Kulturgeschichte der Nutztiere

Part 44

Chapter 443,352 wordsPublic domain

Der ~Kabeljau~ -- jung Dorsch genannt -- bewohnt den nördlichen Teil des Atlantischen Ozeans und die angrenzenden Gebiete des Eismeeres, hat seine Hauptverbreitung zwischen dem 50. und 75. Breitegrad, kommt nicht südlicher als im 40. Breitegrad vor, wird 1-1,5 _m_ lang und bis 40 _kg_ schwer. Zur Laichzeit zieht er in gewaltigen Zügen, die über 100 _km_ breit und 30 _km_ lang sein können, dicht gedrängt an die zur Eiablage geeigneten flachen Stellen des Meeres, an den Lofoten, dann an der Doggerbank in der Nordsee (_dogg_ heißt im Altholländischen der Kabeljau), besonders aber an der Neufundlandbank, wo allein alljährlich etwa 1300 Millionen Kilogramm Kabeljaus gefangen werden. Die Neufundlandbank ist heute noch die wichtigste Fangstelle des Kabeljaus und wurde seit Anfang des 16. Jahrhunderts von Engländern, Holländern, Franzosen, Portugiesen und Spaniern aufgesucht und fleißig ausgebeutet. Schon im Jahre 1615 waren 250 englische Schiffe dort beschäftigt. Heute sind es deren 1800 mit 17000 Matrosen, während die Amerikaner noch mehr senden, um den hier gebotenen Reichtum aus dem Meere zu schöpfen. Die meisten Kabeljaus werden mit beköderten Angeln an der Grundschnur oder an Angelschnüren, die von den Booten herabhängen, gefangen und sofort geköpft und ausgenommen. Sie werden dann meist halbiert und die einzelnen Teile auf Stangen getrocknet. So liefern sie den „Stockfisch“, während sie mit Salz bestreut und auf Felsen getrocknet als „Klippfisch“, und in Fässern eingesalzen als „Laberdan“ in den Handel gelangen. Beim Ausweiden der Fische kommt die Leber in ein besonderes Faß, der Rogen in ein anderes, die übrigen Eingeweide werden als Köder verwendet. Die abgeschnittenen Köpfe dienen vielfach als Viehfutter. Die Lebern läßt man in großen Bottichen stehen und in Zersetzung übergehen, wobei sich in ihnen ein Öl an der Oberfläche sammelt. Es ist dies der Lebertran, der von Zeit zu Zeit abgeschöpft, durch Seihen gereinigt und, seiner Güte entsprechend, in verschiedene Fässer gefüllt wird. Am besten ist natürlich der wenige Tage nach Beginn der Fäulnis gewonnene Lebertran, am schlechtesten der Rest, den man durch Auskochen erlangt.

Kein Meerfisch gewöhnt sich rascher an die Gefangenschaft auch in engem Raum, keiner geht leichter ans Futter, keiner frißt mehr und wächst rascher als der Kabeljau. Nur muß das Wasser seines Beckens kühl gehalten werden, da er, wie gesagt, ein nordischer Fisch ist. Geschieht dies und reicht man ihm genügend Nahrung, so gedeiht er nicht nur vortrefflich, sondern dauert auch mehrere Jahre selbst in einem offenbar für ihn zu engen Gewahrsam aus. In neuerer Zeit hat die Fischkommission der Vereinigten Staaten von Nordamerika den Versuch unternommen, mit Hilfe der künstlichen Fischzucht den Kabeljau, der im nordatlantischen Gebiete heimisch ist, auch in südlicheren Gebieten, z. B. in der Chesapeakebai, heimisch zu machen.

Noch mehr als der stattliche Kabeljau und seine Verwandten ist der ~Hering~ (_Clupea harengus_) ein Speisefisch des Volkes, der, auch dem Dürftigsten noch käuflich, in gar vielen Haushaltungen, besonders der nordischen Länder Europas, die Stelle des zu teuer gewordenen Fleisches vertreten muß. Von ihm werden jährlich über 10 Milliarden Stück gefangen, von denen Deutschland etwa 500 Millionen Stück konsumiert, während die nordischen Völker weit mehr verbrauchen. Bei ihnen ist er vielfach mit Brot zusammen die tägliche Nahrung. Dieser nur 30 _cm_ lange, stark zusammengedrückte Fisch lebt weder wie die vorgenannten vorzugsweise im Polarmeere, noch macht er wie diese weite Reisen. Er bewohnt vielmehr die Tiefen der Meere, an deren Küsten er laicht, wird dort zu allen Zeiten vereinzelt gefangen, namentlich mit solchen Gerätschaften, die in größere Tiefen reichen, und steigt nur zur Laichzeit aus diesen Tiefen empor, um der Küste zuzusteuern, an der er seine Eier wie die vorigen zur Winterszeit absetzt.

Betrachtet man eine Tiefenkarte der Nordsee, so überzeugt man sich leicht von der Tatsache, daß Großbritannien auf einer geräumigen Hochebene liegt, die nirgends tiefer als 200 _m_ ist, so daß bei einer Senkung des Meeresspiegels um diesen Betrag ganz Großbritannien in das europäische Festland einbezogen wäre. Diese Untiefe der Nordsee stellt, außer den Westküsten Großbritanniens und Skandinaviens, den Laichplatz des Herings dar, wohin außer den Scharen fortpflanzungslustiger Individuen alljährlich auch große Heere noch nicht völlig erwachsener sogenannter Jungfern- oder, wie die Holländer sagen, Matjesheringe aus der heimatlichen Tiefe emporsteigen. Der von kleinen Spaltfußkrebsen lebende Fisch macht an der Küste Norwegens vom Februar bis April seine Laichzüge. In der dem Laichen vorausgehenden Zeit entwickeln sich bei ihm Rogen und Milch als wasserreiche und deshalb leichtere Stoffe so stark auf Kosten von Fett und Eiweiß der Muskulatur, daß das Gewicht des Fisches geringer wird und er sich getrieben fühlt, um seine Gleichgewichtslage wieder herzustellen, Plätze aufzusuchen, an denen die Temperatur höher und daher das spezifische Gewicht des Wassers geringer ist. Danach richten sie ihre Wanderungen und wählen deshalb nicht immer dieselben Laichplätze.

Die älteren Heringe laichen früher als die jüngeren und beginnen damit teilweise schon im Herbst, und zwar vermutlich an denselben Stellen, an denen sie geboren wurden. Doch können verschiedene Ursachen, wie Witterungseinflüsse und Strömungsänderungen, bewirken, daß sie in manchen Jahren an bestimmten Orten, an denen sie früher in Masse erschienen, gänzlich ausbleiben; ebenso zeigen sie sich gegen Veränderungen ihrer Laichplätze höchst empfindlich, meiden insbesondere solche Plätze oft jahrelang, an denen der Überzug von Tangen zerstört oder ihrer zu viele weggefangen wurden. Doch sind die Ursachen, welche Richtung und Ziele der Heringswanderungen bestimmen und zeitweilig ändern, noch nicht völlig erkannt. Immerhin scheint es heute schon zweifellos, daß innerhalb gewisser großer Zeiträume die Heringszüge sich von den bis dahin regelmäßig besuchten Gebieten ab- und anderen zuwenden.

Erscheinen irgendwo die Heringe zum Laichen, so treiben sie sich zwei bis drei Tage hindurch nahe der Oberfläche des Meeres umher, drängen sich, namentlich bei stürmischem Wetter, zu dichten Haufen, eilen vorwärts und lassen währenddem die Eier ins Wasser fallen, die gleichzeitig von dem von den männlichen Fischen entlassenen Samen befruchtet werden. Dabei werden sie von zahlreichen Feinden verfolgt und dezimiert. Solange sie sich in den oberen Wasserschichten umhertreiben, nähren sich alle hier lebenden Raubfische, alle Meervögel, besonders Möwen, und fast sämtliche Meersäugetiere ausschließlich von ihnen. So erkennen die Norweger ihre Ankunft an den sich um sie sammelnden Zahnwalen. Aber alle Verluste, die die zahlreichen Räuber der See den Heringszügen zufügen, sind verschwindend gegenüber denjenigen, die der Mensch ihnen mit seinen großen Netzen beibringt. Um die Heringe im großen zu fangen, bedient man sich der sogenannten Driftnetze, die 40 _m_ lang und 10 _m_ tief sind. Größere Fischerboote führen bisweilen so viele dieser Netze mit sich, daß sie auf 2,5 _qkm_ das Wasser bestellen können. Gegen Abend werden die Netze eingesenkt, mit Gewichten teilweise in die Tiefe gezogen, teilweise aber durch Korkstücke und leere Fässer oben gehalten, so daß sie je nach der Meerestiefe höher oder niedriger zu stehen kommen. Die Maschen sind genau so weit, daß ein junger Hering durchzuschlüpfen vermag, während der erwachsene beim Bestreben, sich durchzuzwängen, mit den Kiemendeckeln darin hängen bleibt und so gefangen wird. Mit Tagesgrauen beginnt man die Netze auszulösen und schafft dann die gefangenen Fische so eilig als möglich an den Strand und in den Arbeitsraum des Einsalzers, da sie um so besser werden, je eher sie ins Salz kommen. Hier werden sie alsbald ausgenommen und gelangen, mit Salz bestreut und in Tonnen festgepreßt, zum Versand.

Sichere Kunde von der Heringsfischerei reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Altenglische Urkunden erwähnen sie und alte Gesetze regeln sie. Bis zu Ende des 14. Jahrhunderts befand sich die Fischerei, obschon sie damals durchaus nicht unbedeutend war, erst in den Anfängen. Da lernte man den Fisch durch Einsalzen vor dem Verderben zu schützen und so transportfähig zu machen. Dadurch erst gewann der Hering als Volksnahrungsmittel die allergrößte Bedeutung. Zuerst waren es die Holländer, die den Heringsfang in großartiger Weise betrieben; später nahmen auch die Hanseaten und Norweger an ihm teil. Erst seit 200 Jahren begannen die Briten eine größere Anzahl Schiffe auf den Heringsfang auszusenden und überflügelten darin bald alle anderen Völker Europas. Da aber der Wanderzug der Fische sich nicht im voraus feststellen läßt, so spielt der Zufall eine große Rolle dabei, ob man Erfolg hat oder nicht. In der Gefangenschaft geht der erwachsene Hering in wenigen Stunden, der junge in wenigen Tagen ein, so daß von einer künstlichen Aufzucht bei ihnen niemals die Rede sein kann.

Die nächste Verwandte des Herings ist die ~Sprotte~ (_Clupea sprottus_), die nur 15 _cm_ lang wird. Sie lebt wie jener in bedeutender Meerestiefe und erscheint alljährlich im Frühling in unermeßlichen Scharen in der Nähe der Küste, um zu laichen. Zu ihrem Fange wendet man entsprechend feinmaschige Netze an. An der britischen Küste, wie auch an derjenigen der Ostsee wird diese Fischerei stark betrieben. Geräuchert kommen sie von Eckernförde aus als „Kieler Sprotten“, in Salz eingemacht dagegen aus Norwegen unter dem Namen „Anchovis“ (franz. _anchois_) in den Handel.

Etwas größer, nämlich 20-25 _cm_ lang, ist die ~Sardine~ (_Clupea sardina_), die vom Süden Englands längs der ganzen französischen und nordspanischen Küste bis Portugal bald in tieferem, bald in seichterem Wasser vorkommt, sehr gefräßig ist und vorzugsweise von kleinen Garneelen lebt, die sie am Meeresboden aufnimmt, um damit den Magen prall zu füllen. Sie laicht vorzugsweise in den Herbstmonaten und wird dann in großen Mengen gefangen, doch wird sie zumeist außerhalb der Laichzeit mit dem Grundnetz erbeutet. Viele derselben werden eingesalzen, die große Mehrzahl aber, nachdem sie kürzer oder länger in der Sülze gelegen, in Öl gekocht, mit diesem in kleinen Blechbüchsen eingeschlossen und als Sardinen in den Handel gebracht.

Etwas kleiner, nämlich nur 15 _cm_ lang, d. h. so groß wie die Sprotte, wird die ~Sardelle~ oder der echte ~Anchovis~ (_Engraulis encrasicholus_). Dieser an der Oberseite bräunlichblaue Fisch bewohnt besonders das Mittelländische Meer, ist aber durch die Meerenge von Gibraltar längs der europäischen Küste bis in den nördlichen Teil der Nordsee, ja sogar in die Ostsee gedrungen. Für die nördlichen Teile des Verbreitungsgebietes hat der Fang dieses geschätzten Fisches keine besondere Bedeutung, wohl aber in den südlichen Gegenden. Schon in der Bretagne bringt die Sardellenfischerei Millionen ein. Im Mittelländischen Meer zählt das Fischchen zu den geschätztesten Speisefischen. Es lebt in tieferen Schichten und kommt an die Küsten zum Laichen, wobei es in so dichten Scharen auftritt, daß oft mit einem einzigen Zuge mit dem Netz viele Tausend aus dem Wasser gehoben werden. Schon die Alten schätzten es hoch. In Aristophanes „Rittern“ wird uns ein Wursthändler vorgeführt, der durch den billigen Verkauf dieses Speisefisches, zu dem er gratis die Zukost an Zwiebeln gab, besondere Popularität erlangte. Aber nicht nur die Armen, auch die Reichen Griechenlands aßen den Fisch gern, besonders in siedendem Olivenöl zubereitet. Der Grieche Oppianos schreibt in seinem um 200 n. Chr. in Hexametern verfaßten Gedicht über den Fischfang: „Die Sardellen (_engraulis_) sind furchtsame, schwache Fische, welche von anderen hart verfolgt werden und sich daher, um sicherer zu sein, in so dichte Scharen zusammendrängen, daß sie oft Schiffe in ihrem Laufe, Ruder in ihrem Schlage hemmen. Die Massen sind so dicht, daß man sie nicht mit dem Beile auseinander zu hauen vermag und daß man mit der Hand so viele nehmen kann als man will. Die Fischer ziehen sie mit Netzen heraus und man sieht oft große Haufen derselben, die den Strand bedecken.“ Man schneidet ihnen nach dem Fange die Köpfe ab, nimmt die Eingeweide heraus und salzt sie oder macht sie in Olivenöl ein. In ersterem Falle kommen sie als „Sardellen“, in letzterem dagegen als „Anchovis“ in den Handel.

Ebenfalls im Mittelmeer heimisch und von da der Küste entlang nach Norden vorgedrungen sind die ~Rotbarben~ (_Mullus_), von denen vor allem der ~Rotbart~ (_Mullus barbatus_), ein 30-40 _cm_ langer karminroter Fisch mit gelben Flossen, von den Alten überaus geschätzt war. Nach Plinius, der von ihm bemerkt, daß er in Fischbehältern nicht gedeiht, soll der Konsular Asinius Celer zur Zeit des Kaisers Caligula einen solchen für 8000 Sesterzien (= 1200 Mark) gekauft haben und fügt bei: „Sonst klagte man darüber, daß Köche teurer seien als Pferde; jetzt kostet ein Koch soviel wie ein Triumph, ein Fisch soviel wie ein Koch, und fast kein Mensch wird so hoch geschätzt wie ein Koch, obgleich seine Hauptkunst darin besteht, seinen Herrn durch Kochen um Hab und Gut zu bringen.“ Seneca erzählt in einer seiner Episteln, Kaiser Tiberius habe einen 4½ Pfund schweren Rotbart auf den Markt geschickt und dafür von Publius Octavius 5000 Sesterzien (= 750 Mark) erhalten. Martial sagt, ein reicher Römer habe einen Sklaven für 1300 Sesterzien (= 195 Mark) verkauft und für diese Summe einen 4 Pfund schweren Rotbart eingehandelt. Juvenal berichtet, es habe jemand einen 6 Pfund schweren Rotbart für 6000 Sesterzien (= 900 Mark) gekauft, und Älius Lampridius erzählt, der verschwenderische Kaiser Heliogabalus habe Schmausereien gegeben, bei denen ungeheure Massen von Eingeweiden der Rotbärte aufgetragen wurden, auch habe er ganze Schüsseln und Teller, die nur mit Bartfäden der Rotbärte gefüllt waren, aufgetischt.

In größeren Wassertiefen leben die ~Makrelen~ (_Scomber_), die ebenfalls bei den Alten als Speisefische sehr geschätzt waren. Ihr köstliches Fleisch muß so rasch als möglich gegessen werden. Eine sehr pikante Sauce, _garum_ genannt, gewannen die Römer durch Faulenlassen von deren Fleisch, nebst Blut und Eingeweiden. Riesenmakrelen sind die ~Thunfische~ (_Thynnus_), die für die Bewohner der Mittelmeerküsten von besonderer Bedeutung sind. Sie erreichen 3-4 _m_ Länge und ein Gewicht von 300-400 _kg_ und werden ihres wohlschmeckenden Fleisches wegen eifrig verfolgt. Ihre wahre Heimat ist das Mittelländische Meer, während sie im Atlantischen Ozean spärlicher vorkommen und durch andere Arten ersetzt werden. Zwar behauptete man im Altertum und glauben die Fischer heute noch, daß sie alljährlich in Menge vom Weltmeere aus durch die Meerenge von Gibraltar nach dem Mittelländischen Meere ziehen. So schreibt der vorhin genannte Oppian: „Die Thunfische kommen vom Weltmeer ins Mittelländische, wenn sie im Frühjahr Eier legen wollen. Sie gehen erst an Spanien, dann an Gallien und Sizilien hin. Zu dieser Zeit werden Wächter auf die Felsen am Strande gestellt, welche den Zug und die Zahl der kommenden Fische beobachten. Sehen sie die Scharen herannahen, so werden die Netze gestellt, welche Kammern bilden, die mit Vorhallen und Eingängen versehen sind. In diese dringen dann die Thunfische in Menge ein und gewähren einen überreichen Fang.“ Nur muß diese Anschauung von der Herkunft der Thunfische aus dem Atlantischen Ozean dahin abgeändert werden, daß sie für gewöhnlich in größeren Tiefen des offenen Mittelländischen Meeres leben und sich erst gegen die Laichzeit den Küsten nähern. Statt wagrechte Wanderungen, wie man früher glaubte, vollführen sie vorzugsweise senkrechte, um sich in den flacheren Gewässern der Küste zu tummeln. Hier hält er allerdings -- vermutlich durch unterseeische Täler bewogen -- bestimmte Straßen ein, in denen er oft in Herden von Tausenden fortzieht, um sich im Frühling im seichten Wasser der Küste fortzupflanzen. Seit dem frühesten Altertum sind gewisse Fangplätze durch ihre Ergiebigkeit berühmt. Dort wird der Fang der Thunfische durch dieselben gekammerten Netze, wie sie vorhin aus dem Jahre 200 nach Chr. beschrieben wurden, bewerkstelligt. Sobald die auf erhabenen Stellen beobachtenden Wächter die Ankunft der Thunfische melden, stechen eine Menge bereit gehaltener Boote in die See, bilden unter Befehl eines Anführers einen weiten Halbmond, werfen ihre _tonnare_ genannten Fangnetze, wahrhaftige Gebäude aus Stricken und Maschen aus und schließen die Fische ein. Indem sie den Kreis mehr und mehr verengern, zwingen sie die Thunfische, gegen das Land hin zu schwimmen. Im seichten Wasser breitet man dann das letzte Netz aus und zieht es mit allen innerhalb desselben befindlichen Thunfischen ans Land, um sie alle abzustechen, so daß sich das Meer weithin mit ihrem Blute rotfärbt. Die Ausbeute wird oft an Ausländer, die sich als Käufer eingefunden haben, frisch verkauft und von diesen in Tonnen eingesalzen. Von den Einheimischen wird der Thunfisch vielfach auch gekocht, in Öl konserviert und so in den Handel gebracht. Jedem Italienfahrer ist solcher _tonno in oleo_, der ganz gut schmeckt, sehr wohl bekannt.

Für die Nordsee sehr wichtig sind die am liebsten im Sande der Flachsee halb in den Boden eingegraben auf Beute lauernden ~Flachfische~ oder ~Seitenschwimmer~, die verschiedenen Arten von ~Schollen~, ~Flundern~, ~Seezungen~, ~Heil-~ und ~Steinbutte~. In der Fähigkeit, sich zu verstecken, werden sie in hohem Maße durch die Begabung gefördert, die eine pigmentierte und mit beiden Augen versehene Seite je nach der Farbe des Untergrundes verschieden zu färben. Sie laichen im Frühling und Vorsommer zwischen Tangen, an die sie die Eier mit Vorliebe festkleben. Ihr sehr wohlschmeckendes Fleisch zeichnet sich durch seine große Haltbarkeit aus und wird deshalb weithin verschickt. Außer englischen sind es besonders holländische und dänische Fischer, die sich mit deren Fang abgeben und sie besonders nach London verhandeln. Sie lassen sich wie im Meerwasser, so auch im Süßwasser lange Zeit halten, haben überhaupt eine außerordentliche Lebenszähigkeit.

Besonders geschätzt war bei den alten Römern das Fleisch eines Aalfisches, der ~Muräne~ (_Muraena helena_), die sie in eingedämmten Meeresarmen oder Salzwasserteichen hielten, um stets den nötigen Bedarf für ihre Schwelgereien bei der Hand zu haben. Plinius berichtet über sie in seiner Naturgeschichte: „Bloß für Muränen bestimmte Fischteiche hat zuerst Gajus Hirrius angelegt; aus diesen lieh er dem Diktator Cäsar zu den Triumphschmausereien 6000 Muränen unter der Bedingung, daß er ebensoviel zurückerhalte; denn für Gold und andere Kostbarkeiten waren sie ihm nicht feil. Kurz darauf wurde sein Landgut verkauft, und der Preis desselben betrug wegen der darauf befindlichen Fischteiche 4 Millionen Sesterzien (= 600000 Mark). Von da an begann man mit einzelnen Individuen dieser Fischart Liebhaberei zu treiben. Bei Bauli in der Nähe (des damals sehr beliebten Badeortes) von Bajae hatte der Redner Hortensius einen Fischteich, worin sich eine Muräne befand, die er so liebte, daß er sie nach ihrem Tode beweint haben soll. Auf demselben Landsitze schmückte Antonia, die Tochter des Drusus, eine geliebte Muräne mit Ohrringen, und manche Leute gingen nur nach Bauli, um das berühmte Tier zu sehen.“ Später, um 220 n. Chr., berichtet Älian: „Berühmt ist die Muräne des Crassus, welche Ohrringe und mit Steinen besetzte Halsbänder trug, auf den Ruf des Crassus herbeikam und ihm aus der Hand fraß. Sie wurde nach ihrem Tode von ihm beweint und begraben.“

Bekannt ist, daß diese gierigen Raubfische gelegentlich mit Menschenfleisch gefüttert wurden. So erzählt Plinius: „Die Gefräßigkeit der Muränen hat dem römischen Ritter Vedius Pollio, einem Freunde des Kaisers Augustus, Gelegenheit zur Erfindung einer neuen Grausamkeit gegeben; denn er ließ in die mit diesen Fischen besetzten Teiche verurteilte Sklaven werfen, nicht weil er sie von Löwen, Tigern und dergleichen nicht hätte zerfleischen lassen können, sondern weil er sein Vergnügen daran fand, zuzusehen, wie der ganze Mensch zu gleicher Zeit von allen Seiten her durch Feinde zerfleischt wurde, das andere Raubtiere nicht gewähren konnten.“ In zahlreichen Lesebüchern wird die Geschichte erzählt, wie er in Gegenwart des bei ihm zu Gast weilenden Kaisers Augustus einen Sklaven, der ein kostbares murrhinisches Gefäß zerbrach, als Strafe dafür mit dem Ausdrucke: _ad muraenas_ d. h. zu den Muränen! lebend diesen Tieren vorwerfen ließ. Vorzüglich sollten sie nach Plinius wütend werden, wenn man ihnen Essig zu schmecken gab.

Wie für Muränen hatten die Römer auch für andere von ihnen wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches geliebte Meerfische besondere Teiche, die oft mit großem Aufwand hergestellt wurden. So berichtet der vorgenannte Plinius: „Zu derselben Zeit, da Sergius Orata die Austernparks erfand, erfand Licinius Muraena die Fischteiche, und berühmte Männer, wie Philippus und Hortensius, haben ihn darin nachgeahmt. Lucullus ließ sogar bei Neapel einen Berg mit größeren Kosten, als er auf sein Landgut verwendet hatte, abtragen und leitete das Meerwasser ins Land, weshalb ihn Pompejus der Große den römischen Xerxes nannte. Nach seinem Tode wurden die dort befindlichen Fische für 4 Millionen Sesterzien (= 600000 Mark) verkauft.“ Daß es den in solchen Fischteichen installierten Fischen vorzüglich erging und sie gelegentlich ein sehr hohes Alter erreichten, können wir aus einer Notiz desselben Autors entnehmen, worin es heißt: „Wie alt ein Fisch werden kann, das haben wir erst neulich an einem merkwürdigen Beispiel gesehen. Pausilypum ist ein nicht weit von Neapel gelegenes kampanisches Landhaus. Dort wurde von Vedius Pollio ein Fisch in Cäsars Fischteiche gesetzt, der, wie Annäus Seneca schreibt, erst 60 Jahre später starb, während zwei ebenso alte derselben Art noch lebten.“ In solchen Teichen zu fischen war ein besonderes Vergnügen der vornehmen Herrn. Dazu wurden oft auserlesen kostbare Geräte gebraucht. So fischte Kaiser Nero nach den Angaben seines Biographen Suetonius mit Netzen, deren Fäden purpur- und scharlachfarbig und mit Gold verziert waren. Außer mit Netzen fischte man im Altertum nach Oppian auch mit dem an einer Rute an einer Schnur aus Pferdehaar befestigten Angelhaken, dem Dreizack und durch Anbringen von Reusen. Durch letztere wurden besonders auch Aale gefangen. So schreibt Aristoteles: „Um Aale zu fangen, setzt man ein irdenes Gefäß mit Pökelfleisch hin und befestigt an dessen Mündung eine Reuse. Mit dem Geruch von gebratenem Fett kann man alle Fische leicht anlocken.“