Part 3
Wie es viele Kinder gibt, die man dadurch, daß man sie immer herumträgt und sich beständig mit ihnen beschäftigt, verzogen und verwöhnt hat, so widmet sich auch häufig das ganze Haus mit dem neuen reizvollen Spielzeug. Die Folge ist, daß man den Welpen unruhig, anspruchsvoll, unleidlich macht. Grade in den ersten Tagen muß er zeitweilig abgestellt werden, sein Lager auf Stunden im Vorhaus, Treppenhaus angewiesen erhalten, um auch sich zu bescheiden und Ruhe zu lernen. Durch beständige Beschäftigung mit ihm verlernt er ganz unter Tags zu ruhen und wird nervös. Nach Mahlzeiten heißt es „Platz”, beim Verlassen sofort: Hinaus! Diese Übungen dürfen nicht erst vorgenommen werden, wenn er schon verwöhnt und unrastig geworden, dann kostet es Mühe, und man muß sein Winseln und Herumlaufen wehrend bestrafen, das man selbst verschuldet hat. Windhunde, Airedaleterriers, Boxer, französische Bulldoggen fügen sich williger; Schäferhunde, Dobermannpinscher, Foxterriers nur ungern; wünscht man ruhigere Tiere, so mag man das schon bei Anschaffung berücksichtigen. Jung gewohnt, alt getan. Läßt man den Hund ohne solche Vorübungen allein im Haus, so wird er heulen oder seine Langeweile in Zerstörungen, Anbeißen von Portieren, Stiefeln, Polstern auslassen, die Türe zerkratzen, wenn sehr temperamentvoll, sogar annagen. Nachts, oder allein im Haus gelassen, wird ihm sein „Platz” im Treppenhaus angewiesen. Die Ruheübungen sind anfangs kurz, wenn älter, länger auszudehnen. Junge Hunde sollen nicht beständig an der Kette liegen, da sie dadurch in der Gebäudeentwicklung, namentlich an Vorderläufen und Brustpartie Schaden leiden, sie müssen es aber lernen, sich darein zu fügen, daß sie zeitweilig angekettet werden, um ihnen begreiflich zu machen, daß eine Gewalt über ihnen existiert, auch wenn der Herr nicht drohend vor ihnen steht. Wenn sie am Lager kurz angekettet, sich auch anfangs etwas aufgeregt benehmen, so ist es besser, sie gewähren und selbst zur Einsicht kommen zu lassen, als ihnen sofort zuzusprechen und zu drohen. Nur wenn sie es mit Heulen und Zerren allzu toll treiben, muß man kurz und energisch sie zur Ruhe verweisen, um sie bald zu erlösen, wenn sie sich eine Zeitlang gefügt haben. Zur weiteren Übung wird die Dauer verlängert. Haben sie so eingesehen, daß der Zwang stärker ist als sie, so wird man bei allen späteren Dressuren nicht erst den Kopf brechen müssen. Springen auf Stühle ist sofort energisch durch einen Schlag mit der Gerte zu verweisen, ebenso jeder Versuch auf Divan oder im Bett Platz zu suchen. Niemals darf der Junghund irgend welche Gegenstände, die zufällig auf dem Boden liegen (Schuhe, Besen, nicht einmal ein Scheit Holz) oder fallen, mit den Zähnen erfassen oder gar auf sein Lager schleppen, um damit zu spielen. Das würde zum Zerbeißen führen. Beim ersten Versuch muß das ein kräftiger Schlag über die Schnauze rügen oder ihm der Gegenstand sofort unter Rüge abgenommen werden. Um die Strafe eindringlicher zu machen, legt man den betreffenden Gegenstand noch eine Zeitlang vor ihm hin und zwingt ihn zum ruhigen Liegen davor. Sucht sich ein Junghund mit besonderer Hartnäckigkeit ihn anreizende Gegenstände aus, so bestreue man diese mit Tabakstaub oder Pfeffer. Ein sehr nützliches und billiges Hilfsmittel zur Erziehung ist eine kleine Schlagmausefalle, die man zum Fang gespannt (natürlich ohne Köder) auf einen Hausschuh stellt. Berührt der Hund trotz Verbots den Schuh, so klappt die Falle zu, und der Bügel gibt einen energischen Schlag auf die Nase. Mit derselben Falle gewöhnt man Junghunden und auch älteren das Naschen gründlich ab. Auf die Falle wird ein Stück Brot oder Zucker gelegt und diese kommt auf einen Stuhl oder Tisch. Beim Stehlen erfolgt dann der Schlag, der für den Hund um so heilsamer ist, da er niemand bemerkt, der die Lektion austeilte. Besucher und Freunde bittet man, den Hund nicht anzulocken oder anzusprechen, ja bei Annäherung ihn mit leichtem Klaps oder Pfui abzuweisen; wir wollen keinen Allerweltsfreund, sondern einen zuverlässigen und treuen Wächter erziehen, der auf der Straße später Fremde vollkommen ignorieren muß. Das alles sind zwar Selbstverständlichkeiten, doch soll sich der Erzieher eines Hundes schon vorher bestimmt im Klaren sein, nicht erst nach Mißgriffen und Unterlassungen zur Erkenntnis kommen. Vorbeugen ist leichter als korrigieren. Ehe man lange überlegt und dann beschließt, muß schon das Kommando der Abwehr erfolgen. Manches hängt auch von Rasse und Größe ab. Es gibt gewiß nichts schöneres, als wenn der freudig erregte Hund seinen Herrn stürmisch begrüßt, an ihm aufspringt und sich wie toll gebärdet, und doch muß das bei größeren Rassen gewehrt werden. Sollen wir da mit scharfem Verweis verbieten, was uns erfreuen müßte? Wir beugen bei unserem persönlichen Liebling vor, befehlen rasch: „Setz dich, gib Pfote” und drücken ihm diese. Ein Kompromiß. Wo geht es ohne solche im Leben?
8. Kapitel. =Melden und Lautgeben.=
Unerläßlich ist es für den nützlichen Haushund, daß er sowohl auf Kommando, sowie bei allen auffälligen Erscheinungen Laut gibt. d. h. kurz anschlägt und das wiederholt, bis sein Verhalten beachtet worden ist. Wie der Hund genau den Tonfall der Stimme seines Herrn kennt und sogar selbst verwirrt wird, wenn dieser in heftiger Erregung Befehle gibt, so wird der Herr mit der Zeit genau unterscheiden, ob der Hund aus Ungeduld kurz und halblaut wie fragend, ob scharf tief grollend oder zornig als Drohung beim Wachen anschlägt, ob er nur mechanisch beim Bellen anderer Hunde mitmacht, was in langes Geheul oft in stiller Nacht übergeht, oder ob er einen zwar gegebenen Anlaß aus Übermut zu einer willkommenen Emotion für sich selbst steigert. Bei manchen Rassen, Dobermannpinscher, Pinscher und besonders Spitz, muß man zurückhalten und dämpfen, um nicht durch Erschrecken von Kindern und alten Leuten in Konflikt zu kommen, so daß man sie sogar morgens nicht frei, sondern nur angeleint hinausführt oder sie einen Gegenstand im Maul tragen läßt. Bei anderen Rassen muß das Lautgeben erst geweckt werden, indem man den Junghund auf ein Stichwort z. B. das kurz herausgestoßene, suggestive „Gib Laut” gewöhnt. Fast alle Hunde schlagen an, wenn sie ungeduldig die Futterschüssel erwarten, bemerkt man nur den Ansatz dazu, so ruft man unter Vorhalten der Schüssel „Gib Laut”. Sobald das geschieht, wird das Futter gegeben und diese Übung so oft wiederholt, bis er sofort auf Kommando reagiert. Dann das Kommando ohne Schüssel, doch die Befolgung belohnt, später nur belobt. Andere Hunde, bei welchen der Trieb zur Bewegung lebhafter ist als der Hunger, bellen vor Ungeduld, wenn man an der Tür beim Hinauslaufen zögert; hier verfährt man ebenso. Andere lockt der abendliche Knochen mehr, den man beriechen läßt, ohne ihn zu geben. Wieder andere geben Laut aus Wachsamkeit, wenn sie fremde Stimmen hören, wenn es klingelt, was das Kommen von Menschen andeutet, oder wenn es an der Tür klopft. Auch hier bestärkt man durch Zuruf, verhindert aber den Übergang des Meldens in heftigen Zornesausbruch durch Kommando „Platz, leg dich”! Auf seinem Lager und in dieser Stellung hat absolute Ruhe zu herrschen, die man nötigenfalls durch so kurzes Anhängen mechanisch erzielt, so daß der Hund den Kopf nicht erheben kann. Jeder solche körperliche Zwang ist besser als ein strafendes Wehren, das vom Hund leicht als Strafe für Bellen, nicht aber als Befehl zum Aufhören aufgefaßt wird. Der Gelegenheiten und zufälligen Anlässe zum Lautwerden gibt es noch mehr; oft schon Anziehen von Paletot oder Ergreifen des Hutes, Poltern durch Hilfspersonen an der Tür, scharfes Fixieren, leichte Schläge auf die Vorderpfoten, wozu der Hund angelegt wird; je leichter der Hund aus sich heraus bellt, desto schneller lernt er auch auf bloßen Befehl und später bei den Anlässen, bei welchen der Befehl wiederholt gegeben wurde, auch ohne Befehl anzuschlagen. Solche sind: Eintritt oder Ankündigung fremder Personen, Warten vor geschlossener Tür auf Befehl „Hinaus”, nächtliches Stoßen auf verdächtige Geräusche und Dinge, auf Schuß. Ist es z. B. nachts nötig, daß er plötzlich verstummt und befolgt in Erregung den Befehl (st, st) nicht, so drückt man den Kopf nieder oder wickelt schnell die Leine um den Fang, ohne Schmerzen zu verursachen. Für alle Fälle ist auch nützlich, sobald der Hund willig auf Befehl Laut gibt, mehrmals eine Zeitung im Keller oder Speicher anzubrennen und ihn direkt vor dieser fortgesetzt bellen zu lassen; dann wird er sicher jedes Feuer im Haus melden, dessen Geruch er wahrnimmt, wenn er es selbst nicht sieht.
9. Kapitel. =Verhalten auf der Straße.=
Durch Begleiten am Fuß und exakte Leinenführigkeit (s. Kap. 13) ergibt sich diese für den erwachsenen Hund von selbst; vom Junghund kann das noch nicht gefordert werden; er läuft dem Herrn nach oder wird an der längeren Leine mehr geleitet, also kurz gehalten. Ohne solche soll er anfangs in der Großstadt mit Autos und starkem Menschenstrom während der lebhaften Verkehrsstunden nicht auf die Straße kommen. Man gewöhne sich und ihn, bis er sich gelöst hat, auf der Straße (nicht Trottoir) zu gehen; das sind wir unseren Mitmenschen, ihren Augen, Nasen, Stiefelsohlen schuldig, genau so wie sie unser Hund nie durch Bellen erschrecken darf. Noch weniger sollen sich Hunde allein aufsichtslos, selbst nicht in einsamen Straßen herumtreiben. Vermeiden wir durch rücksichtsvolle Haltung alles, was Anstoß erregt, so wird die Hundeliebhaberei mit Steuererhöhung, Maulkorb- oder Leinenzwang verschont bleiben. Zunächst wird der Junghund aus Spielerei allem, was sich rasch bewegt, Wagen, Radfahrer, Auto, Kindern, nachlaufen und nachbellen wollen. Ein scharfer Ruck und plötzlicher Schlag über Schnauze mit Gerte muß das im Keim ersticken, wenn es noch so harmlos erscheint. Ebenso das Hineinlaufen in fremde Häuser und Vorgärten, das Hinziehen zu andren Hunden. Hat man ihn nicht schon mehrmals im Haus durch Verabredung üble Erfahrung beim Einschmeicheln bei Fremden machen lassen, so muß man das mit einer Vertrauensperson für die Straße verabreden, der man die Gerte in die Hand gibt. Sobald der Junghund sich vertrauensselig dieser nähert, erfolgen durch diesen einige energische plötzliche Schläge. Nach 2—3, Lektionen, besonders nützlich, wenn die Gehilfen selbst einen Hund mit sich führen, ist der Sünder für immer kuriert. Die kleine Mühe, wozu jeder gern die Hand bietet, lohnt sich für alle Zeit und reichlich, während man allein durch zehnmaliges Warnen weniger erzielt. Auch wir haben im Leben alle schlechte Erfahrungen selbst machen müssen, obschon es an „guten Lehren” von Jugend auf in Schrift und Wort nicht gefehlt hat. Genau so der Hund, der dabei zugleich lernt, daß es immer nützlich ist, sich nur an seinen _Herrn_ zu halten. Tollt der Hund Wagen nach, so würde der temperamentvolle Terrier oder Schäferhund bei erbetnem Schlagen und Knallen des Kutschers erst recht in Erregung geraten, nur der von der Peitsche getroffene aufschreiend ablassen. Das beste Erziehungsmittel ist deshalb die _Gummischleuder_ (Abb. 1), die zum Kurieren für Raufer, Geflügel- und Hasenhetzer unersetzlich wertvoll ist. Ein scharfer Pfiff und dazu einige Schrotkörner, deren Herkunft dem Hund unheimlich ist, wirken Wunder. Die Schleuder, spielend zu handhaben, bequem in der Tasche zu tragen, eine kleine Ausgabe, ist auch gegen fremde Raufer nie versagend und erspart bei lebhaften Hunden die hohen Unkosten für Dressur oder für manchen verhüteten Schaden. Haben wir in einsamer Straße unseren Rüden von der Leine gelöst und es nähert sich ein größerer Rüde, so sieht man schon an der aufgerichteten Kampfstellung, gesträubtem Rückenhaar, erhobner steiler Rute, ob Rauflust vorhanden ist. Anlage dazu haben fast alle geschlechtsreifen Terriers, Schäferhunde, Boxer, Doggenschläge, Dobermannpinscher; hält man einen solchen, so versäume man Anschaffung der Gummischleuder (Zwille) nicht und beobachte scharf, besonders im Alter beginnender Geschlechtsreife. Durch beständiges Führen, sofortiges Anlegen kann man wohl Vorbeugen, aber nicht heilen. Bei den ersten Anzeichen von Erregung, Stutzen beim Anblick des Gegners muß schon der Strafschuß erfolgen und dann sofort an die Leine, aber nicht vom anderen Hund in entgegengesetzter Richtung wegführend, sondern an diesem dicht vorbei unter scharfer Mahnung. Pudel, französische Bulldoggen, Schnauzer, Bernhardiner. Neufundländer, Rottweiler, Zwergrassen sind weniger kampflustig veranlagt; diese werden nur bisweilen durch bissige Angreifer verdorben. Jene soll man durch einen Schreckschuß seinem Schützling fernhalten. Auch bei nächtlicher Ruhestörung des im Hofe im Zwinger befindlichen Hundes ist diese „lange Peitsche” nützlich, sowie das wirksamste Mittel aufdringliche Rüden fern vom Hause zu halten, wenn man eine Hündin besitzt und diese läufig ist. Betritt man einen Laden, so hält man den Junghund sehr kurz, duldet nicht das Beriechen der am Eingang stehenden Körbe, Säcke, Kisten, da das häufig vom Aufheben des Beines begleitet ist. Da er aber leicht aus Spielerei fortlaufen oder überfahren werden könnte, läßt man erst vor dem Laden allein warten, wenn er fest im Appell ist.
10. Kapitel. =Verhalten auf Spaziergang.=
Im Gegensatz zur Aufsicht und Beherrschung auf der Verkehrsstraße, soll beim Spaziergang hinaus _möglichste Freiheit_ für den Hund angestrebt werden; hier soll er sich ausleben und körperlich entwickeln. Nur flotter Auslauf auf hartem Boden gibt gesunde Glieder, harmonische Bewegung, geschlossene Zehen, festen Rücken, widerstandsfähige Konstitution, kurz alles, was gegen Krankheiten stählt, zum Gebrauchs-, Zucht- und Arbeitshund stempelt, und zu jener schönen Erscheinung macht, die der Preisrichter auf Ausstellungen über alles stellt und hoch auszeichnet. Doch auch was uns selbst eine ästhetische Freude beim Anblick ist, zumal wir es sich entwickeln sehen und durch rationelles, immer dem Können und Alter angepaßtes Trainieren unterstützen. Auf langen Spaziergängen lernen sich Herr und Hund kennen und wachsen zu einer Einheit zusammen. Von der Erfrischung und Erholung für uns selbst noch gar nicht zu sprechen. Winselnd und ratlos bleibt der schwächlich aufgezogene, mangelhaft ernährte, energielose Hund vor einer steilen Böschung, die wir überklettern, stehen, während der temperamentvolle es drei- und sechsmal versucht, bis es ihm gelingt, uns nachzufolgen. Er wird gelobt, wie man überhaupt viel mit dem Hunde _sprechen soll._ Zeigt er Spuren von Ermüdung, z. B. nach lebhaftem Tollen etwas eingesenkten Rücken oder lockre Ellenbogen, so wird länger gerastet. Hat man statt eines Welpen einen halbfertigen oder älteren Hund erworben, so kann man ihn mit achttagelanger Haltung im Haus und an Leine nicht so fest an sich gewöhnen, als wenn man schon am zweiten Tage ihn über einige Stunden hinaus in die Einsamkeit von Feldwegen bringt, und dann springen läßt. Läuft er auch scheinbar davon, so rufe man nicht und gehe in entgegengesetzter Richtung. Kehrt er zurück in die Nähe, so spricht man freundlich mit ihm, ohne ihn anzulegen und läßt ihn weiter herumspringen. Bis er ermüdet selbst dicht herbei kommt und erst kurz vor der Wohnung oder Stadt wieder angelegt wird. Fremde zogen hinaus, zwei gute Freunde kehren zurück. Freiheit ist aber nicht gleichbedeutend mit Zügellosigkeit. Wenn es auch ein schönes Bild ist, einen Hund hinter einem Hasen über die Felder fliegen zu sehe, so muß man doch sofort anrufen, wenn der Hund mit tiefer Nase auf Wildspur sucht. Aus dem gelegentlichen Hetzer, den jeder Jäger zu erschießen berechtigt ist, wird ein Gewohnheitswilderer. Und außerdem soll jeder Natur- und Tierfreund das Recht des Jagdinhabers respektieren und dessen Wild nicht beunruhigen. Es ist wohl kein Unglück, wenn unser Hund Krähen hoch macht, aber zwischen schwarzen Haushühnern im Hof und Krähen ist für ihn kein Unterschied; er versteht nicht, warum ihm dort erlaubt wäre, was hier scharf gewehrt werden muß. Wenn auch Hundefreunde selten Katzenliebhaber sind, so müssen wir doch den Junghund sofort abrufen und anlegen, wenn er Miene macht, solche anzugreifen. Es könnte leicht ein Auge kosten. Fast alle Katzenwürger entstehen durch Anhetzen, wobei allerdings die sogenannte natürliche Feindschaft, die nichts ist als Kampflust des großen Hundes gegen das kleine fauchende, drohende Tier, unterstützt. Unterläßt man anfangs das Anhetzen, so ist es leicht abzurufen, ebenso von ruhigem Geflügel. Ein gutes Mittel zur Geflügelfrommheit ist es im Einvernehmen mit dem Geflügelhalter den Junghund an der Leine nahe an eine ihre Kücken führende Henne zu bringen. Diese geht in Mutterliebe so energisch auf den Hund los, daß dieser für immer belehrt ist. Allzuängstlich braucht man bei Begegnung mit fremden Hunden in der Einsamkeit nicht zu sein, es gibt höchstens Flöhe. Sonst aber meist: viel Lärm um nichts. Muß man aber eingreifen, so fasse man _nie mit _ungeschützter Hand_ nach dem Halsband, das hat schon manchem gefährliche Bisse eingebracht. Eher nach Hinterlauf oder noch besser an der Rute. Fremde drohende Bauernhunde lassen sich meist verscheuchen, wenn man sich nur bückt, um einen Stein aufzuheben. Sie haben darin Erfahrung. Mit Stock bei größten Hunden dreinschlagen, steigert die Wut der Kämpfer. Bei vielen Hunden hilft rasches Entfernen und Abpfeifen mehr als Dabeistehen und Schelten. Zur Abwehr von Gewohnheitsraufern, bei denen uns vielleicht ein liebgewordener Weg vorbeiführt, leistet ein Schrotschuß mit der Gummischleuder allerbeste Dienste. Nach 2—3 maliger Anwendung weicht der Köter schon aus Entfernung aus, wenn er die Vorbereitung bemerkt. Ferner tritt die Schleuder in Dienst, wenn der Hund Radfahrern oder Wagen nachprellt, was er selten tun wird, wenn man fleißig mit ihm ins Freie geht. Auf einsamen Wegen kann es passieren, daß der Hund auf Aas stößt (tote Mäuse oder dgl.) und sich darauf wälzt, so daß er mit entsetzlichem Gestank behaftet zurückkommt. Hunde, die dazu neigen, das Aas auf große Entfernung wittern und darauf zulaufen, muß man im Auge behalten, sofort anrufen, wenn sie erst mit der Nase prüfen. Gehorchen sie nicht, so erfolgt der Schrotschuß, darauf anleinen und sie unter Verweis der betreffenden Stelle führen. Manche Hunde, die zu einseitig ernährt werden (Mangel an Nährsalzen), neigen zum Kotfressen. Auch hier hilft nur Aufpassen, wenn man versteckte Stellen, Mauern, Gräben oder sonst für menschliche Kotablage geeignete Plätze passiert. Eine tägliche Gabe von Chlorkalzium in das Futter getropft (Dosierung s. 1. Kap.), sowie Fleisch oder Knochenbeigaben, unterdrücken diese üble Neigung. Sonst wird man möglichst wenig auf Ausgängen erziehen, anrufen, dirigieren. Der Hund soll sich nach dem Herrn umsehen; wer ihn an jeder Straßenecke ruft, erzieht einen Hund, der geht, wohin er will, statt daß er den _Herrn_ beständig im Auge behält.
11. Kapitel. =Der Appell (Kommen und Gehen auf Befehl).=