehen daraus Weibchen, im letzteren dagegen Männchen. Deshalb kann ein unbefruchtetes Weibchen durch Jungfernzeugung nur Männchen hervorbringen, und man nennt in diesem Falle das betreffende Volk drohnenbrütig. Die nicht beim Hochzeitsflug umgekommenen Drohnen aber werden, sobald eine Trachtpause anbricht, als überflüssige Schmarotzer, die nur bei warmem Sonnenschein und windstillem Wetter den Stock zwischen 10 Uhr morgens und 4 Uhr nachmittags verlassen, um im Freien hin und her zu fliegen, aber keinen Nektar oder andere Nahrung suchen, sich aber am Nahrungsvorrat des Stockes sättigen, durch die Bienen von den Honigvorräten weggedrängt, nicht mehr gefüttert und, wenn sie dem Verhungern nahe sind, zum Stocke hinausgedrängt und ihrem Schicksal überlassen oder umgebracht. Es ist dies die von Mitte August bis Ende September sich alljährlich einmal ereignende „Drohnenschlacht“. Pfarrer Schönfeld hat nun nachgewiesen, daß die Drohnen ohne Futtersaftfütterung, d. h. ohne Zufuhr stickstoffhaltiger Nahrung, nicht länger als drei Tage leben können. Sobald nun die Arbeitsbienen die Darreichung des Futtersaftes einstellen, ermatten die Drohnen schon am zweiten Tage so sehr, daß sie sich leicht überwältigen lassen oder von selbst an Entkräftung zugrunde gehen. Findet in einem Stocke keine Drohnenschlacht statt, so ist der Stock weisellos, d. h. ohne Königin. Sind im Sommer die Drohnen in einem Stocke zu zahlreich, so steckt der Imker eine sogenannte Drohnenfalle ins Flugloch, um die müßigen Honigfresser darin zu fangen. Die Arbeitsbienen, welche nicht so dick sind, schlüpfen durch die Löcher hindurch, während dagegen die Drohnen darin stecken bleiben.

In Beziehung auf die Fortpflanzung der Bienen sagt Plinius: „Wie sie ihre Jungen erzeugen, ist eine wichtige und schwierige Aufgabe für Gelehrte; denn man hat sie nie in der Paarung angetroffen. Viele Leute sind der Meinung, sie entständen aus einer zu diesem Zwecke geeigneten Zusammensetzung von Blütensäften. Andere glauben, es geschehe durch Paarung des Königs mit den andern Bienen. Es befindet sich in jedem Stock nur ~ein~ König; er ist weit größer als die andern Bienen und soll das einzige Männchen sein. Ohne ihn soll es keine Brut geben, und die übrigen Bienen sollen ihn wie Weibchen ihren Mann und nicht wie ihren König begleiten. Das Vorkommen der Drohnen ist ein Beweis gegen diese Behauptung; denn wie können von denselben Eltern teils vollkommene, teils unvollkommene Wesen abstammen? Die erstere Meinung würde wahrscheinlich sein, wenn nicht eine andere Schwierigkeit dagegen spräche. Es entstehen nämlich zuweilen am äußersten Ende der Wachstafeln größere Bienen, welche die übrigen vertreiben; man nennt sie _oestrus_. (Ob hier Drohnen oder in den Stock eingedrungene Raubbienen gemeint sind, ist ungewiß.) Aber wie könnten sie entstehen, wenn die Bienen sich selbst erzeugten?