Part 4
Zu dieser sehr wichtigen Übung raten wir, solange der Hund noch im unreifen, aber eindruckfähigen Alter steht. Der Gehorsam muß anerzogen in sein ganzes Wesen übergehen, nicht durch Dressurlektionen erzwungen werden. Der Nachhilfe, die dazu unerläßlich, setzt der _Junghund_ noch weniger Muskelkraft entgegen, ist noch leicht einzufangen, auch soll er dabei durch kleine Belohnungen den Eindruck gewinnen, daß rasches Befolgen für ihn von _Vorteil_ ist. Hat er begriffen, _was_ er soll, so genügt später freundliches Lob. Das vertrauensvolle bedingungslose Herkommen soll auch deshalb der systematischen Dressur, bei welcher man ohne gelegentlichen Zwang und gewisse Härte nicht auskommt, voraus gehen, da der Junghund im Kommen nur das Laufen zum freundlichen Herrn erblickt, der ihn noch nicht mit Lernen und sonstigen Zumutungen bedrückt hat. Wie alle späteren Übungen erfolgt diese im Anfang nicht bei starkem Ruhebedürfnis (kurz nach der Hauptmahlzeit), auch nicht direkt während lebhafter Emotion (Spiel, Springen, Bellen), in deren Bann seine Aufmerksamkeit voll steht, noch in Anwesenheit ablenkender Personen (Kinder, belebter Hof). An die Führungsleine muß er schon so weit gewöhnt sein, daß er sich an dieser nicht ungebärdig benimmt, in diese beißt. Für diese Übung wird sie durch eine längere (3—5 m) ersetzt. Man gibt ihm an dieser voll nach, legt die Schleife um das Handgelenk und ruft den Namen, dazu lockend: „herein”, in die Hände klatschend. Dieses Klatschen war oben schon angedeutet, um seinen Gang zu beschleunigen, wenn ihm die Futterschüssel hingestellt wird. Kommt er nicht sofort, so zieht man ihn unter Anruf heran falls nötig mit leichtem Ruck. Dann beklopft und streichelt man ihn freundlich, als ob er von selbst gekommen wäre. Nach einigen Minuten und Gehen an der verkürzten Leine läßt man diese nach und wiederholt den Anruf, wie oben angegeben. Sobald er das erste Mal willig und von selbst kommt, erhält er eine Belohnung und lebhaftes Lob. Ohne Ablenkung durch die Umwelt wird jeder Hund nach 3 Tagen verstehen, was er soll. Immer noch erfolgen die Übungen an langer Leine, die man versuchsweise aus der Hand läßt. Kommt er willig, so löst man ihn nach Belohnung und springt selbst mit ihm ein Stück, was immer für jeden Hund ein wohl verstandenes Zeichen von Anerkennung ist. Plötzlich bleibt man stehen, entfernt sich rasch nach rückwärts und ruft unter Händeklatschen. Wer es vorzieht, kann sich auch einer Pfeife bedienen. Aber niemals geht man beim Hereinrufen, um den Weg zu kürzen, entgegen, weil das Zugehen eher etwas Drohendes hat, oder den Hund zu der Annahme veranlaßt, es gehe weiter, und bisher war er immer gewöhnt, gemäß der Richtung des Herrn zu laufen. Diese Übungen sind so lange an der langen Leine fortzusetzen, bis der Hund genau begreift, was er soll und daß er _muß._ Hierauf kommen Übungen in Freiheit, wozu man die Gummischleuder mitnimmt. Ignoriert der Hund den Anruf völlig, dreht sich nicht einmal um, so erfolgt plötzlich der Strafschuß ohne vorherige Drohung. Auf diesen der freundlichste Anruf. Hierauf wieder einige Übungen an der langen Leine. Hört der Hund auf Anruf, nähert sich aber nur zögernd und halt machend, so wäre ein Strafschuß falsch; dann entfernt man sich rasch und lockt; wiederholt die Übungen an der Leine. Überflüssiges Pfeifen und Anrufen (Kommando, etwas anderes als Unterhaltung) ist zu vermeiden; außer auf Gehör (Ruf, Klatschen) wird man vorteilhaft durch Anwinken mit dem Arm unterstützen und so zugleich auf das Auge einwirken. Später wird das Deuten mit dem Zeigefinger eine Hilfe sein, wo er einen Gegenstand zu suchen, also seine Aufmerksamkeit hinzulenken hat. Zunächst deute man mit dem Arm zum Herrn: „herein”; für den fertigen Hund muß später das Winken mit dem Arm allein genügen. Sitzt das Herkommen fest — geübt wird es seltener, nur praktisch angewandt —, so wird das entgegengesetzte geübt. Erst einige Male im Zimmer blitzschnell „Platz”, unter Lösen der Leine und Armbewegung, scharf gegeben. Sodann etwa 20 Schritte vom Hause: „Geh Platz!” unter Lösen von der Leine scharf gegeben unter Drohung mit Gerte. Zu Hause wird er erwartet und gelobt, aber nicht belohnt, weil er sonst leicht von selbst umkehren könnte, in der Erwartung, sich damit etwas zum Fressen zu verdienen. Nächsten Tages wird die Entfernung erhöht auf 30 m und der Hund nach 1⁄4 Stunde abgeholt und mitgenommen. Geht er nicht sofort freiwillig, so begleitet man anfangs einige Schritte und wiederholt das Kommando „Geh Platz”. Diese Übungen müssen zunächst nicht auf alle Entfernungen ausgedehnt werden; da es aber nützlich ist, wenn man seinen Hund mit einer Botschaft nach Hause senden kann, werden sie später nach vollendeter Reife wiederholt, wenn der Hund alt und selbständig genug ist, sich nicht abfangen zu lassen. Jetzt sollen einige solche Übungen zunächst nur den Junghund lehren sofort nach Hause zu _finden,_ wenn er sich vom Herrn zufällig verirrt oder allein unbeaufsichtigt das Haus verlassen hätte. Ist er im Nachhausegehen nie geübt worden, so irrt er ratlos ab und kann leicht zu Verlust geraten. Nützlich ist es auch bei Heimkehr vom Spaziergang in Nähe des Hauses stehen zu bleiben und ihn mit Kommando „Geh Platz” vorauszuschicken. Man geht nach, wenn er gefolgt hat und ruft dem an der Haustür wartenden Hund aus etwas Entfernung zu: „Gib Laut”, worauf ihm das Tor oder die Tür dort geöffnet werden soll. Das nächste Mal wird er von selbst durch Bellen Einlaß verlangen.
12. Kapitel. =Spielende Dressur.=
Die spielende Dressur wird von Anhängern der scharfen Parforce-(Gewalt)-Dressur, die erst bei fertigen Hunden einsetzen dürfe, schroff verurteilt. Der Berufsdresseur, der in 6—8 Wochen einen Hund in allen Fächern firm machen soll, kann freilich damit nicht arbeiten. Wer sie aber anwendet, muß sich bewußt sein, daß er nicht mit dem Hund _spielen,_ sondern den _Trieb zum Spiel_ ausnützen, der nichts ist als Kräfteüberschuß, worin schon Schiller das Wesen des Spieles sah (s. dessen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen”, 27. Brief). Dem Kind ist sein Spiel tiefer Ernst; nur wer darauf eingeht, es nicht als gehaltlose Tändelei ansieht, wird das Kind verstehen und richtig leiten. Ebenso den zum Spiel aufgelegten Hund. Die besten Tricks der Dressur wilder Tiere, bewunderte Paraden von Freiheits- und Schulpferden sind nicht vom Dresseur erfunden und geschaffen, sondern vom Tier selbst; der Vorführende schleift höchstens ab und inszeniert. Ebenso bei den Hunden; kleine Wunder von Dressur erreicht auch bei Hunden nur, wer ihren Spieltrieb im Jugendalter beobachtet, ihn ausnützt durch Entgegenkommen, aus einer Pose und einem Versuch etwas macht, dazu das Kommando und Nebenumstände schafft. Was wir selbst nach Vorschriften für alle Hunde an Erfolgen erzielen, ist nur ein Wehren unter Drohung und Zwang, Erziehung genannt, und ein mechanisches Einpauken von Gehorsamsübungen unter Ausnützen von Sinnesanlagen (Gehör, Nase) und Urtrieben (Suchen, Revieren, Wachen, Haß gegen andre Tiere). Mehr oder minder scharf gedrillt und prompt ausgeführt, größere oder geringere Anlagen bei einzelnen Rassen und innerhalb dieser der Individuen, das allein unterscheidet die Resultate an den Hunden trotz aller Erziehung und Dressur. Den Jagd- und Gebrauchshund in Vollendung macht die Hochzucht. Anders beim Gesellschaftshund. Sobald ihm Bewegung nicht mehr eine Anstrengung ist, er auch geistig regsam wird, setzt der Spieltrieb ein, das Verlangen nach Beschäftigung, etwas Tätigkeit. Kommt der Besitzer dem nicht entgegen, bietet er nicht die äußeren Anreize, deren das in Gefangenschaft gehaltene Tier ebenso bedarf, wie der Mensch, so sucht der Hund selbst nach Betätigung. Je nach Kraft, Größe, Temperament ergibt das unliebsame Vorkommnisse; Zerstörungssucht nennt man es bei Kindern. Vorbeugend sperrt man tateneifrige Hunde in den Zwinger ein, hängt sie an die Kette, wo sie störrisch werden und verdummen, während gerade die beste Zeit zur Erziehung wäre. Beständig in menschlicher Gesellschaft werden sie intelligent, lenksam. Am leichtesten lernt der Hund im Spieltrieb apportieren; wenn er sich irgendwelche Gegenstände auf seinen Platz schleppt, ist der richtige Zeitpunkt. Man läßt vom Drechsler aus Buchenholz einen Apportierbock von folgendem Querschnitt ◻═◻, schlicht ohne Politur drehen, der leicht rollt, je nach Größe der Rasse 15—30 cm lang, bewegt ihn dicht vor den Augen des Hundes, wirft ihn leicht in die Höhe, fängt ihn auf, um so die Aufmerksamkeit zu erregen, rollt ihn dann an einen glatten Platz: Hausflur, Garten, nach Ruhe während des Spaziergangs an einsamer Stelle vor seinen Augen fort mit dem aufmunternden Ruf: „Apport”. Der Hund springt sofort nach, um ihn zu fangen. Ergreift er nicht sogleich, so kommt man zuvor, nimmt ihn weg, bewegt das Holz vor ihm und wirft aufs neue: „Apport”. Für Foxterriers, Airedales, die gerne springen, kann man auch eine Holzkugel oder Vollgummiball wählen, doch werden diese dann zuweit mit der leichten Beute davon eilen. Und es kommt darauf an, daß der Hund den Gegenstand alsbald abgenommen erhält, bis er selbst merkt, daß Ablieferung eine Fortsetzung des Spiels bedeutet. Das Apportierholz ist immerhin für das noch schwache Gebiß eine kleine Last. Sowie der Hund gefaßt hat erfolgt das Kommando: „herein”, auf das er in seinem Eifer meist nicht prompt folgt, nur mit Aufhorchen oder Zögern reagiert. Man eilt herzu, nimmt ihm mit sanfter Gewalt das Holz ab, reizt ihn ein wenig und wirft aufs neue: „Apport”. Dieses Spiel wird höchstens 3—4 mal wiederholt, so daß es Reiz des Neuen hat. Keinesfalls darf es ermüden oder langweilen, niemals dürfen wertlose Holzstücke oder gar Steine, an denen häufig Zähne abgebrochen werden, benützt werden. Läßt man auch nur einmal den fortgeworfenen Gegenstand zum Zerbeißen oder den Hund achtlos wegwerfen, so stiftet man für spätere Dressur zum korrekten Apportieren Schaden, verleitet man ihn sich Gegenstände des Haushalts zum Zerstören einzuholen. Hat der Junghund Freude am Nachspringen und Ergreifen, läßt sich aber nur widerwillig abnehmen oder jagt damit davon, so übt man einige Male an langer Leine. Für jedes Abnehmenlassen oder gar Bringen erfolgt lebhaftes Lob. Mit ein wenig Entgegenkommen muß man schon zufrieden sein, dann wirft man weiter. Gestraft wird hierbei nie, höchstens die Übung abgebrochen. Erst wenn man zufrieden ist, wird der Holzbock durch Holzkugel oder Vollball ersetzt. Wirft man letztere in Rasen, so umwickelt man sie mit hellem Stoffstück, um sie sie mit dem Auge zu finden. Kluge Hunde beobachten die Stelle des Einfallens und lernen bald, was sie nicht sehen, mit der Nase zu suchen, eine wertvolle Erleichterung für Verlorenapportieren. Wichtig für alle spielende Dressur ist der richtige Zeitpunkt; dieser ist, wenn der Hund selbst sein Lager verläßt und zum Herrn kommt, sich meldet; dann ist er aufgelegt, empfänglich. Spiellust läßt sich anregen, fördern, nicht befehlen. Setzt er sich fragend vor uns, so richten wir ihn an den Vorderpfoten auf, halten ihn einen Augenblick, lassen los, aber die Hände dicht vor ihm und sagen: „so schön”, ihn scharf ansehend. Macht er Miene sich herabzulassen, so mahnen wir mit „schön”, brechen ab, ehe er herabgeht, beloben und belohnen ihn. Das nächste Mal halten wir ihm unter dergleichen Mahnung einen Bissen dicht vor die Nase: „so schön”, werfen ihn nach kurzer Zeit im Bogen von oben zu mit dem Ruf „Nimm”! Werden diese und ähnliche Übungen gemacht, wenn der Hund von selbst zum Herrn kommt, so haften sie nach 3—6 mal. Holt man ihn und nötigt ihn dazu, so wird er nach 10 maliger Anweisung noch immer die mechanische Unterstützung und Anleitung brauchen. Richtet sich der Hund von selbst oder nach Anlocken unter Vorhaltung von Knochen oder Zucker auf den Hinterbeinen auf, so ist es Kleinigkeit, diese Stellung zu verlängern durch langsames Entfernen über ihm nach rückwärts, unter Zeigen und Vorhalten des Bissens ihn das Gehen auf den Hinterbeinen (Tanzen) zu lehren. Durch Aufheben aufgerichtet und Zuspruch lernt er es schwer, viele, gar nicht. Sie müssen selbst die dazu nötige Stellung ausbalancieren und einen Zweck vor Augen sehen. Sitzen wir ruhig im Zimmer, und der Hund kommt langsam heran, berührt uns mit der Pfote, so ergreift man diese lebhaft und drückt sie. Hält dann die offne Hand vor die Pfote. Erhebt er sie nicht, so stößt man leicht von rückwärts den Vorderlauf an: _„Gib Pfote.”_ Handbewegung, Armhaltung und Wort müssen sich immer ergänzen. Stille im Zimmer, Abwesenheit anderer Menschen sind der richtige Moment. Das im Augenblick gegebene zu erfassen macht den Laien zum Dressurkünstler, nicht das Programm und Lehrbuch. In allem sonstigen mag man nachlesen und Rat hier einholen, was in diesem Kapitel 12 steht, muß in das Gefühl übergehen und in den Fingerspitzen sitzen.
III. Teil. Systematische Dressur des Jährlings.
13. Kapitel. =Leinenführigkeit.=
Hat der Hund das spielende Wesen abgelegt, seine Glieder in der Gewalt, das endgültige Gebiß bekommen, so geht der Junghund in den Jährling über, je nach Rasse im 7., bei größten Schlägen im 9. Lebensmonat. Am schnellsten lernt jedes Tier, wenn es genau nach Methode wie die Vorfahren erzogen wurden, Rassen mit Tradition der Dressur wie Jagdspaniels begreifen fast von selbst. Statt des Lederriemens erhält der Jährling sein solides Zug-, der Polizeihund sein Dressurhalsband; an Stelle der Führungsschnur tritt die Lederleine, Zwang zu exakter Ausführung ersetzt bisherige Nachgiebigkeit. Wir erleichtern nur noch Begreifen und Ausführung, sind aber unerbittlich in exakter Befolgung. Leinenführig ist nur der Hund, der an _linker Seite, dicht_ am Knie, den Kopf für Führer _sichtbar,_ die Vorderläufe in gleicher Höhe wie der Herr geht, ohne die Leine je zu _spannen._ Bester Zeitpunkt der Übung: Rückkehr vom langen Spaziergang, nicht sofort bei Ausgang. Wir überdenken vorher, so daß uns der Rückweg längere Zeit an Mauern, grader Vorgärtenreihe, Häuserwänden ruhig vorbeiführt. Dort angekommen, deutlicher Anruf, kurze stille Rast, Anlegen. Leine kurz in linke Hand, in rechte Gerte, Kommando: _„am Fuß”_ und im gleichen Augenblick energisch antreten. Nun gehen wir ganz langsam so dicht an der Mauer oder Häuserreihe, daß der Hund links durch diese, rechts durch das linke Bein eingeengt ist. Die Kopfstellung leitet die Länge der Leine. Prellt er mit dem Kopf vor, so erfolgt ein leichtes Zurückziehen und Zuruf „zurück”. Genügt das nicht, ein warnender Schlag mit der Gerte aus dem rechten Handgelenk über die vorgestreckte Nase. Leichtes Lob, lebhaftes würde zum Springen veranlassen, harte Strafe zum ängstlichen Nachschleichen. Das Marschtempo sei alsbald flotter, damit der Hund nicht teilnahmlos nebenher trottelt, sondern animiert geht, da prägt sich das „am Fuß” fester ein als bei dem bisherigen gewohnten Nebenherlaufen. Bleibt man mal stehen, so wird das Kommando „am Fuß!” mit Kurzhalten und lebhaftem Antritt neu gegeben, die Schritte sollen tunlichst hart hallen, wenigstens die ersten, damit die Bewegungsart die Führung unterstützt. Erster Tag ohne Hindernisse und Wendungen; am Endpunkt lösen, loben, Erlaubnis zum Vorspringen mit aufmunterndem „Voraus”. Nach voller Zufriedenheit am zweiten Tag zeitweilig unmerkliches Lösen der Leine, sonst erst bei dritter oder vierter Wiederholung. Wechsel des Weges vorteilhaft, später auf anderer Straßenseite ohne die bannende Wand oder Mauer links. Nächste Steigerung: belebtere Wege unter leichtem beruhigendem Zuspruch bei Annäherung von Hunden; Lob und Ermahnung sollen von Abirren abhalten. Jedes scharfe Abbiegen nach rechts erfolgt unter Kommando „am Fuß”! und leicht angezogener Leine. Wiederholung frei „am Fuß”. Zum Schluß jedesmal Lob und Entlassung: „Voraus”.
14. Kapitel. =Setz dich, Leg dich, Ablegen.=
Drei reine Gehorsamsübungen, wozu der Hund begreifen muß, was er soll; das Verharren ist das Folgen aus Einsicht, daß er sich damit Strafe erspart. Anfangs übt man im leeren Raum unter Ausschaltung von Ablenkungen, zu denen auch der Trieb des ersten Auslaufens beim Ausgang gehört. Zunächst Namenanruf, Anhängen der Leine, Stehen dicht vor Herrn, die linke Hand faßt nach Halsband unter der Kehle und drückt leicht zurück, die rechte drückt die Keulen nieder, kurzes Kommando _„Setz”!_ Die rechte Hand läßt nach, zeigt dem Hund die senkrecht vor die Nase gehaltene Handfläche (späteres Zeichen ohne Kommando), die linke bleibt noch. Bannender Blick und Zeigen der rechten Hand. Macht er keine Miene aufzustehen, so tritt man zurück, leises Lob. Alsbald beim Ausgang Erlaubnis zum Voranspringen, wenn angezeigt, Abmarsch mit _„am Fuß”!_ Später Wiederholungen, kurzes Kommando und Hilfe zur Ausführung ergänzen sich rasch zusammenfallend. Nutzanwendung: so oft der Hund am Fuß geht und der Herr stehen bleibt, jedesmal _„Setz dich”!_ Bald nur noch auf Vorhalten der Hand senkrecht vor die Nase, bis,sich der Hund von selbst setzt, sobald und wo immer der Herr still steht. Zweck: würde der Hund ungeleint neben dem Herrn, der irgendwie durch Unterhaltung, Blick in Schaufenster, auf Plakat usw. beschäftigt ist, stehen, so wird er leicht zu fremden Hunden laufen, sich langweilend weiter bummeln. Das konsequente Setzen ist ein Bannen am Ort, ohne daß er leicht getreten wird oder in Versuchung kommt. Je temperamentvoller die Rasse (Polizeihund), desto wichtiger ist dieses Bannen; Zwerghunde lernen es selten, da ungeduldig.
Ein weiterer Schritt, etwas schwieriger, für jede höhere Dressur unerläßlich, ist das Legen auf gedehntes Kommando. Gut erzogene Hunde wissen schon aus dem Befehl: „Platz, leg dich”, was sie jetzt sollen. Führen sie es aus dem Gehen beim Fuß angeleint, nicht auf gedehnten Befehl: „Leg dich” aus, so drückt man mit linker Hand auf den Rücken, während die rechte unter die Vorderläufe greift, sie nach vorne schiebend. Die linke Hand bleibt, der rechte Arm erhebt sich wagrecht wie hypnotisierend über den Augen. Allmählich hebt sich die linke weg, der rechte Arm bleibt mit wagrechter Hand erhoben; will der Hund aufstehen, so klappt die Hand auf den Oberkopf unter „Leg dich”! Nach einer Reihe von Übungen muß der Hund lediglich auf Erheben des rechten Arms mit wagrechter Hand und allmählichem Senken auch ohne Wortbefehl sich legen. Dieses erfolgt immer mit leiser Stimme, die auf den Hund eindringlicher wirkt, als Schreien. Vollen Erfolg hat nur, wer öfter wiederholt, aber unbedingte Befolgung fordert, falls nötig mit Gerte nachhelfend. Jedes Nachgeben und Verzicht auf Ausführung lockert auch die Disziplin auf andren Gebieten. Ist das Legen (Down) für Jagdhunde unerläßlich, für manche die halbe Dressur, wenn damit das Niedersenken des Kopfes zwischen die Vorderfüße verbunden ist, so ist es bei kleinen Rassen entbehrlich, wenn man sie im Hause zum pünktlichen Gehorchen auf „Platz, leg dich”! erzogen hat. Auf „Setz dich”, sollte niemand verzichten. Alle Polizeihundrassen müssen das „Leg dich” ausführen, sowohl auf Wort wie Wink. Nutzanwendung:
1. Wenn der Hund auf größere Entfernung unsre Stimme gegen Wind nicht hört, können wir ihn durch Armaufheben bannen, bis wir zu ihm herangehen und ihn anleinen.
2. Ablegen zum Bewachen eines Gegenstandes, falls fremder Gegenstand fügt der Herr etwas hinzu, was seinen Geruch trägt (Handschuh). Hierzu wählt man einen ruhigen Ort, wenn möglich an Wandung, Böschung, Mauer, Baumstamm im Schatten, anfangs angelegt oder mindestens mit angehängter Leine. Nach Ermahnung entfernt sich der Herr, verhält sich ruhig verborgen; schleicht der Hund nach, wird er unter „Pfui” und Zeigen der Gerte zurückgebracht, aber alsbald persönlich abgeholt, unter Mahnung: ruhig „Platz!” damit er nicht entgegenspringt. Abrufen wäre falsch; was zu bewachen ist, darf nie verlassen werden.
Zur korrekten Befolgung gehören viele Übungen und Geduld, aber auch schon eine gewisse Reife des Hundes, sowie gutes Einvernehmen zwischen Herr und Hund. Ist man überhaupt zur An- schaffung des sogenannten Torquatushalsband (Stachelhalsband) geschritten, das für Jagd und Polizeihund fast unerläßlich, so wird man durch Anlegen an solches sicher Resultate erzielen, ebenso den Hund rascher zum Gehen an Fuß bringen. Aber ein solches Instrument sollte nur für dickfellige Hunde benutzt werden, die auch durch ein paar kräftige Schläge nicht verdorben (scheu) werden. Sehr nützliche Gehorsamsübungen sind „Setz dich” und „Leg dich” dicht vor der gefüllten Futterschüssel. Hunde, die so geübt sind, versagen nicht leicht in Freiheit.
15. Kapitel. =Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd.=
Alle mittelgroßen und größeren Rassen, ausgenommen die schweren Bernhardiner, müssen lernen, dem Fahrrad zu folgen, dessen Tempo für Junghunde zu mäßigen ist, da sie sonst leicht dauernd in Hinterhand ruiniert werden. Andererseits gibt es kein besseres und bequemeres Mittel, den Junghund zu einem gesunden, kräftigen, bruststarken, wohlgestalteten zu trainieren als das Laufen hinter dem Rad. Die ersten Male muß man sich allerdings die Mühe machen, das Rad zu schieben und zwar ganz scharf auf rechter Straßenseite; ausnahmsweise folgt der Hund nicht links, dicht am Fuß, sondern darf frei gehen. Vom Rad aus ihn an der längeren Leine zu führen, empfiehlt sich nicht, das könnte nur ein sehr geschickter Fahrer mit einem außerordentlich lenksamen, leinenfesten Hund riskieren und hätte höchstens den Erfolg, daß der Hund den Weg nur einmal macht. Hat der dem geschobenen Rad aufmerksam folgende Hund den ersten Lauftrieb hinter sich und seine Geschäfte verrichtet, so steigt man auf einsamer Landstraße, die noch wenig von Autos befahren ist auf, hält sich zur Erziehung dicht rechts, nimmt sofort flottes Tempo, das den Hund zu gestrecktem Trab veranlaßt und nicht viel Zeit läßt, nach links und rechts abzuschweifen. Die schrille Trillerpfeife hängt an Schnur am Handgelenk oder um den Hals; nützlich ist vorn an der Lenkstange an einer vernickelten Klemmvorrichtung die Peitsche zur Abwehr fremder Hunde. Führt man zu zweit, so sollen beide Räder mit etwas Abstand hintereinander folgen; vorn derjenige Teil an dem der Hund mehr gewöhnt ist, als der führende, der zweite gelegentlich korrigierend und überwachend, folgt. Eine Stunde zum Rad begleiten ist soviel Bewegung wie 4 Stunden Spaziergang. In der Stadt selbst und auf belebten Straßen fährt man erst, wenn der Hund nach einigen Wochen des Mitlaufens achtsam geworden ist. Um den etwas reiferen Hund zum Laufen neben dem Wagen zu erziehen, wäre es falsch, sogleich ein flott fahrendes Fuhrwerk zu besteigen; der Hund würde leicht aus Übermut oder Spielerei nach dem Pferd springen oder umkreisen. Auf dem Rückweg nach längerem Spaziergang ersuchen wir den Lenker eines langsam fahrenden Lastwagens uns zu Erziehungszwecken das Aufsitzen zu gestatten und nehmen rechts hinten Platz. Es kommt hierbei nur darauf an, daß der Hund den Herrn sieht und hört, sich an die für ihn verwunderliche Tatsache gewöhnt, daß er nicht dicht herangehen kann. Bellen und Anspringen, was bei langsamer Fahrt und vorausgegangener ausgiebiger Bewegung ohnehin selten, wird nicht geduldet, mit „Pfui” oder Drohung mit Gerte verwiesen. Hilft das nichts, so springt man ab, legt ihn an lange Leine und steigt rückwärts auf. Erst nach mehrmaligem Üben, nachdem rollende Räder und Pferd dem Hund nichts mehr unheimlich Fremdes, wird ein etwas flotterer Wagen bestiegen. Junge Hunde läßt man zum Ausritt nicht begleiten, außer man hat selbst Stall und Pferd, und der Hund ist durch öfteres Mitnehmen und vorherigen Aufenthalt im Stall mit dem Pferd vertraut, meidet die Nähe der Hufe, springt das sich bewegende Pferd nicht mehr an. Und auch dann ist es nützlich, vorher beim Ausführen des Pferdes den Hund einige Male mitgehen zu lassen. Der vorher an das Rad gewöhnte wird sich auch da sofort anpassen und dem Reiter folgen.
16. Kapitel. =Apportieren und Verlorensuchen.=