Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen
Part 4
Die +Teepuppe+ ist ein Kriegskind. Als der Spiritus knapp wurde, als der „Rechaud“, der Wärmespender aus Nickel, Messing oder Silber vom Teetisch verbannt werden mußte, als die verschiedenen Streike das Kochen erschwerten und das Warmhalten der Speisen zeitweilig unmöglich machten, damals tauchte die +Teepuppe+ auf, die +Teepuppe+ in ihren vielfachen Verkleidungen. Ihr, liebe Leserinnen, saht, wenn ihr euch dieser schweren Zeit erinnert, vielleicht nur die zierliche Puppe, diesen amüsanten Tafelschmuck, aber ihr damaliges Auftreten hatte wirklich eine ernste Veranlassung. Sie ist heute demnach überflüssig geworden, und ihre Art wäre schon längst ausgestorben, wenn sie sich in den verschiedenen Häuslichkeiten nicht so fest eingebürgert hätte, nicht nur, weil sie so reizvoll, sondern weil sie praktisch ist. Eine geschmackvolle +Teepuppe+ ist noch immer ein gerngesehenes Geschenk, ein freundlicher Schmuck für die Anrichte, für den Teewagen, und ich kann mir vorstellen, daß euch das Anziehen solcher +Teepuppe+ sehr viel Spaß macht, mindestens so viel Spaß, als wenn ihr als kleine Mamas eure Puppenkinder angezogen habt, nur, daß die Sache diesmal doch etwas schwieriger ist.
Die +Teepuppe+ kommt als Rokokomarquise mit schneeweiß gepuderter Perücke, als Biedermeiermadame im bauschigen Reifrock, als Japanerin in farbigen, weiten Phantasiegewändern vor, sie steigt aus alten Stichen heraus und nimmt den Namen berühmter Frauen an, wir kennen sie als Lady Hamilton, als „Dame mit dem Muff“ von Madame Lebrun, als Tänzerin Barbarina, als Marie Antoinette. Dann wieder heißt sie Prinzeß Lamballe oder ganz schlicht bürgerlich „das Schokoladenmädchen“. Aber welche Rolle die Teepuppe auch spielen mag, der breite faltige Rock darf bei ihr nicht fehlen. Darum stammt die gut gearbeitete +Teepuppe+ stets aus Epochen, in denen die Frau weite Gewänder trug -- die Tracht der Königin Luise, der Josephine Beauharnais, und gar ein modernes „Komplet“ würden ihr nicht günstig sein, denn der Rock ist es doch, der die Teekanne warm halten soll, sonst hat die reizendste Teepuppe ihren Zweck verfehlt. Bei ihr kommt es nicht nur auf eine geschmackvolle Kleidung, sondern ebensosehr auf eine praktische Montierung an. Mit einigem Geschick, mit einer ausgeprägten Nadelfertigkeit kann wohl jede von euch eine +Teepuppe+ anfertigen, umso eher, als alle Zutaten in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind.
Außer dem Oberkörper, den Armen und dem Gestell kommen bei dieser Arbeit hauptsächlich nur Stoff-, Band- und Spitzenreste in Betracht, diese Reste dürften in jedem Haushalt vorhanden sein. Den Kopf und die Arme kann man meist bei denselben Firmen kaufen, bei denen das Drahtgestell zu haben ist. Das Montieren und Ankleiden ist nicht sehr schwierig, es gehören nur außer einem gebildeten Geschmack -- ihr müßt euch da recht gut beraten lassen -- noch ein paar ungestörte Stunden dazu.
Zuerst wird das Drahtgestell mit schmalen weißen Bändchen umwickelt, dann näht man das Futter, beliebigen weißen Stoff, darüber, und zwar in der Art, daß man, vorn beginnend, unter dichtem Anstecken, nach der Rückseite zu das Gewebe straff über das Gestell spannt und durch Abnäher die Glockenform erzielt. Die beiden Stoffteile werden durch eine saubere Saumnaht miteinander verbunden, so daß eine geschlossene Glocke entsteht. Der obere und der untere Rand wird fein gesäumt; damit die Hülle nicht Falten wirft oder gleitet, befestigt man sie mit leichten, aber festen Stichen an jeder Stabkreuzung des Gestells. Nun wird aus Watte die wärmende Einlage hergestellt. Man verwendet dazu einen Streifen Watte, der genau so breit und hoch wie das Drahtgestell sein muß. Die Watte muß gerade geschnitten sein und wird zur Rundung geschlossen. Man näht die Längskanten der Watte vorsichtig zusammen und stülpt sie zunächst, um die Glockenform zu erhalten, über das Gestell; jetzt werden an der Vorder- und an der Rückseite zwei Abnäher ausgeführt, der überstehende Stoff wird fortgeschnitten, die Schnittkanten verbindet man durch Kreuznähte. Nachdem auf diese Weise die Form genau passend hergerichtet ist, wird die Watte in die Innenseite des Gestells gesteckt und mit einigen festen Stichen am Futterstoff angenäht. Sie wird innen mit leichtem Batistfutter versehen, das ebenfalls röhrenförmig, genau wie die Wattierung, genäht wird. Damit unter dem Kleid ein Unterrock angedeutet ist, wird ein weißes Röckchen, nach Belieben mit Spitze verziert, auf die Futterform aufgenäht. Um Stoff zu sparen, bringt man nur eine breite Falbel aus weißem Mull oder Batist an -- jeder geeignete Stoff kann verwendet werden --, die Falbel wird mit Fältchen und feinen Spitzen geschmückt und mit leichten Stichen an einem der unteren Drahtstreifen angenäht. Nun wird der Porzellanoberkörper der Puppe mit dem Gestell verbunden, nur ein Puppenkopf mit „selbstgemachter“ Taille würde bestimmt nicht gut aussehen. Man umwickelt den unteren Teil des Rumpfes mit Band, näht es zusammen und steckt ihn in den oberen Ring des Gestells, der für diesen Zweck freigelassen worden ist. Nun beginnt das Ankleiden der Teepuppe, das sich nach einem bestimmten Modell richten muß. Ob ihr „Jettchen Gebert“ anzieht oder eine altfranzösische Hofdame, das ist gleich, ich rate euch, auf alle Fälle gute Bilder, Stahlstiche, Reproduktionen auf Künstlerkarten zu Rate zu ziehen und immer zu bedenken, daß die Teepuppe am besten eine graziöse, jugendliche Persönlichkeit darstellen soll; stellt euch vor, wie hübsch es wäre, wenn sie sich am Gespräch beteiligen könnte. Man hat auch schon mit Erfolg versucht, besondere Kaffeekannenwärmer in dieser Art herzustellen, dafür wählt man lieber behäbige Bürgerfrauentypen, sehr wirkungsvoll sind Bäuerinnen in ihren echten volkstümlichen Trachten. Solche Arbeit ist indessen nicht so leicht, weil die geeigneten Köpfe nicht immer vorrätig sind, während die +Teepuppenköpfe+ und Oberkörper in den verschiedensten Arten, zu den verschiedensten Trachten passend, in den einschlägigen Geschäften stets erhältlich oder leicht zu beschaffen sind.
Ich zeige euch auf den nebenstehenden Bildern einige ganz besonders reizende Teepuppen, die vorbildlich genannt werden können; hier seht ihr graziöse Figuren, stilechte Aufmachung, hübsche „echte“ Gesichter, alles, was zu einer richtigen Teepuppe gehört.
Das erste Modell (Abb. 37) stellt Jettchen Gebert dar, einen gut bürgerlichen Biedermeiertyp; seht euch die dickzöpfige Frisur mit dem Bandschmuck an, das dunkelseidene Kleid mit den vielen Krausen, ich wette, es ist flaschengrün oder pflaumenblau, es kann aber auch braun oder veilchenfarben sein, und dann die enge Taille, die noch enger aussieht mit ihren vielen Nähten, weil der Rock gar so bauschig fällt. Sehr echt ist der spitze, geblümte Seidenkragen, am Ausschnitt steckt die übliche Brosche. Die Ärmel sind ziemlich weit, die Unterärmel bestehen aus weißem Spitzenstoff, den Abschluß dieses Kostüms bildet der seidene Pompadour mit Perlen und Spitzenverzierung und das bescheidene Halskettchen. Es können Perlen sein, aber vielleicht ist es auch aus dünnem Gold oder Silber.
Das nächste Bild (Abb. 38) zeigt „die weiße Rose“, eine besonders anmutige Teepuppe in einem stumpf-mattlila Seidenkleid, das durch einen schimmernden, apfelgrünen Seidenschal ergänzt wird. Der Ausschnitt an der schmalen Taille wird vorn von einer weißen Rose mit grünen Blättern geschmückt. Diese Rose wiederholt sich an der Frisur, und schließlich sehen wir sie wie ein Symbol in der Hand der Schönen.
Die dritte Teepuppe (Abb. 39) stellt ein +junges Mädchen mit Hängelocken+ dar, sie könnte ein Lied von Schubert singen; ganz zart und niedlich sieht sie aus in ihrem etwas steifen Seidenrock, der bis über die Knie mit einem dunklen Spitzenstoff bedeckt ist, der auch die enge Taille und die Ärmel verziert. Aus den weiten Spitzenärmeln gucken weiße Tüllärmel hervor; aus diesem Tüll besteht auch die schmale Krause am Ausschnitt, der in eine Tüllblume verläuft. „Karoline“, so heißt das junge Fräulein -- damals, als man so aussah, hieß man Karoline --, hat Blumen im Haar und hält einen schwarzen, feinen Spitzenschal über dem Arm.
Die +Rokokodame+ der letzten Abbildung (40) trägt ein einfarbiges weiches Seidenkleid mit Goldspitzengarnitur, am Ausschnitt sind ein paar Seidenblümchen angebracht, das schneeweiß gepuderte Haar ist ebenfalls mit solchen farbigen Blumen verziert, die sich als Ranke über die Lockenperücke hinziehen. Die Lorgnette aus Golddraht ist an einem dünnen, langen Goldkettchen befestigt, das vom Hals der reizenden Frau herabhängt.
Die +Teepuppe+ ist eine liebenswürdige Bereicherung unserer gedeckten Tafel. Sie gibt dem Teetisch das kultivierte Gepräge, sie bringt einen verfeinerten Ton mit sich, es ist, als ob eine reizende Weltdame mit eingeladen wäre, und ihr zu Ehren wird der Tisch ganz besonders sorgfältig gedeckt. Die dünnen Teetassen werden aus dem Schrank geholt, blitzendes Kristall, schimmerndes Silber, ein paar Blumen, liebevoll geordnet, all dies ergänzt die geschmackvolle Anordnung; sie darf da nicht fehlen, wo eine Teepuppe Verwendung findet. Auf den täglichen Frühstücks- oder Nachmittagskaffeetisch mit seinem Alltagsgeschirr gehört eine einfache Tee- oder Kaffeemütze, die Teepuppe stellt Ansprüche.
10. Nadelmärchen
In der Kinderzeit hören wir nichts lieber als die innigen, teils fröhlichen, teils traurigen deutschen Märchen, die alle irgendwie von mythologischer Bedeutung sind und mit dem Geistesleben der alten Germanen eng zusammenhängen. Diese Bedeutung ist längst verloren gegangen, und in der Gegenwart bemühen sich berühmte Gelehrte, die Zusammenhänge wiederzufinden. Die letzten Reste einer uralten Kultur haben sich in die Kindermärchen, in manchen Kinderreim geflüchtet, und ganz naiv und jugendselig singen jetzt Knaben und Mädchen kleine Lieder, deren Inhalt so einfach klingt, und die einst von den germanischen Priestern und den Nornen als Beschwörungsformeln verwendet wurden und ganze Stämme in ehrfürchtige Schauer versetzt haben.
Die lieben, uns allen vertrauten Märchen mit ihrer Gemütstiefe sind ebenfalls Überbleibsel einer alten Kultur. Niemand kennt die Dichter, die sie ersonnen haben; die echten deutschen Märchen haben sich fortgeerbt von einem Geschlecht auf das andere, und kein Kind, Knabe oder Mädchen, wird sich ihrem Zauber entziehen können.
Wenn die reifere Jugend aus den Märchenzeiten herausgewachsen ist, wenn andre Interessen an sie herantreten, die Erinnerung an die selige Spannung, an die harmlose Lust geht mit ihnen bis ins späteste Alter. Die Märchen aber bleiben ewig jung. Immer wieder ist versucht worden, sie in die Kunst zu übertragen. Es gibt Skulpturen, es gibt Malereien, außer den vielen mehr oder weniger bekannten Buchillustrationen, die alle das deutsche einfältig-liebe Märchen zum Mittelpunkt haben, und von Zeit zu Zeit sind sie auch in die bunte Sprache der Stickerei übersetzt worden.
Als Beispiele zeigen wir drei handgestickte Wandbilder, die Szenen aus alten deutschen Märchen darstellen. Da sehen wir das betende +Marienkind+ (Abb. 41) aus der Legende, wie es einen Stern auf der Hand trägt, und wie aus diesem Stern ein großer Sternenkranz emporsteigt, der sich um das Mädchen schließt. Ein Heiligenschein strahlt um ihre Gestalt. Nun ist die arme Waise ein frommer Engel geworden.
Das andre Bild zeigt +Dornröschen+ schlafend unter dem Rosenstrauch (Abb. 42). Ein Schmetterling träumt auf ihrer Hand. Alle Zweige und alle Blüten neigen sich schützend über das verzauberte Prinzeßchen.
Das dritte Bild stellt +Aschenbrödel+ dar (Abb. 43). Es hat das neue goldene Kleid unter dem Machandelbaum anprobiert. Die Kleine breitet es mit beiden Händen aus und will nicht glauben, daß es ihr gehören soll. Aber bald, bald wird es auch der fremde Königsohn bewundern, wenn sie im schimmernden Gewande, den Blütenkranz im Blondhaar, mit ihm tanzen wird.
Eine Berliner Künstlerin, Klara Rheinländer, hat die reizenden Bilder entworfen und handgestickt. Sie arbeitet mit leuchtenden Farben, das sieht man sogar auf unsern Abbildungen, die alle drei ganz naturalistisch wirken.
Solche Nadelmärchen-Stickereien sind wohl sehr schwierig, aber es ist doch recht gut, wenn ihr seht, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann, und diese Bilder geben euch sicher mancherlei Anregung. Ich würde euch raten, einmal ein paar Einzelheiten aus diesen Bildern herauszunehmen und sie nachzuarbeiten, einen Stern, eine Ranke, ein paar Blumen. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr weitere Versuche machen, die Technik der Nadelmalerei ist euch ja bekannt, und schließlich denkt euch einmal selbst etwas aus, das sich aufzeichnen und sticken läßt. Ein paar spielende Schmetterlinge, ein Topf mit einer blühenden Blume, eine Vase mit farbigen Blüten, ein Vögelchen auf einem Zweig, und wenn ihr auf dieser Basis weiter arbeitet, kommt ihr schließlich selbst auf kleine Szenen und Märchen, die ihr dann mit der Nadel und vielen bunten Seidenfäden lebendig macht.
11. Kissen aus bunten Wollresten
In den letzten Jahren sind starkfarbige Handarbeiten sehr modern geworden, besonders beliebt sind +Wollarbeiten+ in vielen bunten Tönen. Allerlei Techniken wurden für dieses Material ausgedacht, eine der hübschesten ist die Sternwickeltechnik, die sich für +Decken+ und +Kissen+, +Teekannenwärmer+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ am besten eignet. Die Herstellungsweise ist sehr einfach, und da allerlei Wollreste verwendet werden können, fast kostenlos.
Man braucht dazu einen Stern aus Zelluloid, wie er zum Zwirnaufwickeln benutzt wird. Findet er sich nicht im Nähtisch, so verwertet man die Pappsterne, auf die das starke Nähgarn aufgewickelt ist. Man bespannt solchen Stern mit einem einfarbigen Wollfaden und durchstopft, wenn er fertig umspannt ist, mit einer Stopfnadel und vier Fäden das Muster, bis ein Kreuz entsteht. Wir sehen die Herstellungsart auf dem ersten Bild (Abbildung 44); nach und nach werden so viel Sterne angefertigt, wie zum Kissen oder einer andern Arbeit notwendig sind. Damit eine recht bunte Wirkung entsteht, wird jeder Stern andersfarbig gehalten, doch kann man auch eine bestimmte Reihenfolge dabei verfolgen, so daß durch die Anordnung der Farben wieder neue Wirkungen entstehen. So hält man der Reihe nach die Sterne in Feuerrot, Briefkastenblau, Schwefelgelb, Giftgrün, Karmoisinrot, Orangegelb und versetzt die Sterne in entsprechender Weise. Weiß, Schwarz, Grau und Braun eignen sich für diese Zwecke nicht. Am besten wirkt die Arbeit, wenn das Wollmaterial gleich stark ist; jeder Stern muß einfarbig gehalten sein. Die fertigen Sterne werden miteinander verbunden, man näht oder häkelt sie zusammen, nachdem man ausgerechnet hat, wieviel Sterne für die Arbeit verwendet werden sollen. +Kissen+, +Kannenwärmer+, +Schlummerrollen+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ müssen abgefüttert werden, ehe das Sternmuster aufgezogen wird (Abb. 45). Einfarbiger Satin in Feuerrot, Papierblau, Gift- oder Grasgrün, Schwefel- oder Apfelsinengelb eignet sich am besten dafür. +Decken+ brauchen nicht abgefüttert zu werden; dieses Sternmuster eignet sich indessen nur für kleine Decken, zum Beispiel für Vasenuntersetzer. Für große Decken kann man das Sternmuster darum nicht empfehlen, weil die einzelnen Gegenstände leicht darin hängen bleiben können, eine Ausnahme bilden +Kinderwagendecken+, die entsprechend abgefüttert werden müssen.
12. Körbchen mit duftenden Rosen
Alle jungen Mädchen schwärmen für Parfüm, für Duftstreuer und ähnliche angenehme Dinge, die, mit Geschmack und Vorsicht angewendet, sicherlich keine Gegner haben dürften. Am feinsten wirkt es, wenn man im Kleider- und Wäscheschrank, in den Kommodenschubladen und in der Hutschachtel ein paar Duftbeutel verteilt, die möglichst leicht und unauffällig parfümiert sind, und die den Duft gleichmäßig auf die verschiedenen Gegenstände übertragen. +Handschuhe+, +Taschentücher+, +Halstücher+, +Schals+, +Wäsche+, +Bänder+ können in dieser Art parfümiert werden, wenn man nur den „richtigen“ Ton trifft. Am geschmackvollsten sind all die Düfte, die uns die Natur bietet; da sind +wilde Kräuter+, wie +Thymian+ und +Rosmarin+, +Waldmeister+ und +Lavendel+, deren Geruch zart und angenehm ist und außerdem den Vorzug hat, die Motten fernzuhalten. Da sind die +jungen Triebe+ der +Nadelhölzer+, die, im Mai gesammelt, sehr aromatisch duften und lange vorhalten. In alten Gärten gibt es +Zentifolien+, deren Blüten, am frühen Morgen gepflückt, schon von unsern Urgroßmüttern als Duftspender im Kleider- und Wäscheschrank beliebt waren. Sie hatten ein einfaches Verfahren dafür: In eine festschließende Porzellandose oder in einen „Potpourri“ wurden die vorsichtig gepflückten Zentifolienblätter gelegt, je eine Lage Blütenblätter und darauf eine Lage Salz, zum Schluß kam eine Lage Salz. Wenn diese Mischung fest verschlossen, ungestört, möglichst im Finstern einige Wochen gestanden hatte, wurde die Dose geöffnet, und ein feiner Rosenduft erfüllte den Raum. Man sagte, erst wenn die Rosenzeit vorüber sei, dürfe der Dufttopf geöffnet werden, so lange dauere es, bis der Duft „fest“ geworden sei. Er hielt sich bis zur nächsten Rosenzeit, dann wurden wieder junge Zentifolienblüten gepflückt, und die Duftflasche, der „Potpourri“, gefüllt. Aber auch ohne Salz läßt sich der Duft der Zentifolie festhalten, nicht so lange, aber wenigstens für ein paar Wochen, wenn die Blütenblätter im Riechbeutel aufbewahrt werden.
+Riechbeutel+ und +Riechkissen+ sind immer beliebt, immer modern; man stellt sie aus Seidenresten her, verziert sie mit leichten Stickereien, verschließt die Beutelchen mit schmalen Seidenbändchen. Die Füllung besteht aus parfümierter, nicht zu feiner Kleie, da sie sonst leicht durch das Gewebe hindurchdringt. Man legt die Beutel in +Schubladen+ und +Kartons+, zwischen +Briefpapier+, in +Taschentuch-+, +Band-+ und +Spitzenbehälter+ und hängt die Beutel in den +Schränken+ und +Fächern+ auf.
In den Drogerien gibt es Duftextrakte, die für Riechbeutel bestimmt sind, unter anderm eine Pflanzenwurzel, die wenig bekannte +Veilchenwurzel+, die einen feinen Duft hat, der ziemlich lange vorhält. Diese +Veilchenwurzel+ kann man im Mörser zerstoßen und mit dem Mehl die Beutel und Kissen füllen.
Eine Neuerung, die indessen eigentlich eine Wiederbelebung einer alten Mode ist, ist die +Seidenblume+, deren Kelch aus einem Riechbeutelchen oder Kissen besteht. Solch kleine Handfertigkeit sieht sehr hübsch aus und ist sehr praktisch.
Noch reizender ist ein „+Körbchen mit duftenden Rosen+“. Das Körbchen besteht aus einem beliebigen Geflecht, in jedem Haushalt dürfte sich solch kleines Körbchen finden. Man frischt es auf, wenn es verstaubt oder verbogen ist, meist kann man es mit einer Bürste und Sodawasser reinigen, und die Farbe, wenn es nötig ist, mit Spiritusbeize erneuern.
Sehr geeignet sind die zierlichen japanischen Körbchen, auch Strohkörbchen passen dafür. Wir zeigen auf unsern Bildern ein +Körbchen mit Duftrosen+ (Abb. 46) und die Rose in ihren Einzelheiten (Abb. 47), damit sie nachgearbeitet werden kann.
Jede Rose kann einzeln herausgenommen werden, ihre Kelchfülle umgibt das Duftbeutelchen, es ist der „Halt“ der Blume, auf dem sie liegt. Man füllt den Beutel in der bereits beschriebenen Weise, doch hüte man sich vor dem Versuch, jede Rose mit einem andern Duft zu parfümieren. Das wäre sehr geschmacklos! Die Rosen werden aus Glasbatist hergestellt, man verwende möglichst zwei Schattierungen, zum Beispiel Rosa hell und dunkel, Lila hell und dunkel, Gelb hell und dunkel, entweder mit hellerem Innenteil oder umgekehrt. Das Kelchbeutelchen soll grün sein. Am hübschesten wirkt das Körbchen, wenn es etwa 15 mal 6 Zentimeter groß ist und mit vier Rosen gefüllt wird. Für jede Rose braucht man fünf innere und vier äußere Blütenblätter in je zwei Schattierungen der gleichen Farbe, also etwa fünf hellrosa und vier dunkelrosa Blättchen; Altrosa wirkt besonders fein, auch Lachsrosa, wie die altmodischen Rosen gefärbt sind.
Man schneidet Stoffquadrate von 15 Zentimeter Größe, legt sie zum Dreieck zusammen und kneift den dadurch entstandenen Rand schmal um, was auf unsrer Zeichnung (Abb. 49) gezeigt wird. (Muster eines Rosenblattes.) Nun faltet man das Blättchen, das dadurch aus doppeltem Stoff besteht, ein und legt nach der unteren Spitze zu seitlich je zwei bis drei Fältchen ein, faßt diese unter der Spitze gemeinsam mit dem umgerollten Rande zusammen und näht sie mit ein paar Stichen fest. Sind genügend Rosenblätter vorhanden, so zieht man für das Innere der Blüte ein Streifchen Stoff kraus zusammen, legt die Rosenblätter darum, so daß eines stets zur Hälfte das andre deckt, gibt ihnen durch Druck und Kniff eine hübsche Form und näht sie mit leichten Stichen zusammen.
Zum Duftbeutelchen schneidet man grüne, 20 Zentimeter große Quadrate und reiht sie wie auf der Abb. 48 mit kleinen Stichen aus grünen Seidenfäden in der angegebenen Weise ein. Man füllt den auf diese Art entstandenen Beutel mit beliebigem Duft. Der Faden wird nun, nicht zu fest, zusammengezogen, dadurch bilden sich außer dem Beutelchen die vier überstehenden Kelchblätter. In die obere Mitte schiebt man die Rose, zieht den Faden fest an, wickelt ihn mehrmals herum, und näht damit gleichzeitig die Rose fest an. Den umgewickelten Faden bedeckt man, indem man ein schmales, grünes Seidenbändchen darüber legt. Man füllt das Körbchen mit vier Rosen, gibt ihnen eine Einlage aus Holzwolle oder Watte und bedeckt diese mit grünem Seidenpapier. Mit grünem Seidenband wird der Korbhenkel verziert, den Abschluß bildet eine flotte Schleife. Solch Körbchen ist für den Toilettentisch bestimmt, man kann auch einzelne Rosen verwenden, indem man sie an die Kleiderbügel hängt oder einzeln in Schubladen und Schränken verteilt. Im Jungmädchenzimmer werden solche Duftrosen sicherlich sehr beliebt sein, aber auch die Erwachsenen werden sich ebenso sehr darüber freuen; solch Körbchen ist zum Beispiel ein sehr passendes Geschenk „für die neue Wohnung“, nur dürfen diese feinen Rosen nicht gleich dutzendweise auftreten.
13. Wollpüppchen
Von Zeit zu Zeit tauchen als eine Art Spielzeug mehr oder weniger geschmackvolle Wollpüppchen auf. Die große Wollmode der letzten Jahre brachte Wollpüppchen, die, praktisch verwendbar, einen Industriezweig bildeten, der sich bisher immer mehr ausbreitete. Immer neue Formen werden erdacht, um dieses neue Kleinkunstgewerbe weiter auszugestalten, für viele Frauen bildet es einen Erwerbszweig. Die Verwendungsmöglichkeit der Wollpüppchen ist sehr vielseitig, man verziert damit Tisch- und Speisefolgenkarten, man bringt sie auf Eierwärmern, Flaschenkorken, Nähkissen, Fingerhutbehältern an, sie ersetzen die üblichen Fliegenbälle und werden an Buchzeichen angebracht; bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es durchaus nicht geschmackvoll wirkt, wenn in einem Zimmer zuviel Wollfigürchen ausgestellt sind.
Die Herstellung ist meist sehr einfach, es gehört indessen viel Geschmack und Farbensinn dazu, um hübsche Modelle hervorzubringen.