Herrn de Charreards deutsche Kinder: Die Geschichte einer Familie
Part 11
»Und wie geht's in Pösen?« Den beiden Freunden waren in diesem Augenblick alle Fremdwörter gleich, sie strebten dem Herrenhause zu, sie mußten aber langsam reiten, denn der Magister ging mit. Nikolaus folgte auch, und so langten sie auf dem Gut an. Ganz eingehüllt in Lindenduft war es, war sommerschön, war Heimat.
Beide Kinder wieder unversehrt zurück aus dem Weltgetriebe. --
Voller tönte die Freudenglocke in Sophia Christines Herzen.
Freilich, sie sah das Leid in des Sohnes Augen stehen, das war nicht mehr ihr Anthoine, wie er einst ausgezogen war. Lebenswund kam er heim, er war zu lange im Wirrsal der Welt gewesen.
Ein paar Wochen später führte Adrian Louison de St. Laurent als Ehefrau heim. Eine stille Hochzeit nur wurde in dem alten Gutshause gefeiert. Es herbstete schon, als die drei Geschwister, nun endlich einmal wieder vereint, mit Heinrich Wilhelm und Adrian unter den Linden dahin gingen. Die Eltern, der Amtsschosse Rudolph und der Magister folgten langsamer. Es fielen Blätter wie Gold auf die Häupter der Jugendfreunde nieder.
Die redeten von vergangenen Tagen und Heinrich Wilhelm erzählte dabei von dem unglücklichen, liebeleeren Leben der kleinen Prinzessin, da sagte Anthoine schlicht: »Ich sah sie vorige Woche, nun hat sie wenigstens einen Freund in der Nähe.«
»Für immer nahe?« fragte der Schwager, der noch an Anthoines Daheimbleiben zweifelte.
»Für immer,« antwortete der junge Anthoine. »Ich habe viel von der Welt gesehen und keine Heimat gefunden, die dieser gleichen könnte!«
Und hinter ihnen sagte eben Herr Anthoine de Charreard zu seiner Frau Sophia Christine: »Heute kannst du es machen wie damals bei unserem Einzug, als du die Küchlein schirmtest.«
»Wenn sie doch alle blieben,« antwortete die Frau, die ihren ältesten Enkelsohn an der Hand führte. »Sie gehen und kommen, aber ich weiß es, die Heimat ruht ihnen im Herzen, unsere Kinder finden immer zurück, du lieber Mann.«
Und Herr Anthoine de Charreard dachte nicht mehr an das Schloß an der Loire; in dem festgefügten Haus im stillen Tal lebte sein Glück.
Weitere Hinweise zur Transkription
Der Schmutztitel wurde entfernt.
Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend korrigiert.
S. 7: _Linderkronen_ zu _Lindenkronen_ ... blühende Sommerwunder der _Lindenkronen_ wies.
S. 42: _Pferdegetrapppel_ zu _Pferdegetrappel_ _Pferdegetrappel_ war es, das hörten sie wohl.
S. 48: _gleiche_ zu _gleichen_ ... lief noch am _gleichen_ Tage eine Magd ...
S. 51: _Fräuleiin_ zu _Fräulein_ ... und mit meinem kleinen _Fräulein_ spielen?
S. 58: _Hofmeiister_ zu _Hofmeister_ ... den Magister Albertinus als _Hofmeister_ her.
S. 65: _Anthonie_ zu _Anthoine_ »_Anthoine_, ich bin es wirklich -- ...
S. 67: _Hätter_ zu _Hätte_ _Hätte_ er gesagt: ...
S. 70: _Kriegsmannn_ zu _Kriegsmann_ ... der Bauer Niklas, der ehemalige _Kriegsmann_,
S. 81: _wieder_ zu _wider_ ... tönte _wider_ in diesem Weheschrei.
S. 95: _Anna-Marie_ zu _Anne-Marie_ (wie auf S. 3) sie erkannte die _Anne-Marie_ Schurksin nicht,
S. 106: _er_ zu _der_ _der_ Eile in den Gliedern hatte.
S. 150: _füsterte_ zu _flüsterte_ der Bursche aber _flüsterte_ der Magd zu: