Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte
Part 62
Ähnlich verhält es sich mit den den Rhododendren verwandten +Azaleen+, so genannt nach dem griechischen ~azaléos~ trocken, dürr, weil sie meist an dürren Orten wachsen. Auch sie sind wie jene sämtlich Hochgebirgspflanzen, die in zahlreichen Spielarten und Kreuzungsprodukten mit den Rhododendren einen wichtigen Teil unseres Frühlingsflors ausmachen. Die 40 Arten derselben wachsen in Nordamerika, Ostasien und eine einzige im Kaukasus. Die prachtvollsten Sorten kamen ums Jahr 1800 aus China zu uns, unter welchen ~Azalea indica~ mit roten Blüten, die dort seit alter Zeit als beliebte Zierpflanze kultiviert wird, die Stammmutter der meisten Spielarten ist und in zahlreichen Varietäten und Blendlingen in unsern Kalthäusern kultiviert wird. Sie ist wahrscheinlich auf vier Arten zurückzuführen und wird in bezug auf Blütenreichtum, Glanz und Farbenpracht der Blumen von keiner anderen Pflanzengattung übertroffen. Alle von der indischen Art abstammenden Azaleen haben meist 10 Staubgefäße und bleibende Blätter, weshalb sie auch zur Familie der Rhododendren gezählt werden. Alle übrigen, die pontischen, japanischen und amerikanischen Arten haben nur 5 Staubgefäße und abfallende Blätter. Die ersteren erfrieren bei uns im Freien, können also nur in Kalthäusern gezogen werden, während letztere unsere Winter im allgemeinen ertragen und mit nur leichtem Schutz im Freien ausdauern. Am frühesten, nämlich schon seit 1793, wurde bei uns die in den Gebirgen des nördlichen Kleinasien heimische +pontische Azalee+ (~A. pontica~) eingeführt. Es ist dies ein 1-2 m hoher Strauch mit großen, goldgelben, wohlriechenden Blüten. Der Nektar ihrer Blüten ist sehr stark narkotisch, so daß der von ihm gesammelte Honig betäubt und selbst Raserei zur Folge hat, wie schon die zehntausend Griechen, die unter Xenophons Führung im Jahre 400 v. Chr. den berühmten Rückzug aus Mesopotamien über das armenische Hochland nach Trapezunt am Schwarzen Meere machten, an sich erfuhren. Außer ihr werden bei uns im Freien meist die amerikanischen Arten: ~Azalea punicea~, ~mucronata~, ~amoena~, ~calendulacea~, ~arborescens~ und ~viscosa~, wie auch deren Kreuzungsprodukte gezogen.
Ein anderer, wegen seiner wundervollen Blüten bei uns als Topfpflanze, aber schon in wärmeren Lagen Norditaliens und Südfrankreichs im Freien gezogener Zierstrauch, der aus Ostasien zu uns kam, ist die +Camellie+ oder +japanische Rose+. Diese mit den Teegewächsen die Familie der Ternströmiazeen (nach dem Schweden C. Ternström, der China durchforschen wollte, aber 1745 vor Erreichung dieses Zieles starb, so genannt) bildende Pflanze erhielt nach dem Abbé Berlese in Paris, dem Verfasser einer Monographie der Camellien, ihren Namen von Karl von Linné nach dem Jesuiten Georg Josef Kamell (~Camellius~), der als gelernter Apotheker in Manilla auf den Philippinen 1639 allerlei Pflanzen, die medizinisch von Wichtigkeit sein könnten, sammelte. Die Camellien sind dem Teestrauche ähnliche Sträucher im Himalaja, in Cochinchina, China und Japan. Die prächtigste Art ist die ~Camellia~ (oder ~Thea~) ~japonica~, ein 12-15 m hoher Strauch mit lederartigen, immergrünen Blättern und reichlich erscheinenden, endständigen, stiellosen, großen, roten Blüten, die sich leicht füllen. Sie wird in Japan in Hecken und in China als Zierpflanze angebaut. Aus ihren braunen Samen wird dort ein dem Olivenöl ähnliches Öl gepreßt, das als Heilmittel und zum Hausgebrauch benutzt wird. Sie wurde 1739 von Lord Petre von Japan nach England gebracht und hier mit der erst gegen das Ende des 18. Jahrhunderts in Europa eingeführten chinesischen Art vielfach gekreuzt. Man zieht heute von ihr mehrere hundert prachtvolle Varietäten mit roten, rosenroten, weißen und weißgestreiften, gesprenkelten oder gefleckten Blüten. Sie blühen bei uns in Gewächshäusern von Februar bis April, doch bringt man viele Sorten durch künstliches Antreiben schon im Oktober und November zur Blüte. Bei sorgfältiger Pflege gedeiht sie auch im Zimmer, erträgt aber sehr schlecht einen Wechsel des Standortes, da in solchem Falle die Blüten regelmäßig abfallen. Die in China und Japan einheimische, in letzterem Lande ~sasankua~ genannte kleinere, zartere Verwandte, ~Camellia sasankua~ mit stumpferen, weicheren Blättern und kleineren Blüten, wird in ihrer Heimat häufig kultiviert. Nicht nur werden ihre wohlriechenden, weißen Blüten vielfach dem chinesischen Tee beigemengt, um ihn zu parfümieren, sondern auch die getrockneten Blätter unter die Teeblätter gemischt, desgleichen für sich allein als Tee benutzt. Mit einer Abkochung derselben waschen die Japanerinnen ihr Haar, und aus den Samen gewinnt man ein geschätztes, wohlriechendes Öl. In Nepal wird ~Camellia kissi~ mit stark wohlriechenden Blüten ebenfalls als Teesurrogat verwendet und liefert aus den Samen ein gutes Öl. Nach den japanischen Camellien gelangte dann auch aus China die reichblühende ~Camellia reticulata~ mit breiten Blättern und großen Blüten zu uns und lieferte durch Kreuzung mit jenen zahlreiche Blendlinge mit schönen, bunten Blüten.
Unter den Nachtschattengewächsen sind einige +Stechapfel+arten als Zierpflanzen von Bedeutung, so die ~Datura metel~ mit nachts sich öffnenden zarten, weißen, fast wie Lilien riechenden Blüten. Sie wächst im Mittelmeergebiet, in Afrika und Südasien und wird in Indien, Persien und Arabien zur Bereitung von Berauschungsmitteln mit Haschisch, Opium und Gewürzen verwendet. ~Datura fastuosa~ (d. h. die schöne, stolze) mit großen, weißen, bisweilen außen violetten, auch gefüllten, wohlriechenden Blüten in Ost- und Südasien, dem malaiischen Archipel und dem tropischen Afrika wird in Indien und China wie der Stechapfel bei uns benutzt und als Zierpflanze kultiviert. Sie wird auch bei uns in Töpfen gezogen, muß aber frostfrei überwintert werden. Gleicherweise ist dies mit ~Datura suaveolens~ (d. h. der angenehm riechenden) und der 3-4 m hohen ~D. arborea~ (d. h. der baumartigen) der Fall, die beide in Chile und Peru heimisch sind und große, hängende, weiße, besonders gegen Abend wohlriechende Blüten besitzen. Ebensolche hängende, große, aber statt weiße von der Basis bis zur Mitte gelbe, in der oberen Hälfte jedoch mattrote, mit blutroten Streifen durchzogene Blüten weist die ebenfalls strauch- oder baumartige ~D. sanguinea~ in Peru auf. Aus deren Blüten bereiteten sich die Peruaner, wie wir bereits erfuhren, einen berauschenden Trank, den einst die Priester des Sonnentempels in Sagamossa, dem peruanischen Orakelsitze, tranken, um sich mit den Geistern der Verstorbenen in Verbindung zu setzen. Deshalb wird die Pflanze heute noch von den Peruanern ~yerba de huaca~, d. h. Gräberpflanze, genannt. Von Nachtschattengewächsen werden auch manche Arten des +Tabaks+ als Zierpflanzen kultiviert, so ~Nicotiana tabacum var. purpurea latissima~ und die 3 m hoch werdende ~N. glauca~ aus Mexiko, ferner ~N. longiflora~ und ~affinis~, letztere mit großen, wohlriechenden Blüten, beide aus Chile, die gewaltige ~N. tomentosa~ aus Peru und die ~N. wigandioides~ mit 1 m langen und 60 cm breiten Blättern aus Venezuela.
Ebenfalls südamerikanischer Herkunft sind die bei uns als Gartenzierpflanzen so beliebten +Fuchsien+, die nach dem von Karl V. geadelten Schwaben Leonhard Fuchs (1501-1565) so genannt wurden. Dieser war zuerst Schullehrer in seinem Geburtsorte Wemding in Schwaben, erwarb sich dann als Arzt und Botaniker großen Ruf und starb als Professor der Medizin in Tübingen. Neben Otto Brunsfeld und Hieronymus Bock (genannt Tragus) war er der Begründer der vaterländischen Pflanzenkunde und gab die damals besten Pflanzenabbildungen heraus. Sein in Basel gedrucktes New Kreuterbuch besaß einst großes Ansehen, so daß es noch 1643 neu aufgelegt wurde. Die Fuchsien sind Sträucher oder kleine Bäume mit vorherrschend roten Blüten mit gefärbtem Kelch, vier Blumenblättern und kleinen, fleischigen, vielsamigen, dunklen Beeren. Über 60 Arten derselben finden sich in den Gebirgen von Mexiko bis zum Süden von Chile in Höhen von 1000-3000 m, wenige auf den Antillen, in Guiana und Brasilien, auch in Neuseeland. Der französische Botaniker Charles Plumier beschrieb 1703 die erste Fuchsia, die als ~F. coccinea~ 1788 in die europäischen Gärten eingeführt wurde. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts sind mehrere Arten in Kultur, und gegenwärtig zählt man mehr als 800 Hybriden und Spielarten derselben. Die hauptsächlichsten Stammeltern der jetzigen Fuchsien sind außer ~F. coccinea~ mit dünnen, purpurrötlichen Ästen, kleinen Blüten mit scharlachrotem Kelch, violettblauer Blumenkrone und lang hervorragenden Staubfäden ~F. fulgens~ mit mennigroten, ~F. globosa~ mit prächtigen, scharlachroten und ~F. gracilis~ mit kleineren, aber sehr zahlreichen, karminroten Blüten -- alle drei aus Mexiko -- und ~F. corymbiflora~ aus Peru mit 13 cm langen Blüten mit karminrotem Kelch und scharlachroter Blumenkrone. Lange Zeit war die Größe der Blume die geschätzteste Eigenschaft dieser beinahe prächtigsten Blütenpflanzen der Gewächshäuser, dann kamen die Sorten mit weißlicher Kelchröhre und gefärbter Blumenkrone, später gestreiftblumige Sorten, darauf gefüllte und fast gleichzeitig Fuchsien mit sehr dunkler Blumenkrone und zurückgeschlagenen Kelchblättern, endlich die Sorten mit roten Kelchen und weißer Blumenkrone auf. Bemerkenswert sind noch ~F. serratifolia~ aus Peru mit dunkelroten Ästen und roten Blüten, die in unserem Winter -- dem Sommer ihrer Heimat -- erscheinen, und ~F. microphylla~ aus Mexiko mit sehr kleinen Blättern und Blüten. Die Beeren mehrerer Arten werden in Südamerika, mit Zucker eingemacht, gegessen, von andern dient das Holz zum Schwarzfärben. Die Fuchsien wachsen leicht und willig, blühen sehr reichlich und gedeihen am besten, wenn man sie an einem luftigen, kühlen, nur eben frostfreien, wenn möglich etwas hellen Raum bei spärlichster Bewässerung überwintert.
Nahe verwandt mit den Fuchsien sind die +Weidenröschen+ (~Epilobium~), deren großblütige Formen als Zierpflanzen in den Gärten gezogen werden, wie auch die bis 1 m hohe +gemeine Nachtkerze+ (~Oenothera biennis~), deren schwefelgelbe Blüten sich abends öffnen und am folgenden Morgen welken. Sie wächst bei uns auch wild auf feuchtem Sandboden an Flußufern, stammt aus Virginien in Nordamerika und soll sich seit 1614 von Padua aus über Europa als Zierpflanze verbreitet haben. Durch große, wohlriechende, gelbe, abends zwischen 7 und 8 Uhr sich erschließende Blüten ist ~Oenothera grandiflora~ ausgezeichnet, die wie die vorige auch kultiviert wird, um deren rötliche, in der Farbe Schinken ähnliche Wurzeln in Scheiben geschnitten im Winter wie Sellerie als Salat oder auch mit Fleischbrühe als Gemüse zu essen.
Wie in Peru und Chile die leuchtend rotgelben Amaryllideen, sind dort auch die meist violett getüpfelten +Gauklerblumen+ (~Mimulus~), von denen bereits die Rede war, zu Hause. Von dort stammen auch die +Pantoffelblumen+ (~Calceolaria~), deren prächtig gelbe oder orangefarbene Blütenbüschel die Felsabhänge an den Füßen der Kordilleren schmücken. Sie gehören mit dem Fingerhut in die Familie der Scrophulariazeen und weisen 134 Arten vorzugsweise auf den Anden Südamerikas, in Peru und Chile, einzelne bis Mexiko und zwei in Neuseeland auf. In Chile speziell sind sie in fast 70 Arten bekannt und haben sich den verschiedenartigsten Lebensverhältnissen in Gebirg und Ebene angepaßt. O. Bürger schreibt über sie: „Die weithin leuchtenden großen, vollen Blütenbüschel der in Peru und Chile beheimateten Pantoffelblumen (~Calceolaria~) tragen wie wenig andere Pflanzen zum Schmuck der chilenischen Landschaft bei: am Rande der Bäche, an den Felsen und Hängen, welche die Wege begleiten, auf den heißen Steinhalden oder auch zwischen dem trockenen Geröll der Flußläufe, wo kaum ein Halm sprießt, haben sie Wurzel gefaßt. Und es ist ein farbenfreudiges Geschlecht. Freilich in der großen Mehrzahl bevorzugen sie Gelb oder Orange, aber andere glänzen mit purpurnen und noch andere mit weißen Pantöffelchen, wie aus Atlas. Bei den Eingeborenen sind sie sehr beliebt und sie sammeln große Sträuße der ~topatopa~ oder ~capachito~, wie sie in ihrer Sprache heißen, um das Zimmer damit zu schmücken. Leider verwelken sie aber sehr rasch.“
Ebenfalls im tropischen Amerika heimisch sind die +Gloxinien+, deren wundervolle, farbenprächtige Blüten die Zierde unserer Gewächshäuser bilden. Diese Gattung aus der Familie der Gesnerazeen hat ihren Namen nach dem Straßburger Botaniker P. B. Gloxin, der 1785 botanische Beobachtungen veröffentlichte, und besteht aus ausdauernden Kräutern mit knollenartigem Wurzelstock, saftigem Stengel, gegenständigen, einfachen Blättern, einzeln oder gebüschelt stehenden, großen, langgestielten, glockenförmigen Blüten mit ausgebreitetem, ungleich fünflappigem Saum. Die sechs Arten sind von Mexiko bis Brasilien und Peru zu Hause. Von ihnen werden vorzugsweise die ~Gloxinia speciosa~ von Brasilien und Hybriden von dieser und ~Gloxinia maculata~ mit aufrechten, horizontalen oder hängenden, vielfach im Innern getüpfelten blauen, roten oder weißen Blüten aus Brasilien kultiviert. Diese prachtvollsten aller Florblumen gedeihen aber auch gut im Zimmer. Zum Winter ziehen sie ein und die Knollen können trocken aufbewahrt werden. Jedes Blatt entwickelt an dem der Quere nach abgeschnittenen Blattstiel, aber auch, wenn man es auf Erde befestigt, an allen durchschnittenen Blattnerven Knöllchen, so daß man von einem großen Blatt deren fünfzig erzeugen kann. Übrigens werden unter dem Namen Gloxinien auch zahlreiche Formen und Farbenspielarten der brasilischen ~Sinningia speciosa~, auch Kreuzungen derselben mit den eigentlichen Gloxinien, bei uns kultiviert.
Gleicherweise südamerikanischen Ursprungs sind die +Petunien+, nach ~petun~, der brasilianischen Bezeichnung für den nahe mit ihnen verwandten Tabak, mit dem man diese Pflanzenart wegen der Ähnlichkeit der Blätter verwechselte, so genannt. Diese Gattung der Solanazeen oder Nachtschattengewächse umfaßt mit klebrigen Drüsenhaaren besetzte niedere Kräuter mit großen, vielfarbigen Blüten und vielsamigen Kapseln. Die 14 Arten kommen ausschließlich in Südamerika, speziell in Südbrasilien und Argentinien vor und wurden erst seit 1824 in Europa bekannt. Durch Kreuzung von ~Petunia nyctaginiflora~, einem Sommergewächs im Gebiete des La Platastromes mit weißen, und von ~Petunia violacea~, einem Sommergewächs in Argentinien, Montevideo und Chile mit leuchtend dunkelkarminroten, im Schlund schwarzvioletten, gestreiften Blüten hat man eine Menge schöner, auch gefüllter Varietäten und Blendlinge (~Petunia hybrida~, ~P. grandiflora~) erzeugt, die sich vorzüglich zur Bepflanzung von Gruppen auf Rasenflächen, auch zur Kultur in Töpfen eignen und häufig zu sehen sind.
Weiter hat uns Südamerika mit der +spanischen+ oder +Kapuzinerkresse+ (~Tropaeolum~) beschenkt. Von den 35 ausschließlich dort vorkommenden Arten dieser Gattung brachten die Spanier zuerst ~Tropaeolum minus~ 1575 aus Peru nach Spanien, während die größere Art, ~Tropaeolum majus~, erst 1684 von dorther nach der Iberischen Halbinsel kam, von wo aus sie schon 1686 nach England gelangte. Alte Berichte tun uns kund, wie groß das Entzücken der Blumenfreunde jener Zeit über die Einführung dieser schönen, reich blühenden und anspruchslosen einjährigen Staudenpflanzen war. Besonders ~Tropaeolum majus~ findet sich jetzt als eine der gemeinsten Florblumen in zahlreichen Varietäten in unseren Gärten. Am meist kletternden Stengel finden sich bei ihr schildförmige Blätter und große, gelbe, orange- bis purpurbraune Blüten, die geruchlos sind. Doch riecht und schmeckt die ganze Pflanze durch ein ätherisches Öl kressenartig, was ihr zu ihrem Namen verhalf. Sie wird als Salat gegessen; die Blütenknospen und die unreifen Früchte werden auch in Essig und Salz eingelegt und wie Kapern gebraucht. Daher wird sie oft „unechte Kaper“ genannt. Durch Kreuzung dieser Art mit dem ähnlichen ~Tropaeolum minus~ werden zahlreiche Varietäten, auch Zwergformen, gewonnen. ~Tropaeolum tuberosum~ mit knolligem Wurzelstock und vierlappigen Blättern wird in ihrer Heimat Peru der genießbaren Knollen wegen kultiviert und gedeiht auch bei uns. ~Tropaeolum lobbianum~ aus Kolumbien mit leuchtend kapuzinerroten Blüten klettert 3-4 m hoch, dauert in Gewächshäusern aus und blüht dort auch im Winter. ~Tropaeolum pentaphyllum~ aus Montevideo hat scharlachrote Blüten mit spitzen, grünen Kelchzipfeln und hält bei uns im Freien aus. Die kletternde +Kanarienvogelrebe+ (~Tropaeolum aduncum~) mit schwefelgelben Blüten und zerschlitzten Blumenblättern eignet sich besonders zur Bekleidung hoher Wände.
Wie die Kapuzinerkresse stammt auch die +Feuerbohne+ (~Phaseolus multiflorus~) mit feuerroten bis weißen Blüten aus Peru, wo sie schon von den Inkas zur Gewinnung der Samen als Speise kultiviert wurde. Wie die Samen der gemeinen Schminkbohne fanden sie sich als Totenbeigabe in den Gräbern der Peruaner. Bei uns wird sie nicht sowohl als Nutz-, sondern vorwiegend als Zierpflanze kultiviert und dient vorzugsweise zum Hinaufspinnen und zum Bekleiden von Lauben. Der französische Arzt und Botaniker Clusius (Charles de l’Ecluse, geb. 1526 in Arras, 1573-1587 Hofbotaniker in Wien, seit 1593 Professor der Botanik in Leiden, wo er 1609 starb) sah die Feuerbohne mit purpurnen Blüten zuerst 1564 in einem Kloster zu Lissabon und bekam dort auch Feuerbohnensamen aus Brasilien zum Geschenk. Diese brachte er nach der Rückkehr in seiner Heimat zum Wachsen; sie blühten blaßrot. Die daraus erzielten Samen schenkte er an Freunde weiter, die sie wiederum als interessante Novität in ihren Gärten pflanzten. So verbreitete sich diese schönblühende Kletterpflanze wie die übrigen südamerikanischen Eßbohnenarten als „welsche“ (spanische) oder „Stangenbohnen“ immer weiter unter den Völkern Europas.
Rein amerikanische Bäume und Sträucher mit ansehnlichen Blüten in rispigen Blütenständen sind die +Jasmintrompeten+ (~Tecoma~), eine Gattung der Bignoniazeen, die von Mexiko bis Argentinien, zumeist aber in Brasilien heimisch ist. Ihnen nahe verwandt sind die beiden kletternden Campsisarten, von denen ~C. radicans~ mit scharlachroten Blüten den östlichen Vereinigten Staaten von Illinois bis Florida und ~C. grandiflora~ mit größeren, mattfarbigen Blüten aus Japan bei uns an warmen Mauern angepflanzt werden. In Mittel- und Südamerika, besonders auf den Berghöhen Chiles und Perus wachsen die 81 Arten Loasa, von denen ~L. lateritia~ mit gelbroten Blüten aus Chile bei uns in Gärten, an Lauben usw. kultiviert wird. ~L. urens~ mit gelben Blüten stammt aus Peru, ist einjährig und wird in ähnlicher Weise verwendet. Im westlichen Nord- und Südamerika dagegen, besonders in Kalifornien, sind die in etwa 20 Arten vorkommenden +Godetien+ heimisch. Es sind einjährige Pflanzen mit großen, roten oder weißen Blüten in beblätterten Trauben oder Ähren. Mehrere Arten derselben, wie besonders ~Godetia amoena~, ~romanzowii~ und ~whitneyi~ werden in verschiedenen Varietäten als Zierpflanzen kultiviert.
In Peru und Ekuador ist der +Vanillenheliotrop+ (~Heliotropium peruvianum~) heimisch, ein bis 2 m hoher Zierstrauch, der wegen des köstlichen Vanillegeruchs seiner Blüten sehr beliebt ist und in mehreren Spielarten mit weißen, hell- oder dunkelblauen Blüten kultiviert wird. In Südfrankreich bereitet man aus seinen Blüten die für die Parfümerie wichtige Heliotropessenz, doch wird der Heliotropgeruch sehr oft auch durch Mischung von Vanille mit Orangenblüten, Rosen und Bittermandelöl, ebenso mit Piperonal nachgeahmt. Außer ihm wird das ebenfalls südamerikanische ~Heliotropium corymbosum~ mit größeren Blättern und dunkleren, narzissenhaft duftenden Blüten in unseren Gärten kultiviert. Der mit dem Vanillenheliotrop sehr nahe verwandte, ebenfalls in Südamerika heimische Strauch ~Tournefortia heliotropioides~ dagegen wird in Treibhäusern gezogen.
Ebenfalls südamerikanischer Herkunft sind die +Passionsblumen+ (~Passiflora~), die in etwa 250 Arten in ihrer Heimat den Schmuck der Wälder bilden. Sie klettern dort von Baum zu Baum und entfalten dabei ihre schönen, vielfach wohlriechenden Blüten, die meist angenehm schmeckende Früchte hervorgehen lassen. Die erste Passionsblume, die nach Europa kam, war die fleischfarbige ~Passiflora incarnata~, die ein Jesuit 1609 nach Bologna brachte. Im Jahre 1625 kam sie nebst der weißen ~P. coerulea~ mit blauem Fadenkranz unter dem Namen „amerikanische Clematis“ nach Rom. In einem 1633 erschienenen Buch: ~de florum cultura~ gab ihr der 1653 in Siena verstorbene Jesuit J. B. Ferrari den Namen ~Passiflora~, indem er die Blütenteile der ~P. coerulea~ mit den Marterwerkzeugen Christi verglich. Die drei Narben sollten die Nägel, mit der die Kreuzigung vorgenommen wurde, der rotbesprengte Fadenkranz die Dornenkrone, der gestielte Fruchtknoten den Kelch, die fünf Staubbeutel die Wunden, die dreilappigen Blätter die Lanze, die Ranken die Geißeln, die weiße Farbe der Blumenblätter die Unschuld des Erlösers darstellen. Daß die fromme Einbildungskraft in den verschiedenen Teilen der seltsamen Blüte die Attribute des Leidens Christi dargestellt fand, machte diese Zierpflanze im katholischen Südeuropa, wo sie gut fortkam, bald so populär, daß sie hier, wie in ihrer Heimat Peru und Brasilien, viel gepflanzt wurde, um so mehr, da sie 5 cm lange, eiförmige, orangegelbe, eßbare Beeren lieferte. Als eigentliche Fruchtpflanze wird in Südamerika die +vierkantige Passionsblume+ (~P. quadrangularis~) wie der Weinstock an Spalieren gezogen. Ihre 11 cm im Durchmesser haltenden, vanilleartig riechenden Blüten mit weißen, purpurn und violett gescheckten Blumenblättern lassen gänseeigroße, rötliche Früchte hervorgehen, deren breiiges, süßliches Fruchtmark gerne gegessen, als Heilmittel und zur Herstellung von wohlschmeckenden Getränken verwendet wird. Wegen der Ähnlichkeit der Früchte mit Granaten wird diese, wie überhaupt alle Passionsblumen, im Spanischen ~granadilla~ genannt. Noch größere, ebenfalls häufig gegessene purpurne Früchte hat die +eßbare Granadilla+ (~P. edulis~) in Peru.
Ausschließlich amerikanisch sind auch die den Myrten verwandten 157 +Cuphea+arten, von denen mehrere bei uns als Zierpflanzen kultiviert werden. Aus Mexiko stammen die 0,5 m hohe ~Cuphea silenoídes~, eine der schönsten Gartenpflanzen, und ~C. platycentra~ mit scharlachroten, röhrenförmigen Blüten. Von dorther stammt auch die unseren Steinbrechen verwandte ~Echeveria metallica~ mit sehr großen, runden, schön metallisch gefärbten Blüten, die in Gärten zu Einfassungen und Teppichbeeten sehr beliebt ist, wie auch ~Cotyledon gibbiflora~ und ~secunda~ mit prächtigen, roten Blüten. Ihnen nahe verwandt sind die als Topfzierpflanzen bei uns gehaltenen ~Crassula coccinea~ mit großen, scharlachroten, wohlriechenden Blüten, und ~C. arborescens~, beide vom Kap der Guten Hoffnung.
Von Kalifornien bis Mexiko wachsen in 10 Arten die zu den Mohngewächsen gehörenden +Eschscholzien+, so genannt nach dem 1793 in Dorpat geborenen und 1831 als Professor der Medizin gestorbenen Joh. Friedr. Eschscholtz, der 1815 und 1823 Kotzebue als Arzt auf dessen Entdeckungsreisen begleitete. Diese dem Mohn verwandten Pflanzen sind durch einen verwachsenblätterigen Kelch ausgezeichnet, der, über seinem Grunde umschnitten, in Form einer geschnäbelten Mütze abfällt. Häufig findet man in unseren Gärten die 30 cm hohe ~E. californica~ mit großen, glänzendgelben, im Grunde orangefarbigen Blüten; sie ist sehr dankbar, vom Sommer bis in den Herbst blühend und ausdauernd, erfriert zwar bei uns, sät sich aber von selbst aus und verbreitet sich dabei sehr leicht. Sie enthält mehrere Alkaloide und wird in ihrer Heimat als schlafmachendes und schmerzstillendes Mittel benutzt.