Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Part 80

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Auf den griechischen Gebirgen wächst die von Ungarn bis Westasien heimische +morgenländische Silberlinde+ (~Tilia argentea~) mit an der Oberseite matten, unterseits aber dicht weißfilzigen Blättern. Sie ist die ~phílyra~ der Griechen, die Theophrast beschreibt. Sie ist jedenfalls auch der Baum, den die Römer als ~tilia~ bezeichneten; denn die Winter- und Sommerlinde kommen als Südgrenze ihrer Verbreitung nur noch auf den Bergen Norditaliens vor. Plinius schreibt von ihr: „Man unterscheidet bei den Linden (~tilia~) männliche und weibliche Bäume. Der Saft der Blätter und Rinde ist süß, aber die Frucht rührt kein Tier an. Zwischen Rinde und Holz liegt ein häutiges Gewebe, der Bast, aus welchem man Bänder macht, die ~tiliae~ heißen die feinsten nennt man ~philyrae~, braucht sie zum Binden von Kränzen und hält sie seit alter Zeit in Ehren. Das Holz ist dem Wurmfraß nicht unterworfen, mäßig hoch, aber nützlich. Die Blätter dienen als Arznei.“ Außer dieser morgenländischen wird auch die +abendländische Silberlinde+ (~Tilia alba~) aus Nordamerika mit auf der Unterseite schwach filzig behaarten Blättern und großen Blüten neben der von ebendort stammenden +Schwarzlinde+ (~T. americana~) in Anlagen gepflanzt, doch nur ausnahmsweise bei uns als Nutzholz gezogen.

Sehr beliebte Alleebäume sind auch die +Ulmen+ oder +Rüstern+ (~Ulmus~), deren Zweige lange, starre Ruten bilden, die mit zwei Reihen gleichlaufender Kurztriebe, an ihrem jüngsten Teile mit ebenso laufenden eiförmigen, scharf zugespitzten und gesägten Blättern besetzt sind. Leider sind letztere sehr oft von Blattläusen dicht besetzt und unterseits eingerollt, auch häufig durch Gallen verunstaltet. Abgesehen von diesen Nachteilen gehören die Ulmen zu den schönsten Zierbäumen und wachsen unter günstigen Umständen sehr rasch. Ihr ziemlich schweres, hartes, schwer spaltbares, aber glattes, elastisches, zähbiegsames, im Splint gelblichweißes, im Kern hellbraunes bis dunkelrotbraunes, oft fleckiges und maseriges Holz gehört mit zu den festesten und dauerhaftesten Holzarten, sowohl bei Verwendung im Trockenen, als auch im Freien und unter Wasser. Es ist ein ausgezeichnetes Wagner- und ein in neuerer Zeit auch viel verwendetes Möbelholz; doch ist es seiner schwierigen Bearbeitung wegen bei den Tischlern nicht besonders beliebt. Da es in der Dauer dem Eichenholze kaum nachsteht und auch dem Wurmfraße fast gar nicht ausgesetzt ist, eignet es sich besonders zu Bau- und Werkholz, ist auch der auffälligen Maserung wegen zu feinen Furnieren sehr gesucht, liefert ferner gute Kohlen. Das Holz gibt Pottasche; die getrockneten und frischen Blätter geben ein gutes Schaffutter. Die jüngere Rinde dient zum Gerben und Gelbfärben. Am häufigsten ist bei uns die +Feldulme+ (~Ulmus campestris~), ein bis 30 m hoher, ein Alter von mehreren hundert Jahren erreichender Baum, der im Gebirge bis 800 m hoch steigt und sich von Nordafrika durch Europa bis Sibirien und Kleinasien findet. Man kultiviert ihn in zahlreichen Varietäten. Noch höher steigt die +Bergulme+ (~U. montana~), bei der die Flughaut statt am oberen Rande der Frucht in der Mitte derselben liegt. Bei beiden sitzen die Früchte dicht am Zweige, bei der +Flatterulme+ (~U. effusa~), die in Wäldern und Vorhölzern von Gebirgsgegenden wächst und bei uns häufig in der Nähe von Ortschaften angepflanzt wird, flattern sie an einem langen Stil und tragen außerdem am Rand einen feinen Wimperkranz. Letztere nimmt mit ärmeren Böden als die beiden erstgenannten vorlieb und ist vornehmlich im Flachland zu Hause. In neuester Zeit werden aber die meisten Anpflanzungen von der +Waldulme+ (~U. scabra~) gemacht, die in Europa und Nordasien bis zum Amur heimisch ist.

Auch das Holz der schon im Jahre 1600 aus Virginien nach Frankreich gebrachten nordamerikanischen +gemeinen Robinie+ oder +falschen Akazie+ (~Robinia pseudacacia~) wäre ein vorzügliches Bau- und Konstruktionsholz und würde jedenfalls auch als Wagner-, Drechsler- und Möbelholz benutzt, wenn es in größerer Menge zur Verfügung stände. Der Kern zeigt ein gelb- bis rötlichbraunes Holz, das schwer, hart, elastisch, zähe und schwierig zu bearbeiten ist, aber eine große Festigkeit und sehr große Dauer besitzt. Wenn sich diese Holzart in unsern Gegenden überhaupt gehalten hat, so ist daran nur ihre große Anspruchslosigkeit an die Bodenverhältnisse schuld, nicht aber der Mensch, der zu ihrer Verbreitung nur wenig getan hat und sie nur selten rationell zu großen Bäumen zieht, sondern sie stets noch jung abholzt, um sie zu Rebstöcken und Stützen anderer Pflanzen zu verwerten.

Dem Ulmen- und Akazienholz sehr ähnlich ist dasjenige der +Maulbeerbäume+ (~Morus~). Es ist sehr hart, schwer, dauerhaft und wird in der verschiedensten Weise, in Südeuropa und Asien auch als Faß- und Schiffsbauholz, zu Straßenpflaster und Hafenbauten verwendet. Ebenso hart und fest, doch leider stark reißend und sich werfend ist das Holz der verschiedenen Sorbusarten. Dasjenige des +Vogelbeerbaums+ (~Sorbus aucuparia~) liefert ein vorzügliches Holz für den Wagner, auch für Drechsler und Holzschnitzer, während dasjenige von +Spierling+ (~S. domestica~) und +Mehlbeerbaum+ (~S. aria~) besonders für Maschinenbauer, Formstecher und Instrumentenmacher hohen Gebrauchswert besitzt. Auch unsere Obstbäume liefern vorzügliche und vielseitig verwendbare Hölzer. Das Holz des +Birnbaums+ ist schwer, dicht und hart, sehr fein und im Trockenen dauerhaft, es wirft sich zudem wenig und nimmt eine vorzügliche Politur an. Es ist deshalb ein hochgeschätztes Schreinerholz, das besonders schwarz gebeizt als Ebenholzimitation für feine Möbel viel verwendet wird, ferner ein gutes Drechsler- und vorzügliches Schnitzholz, vornehmlich für den Holzschneider bildet, der es als Surrogat für das seltenere und teurere Buchsbaumholz in Verwendung nimmt; deshalb wird das Birnbaumholz auch als „deutscher Buchsbaum“ bezeichnet. Das Holz des +Apfelbaums+ ist zwar härter und fester, aber weniger beliebt, da es sich stärker wirft und reißt. Man verwendet es mit Vorliebe für Werkzeuge. Das rötlichweiße +Kirschbaumholz+ ist mäßig hart und schwer, sehr fein, gut zu beizen und zu polieren, schwindet aber sehr stark. Gut getrocknet ist es ein schönes, in neuerer Zeit wieder sehr beliebtes Möbel- und Drechslerholz. Das rotbraune Holz der +Pflaumen+- und +Zwetschenbäume+ ist auch sehr fein, hart und ausgezeichnet polierbar, aber sehr spröde und stark reißend. Es wird vornehmlich für feine Kunstschreiner-, namentlich aber für Drechsler- und Holzschnitzarbeiten verwendet.

Sehr schwer, fest, hart und zähe ist auch das Holz von +Kornelkirsche+, +Hartriegel+ und +Weißdorn+; man verwendet es zu kleineren Dreharbeiten, Hammerstielen, Radkämmen, Spazier- und Regenschirmstöcken. Ein sehr brauchbares Wagner- und Drechslerholz liefert der schwarze +Holunder+. Aus seinen Wurzelstöcken, die häufig schönes Maserholz besitzen, werden mit Vorliebe Pfeifenköpfe geschnitzt. Zu letzterem Zwecke werden namentlich auch die Wurzelstöcke der in Südfrankreich und auf Korsika vorkommenden +Baumheide+ (~Erica carnea~), die unter dem Namen Bruyèremaser im Handel sind, benutzt. Vorteilhafte Verwendung zu feineren Drechsler- und Einlegearbeiten, Zahnstochern und dergleichen findet das, wenn zur richtigen Zeit gefällt, schön gelbe, ziemlich harte, feine und leicht zu schneidende Holz des +Spindelbaums+ oder +Pfaffenhütchenstrauchs+ (~Euonymus europaeus~). Ein unübertreffliches Material für Räder, Wagendeichseln, besonders aber Peitschenstöcke liefert der in Südeuropa wachsende +Zürgelbaum+ (~Celtis australis~), dessen Holz demjenigen der ihm sehr nahe verwandten Ulme ähnelt, aber zäher und elastischer als dieses ist. Auch der +gemeine Flieder+ (~Syringa vulgaris~), die +Stechpalme+ (~Ilex aquifolium~), die +Berberitze+ (+Berberis vulgaris+), der +Goldregen+ (~Cytisus laburnum~) und der +Essigbaum+ (+Rhus coriaria+) liefern vorzügliches Holz für kleinere Drechsler- und Kunstschreinerarbeiten.

Neben all diesen heimischen Holzarten werden eine Menge außereuropäischer Hölzer als Schmuckhölzer bei uns eingeführt, um zu Klaviergehäusen, Salonmöbeln, Billardtischen usw. verarbeitet zu werden. Unter ihnen ist wohl das +Ebenholz+, das seit ältester Zeit im Gebrauch stehende und teilweise wertvollste aller Schmuckhölzer. Unter diesem Namen faßt man eine Menge schwerer, dunkler und äußerst harter Hölzer von hoher Politurfähigkeit, aber großer Sprödigkeit zusammen, die von verschiedenen in den wärmeren bis tropischen Regionen gedeihenden Bäumen der Gattung ~Diospyros~ abstammen. Das gebräuchlichste derselben ist dasjenige des +indischen Ebenholzbaums+ (~Diospyros ebenaster~), eines Baumes aus der Familie der Ebenazeen mit bis 26 cm langen wechselständigen Blättern, achselständigen, auch aus altem Holze entspringenden, gelblichweißen oder grünlichen Blüten in Trugdolden und bis 10 cm langen olivengrünen, als „Mehläpfel“ bezeichneten eßbaren Früchten mit gelbem, schleimigem, säuerlichem Fleisch. Der in Vorder- und Hinterindien, wie auch im indischen Archipel sehr verbreitete Baum wird auf Mauritius kultiviert und ist neuerdings auch im tropischen Amerika eingeführt worden. Er liefert einen Teil des indischen Ebenholzes, besonders des Ceylonebenholzes. Das Splintholz junger Bäume ist weißlich und hin und wieder mit weißen, nach dem Kerne hin sich vermehrenden schwärzlichen Adern durchzogen. Bei alten Bäumen jedoch ist das Weiße kaum fingerdick, alles übrige ist schwarz und von so gleichmäßiger Textur, daß man die Spiegel und Jahresringe nicht leicht bemerkt. Dadurch und durch die größere Schwere unterscheidet sich das echte Ebenholz leicht von schwarzgebeizten hiesigen Holzarten, namentlich vom Eichenholz.

Neben dem indischen gibt es auch afrikanisches Ebenholz, von dem das +Madagaskarebenholz+ von ~D. haplostylis~ mit weißem Splint und tief blauschwarzem Kern als das schönste gilt. Das +Sansibar+-, +Kamerun+- und +Makassarebenholz+ von verschiedenen anderen Diospyrosarten ist weniger schön, von oft grauer bis braunschwarzer Farbe. Ein reh- bis kaffeebraunes, oft regellos schwarz gestreiftes, wie mit Tinte übergossenes, aber schönes und seltenes Holz ist unter dem Namen +buntes+ oder +streifiges Ebenholz+, auch +Koromandelebenholz+ von ~D. hirsuta~, so genannt, weil es zumeist von der Koromandelküste in Ostindien ausgeführt wird, im Handel. Alle diese Ebenhölzer kommen in Stämmen von oft gewaltiger Größe zu uns, gehören zu den schönsten und teuersten Schmuckhölzern und waren das geschätzteste Holz des Altertums. Schon im Alten Testament wird es als Luxusholz erwähnt. Im 5. Jahrhundert schreibt der griechische Geschichtschreiber Herodot: „Die Abgaben, welche die an Ägypten grenzenden Neger dem Perserkönig Dareios alle zwei Jahre entrichteten und noch entrichten, bestehen in Gold, 200 Stämmen Ebenholz (~ébenos~), 5 Negerknaben und 50 großen Elefantenzähnen. Überhaupt ist das Negerland reich an Gold, Elefanten und Ebenholz.“ Strabon und Plinius sagen, daß in dem südlich von Ägypten gelegenen Negerland die Wälder nebst Palmen vorzüglich aus Ebenholzbäumen bestehen. Des letzteren Zeitgenosse, der griechische Arzt Dioskurides, schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Für das beste Ebenholz gilt das aus dem Negerland stammende schwarze, aderlose, das so glatt ist wie poliertes Horn und, zerbrochen, wie eine dichte Masse erscheint. Gekaut schmeckt es beißend und schwach zusammenziehend. Auf Kohlen gelegt brennt es mit Wohlgeruch und ohne Rauch. Frisch ans Feuer gebracht, brennt es wegen seines Ölgehaltes an; an einem Wetzstein gerieben, wird es blaßgelblich. Es gibt auch indisches Ebenholz, das weiße und gelbliche Striche und Flecken hat, aber das schwarze (afrikanische) ist besser. Manche Leute verkaufen Holz vom Maulbeerbaum oder von Mimosen als Ebenholz, weil es durch seine Ähnlichkeit täuscht. Das Ebenholz wird gegen einige Krankheiten in Anwendung gebracht.“

Der Grieche Strabon und der Römer Vergil nennen Indien als die Heimat des schwarzen Ebenholzes, das im Lateinischen in Anlehnung an das Griechische ~ebenum~ hieß, woraus dann die deutsche Bezeichnung hervorging. Ersterer fügt hinzu, daß sich die Inder ihren Körper mit glatten Walzen von Ebenholz zu streichen pflegen, weil sie das für gesund halten, und Theophrast sagt in seiner Pflanzenkunde: „Ein eigentümlicher Baum Indiens ist der Ebenholzbaum (~ebénē~). Übrigens gibt es davon zwei Arten, wovon die seltenere mit glattem Stamm (der echte Ebenholzbaum) schönes, die häufige, ein Strauch, schlechtes Holz liefert. Die schöne Farbe des Ebenholzes ist von Natur vorhanden und erscheint nicht erst beim Aufbewahren.“

Als +grünes Ebenholz+ kommt neuerdings ein sehr hartes und schweres Holz in dünnen Stämmchen aus Südamerika nach Europa. Es stammt von ~Bignonia leucoxylon~ und besitzt in frisch geschnittenem Zustand eine bräunliche Farbe mit einem Stich ins Grüne, der sich aber an der Luft etwas verliert. Trotz seiner Härte ist es gut schneidbar und kann wie das echte Ebenholz, jedoch nur für kleinere Gegenstände, verwendet werden. Unter demselben Namen oder als +Grünherzholz+ kommt ein Holz von Britisch-Guinea in großen, roh behauenen Blöcken auf den Markt. Es stammt von ~Nectandra rodiaei~ und wird meist zur Stockfabrikation und im Schiffbau verwendet. Für Möbel- und Schreinerarbeiten ist es nicht nur seiner großen Härte wegen, sondern vor allem, weil es den Leim schlecht hält, ungeeignet. Ein sehr wertvolles Holz zu Kunstschreiner- und Drechslerarbeiten, Fächern, Parkettböden (z. B. im Schloß Herrenchiemsee) ist das +blaue Ebenholz+ oder +Veilchenholz+. Es stammt von der südaustralischen ~Acacia homalophylla~, ist dunkelblaubraun bis olivengrün und besonders im frischen Zustande durch den Veilchengeruch ausgezeichnet. Ebenso beliebt als Kunstholz für Drechsler, Holzbildhauer, Parketböden und die Stock- und Bürstenindustrie ist das im frischen Schnitt unscheinbar rötlichgraue, unangenehm riechende, an der Luft aber durch Sauerstoffaufnahme sich schön violett bis blutrot färbende +violette Ebenholz+, +Purpur-+ oder +Amarantholz+. Es ist hart, sehr schwer und stammt von südamerikanischen und westindischen Bäumen, wie ~Copaifera bracteata~ und ~Machaereum violaceum~. Als +rotes+ oder +braunes Ebenholz+, auch +Grenadille-+ oder +Kongoholz+ kommen rötliche bis kaffeebraune, sehr schwere und harte, aber elastische und schöne Politur annehmende Hölzer meist aus Afrika zu uns, die zumeist von ~Dalbergia melanoxylon~ stammen.

Unter +Eisenholz+ versteht man eine Menge sehr harter, mit gewöhnlichen Äxten nicht angreifbarer Hölzer verschiedener botanischer Abstammung, welche von Ostindien, Australien, der Südsee und von Madagaskar nach Europa gelangen und besonders in der Kunsttischlerei und Drechslerei Verwendung finden. Das wichtigste derselben ist dasjenige des in feuchten Wäldern Ostindiens wild wachsenden +Eisenholzbaums+ (~Mesua ferrea~), dessen Blüten auch getrocknet veilchenartig riechen und in der Parfümerie verwendet werden. Ebenfalls dunkelrot bis schokoladebraun mit oft tiefschwarzen Adern, schwer, hart und gut polierbar ist das amerikanische +Palisander-+ oder +Jakarandaholz+, das von verschiedenen Bäumen des nördlichen Südamerika und Mittelamerikas stammt. Als Stammpflanze des echten Palisanderholzes gilt ~Jacaranda brasiliana~, ein schöner Baum mit doppelt gefiederten Blättern, unterseits wolligfilzigen Fiederchen, mit großen Blüten in lockeren Rispen und rundlichen, zusammengedrückten Kapseln mit geflügelten Samen. Das Holz zählt zu den edelsten Kunsthölzern und liefert vornehmlich Furnierholz zu Luxusmöbeln, Klavierkästen, Billardtischen u. dgl. m.

Als Möbel- und Kunstschreinerholz unbrauchbar, aber für Kegelkugeln, zu Lagern an Maschinen, die eine starke Reibung auszuhalten haben, zu Tischen für Gerber usw. sehr geschätzt ist das +Guajakholz+, von dem bereits im Abschnitt für Arzneipflanzen die Rede war. Sehr wertvolle Zierhölzer sind die +Rosenhölzer+, die von verschiedenen Bäumen des Tropenwaldes stammen. Sie haben diesen Namen teils von ihrer rosenroten Farbe, die von hellrosa oder fleischrot bis tief karminrot wechselt, teils von dem kräftigen und angenehm rosenähnlichen Geruche. Interessant ist die Tatsache, daß die Farbe aller stark riechender Rosenhölzer im Lichte verblaßt, während die geruchlosen, zu denen vornehmlich das +ostindische Rosenholz+ von ~Dalbergia latifolia~ zählt, meist lichtecht und deshalb zu Möbeln besser geeignet ist. Das +echte Rosenholz+ stammt von der von Brasilien bis Peru heimischen ~Physocalymna scaberrima~, einem 6-8 m hohen Baum mit gegenständigen Blättern und großen Blütentrauben, die schon zur Zeit der Entlaubung erscheinen. Es ist sehr hart, dicht und schwer mit rosen- bis tief karminroten Streifen.

Rothölzer sind auch das +Pernambuk-+ oder +echte Brasilholz+ von dem im nördlichen Südamerika und auf den Antillen einheimischen bestachelten Schmetterlingsblütler ~Caesalpinia echinata~, ferner das +ostindische Rotholz+ von der verwandten ~Caesalpinia sappan~, deren beste Sorte aus Siam in den Handel kommt (es ist in Europa schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts als ~lignum presillum~ nachweisbar), das +afrikanische Rotholz+, Cambal- oder Camwoodholz von ~Baphia nitida~, einem 12-16 m hohen Schmetterlingsblütler in Sierra Leone, und das ostindische +rote Sandel-+ oder +Kaliaturholz+ von ~Pterocarpus santalinus~. Alle diese Arten besitzen ein Holz mit teilweise angenehmem Geruch und zeigen auf der frischen Schnittfläche gelbrote bis intensiv rote Farbe, die jedoch durch Einwirkung der Luft hell- bis dunkelrot, ja selbst bräunlichschwarz wird. Außer Nutzhölzer sind sie vor allem Farbhölzer. Die Caesalpiniaarten enthalten den durch Oxydation sich bildenden Farbstoff Brasileïn, welcher zum Rot- und Violettbeizen dient, während beim ostindischen roten Sandelholz der rote Farbstoff Santalin wirksam ist, der mit verschiedenen Metallsalzen rote bis braune Farbbeizen liefert; beide werden heute vielfach durch Anilinfarben ersetzt.

Ein ähnliches Farbholz ist das +Campesche-+ oder +Blauholz+ von der zentralamerikanischen Caesalpiniazee ~Haematoxylon campechianum~, von dem, wie vom Pernambuk- oder Brasilholz, bereits auf Seite 127 die Rede war. Es ist ein hartes, feines, schwer zu bearbeitendes, doch gut polierbares Holz von angenehmem Geruch im frischen Schnitte und kräftig blutroter Farbe, die an der Luft violett bis schwärzlich wird. Als Werkholz verwendet man es zu Drechsler- und Galanteriewaren, wie auch zu Violinbögen. Die Hauptmasse jedoch wird in den Fabenfabriken verraspelt, um den blauen Farbstoff, das Hämatoxylin zu gewinnen, das sich in Alkalien mit violetter Farbe löst und außer als Kernfärbungsmittel in der mikroskopischen Technik hauptsächlich zum Schwarzfärben dient.

Ebenfalls in Zentralamerika heimisch ist das +echte Gelbholz+ oder der +Fustik+, der vom Färbermaulbeerbaum (~Machusa tinctoria~) stammt und den gelben Farbstoff Morin enthält, der heute noch trotz der Konkurrenz der Anilinfarben mit Vorteil zu gelben, braunen und olivengrünen Beizen dient. Als +ungarisches Gelbholz+ oder +Fiset+ kommt dagegen das Holz des Färbersumachs oder Perückenbaums (~Rhus cotinus~) zur Verwendung. Es enthält denselben gelben Farbstoff wie die Quercitronrinde der nordamerikanischen Färbereiche (~Quercus tinctoria~), das Quercitrin. Ohne extrahierbaren Farbstoff gelb gefärbt und deshalb oft fälschlicherweise Gelbholz genannt ist das +gelbe Sandelholz+, das von dem in Ostindien heimischen Sandelbaum (~Santalum album~) stammt. Es ist gelblich, stellenweise rötlich und besitzt einen starken, angenehmen Geruch durch das in ihm enthaltene und durch Destillation daraus gewonnene offizinelle Sandelöl.

Zu den bekanntesten, schon seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Europa verwendeten ausländischen Hölzern gehört das +Mahagoniholz+, das von verschiedenen, nur im tropischen Amerika vertretenen 25-30 m hohen Bäumen der nach dem Leibarzte der Kaiserin Maria Theresia Gerard van Swieten (1700 zu Leiden geboren, starb in Wien 1772) ~Swietenia~ genannten Meliazeengattung aus der Familie der Terebinthen oder Balsamgewächse stammt. Das frische Holz ist gelbrot bis bräunlich, färbt sich aber mit der Zeit dunkelbraun bis fast schwarz. Es ist schwer und hart und bildet auch wegen des geringsten Schwindens unter allen technisch verwendeten Hölzern ein hochgeschätztes Möbel-, Kunstschreiner- und Furnierholz. Die wichtigste Art ist die in Westindien und im tropischen Amerika in einer verhältnismäßig schmalen Zone zwischen dem 11. und 23. Grad nördlicher Breite heimische ~Swietenia mahagoni~, die bei einem Stammdurchmesser von 4 m bis 33 m hoch wird. Der Baum besitzt einen weit ausgebreiteten, dicht belaubten Wipfel, trägt paarig gefiederte Blätter, kleine, gelblichweiße Blüten in achselständigen Rispen mit beinahe faustgroßen, braunen, holzigen Kapseln mit zahlreichen flachen Samen. Er wächst außerordentlich langsam und soll seine volle Größe erst im Alter von 200 Jahren erreichen. Man findet den Baum nirgends in geschlossenen Beständen, vielmehr steht er einzeln als ein Riese unter den anderen Bäumen des tropischen Waldes. Fünf Mahagonibäume auf den Hektar gelten schon als ein dichtes Vorkommen; meist sind die Bäume noch spärlicher verteilt. Das Fällen derselben wird von Juni bis Januar vorgenommen, und zwar verlegt man wegen der drückenden Hitze, welche tagsüber herrscht, die Arbeit gern auf die mondhellen Nachtstunden. Die gefällten Stämme werden vierkantig behauen und auf Ochsen- oder Maultierkarren dem nächsten Wasserlaufe zugeführt, wo sie entweder einzeln oder zu Flößen verbunden nach dem Meere geflößt werden. Während sie aber im Süßwasser ohne Schaden beliebig lange verbleiben können, muß ihr Aufenthalt im Meerwasser so kurz als möglich sein, da sie darin leicht vom Bohrwurm angegriffen werden. Zur Ausfuhr kommen in der Regel nur die besten und größten Stämme, die kleineren Stücke und die Abfälle verarbeitet man an Ort und Stelle.