Jedermanns Hundebuch

Part 2

Chapter 22,907 wordsPublic domain

Die älteste Hundehaltung war auf einen Abfallfresser zugeschnitten; sie ist es auf dem Lande im allgemeinen heute noch, durch gelegentliche Zugaben etwas verbessert. Unsre anspruchsvoller gezüchteten Rassehunde wären damit nicht auf der Höhe zu erhalten, und doch sollte sich die Ernährung nicht allzuweit davon entfernen, nur eine gewisse Nachhilfe ist während der Entwicklungszeit unentbehrlich. Ebenso wichtig ist die Gleichmäßigkeit der Rationen, dem Alter angepaßt, die Regelmäßigkeiten der Mahlzeiten, endlich Vorhandensein der Aufbaustoffe. Konsequente Durchführung befördert ordnungsmäßiges Fungieren des ganzen Verdauungsapparats und der Auswertung. Einige Grundregeln für die Fütterung sind: Das Futter soll immer _gutgewärmt_ werden, denn ehe die Verdauung beginnt, muß der Speisebrei auf Blutwärme im Magen gebracht werden. Hunde neigen alle zum raschen Verschlingen, deshalb gebe man das frische Gemüse _klein_ gewiegt Fleisch klein geschnitten. Was sie nicht sofort auffressen, wird _weggenommen; niemals_ soll die Futterschüssel _stehen bleiben;_ weder im Winter, noch weniger im Sommer. Wird regelmäßig übrig gelassen, so war die Ration zu groß. Jeder Hund hat seine eigne Futterschüssel zu erhalten, womöglich in folgender Form des Querschnittes, damit sie nicht zu leicht umgeworfen wird: ┗━┛. Für junge Hunde oder kleine Rassen sind die sogenannten Kaninchenfuttergeschirre aus Ton sehr praktisch; sie dienen zugleich zum Abmessen der Tagesrationen. Selbstverständlich sind sie _peinlich sauber_ zu halten. Niemals stelle man ihnen das Futter in Tellern oder Schüsseln hin, die in der Küche verwendet werden oder gedient hatten. Damit wäre, abgesehen von dem Unästhetischen, ja Gefährlichen wegen der Übertragung von Würmern, der erste Schritt getan, die Hunde zum Stehlen anzuleiten. Sie müssen wissen, daß es _ihr_ Futter nur aus _ihrem_ Geschirr gibt. Genau so ihr Wasser am gleichen Platz. Entgegen allen Lehren, daß den Hunden _immer_ frisches Wasser zur Verfügung stehen soll, halten wir das für einen Mißgriff. Im breiigen Futter und in der Milch ist so reichlicher Wassergehalt, daß Hunde überhaupt nur 1—2 mal im Tag ein wenig Wasser brauchen. Das Futter belastet ohnehin den Leib, daß es nicht nötig ist, den Speisebrei noch mehr zu verdünnen. Viel Gelegenheit macht zu Gewohnheitstrinkern. Kommt der Hund im Sommer erhitzt heim, so genügt, um den Staub wegzuspülen und den Gaumen zu erfrischen, soviel Wasser als den Boden der Schüssel bedeckt. Stellt sich der kluge Hund an sein leeres Trinkgeschirr, so deutet er an, daß er Durst hat und mag etwas Wasser erhalten. _Unerläßlich_ sind für Junghunde _harte_ Hundekuchen, Hartbrot und vor allem weiche _Kalbsknochen._ Bis zu 5 Wochen wachsen den Welpen ihre Milchzähne, mit 2—4 Monaten wechseln sie die Zangen- und Milchzähne, mit 3—5 die Eck-, mit 4—6 die Hakenzähne; die Milchbackzähne werden mit 5—6 Monaten gewechselt, die Molaren brechen mit 4—7, die Lückzähne zwischen 3—5 Monaten durch. Diese Vorgänge bedingen eine _starke mechanische Tätigkeit Gebisses;_ geben wir dem Hund während des Wachstums und der Skelettbildung nicht reichlich Knochen, so wird er den erforderlichen mechanischen Reiz an Stiefeln, Teppichen, Möbelstücken ausüben, Kohlen oder Mauer anfressen. Was man in Form von Knochen gibt, die 6—7 % Kalk-Kohlensäure, 58—63 % Kalkphosphat, 1—2 % Magnesium-Phosphat, 2 % Fluorkalzium, den Rest Eiweiß und Leimstoffe enthalten, erspart man an Fleisch. Hunde von mehr als 5—6 Jahren sollen _niemals _Knochen bekommen. Die letzte Regel lautet endlich: _niemals sofort nach einer Hauptmahlzeit mit Junghunden_ Spaziergänge; denn Verdauung ist eine Arbeit, und die noch weichen Bänder und Gelenke würden sich bei der Belastung des Leibes zu stark dehnen und lockern. Es gibt leicht krumme Gliedmaßen, weichen Rücken und schwache Muskulatur. Breitstehende, massige, starkknochige Rassen wie Bulldoggen, St. Bernhardshunde, Rottweiler, Boxer, Bordeauxdoggen dürfen eher etwas mastiger gefüttert werden. Leichtere hochstehende, wie Windhunde, Whippets, Dobermannpinscher, sollen konsistentes, trockenes Futter erhalten: viel Gehalt in wenig Menge. Ebenso dürfen Jagd- und sonstige Gebrauchshunde nicht zu weichlichen, überschwemmten Gestalten aufgezogen werden, sondern gehaltvoll, trocken, starkknochig. An der Form des Kotes (Exkremente) ersieht man schon, ob richtig gefüttert wurde; er soll nicht dünnflüssig, weich sein. Zu hart deutet auf zu reichliche Knochenmenge und Mangel an Wasser. Als Grundfutter kommt in Betracht Haferschrot, Gerstenflocken, Roggenschrot, Buchweizengrütze. Reis (arm an Eiweiß, aber sehr reich an Stärkemehl), weniger Kartoffel und nie in Stücken, da sie nur als Brei ausgenützt wird. Das Minimum an täglicher Fettzugabe, die das Futter schmackhaft macht, ist für größte Rassen 16—25 g in der Jugend, für ältere 20—30 g, im Winter etwas mehr. Vorteilhaft wird Fett bei Welpen durch Phosphorlebertran ersetzt. Auch Fettgrieben sind wegen des hohen Eiweißgehaltes sehr zu empfehlen. Hülsenfrüchte sind stark eiweißhaltig, werden aber wenig gern gefressen und müssen durch Fett- und Fleischzusatz schmackhaft gemacht werden. Am besten wechselt man häufig, auch bei den 4—6 Tagesrationen: morgens entrahmte Milch mit Brot, 1—2 mal Gemischtkost, abends trockne Hundekuchen oder Knochen. Letztere niemals in das Futter, immer separat _nachher._ Fehlen sie zeitweilig, so ersetzt man sie durch Chlorkalzium (150 g auf 1⁄2 l Wasser, davon 1 Eßlöffel in das Futter gerührt). Man rechnet 1⁄10 g auf 1 kg Körpergewicht. Futterkalk (Schlämmkreide) darf _nie_ zum Futter gegeben werden, da er durch Salzsäurebindung die Hauptverdauung im Magen erheblich beeinträchtigt. Mit kleinen Beigaben von Rohzucker (höchstens 20 g für Welpen) kann man den Nährwert von Magermilch oder Grundfutter vorteilhaft erhöhen. Aber niemals sollen Zucker, Semmel oder sonstige Leckerbissen außerhalb der feststehenden Stunde gegeben werden; diese dienen höchstens als Belohnung bei der Dressur. Mit solchen Verwöhnungen erzielt man schlechte Fresser und Bettler. Während der Mahlzeiten der Familie darf sich der Hund wohl im Eßzimmer, aber nur in angemessener Entfernung vom Tisch auf seinem Lager („Platz”) aufhalten. Ein Herantreten des Hundes, dessen Fütterung mit zugesteckten Brocken, wäre ein nicht mehr gutzumachender Erziehungsfehler. Ihn auf sein Lager zu bannen, ist wertvolles Mittel, um Gehorsam vorzubilden. Auch Gehorsam muß gelehrt und geübt werden.

4. Kapitel. =Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer.=

Die beste Fütterung und Pflege versagt, wenn Junghunde mit Würmern behaftet sind; ja es gehen mehr Welpen an Spulwürmern (Darmentzündung) zugrunde als an Staupe (Sucht). Äußerlich ist das Vorhandensein an Magerkeit, glanzlosem Fell, zeitweilig aufgetriebenem Leib, Aufstoßen nach den Mahlzeiten, viel Durst, sogar Erbrechen, aufgebogenem Rücken (Katzenbuckel) bemerkbar. Spulwürmer (3—8 cm lang, rötlich gelb, 1 mm stark, im Kot sehr leicht festzustellen) haben fast alle Junghunde, sind durch Masse gefährlich, durch Chenopodiumöl ohne üble Nebenerscheinungen leicht zu entfernen. Weit schlimmer sind die kürbiskernförmigen Bandwürmer, da sie durch Flöhe sehr leicht überall verbreitet werden, sich sehr rasch vermehren, und dann zu Darmverstopfungen führen. Wo Fleischabfälle nicht roh verfüttert werden, ist der aus etwa 1⁄3 cm langen Gliedern bestehende Bandwurm seltener; seine Jugendform, die durch Maul oder After des Hundes abgeht, ist für Menschen lebensgefährlich, weshalb man das Ablecken von Händen oder gar Gesicht nie dulden soll. Ist auch nur der leiseste Verdacht auf Würmer vorhanden, so verabfolge man morgens in der Milch 1 bis 2 Santonintabletten, die, mit Kakao gepreßt, in jeder Apotheke für Kinder vorrätig zu haben sind, oder das billigere Chenopodiumöl (2—3 Tropfen je nach Größe), noch besser das entgiftete Präparat Chenoposan und beobachte den nächsten Kotabgang. Fast alle Wurmmittel reizen durch ihre Schärfe den Darm, weshalb man durch leichten Kotabgang die Kur unterstützt und starke Mittel bei noch zarten Tieren sich vom Tierarzt oder einem hundeliebenden Apotheker dosieren läßt. Das beste neuere Mittel ist Megan (Bayer) gegen alle Arten Würmer. Man gibt 0,65 g pro Kilogramm Körpergewicht. Harmloser sind die sich im Mastdarm aufhaltenden, weißen fadenförmigen Würmer (5—8 cm lang), die nur ein lebhaftes Jucken im After Hervorrufen und den Hund quälen, so daß er sich reibt, scheuert oder zu beißen sucht. Durch ein Klistier (Knoblauch in Milch gekocht) kann man ihn davon rasch erlösen. Billiger als Santonin ist das Präparat Santoperonin (Orbiswerke) und relativ ungiftig. Gegen Flöhe gibt es nichts besseres als den engen Kamm und tägliches Nachsehen, wenn sich der Hund kratzt. Bei Überfülle vorheriges Einreiben mit Cuprex (Merck). Ebenso gegen Läuse. Ungeziefer soll man gar nicht aufkommen lassen, weshalb die Decke über Matratze, die Matte täglich ausgeschüttelt, das Heu oder kurze Stroh in der Kiste öfter erneuert wird. Ein gutes Vertilgungsmittel für Läuse ist Chloroform oder Benzin. Da letzteres feuergefährlich, nicht bei Licht einreiben. Radikal wirkt Cuprex (Merck), es vernichtet auch die zäh auf den Haaren klebenden Eier (Nisse). Harmlos ist ein Betupfen mit einer Lösung von 9 Teilen Olivenöl und 1 Teil Anisöl. Das oft empfohlene Petroleum verwende man nur bei robusten Rassen. Wohnt man in Nähe von Laubwald und kommen die Hunde nach Spaziergang mit Zecken (Holzböcken) behaftet heim, so reißt man sie nicht aus, sondern betupft sie mit Terpentinöl aus einem Kännchen mit spitzem Auslauf, wie sie für Nähmaschine und Fahrräder benützt werden. Bäder sind für Welpen nicht zu empfehlen, da sich die Tiere nach solchen, wenn nicht völlig trocken, leicht erkälten; auch müßte jede Lösung, um Parasiten oder Milben zu töten, so scharf sein (2 % Kreolin), daß die zarte Haut entzündet würde. Selbst wenn die Hundebesitzer aus Rücksicht auf das Wohlbefinden ihrer Tiere die Würmer und deren Überträger und Verbreiter (Flöhe) nicht vernichten wollten, so sollte das schon wegen der Übertragungsgefahr erfolgen. Um sich ein Bild von deren Umfang zu machen, sei darauf hingewiesen, daß ein einziger Spulwurm, deren der Hundedarm oft dicke Knäuel beherbergt, nach Prof. Dr. Günther (Der Darwinismus und die Probleme des Lebens; S. 10) in einem Jahr 64 Millionen winzigster Eier, ein Bandwurm bis 100 Millionen zu produzieren vermag, die meist durch den After abgehen. Irgend ein wirksames Wurmmittel muß in der Hausapotheke jederzeit vorrätig sein. Über das Eingeben von Medikamenten s. Kap. 25.

5. Kapitel. =Lob und Strafe.=

Die alten Dressurbücher kennen als Dressurmittel nur Korallenhalsband und Prügel, und sie erörtern höchstens, ob man mit der Hand, zusammengelegter doppelter Führungsleine, Ochsenziemer oder lederner Hundepeitsche und auf welche Körperteile man schlagen solle. Ehe man je zu einer Züchtigung schreitet, prüfe man genau die Ursachen des Nichtgehorsams, ob etwa ein Befehl oder Verbot, in gereiztem, unbekanntem Ton, also dem Hund ungewohnt und unverständlich war, oder ob er während Ablenkung der Aufmerksamkeit durch Nebenumstände erfolgte. Vor allem, hatte der Hund überhaupt verstanden, was man von ihm wollte und kann man schon eine _aktive_ Betätigung (Ausführung) erwarten? Es ist gar nicht zu verlangen, daß er entgegen seinem Trieb, Vergnügen oder Behagen auf jede Aufforderung nachgiebig eingeht, daß er eine Marionette ist, die durch Befehle in Bewegung gesetzt, durch Verbote zur Ruhe genötigt wird. Die Antwort auf die an sich selbst gestellte Frage, wann man strafend schlagen sollte, müßte man sich dahin geben: schlage womöglich _nie,_ so wenig wie dein Kind, suche immer mit andern Mitteln auszukommen; man kommandiere aber auch so wenig als möglich, sonst entwertet man dieses Hauptmittel der Autorität. Das Kommando sei kurz, straff, ruhig; eher leise, niemals schreiend; der Ton muß sich wesentlich von der sonstigen, freundlichen Ansprache unterscheiden. Mit Kindern und Hunden parlamentiert und überredet man nicht, sondern man _befiehlt._ Etwas anderes ist es, durch einen mechanischen Druck (zum Hinlegen oder Setzen), durch Winke einen Befehl verständlich zu machen und der Ausführung nachzuhelfen. Zum Abwehren schadet ein Schlag mit der dünnen Gerte nicht, da es ja bei dem Hunde steht, sich solche zu ersparen. Neben dem leichten Schlag kommt als Strafe bei Ungehorsam in Betracht: Anlegen an Kette, oder Leine (auf Spaziergang), Einsperren. Strafe und Schlagen ist nicht dasselbe! Noch größer ist der Unterschied zwischen Wehren und Befehlen. Je fester der Gehorsam gegenüber dem Wehren und Verbieten (Unreinlichkeit, Anbeißen von Verbotenem, Springen auf Möbel, Winseln oder Heulen bei Alleinsein, Betteln bei Tisch, Herumtollen trotz Verweisens auf den „Platz”) sitzt, desto leichter ist später das Befehlen. Bis es zu diesem kommt, muß der Welpe verstehen und beachten lernen, muß eine gewisse Triebkraft, Bewegungslust, Tatendrang, veranlaßt durch Muskulatur und Interesse an allen Vorgängen der Außenwelt, also Vertrautsein mit dieser, sowie der innere Zusammenhang mit dem Dressurlehrer vorhanden sein, der geistige Reife voraussetzt. Zum Wehren und Verbieten ist es nie zu früh, weil wir durch mechanische Nachhilfe das Verständnis unterstützen können. Das Befehlen darf erst einsetzen, wenn sich der Lehrer von der nötigen körperlichen Energie und Regsamkeit überzeugt hat. Also: den richtigen Moment erfassen und nur verlangen, was der Hund auch _verstanden_ hat. Führt er das aus, so darf für die ersten Male mit einem Leckerbissen (Biskuit, Zuckerstücke) nicht gespart werden. Und später muß jede Erfüllung mit freundlichem Lob und lebhafter Anerkennung belohnt werden. Pflichtgefühl besitzt selbstverständlich kein Tier, wohl aber ist der Hund sehr empfänglich für Lob und Aufmunterung. Ungehorsam gegenüber Kommando kann zur Ursache haben: Furcht vor der schlagenden Hand, verspätetes oder mangelndes Auffassungsvermögen, motorische Langsamkeit, Eigenwillen; letzterer äußert sich durch Flucht, Kundgabe des Unmuts, Hinlegen, nervöse Empfindlichkeit, Erregungszustände. Ehe man also zur Strafe schreitet, prüfe man die _Ursachen_ und versuche sie durch freundliche Ansprache, einen kurzen ruhigen Spaziergang an der Leine zu beseitigen. Dann wird man selbst zu der Überzeugung kommen, daß Zuhauen das ungeeignetste Mittel ist, den Hund zur Ausführung von Befehlen gefügig zu machen, dann wende man die systematischen Mittel an, die in Teil III aufgeführt sind, auch wenn sie etwas Geduld und Zeit erfordern. Unbedingte Züchtigung (auf die Keulen) verdient nur _offensichtliche Widersetzlichkeit_ bei zweifellosem Verständnis für Befehl oder Verbot; diese erfolge jedoch ohne Zorn und Nervosität nach klarer Prüfung, damit der Hund fühle, wer seine Unfolgsamkeit straft, und daß es eine energische Kraft über ihm gibt.

II. Teil. Die Erziehung des Junghundes.

6. Kapitel. =Stubenreinheit.=

Die zielbewußte Erziehung hat dem Lernen vorauszugehen. Grundregel ist: dulde bei dem jungen Hund nie etwas, was du später verbieten wirst! Mag es noch so harmlos sein, wenn das saubere Tierchen auf einen Stuhl oder Divan gehoben wird, oder sich an den Kleidern aufrichtet; es versteht nicht, warum das, wenn es von der Straße naß oder schmutzig ist, nicht geschehen soll. Verbotene Räume, wie die Küche, sollen das immer bleiben. Laß ihn nicht seine schwachen Zähnchen an einem alten Hausschuh probieren: er kennt nicht den Unterschied zwischen alt und neu. Amüsiere dich nicht, wenn er in kindlichem Heldenmut Pferde anbellt, Geflügel hetzt; kleine Fehler geben später schwer auszurottende Laster. Je früher der Welpe mit der Großstadt, dem Lärm der Wagen, Pferde, Autos vertraut gemacht wird, desto leichter geht es; ahnungslos trottelt er im Schutz des Herrn, während er reifer geworden, nervös davon läuft und sich schwer an Großstadtverkehr gewöhnt. Um ihn zimmerrein zu erziehen, muß er an der Leine gehen; ein weicher Lederriemen genügt als Halsband, eine solide längere Schnur, in deren eines Ende ein Karabiner, in das andre eine Handschleife geknotet ist, genügt als Leine zum Führen; die richtige Leinenführigkeit kommt später, wenn er nicht mehr unreif und spielerisch ist. Zunächst achtet man auf den Hund, wenn er vom Lager morgens aufsteht und sich nach einer Ecke des Zimmers begibt; man legt schnell den Zangenkarabiner an, ruft „Hinaus”! und führt oder lockt ihn auf die Straße. Nicht tragen, sondern führen. Liegt die Wohnung an belebter Straße, so läßt man ihn in den Hof oder zur nächsten ruhigen Seitenstraße bringen; denn über Beachtung von Menschen, Tieren, Wagen, Geräuschen kommt er nicht zu der Ruhe, die Entleerung auslöst. Der Hund verdaut sehr gut, aber langsam; der Magen eines Schäferhundes hat das Fassungsvermögen, das dem eines Pferdes gleichkommt. Die langsame Verdauung kommt von der oberflächlichen Zerkauung und Einspeichelung. Erhält er seine Hauptmahlzeit mittags, so sind die unverdauten Reste nach etwa 9 Stunden bis in den Mastdarm vorgerückt, so daß er etwa gegen 10—11 Uhr abends entleeren und ein ihn weniger belastendes Futter bis zum Morgen im Darm behalten kann. Wasser erhält er nach Spätnachmittag überhaupt nicht mehr. Je behaglicher sein Lager ist, womöglich in Korb oder flacher Kiste, mit etwas Mühe zum Verlassen verbunden, desto weniger wird er nachts aufstehen, herumlaufen und sich im Haus lösen. Hat er es trotzdem getan, so führt man ihn jedesmal morgens zur Stelle mit den Worten „Pfui, Hinaus”, beschleunigt seinen Gang zur Tür mit der Gerte. Sobald er (s. Kap. 8, Lautgeben und Melden) schon durch Ungeduld bei vorgehaltenem Futter, Knochen, Leckerbissen gelernt hat, auf Kommando Laut zu geben, wird man bei jedem Ausgang, Hinausführen, ihn an der Türe kurz bellen lassen, wodurch er anzudeuten hat, daß er hinaus will. Viele Dressurlehrer wollen das durch Kratzen an der Türe markieren lassen; das ist indessen für den Welpen schwieriger zu verstehen. Viele Hunde hingegen begreifen sehr rasch, daß sie eine nur angelehnte Türe mit der Nase aufstoßen können und markieren das auch bei den verschlossenen. Da man das aber nachts nicht hört, ist die Stimme des Hundes das natürlichste. Es wird oft im Leben vorkommen, daß der Hund auf diese Weise den Herrn alarmiert. Das natürliche Verbellen der Jagdhunde ist nichts andres als ein Rufen des Jägers. Ein kluger Jagdspaniel verbellt jedes Stück Wild, das ihm zum Apportieren zu groß ist. Ein lockerer Hals ist immer Zeichen von Intelligenz und des Triebs, sich durch seine Sprache verständlich zu machen. Das Kratzen an der Tür verleitet den Junghund, wenn er allein gelassen wird, die Tür zu beschädigen; größer, gelingt es ihm durch Zufall und Aufrichten selbst die Tür zu öffnen, was er nicht lernen soll. Den Hund mit der Nase in den Kot zu stoßen, ist sehr unappetitlich, auch überflüssig; schon in die Nähe der Missetat gebracht, weiß er ganz genau, daß er gesündigt hat; es genügt ihn zur Stelle zu bringen, ihn zu strafen und hinaus zu stecken. Ist ein Hund trotz Anweisung, Unterstützung durch Futter (Kartoffel, Schwarzbrot macht viel Kot, belastet stark), trotz späteren Hinausführens nachts fortgesetzt unreinlich, so bleibt nichts übrig, als ihn abends an eine in den Boden gedrehte Ringschraube mit kurzer Kette dicht am „Platz” anzuhängen, da Hunde fast nie ihr Lager oder dessen Nähe verunreinigen. Hilft das und auch fühlbare Strafen nichts, so muß man ihn nachts in eine Schlafkiste sperren, die so hoch ist, daß er nur mit gesenktem Kopf darin stehen kann. Abends erhält er dann höchstens einen Knochen als Futter, kein Wasser.

7. Kapitel. =Gewöhnen an Kette und Leine. Verhalten im Haus.=