Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte
Part 61
In Asien und Europa heimisch sind die häufig als Zierpflanzen in Gärten gezogenen +Wollkräuter+, unter denen die +großblumige+ oder gemeine und die +kleinblumige+ oder echte +Königskerze+ (~Verbascum thapsiforme~ und ~V. thapsus~) die gebräuchlichsten sind. Unter ~thápsos~ oder ~thápsia~ verstanden die alten Griechen eine zum Gelbfärben benutzte Doldenpflanze (~Thapsia garganica~), während die Königskerze bei ihnen ~phlómos~ hieß. Der ältere Plinius sagt in seiner Naturgeschichte: „Die Königskerze (~verbascum~) heißt bei den Griechen ~phlómos~. Geschwollene Drüsen heilt man so damit, daß man sie, samt der Wurzel zerstoßen, mit Wein benetzt und in das Blatt gewickelt in Asche warm macht und sie noch warm auflegt. Es gibt Leute, die versichern aus eigener Erfahrung, dieses Mittel wirke am besten, wenn eine Jungfrau es nüchtern dem Nüchternen auflege, es mit der oberen Handfläche berühre und dabei sage: ‚Apollo sagt, jedes Übel werde gehemmt, dem eine Jungfrau entgegentritt.’ Sie muß sodann die Hand umwenden, dreimal so sprechen, und beide müssen dreimal ausspucken.“ Auch sein Zeitgenosse Dioskurides, der eine weiße und schwarze Königskerze (~phlómos~) unterscheidet, sagt, daß sie gegen verschiedene Krankheiten gebraucht werde. Die alten Griechen benutzten die wolligen Blätter mehrerer Arten als Lampendocht oder tauchten die ganze Pflanze in Pech, um sie als Fackel zu gebrauchen; daher der Name ~phlómos~. Der Flaum der Blätter, der aus baumförmig verzweigten Haaren besteht, diente früher als Zunder. Im Volksglauben der Deutschen war die Königskerze das Symbol der Königswürde. Die Jungfrau Maria wird vielfach ihren Blütenstand, gewöhnlich Himmelbrand genannt, in der Hand haltend dargestellt. Ihre süßlich-schleimig schmeckenden Blüten bilden heute noch einen wichtigen Zusatz zu allen Brustteearten und werden vom Volke zu Tee angebrüht gegen Bronchitis und leichte Fieberanfälle gebraucht. Gleicherweise werden die Blätter des großen +Wegerichs+ (~Plantago major~), aus denen man Hustenzeltchen fabriziert, gegen Luftröhrenkatarrh verwendet. Von dem auf Sandboden in Deutschland wachsenden Sandwegerich (~Plantago arenaria~) werden die Samenschalen wegen ihres großen Schleimgehalts von Wäscherinnen zum Stärken von Wäsche, wie auch in der Färberei und Kattundruckerei und zur Appretur von Lodenstoffen benutzt.
Auch mehrere Arten von +Ehrenpreis+ (~Veronica~), Sommergewächse, Stauden und immergrüne Kalthaussträucher, letztere von exotischer Herkunft, werden als Zierpflanzen kultiviert. Die Gattung hat ihren Namen von der frommen Frau (angeblich mit dem griechischen Namen Berenike, woraus die mittelalterlichen Lateiner, die diese Sage ausbildeten, Veronika machten) in Jerusalem, die Jesus auf seinem Todesgang ihr Kopftuch zum Abtrocknen von Schweiß und Blut darreichte und zum Lohn dafür auf dem zurückgereichten Tuch den Abdruck seines Antlitzes erhielt.
Als alte Arzneipflanze wird auch das an allen Teilen stark gewürzhaft riechende und schmeckende +Liebstöckel+ (~Levisticum officinale~) mit grünlichgelben Doldenblüten in Bauerngärten angepflanzt. Es stammt aus den Gebirgen Südeuropas, wird bis 2 m hoch und wurde schon im Altertum in Gärten gezogen. Es hieß bei den alten Römern ~ligusticum~, woraus sich die deutsche Bezeichnung Liebstöckel bildete. Plinius sagt von ihm: „Das ~ligusticum~ wächst in Ligurien und hat davon den Namen. Übrigens wird es überall in Gärten gezogen, heißt auch ~panax~ (d. h. Allheilmittel).“ Außerdem wurde es in Südeuropa als Einmachgewürz benutzt. Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihm, daß es nebst andern gewürzhaften Kräutern für die Küche eingemacht werde. Karl der Große empfahl dessen Anbau in den kaiserlichen Gärten. Im Mittelalter wurde es häufig angewandt und war damals in allen Gewürz- und Arzneigärten angepflanzt, ist aber heute ziemlich außer Gebrauch gekommen.
Ein ähnliches Küchengewürz und Arzneimittel war den Alten das +Bohnenkraut+ (~Satureja hortensis~), das bei den Griechen ~thýmbra~, bei den Römern ~satureja~ hieß. Es wurde und wird ebenfalls in Gärten gezogen und schmeckt dann milder als die wildwachsende Pflanze. Auch dieses Kraut ließ Karl der Große in seinen Gärten anpflanzen. Vom Mittelalter bis heute spielte es als Bohnenkraut beim Einmachen von Gartenbohnen eine gewisse Rolle. Wichtiger ist die +Gartenmelisse+ (~Melissa officinalis~), die ebenfalls aus Südeuropa zu uns kam und, seit sie durch die Mönche in die mitteleuropäischen Gärten eingeführt wurde, wegen des angenehmen Geruchs der ganzen Pflanze als Zier- und Heilpflanze überall angebaut wird. Aus ihr wird das in der Wirkung dem Pfefferminzöl ähnliche ätherische Melissenöl und Melissenwasser gewonnen; außerdem ist sie der Hauptbestandteil der ~species resolventes~, d. h. des zerteilenden Tees, und des früher berühmten, von den Karmelitermönchen als Geheimnis ausgegebenen Karmeliterwassers. Auch sie wurde von den alten Griechen und Römern arzneilich gebraucht; da aber unsere Gartenmelisse nur auf den Gebirgen Südeuropas vorkommt, gebrauchten sie gewöhnlich die in den Ebenen wachsende ~Melissa altissima~. Sie hieß bei den Griechen ~melissóphyllon~ und bei den Römern ~apiastrum~. Ebenso wurde der an felsigen Stellen Südeuropas wachsende +Ysop+ (~Hyssopus officinalis~) arzneilich gebraucht. Columella sagt, daß man aus ihm auch einen Würzwein mache. Heute noch wird diese an allen Teilen stark gewürzhaft riechende Pflanze in Bauerngärten angepflanzt.
Ein auch bei uns allgemein kultivierter, einst hochgeschätzter Strauch ist der in Südeuropa heimische, 1-1,3 m hohe, immergrüne +gemeine Rosmarin+ (~Rosmarinus officinalis~) mit schmalen, lederigen, am Rande zurückgerollten, unterseits weißfilzigen, stark balsamisch-kampferartig riechenden Blättern und blauen Lippenblüten. Die Pflanze wächst in Griechenland und Italien wild, wird aber auch in Gärten gehalten. Bei den alten Griechen hieß sie ~libanōtís~ (von ~líbanos~ Weihrauch, wegen des aromatischen Geruches ihrer Blätter) und wurden mit Rosen und Veilchen viel zu Kränzen benutzt; die Römer dagegen nannten sie ~ros marinus~ oder ~ros maris~, was wahrscheinlich aus dem griechischen ~róps~ (niedriges Gesträuch) und ~mýrinos~ (balsamisch) abzuleiten ist. Nach Dioskurides wurde der Rosmarin auch als Arznei verwendet; er soll nach ihm erwärmende Eigenschaften haben. Ein Grieche erzählt in den Geoponika über die Entstehung dieses wohlriechenden Strauches: „Es lebte einmal ein Jüngling namens Libanos, der die Götter fromm verehrte, und den neidische Menschen eben deswegen töteten. Da aber brachte die Erde zur Ehre der Götter eine Pflanze hervor, welche nach dem Namen des Ermordeten ~dendrolíbanon~ (Baumweihrauch, wie der Rosmarin außer ~libanōtís~ von den Griechen genannt wurde) genannt wird. Die Götter freuen sich mehr, wenn man ihnen einen Kranz von diesem Baumweihrauch (Rosmarin) weiht, als wenn man ihnen einen solchen von Gold aufsetzt.“ Außer den Götterbildern pflegten bei den Römern auch die Bildsäulen der Laren mit Rosmarin bekränzt zu werden. Karl der Große empfahl, ihn in seinen Gärten zu pflanzen. Noch heute tragen nach uralter Sitte die Landleute, die diese Pflanze stets in ihren Gärten ziehen, bei Leichenbegängnissen statt der älteren Zitrone einen Rosmarinzweig in der Hand. Schöne, aus Nordamerika zu uns gebrachte, höchst aromatisch duftende, großblütige Verwandte des Rosmarins sind die in Gärten kultivierten +Monardaarten+ (~M. dydima~ und ~M. fistulosa~), die man in ihrem Vaterlande auch als Heilmittel gebraucht. Ihren Namen erhielten sie von dem mehrfach erwähnten spanischen Arzt Nikolaus Monardes in Sevilla (1493-1578).
Eine uralte Heilpflanze der europäischen Völker, die früher als Universalmittel gegen viele Krankheiten galt, ist die ebenfalls zu den Lippenblütlern gehörende +gemeine Verbene+ (~Verbena officinalis~) mit blauen Blüten in rispigen Ähren. Sie wächst häufig an Wegen und Dorfstraßen und galt schon den alten Ägyptern, die sie als der Heilgöttin Isis geweihte Pflanze betrachteten, für heilig. Unter ~verbena~, das sich bei den alten römischen Schriftstellern häufig findet, verstanden die alten Römer allgemein ein bei sakralen Handlungen wie Opfern, Bündnissen und Kriegserklärungen gebrauchtes Kraut. Der alte Grammatiker Acro sagt uns darüber: „Verbenen sind alle Pflanzen, die bei festlichen Gelegenheiten zur Bekränzung der Altäre gebraucht werden. Das Wort hat ursprünglich ~herbenae~ (von ~herba~ Kraut) geheißen, ist aber durch veränderte Aussprache des ~h~ in ~verbenae~ übergegangen, wie man auch statt ~Heneti Veneti~ (Venetier) und statt ~hesperus vesperus~ (Abendstern) sagt.“ In diesem Sinne sagt Horaz (65-8 v. Chr.) in der neunten Ode des vierten Buches: „Mein Altar ist mit Verbenen geschmückt, und ein Lamm soll geopfert werden.“ Ähnlich schreibt Vergil (70-19 v. Chr.) in seiner achten Ecloge: „Verbrenne Verbenen und Weihrauch!“ Dazu bemerkt der um 380 n. Chr. lebende Servius: „Verbenen sind immergrüne, wohlriechende Zweige. Andere sagen, es seien überhaupt zu heiligen Handlungen dienende Zweige. Noch andere meinen, darunter seien vornehmlich Ölzweige zu verstehen; andere beziehen es auf den Rosmarin. Immer kommts aber darauf hinaus, daß es grüne Zweige sind.“ An einer anderen Stelle sagt derselbe Servius zu Vergils Äneide Buch 12, Vers 120, wo erzählt wird, Äneas habe mit Turnus ein feierliches Bündnis schließen wollen und dabei seien die daran Beteiligten mit ~verbena~ bekränzt gewesen: „Verbena bedeutet an sich ein heiliges Kraut (~herba sacra~), namentlich, wie viele glauben, den Rosmarin (~rosmarinus~), den man (mit der griechischen Bezeichnung) ~libanotis~ nennt, wenn es nämlich von der heiligen Stelle des Kapitols genommen wurde, und die Fetialen und der ~pater patratus~ (beides Bezeichnungen für die im Namen des Staats dergleichen Verhandlungen führenden Priester) sich damit bekränzten, wenn sie Bündnisse schließen oder Krieg ankündigen wollten.“ Statt ~verbena~ wird öfter auch der Ausdruck ~sagmina~ gebraucht. So erzählt Livius in I, 24, 4, daß der römische Fetial Marcus Valerius bei Abschließung des Bündnisses zwischen dem Könige Tullus (Hostilius, 3. römischen König, regierte von 672-640 v. Chr.) und den Albanern „~sagmina~, nämlich reine Kräuter“ aus der Burg geholt habe, und daß der Fetial alsdannn den Spurius Fusius zu seinem Gehilfen (~pater patratus~, wörtlich gevaterter Vater) erwählte, indem er dessen Haupt und Haar mit der ~verbena~ berührte. Der ältere Plinius sagt: „Von jeher haben sich die Römer der ~sagmina~ bedient, wo es sich um religiöse Feierlichkeiten handelte, durch die dem Staate aufgeholfen werden sollte, zugleich auch bedienten sie sich bei Opfern und Gesandtschaften der ~verbenae~. Jedenfalls bedeuten beide Wörter dasselbe, nämlich ein samt dem daran haftenden Erdballen auf der Burg (dem Kapitol) ausgerissenes Kraut, und immer hieß einer der an die Feinde geschickten Gesandten ~verbenarius~.“ Und Festus gibt über ~sagmen~ folgende Erklärung ab: „~Sagmina~ heißen die ~verbenae~, d. h. reinen Pflanzen, welche an einem heiligen Orte vom Konsul, Prätor oder von abreisenden Gesandten, welche ein Bündnis schließen oder Krieg verkünden wollen, geholt waren.“ Nach Stellen aus Vergil und Horaz wurden Verbenen auch bei der Venus dargebrachten Opfern gebraucht.
Zum Unterschied zu der heiligen ~verbena~ benennt Plinius unsere gemeine Verbene (~Verbena officinalis~), die beim Volk -- wohl wegen ihrer starken vermeintlichen Wirkung als Heil- und Zauberkraut -- +Eisenkraut+ heißt, als ~verbenaca~, während sie die Griechen als ~peristereón hýptios~ oder heilige Pflanze (~hierá botánē~) oder Zeusohr (~Diós ēlakátē~), ~erigénion~, ~chamailýkon~, ~sideritís~, ~kurítis~, ~persephónion~, ~kallésis~, ~hippársion~ oder ~dēmétrias~ bezeichneten. Schon diese zahlreichen Benennungen beweisen uns die hohe Achtung, die das Eisenkraut bei den Kulturvölkern am Mittelmeer genoß. Auch bei den Kelten galt das Eisenkraut als heilig und wurde unter feierlichem Ritual beim Opfer dargebracht. Als Zierpflanzen sind von den 80 meist amerikanischen Arten zu nennen: ~Verbena chamaedrifolia~, ein Halbstrauch mit leuchtend scharlachroten Blüten aus Argentinien und Südbrasilien, der 1829 durch Pater Feuille in die europäischen Gärten eingeführt wurde, dann ~Verbena teucrioides~ aus Brasilien mit weißen oder rötlichen, wohlriechenden Blüten. Ihre Blendlinge mit der vorigen Art bezeichnet man als ~Verbena hybrida~. Sie sind es, die in unseren Gärten als Zierpflanzen gezogen werden und wichtige Florblumen darstellen. Sie haben ähnlich den Aurikeln ein weißes Auge und werden in allen Farben kultiviert. Auch Kreuzungen dieser mit der argentinischen ~Verbena tenera~ sind wichtig. Die gestreiften italienischen Spielarten stammen aus Kreuzungen von ~Verbena pulchella~ mit ~V. incisa~, die beide ebenfalls aus Argentinien zu uns kamen. Die Gartenverbenen sind ungemein veränderlich, doch hat man unter ihnen auch zahlreiche samenbeständige Farbenvarietäten.
Verwandt mit diesen Gartenverbenen ist die ebenfalls südamerikanische ~Aloysia citriodora~, ein 0,6-1,2 m hoher Strauch mit nach Zitronen riechenden Blättern, die in seiner Heimat als Heilmittel gebraucht werden. Bei uns wird er wegen derselben in Töpfen gezogen. Ebenso ist die ihr verwandte +duftende Volkmarie+ (so genannt nach dem Präsidenten der Kaiserlichen Akademie, dem Naturforscher Joh. Georg Volkmar aus Nürnberg, 1616-1693) (~Clerodendron fragrans~), eine etwas filzige Topfpflanze aus Japan mit fast herzförmigen, gezähnten Blättern, wegen der weißlichen oder rötlichen, wohlriechenden Blüten bei uns als Zimmerpflanze beliebt.
Nahe verwandt mit dem Oleander, der im nächsten Abschnitte besprochen werden soll, ist das in den Laubwäldern Europas bis nach Norddeutschland wildwachsende +kleine Immergrün+ (~Vinca minor~), dessen zahlreiche nichtblühende Stengel niedergestreckt und reich beblättert sind und Wurzeln schlagen, während die blühenden aufrecht stehen. Die Blüten sind langgestreckt, blau, bei einigen Spielarten weiß, violett, rot, purpurn, einfach oder gefüllt. Noch schöner ist das in allen Teilen +größere Immergrün+ (~V. major~) mit kürzern Blütenstielen und hellblauen Blumen. Eine seiner Spielarten hat goldgelb gezeichnete Blätter, eine Varietät, die es übrigens auch vom kleinen Immergrün gibt. Beide Arten benutzt man vorzugsweise zur Ausschmückung schattiger und feuchter Stellen des Gartens, wo aus Lichtmangel keine anderen Pflanzen gedeihen, außerdem als Schmuck von Gräbern. Alle diese Arten blühen schon vom März an bis zum Juni und oft noch einmal im Herbst. Man vermehrt sie durch Teilung der Stöcke und durch Ausläufer, die sich häufig schon bewurzelt finden. Eine meist in Gewächshäusern kultivierte, ausdauernde Art der Antillen ist ~Vinca rosea~ mit langröhrigen, dunkelrosenroten, im Schlunde purpurnen Blumen.
Ein südasiatischer Strauch ist der in Gärten Südeuropas häufig kultivierte +Jasmin+ (~Jasminum grandiflorum~), der seinen Namen vom persischen ~jâasman~ oder ~jasmin~ hat. Seine langen, biegsamen Äste sind als Pfeifenröhren, namentlich in der Türkei, sehr beliebt. Die wohlriechenden weißen Blüten waren früher als Arznei gebräuchlich, werden jetzt aber nur noch als Parfüm, sowie zur Bereitung des in der Parfümerie geschätzten ätherischen Jasminöls gebraucht, indem man sie mit dem zu Pomade beliebten Behenöl von ~Moringa oleifera~ übergießt. Ein im Orient, in Süd- und Ostasien häufig angepflanzter Zierstrauch ist der in Ostindien heimische +arabische Jasmin+ oder +Sambac+ (~Jasminum sambac~), dessen blaße Blüten wie bei allen Nachtblumen erst nach Sonnenuntergang einen starken Wohlgeruch aushauchen, weshalb sie als Opfer und zum Ausstreuen in Tempeln, wie auch zum Parfümieren des chinesischen Tees dienen. Aus ihnen wird aber ebenfalls ein ätherisches Jasminöl und ein dem Rosenwasser ähnliches Wasser dargestellt. Mit den orangefarbenen Blumenkronröhren färbt man in Ostindien statt des Safrans Speisen und andere Gegenstände gelb. In derselben Weise werden die gelben Blüten des ihm verwandten ostindischen +Trauerstrauchs+ (~Nyctanthes arbor tristis~) verwendet.
Als +wilder Jasmin+ oder +wohlriechender Pfeifenstrauch+ wird der aus China und Japan zu uns gekommene ~Philadelphus coronarius~ mit starkriechenden, einfachen und gefüllten, grünlichweißen Blüten und gefüllten Blättern kultiviert und ist auch stellenweise um Dörfer herum verwildert. Seine geraden Schosse dienen zu Pfeifenröhren und die Blüten zum Extrahieren des Parfüms. Auch ~Philadelphus satsumi~ aus Japan, ~P. latifolius~, ~pubescens~ und ~gordonianus~ aus Nordamerika werden in unsern Parks gezogen. Dem wohlriechenden Pfeifenstrauch ähnliche Blüten hat der sehr ästige, 1 bis 2 m hohe japanische Zierstrauch, die rauhblätterige +Deutzie+ (so genannt nach dem Amsterdamer Ratsherrn Joh. Deutz, dem Förderer von Thunbergs botanischen Reisen), ~Deutzia scabra~, die in unsern Anlagen zu finden ist, während die dieser ähnliche, aber kleinere zierliche Deutzie (~D. gracilis~) als frühblühende Topfpflanze bei uns beliebt ist.
Ebenfalls in Japan und im nördlichen China heimisch ist die mit den vorigen verwandte +Hortensie+ (~Hydrangea hortensis~), ein bis 1 m hoher Strauch mit ursprünglich rosenroten Blüten in oft 30 cm im Durchmesser haltenden Trugdolden. Die „gefüllte“, d. h. nur mit großen, unfruchtbaren Blüten versehene Abart wurde 1788 in den berühmten, 1730 gegründeten botanischen Garten in Kew bei London eingeführt und erhielt ihren Namen vom englischen Botaniker Commerson, der sie 1767 in China entdeckte, nach seiner Freundin, Frau Hortense Lapeaute, die ihren Gemahl, der als Astronom mit ihm zusammen an der Bougainvilleschen Expedition teilnahm, begleitete. Die einfachblühende Form mit fruchtbaren Blüten wurde erst in neuester Zeit eingeführt. Die rotblühende Form kann man durch Zusatz von Eisen und Alaun in eine blaublühende verwandeln. Zu diesem Zwecke setzt man dem Wasser, mit dem man die in Töpfen gezogene Pflanze begießt, 5 g Eisen-Ammoniakalaun auf 1 Liter Wasser oder etwas Eisenvitriol bei. Die Gärtner pflegen der Erde schon beim Einpflanzen im August etwas Eisenfeilspäne -- etwa 15 g auf 1 Liter Erde -- beizugeben. Am besten dient hierzu eisenhaltige Erlenbruch- oder Sumpfmoorerde; in solcher entwickelt die Hortensie beständig blaue Blüten. Sie findet sich auch in Japan und entsteht bei uns zuweilen von selbst. ~Hydrangea paniculata~, ein Strauch mit weißlichen, später rötlichen, unfruchtbaren Blüten, wächst in Japan und auf Sachalin und wird bei uns besonders in großblumigen Varietäten als winterharter Zierstrauch angepflanzt, wie auch die weißblütige nordamerikanische +baumartige Hortensie+ (~Hydrangea arborescens~), die in Virginien zu Hause ist und 3 m hoch wird. Die Blätter von ~H. thunbergi~ dienen den Japanern zum Tee, der von ihnen wegen des Wohlgeschmacks Himmelstee genannt wird.
Die +Erikazeen+ mit etwa 420 Arten wachsen in Europa besonders im Mittelmeergebiet, am reichsten aber im Kapland, und zwar fast ausschließlich in der Nähe der Westküste. Von den einheimischen Arten werden außer dem Alpenheidekraut, der +fleischroten Heide+ (~Erica carnea~), auch einige Verwandte derselben in Gärten gezogen. Den Namen erhielt die Pflanzengattung vom griechischen ~ereíkē~, womit von den Alten die südeuropäische +baumartige Heide+ (~Erica arborea~) wegen ihrer brüchigen Äste (von ~ereíkein~ brechen) bezeichnet wurde. Dioskurides schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Die Baumheide (~ereíkē~) ist ein buschiger Baum, der Tamariske ähnlich, aber weit kleiner. Aus ihren Blüten holen die Bienen einen Honig, der gar nicht beliebt ist.“ Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, sagt: „Erice nennen die Griechen einen Strauch, der der Tamariske ähnlich, wie Rosmarin gefärbt ist, fast ebensolche Blätter hat und die Schlangen verscheuchen soll.“ Diese Baumheide wird 10 m hoch, hat kleine, fast kugelige, in Trauben vereinigte, wohlriechende Blüten, überzieht in manchen Gegenden Griechenlands weite Strecken und liefert namentlich den Bienen in Attika eine Hauptnahrung; doch hat der von diesen Pflanzen gesammelte Honig (~eríka-méli~, Heidehonig) einen eigentümlichen Geruch zum Unterschied des beliebten und teuren, schon im Altertum berühmten Honig des Berges Hymettos, der vorzüglich von ~Rosmarinus~ und ~Thymus capitatus~ von Bienen gesammelt wird. Das fleisch- bis ziegelrote maserwüchsige Wurzelholz der auf den Kanaren bis 20 m hoch werdenden Baumheide, das besonders aus Spanien, Südfrankreich und Korsika ausgeführt wird, wird zu Schnitz- und Dreharbeiten, besonders aber zu Pfeifenköpfen verwendet. Außer den einheimischen werden neuerdings besonders viele Erika-Arten vom Kap der Guten Hoffnung als Zierpflanzen kultiviert. Sie fordern eine besondere Behandlung in den sogenannten „Kaphäusern“ und zeichnen sich durch große Zierlichkeit aus. Ihre mannigfach geformten Blüten zeigen das reinste Weiß, zartes Rosa, feuriges Rot, Purpur, seltener Gelb und Grün. Winterharte europäische Arten, wie die +Sumpfheide+ (~Erica tetralix~) und ~E. ciliaris~ aus Südwesteuropa, besonders aber ~Erica carnea~ aus Südeuropa, ein zeitiger Frühjahrsblüher mit weißen oder roten Blüten, kultiviert man im Garten am Rande von Gebüschen, als Einfassungen und auf Moorbeeten. In Australien und Ozeanien sind die Erika-Arten durch die Epakridazeen vertreten, von denen ebenfalls zahlreiche zur Zierde in unseren Gärten gezogen werden. Manche von ihnen haben eßbare Früchte, von denen die der ~Styphelia sapida~ am meisten geschätzt werden.
Zu den Erikazeen gehören auch die +Rhododendren+ oder +Alpenrosen+. Wörtlich übersetzt heißt das griechische ~rhododéndron~ Rosenbaum, wegen der rosenroten Blüten. Im Altertume verstand man unter dieser Bezeichnung den ebenfalls rotblütigen Oleander (~Nerium oleander~). Öfter findet man in unseren Gärten die +rostblätterige Alpenrose+ (~Rhododendron ferrugineum~), die Königin der Alpenpflanzen, angesiedelt. Als Schneerose ist sie schon viel besungen worden und dient den Älplern als beliebter Schmuck. Auch zieren damit die Bergwanderer ihre Hüte. Häufiger als sie werden ausländische Arten als Zierpflanzen in Gärten und Gewächshäusern kultiviert, so vor allem die aus den Bergen Kleinasiens zu uns gekommene +pontische Alpenrose+ (~Rh. ponticum~) mit mattvioletten Blüten, die +kaukasische Alpenrose+ (~Rh. caucasicum~) mit großen, blaßgelben Blüten aus dem Kaukasus, die +goldblütige Alpenrose+ (~Rh. chrysanthum~) mit goldgelben Blüten aus Sibirien. Sehr zahlreiche baumartige Rhododendren wachsen an den Abhängen des Himalaja, so die +baumartige Alpenrose+ (~Rh. arboreum~), die in Höhen von 1600-3300 m vorkommt und in ihrer Heimat, von Kaschmir bis Nepal, 6-9 m hoch wird. Sie hat große, dunkelrote Blüten, wird aber in verschiedenen Abänderungen in den Gärten gezogen. Die Unterfläche der Blätter dieser Art ist mit einer süßen, zuckerartigen Masse überzogen, die bisweilen in durchsichtigen Tropfen hinabhängt und von den Gebirgsbewohnern Indiens gegessen wird. Die eigentliche Alpenrose des Himalaja ist aber ~Rh. dalhousianum~ (der Lady Dalhouse zu Ehren benannt), die wohlriechende, weiße oder rosafarbene Blüten von 13 cm Umfang mit dem feinsten Aroma erzeugt, welche ohne Unterbrechung 2-3 Monate aufeinander folgen. Sie findet sich im Sikkim-Himalaja in einer Höhe von 1600-2600 m, während ~Rh. nivale~ daselbst nur an der Grenze des ewigen Schnees gedeiht. Aus Nordamerika stammen ~Rhododendron maximum~, die der pontischen gleicht, aber höher wird, mit zart fleischroten bis fast weißen, innen gelb und grün gefleckten Blüten und ~Rh. catawbiense~ mit dunkelroten Blüten. Alle diese Arten wurden untereinander gekreuzt und haben sehr viele Blendlinge geliefert, die teilweise wundervolle Blüten aufweisen und den Stolz unserer Gewächshäuser bilden.