Jedermanns Hundebuch

Part 5

Chapter 53,169 wordsPublic domain

Selbst wenn der Junghund nach den Anweisungen des Kapitel 12 schon „spielend gelernt”, — das Wort ist sehr bezeichnend und hat tiefen Sinn — hat, muß man ihm doch noch eine vollständige systematische Dressuranleitung zum _korrekten_ Apportieren geben. Manche Rassen sind auch weniger arbeitswillig und zum Spiel nicht aufgelegt. Solchen mit ausgeprägten Sonderanlagen (z. B. Teckel, Windhund) ist es überhaupt möglich das Apportieren vor vollendetem 8.-10. Monat beizubringen, später ist es nahezu ausgeschlossen oder doch sehr langwierig. Zum Üben wird jetzt nicht Ball und Kugel, nur das Apportierholz verwendet. Raum dazu: ein ruhiges Zimmer ohne Ablenkungen, keine Zuschauer. Damit das Greifstück lieber gefaßt wird und die Zähne nicht verletzt, umnagelt man es mit einem Lederstreifen. Das Apportieren setzt sich aus 5 Handlungen zusammen (setz dich, faß, apport, setz dich, aus). Man ruft „herein” hängt die längere Leine (nicht die kurze Führleine) an das Halsband ohne das Tier durch Lebhaftigkeit zu erregen. Fiebert es vor Erregung hinaus zu kommen, so macht man mit ihm „am Fuß” einige Gänge; Kommando: „Setz dich”! Der Hund soll in Erwartung sein, aber nicht in Erregung, wenn es etwa die Zeit zum gewohnten Spaziergang wäre oder Gebell andrer Hunde, Lärm, Geräusche ihn ablenken. Ist das der Fall, so verschiebt man die Lektion, begnügt sich mit der Übung „leg dich”! Eine erfolgreiche Übung zu richtigem Zeitpunkt ist mehr wert als ein Dutzend erfolgloser. Sitzt der Hund in ruhiger Erwartung, so holt man das Apportierholz herbei öffnet ihm den Fang (Schnauze) mit leichtem Zwang, legt das Holz hinein, hebt leicht, den Kopf durch Druck von unten und spricht deutlich „Faß”, ihn scharf im Auge behaltend. Hält der Hund, so zieht man die Hand langsam zurück unter Mahnung „Faß”! Nach wenigen Augenblicken nimmt man ihm das Holz mit der linken Hand ab, die rechte drückt leicht den Kopf nieder und hilft nach mit Kommando _„Gib aus”!_ Man belobt, aber belohnt noch nicht. Nach einem kurzen Gang „am Fuß” erneutes Setzen und Wiederholung. Inzwischen Pause mit Ablegen. „Herein, setz dich”. Hält der Hund ohne Unterstützung, läßt sich das Holz willig in den Fang ohne Nachhilfe legen, so hält man es dicht vor die Schnauze: „Faß apport” ihm leicht entgegenkommend. Hat er das erstemal von selbst gefaßt, so wird er nach „aus” belohnt und die Lektion mit einem Rundgang „am Fuß” abgebrochen, aber nicht durch Spaziergang abgelöst, weil der Hund sonst während des Unterrichts nur an diesen denkt. Am besten erfolgen solche Stunden an langweiligen Regentagen, am stillen Sonntag Nachmittag. Es gehört dazu viel Nachsicht, Geduld und Zufriedenheit mit kleinem Fortschritt. Der Hund darf angesichts und während der Übung mit dem Apportierholz nie gestraft werden, damit er nicht ängstlich oder unlustig wird. Eher kann man das „Setz dich” vorher etwas scharf fordern, „leg dich” üben, aber dann das Holz noch nicht zeigen und erst bei erneutem Setzen ihm einlegen. Solange nicht das „Faß Apport” ohne Beihilfe klappt, schreitet man nicht weiter. Nimmt er das dicht vorgehaltene sogleich auf Befehl, so wird es das nächste Mal etwas weg und tiefer gehalten, nach alsbaldigem „gib aus” belohnt und abgebrochen. Eine kurze Lektion zur Zufriedenheit bringt mehr Erfolg als stundenlanges Wiederholen. Die nächste Übung ist Vergrößerung der Entfernung bis der Hund von selbst nimmt, sei es, daß wir das Holz bei kleineren Rassen auf den Boden, bei größten dicht vor seinen Augen auf bereitstehendem Holzschemel legen. Bei arbeitswilligen Hunden, die schon vorher spielend lernten, geht das alles in einer Lektion (mit einigen Pausen), bei andren kostet es 6—12 Tage. Ist ein Hund besonders hartnäckig und will sich das Holz absolut nicht einlegen lassen, so hilft oft ein Gewaltmittel. Man nimmt ein ähnlich dickes Stück Rundholz, legt es ihm weit rückwärts in den Fang und bindet es durch mehrfaches Umschlingen im Nacken fest, doch ohne zu scharf abzuschnüren. Mit dieser Befestigung macht man mit ihm einen mehrstündigen Spaziergang, wodurch oft der Widerstand für immer gebrochen ist. Dabei ist Kontrolle und viel Gehen am Fuß nötig. Die Schnur im Nacken wird zur Sicherheit noch an das Halsband befestigt. Mit derselben Verschnürung haben wir hartnäckige Raufer und Katzenwürger besser als mit Maulkorb kuriert. Nimmt der Schüler das Holz vom Boden auf, so darf es nunmehr fortgerollt oder geworfen werden, doch soll der Hund _erst auf Befehl_ „Faß apport” zuspringen. Dieses abwarten zu lernen, ist die Ursache, weshalb auch Hunde, die schon Ball, Kugel usw. bringen, die systematische Übung mit Sitzen vor Kommando, und mit sofortigem Abliefern mit Hinsetzen durchmachen müssen. Erst nach ganz exakter Ausführung darf das Apportieren im freien Gelände mittels mitgenommenen Gegenstands, nie mit aufgehobenem Stein oder Ast geübt werden. Schütteln, Beißen, Spielen, Herumziehen ist streng zu rügen und durch kurze scharf betonte Übung im geschlossenen ruhigen Raum (Zimmer, Hof) zu korrigieren. Nur ganz allmählich wird in langsamer Steigerung der bisherige Gegenstand durch beliebige andre, die anfangs die Witterung des Herrn tragen sollen, ersetzt. Niemand als der Herr darf mit ihm üben. Schwierige Aufgaben, z. B. Bringen von Metall (Schlüssel), das Hunde ungern mit den Zähnen berühren, werden belohnt, um die Äpportierfreude zu stärken. Dem „Faß apport” (Ergreifen und Bringen des Sichtbaren) folgt das „Such apport”, womit der Hund die erste Anleitung zum Verstehen von „Suchen” erhält. Der verwitterte (riechende) Gegenstand wird vor seinen Augen ins Gras, Klee, Heidekraut oder dergleichen geworfen, so daß der Hund zwar das Werfen, also die Richtung, nicht aber den eingefallenen Gegenstand liegen sieht. Diesen muß er durch Absuchen mit Auge oder Nase finden. Ist die Kugel in ein grünes Tuchstück, das man mit einigen Tropfen Anisöl parfümiert hat, gewickelt und erhält er diese vor dem Werfen vorgehalten, so kommt der Hund rasch von selbst darauf, die Nase zu benützen. Meist genügt es und ist auch für spätere Nutzanwendung klüger, nur das Tuchstück einige Stunden in der Tasche oder auf bloßer Haut getragen zu haben. Beim Werfen im Winter im Schneefeld benützt man ein helles Leinenstück. Weiß der Hund genau, was „Such apport” bedeutet, so versteckt man im Zimmer die umwickelte Kugel, läßt den Hund erst setzen und animiert mit „Such verloren”. Der gefundene Gegenstand ist immer, auch im Zimmer unter Hinsetzen vor den Herrn abzuliefern. Mit der Hand gibt man die Richtung an, damit der Hund lernt, diese als Hilfsmittel zu betrachten. Erste Nutzanwendung: während Gehen „am Fuß” lassen wir die umwickelte Kugel fallen, nach zehn Schritten: Kehrt. „Setz dich”, der Hund weiß, daß es etwas zum Apportieren gibt. Wir deuten von ihm weg, dicht am Boden entlang nach mit der Hand rückwärts: „Such verloren”. Versteht er nicht, so gehen wir langsam mit ihm zurück und verkürzen das nächste Mal den Abstand auf 5 Schritte. Das Deuten am Boden lehrt ihn, daß er auf Rückspur suchen soll. Nach einer Reihe von Übungen begreift der Hund unter Benützung und Beobachtung der Winke mit Hand oder Arm ganz von selbst, ob er auf der Fährte oder frei suchen soll. Durch Lob und freundliche Behandlung wird das Apportieren und Suchen bei den meisten Hunden zur Leidenschaft; es darf sich nur niemals mit den Übungen der Begriff von schroffer Behandlung oder Strafen verbinden. Auch darf man den Hund nie durch allzuhäufige Wiederholung am gleichen Platz genau derselben Übung langweilen oder ermüden. Abschluß immer Lob und Zufriedenheit. Weitergehende Dressur der Spurenarbeit mit Gehilfen ist Sache der sogenannten Polizeihunddressur aus Sozialdressurbüchern.

17. Kapitel. =Kleine Kunststücke.=

Unter teilweiser Ausnützung des schon vorher Gelernten und der bei spielender Dressur (Kap. 12) festgestellten Anlage lassen sich viele sogenannte Kunststücke beibringen, die man aus der Lust des Hundes am Springen, Apportieren, Verbindung von beiden, ableitet. Wer mit seinem Hund verblüffen will, daß dieser scheinbar rechnen oder lesen kann, der muß ihn nur mit leisesten Winken, kaum merklicher Bewegung der Lippen, Zucken der Schulter dirigieren. Dazu sind nur Hunde brauchbar, die mit Spannung dem Herrn ins Gesicht sehen, die Kommandos dort mehr ablesen als hören. Wer seinen Schüler an laute Befehle, von lebhaften Körperbewegungen begleitet, gewöhnt hat, darf nicht erwarten, daß er auf ein leises, mit geschlossenen Lippen hervorgebrachtes „Ss” reagiert. Oder ein Zucken von Schulter, ein Bewegen der Zehen, die im Stiefel ein Knarren oder Biegung des Leders verursachen, beachtet. Auf solchen, von den Mitmenschen nicht bemerkten Zeichen beruht das Lesenkönnen der Hunde oder ihre Fähigkeit, schwierigste Rechenaufgaben zu lösen. Noch nie hat ein denkender Hund oder Pferd in Abwesenheit des Herrn eine Frage beantwortet. Doch es ist sicherlich schon ein Beweis außerordentlicher Arbeitsfreude, wenn ein Hund immer wieder Buchstaben oder Zahlen klopft, scharrt, Buchstabenblätter herbeibringt. Man möge sich also trösten, wenn der eigne Hund nur mechanisch Gelerntes von sich gibt; selbst die gelehrtesten Hunde arbeiten nicht anders. — Hunde, die lebhaft sind und bewegungsfreudig, lernen sehr leicht springen, wenn man z. B. an langen Regentagen sie nicht hinausführen kann. Zwischen eine Tür stellt man ein Brett (Kistendeckel) in Länge der Türöffnung und in 3/4 Höhe des Hundes), befiehlt „setz dich” etwa 1—2 m von dieser entfernt, übersteigt selber lebhaft das Brett mit dem Ruf „Komm hopp”. Und ebenso zurück. Wiederholt es mehrmals, später auch ohne vorher setzen zu lassen. Sodann wirft man den Ball oder Apportierholz und befiehlt: „Hopp, apport”, bis der Hund freudig auf Kommando das Brett überspringt. Das nächste Mal wird das Brett durch vier zusammengestellte Leisten in folgender Form zwischen der Türöffnung ▭ ersetzt, die nicht höher sein dürfen als er, weil sonst der Hund darunter durchschlüpft. Springt er freudig, so wird die Lattenumrahmung einerseits frei an eine Wand gedrückt, die andre Seite begrenzt man selbst und kommandiert „Hopp”. Endlich stellt man nur noch die obere Latte allein an verschiedenen Stellen gelegentlich auch allmählich erhöhend wieder zwischen die Türöffnung, bis der Hund freudig die wohlbekannte Sprungplatte übersetzt. Dann wird diese durch ausgestreckten Arm oder Spazierstock ersetzt. Über der eingeklemmten Latte zwischen der Tür wird ein Reifen, aus Spanischrohr gebogen und anfangs durch Umwicklung mit Packpapier vergrößert, gehalten, bis der Hund durch den dünnen, etwas verengten Reif über die Latte zugleich setzt und schließlich durch den Reifen allerorten. Dann wird er gradso durch einen Bogen springen, den man mit beiden Armen, anfangs noch über der Türlatte, bildet. Alle Steigerungen erst, wenn das Kommando „hopp” über das Brett sofort verstanden und willig ausgeführt wird. Mit Lob, freundlichem Abklopfen nicht zu sparen, als Abschluß eine kleine Belohnung. Alle kurzrückigen Rassen (Terrier, Pudel, Pinscher, französische Bulldoggen, Dobermann) sind sprungwillig, weniger die längeren, auf kürzeren Läufen, oder die Trabläufer (Schäferhund, Rottweiler), die es aber aus Galopplauf im Freien über eine Wandung zwischen Gartentür ebenso rasch begreifen. Auch hier kann man Apportierlust dazu benutzen, namentlich wenn der Sprung aus Garten oder Hof zum Spaziergang ins Freie führt. — Hat der kleine Hund durch öfteres Zuwerfen kleiner Brocken, anfangs aus der Nähe, das Auffangen unter „Nimm” begriffen, so muß er auch lernen, zu warten bis er die Erlaubnis erhält. Man hängt die Leine an das Halsband, was dem Hund immer das Bewußtsein gibt, doppelt an den Herrn zum Folgen gebunden zu sein, und läßt „setzen”, hält den Kopf unter Mahnung zur Ruhe, wagrecht, legt leise ein Stück Zucker auf die Nase und läßt langsam den Kopf los. Auch ohne Mahnung pflegt der ungewohnte Anblick die Augen zu bannen, unter „st” entfernt man sich und fixiert scharf. Tritt herzu, ein leichter Schlag von unten an den Unterkiefer wirft das Zuckerstück in die Luft „Nimm” gibt die Erlaubnis danach zu schnappen; fällt es zur Erde, so wirft man es nochmals in die Höhe mit „Nimm”. Am nächsten Tag wird die Übung wiederholt, später ohne Leine aber immer mit vorherigem Kommando: „Setz dich.” — Das vorgehaltene Stück Zucker dient auch als Lockmittel zum Durchschlüpfen zwischen die Füße im Gehen. Man stellt sich mit vorgestelltem Fuß vor den Hund, lockt mit der linken Hand den rechts sitzenden Hund. Ist er durchgeschlüpft, so wird das andre Bein vorgestellt und der Zucker in die rechte Hand genommen, bis man 3 oder 4 Schritte gemacht hat. Hierauf erhält er das verdiente Stück, das immer zum Schluß gegeben wird, auch wenn man nicht mehr nötig hat, es zum Locken vorzuhalten und der Hund auf Befehl „hier durch” in Erwartung der späteren Belohnung von selbst kommt und bei jedem Schritt zwischen den Beinen durchläuft. Manche Hunde niesen aus Verlegenheit, wenn man sie fixiert. Man fragt dazu: „Wie niest der Hund”? und belohnt. Andre Hunde reagieren auf Quietschball (Gummiball, der zusammengedrückt, fiebt) prompt durch kurzes Bellen. Man wiederholt dicht vor ihnen das Geräusch 3—4 mal, belohnt jedesmal, namentlich wenn der Hund öfter antwortet. Dann wird der Ball in der Hand verborgen, ganz leicht gedrückt, der sitzende Hund erwartungsvoll angesehen. Auf Antwort darf mit Belohnung nicht gespart werden. Ist man sicher, daß der Hund 5—6 mal unbedingt anschlägt, so kann man ihn als Rechenkünstler vorführen und fragen: „Setz dich”, wieviel ist 4 mal 8 weniger 29. Darauf dreimaliges Drücken auf den verborgenen Ball, wobei die Zuschauer, „um den Hund nicht zu verwirren” etwa 10 Schritt weit entfernt gehalten werden, so daß sie unmöglich das leise Geräusch des Balls in der Brusttasche durch den angepreßten Arm oder in der Hosentasche vernehmen können.

Alles das sind scheinbar überflüssige Spielereien ohne praktischen Wert. In Wahrheit ist _alles_ nützlich, was der Hund lernt. Aus einem ergibt sich das andre. Noch bedeutungsvoller ist das Lehren für den Besitzer; er erlernt dabei den Hund behandeln und zu ermessen, wie weit ein Hund auf Erinnerung und Reize reagiert. Das Einvernehmen zwischen Mensch und Tier wächst; der Hund wird mit jedem neuen Begreifen leichter erfassen und fester behalten. Bis er Stimme, Ton, jede Regung versteht, worüber man oft irrig sagt: er versteht jedes Wort. Alle hohe Dressur ist Willigkeit zur Beachtung von Zeichen. Damit Belohnungen (ein Stückchen Kakes, Zucker) auch als solche empfunden werden, darf der Hund nicht überfüttert sein, auch außer den regelmäßigen Mahlzeiten in seiner Schüssel von niemand je Leckerbissen zugesteckt erhalten. Eher etwas knapp an einem Schultag (Regentag): ein voller Bauch studiert nicht gern.

18. Kapitel. =Wasserarbeit und Schwimmen.=

Die meisten Hunde gehen gern von selbst bei Hitze ins Wasser, wenn sie nicht unvernünftig behandelt, d. h. hineingeworfen oder an einer plötzlich abschüssigen Stelle den Grund verlieren und erschrecken. Ehe man den mindestens 6—8 Monate alten Hund ans Wasser führen will, sucht man sich schon in Gedanken eine flache Uferstelle aus, an der man sich nach Spaziergang an heißen Sommertagen lagert. Dann läßt man ihn gewähren und selbst Bekanntschaft mit dem nassen Element suchen. Jeder Zwang ist von Übel, Beispiel älterer Hund nützlich, aber nicht unerläßlich. Hat er sich ins Wasser gestellt und macht darin Gehversuche, so wirft man ein rundes Holzstück das mit langer dünner Schnur zum Herausholen zur Sicherheit versehen ist, wenige Meter von ihm noch ins flache Wasser: „Apport”. Sobald er herauskommt, schnell das Kommando „Setz dich, gib aus”!, ehe er sich noch schütteln kann. Wasserabschütteln vor Ablieferung des Apportgegenstands ist ein Dressurfehler, weil dabei meist der Gegenstand fallen gelassen wird und liegen bleibt oder, falls Ente des Jägers, entweicht. Was auch der Schüler ausführt, muß exakt sein. Hat man das Holz abgenommen, so mag er erst etwas herumspringen, ehe man aufs neue wirft. Nicht ermüden, und mit Lob abschließen, sodann flotter Heimweg namentlich später bei kühlerem Wetter. Einige Tage später versucht man es in tiefem Wasser; scheut er es, so geht man ohne Tadel nach Hause, versucht es nochmals. Das Versagen ist kein Unglück an sich, aber es gibt ein nie versagendes Mittel jeden Hund zum Schwimmen zu bringen. Dazu brauchen wir einen lebenden Gehilfen oder einen kurzen Pfahl, 1 m lang, unten spitz zum Einschlagen; oben (etwas unter Rand) wird eine Ringschraube eingedreht. Ort ein Bach, der zum Durchwaten für den Hund zu tief aber nicht reißend ist, Nähe einer Brücke. Auf dem einen flachen Ufer schlagen wir mit kräftigem Stein den Pfahl in den Boden, so daß er etwa 1⁄2 m noch herausragt, ziehen durch die Ringschraube eine lange kräftige Leine, werfen die beiden Enden auf das andre Ufer, zum sicheren Wurf mit angebundenem starken Holzstück. Sodann begeben wir uns mit dem Schüler über die Brücke zu der dem Pfahl gegenüber liegenden flachen Stelle. Das eine Ende wird an das genügend eng gestellte, aber nicht würgende Halsband befestigt, das andre nehmen wir in die rechte Hand. Mit der linken führen wir dicht an das Wasser und ziehen nun mit der rechten Hand langsam aber fest die durch die jenseitige Ringschraube laufende Schnur. „Voraus, so ist's brav.” Der Hund fühlt sich geführt an der Hand des Herrn, wenn er auch im Wasser den Boden unter den Füßen verliert, zieht ihn die Leine, daß er nicht versinkt, noch unsicher wird oder Zeit hat zum Paddeln oder Wasser treten. Kurz vor dem Ufer, noch ehe er herausspringen kann, erfolgt das Kommando „herein, hierher”! und das andre Ende der Leine, das bisher nur nachgab, zieht zurück. Man kann denselben Effekt mit einem Gehilfen erreichen, der den Hund am Halsband hält, während man die lange Leine ans andre Ufer wirft, über die Brücke geht und nun selbst den Hund an dieser zu sich unter Anruf hinüberzieht. Dort wird er gelobt. Besser ist es aber, das ganz allein in aller Stille ohne Zuschauer und Teilnehmer abzumachen. Man wird erstaunt sein, wie rasch jeder Hund begreift, daß das Wasser gar nichts gefährliches ist, und daß er an der führenden Hand des Herrn immer in Sicherheit ist. Dieses Hilfsmittel muß in vollster Ruhe und Bedächtigkeit benützt werden, überzeugt, daß es hilft und daß der Hund ohne jede Aufregung sich leiten lassen wird, als ob man schon 10 Hunde auf diese Weise von der Harmlosigkeit des Wassers überzeugt hätte. Am besten setzt man sich einige Minuten vor dem Anlegen an die hinübergeworfene Leine ans Ufer und raucht eine Zigarette, was auch zum Vertreiben von Mücken nützlich ist. Jede Unruhe, Nervosität oder Unsicherheit des Herrn überträgt sich auf den Hund, den wir auch nie über Trauer oder Niedergeschlagenheit täuschen können, wie unsre Angehörigen, die wir aus Rücksicht leicht mit Worten zu beruhigen vermögen.

Zu Schwimmkünstlern und Tauchern kann man nur solche Rassen machen, die ererbte Wasserpassion infolge Lebensweise der Vorfahren (Neufundländer) oder Abstammung von Arbeitsschlägen (Pudel, Spaniel. Airedaleterriers, die Otterhundblut führen) besitzen. Öfter führt auch häufige Gelegenheit durch Nähe von Teichen, Flüssen, Meeres- oder Seeufer, harte Schläge, wie rauhhaarige Terriers und Pincher dazu. Vorbedingung zum Tauchen ist sehr klares, ruhiges Wasser und freudiges Apportieren, wozu man Holzstücke durch Beschweren zum Untersinken präpariert, aber nie Steine, benützt. Will man den schwarzen Schnürenpudel in voller Schönheit und Farbe erhalten, so darf er nach dem Baden wie Schwimmen nicht lebhaften Sonnenstrahlen ausgesetzt werden; man wählt dazu die warmen Sommerabende. Auch lasse man sich nicht verleiten, an kühlen windigen Abenden Hunde ins Wasser zu schicken, besonders nicht kurz behaarte. Zum mindesten nehme man ein altes Handtuch mit und frottiere kräftig dem Haarstrich entlang. Ältere Jagdhunde, die viel zur Entenjagd benützt werden, zeigen durch Nierenleiden und Rheumatismus, wohin solche Zumutungen führen. Hat der passionierte Hund gegen Willen des Herrn ein eisiges Bad genommen, so begibt man sich im Eilschritt zur nächsten Behausung und scheue sich nicht, dort Wärmeschutz vor Ofen oder, nach Trockenreibung mit Heu oder Stroh, im Stall zu erbitten. Es wird selten gemütlose Menschen geben, die einem Tier Mitgefühl versagen, was zudem nichts kostet. Lieber eine halbe Stunde Aufenthalt, als ein krankes Tier, für das der Herr verantwortlich ist.

19. Kapitel. =Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn.=