Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen
Part 5
Zu ihrer Anfertigung ist zunächst eine Grundform aus feinem Draht nötig. Unsre erste Abbildung (Abb. 50) läßt ganz deutlich erkennen, wie er gespannt und umwickelt werden muß. Für den Kopf legt man mehrfach rosa Watte um die oberste Drahtschlinge, spannt ein Stückchen weißen Mull darüber, dreht ihn fest um den Wattebausch und näht ihn sauber zusammen. Das Überstehende wird weggeschnitten. Die Naht verdeckt man durch die Haare, die in Zephirwolle mit ungleich langen Plattstichen ausgeführt werden, wie die Abbildung zeigt. Zöpfe und hohe Frisuren bestehen aus Luftmaschenketten; für Locken zieht man die Wolle gleichmäßig durch und läßt immer eine kleine Schleife stehen. Augen, Nase und Mund werden durch kleine Stiche in feinem schwarzen und roten Garn angedeutet. Dann wird das ganze übrige Drahtgestell fest mit Wolle umwickelt, wobei die Schlingen der Arme und Füße einzeln vorzunehmen sind. Letztere führt man stets in rosa oder fleischfarbener Wolle aus. Die Körperformen müssen der Natur entsprechen, sie dürfen nicht gleichmäßig dick oder dünn sein. Zum Hals und Nacken spannt man die Fäden kreuzweise, dann wickelt man sie fest um den Oberkörper. Die Bekleidung der Püppchen läßt die größte Freiheit hinsichtlich des Geschmacks und der Formen zu. Unsre Abbildungen, die dem Heftchen „Wollblumen und andres“ (Verlag +Otto Beyer+ in Leipzig) entnommen sind, geben sehr nette Anregungen dazu.
Die auf den +Tischkarten+ unsres zweiten Bildes (Abb. 51) angebrachten 5 bis 6 Zentimeter hohen Figürchen stellen einen blau und weiß gekleideten +Ruderer+, eine +Kolombine+ in Weiß und Rot, einen unternehmenden +Wintersportler+ in rotem Gewande und weißem Schal und endlich eine flotte +Tänzerin+ in orangefarbenem und grünem Kleidchen dar. Die Püppchen stehen auf einer Ecke der 10: 4,5 Zentimeter großen Karten. Der Draht des einen Beines wird durch das Papier gezogen, auf der Rückseite zu einem Ring gebogen und mit einem runden Blättchen Papier überklebt.
Die in der letzten Abb. 52 auf dem +Eierwärmer+ tanzende Schöne trägt blonde Locken mit eingesticktem blauen Kränzchen; das Röckchen bilden 2 Zentimeter lange rosa Wollschlingen, das Leibchen und die kurzen Ärmelchen sind rund gewickelt. Der Eierwärmer wird mit einem Ring aus zwei bis drei Luftmaschen in rosa Wolle angefangen, in den sechzehn langgezogene Stäbchen geschlungen werden. Zweite Runde: mit blauer Wolle abwechselnd eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche. Dritte Runde: rosa, abwechselnd eine feste Masche in eine feste Masche der vorigen Runde, eine Luftmasche. Vierte bis dreizehnte Runde: Blau und Rosa wechselnd, wie die dritte Runde; doch von der sechsten Runde an werden statt einer Luftmasche zwei Luftmaschen gemacht. Mit der dreizehnten Runde in Rosa schließt die Form ab.
Der +Flaschenkork+ (Abb. 52, rechts) ist mit einer +Japanerin+ geziert, die 6,5 Zentimeter groß ist. Die hohe schwarze Frisur schmücken zu beiden Seiten angebrachte Blumen aus bläulich-rosa Wollschlingen. Das Kleid ist in Kimonoform gehalten. Zuerst häkelt man zum Rock in blaurosa Wolle einen Ring aus fünfzehn Luftmaschen, dessen Fadenenden man in der Taille befestigt. Durch die hinteren Glieder der Luftmaschen spannt man zur Taille und zurück blaue, gut 2,5 Zentimeter lange Fäden, ebenso für die Ärmel bis zum Ellbogen. Der Ärmelrand, der Halsausschnitt und der Gürtel, der rückwärts in Schleifen gebunden ist, sind aus rosa Wolle. Zum Schirmstock wird ein 6,5 Zentimeter langes doppeltes Stückchen Draht durch die rechte Hand gesteckt, die Enden werden zum Griff umgebogen und mit schwarzer Wolle umwickelt; zur Verzierung dient eine schwarze Schleife aus Luftmaschen. Das Schirmdach wird mit einem kleinen Luftmaschenring in dottergelber Wolle begonnen. Darein häkelt man siebzehn langgezogene Stäbchen. Die nächste und zugleich letzte Runde: je eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche; dabei häkelt man einen fein umwundenen Draht mit ein und näht alsdann das Dach am Stockende fest. Das Püppchen wird auf dem Kork befestigt, indem man den Draht des rechten Fußes durch die Metallscheibe und den Kork zieht und mit einem Knoten abschließt.
14. Die Zupfpuppe
Die Selbstherstellung von Puppen dürfte für jedes junge Mädchen ein besonderer Anreiz sein, weil mit dieser Kunstfertigkeit andern viel Vergnügen bereitet werden kann. In jeder Familie gibt es Kinder, und wer besonders geschickt und erfinderisch in der Anfertigung hübscher Puppen ist, wird bald in den weiteren Kreisen einen Namen als Puppenkünstlerin bekommen und in Anspruch genommen werden. Nicht nur zu Weihnachten und zu Geburtstagen kann man seine Fähigkeiten ausnützen, es findet sich immer wieder eine Gelegenheit, Kinderheime, Ferienasyle zu beschenken, dafür sind diese selbst hergestellten Puppen sehr angebracht, und man wird sie umso lieber anfertigen und annehmen, als die Herstellungskosten sehr gering sind. Man verwendet eigentlich nur Abfälle; die Hauptsache ist dabei: ein wenig Zeit übrig haben und mit Lust und Liebe nachdenken, wie man die Puppe recht praktisch ausführen kann. --
Es kommt vor allem darauf an, daß sie beweglich ist, daß sie nicht gleich entzwei geht, daß sie auch mal tüchtig naß werden kann und daß keinerlei giftige oder gesundheitsschädliche Materialien dazu verwendet werden dürfen.
Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 53) das Modell einer +Zupfpuppe+, wie sie sein soll, die sehr leicht nachzuarbeiten ist: +Grobe Sackleinewand+ wird in die einzelnen Fäden zerzupft; alle Fäden müssen doppelt so lang sein, wie die Puppe hoch sein soll. Dann macht man durch Zusammenlegen dieser Fäden einen Strang, er muß so dick wie ein Bein der Puppe sein. Diese Fäden dreht man ganz fest zusammen und legt sie auf die Hälfte. Aus dem oberen Teil arbeitet man den +Kopf+, der mit einem Zwirnfaden abgebunden wird. Man polstert den Kopf mit Watte aus und bezieht ihn mit einem viereckigen Stück +Hemdentuch+, das auch die Schultern bedecken soll. Die +Arme+ werden ebenfalls aus je einem Strang hergestellt. Man legt die Bündel in Schulterhöhe an und fängt nun an, kreuzweise von der linken Hüfte zur rechten Schulter zu wickeln, dann umgekehrt die andre Seite, so fest wie möglich, damit die Puppe nicht nur beweglich, sondern auch haltbar wird. Schließlich umwickelt man die +Arme+ mit Perlgarn oder Wolle, nicht ganz bis zum Ende, sondern läßt die inneren Fäden als +Hände+ stehen. Nun bewickelt man den +Rumpf+ und jedes +Bein+. Soll die Puppe +Füße+ haben, so wird eine Haarnadel mit eingewickelt, in der Art, daß in jedem Bein eine Nadel enthalten ist. Das unterste Ende der Nadel biegt man als +Fuß+ um und umwickelt diesen bis zur Spitze recht sorgfältig, damit der Draht sich beim häufigen Gebrauch der Puppe nicht frei machen kann. +Schuhe+ und +Strümpfe+ wickelt man mit andersfarbigem Perlgarn oder mit Wolle. Schließlich malt man das +Gesicht+ mit Wasserfarben an: rosa +Wangen+, einen roten +Mund+, die +Nase+ wird durch hellbraune Nasenlöcher angedeutet, die auch weggelassen werden können, blaue +Augen+ können gepinselt oder durch Perlen ersetzt werden, braune +Augenbrauen+ werden angemalt. Braune oder schwarze +Haare+ stellt man aus Wollfäden her, die in den Kopf eingezogen werden. Man kann auch dicke Seiden- oder Perlgarnfäden verwenden, es gibt verschiedene Farben, vom hellsten Blond bis zum tiefsten Braun in Wolle, Garn und Seide.
Als +Bekleidung+ kommen +Hemdhöschen+ oder +Kimonokleidchen+ in Betracht. Unser Modell hat ein niedliches Kleidchen mit farbiger Stickerei an, sogar ein +Gürtel+ aus Kordonettseide, der an beiden Seiten in Ösen läuft und seitlich zu einer feschen Schleife verknüpft ist, ist vorhanden. +Halsausschnitt+ und +Ärmel+ sind mit bunten Stichen gesäumt. Für die Puppenkleidung kann man indessen jeden farbigen Waschstoffrest verwenden, der gerade vorhanden ist, wenn er halbwegs „kindlich“ wirkt. Kleingeblümte, gepunkte, gesternte und gestreifte oder kleinkarierte, möglichst farbige Stoffe eignen sich am besten dazu. Unser Modell trägt braune +Wollfädenschuhe+, die +Strümpfe+ sind aus blauen Fäden gewickelt, je nach Belieben wird ein passendes Material, Wolle, Garn, Perlgarn, starke Seide verwertet.
Will man eine +Puppe+ für +kleine Kinder+ herstellen, so genügt es, sie nur bis zur Taille mit buntem Garn oder mit farbiger Wolle zu umwickeln, um auf diese Weise eine Bluse anzudeuten. Ein krauses Stoffröckchen wird angenäht, auf dem das Püppchen stehen müßte, da der untere Teil des Rumpfes an dieser Puppe fehlen würde.
Für größere Kinder, die schon mit Verständnis spielen, ist die „vollständige“ Puppe, wie wir sie auf unserm Bilde zeigen, indessen empfehlenswerter, sie hält viel aus, kann hingesetzt werden, Arme und Beine sind beweglich, und so ersetzt sie eine gekaufte, teure Puppe, wenn sie in die Hände eines echten, rechten Spielkindes gerät.
15. Lochstickerei
Die Lochstickerei ist wie alle +Weißstickereien+ nur denen zu empfehlen, welche die Technik wirklich beherrschen. Bei andern Arbeiten entscheidet nicht zuletzt die Farbigkeit über den Erfolg der Stickerei, geschickt gewählte Töne täuschen über kleine Stichfehler hinweg. Bei der +Lochstickerei+, die, wenn sie unbedingt geschmackvoll wirken soll, eine Weißstickerei sein muß, kommt es vor allem auf die tadellose Technik an. Jeder holperige Stich ist deutlich zu sehen; was nutzt der feinste Stoff, wenn der Linienschwung fehlt, wenn der Grund sich kräuselt. Es ist vorteilhaft, mit kleinen Arbeiten zu beginnen, mit einfachen Mustern anzufangen.
Die Verwendungsmöglichkeit für +Lochstickerei+ ist ziemlich vielseitig, am liebsten verwertet man sie für +Leibwäsche+, wo sie sich als durchaus praktisch erweist. Sie hält häufiges Kochen und Waschen aus, und eher zerreißt schließlich der Stoff als die Stickerei. Darum zieht man sie vielfach der Spitze vor, darum behauptet sie sich neben den neuen und neuesten Techniken. Eine gute Weißstickerei wird nicht so leicht unmodern; im Haushalt weiß man ihre Vorzüge zu schätzen.
Sie eignet sich besonders zur Verzierung von Bettwäsche, Überschlaglaken, Kopfkissen; Bezüge werden mit Lochstickerei bestickt, für Säuglings- und Kinderwäsche, die besonders häufig gewaschen werden muß, eignet sie sich am besten. Häubchen und Lätzchen, Kleider, Schuhchen, Unterwäsche verziert man in dieser Art, ebenso die Leibwäsche von Erwachsenen und Backfischen, solch selbstgestickter Ausputz ist unverwüstlich.
Man stickt auf Leinen und, wenn es sich zum Beispiel um Zierdeckchen, Teller-, Klapper-, Brotkorbdeckchen handelt, auf Seide, in diesem Fall mit Seide; Weiß auf Weiß wirkt am feinsten, für diese Arbeiten kann man indessen ausnahmsweise schwarze Stickseide verwenden, die durchaus waschecht sein muß.
Für Garten- und Balkondecken und Kissen benutzt man gegenwärtig am liebsten wasch- und sonnenechte bunt gemusterte Druckstoffe, wenig Handarbeiten; hier würden Buntstickereien sehr bald verblassen und von Wind und Wetter beschädigt werden.
Die Lochstickerei dürfte sich vielleicht für diese Zwecke ausnahmsweise empfehlen, wenn man sie in unbedingt waschechtem Garn auf blauem Fischerleinen oder auf grauem Leinen ausführt. Diese Stoffe sind bestimmt waschbar und den Einflüssen der Witterung fast unzugänglich, das Stickmaterial müßte sehr farbig gehalten werden, um in der Natur zu wirken. Rot in verschiedenen Tönen, Gras- und Giftgrün, Blau, möglichst grell und ungebrochen, Schwefelgelb, Apfelsinengelb, das sind geeignete Farben, während Schwarz, Braun, Bronze, Grau hierfür nicht passen. Die Technik ist bekannt; das Übertragen der Muster geschieht mit Hilfe von Blaupaus- oder Graphitpapier, auch Ölpauspapier bewährt sich recht gut. Weißes oder hellgelbes Ölpauspapier verwendet man für dunkle, rotes Ölpauspapier benutzt man für helle Stoffe. Sehr eindringlich muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß ein harter, scharf gespitzter Bleistift zum Durchpausen verwendet werden soll, damit die Umrisse möglichst scharf und dünn werden, weiche Bleistifte geben verwischte Linien, für kreisrunde Formen benutzt man Geldstücke, man kann auch mit dem Zirkel korrigieren, denn ganz tadellos werden die Kugelornamente sonst bestimmt nicht. Wenn man Klapperdeckchen und ähnliche Arbeiten aus dünnem, durchsichtigen Stoff besticken will, so genügt es, die Muster unter den Stoff zu schieben und Muster und Stoff straff zu befestigen, dann zeichnet man den Entwurf nach, ohne Zuhilfenahme von Pauspapieren, die leicht abfärben und den Grundstoff unsauber machen. Man pause recht leicht und schnell, damit das Pauspapier nicht länger als nötig aufliegt.
Weißstickereien sehen in Verbindung von Klöppelspitzen sehr fein aus, das gilt unter anderem für Kaffeedecken, Mitteldecken, Kopfkissenbezüge, Kuchenschützer, Kaffeewärmer. Auch andre Spitzen kommen in Frage, wenn sie nicht zu dünn und fein sind, man kann bei dieser Technik auch Seidenbanddurchzug verwenden; besonders gute Wirkungen werden erzielt, wenn man farbige Seide oder farbigen Satin unterlegt. Dies betrifft Kissen, Kuchenglocken, Lampenschirme, Taschentuchbehälter, Schleierordner, deren Muster dadurch stärker betont werden.
Wir bringen als Vorlagen einen Einsatz und eine Abschlußkante (Abb. 54 und 55). Diese Muster sind leicht nachzuarbeiten und vielfach verwendbar.
16. Tülldecken
+Tülldecken+ sind schließlich immer beliebt und modern; sie behaupten sich noch immer, während Filet- und Strickdecken längst wieder unmodern geworden sind. Die +Tüllarbeiten+ werden darum so gern verwendet, weil ihre Muster an keinen Stil gebunden sind; die verschiedensten Entwürfe können dafür benutzt werden, die Arbeit ist sehr angenehm, und die Wirkung stets vornehm. Tülldurchzugarbeiten gehören zu den feinen Weißstickereien, bei denen es auf das wirkliche Können ankommt, weil hier keine bunten Farben über mangelhafte Entwürfe und unordentliche Stiche hinwegtäuschen können.
Für die hellen oder dunklen glatt polierten Holzmöbel eignen sich Tülldecken ganz besonders gut, sie wirken ebenso fein auf Salontischen wie auf Kommoden, auf Nähtischen wie in Vitrinen; diese Technik erstreckt sich aber nicht nur auf +Decken+, man kann sie auch für +Kissen+, +Kuchenschützer+, +Kannenwärmer+, für +Lampenschirme+, +Sonnenschirme+, +Kleider+, +Schals+, +Taschentuchränder+, +Läufer+, +Einsätze+ und +Abschlußborten+ verwenden. Je nach der Stärke des Grundstoffes richtet sich die Stärke des Durchzugfadens, und der Grundstoff richtet sich wieder nach dem Zweck der Arbeit. Früher waren die Tüllmuster viel steifer als heute; man kannte meist nur Borten und Mittelstücke, die moderne Stickerin bringt Landschaften, Tiere, Häuser, Menschen, Blumen, Obst auf den Tüll, sie vereinfacht die Muster, ohne ihre Wirkung zu beeinträchtigen.
Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 56 bis 58) einige Vorlagen, die ganz besonders geschmackvoll sind; sie lassen sich leicht nacharbeiten und stellen keine allzu großen Anforderungen an die Stickerin. Auch auf unsern Bildern handelt es sich um flotte, leicht zusammenhängende Zeichnungen; diese heftet man dem Tüll unter und zieht sie mit feinem Garn nach. Bei größeren Flächen folgt man entweder mit einfachen Stichen fünf- bis sechsmal der äußeren Linie, oder man füllt die Figur mit Gitter- und Zickzackstich vollständig aus. Die achteckige Decke (Abb. 56) mißt 42 Zentimeter im Durchmesser, doch schneidet man sie 56 Zentimeter im Durchmesser, damit der 6 Zentimeter breite Saum gleich übergeschlagen werden kann. An jeder Ecke ergibt sich eine kleine Falte; der Rand des Saumes wird mit Stielstich aufgenäht.
Die im Durchmesser 1 Meter +große runde Decke+ (Abb. 58) ist sehr reich bestickt. Die verschiedensten Modelle stellen sich uns dar: eine stolz in die Höhe ragende Burg, eine Mühle, ein Schiff auf wogender See, ein Schloß auf steilem Bergrücken, ebenso eines im Tale, dazwischen palmenartige Bäume und wolkenähnliche Gebilde. Das muß alles sehr leicht eingestickt werden, damit der Tüll sich nicht zusammenzieht. Ungefähr 10 Zentimeter vom Saume entfernt, der schmal mit der Hand genäht wird, setzt das Muster ein, das in weißem Twist ausgeführt wird. Soll die Decke einen runden Tisch zieren, fertigt man sie im gleichen Durchmesser der Tischplatte an und umgibt sie mit einem 35 Zentimeter breiten, geraden Tüllstreifen als Volant, was sehr duftig wirkt.
17. Gabelspitzen mit Häkelei
Die +Gabelspitzen+ haben sich in letzter Zeit eine große Beliebtheit erworben, sie wirken leicht und gefällig, können schnell hergestellt werden, nehmen in der Arbeitstasche wenig Platz fort und sind, das ist die Hauptsache, vielseitig in ihrer Verwendbarkeit. +Taschentücher+ mit Gabelspitzenverzierung sind ein praktisches Geschenk, wenn sie ein wenig elegant hergestellt werden, sie dürften bei Verlobungen und Hochzeiten, vor allem aber bei Konfirmationen viel Anklang finden. Es wird soviel Unnützes verschenkt, was viel Geld kostet, warum sollte man feine +Taschentücher+, noch dazu mit Handarbeit geschmückt, nicht höher schätzen, besonders wenn ihre Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Auch leichte +Untertaillen+ mit Gabelspitzen sind zu empfehlen, für die dünnen Sommerblusen sind sie recht brauchbar; ich denke es mir sehr nett, wenn junge Mädchen sich in dieser praktischen Weise beschenken, man kann dabei sehr gut einige geeignete Stoffreste verwenden. +Tellerdeckchen+, +Tablettdeckchen+ lassen sich in dieser Technik sehr geschmackvoll verzieren, man darf nur nicht übertreiben und diese Technik für alle möglichen und unmöglichen Gegenstände verwenden wollen. Das Reizvolle an dieser Technik ist ihre Vielseitigkeit, die sich auch auf das Material erstreckt. So kann man mit farbiger Wolle mancherlei Nützliches in +Gabeltechnik+ ausführen, denn schließlich kommt es sehr darauf an, daß Zeit und Material richtig angewendet werden. Wir zeigen auf unsern Bildern einige Muster, die man leicht nacharbeiten kann, und die auch weniger geübten Anfängerinnen gelingen dürften. Da ist zunächst ein +gehäkeltes Kinderhäubchen+ (Abb. 59). Obwohl etwas abweichend von der üblichen Form, ist dieses Häubchen doch von besonderem Reiz durch die Zusammenstellung der aus drei verschiedenen Farben gearbeiteten Gabelbörtchen. Diese sind leicht anzufertigen mit Hilfe einer Gabel, die man sich aus starkem Draht selbst biegen kann, falls man keine kaufen will. Für das Börtchen schlingt man eine Luftmasche, zieht die Häkelnadel heraus und legt die Wolle um die eine Zinke der Gabel. Dann holt man die Wolle mit der Nadel, zieht sie durch die Schlinge und häkelt eine feste Masche in die Luftmasche. Hierauf nimmt man die Nadel wieder heraus, wendet die Gabel und legt die Wolle um die andre Zinke, zieht sie wieder durch die Schlinge und macht eine feste Masche in die vorige. So arbeitet man weiter, bis die gewünschte Länge erreicht ist. Aus leichtem Stoff formt man dann das Köpfchen und zeichnet gleich die Linien für die Figuren auf. Diesen folgend, setzt man die Börtchen, von der Mitte ausgehend, auf; danach faßt man die Schlingen zusammen, je zwei oder mehr, wie es die Form bedingt; aus der Abbildung ist dies deutlich erkennbar. In unsrer Vorlage ist hellgrüne, dunkelgraue und vergißmeinnichtblaue Wolle verwendet. Die ovale Mittelform ist grün, dann kommt das graue Börtchen, das wieder vom blauen umrandet wird, und zwar so, daß sich dann wieder Grün einfügt. Dem äußeren Rand folgt eine blaue Borte, der zum Abschluß graue Schlingen eingehäkelt werden. Zum Zusammenhalten dient statt Band ein 22 Zentimeter langer, aus vier Reihen fester Maschen bestehender grauer Streifen, der in der Mitte mit grünen Fäden durchzogen ist und an einer Seite angeknöpft wird. Zuletzt wird das eigenartige Häubchen mit blauer Seide abgefüttert.
Sehr ansprechend wirkt auch das feine +Taschentuch+ (Abb. 60), das sowohl für ältere Damen als auch für junge Mädchen geeignet ist; es kann aus einem kleinen Batist- oder Leinenrest hergestellt werden, ist praktisch und macht wenig Kosten. Die Verzierung besteht aus einem sauberen Hohlsaum und einer mehr oder weniger breiten Spitze; wir bringen zwei Muster (Abb. 60 und 61), die dafür in Betracht kommen, die aber auch anderweit, für Wäsche, Deckchen, Häubchen, Untertaillen, Kindersachen, verwendet werden können; sie sind ein guter Ersatz für die gewebten Bändchen und leicht nachzuarbeiten. Zu der abgebildeten, reizenden Zackenspitze führt man kleine Stückchen Gabelborte mit 14 Schlingen aus. Dann häkelt man wie folgt: Erste Reihe: 1 feste Masche in die 1. Schlinge der einen Seite, 5 Lftm., 1 f. M. in die nächste Schlinge und so weiter. Wenden. Zweite Reihe: In jede Lftm. 1 f. M., nur in die mittlere zwischen der 7. und 8. f. M. der vorigen Reihe werden 3 f. M. gehäkelt. Wenden. Dritte Reihe: Auf jede f. M. der zweiten Reihe wieder 1 f. M., in die Mitte des Zackens 3 f. M. Stets beide Glieder fassen. Vierte Reihe: 3 Doppelstäbchen, deren obere Glieder miteinander abgeschlungen werden, in je 1 f. M., 5 Lftm. Unten läßt man zwischen den äußersten Stäbchengruppen dreimal je 3 f. M. aus, gegen die Mitte zu stets weniger. Bei der Mitte selbst werden 2 Stäbchengruppen dicht nebeneinander gesetzt. Dann läßt man wieder mehr aus, entgegengesetzt vom Anfang. Fünfte Reihe: 4 f. M., 1 Pikot, 4 f. M. in jeden Lftmbogen, in den der Mitte 4 f. M. und 3 Pikot, 4 f. M. Bei den ersten 2 Pikots werden die Zacken aneinander geschlungen. Nach dem letzten Lftmbogen 3 f. M. in das letzte der drei zunächstliegenden Doppelst., 6 f. M. in die äußerste Schlinge, 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 7-8 f. M. in die äußerste Schl. der inneren Seite, 1 f. M., mit der alle 14 Schl. zusammengefaßt werden, 7-8 f. M. in die nächste innere Schl., 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 6 f. M. in die äußerste Schl., 3 f. M. in das letzte Glied der 3 Doppelst. Als letzte Reihe 1 St., 1 Lftm., unten 1 M. liegen lassen.
Als Ausputz an Wäsche eignet sich sehr das abgebildete, aus zwei Reihen Gabelbörtchen bestehende +Spitzchen+ (Abb. 61). Es ist gar nicht schwer auszuführen. Man macht zweimal die gewünschte Länge; dann verbindet man sie, indem man in je 2 Schl. der einen Borte 1. f. M. häkelt, sodann 2 Lftm. und 1 f. M. in je 2 Schl. der 2. Borte. Den einen Außenrand begrenzt man folgendermaßen: 1 f. M. in 2 Schl., 5 Lftm.; der andre Rand für die Spitze ist: Erste Reihe: 2 durch 3 Lftm. getrennte Stb. in je 2 Schl., dazwischen 5 Lftm. Zweite Reihe: 1 f. M. in den 1. Lftmbogen, 2 Lftm., 3 durch 3 Lftm. getrennte Stb. zwischen die Stb. der vorigen Reihe, 2 Lftm.; von da ab wiederholen.
Dasselbe +Spitzchen+, nur mit einem Börtchen, ist zur Verzierung des Batisttaschentuchs verwendet. Aus der Abb. 62 ist ersichtlich, wie einerseits der schmale Saum gleichzeitig mit tief eingestochenen f. M. erfaßt wird, anderseits je nach 3 f. M. des Saums 2 Schlingen mit angehäkelt werden. Es fällt also der Außenrand der oben beschriebenen Spitze weg.
II. Kapitel
Malerei
18. Stoffmalerei