Part 1
Jedermanns Hundebuch.
Pflege, Erziehung und Dressur des Haushundes.
Von =E. von Otto,=
Bensheim.
Dem Hunde, wenn er gut gezogen, Wird selbst ein weiser Mann gewogen. Goethe.
Berlin Verlagsbuchhandlung Paul Perey Verlag für Landwirdschaft, Gartenbau und Forstwesen SW.11, Hedemannstraße 10 u. 11 1924.
Alle Rechte, auch das der Übersetzung, verbehalten. ---------------------------------------------------
=Vorwort.=
Das Schicksal jedes Lebewesens, auch des Menschen und der Pflanze, wird durch das Zusammenwirken seiner erblichen Veranlagung mit den Einflüssen der Umwelt bestimmt. Welcher von den Ursachengruppen die größere Bedeutung zukommt, das ist von Fall zu Fall verschieden. Mehr als das Schicksal irgend eines anderen Tieres bestimmt der Mensch das ganze Sein und Werden des Haushundes, dessen Umwelt er schafft, dessen Wachsen und Ausbildung er leitet, dessen Uranlagen die Züchtungstechnik durch sorgfältige Auswahl von erblichen Anlagen beeinflußt. Der erste Schritt zur Einwirkung ist, daß sich der _Hundebesitzer_ seiner Stellung, Aufgaben und Mittel gegenüber dem ihm überlieferten Hund bewußt ist. Mit viel Tierliebe und freundlichen Absichten, aber herzlich wenig oder ohne alles Verständnis wird meist der erste Hund angeschafft. Es existiert eine größere Anzahl von Lehr- und Dressurbüchern für die Ausbildung von Polizei-, Kriminal- und Jagdgebrauchshunden, aber bis jetzt kein einziges, das für Leien und Anfänger den ganzen Werde- und Lebensgang des Haushundes, den der Skandinavier bezeichnend Selskabshund (Gesellschaftshund) nennt und wir früher als Luxushund zu klassifizieren pflegten, von „Wiege bis zum Grabe” erläuterte. Alles, was wir vom Hund fordern und ihn lehren wollen, soll _dessen_ Verstehen angepaßt sein, und wir müssen es verstehen, ihm das begreiflich zu machen. Im _Sein, Bewußtsein_ und _Selbstbewußtsein_ stuft sich die Dreiheit der Psychologie, d. h. der Lehre von den seelischen Vorgängen und Zuständen. Dreifach ist daher auch die Tätigkeit, die wir dem Hund von frühester Jugend an zuwenden. Dem _Welpen,_ der nur von Daseinstrieben geleitet ist, wenden wir eine liebevolle _Pflege_ zu. Blind und ohne Gehör kommt er zur Welt. Jeder an ihn herantretende Reiz, zuerst die Abkühlung der Außentemperatur in Abwesenheit der Mutter, Durst, die ersten Lichtstrahlen, wenn sich das Lid am neunten Tage öffnet, sogar lebhafte Geräusche werden mit Unbehagen oder Schmerz empfunden, mit Winseln quittiert. Ganz allmählich gewöhnen wir ihn an äußere Einflüsse, an die Reize der Umwelt, die später zu Lebensbedürfnissen werden. Der sorgenden Mutter entwöhnt, beginnt das Sein des _Junghundes_ in das _Bewußtsein_ überzugehen, er erlebt sich selbst und entdeckt die Umwelt. Jetzt hat die _Erziehung_ einzusetzen, die das noch wenig Muskeltrieb und Widerstand entgegensetzende, werdende Wesen umsichtig zu dem leitet, was es einmal werden soll, was ihm schon von früher Jugend im eindrucksfähigsten Alter in Fleisch und Blut übergehen muß, z. B. bedingungsloser Gehorsam. Hat der Junghund mit vollendetem Zahnwechsel, der Rüde, der allein gegebene Liebhaberhund, mit beginnender Geschlechtsreife, das spielerische Wesen abgelegt, so erwacht im _Jährling_ das _Selbstbewusstsein;_ er schafft sich jetzt selbst eine Stellung zur Umwelt, zum Herrn, zu andren Tieren, zum Heim und allem, was um ihn lebt, im Guten oder Bösen, wenn und soweit wir es nicht schon vorher durch seine Erziehung und Gewöhnung verstanden haben, sein ganzes Empfindungsleben so einzustellen, wie es für seine zukünftige Stellung als Haushund nützlich und erforderlich ist.
Wir beschäftigen uns also beim _Welpen_ vorwiegend mit dessen _Körper,_ beim _Junghund_ mit dessen _Empfinden,_ beim _Jährling_ mit dessen _Willen._ So arbeitet unsere liebevolle Sorge, für den unbewußten Willen des Welpen, die kluge Erziehung richtet es so ein, daß sie mit dem Willen des Junghundes _parallel_ zu laufen scheint, die konsequente _Dressur_ fordert vom Jährling, was mit dessen Neigungen und Wünschen weniger oder nicht im Einklang steht, richtet sich _gegen_ seinen Willen. Die scharfe Dressur und Strafe beugen oder brechen den mißratenen Bruder des Selbstbewußtseins, den Eigensinn. Dieser dreifachen Altersstufe des _Welpen, Junghund_ und _Jährlings_ und unserer dreifachen Tätigkeit _Pflege, Erziehung, Dressur_ trägt die Einteilung dieses Buches in drei Abschnitte Rechnung. Jedes Kapitel ist logisch dem vorhergehenden angefügt, die Reihenfolge und Fortschritte sind zu beachten. Nur ein rationell auf- und wohlerzogener Hund gewährt dem Besitzer Genugtuung und Freude, ist unsren Nachbarn keine anstößige Erscheinung, sondern ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Die Haltung eines Hundes legt uns Pflichten und auch Verantwortung gegenüber dem Tier, wie Rücksichten auf unsre Mitmenschen auf. In diesem Sinne möchten wir dieses Buch aufgefaßt und beachtet wissen; es ist dem Hunde zu Liebe geschrieben, um für ihn Verständnis und neue Freunde zu gewinnen.
_Bensheim_ (Hessen), im Mai 1924.
=E. v. Otto.= 1885—1914 Herausgeber von „Hundesport und Jagd”.
=Inhalt.=
Seite = I. Die Verpflegung und erste Anleitung des Welpen= . . . . . . . . . 7 1. Kapitel. Trächtigkeit; Geburt; Pflege des Welpen bis zur Abgewöhnung von der Mutter . . . . . . . . . . . . . . . 7 2. Kapitel. Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 3. Kapitel. Fütterung und Futter . . . . . . . . . . . . . . 14 4. „ Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer . . . . . 18 5. „ Lob und Strafe . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 = II. Die Erziehung des Junghundes=. . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 6. Kapitel. Stubenreinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 7. „ Verhalten im Hause, Gewöhnung an Leine und Kette. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25 8. Kapitel. Melden und Lautgeben . . . . . . . . . . . . . . 28 9. „ Verhalten auf der Straße (Radfahrer, Wagen, Raufen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 10. Kapitel. Verhalten auf Spaziergang (Geflügel, Katzen, Wild) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 11. Kapitel. Der Appel (Kommen und Gehen auf Befehl). . . . . 36 12. „ Spielende Dressur. . . . . . . . . . . . . . . . 39 =III. Systematische Dressur des Jährlings= . . . . . . . . . . . . . . 43 13. Kapitel. Leinenführigkeit, Freifolgen am Fuß. . . . . . . 43 14. „ Setz dich, Leg dich, Ablegen . . . . . . . . . . 44 15. „ Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd . . . . . . . 47 16. „ Apportieren und Verlorensuchen . . . . . . . . . 49 17. „ Kleine Kunststücke . . . . . . . . . . . . . . . 53 18. „ Wasserarbeit und Schwimmen . . . . . . . . . . . 56 19. „ Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn . . . 59 20. „ Korrektur verdorbener Hunde. . . . . . . . . . . 62 = IV. Praktische Anleitung zur Hundehaltung= . . . . . . . . . . . . . 64 21. Kapitel. Der Zwinger, die Hütte, das Lager. . . . . . . . 64 22. „ Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde . . . . 67 23. „ Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge, Scheren und Baden. . . . . . . . . . . . . . . . 70 24. Kapitel. Utensilien zur Pflege, Dressur und Reise . . . . 75 25. „ Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 26. Kapitel. Altersschwäche und Tötung. . . . . . . . . . . . 84 Zu unseren Bildern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
I. Teil. Die Verpflegung und erste Anleitung.
1. Kapitel. =Trächtigkeit. Geburt und Pflege des Welpen bis zur Abgewöhnung von der Mutter.=
Der Züchter, der einen lebenskräftigen Wurf erzielen und sich eine gesunde, die Welpen gut und reichlich ernährende Mutter erhalten will, muß schon kurz nach dem Belegen mit rationeller Behandlung und Fütterung einsetzen, damit die tragende Hündin nicht gezwungen wird, ihr eigenes Blut-, Kalk- und Fleischreservoir im Körper anzugreifen und zu erschöpfen. Sie muß in der kurzen Zeit von 9 Wochen eine Körpermasse bilden, die bis 1⁄7 ihrer eigenen beträgt. Innerhalb der ersten 14 Tage der Tragzeit läßt man einen Futterwechsel noch nicht eintreten, nur den Bedarf an phosphorsaurem Kalk verabreicht man ganz allmählich steigernd zunächst auf natürlichstem Wege durch Knochengaben. Weiche, nicht ausgekochte Kalbsknochen verdienen vor allem den Vorzug. Nach 14 Tagen, ist es schon angezeigt, ein Futter von besserer _Qualität_ zu verabreichen, ohne die Masse zu vermehren, weil Darm und Magen ohnehin durch die ausgedehnte Gebärmutter bedrängt werden. Je schneller die Mutter unter lebhaftem Fungieren aller Organe als Grundzug jeder Fruchtbarkeit das Futter umsetzt, desto bester; jeder von den 63 Tagen der Tragzeit ist wertvoll. Luft, Sonne, Bewegung, Hautpflege, Abwechslung im Futter, Spaziergänge und freundliche Ansprache, kurz alles, was das Wohlbehagen fördert, sind unsere Mittel. Von der vierten Woche wird der Auslauf verringert; Hetzen, Hochsprung, Massage der Hinterhand bei Bearbeitung mit dem Haarhandschuh, fallen weg. Sobald die Hündin sichtbar trägt, was man am besten über ihr stehend von oben feststellt, erhält sie ihr Futter in mehreren Rationen (3—4 täglich) und vermehrt in Menge. Je verdaulicher zubereitet und gehaltvoller, desto vollkommener wird sie Welpen aufzubauen vermögen; sie braucht dazu Eiweiß, Kalksalze, leimgebende Substanzen, und das alles muß erst von ihr auf dem Wege der Verdauung ihrem Blute zugeführt werden, um durch das Blut wiederum in die Gebärmutter zu gelangen und den Fötus (Leibesfrucht) zu ernähren. Statt einer Futtermenge von etwa 900—1000 g gemischter Kost (Fleisch, Knochen und Vegetabilien) im Verhältnis 1—3 für Bernhardiner, Dogge, 8—600 für Jagd- und Schäferhunde, 200 für Teckel, Foxterrier, je trocken gewogen, gibt man jetzt etwa 1250, 900, 300 g im Mischungsverhältnis 2:3 von Fleisch und Vegetabilien. Fett (z. B. in Fettgrieben), das auch junge Hunde schlecht vertragen, reicht man sparsam; von viel Milch ist jetzt abzuraten, da selbst die beste 87% Wasser enthält. Besteht Verdacht, daß eine Hündin mit Würmern behaftet ist, so soll eine Wurmkur (siehe Kap. 4) spätestens in der 5. Woche vorgenommen werden; eine spätere Gewaltkur gegen Bandwurm führt häufig zum Verwerfen. Ungeziefer (Flöhe) ist als Blutentzieher nicht zu dulden. Schon in den letzten Wochen, nicht erst Tagen oder Stunden, wenn die Hündin bereits unruhig geworden und vor dem Werfen steht, ist das Wurflager herzurichten. Für harte größte Rassen genügt eine gegen Zugluft abgeschlossene Hütte im Freien oder im Schuppen, im Haus die sogenannte Wohnkiste mit etwas erhöhtem Einschlupf und abdeckbaren Deckel, für kleinere Schläge eine flache Kiste, deren Seitenwände grade hoch genug sind, das Herausfallen der Welpen zu verhindern, für kleinste ein flacher Korb. Als Einstreu trockenes Heu, kurzes Stroh, nie Holzwolle, noch alte Decken, die durch Fruchtwasser durchnäßt werden würden. Außerdem scharrt jede Hündin die Streu beim Werfen beiseite und legt die Welpen auf den blanken Boden, der deshalb nicht kalter Stein sein soll. An dieses Lager, das ruhig, etwas dunkel und geschützt stehen soll, gewöhnt man die Hündin schon einige Zeit vor der Fälligkeit des Wurfes (62.—63. Tag). Der Wurfakt geht meist nachts völlig glatt vor sich; der Laie vermeide jede, noch so wohlgemeinte Hilfe. Die Hündin beißt die Nabelschnur selbst durch, frißt diese, sowie die Nachgeburt, leckt die Welpen sauber und trocken. Zwischen den Pausen kann man ihr, wenn sie ersichtlich erhitzt ist und lechzt, etwas Trinkwasser hinhalten. Ist sie ruhig, so unterbleibt alles für mehrere Stunden. Dann erst läßt man die Hündin zur nötigen Entleerung ins Freie führen; inzwischen hat man schon eine Waschlösung (Eimer) vorbereitet mit warmem Wasser, in das etwa 50 g Septoform geschüttet wird, um den Boden zu reinigen. Die Welpen liegen einstweilen warm zugedeckt in einem Korb. Die der Mutter zu belassenden, bei Erstlingswurf höchstens 3—4, bei späteren bis 5, legt man der Hündin sofort bei Rückkehr unter. Die zu tötenden sind inzwischen weit entfernt worden, so daß die Mutter ihr Winseln nicht hören kann. Man tötet sie durch kräftiges Aufwerfen auf den Steinboden; der Sturz hat sie schon betäubt, ehe sie den Boden erreichen. Die kräftigsten Rüden läßt man leben; Hündinnen nur, wenn sie von Züchtern bestellt sind, _niemals,_ um sie an Laien zu verschenken, da sie nur in Hände von _Fachleuten_ gehören.
Für die säugende Hündin ist ein _allmählicher_ Futterwechsel nötig, plötzlicher führt zu Verdauungsbeschwerden, die auf die Milch übergreifen. In den ersten Tagen gibt man vorwiegend Milchsuppen mit Hafer-, Gerstenflocken oder Mehlsuppen. Wie während der Tragzeit darf Kalk nicht fehlen, man fügt am einfachsten zu jeder Mahlzeit einen Eßlöffel Kalziumlösung, die man sich durch Auflösen, von 100 g Chlorkalzium in 1⁄2 l Wasser bereitet hat. Auch Phosphor ist nötig; er vermehrt und verbessert die Milch, und wird in Form von Phosphorlebertran verabreicht. Innerhalb der ersten Tage werden Afterklauen mit desinfizierter Schere (Eintauchen in schwache Septoformlösung) abgeschnitten und die kleine Wundstelle mit blutstillender Watte kurze Zeit geschlossen. Bis spätestens zum 8. Tage läßt man die Ruten von Terriers, Dobermannpinscher, Schnauzer, Zwergpinscher, Toyspaniel, Pudel, Rottweiler, Griffons, deutschen Vorstehhunden usw. kürzen, die Ohren erst mit 8—12 Wochen. Die Wurfkiste oder Hütte wird fleißig gelüftet, der Boden öfter mit Septoformlösung (aromatisch riechendes Desinfektionsmittel) gewaschen, das Lager beständig erneuert, so daß Blutsauger, wie Flöhe und Läuse, die zudem Überträger von Bandwurm sind, nicht aufkommen. Die Reinigung der Welpen besorgt die Mutter, die auch durch Lecken des Unterleibs die Kleinen zur Entleerung veranlaßt. Hat sie die Nabelwunde durch Übereifer entzündet, so mildert man mit Borsalbe. Bis zum 9. bis 10. Tage hören und sehen die Welpen noch nicht; dann öffnen sich Ohr und Lid, und es ist Zeit sie allmählich an Licht zu gewöhnen. Auch an Temperaturunterschiede, indem die Mutter zeitweilig ausgeführt wird. Je weniger Welpen man ihr beläßt, je rationeller man sie mit milchgebenden Stoffen füttert: Mehlsuppen, gesalzener Milch mit altem, eingeweichtem Brot, dazu täglich Fleisch und Knochen nebst Phosphor-Lebertran, desto länger und besser ernährt sie die Welpen. Solange sie nur liegen oder herumkriechen, genügt die flüssige Ernährung; das Zeichen zur halbflüssigen ist ihr Herumwatscheln oder Gehversuche. Anfangs der dritten Woche bricht das Milchgebiß durch, ein Signal, daß sie etwas zu beißen brauchen. Da selbst Pflanzenfresser im Mutterleib und während des Säugens nur animalisch ernährt werden, braucht man von kleinen Fütterungsgaben von geschabtem rohem Fleisch nicht zurückzuscheuen. Dazu gibt man nach und nach als Beigabe zur Muttermilch pasteurisierte Kuh- oder noch besser Ziegenmilch mit etwas Kochsalz. Später setzt man der Milch Hafergrütze oder Hafermehl zu nebst kleingewiegtem Fleisch, füttert etwa 5 mal im Tag und läßt die Mutter nach 6 Wochen nur noch nachts zu den Welpen. Durch ein erhöhtes Brett oder Lager gibt man ihr Gelegenheit, sich vor den spitzen Krallen und scharfen Nägeln zu retten. Je früher und öfter es mildes und trocknes Wetter gestattet, die Kleinen an die Sonne, sei es auf Kiesplatz, Holzbelag (nur nicht feuchten Rasen) als Spielplatz zu bringen, desto besser. Doch nicht überfüttern, lieber öfter und immer gehaltvoller. Und sobald sie allein sich nähren, also mit etwa 8—9 Wochen, hinaus damit an die neuen Besitzer, die dem einzelnen mehr Sorgfalt und Futter zuwenden, können, als der Züchter einem ganzen Nest. Vorher läßt man die Namen nebst Züchteraffix bei zuständigem Stammbuch eintragen, da es Züchterrecht und -Pflicht ist, die Namen dauernd festzulegen, unter denen die zukünftigen Preisgewinner ihm dereinst Ehre machen sollen, und sie mit Stammbuchnummer legitimiert abzugeben. Zugleich mit dem abzugebenden Welpen und der Bestätigung über erfolgte Eintragung in das Zuchtbuch sollte jeder Züchter dem Laienkäufer ein Exemplar dieses Buches überreichen, damit der neue Hund dem Besitzer durch rationelle Aufzucht und Erziehung einst Freude bereite.
2. Kapitel. =Die Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz.=
Ein unbeholfenes, noch weltfremdes, drolliges kleines Lebewesen kommt in eine völlig neue Umgebung und ist dementsprechend zu behandeln. Falls mit Bahn oder Post überschickt, sorgt man, daß es morgens durch Expreßboten eintrifft; der zukünftige Herr öffnet den Behälter selbst, damit ihn der Hund als Erlöser aus dem Gefängnis betrachtet. Er soll einen ganzen Tag Zeit haben, den ersten Trennungsschmerz zu überwinden, damit er nicht nachts durch Winseln und Heulen die Familie oder gar das ganze Haus in der Nachtruhe stört. Durch vorherige Erkundigung beim Züchter orientiert man sich, ob das Schlaflager in Korb, Schlafkiste (diese ist mit seitlichem Einschlupf und Schubtür zu versehen, als Aufenthalt willkommen und zur Erziehung praktisch), Matratze, dicker Kokosmatte (bequem wegen Reinigung) bestand, welches Futter und wie oft gegeben wurde. Das erste Lager wird vorteilhaft aus dem Heu der Transportkiste, das noch Heimatgeruch hat, gebildet. Bereitzustellen ist außer dem Lager: ein kleiner Eimer mit Sägespänen und eine Flasche Septoform zum Desodorieren des Aufwaschwassers. Man darf sich nicht begnügen, nasse Spuren aufzutrocknen, sondern muß die betreffende Stelle durch Eingießen von etwas Septoform verwittern (den Uringeruch überdecken!), weil Hunde sonst dieselbe Stelle immer wieder benützen würden. Etwas billiger und ausgiebiger ist Lysol oder Kreolin, aber wegen des scharfen Geruchs in der Wohnung lästig. Alsbald nach Ankunft trägt man den Welpen in einen geschlossenen Hof oder Garten, sobald er durch unruhiges Herumsuchen verrät, daß er sich lösen oder nässen will. Beobachtet man ihn darauf in den ersten Tagen beständig, so wird man sehr bald am Benehmen und tiefer Kopfhaltung des Suchens merken, daß es Zeit ist, hinauszuführen, was zur Zimmerreinheit hinleitet. Diese zu erzwingen, ist erst möglich, wenn er sich etwas eingewöhnt hat und begriffen, daß es Dinge gibt, die ihm verwehrt sind, also Verbote und Gebote, die er befolgen muß, um sich nicht üblen Folgen auszusetzen. Das erste Begreifen ist ihm mit dem „Platz!” beizubringen, das ist das ihm zugewiesene Lager, auf dem er zu verharren und das er aufzusuchen hat, wenn das scharf gesprochene Wort „Platz!” erfolgt. Zunächst ist ein solcher im Zimmer, wo die Familie und er sich gewöhnlich aufhalten, so zu wählen, daß er von dort aus selbst übersieht, gesehen wird, aber nicht getreten werden kann oder lästig fällt. Nachdem er sich einige Zeit frei bewegen durfte, wird er dorthin geführt, sanft zum Legen niedergedrückt unter Kommando „Platz”. Macht er Miene aufzustehen, so drückt man wieder nieder: „Platz”. Wiederholt es mehrmals mit viel Geduld. Hilft energisches Befehlen bei dem kleinen Quecksilber nicht, so unterstützt man das Kommando mit leichtem Schlag, doch nicht mit der Hand, die nie zum Schlagen dienen soll, sondern mit leichter Gerte (Zweig). Die Hand ist etwas, was der Hund nie fürchten soll; diese belohnt, streichelt, gibt, deutet. Ein gut behandelter und richtig erzogener Hund wird mit der Schnauze die Hand des Herren suchen, seinen Kopf in diese legen, nie nach der Hand von Menschen schnappen, auch wenn diese z. B. einmal genötigt ist, einen Knochen wegzunehmen oder energisch einzugreifen. Allzulange zwingt man anfangs zum Verharren auf dem „Platz” nicht, sondern gibt durch freundlichen Anruf des Namens, der kurz, höchstens zweisilbig sein soll, Erlaubnis zum Verlassen. Einsilbig und kurz, wie ein Ruck, suggestiv seien die ersten Kommandos und das Wehren: Pfui, Hier, Platz, Aus. Beim Anruf und überall, wo er beschleunigt folgen soll, klatscht man in die Hände; auch das wirkt aufstachelnd, suggestive. Niemals verzichte man darauf, daß der einmal gegebene Befehl „Platz” nicht ausgeführt oder auch nur nachlässig beachtet wird; folgt der Hund nicht, so führt oder trägt man ihn energisch zum Lager, wo er einige Zeit verharren muß, worauf man ihn belobt. Von den ersten Anfängen an muß es dem jungen Tier in Fleisch und Blut übergehen, daß jeder Befehl unweigerlich zu befolgen ist. Das ist für die ganze Erziehung und Dressur ausschlaggebend. Hat er nach mehrmaligen täglichen Übungen begriffen, was er soll und daß er muß, so wird der Ort des Lagers gewechselt, falls dieser z. B. nachts nicht im Wohnzimmer, sondern im Vorhaus sich befinden soll. Wer ein Landhaus allein bewohnt, wird immer das Treppenhaus dazu wählen, so daß der Hund nicht zu fern der Haustür liegt. In einem Mietshaus empfiehlt sich dies für untere Stockwerke weniger, damit der Hund nicht wegen später nachts heimkehrender Mitbewohner alles im Schlafe stört. Selbstverständlich muß der Hund, falls man beim Verlassen des Zimmers das Kommando „Platz” gibt, dort verweilen, auch wenn er allein gelassen wird. Man überzeugt sich, indem man rasch zurückkehrt, spricht ihn bei Ungehorsam scharf an und unterstützt den neuen Befehl durch Drohung mit Gerte oder leichtem Schlag. Wenn das alles auch überflüssig erscheint, so führe man doch alle diese Übungen konsequent durch; es ist die eindrucksvollste, leichteste Vorbereitung für alle spätere Dressur. Das nächste Wort, das der junge Hund sehr rasch begreifen wird, weil das Hinausgeleiten aus der Monotonie des Zimmers, in dem er sich gesittet benehmen muß, ihm Freude macht, ist _„Hinaus”._ So oft es hinausgeht, wird das Wort mehrmals lebhaft wiederholt, bis sich für ihn damit der Begriff von Bewegung und Verlassen des Zimmers verbindet. Die _Worte „Platz”_ und _„Hinaus”_ sind es aber nicht allein, sondern der Ton und Klang, und dafür haben alle Hunde ein sehr feines Verständnis, da sie _nie ein Wort_ selbst und dessen _Bedeutung_ erfassen, sondern nur den _Begriff,_ der sich für sie damit innig verbindet. Kinder haben dem Junghund nie zu befehlen; sie dürfen sich höchstens mit ihm befassen und spielen. Aber sie sollten unbewußt viel von dessen Erziehung profitieren.
3. Kapitel. =Fütterung und Futter.=